Samstag, 27. September 2014

Herbst im Garten

Was unbedingt noch in die Erde muß: Besenheide

Freitag, 26. September 2014

Windhauch, Windhauch – Kohelet und der Marsch für das Leben

Gestern und heute hören wir aus dem Buch Kohelet, das ich sehr mag, Lesungen, die in ihrer Poesie und auch Zeitlosigkeit berühren, so oder so:
Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen. Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll. Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. …
Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne daß der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.
Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Irgendwie denke ich mir das auch im Zusammenhang mit dem Marsch für das Leben. Da gibt es von Jahr zu Jahr wenig Neues unter Sonne, was man 2011 getan hat, wird man 2014 wieder tun, und ich sehe mir das Geschäft an, für das jeder Mensch sich abmüht.

Manchmal fällt es schwer, dabei nicht zynisch oder bitter zu werden: wenn etwa in der Unaussprechlichen in jedem Jahr aufs Neue nach Marsch ein Gezerre losgeht, welche Informationen und in welcher Form aufbereitet, in den Artikel über diese Demonstration für das Leben einfließen dürfen. Da wird in teils abgelegenen Winkeln versucht, um jeden Preis zu verhindern, daß bestimmte Dinge, nämlich die, über die sich oft auch Medien ausschweigen, in Artikeln stehen dürfen. Das geht beim Abschlußgottesdienst (den man im letzten Jahr virtuell gar zu gern ganz in der Versenkung verschwinden lassen wollte („Der Demonstrationszug endete beim Berliner Dom“) los und hört beim Betatschen von Teilnehmerinnen am Marsch, den Rangeleien zwischen der ZDF-heute-show und dem CDU-Politiker Hüppe, und dem Anschlag auf die Herz-Jesu-Kirche in Prenzlauer Berg noch längst nicht auf.

In solchen Fällen ist die Strategie, da man bestimmte Dinge schlecht ins Land der Einhörner und Fabeltiere verweisen oder auch ungeschehen machen kann, so zu tun, als hätte es sie nicht gegeben (das hat man im übrigen durchaus auch schon mit den Thema Lebensschutz als Ganzes versucht). Wo das schwierig wird, unternimmt man alles, um die berichtende Quelle als für nicht geeignet erklären zu lassen, womit bestimmte Medien wie etwa das Domradio, KNA, idea oder MEDRUM aus dem Rennen sind, aber auch manche Zeitschriften. Man kann über die Junge Freiheit denken, was man will, es ist aber nicht recht einsehbar, wieso diese als Beleg nicht taugen soll, die taz aber doch. Warum nicht idea oder die KNA aber ausgerechnet der hpd? (Die Antwort auf diese Fragen ist natürlich: weil die einen ins Weltbild passen und die anderen nicht. Und weil bestimmte Dinge vielleicht einfach nicht sein können, weil sie nicht sein dürfen.)

In all diesen Fällen ist es übrigens auch gut, wenn unabhängige Blogger berichtet oder sogar fotografiert haben. Blogs werden als Quellen zwar auch nicht akzeptiert, ihre Artikel sind aber im Netz als Wissen verfügbar und ihre Berichterstattung, wie bemerkt, von solcherlei Gezerfel unabhängig.

Nun lese ich bei katholisch.de, daß der Staatsschutz die Ermittlungen zum Anschlag auf die Herz-Jesu-Kirche, bei dem übrigens auch die Kleiderkammer der Kirche für Frauen und Kinder in Not beschädigt wurde, aufgenommen hat. So weit, so schlecht. Im Folgenden aber heißt es:
Polizeisprecher Karsten Müller wollte nicht bestätigen, daß es sich um einen „zielgerichteten Anschlag auf die Kirche“ gehandelt habe. Vielmehr sei der Verein, der die Kirchenräume angemietet habe, wohl Zielscheibe der Täter. Diese Einschätzung teilt der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, nicht. „Der Angriff ist auch als Angriff auf die Kirche gedacht“, sagte Förner am Mittwoch im Gespräch mit katholisch.de. Daß der „Marsch für das Leben“ provoziere, sei klar.
An dieser Stelle hielt ich inne, weil mir die Formulierung mit der Provokation vage als so eine Art Türöffner vorkam („Der hat so komisch geguckt, da mußte ich ihm einfach eine reinhauen!“) – immerhin kann das aber so oder so gemeint sein. Einerseits mag es provokant sein, wenn jemand auf ein ungeheueres Unrecht aufmerksam macht; man erinnere sich an die Rede Mutter Teresas vor den Vereinten Nationen, in der sie Abtreibung als den größten Zerstörer des Friedens bezeichnet hat: „Heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts.“

