Freitag, 31. Oktober 2014

Vigil des Hochfestes Allerheiligen

Besser als hier kann ich es in diesem Jahr auch nicht sagen. Daß ich Halloween mit seinen Kürbissen und Verkleidungen nicht für einen Aufreger halten kann, sondern eher für eine Möglichkeit, dürfte hinreichend bekannt sein. Die reizenden Kinderchen unten sind ein gutes Beispiel dafür, wie man die Vigil des Festes Allerheiligen sinnvoll nutzen könnte (irgendwo war da auch noch ein Minidominikaner mit Schnuller). Eine andere wäre natürlich, wirklich eine Vigil zu feiern, auch solche Möglichkeiten gibt es.

Als ich unter der Woche in Tempelhof an einem Sperrmüllhaufen vorüberkam, auf dem unter anderem ein Hexenhut lag, mußte ich lachen und kam fast ein wenig in Versuchung; wann sonst könnte ich wohl beim Arbeiten einen Hexenhut tragen? Und nachdem ich heuer Kürbisse selber angebaut habe (ein Mischling aus rotem und gelbem Zentner ist einigermaßen groß geworden, wenn auch weit entfernt von der Gewichtsangabe, die er im Namen trägt) finde ich sie fast noch netter als vorher.

Wundern tue ich mich eigentlich nur, wenn das Erzbistum mir schreibt, heute wäre nicht Halloween, sondern Reformationstag. Äh, nein, liebe Redaktion, für mich nicht – nicht im mindesten. Was habt ihr denn für einen liturgischen Kalender? Für mich ist heute der Vorabend von Allerheiligen, einem der wunderbarsten Feste des Kirchenjahres.





Samstag, 25. Oktober 2014

Neue Reihe: Köstliches aus alten Büchern

heute: wie Hausarbeit verrichtet werden soll

Der spezielle Wert der Hausarbeit liegt in ihrer unendlichen Vielseitigkeit. Die ausgeklügelste Gymnastik wäre nicht imstande, soviel Abwechslung an Übungen aufzustellen, wie sie die Hausarbeit ganz von selbst mit sich bringt. Sie beschäftigt alle Muskelpartien in gleicher Weise, durchblutet, erschüttert und ernährt sie in einer solchen Vollkommenheit, wie sie niemals in einer anderen Tätigkeit wieder erreicht werden könnte. Für viele im Bureauleben und in Fabriken verkümmerte Frauen ist sie schon heute die einzige Rettung, zu normalen weiblichen Kräften und richtigem Ausleben zu kommen. (Antonie Steimann, Die tüchtige Hausfrau, 1913)

Dienstag, 21. Oktober 2014

Duc nos, o virgo pia – zum Fest der hl. Ursula




Cum cælesti ierarchia
duc nos, o virgo pia,
per tot mundi maria.

Mit der himmlischen Hierarchie
führe uns, o gottgeweihte Jungfrau,
durch die vielen Meere der Welt.
(aus dem Hymnus Felix virgo Ursula eines unbekannten Dichters)

Beim letzten Bloggertreffen konnte ich mich über diesen Ursulabrunnen freuen, vor allem über das vorn auf dem Bug thronende Bärchen (natürlich!), das Ausschau zu halten scheint. Auf der anderen Seite saß noch, etwas versteckt, ein Pelikan (id est, ein Christussymbol) mit an Bord, auch wenn er, wie die Jungfrauen selbst, etwas besorgt aussieht – vielleicht kamen die Hunnen gerade in Sicht.

Montag, 20. Oktober 2014

Thoreau im Praxistest

Immer wenn ich in die Natur hinausgehe und dort mit Thoreaus
I went into the woods…  anheben will, passiert sowas… 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Selfie im Fahrstuhl

(nun gut, außerhalb von Fahrstühlen
sieht man meist viel besser aus als darin.
Im Freien gibts nicht so viele Spiegel.)

