Montag, 30. Juni 2014

Vanitas vanitatum oder: es ist ein Irrsinn!

Kathedralenmodell in der Kathedrale –
Gullivers Reisen läßt grüßen
Seit einiger Zeit hatte ich schon den Eindruck, daß im Wege der Vorbereitungen auf die Umgestaltung des Kathedraleninneren einiges ein wenig …tütü würde. Diesen Eindruck brachte kürzlich ein hoher Geistlicher auf den Punkt, in dem er von „einem Irrsinn“ sprach (mit hörbarem Ausrufezeichen).

Konkret gemeint ist damit aktuell die Bekanntgabe der Entscheidung, für welchen der fünfzehn Entwürfe zur Umgestaltung des Kathedraleninneren, die in der Endausscheidung des Architektenwettbewerbs waren, man sich denn nun entschieden hat. Dabei werden die Modelle der Entwürfe, die es von den eingereichten 169 in die Endrunde geschafft hatten, den Gläubigen im Wege einer Ausstellung gezeigt. Nun findet diese Ausstellung nicht, wie man ohne weiteres meinen könnte, nur im Bernhard-Lichtenberg-Haus statt, sondern vorrangig, tada!, in der Kathedrale. Bis Ende Juli. Ich muß sagen, für eine solche Anordnung fehlt mir jedes Verständnis. Bei dem Kathedralenmodell, welches das Bistum für den Wettbewerb hat anfertigen lassen, konnte ich noch halbwegs nachvollziehen, wieso es in der Kathedrale steht, die Leute sollen wissen, wofür sie spenden (außerdem hat man, wenn man davorsteht, noch dieses lustige Puppenstubenfeeling, wenn etwas sonst sehr Großes auf einmal gleichsam „zum Spielen“ einlädt). Eine Kirche ist jedoch eine Kirche und eine Ausstellung eine Ausstellung. Gelegentlich mag es einmal Überschneidungen geben, wenn etwa Besucher einer Kirche ein sakrales Bau- oder Kunstwerk so besichtigen, als seien sie in einem Museum. Wir müssen doch aber als Kirche nicht noch selbst dafür sorgen, daß man die Kathedrale mit dem Guggenheim-Museum für moderne Architektur verwechseln kann!

Wegen der Ausstellungseröffnung – und das hat mir an dieser Stelle den Rest gegeben – wird übrigens erstmals seit ich weiß nicht wie langer Zeit am Dienstagabend keine Heilige Messe gefeiert, da die Eröffnung am nämlichen Ort natürlich unbedingt genau zur Zeit der Abendmesse stattfinden muß. Wer also den Herrn Weihbischof em. Weider gerne predigen hört, kommt am besten eine Woche später wieder oder so. Wirklich, staatliche Verfolgung und Unterdrückung, Bombenalarm vor der Staatsoper, Unwetter und schwere Umbauten um die Kathedrale herum haben uns nicht vom Meßfeiern abhalten können, aber diese Modellgeschichte kann es ganz offenbar. Eigentlich, dachte ich, die wichtigste und vornehmste Aufgabe der Kirche sei die Feier und Spende der Sakramente. Tja.

Samstag, 28. Juni 2014

Im Tal der kleinen Schnecken

im Tal der kleinen Schnecken (in der Tat müssen diese gelben
Blümchen für die Schnecken besonders attraktiv sein)

Freitag, 27. Juni 2014

Nicht darin besteht die Liebe, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat – Heiligstes Herz Jesu

Bildnis des heiligsten Herzens Jesu im Karmel
von der hl. Therese in Dysart
In der Kurzdokumentation Sisters, die Ross Cunningham im vergangenen Jahr über den Karmel von Dysart in Schottland gedreht hat, führt eine Karmelitin, Sr. Josephine, aus, daß ihre Berufung, Karmelitin zu werden, im Grunde genommen vor einem Herz-Jesu-Bild begonnen hat, das zu Hause an der Wand hing und zu dem sie eine enge Beziehung entwickelte.
My mother brought us up in a very catholic way, and we had a picture at home when I was a little girl, a picture called the Sacred Heart of Jesus. And that's a picture in which Jesus is showing his heart – it's visible, it's all lit up with flames coming from it, and it's a symbol of the love of Jesus for all of us. And this picture spoke to me very powerfully when I was a child, and I used to spend a long time in front of it. So I was very conscious that I was loved by Jesus and I really wanted to return that love. I felt a great urge to do so.
Unterlegt mit einem Bild der Mutter Maria von Jesus, die 32 Karmelitinnenklöster in England, Schottland und Wales gegründet hat, heißt es in dem kurzen Film eingangs: „I believe everyone has a vocation, everyone is called to something. It could be teaching, nursing, and, of course, being a father or a mother, husband and wife. They're all callings in a sense because I believe that God who is love is calling each of us“ – diese Worte erinnern unmittelbar an die die zweite Lesung des heutigen Hochfests, in der es heißt: Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, daß Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.