Andererseits: wenn jemand wirklich soviel Provokantes an einem Zug von ein paar Tausend schweigender Menschen (längst nicht genug!) mit Holzkreuzen finden kann, daß er Jahr für Jahr medial und oft genug auch in Formen körperlicher Gewalt derart austickt, muß er nach den Gründen dafür bei sich selber suchen. Oder es muß nach den Gründen dafür bei ihm gesucht werden, nicht bei den Teilnehmern eines friedlichen Schweigemarsches. Schade finde ich übrigens, daß mittlerweile der grüne Luftballon oder das grüne Schild das Holzkreuz weitgehend verdrängt zu haben scheinen. Das Kreuz, auf seine Weise ein Zeichen der Provokation, war in früheren Jahren für den Marsch prägend. Die Teilnehmer des Marsches schweigen eigentlich, sagen aber doch etwas. Aber weiter im Text:
Diese Kundgebung sei aber vielmehr eine Demonstration für das Leben, als eine gegen Abtreibung, sagte Förner. „Es bestätigt sich mein Eindruck, daß der Marsch für das Leben sich entradikalisiert hat und sich jetzt die Gegner des Marsches radikalisieren“, sagte Förner.
An dieser Stelle habe ich mich wirklich gefragt, Herrgott, was fällt euch denn ein? Mit dem ersten Satz hat er sicherlich recht, indes ist auch das nichts Neues unter der Sonne. Anscheinend aber kann es nicht oft genug gesagt werden. Dann aber, man lasse sich das bitte auf der Zunge zergehen: „Es bestätigt sich mein Eindruck, daß der Marsch für das Leben sich entradikalisiert hat und sich jetzt die Gegner des Marsches radikalisieren“. Ich möchte wirklich einmal wissen, wo Stefan Förner diesen Eindruck, jedenfalls den ersten seiner Eindrücke, hernehmen will? Kennt er den Marsch für das Leben? Ist er schon einmal mitgegangen und hat diesen Marsch von innen heraus erlebt, mit dem all dem Haß, der von außen an ihn herangetragen wird, oder hat er einfach einen „Eindruck“, von woher auch immer? Meinem Empfinden – und ich bin bisher jedes Mal selbst dort gewesen und habe berichtet – war der Marsch für das Leben noch nie radikal, weshalb er sich auch nicht ent-radikalisieren mußte, während die Gegendemonstranten, und diejenigen, die sie medial unterstützen, immer schon radikal waren (deshalb wird überhaupt der erhebliche Polizeischutz gebraucht), weshalb diese sich auch nicht erst radikalisieren mußten, sie waren es bereits.

Mit der Sentenz, der Marsch für das Leben sei zudem keine Veranstaltung der katholischen Kirche, weiß ich auch wenig anzufangen. Da wurde ein Anschlag auf eine Kirche – mit Bekennerschreiben aus der linksradikalen Szene – verübt, und zwar in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Marsch für das Leben. Da ist es doch wirklich einerlei, ob das eine katholische, eine evangelische oder eine Sonstwaskirche war! Bestimmten Leuten paßt der Marsch für das Leben nicht, und deshalb haben sie einfach mal prophylaktisch eine Kirchenfassade, Räume dieser Kirche und eine Kleiderkammer verwüstet und brüsten sich jetzt auch noch damit. Mit den Leuten, die sowas machen, stimmt etwas nicht, und zwar ernsthaft, weshalb aus gutem Grund der Staatsschutz ermittelt. Auf Facebook indessen ist der Abgeordnete Hüppe in einen wahren Shitstorm geraten, bei dem er sich allen Ernstes noch anhören darf, es sei schade, daß er nicht ordentlich eins aufs Maul gekriegt habe. So sieht das aus.

Nächstes Jahr gibt es wieder einen Marsch und wißt ihr was: was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Der Schott weiß in Bezug auf Kohelet zu bemerken: Alles ist flüchtiger Windhauch; aber der Mensch allein weiß, daß es so ist, das ist seine Größe und sein Elend.

Dienstag, 23. September 2014

Montag, 22. September 2014

Das hat meine Kristallkugel auch vorhergesagt…

…und in der Unaussprechlichen war er es aufgrund eines inhaltlichen Mißverständnisses für einige Stunden schon gestern: Tobias Przytarski, der frühere Offizial und dann Generalvikar des Bistums, ist nun sein Diözesanadministrator.

Schön ist es, daß das Domkapitel (eigentlich das Metropolitankapitel, aber das kann keiner schreiben, ohne sich zu vertippen und die Menschen erkundigen sich, was denn ein Metropolitankapitel sei?) einen gewählt hat, der es erwiesenermaßen kann, er hat  Humor (braucht man!), und außerdem ist er auch noch nett. Ich weiß nicht mehr, ob er es war oder Weihbischof Heinrich, als man überlegte, ob man Kandidaten mit Bärten zum Priester weihen könne. Anscheinend war aber auch damals der Bart kein Weihehindernis.

Sehe ich Msgr. Przytarski dann und wann nicht live, sondern im Fernsehen, finde ich immer, er wirkt so schön ruhig, geerdet und vernünftig. Gottes Segen!