…nach wenig Schlaf, etwas anstrengender Anreise wegen des Lokführerstreiks, aber mit neuem Gilet. Das hab ich mir ziemlich spontan gekauft, weil ich es wirklich gut brauchen kann. Meine Befürchtung war, daß ich mit einem solchen Kleidungsstück aussehen würde wie das Michelinmännchen. Tue ich nicht, deshalb hatte ich doch etwas zu lachen.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Freiheit – Weihbischof Weider bringt es auf den Punkt

Für unseren Weihbischof emeritus müssen wir Gott danken. Wenn er predigt, tut er das immer so schlicht und klar, daß ihn eigentlich auch ein zwölfjähriges Kind verstehen würde. Bei der Begegnung mit einem portugiesischen Ehepaar, das vom Weihbischof in einer eigenen kleinen Feier gesegnet wurde, bei der ich dolmetschen durfte, gab es einmal einen rührenden Moment, als ich dem Ehepaar vorher über den Weihbischof sagte (in der Meinung, dieser spräche gar kein Englisch) „This is our auxiliary bishop. He is very good“ und der Weihbischof ganz bescheiden und freundlich lächelnd dazu sagte: „I am auxiliar“.

Auf Fotos sieht man ihm schon am Gesicht an, wie gut er ist. Der Bischof fährt übrigens seit Jahr und Tag mit der U-Bahn und trägt sein überaus schlichtes Pektorale schon auch einmal in einer Pralinenschachtel mit sich herum, auch ohne daß die Medien darüber schrieben.

Hier bringt er es wieder einmal auf den Punkt, wenn er über die Freiheit des Menschen, insbesondere über die nach der Wiedervereinigung Deutschlands wiedergewonnene Freiheit sagt:
Wenn wir nun auf die vergangenen 25 Jahre in der Geschichte unserer Stadt und unseres Volkes zurückschauen und auf die neugeschenkte Einheit Berlins und unseres Landes, müssen wir bekennen: Du warst auch uns sehr gnädig, barmherziger Gott. Wir hatten uns so oft gefragt, ob die Mauer wohl einmal fallen wird und wenn das wirklich geschehen sollte, wann und wie das sein wird, wenn sie einmal fällt und ob wir es noch erleben? Es schien uns allen in weiter Ferne – und plötzlich war es da – über Nacht – ohne Blutvergießen - ganz anders als wir es gedacht oder befürchtet hatten. Die Bilder von der Nacht jenes unbegreiflichen 9. November 1989 zeigen in bewegender Weise, wie sich der Traum einer ganzen Stadt, ja eines ganzen Volkes erfüllte – wir konnten wieder zu einander. Wir fielen uns in die Arme und entdeckten, daß wir trotz der langen Zeit der Trennung doch Brüder und Schwestern geblieben waren. Wir waren glücklich, daß wir uns wiederhatten und miteinander neu beginnen konnten, wenn wir uns auch mit der Zeit erst gegenseitig auf vieles Neue im Leben des anderen einstellen mußten.

Wenn wir ehrlich sind: Wir haben uns in den vergangenen Jahren an dieses große Geschenk gewöhnt, als sei es etwas Selbstverständliches. Aber nach all dem, was voraus gegangen war, müssen wir sagen, es ist nicht selbstverständlich, und wir müssen es vor einander immer wieder bezeugen: wir haben die gütige Hand Gottes gespürt, der uns herausgerissen hat aus aller Ausweglosigkeit und Verzweiflung, in die uns die Diktatur der roten Machthaber geführt hatte. Darum müssen wir heute Gottesdienst feiern über die Grenzen von damals hinweg. Wir müssen zusammen kommen als Kinder des gemeinsamen Vaters im Himmel, dem wir das Wunder verdanken. Wir haben zu danken, zu feiern und zu beten. Denn wir sind beschenkt, verbunden und geborgen. Beschenkt mit der Freiheit, verbunden in der Erfahrung als Brüder und Schwestern zusammen zu gehören und geborgen in der Hand Gottes, dessen Allmacht und Güte wir erlebt hatten. Wir danken Gott, weil er uns beschenkt hat mit der Freiheit.

Wir hatten erfahren, was es heißt, ständig kontrolliert oder überwacht zu werden. Wir hatten erlebt, wie sehr Menschen darunter gelitten haben, nicht mehr die nächsten Angehörigen besuchen zu können und daß sie mit dem Tode spielten, wenn sie es eigenmächtig doch versuchten. Und mancher bekam auch Erniedrigung und Gefängnis zu spüren, wenn er sich nicht als linientreu erwies. Wem aus diesem Grund die Freiheit genommen wird, dem wird die Würde des Menschseins genommen. Vielen wurde sie damals in unserem Land genommen. Gott hat sie uns wieder geschenkt, und dafür haben wir zu danken.