Zurückblickend auf ihr Leben (zwischendrin hatte ich wirklich Spaß, denn die Schwester hat vor ihrem Eintritt in den Karmel von Liverpool die Beatles auftreten sehen, die damals noch keine Platte gemacht hatten) formuliert Sr. Josephine:
I've been a carmelite for 48 years and I'm very, very happy. There've been difficult times, challenging times, but there's never been a time when I wasn't happy in what I did or when I regretted my choice. I sometimes think I'm the happiest person in the world. But probably everyone else here would claim to be just this happy.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Gespräche über Karmelitinnen

Echte Karmelitinnen
Karmelitinnen wie andere sehr verborgen lebende Nonnen auch, müssen damit rechnen, daß ihre Lebensweise zuweilen wenig bis gar nicht verstanden wird. „Carmélites quittez Auschwitz“  ist mir dazu etwa noch in lebhafter Erinnerung. Abgesehen davon, daß nicht jedem immer alles verständlich scheint, macht das auch nicht viel. Schon unseren Herrn haben viele nicht verstanden („Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“). Solange die Karmelitinnen selber verstehen, was sie da tun, macht das eigentlich wenig.

In einem Interview mit den für die Inszenierung Verantwortlichen, die im vorvorletzten Jahr an der Komischen Oper die Gespräche der Karmelitinnen auf die Bühne gebracht haben. Diese formulieren, neben anderem, teils erstaunlich treffend Beobachtetem (etwa zur Bedeutung der existentiellen Angst in unserer Zeit), offenbar ihre ureigenste Vorstellung vom Leben in einem klausurierten Kloster – ob des Karmels von Compiègne oder des Karmels an sich bleibt an sich dahingestellt.
Eigentlich hätte ich die Oper gern nur mit eingeschlossenen Frauen inszeniert, die am Ende freiwillig sterben, weil sie das Leben nicht ertragen. Man könnte auch Blanche am Ende retten, sie könnte sich doch noch entscheiden, ihr Leben zu wagen.
OK, Schnitt: die Karmelitin als Frau, die den Karmel – und hier wohl auch das Martyrium – wählt, weil sie „das Leben nicht erträgt“. Soifz. Auch in Bezug auf das sich von den Inszenierenden selbst gestellte Thema hat man hier übrigens genau daneben gehauen. Einer der Sätze, die mich an den Dialogues des Carmélites am tiefsten beeindruckt hat, sind die Worte der alten Priorin an die junge (und im übrigen fiktive) Blanche de la Force:
Pauvre petite! Vous avez rêvé de cette maison comme un enfant craintif, que viennent de mettre au lit les servantes, rêve dans sa chambre obscure à la salle commune, à sa lumière, à sa chaleur. Vous ne savez rien de la solitude où une véritable Carmelite est exposée à vivre et à mourir.

(Mein armes Kleines. Du hast bisher von diesem Haus geträumt wie ein furchtsames Kind, das, wenn die Dienstboten das Licht ausgemacht haben,
 in seinem dunklen Zimmer liegt und vom Wohnzimmer träumt, von seinem Licht und seiner Wärme. Du weißt nichts von der großen Einsamkeit, in der eine wahre Karmelitin leben und sterben muß.)
Daß diese Einsamkeit des Lebens und Sterbens das der heiligmäßigsten Karmelitinnen genauso durchziehen kann wie die Mittelmäßigen, sehen wir an Leben und Aufzeichnungen so mancher heiligen Karmelitin, wie der hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit oder der kleinen hl. Therese. Eine solche Einsamkeit dauerhaft zu ertragen, um der Liebe zu Christus und zum Karmel willen, ist jedenfalls nichts für Gemüter, die das Leben und die damit verbundenen Gefühle nicht aushalten können. Was ist „das Leben“ überhaupt und wieso ist es in der Klausur angeblich nicht?