Menschen guten Willens sind die „Vor-Vorgestrigen“ – Marsch für das Leben 2014

Die Hand eines zwanzig Wochen
alten Kindes greift nach der
seiner Mutter
Der Berliner Kurier schießt dieses Jahr für mich den Vogel ab – wenn es auch ein häßlicher ist (passend zum Online-Header dieses virtuellen Fishwraps):
13 Uhr wirds voll am Hauptbahnhof. Die Teilnehmer werden weiße Holzkreuze und Schilder mit der Aufschrift „Ungeborene sind keine Rohstoffe“ durch Mitte tragen. Klingt erstmal vernünftig. Doch es steckt mehr dahinter.
Also, so kann man es natürlich auch machen. Logisch, wenn etwas vernünftig klingt, aber von denen kommt, die ich sichtlich gefressen habe, muß natürlich „mehr dahinterstecken“. Das, obwohl der Gesetzgeber findet, die Würde des Menschen sei unantastbar und es sei Ziel aller staatlichen Gewalt, sie zu achten und zu schützen. (Ich will nicht sagen, es läge daran, daß viele Menschen Artikel 1 des ersten Absatzes unseres Grundgesetzes auf Nachfrage nicht einmal zu nennen wissen, in der Tat ist aber letzteres so.)

Leute, ich hab das in gewisser Weise so über, von euch und anderen in jedem Jahr aufs neue in die rechte Ecke gestellt zu werden, weil ich ein Holzkreuz trage, an einer friedlichen Demonstration für das Leben teilnehme, und finde, daß Ungeborene keine Rohstoffe sind noch sein sollten. Satt habe ich diese Strategie, Menschen guten Willens dauernd mit Dreck zu bewerfen, in der Hoffnung, wenigstens etwas davon werde schon hängenbleiben und dann auszurufen, „Guckt mal, die sind ja ganz schmutzig!“ Wird mich das davon abhalten, beim nächsten Marsch für das Leben wieder mitzugehen? Wird es andere abhalten? Nein! Ärgerlich bleibt es trotzdem.

Über die unheilige Allianz, das mangelnde Demokratieverständnis und die Handlungsweise derer, die den Marsch für das Leben gewaltsam (durch Aktionen wie unter anderem die Schändung von Kreuzen, das Werfen mit Farbbeuteln und das Schlagen[!] von Teilnehmern) gestört haben, schreibt Marcus Böttcher von der Berliner Zeitung, der Die gruselige Allianz der Vor-Vorgestrigen titelt, kein Wort. Dabei ist das viel gruseliger.

Papst Franziskus hat sich mit den Teilnehmern durch Gebet und Segen verbunden und geht in Rom auch selbst mit, wenn der dortige Marsch vom Kolosseum zum Petersplatz zieht. Wahrscheinlich auch wieder so ein Vor-Vorgestriger… 6000 (in Worten: sechstausend) Menschen guten Willens sind nach zurückhaltenden Schätzungen der Polizei in diesem Jahr in Berlin dem Aufruf zum Marsch für das Leben gefolgt, und im nächsten Jahr werden es wieder mehr.

Donnerstag, 18. September 2014

Wo der Graureiher fischt


Immer, wenn Verzweiflung in der Welt in mir wächst,
gehe ich und lege mich nieder,
wo der Brauterpel in seiner Pracht auf dem Wasser ruht
und der Graureiher fischt.

Dort finde ich den Frieden der Geschöpfe der Wildnis,
die ihr Dasein nicht in banger Erwartung
von Leid belasten.

Ich liege ganz nah am stillen Wasser und ich fühle,
wie droben die tagblinden Sterne
mir ihr Licht schenken.

Und für eine Weile suche ich den Frieden der Welt
und bin frei.
(The peace of wild things,  Wendell Berry)

Mittwoch, 17. September 2014

Hildegardis prophetissa

Dieses Mosaik befindet sich an der Ostwand der Klosterkirche der Abtei St. Hildegard, über der Tür zur Sakristei. Die Heilige, im Habit der Benediktinerinnen und mit der Krone der Jungfrauen dargestellt, hält ein Spruchband in Händen: O Tochter des Königs, wie süß ist deine Liebe zum allerhöchsten Gott.

O Tochter des Königs heißt es wohl in Anlehnung an Ps. 45, der bei der Jungfrauenweihe gesungen wird: Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiß dein Volk und dein Vaterhaus! Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, verneig dich vor ihm!

Die Aufschrift selbst ist ein leicht gekürztes (wahrscheinlich, damit es noch aufs Spruchband paßt) Zitat eines Gesangs der Tugenden aus dem Ordo virtutum der hl. Hildegard. Vollständig heißt es da:
O filia regis, tu semper es in amplexibus quos mundus fugit.
O quam suavis est tua dilectio in summo Deo!
Der Ordo virtutum der Heiligen scheint vielfach durchdrungen von den Bildern des Hohenliedes. So dichtet die hl. Hildegard über die Tugend der Jungfräulichkeit:
O virginitas, in regali thalamo stas.
O quam dulciter ardes in amplexibus Regis, cum te sol perfulget, ita quod nobilis
flos tuus numquam cadet.
O virgo nobilis, te numquam inveniet umbra in cadente flore.

