Freitag, 16. Oktober 2015

Spindlers Fabrik

Gerüchtehalber sollte man am abgebildeten Ort ganz wundervolle Fotos machen können, was sich im Sommer bei mehreren Gelegenheiten auch prompt als wahr erwiesen hat. Nicht erst bei dem Anlaß, bei dem diese Fotos entstanden, habe ich mich gefragt, was mögen das wohl für Leute sein, die eine Wohnung kaufen, bevor sie überhaupt existiert? Das Projekt, vollmundig als „Wasserstadt“ angekündigt, hätte eigentlich in diesem Jahr fertig sein sollen, stattdessen sprießen dort weiterhin Bäume aus dem Dach. Seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!

Was man von der Bausubstanz der alten Spindlerschen Fabrik getrost noch hätte retten können, hat man in vielen vergangenen Jahren unnütz verkommen lassen: mehrmals hat es gebrannt, im letzten Jahr waren noch alte Fenster drin, auch noch vorhandene Fliesenböden sind wohl hin. Nun hält die Baustelle eine weitere Winterruhe − die Vermarktungsgesellschaft in spe verbitterts, die Spindlersfelder freut es. Zumal der Bezirk Treptow-Köpenick vor einiger Zeit eingeräumt hat, auf die Gestaltung der Baupläne aus irgendeinem Grunde letztlich kaum noch Einfluß zu haben: entschieden die Bauherren sich sich, das Gelände neben der eigentlichen alten Fabrik kleinteilig oder auch potthäßlich zu bebauen, muß offenbar auch das hingenommen werden.Warum eigentlich?

am Uferweg
Der wundervolle Uferweg, eine herrliche Verbindung aus wildwuchernder Natur und dem Charme alter Eisengitter im Stile der 60er Jahre, wird jedenfalls dahin sein. Immerhin bleibt er, wie gerade gestern verlautbart wurde − eine Mitteilung, die ich als ausgesprochen arrogant empfunden habe −, „weiterhin für die Allgemeinheit zugänglich“. Vielen Dank auch! Etwas, das der Allgemeinheit gehört, da der Schwager Spindlers, Albert Mentzel, weiland den Park seiner Villa der Stadt stiftete, bleibt auch weiterhin für sie zugänglich. Die Spindlersfelder, deren Ortslage von dieser Fabrik (oder ihrem Errichter, Wilhelm Spindler) ihren Namen hat, wären gut beraten, sich die bis jetzt noch nicht vorgelegten oder gar bewilligten Baupläne bei der Auslage dann genau anzusehen und womöglich Widerspruch einzulegen. Geld ist nicht alles (und bezahlbarer Wohnraum für dich und mich entsteht dort eh nicht, da braucht man sich nichts vorzumachen).

Natürlich kann man nicht jedes Stück Brachland zum Denkmal erklären (auch wenn es das eigentlich schon ist). Bei so manchem Geschenk, das sich aus der Verbindung von Politik und Natur ergab, fragt man sich aber doch, warum kann das nun nicht so bleiben oder vielmehr: muß das denn nun unbedingt zerstört werden? Hier nistet die Fledermaus, hier gibt es geschützte Wasservögel wie den Kormoran. Es gibt bereits einen Plan, der vorsieht, welche Bäume des entzückend verwilderten Ufers gefällt werden, um Platz für etwa 200 Bootsanlegeplätze zu machen. Die braucht man ja unbedingt. Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Kormoran vertrieben, der letzte Wohnturm und die letzte Marina ans Ufer geknallt sind, werdet ihr merken, daß ihr etwas Unwiederbringliches zerstört habt.






Der herzloserweise ausgesetzte Stuhl Nr. 161
(wo mögen wohl seine 160 kleineren Brüder sein?)
hat bei dieser Gelegenheit übrigens
ein gutes neues Zuhause gefunden.

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