…und inszenierte.
Vor dem Hintergrund dessen, daß die hiesige Inszenierung von Poulencs Oper seinerzeit die Karmelitinnen und ihre Gespräche aus dem historischen Kontext herausgenommen hat – was sie zusätzlich der Sinnhaftigkeit ihres Opfers beraubt, das sie ja für den Frieden, für die Kirche und die Rettung Frankreichs dargeboten hatten –, sie zwischen Elemente stellte, die die jeder Zeit sein könnten, und die Inszenierung darüber hinaus mit bestürzenden Requisiten ausstattete, wirkt das nur umso eigenartiger. Man muß nicht alles in historischen Kostümen aufführen, man muß es aber auch nicht mit Gewalt billig erscheinen und die Entwürdigungen der französischen Revolution noch toppen wollen.

Arte zeigt übrigens Poulencs Oper am 14. Juli, wenige Tage vor dem Gedenktag der Märtyrinnen von Compiègne in einer neuen Inszenierung von Oliver Py. Immerhin scheinen die Requisiten da weniger verstörend.

Sonntag, 15. Juni 2014

Neues von den anonymen Rosensüchtigen

Zwischenzeitlich wollte ich schon einen Blogbeitrag darüber schreiben, daß man Rosenkataloge (die man, obwohl man schon gekauft und gepflanzt hat, natürlich trotzdem mit Genuß ansieht, weil sie ewig lang von England hierher unterwegs waren und einfach zum Dahinschmelzen sind) natürlich als das sehen muß, was sie sind, Werbung, und vielleicht bei der einen oder anderen Aussage die entsprechenden Abstriche oder Fragezeichen dahinter zu machen sind. „Erster Preis für ihren Duft bei der Rosenprüfung in Barcelona“ .oO(wer oder was war da sonst noch am Start?) „Angenehmer, frischer Duft, in den sich ein Hauch von Heidelbeeren und Tee mischt“. Das stand auch auf dem Anhänger der Rose, und liest man es, bekommt der potentielle Gärtner prompt Hunger auf Heidelbeeren mit Schlagsahne und kauft erstmal die Rose. Später am Tag dann auch noch Schlagrahm. Die Frage ist: wann duftet diese Rose genau, ob nach Heidelbeeren oder auch nicht? Und wie intensiv wäre „frisch“ zu nennen? (Nein, ich bin olfaktorisch nicht minderbemittelt, ich rieche sehr gut).

Dann wäre da „Blüten in einem lieblichen, sanften Gelb“ (bei Malvern Hills). Ich wage noch nicht festzustellen, wie sanft dieses Gelb sein muß, um noch gelb genannt zu werden, ich würde eigentlich eher cremefarben mit goldenen Staubgefäßen dazu sagen. Vielleicht stimmt aber auch mit meiner Farbwahrnehmung was nicht. „Mittelgroße bis große Büschel von Blüten“ trifft dagegen uneingeschränkt zu. Da, wie ich an Jude the obsure festgestellt habe, die einzelnen Blüten einer Rose durchaus unterschiedliche Farbtöne haben können (sehr faszinierend), kann ich noch keine endgültige Prognose über die Gelbheit von Gelb bei Malvern Hills stellen, es sind immerhin noch sechzehn Knospen in Wartestellung. Vielleicht ist schon Morgen ein „sanftes Gelb“ tatsächlich gelb. Das sollte allerdings keine Beschwerde sein, vielleicht ist der tatsächliche Farbton auch eher eine Wunscherfüllung, ich hatte mich ohnehin gefragt, wieso ich gleich zwei gelbe Rosen gekauft habe, obwohl ich cremefarbene ebenfalls sehr liebe. (Die Antwort ist natürlich, weil es vor Ort keine cremefarbenen gab und danach gar keine mehr.) Dafür aber ist die Blüte unerwartet schön, soviele Blütenblätter und diese Form hätte ich gar nicht erwartet.