O Jungfräulichkeit, du stehst im Gemach des Königs.
O wie süß brennst du in den Umarmungen des Königs, wenn die Sonne dich durchstrahlt,
nie wird deine Blüte fallen.
O edle Jungfrau, nie wirst du den Schatten kennen, noch wird deine Blüte welken.

Dienstag, 16. September 2014

And now for something completely different: alte Pflanzenkataloge

Bei einer meiner jüngsten Martial-Art-Übungen bei iKEA habe ich gesehen, daß es dort seit neuestem schön nostalgisch wirkende Drucke alter Pflanzenkataloge gibt. Im Kleingedruckten wird der potentielle Käufer darüber belehrt, daß iKEA solches dank einer Lizenz von Corbis tun darf. Bill Gates, der via Corbis ja Bildrechte aufkauft ohne Ende, sichert sich also weiteres, das schon aufgrund seines Alters an sich im Public Domain sein und bleiben sollte. Stetig nährt sich das Eichhörnchen.

Grund genug, sich umzusehen, ob es draußen noch mehr solcher Bilder gibt, die mein Herz erfreuen und die Herr Gates noch nicht vereinnahmt hat. Es gibt sie – die Smithsonian Libraries sind in dieser Hinsicht ja eine wahre Fundgrube. Pflanzen- und Saatgutkataloge können ja schon in modern eine Versuchung sein, in altmodisch sind sie einfach nur ganz entzückend. (Ergebnis der Einkaufstour: mehrere Boxen in ebenfalls nostalgisch wirkendem Grün und ein Handtuch mit einer Badeente drauf.)












Montag, 15. September 2014

Ohne Worte (Erzblogger-Pong)

Wie man sich das mit der Erzbloggerei
am hiesigen Hause Blog so vorstellen darf…

Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen – Gedächtnis der Schmerzen Mariens

Unerträglicher als selbst zu leiden, ist es manchesmal (oder immer?), die leiden zu sehen, die man liebt. So offenbart Simeon der Jungfrau Maria schon bei der Darstellung Jesu im Tempel: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.  … Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. Ein Zeichen zu sein, dem widersprochen wird, in Gefangenschaft zu geraten und zu einem qualvollen Tod verurteilt zu werden, ist sicherlich kein leichtes Schicksal. Zu wissen, warum man etwas durchleidet, mag es in manchen Momenten – in anderen wieder nicht – leichter machen, seinem Kreuz zu begegnen und es buchstäblich anzunehmen.

Als Mutter sehen zu müssen, wie der eigene Sohn schließlich den Tod schmählichen Tod eines Verbrechers erleide, ist womöglich schwerer zu ertragen – ich will hier nicht das eine Schicksal gegen das andere aufwiegen. Daß man der Schmerzen Mariens früher am Freitag vor dem Palmsonntag gedacht hat, ist mir eingängiger als der Tag nach dem Fest der Erhöhung des Kreuzes.

Die umgangssprachliche deutsche Bezeichnung „schmerzhafte Mutter“ kommt mir immer etwas seltsam vor, auch wenn direkt es vom lateinischen Mater dolorosa kommt, an der Gottesmutter selbst ist ja nichts schmerzhaft oder schmerzlich. Die englische Sprache nennt sie daher einfach Our Lady of sorrows, unsere liebe Frau von den Schmerzen.

Manche Mater-Dolorosa-Darstellungen zeigen unsere liebe Frau sinnend oder trauernd vor einer Tafel sitzend, die ihre Leiden darstellt. Und darum geht es: in der Erfahrung des Schmerzes dessen, was es heißt, wenn ein Kind verschwindet und erst einmal tagelang nicht wieder auftaucht – oder vielleicht nie mehr –, die Heimat zu verlieren, fliehen zu müssen und in der Fremde zu leben, die Mutter eines – nach geltendem Recht – verurteilten Verbrechers zu sein, ihn auf dem Weg zur Hinrichtung zu begleiten und ihn schließlich ins Grab zu legen, ist die Mutter Gottes uns nahe. Wie der Sohn Gottes uns dadurch nahe war, daß „annahm, was er nicht war“, Mensch wurde und so erfuhr, was es heißt, ein Mensch zu sein, so ist seine Mutter uns nahe in der Erfahrung dessen, was es bedeutet, Schmerz zu durchleiden.

Vor einiger Zeit habe ich eine Dokumentation über die letzten Tage einiger zum Tode Verurteilter im texanischen Huntsville gesehen: über die Verabschiedung von den Angehörigen, die Bemühungen jener, die versuchten, die Vollstreckung des Urteils abzuwenden, die Wachen und das Gebet derer, die sich gegen die Todesstrafe einsetzen, über den letzten Tag bis hin zu dem Moment, in der Leichnam einer der Verurteilten, den man zuvor noch gesehen hat, seinen Angehörigen im offenen Sarg übergeben wird. Da habe ich an unsere liebe Frau von den Schmerzen gedacht.