In diesem Zusammenhang müssen wir aber auch daran erinnern, daß diese Freiheit heute – sogar hier in Berlin – leider oft schamlos mißbraucht wird. Die Würde des Menschseins besitzen nämlich auch die vielen ungeborenen Kinder, die durch Abtreibung getötet werden. Die Schätzungen in Deutschland liegen pro Jahr über 100 000. Um für diese wehrlosen Menschen einzutreten, ist erst vor wenigen Wochen der „Marsch für das Leben“ durch unsere Stadt gezogen. Papst Franziskus hat sich in einem eigenen Schreiben mit den Teilnehmern dieser Aktion solidarisch erklärt. Doch der Marsch hat in unserer Stadt viele haßerfüllte Gegendemonstranten auf den Plan gerufen, die erstaunliche Unterstützer selbst in den höchsten Kreisen der etablierten Parteien fanden. Diese fanatisierten Verfechter für das Recht auf die Tötung ungeborener Kinder haben sich zu massiven Beschädigungen von Kirchenfassade und Pfarrsaal der Herz-Jesu-Pfarrei in Berlin-Mitte hinreißen lassen, wo der Bundesverband Lebensrecht seinen Sitz hat. Für diesen Mißbrauch hat uns Gott die Freiheit unserer Stadt und unserem Land nicht geschenkt.

Neues aus Erzbloggistan



Sonntag, 5. Oktober 2014

Samstag, 4. Oktober 2014

Der hl. Franziskus und der göttliche Glanz

Zwei Jahre bevor Franziskus seine Seele dem Himmel zurückgab, weilte er in einer Einsiedelei, die nach dem Ort, wo sie gelegen ist, Alverna heißt. (Thomas von Celano, Leben und Wunder des hl. Franziskus

Auf diesem Bild des hl. Franziskus in Ekstase gibt es ziemlich viel zu entdecken. Es zeigt die Stigmatisation des Heiligen, die sich im September 1224 ereignete, als sich der hl. Franziskus auf den Berg Alverna zurückzog, um sich dort durch Gebet und Fasten auf das Fest des hl. Michael vorzubereiten.

Mich hat das Bild ein wenig an Elija erinnert, wie er am Eingang der Höhle steht und der Herr ist nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern im sanften, leisen Säuseln. Von diesem Bild der Stigmatisation kann wohl ähnliches gesagt werden, der Herr naht sich im Säuseln des Windes und in einem stillen Glanz (man achte auf den Lorbeerbaum), ein Glanz, der so intensiv ist, daß der Heilige einen deutlichen Schatten wirft, der in den Eingang seiner Klause fällt. Dieser stille Glanz scheint das ganze Bild zu erfüllen und zu beleben.



Die Tiere im Hintergrund, ein Kranich, ein Esel und auch ein kleiner Hase, der unterhalb der stigmatisierten Hand seinen Kopf aus dem Baus streckt, auch einige der Schafe des Hirten, er selbst und sein Hund, scheinen gleichsam kontemplativ in das Geschehen versunken. Vorn im Bild ein Dornbusch, in dessen Ästen sich ein Zettel, der die Signatur des Malers Bellini trägt, verfangen hat, rechts im Eingang zur Höhle ein Ambo mit dem Stundenbuch (die Regel sah vor, daß die Minderen Brüder Stundenbücher haben durften), vielleicht auch ein Evangeliar. Der Schädel zu Füßen des Kreuzes erinnert an den Schädel Adams auf Golgotha, zugleich an die Endlichkeit allen Seins; ein Gegenstück zum Lorbeer, aus dem der Kranz des Sieges und des ewigen Lebens gewunden wird.





Ein interessantes Detail sind die Sandalen des Heiligen, der ja eigentlich ein Barfüßer war: ziehe deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort wo du stehst, ist heiliger Boden. Schaut man genauer hin, findet man auch Wasser und Weinreben, die Symbole der Eucharistie und der Taufe, wie des Leidens und Sterbens Christi, deren Male der Heilige empfängt.

Freitag, 3. Oktober 2014

Herbst!