Bleibt schließlich noch Jude the obscure. Hier ist der Katalog tatsächlich wörtlich zu nehmen: die Blüten sind wirklich riesig, mit nach innen gebogenen Blättern und duften sehr intensiv und köstlich, ob mich das nun an „Guaven und weißen Dessertwein“ erinnert, vermag ich noch nicht zu sagen, weil ich mich auf den Duft von Guaven und weißem Dessertwein grad nicht besinnen kann und auch an sich weißen Wein kaum je zum Dessert trinke. Es wird schon stimmen, jedenfalls klingt es lecker! Auch die Knospen, die ziemlich lange brauchen, bis sie sich öffnen, sind bei dieser Rose schon außerordentlich schön, teils gestreift. Daß sie sich mit dem Aufgehen erheblich lange Zeit lassen, betrachte ich in diesem Fall als Vorteil, so hat man länger etwas von ihnen. Es mag tatsächlich sein, daß sie „nach wie vor die Lieblingsrose vieler Gärtner“ ist. Meine grad auch.

Ungeachtet eingehaltener oder womöglich nicht eingehaltener Versprechungen macht so ein Katalog –beziehungsweise vor allem das Rosenplanzen an sich –, glaub ich, süchtig. Ursprünglich wollte ich mal einen Strauch pflanzen. Das Ergebnis sieht man ja. Und mich gelüstet es nach mehr, etwa nach den wirklich wunderschönen Wildrosen Canary Bird oder Rosa hugonis (war da etwa ein Kartäuser am Werk?) – wenn ich nur wüßte, wo man die außerhalb Englands bekommen könnte? Lieber Leser, schauen Sie auch nächste Woche wieder vorbei, wenn hier von den anonymen Rosensüchtigen die Rede ist und der Blog zum Gartenblog mutiert.

Himmlische Vielecke

Am Abend des Festes der allerheiligsten Dreieinigkeit mit einem anderen Polygon anzukommen ist vielleicht etwas eigenartig. Nichtsdestoweniger finde ich dieses Fresko hier total interessant, das eine Art himmlische Raute darstellt, die, von der himmlischen Stadt ausgehend, bis heute in die Erdenzeit hinein und sogar über sie hinausreicht.

Die Gottesmutter, als Himmelskönigin dargestellt, übergibt hier dem hl. Dominikus den Rosenkranz und dem hl. Simon Stock das braune Skapulier. Beide Sakramentalien kommen wiederum nicht nur dem Heil dessen zugute, der sie zu Lebzeiten gebraucht, sondern auch den armen Seelen, die unseres Gebets bedürfen oder darauf vertrauen, daß sie dank unserer lieben Frau vom Berge Karmel nicht lange im Fegefeuer bleiben müssen. In der Mitte die Kraft des Heiligen Geistes, die alles durchweht und neues Leben schafft – da salutis excitum, da perrene gaudium.

Das Fresko wurde von zwei frommen Bruderschaften (eben der Rosenkranz- und der Skapulierbruderschaft) gestiftet und befindet sich in der Tannheimer Pfarre St. Martin.

Samstag, 14. Juni 2014

Die Orange des Aquinaten

Manchmal hat man beim Übersetzen ja Spaß. Ich versuche mich grade an der Summa theologica des Aquinaten und bringe im Entwurf zu Papier, daß nach Ansicht des hl. Augustinus „diese Orange zuweilen durch Mißgeschick verletzt“ worden sein könnte.

So hab ich zwar Spaß, finde es aber trotzdem außerordentlich schade, daß es im Internet einfach keine deutsche Übersetzung des zweiten Teils der Summa zu geben scheint. Woran liegt sowas wohl? Dazu: I always wondered why somebody didn't just do something about it and then I realised that I am somebody.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Wir fliegen auf Schnittlauch


Mit der Bienen- und Hummelweide ist das so eine Sache: eigentlich hatte ich mal Rosen, Rosmarin und Thymian et cetera gepflanzt, weil ich den lieben Tierchen was bieten wollte. Sicher, dort fliegen sie auch vorbei, anscheinend aber steht ihnen der Sinn nach ganz anderem, das ich eigentlich ursprünglich nur für mich zum Essen gedacht hatte: Schnittlauch und Kürbisblüten. Vor allem der Schnittlauch ist der reinste Flughangar. In der Kürbisblüte kann man dagegen so schön unten drin sitzen und nach all dem anstrengenden Gefliege dort auch übernachten. Wenn ich sehe, auf welch reges Interesse von verschiedenster Seite dieser Schnittlauch stößt – und außerdem sind die Blüten auch noch hübsch – bin ich froh, daß ich ihn hab blühen lassen. Vielleicht haben wir auch einfach unterschiedliche Vorstellungen davon, was gut duftet oder woraus man wirklich guten Honig macht. Und so teilen wir uns halt den Schnittlauch.