Sonntag, 14. September 2014

Hilf uns, o lebensspendendes Kreuz – zum Fest der Kreuzerhöhung


Das lebenspendende Kreuz deiner Güte,  das du uns Unwürdigen geschenkt hast, Herr,  tragen wir zu dir hin als unsere Fürbitte. (aus dem Troparion zur Erhöhung des heiligen und kostbaren Kreuzes)

Einen Vorgeschmack auf das Fest der Kreuzerhöhung hatten wir unerwartet schon am Dienstag, als wir der 25. Wiederkehr der Konsekration Kardinal Sterzinskys gedachten und diese Messe in roten Paramenten als Votivmesse zum heiligen Kreuz gefeiert wurde. Weihbischof em. Weider hielt eine bewegende Predigt wie sehr Georg Kardinal Sterzinsky in seinem Leben das Kreuz erfahren und auch bewußt sein Leben unter das Kreuz gestellt hat. Besonders eindringlich finde ich die Worte der Präfation Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegründet.

Das Fest der Kreuzerhöhung ist eine Reminiszenz an die Kreuzerhöhung am Karfreitag, ohne deren vornehme Trauer. Stattdessen gedenken wir der Herrlichkeit des Kreuzes. Daß wir seiner Glorie gedenken können, ist wiederum nur möglich, wenn wir auf das schauen, was das Kreuz für uns bedeutet. Genauer noch als in unserer Sprache bringen die Lateinische (und auch die Englische) die doppelte Bedeutung des Festgeheimnisses zum Ausdruck: In exaltatione Sanctæ Crucis, exaltation of the cross, wobei exaltatio nicht nur die Erhebung, sondern auch das Hochgefühl, der Jubel ist. Wir sollen mit Stolz auf das Kreuz blicken und dankbar dessen gedenken, was für uns daraus geflossen ist. Die Liturgie verehrt das Kreuz als lebenspendend und kostbar, und wie recht hat sie damit. So rufen die Gläubigen in der ostkirchlichen Liturgie aus, „Juble, kostbares Kreuz! Hilf uns, o lebensspendendes Kreuz“, und ein diesen Ausfruf betrachtender Eremit schreibt dazu:
Wie kann das angehen? Warum rufen wir solches aus? Hat das Kreuz Ohren? Hat es eine Seele, daß wir zu ihm sprechen könnten, als wäre es lebendig? Natürlich nicht. Wir sprechen nicht zum Kreuz, sondern richten unsere Bitten an den, der, indem er ans Kreuz geheftet wurde, alle Kreatur vereint und allen Dingen Leben eingehaucht hat, sogar der unbeseelten Natur. Die dem heiligen Kreuz innewohnende Gnade erfüllt uns mit solcher Freude, daß wir sie nur ausdrücken können, indem wir das Kreuz selbst als Freund und Beschützer anrufen.
Für die verfolgten Christen unserer Tage hat dies eine bedrückend erscheinende Dimension. Wie kann für sie nun das Kreuz, an das sie vielleicht selbst geschlagen werden, „herrlich" sein? Und doch ist es das, denn in ihm liegen Heil, Leben und – Hoffnung! Möge ihnen wie uns das Kreuz Freund und Beschützer sein, in der Gewißheit, daß wir niemals verlassen sind, wenn wir darauf blicken.

Donnerstag, 11. September 2014

Katholische Stilfragen

Es kann kommen was will, Frauen haben ihre eigenen Themen (deshalb verschwinden sie in Gesellschaft auch meist zu mehreren an den gewissen Ort). Etwa, ob dieses Outfit des Stabes einer Botschafterin am Heiligen Stuhl wohl das Rechte wäre?

Selber hätte ich – außer einem hohen Wiedererkennungswert – gar nichts dran gefunden, aber auf Facebook wird fleißig kommentiert und in der Luft zerrissen. Schreckschrauben, amische Röcke, Verkleidung, Heuchelei, oberpeinlich, et ceteri, et cetera. Gut, Schleier zum Hosenanzug „sieht nicht aus“, manche von uns haben, wie ich höre, dies aus sogar aus bischöflichem Munde vernommen. Aber sonst? Vorausgesetzt, der Rock ist ausreichend lang (einen der Röcke finde ich von daher leicht grenzwertig), warum soll man ihn dann nicht in der Länge tragen, in der man sich wohlfühlt? Wann sich dieses Gefühl einstellt, kann im übrigen in gar nicht allzulanger Zeit verschieben, wie ich schon vor der Kandidatur an mir selbst feststellen konnte. Wohl könnte ich knielange Röcke tragen, ich fühle mich aber sehr unwohl darin, warum sollte ich es dann tun?