Ich finde es schön, daß Zugvögel durch ihre charakteristischen Rufe auf sich aufmerksam machen, so hört man doch, da kommt was. Vorgestern war der erste Tag, den ich wirklich als Beginn des Herbst empfunden habe (morgens Hochnebel und der einzige Laubbaum vor meinem Fenster hat über Nacht entschieden, mit der Blattfarbe nach Gelb zu wechseln. Rundum in anderen Gärten dasselbe. Was war denn das für eine Nacht?). Nachmittags dann mehrere große Flüge Zugvögel.

Das scheint immer an einem bestimmten warmen Tag im Altweibersommer gehäuft der Fall zu sein – Instinkt oder sagen die sich, heute ist gutes Reisewetter, da brechen wir auf? Ja, nun ist es wieder für ein weiteres Jahr soweit. Weil ich sie aber von Mal zu Mal so schön finde und eigentlich als Wunder anstaune, komme ich nicht dazu, so recht melancholisch zu werden. Im Frühjahr kommen sie zurück.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Engel (solche und solche)

Am 29. September wurde in vielen Gemeinden erstmals schmerzhaft das Fehlen eines Liedes offenbar, das früher™im Gotteslob stand, und das ich sehr geliebt habe. Morgen wird es noch einmal so sein: Unüberwindlich starker Held konnte man eigentlich nur an Michaelis und zum Tag der Deutschen Einheit singen: der heilige Michael ist der Schutzpatron Deutschlands und der Deutschen. Nicht nur das, er ist der Schutzpatron der ganzen Kirche. Die Kirch dir anbefohlen ist, du unser Schutz- und Schirmherr bist – welches andere Lied bringt das so zum Audruck?

Obwohl das Lied mit seiner charakteristischen Melodie so wunderschön ist, daß man es gerne öfter gesungen hätte, gab eben die Seltenheit seines Gesangs dem Ganzen noch den Reiz des Flüchtigen, das erst im nächsten Kirchenjahr wiederkehrt, wie etwa die Sequenzen oder das Gloria laus et honor – noch so ein Gesang, der im neuen Gotteslob verschwunden ist. Warum, das ist mir in beiden Fällen unerklärlich.

Beim ersten Mal, als ich das Lied in der Gemeinde hörte, stand neben mir ein älterer Mann, der das Lied so begeistert geschmettert hat, daß es mich anrührte. Dem Sänger lag der hl. Michael sichtlich am Herzen, jedenfalls das Lied. Ich lernte es und liebte es fortan.

Froh bin ich, daß ich mir extra alte Gotteslöber aufgehoben und keine solchen Papierengelchen draus gefaltet habe. Eine bescheuerte Idee, wie ich finde, und letztlich ein trauriger Anblick. Das war einmal ein Buch, das in der Liturgie verwendet wurde. Könnte man ihm da nicht mit etwas mehr Achtung begegnen? Ich kann daher nicht verstehen, daß manche Diözesen oder Pfarreien zu seiner Zerstörung geradezu aufriefen. Aus einem alten Gotteslob kann man immer noch einen (oder viele) Liederzettel zaubern, aus einem Faltengel niemals mehr. (Gibts eigentlich nicht genug mit Unfug bedrucktes Papier, aus dem sich wenigstens solche Engel falten ließen?)

Es dient dir eine große Schar von tausendfachen Feldherren.
Das Kreuz jedoch, des Heiles Schild, erklärt der siegreich Michael.

Dieses Bildchen im Stil des Benziger Missales hat mir gefallen und mich darauf gebracht, daß es einen ganzen lateinischen Hymnus zu Ehren des Festes des hl. Michael und aller Engel gibt; Te splendor (das Spruchband ist diesem entnommen) – dich heller Glanz, des Vaters Kraft, an dessen Lippen hängen wir, wir loben unter Engeln dich. Diese tägliche Vereinigung im Loben, Danken und Staunen mit den Engeln läßt nicht nur sie uns nahe sein, sie bringt uns näher zu Gott selbst.
Te splendor et virtus Patris
Te vita, Iesu, cordium,
ab ore qui pendent tuo,
laudamus inter angelos.

Tibi mille densa milium
ducum corona militat;
sed explicat victor crucem
Michael salutis signifer.

Draconis hic dirum caput
in ima pellit tartara,
ducemque cum rebellibus
caelesti ab arce fulminat.

Contra ducem superbiae
sequamur hunc nos principem,
ut detur ex agni throno
nobis corona gloriae.

Patri, simulque Filio,
tibique, Sancte Spiritus,
sicut fuit, sit iugiter
saeculum per omne gloria.
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