Sonntag, 8. Juni 2014

Hauchst in Hitze Kühlung zu – Pfingsten, die Sequenz, eine Hitzewelle und Seifenblasen

In jedem Kirchenjahr einer glücklichsten und erfülltesten Momente ist für mich der Gesang der Pfingstsequenz. „Flüchtig“ trifft es nicht einmal recht, denn wenn der Gesang auch schnell vorübergeht – um ihn etwas auszudehnen, summe ich auch die Teile mit, die die Schola vorsingt – so trägt man ihn doch eine ganze Weile im Herzen, in der Pfingstnovene und noch lange nach Pfingsten. Ganz verstummt dieses Flehen der Kirche wohl nie, im Kreislauf der Jahreszeiten nicht und auch nicht im Laufe aller Zeiten. Bis ans Ende der Erde werden Menschen den Geist darum bitten, daß er sie erleuchte, erfülle und entzünde, die dunkle Nacht zerreiße und Licht in ihre Welt strahle. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

Ein Grund, sich an der Pfingstsequenz zu freuen, so lange sie dauert. Irgendwie läßt mich die Geschichte über Paul VI. nicht los, der Tränen über die abgeschaffte Pfingstoktav weinte. Mit der Pfingstoktav ging auch die tägliche Wiederholung dieses wunderbaren Gesangs dahin. So hatte Papst Paul das sicher nicht beabsichtigt oder sich auch nur vorgestellt.

Hauchst in Hitze Kühlung zu singt sich bei 34 Grad wirklich aus ganzem Herzen und läßt einen diese zeitweilig völlig vergessen. (Ich hab zwar einen Talar ohne Ärmel aufgetrieben, dessen Saum hinter mir nicht auf der Erde schleppen würde, dieser war allerdings doch etwas lang und dabei so weit, daß er sich beim Ausschreiten um meine Beine gewickelt hätte, was zumal bei der Gabenprozession nicht das Rechte ist. Ich hätte allenfalls winzige Tippelschrittchen machen können wie eine von diesen Chinesinnen mit eingebundenen Füßen. Ich weiß gar nicht, ob es das Problem mit diesem Talar löste, wenn ich ihn beim Schneider kürzen ließe.)

Apropos Dahinschreiten in einer Prozession; liebe unbekannte Gläubige, die ihr vermutlich in einer der Konchen saßet: wenn vor dem Gottesdienst eine Ministrantin einige Gesangbücher und eine Lesebrille hinter der Kathedra deponiert, dann hat das schon einen Sinn, etwa den, daß die Gesangbücher später von der Prozession gebraucht werden. Für die Pfingstsequenz etwa hätte man sie doch sehr gern – viele Ministranten auch schon für die sechs Strophen des Eingangsliedes. Es macht dann und auch sonst keinen Spaß, wenn man nach dem feierlichen Einzug erst nochmal in die untere Sakristei hinunterwendeln muß, um noch mehr Bücher heranzuschleppen und gerade zur letzten Strophe noch zurecht zu kommen. Wenigstens haben sie mir die Brille gelassen.

Liturgisches Detail des Tages: heute stellte sich anstelle nicht kreierter Fazzoletti die Frage, warum man dem Kardinal nicht wie früher auch zur Händewaschung nach der Firmspendung Salz reichen kann? Stattdessen gibt man ihm so ein neumodisches Glibberzeug, mit dem er noch beim Lavabo nach der Gabenbereitung zu tun hat und größere Seifenblasen produziert. Hihi.

Samstag, 7. Juni 2014

Komm, Heiliger Geist und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe – Priesterweihe an der Hedwigskathedrale

An sich sollte man den Tag viel öfter mit einer Priesterweihe beginnen. Daß man sich dabei  (oder wars doch danach?) als Ministrant auch einen Sonnenbrand im Gesicht holen kann, ist mal was anderes. Gleich vier Neupriester für das Bistum sind ein Grund zu großer Freude und der Herr Kardinal der die Händewaschung (endlich einmal an der Kathedra und mit knienden Ministranten) mit „Ihr seid klasse!“ kommentierte, trug auch zur stillen Erheiterung bei.