Margaret Atwood schreibt im Report der Magd, allerdings über die totalitäre Republik Gilead, zu dieser Verschiebung der Wahrnehmung (die Mädge begegnen japanischen Touristen):
Ich kann nicht anders, ich muß sie anstarren. Es ist schon lange her, daß ich Frauen mit so kurzen Röcken gesehen habe. Die Röcke reichen bis eben über die Knie und die Beine sehen darunter hervor, fast nackt in ihren dünnen Strümpfen, auffällig, die hochhackigen Schuhe mit den an den Füßen befestigten Riemchen – wie zierliche Folterinstrumente. Die Frauen schwanken auf ihren mit spitzen Dornen versehenen Füßen, als gingen sie auf Stelzen und wären aus dem Gleichgewicht geraten; ihre Rücken sind in der Taille gebogen, der Po nach hinten gestreckt. Ihre Köpfe sind unbedeckt, das Haar frei und bloß in all seiner Dunkelheit und Sinnlichkeit. Sie tragen Lippenstift, das Rot umreißt die feuchten Höhlen ihrer Münder wie Kritzeleien an Toilettenwänden in der Zeit davor.
Ich bleibe stehen. Desglen neben mir bleibt ebenfalls stehen, und ich weiß, daß auch sie die Augen nicht abwenden kann von diesen Frauen. Wir sind gebannt, aber auch abgestoßen. Sie kommen uns unbekleidet vor. Wie wenig Zeit es gebraucht hat, um unsere Ansichten über solche Dinge zu verändern!
Dann denke ich: Ich habe mich früher auch so angezogen.
Muß oder sollte man sich als „Schreckschraube“ bezeichnen lassen, wenn man als katholische Frau irgendwo im wadenlangen Kleid oder Rock aufschlägt? Und nicht einmal irgendwo, sondern zur päpstlichen Audienz? Ich glaube nicht.

Mittwoch, 10. September 2014

Alle Jahre wieder

Die Gnaden der Heiligen Messe
…fallen Feste auf einen Sonntag im Jahreskreis und verdrängen das wöchentliche „Kleinostern“, wenn sie höherrangig sind. In diesem Jahr etwa das Fest Kreuzerhöhung, der Weihetag der Lateranbasilika und auch Allerseelen (diese spezielle Konstellation wiederholt sich immer in ein- und demselben Kalenderjahr). Wiederkehrend sind auch die Diskussionen um die Vorabendmessen, solche, die vorgesehen sind, und solche, die es eindeutig nicht sind (nicht nur hier, sondern scheints auch anderswo).

Allerheiligen fällt dieses Jahr auf einen Samstag, das Pontifikalamt in der Kathedrale ist für abends um sechs angekündigt. Als dieses „Problem“ bei einer Besprechung jüngst wieder einmal gewälzt wurde („Ja aber wieso denn abends, das muß man den Leuten doch mitteilen, die erwarten sonst die Vorabendmesse?!“) verließ mich zwischendurch die Geduld mit diesem besonderen Phänomen etwas. Wo ist denn eigentlich das Problem? An Allerheiligen ist den ganzen Tag Allerheiligen und an Allerseelen den ganzen Tag Allerseelen. Dazwischen gibt es keinen Vorabend, aus dem einfachen Grund, weil Allerseelen den Sonntag „sticht“. Der liturgische Rang von Allerseelen ist in gewisser Weise einzigartig, es ist weder Fest noch Hochfest, verdrängt aber alles. Jeder Priester darf an diesem Tag drei Heilige Messen feiern, für jede gibt es ein eigenes Meßformular. So wichtig ist der Kirche die Fürbitte für unsere Verstorbenen. Wo soll denn da ein Sonntag herkommen, dessen Vorabendmesse man am 1. November abends noch erwarten könnte? Allerseelenablässe können schon am Nachmittag erwirkt werden, auch Gräbersegungen gibt es vielerorts schon am Nachmittag des Allerheiligenfestes.

Das Fest Kreuzerhöhung – das den Sonntag im Jahreskreis verdrängen kann, weil es sich um ein Fest des Herrn handelt – hat wiederum in solchen Jahren eine erste Vesper und auch eine Vorabendmesse (die des Festes natürlich). Also ist auch an Kreuzerhöhung den ganzen Tag Kreuzerhöhung.

Und sagt selbst, wenn es nur um die Erfüllung des Sonntagsgebots ginge: das Sonntagsgebot hat meiner Ansicht nach den Sinn, den Gläubigen wenigstens am Tag des Herrn zur engeren Begegnung mit ihm, der Kirche und den Sakramenten einzuladen. Dies dürfte auch erfüllt sein, wenn ich zu Allerheiligen abends oder zu Allerseelen – oder erstrebenswerterweise sogar an beiden Tagen – die Heilige Messe mitfeiere, ob das nun die Sonntagsmesse oder eine Vorabendmesse ist oder nicht. Bei einer derartigen Logik müßte man sich ja sonst bei jedem Fest, das anstelle des Sonntags im Jahreskreis gefeiert wird, etwa dem Patrozinium, quasi noch eine andere Messe suchen, deren Meßformular den Sonntag im Jahreskreis hergibt – das wäre absurd und eine Karikatur dessen, was die Kirche wünscht. Wie bereits bemerkt, das Glaubensleben ist auch keine Kirchgangsstempelkarte.

