Sonntag, 19. Juli 2015

Was der Postbote gebracht hat…


Schön ist es, daß durch die Möglichkeiten des Internets so manches an Devotionalen womöglich wieder zu jemandem kommt, der sich daran freut – seien es nun heilige Antoniusse, Stiche von Kreuzigungen aus Wallfahrtskirchen, Kruzifixe oder Kitschmadonnen. Eine solche Madonna aus der Zeit um 1900 wollte ich immer schon.

nach Auswickeln aus gefühlt
hundert Lagen Zeitungspapier…
…voilà!
Der Mantel der Gottesmutter
hat eine blaue Borte…
…und der achteckige Sockel eine Goldauflage, witzigerweise
nur dort, wo man es normalerweise sieht,  also auf fünf Seiten

Donnerstag, 16. Juli 2015

Neulich, beim Einkaufen

gefundener Einkaufszettel

Meine eigenen Einkaufslisten nehme ich aus irgendeinem Grund wieder mit nach Hause, dafür finde ich es besonders interessant, immer wieder einmal im Wagen die hinterlassenen Einkaufszettel anderer zu finden. So à la „Kunden, die Creme fraîche (mit Circonflexe, wow!) gekauft haben, kauften auch Basilikum“.

Dann und wann habe ich auch schon mit der entlegenen Idee gespielt, statt mit meiner eigenen Liste, auf der naturgemäß meist das draufsteht, was ich zur Zeit gerne esse – es gibt da erkennbare Phasen –, anhand einer solch gefundenen Liste einzukaufen und dann zur Abwechslung einmal zu kochen, was jener wohl gekocht hätte. Die Croissants mit Nutella könnte ich dann immer noch den Vögeln hinstreuen.


Und noch ein Fund: ein richtiger Schneewittchenapfel (wie wir wissen, brauchte die böse Königin ja einen solchen, um die giftige Seite von der guten zu unterscheiden).

Montag, 13. Juli 2015

Zwischendurch…

Am Wochenende konnte ich in den Nachrichten den folgenden, wundervollen Satz lesen: „Als zu Affären neigender Schauspieler von Weltrang mit Hang zu einem aufwendigen Leben und den Spieltischen war Sharif auf seinem Zenit in den Schlagzeilen und gleichzeitig ein Publikumsliebling.“ Na bravo! Manchmal kann einen das, was man heute unter Journalismus versteht, zur gefühlten Verzweiflung treiben. Wir entnehmen diesem verschachtelten Satz eine Fülle unterschiedlichster, gleichwohl offenbar als völlig gleichranging betrachteter Informationen:

  • Omar Sharif hatte Affären
  • Omar Sharif war ein Schauspieler von Weltrang
  • Omar Sharif liebte es aufwendig
  • Omar Sharif spielte gern mal Roulette oder sonstwas, jedenfalls hatte er einen „Hang“ zu allem, was auf Tischen gespielt wird
  • Omar Sharifs Karriere hatte einen Zenit (immerhin!)
  • Omar Sharif war in den Schlagzeilen (wahrscheinlich wegen allem aus der obigen Liste)
  • Omar Sharif war ein Publikumsliebling

Ich wette, mit ein klein wenig Mühe hätte sich sicherlich noch mehr in einen einzigen Satz packen lassen, von dem einem der Kopf schwirren kann (manche Sender haben sicherheitshalber angemerkt, daß es sich bei Sharif um einen „Darsteller“ handelte).

Was mir von Sharifs Werk am eindringlichsten bleibt, ist ironischerweise die Beerdigungsszene aus Dr. Zhivago, in der sein Sohn Tarek spielt. Hier hat mich immer schon der eindringliche Gegensatz zwischen den Elementen und Jahreszeiten, dem Leben über der Erde und der Stille unter ihr fasziert. Außerdem natürlich der violette Samt des Sarges samt Goldkreuz. Kann ich bitte auch so beerdigt werden, in der Einöde und unter fallenden Blättern? Jedenfalls: Omar Sharif ist gestorben, möge er in Frieden ruhen.
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