Geweiht wird bei uns traditionell bei Temperaturen um 30 Grad, sei es nun zu Peter und Paul oder zu Pfingsten. Vor einigen Jahren konnte man dabei mit Bedauern einem der Weihekandidaten zusehen, wie er unter der Kuppel zuerst erbleichte, dann einen leichten Grünstich und zum Schluß ein großes Glas Wasser gereicht bekam. Das ist heute Gottseidank nicht passiert, immerhin hatte ich einen langärmligen Talar an und dachte zwischendurch, daß Priesterweihen am 21. Dezember etwas für sich haben müßten.

Schön finde ich bei der Einzugsprozession den Moment, wenn sich die Ordinandi ihr anschließen, indem sie aus der Unterkirche, wo sie die Zeit vor der Weihe im Gebet verharren, in die Prozession treten; später dann den Aufruf der Kandidaten. Ein gewisses Faszinosum ist, daß wohl die Handauflegung durch die anwesenden Priester in ihrer eigentlichen Bedeutung oftmals wohl nicht erkannt wird, weil es da ganz still ist und nicht viel zu „passieren“ scheint. Wenngleich mir am Anfang der Weihe immer das Tagesgebet auffällt, das ausdrücklich von der Freundlichkeit spricht (ich finde, damit ist für einen Priester schon viel gewonnen), ist doch natürlich das eigentliche Weihegebet, das der Bischof im Namen der Kirche singt, viel schöner:
Um dir ein priesterliches Volk zu bereiten,
erwählst du in der Kraft des Heiligen Geistes
Diener deines Sohnes Jesus Christus
und ordnest ihren Dienst in den geistlichen Ämtern.…

In der Fülle der Zeit
hast du, heiliger Vater,
deinen Sohn in die Welt gesandt,
Jesus, deinen Apostel und Hohenpriester,
zu dem wir uns alle bekennen.
Er hat sich dir dargebracht im Heiligen Geist
als makelloses Opfer.

Seine Apostel hat er durch die Wahrheit geheiligt
und ihnen Anteil geschenkt
an seiner eigenen Sendung.
Ihnen hast du Gefährten zugesellt,
die auf dem ganzen Erdkreis
das Werk deines Heiles verkünden und vollziehen.

Allmächtiger Vater, wir bitten dich,
gib diesen deinen Dienern
die Würde des Priestertums.
Erneuere in ihnen den Geist der Heiligkeit.
Das Amt, das sie aus deiner Hand,
o Gott, empfangen,
die Teilhabe am Priesterdienst,
sei ihr Anteil für immer.
So sei ihr Leben für alle
Vorbild und Richtschnur.

Uns Bischöfen seien sie zuverlässige Helfer.
In der Gnade des Heiligen Geistes
bringe das Wort der Frohen Botschaft
durch ihre Verkündigung
reiche Frucht in den Herzen der Menschen,
und es gelange bis an die Enden der Erde.

Mit uns seien sie treue Verwalter
deiner heiligen Mysterien:
So wird dein Volk durch das Bad
der Wiedergeburt erneuert,
so wird es genährt an deinem Altar;
so werden die Sünder versöhnt,
so werden die Kranken gesalbt zu ihrer Heilung.
Bei den ausdeutenden Zeichen scheint man mittlerweile indes dauerhaft dazu übergegangen zu sein, nach der Salbung der Hände mit Chrisam auch für die Ordinandi ein Lavabo vorzusehen. Ich finde das schade und eigentlich dem Zeichen der Salbung widersprechend, indes, wer bin ich schon? Zu einem „Fazzoletto del sacerdote“ wird man auf diese Art halt wohl nicht kommen. Dabei weiß man nicht mal, ob die Neupriester nicht vielleicht sogar gerne eines hätten.

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe, so heißt es im Ruf vor dem Evangelium des Pfingstfestes. Eine Bitte, die die Kirche kniend erfleht und die in Hymnus und der wunderbaren Sequenz das ganze Fest durchzieht. In seiner Predigt verwob der Herr Kardinal den Gedanken, daß bei der Priesterweihe ein Herz, ein ganzer Mensch, so entflammt ist, so daß er vor Liebe wahrhaft brennt. Wundersamerweise (das ist jetzt mein Gedanke) ist das eine Liebe, die nicht denjenigen verbrennt und die sich nicht verzehrt.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...