Dienstag, 9. September 2014

Zwischen zwei Gefühlen

Unterseite des Primizkelchs Kardinal Sterzinskys
In dieser Woche geht es mit den Pontifikalämtern Schlag auf Schlag. Schon als wir am Sonntagnachmittag unseren Erzbischof Rainer in einem feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale verabschiedet haben, galt unser Gedenken bei der Heiligen Messe auch Georg Kardinal Sterzinsky. Wie gern hätten wir die 25. Wiederkehr seiner Konsekration als Bischof mit ihm gefeiert! Etwas früher im Jahr, zum Fest des Täufers, haben wir, wohl von vielen unbemerkt, des 25. Jahrestages seiner Ernennung zum Bischof von Berlin gedacht. Heute abend feiern wir ein Pontifikalamt aus Anlaß seines Bischofsjubiläums, das er, wie seinen Ruhestand, leider nicht mehr erlebt hat. Ich muß sagen, er fehlt mir immer noch.

Lange blieb mir von Georg Kardinal Sterzinskys Requiem, bei aller Gewißheit, daß er jetzt in der ewigen Freude ist und ausruhen darf von seiner schweren Last, der herzzerreißende Moment, als er zur Aufbahrung ein letztes Mal in die Kathedrale zurückkam und wir ihn zur Totenwache liturgisch empfangen haben. Als Leuchterträgerin stand ich unmittelbar neben dem Sarg und ich dachte, du armer Mensch, was hast du gelitten! Über diesen Hader, daß Gott einen guten Menschen im Sterben so leiden läßt, bin ich innerlich glaub ich immer noch nicht ganz hinweg. Immerhin ist er mir nicht so in Erinnerung geblieben, sondern wie er war auf der Höhe seiner Kraft, die klaren Predigten, die er uns gehalten hat, die Mahnwachen, zu denen er selbst hingekommen ist, bei der Spendung der Sakramente und beim Stundengebet, unser lieber Erzbischof Georg, halt.

Montag, 8. September 2014

Noch zum Fest Mariä Geburt


Auf Kindheitsbildnisse der Jungfrau Maria bin ich aufmerksam geworden, als ich Antonia Whites Maifrost gelesen habe. Auf solchen Bildern ist die Gottesmutter, wenn sie über das Bambina-Alter hinaus ist, meist mit einem Buch dargestellt, oder ganz in ihre Handarbeit vertieft. Hier ein sehr schönes von Francisco de Zurbarán, das die kleine Maria bei der Herstellung eines Tuches zeigt, von dem man denken könnte, es wäre einst zur Grablege ihres Sohnes bestimmt.

Das kleine Mädchen, das dem Bild im Blogheader – ebenfalls ein Marienbild von Zurbarán – so ähnlich sieht, ist seine jüngste Tochter, Agustina Florencia, die kurz vor der Entstehung des oberen Bildes gestorben war.

Morgendämmerung unserer Erlösung – das Fest Mariä Geburt

Die lateinische Kirche beginnt das Kirchenjahr mit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn, die Ostkirche mit der auf das Fest der Geburt der Gottesmutter. Beides hat seine Berechtigung. Die Geburt der Gottesmutter ist in gewisser Weise der wahre Beginn des Advents, die Morgendämmerung der Menschwerdung und der Erlösung, des Ereignisses, das die Liturgie den Zenit der Zeiten nennt.
Sei gegrüßt, Mutter des allerheiligsten Sternes;
sei gegrüßt, Morgenglanz des mystischen Lebens.
Sei gegrüßt, den glühenden Irrtum löschest du aus;
sei gegrüßt, allen der Dreifaltigkeit Geweihten zeigst du ihre Majestät. (aus dem Hymnos Akathistos)

Sonntag, 7. September 2014

Also…


…ist das jetzt Selbstironie oder meinen die das ernst? Gibt es Leute, die schon im Juli oder August nach Lebkuchen fragen und denen man obiges mitteilen will? Fragen über Fragen. Wie dem auch sei, gerade rechtzeitig zum Fest Mariä Geburt wird es adventlich. Positiv denken!

Donnerstag, 4. September 2014

Braut des Lammes bekommt eine Badewanne

Also, es gibt ja schon skurrile Beiträge in den Medien. Da titelt die Aachener Zeitung Kardinal Woelki bekommt eine Badewanne und berichtet unter anderem: „Die Badewanne steht wie üblich eingefliest an der Wand.“ So what, soll mich das jetzt vom Hocker reißen? Sind freistehende Badewannen, vorausgesetzt, die Hähne und Tatzfüße sind nicht aus Gold oder Silber, irgendwie besonders protzig?

Ich bekomme nächste Woche übrigens auch eine Badewanne, aus dem schlichten Grunde, weil ich im Frühjahr bei der Wohnungsübergabe gesagt habe, daß ich diese Siebziger-Jahre-Wanne (in Orange!) so nicht nehme. Zwei Handwerker sahen das genauso, die Mühlen der Hausverwaltung fingen an zu mahlen, im August kriegt man den Klempner nicht, weil der Klempner Urlaub macht, aber jetzt. Die Badewanne steht übrigens an der Wand, in diesem Badezimmer wäre das wohl auch kaum anders möglich. Immerhin hab ich seit Dezennien nur in Wohnungen gewohnt, die überhaupt eine Badewanne (und ein Fenster) hatten. Macht mich das jetzt irgendwie außergewöhnlich? Die Badewanne bleibt ein Thema. Die Ente bleibt draußen.

Mein Bild des Tages

Robusta 2014 – es darf wieder nominiert werden

Der Academy Award der Blogozoese, der nunmehr traditionell in geraden Jahren verliehen wird, ist wieder da. Derzeit können munter Blogs für die einzelnen Kategorien vorgeschlagen werden. Neu unter den bekannten Kategorien ist Alltag (gute Idee, mir fiel auch gleich ein Blog ein, das ich da nominiere); lustig ist, wie immer, die Kategorie Trägheit, einfach weil es irgendwie drollig ist, einen katholischen Blogger für eine Kategorie vorzuschlagen, die unter die sieben Todsünden fällt. Ich muß zugeben, in diesem Sommer hatte ich mir schon fast Chancen auf diese Kategorie ausgerechnet. Immerhin, besser Trägheit als Völlerei. ;)

Braut des Lammes ist diesmal für Augenhonig und – überraschenderweise – für Kultur nominiert. Hier gehts zum Kommentarbereich auf totaliter aliter, in dem bis auf weiteres Vorschläge gemacht werden können. totaliter aliter, nun wieder im vertraut puttigen Look, kann übrigens selbst auch nominiert werden.

Dienstag, 2. September 2014

Der Klerus frißt nicht jeden Tag eine Frau zum Frühstück

Einerseits wird der Begriff Frauenfeindlichkeit in gewisser Weise bei weitem zu oft bemüht, andererseits frage ich mich bei bestimmten Dingen zuweilen, ob eigentlich noch niemandem aufgefallen ist, wie frauenfeindlich das eigentlich ist? Wie dem auch sei, ob das
„Wir möchten betonen, dass wir nicht frauenfeindlich sind, wir fressen ja keine Frauen.“
nun das glücklichste Argument war? Keiner der erklärten Misogynen, die mir grade so in den Sinn kommen, hat meines Wissens bisher eine Frau gefressen. Vielleicht nehme ich Kardinal Müller auch viel zu ernst. Zuerst dachte ich ja an eine dieser Meisterübersetzungen von kath.net, die klingen, wie aus einer Frauenzeitschrift entsprungen (7 Ideen für ein kleines Badezimmer [das natürlich ein Fenster und am besten auch einen Boden haben muß, der etwas hermacht, sonst kann man alle 7 Ideen vergessen]), aber nein, das aus dem Munde eines weltbekannten Dogmatikers: „Dobbiamo innanzi tutto chiarire che non siamo misogini, non vogliamo mangiare ogni giorno una donna!“ Gute Neuigkeiten! :}

Montag, 1. September 2014

Kleine Freuden zwischendurch

Gleich drei Greifvögel, vom Bürofenster aus erspäht –
ich liebe ja den Schrei dieser Vögel. Leider habe ich
nie die hohe Kunst erlernt, die Tiere anhand ihrer
Silhouette zu voneinander zu unterscheiden.

Der rbb mal wieder…


„Rainer Maria Kardinal Woelki nimmt Abschied von Berlin. Der amtierende Berliner Erzbischof geht Mitte September nach Köln, um die Nachfolge von Joachim Kardinal Meisner anzutreten. Doch vorher spricht er im rbb-Interview über seine dreijährige Amtszeit in Berlin, seine Zweifel nach Köln zu gehen, und warum er sich in der Hauptstadt manchmal wie in einer Diaspora gefühlt hat.“
„…und warum er sich in der Hauptstadt manchmal wie in einer Diaspora gefühlt hat“. Könnte das daran gelegen haben, daß es die Diaspora ist? Und nein, so hat der Herr Kardinal das natürlich nicht gesagt. „Ich war in Berlin in einer Diaspora-Situation, in der ich sicherlich auch gereift bin.“ – Ich glaub, die Redaktion hat keine Ahnung, was das Wort Diaspora bedeutet. Auf jeden Fall kann man sich in Berlin fühlen „wie in einer Diaspora“, was immer es heißen mag. In der Hauptstadt, immerhin!
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