Samstag, 31. Mai 2014

Gärtnersfreuden

Jude the obscure
Frühsport: Gießkanne füllen, den Laubengang runter und ums Haus marschieren: vier bis fünfmal. Eigentlich wäre im Garten nur wenige Meter entfernt ein Wasserhahn, von dem hat irgendein Heini den Hahn abgeschraubt. Also eiere ich mit der Zehnliterkanne ums Haus, dabei tun mir die im märkischen Sandboden vor sich hintrocknenden Rosen und Mahonien der Nachbarn auch noch leid. Grassamen auszupfen, Bestandsaufnahme bei den Rosenknospen. In der Hecke streitet sich derweil eine Singvogelfamilie.

Erfreulich ist, daß die Blattrollwespen nach ihrem ersten Versuch nicht mehr wiedergekehrt sind, und auch das Abstreifen der grünen Blattläuse von Hand neulich scheint erfolgreich gewesen zu sein. Hoffentlich habe ich jetzt nicht irgendeinen armen Marienkäfer brotlos gemacht! Eine der drei Rosen zum derzeitigen Liebling erwählen und ihr gut zusprechen. Sich fragen, was man mit den Vergißmeinnicht tun kann, die mittlerweile so aussehen, daß man sie vergessen kann, und welches Kraut sowohl mitten aus der Sternchenblume als auch aus dem Lavendel quasi über Nacht um mindestens 10 cm emporgeschossen ist? In meinem Lavendel bleibt das jedenfalls nicht; die Sternchenblume hat sich scheints schon freiwillig in ihr Schicksal ergeben.

Bis jetzt wächst alles, was ich gepflanzt habe, ganz ausgezeichnet, nur das mit dem gesäten Ruccola ging schief, von der angeblich „hochkeimfähigen“ Saat keimt jedenfalls nichts. Tja. Mittlerweile hat sich übrigens Juda, der Unberühmte, der nach dem Einpflanzen ja so etwas unberühmt aussah, zur schönsten meiner Rosen entwickelt, sehr gleichmäßig und buschig, von Blattrollwespe, Läusen und anderem Viechzeugs unberührt. Demnächst geht die erste Blüte auf. Malvern Hills, die ich allerdings auch später gepflanzt habe, hat dagegen eingesehen, daß sie eine Kletterrose ist, die über drei Meter fünfzig hoch werden kann und macht jetzt ordentlich voran.

Auch der Schnittlauch blüht…
Weiß jemand, was das ist?
Quer durch die Stadt um Gartenbauzentrum fahren – Samstags, also dann, wenn alle es machen, meist ist es aber gar nicht so schlimm. Man führt dort jedenfalls die nettesten Unterhaltungen, die meist mit „Haben Sie hier irgendwo Koriander gesehen?“ anfangen. Oder man tauscht sich über die Vorzüge von Ysop, Kürbissen oder Lavandula angustifolia (im Gegensatz zu irgendwelchen anderen Lavendelsorten) aus. Mit Befriedigung stelle ich fest, daß ich gut daran tat, bei den englischen Rosen sofort zuzuschlagen, mittlerweile gibt es vor Ort keine einzige mehr. Eigentlich war ich gekommen, Lupinen zu kaufen (Lupinen sollen zur Bodenverbesserung gut sein, außerdem hab ich beim Gedanken an Lupinen Monty Python’s Ballade über Mr. Moore im Ohr, der die Reichen bestahl, um den Armen Lupinen zu bringen. Absurd, wie immer). Die Lupinen hier sind mir aber zu monströs und zu schwer, muß die kleine Lupine zu Hause den Boden halt erstmal alleine verbessern. Schließlich ziehe ich mit noch mehr Lavendel – Lavendel scheint in meinem Garten sehr dankbar –, einem Zitronenthymian und einer Wicke von dannen. Letzteres ist vielleicht eine Verwechslung, ich glaub, ich wollte eigentlich eine Winde. Na, egal! Nach etwas Überlegung hole ich mir wohl noch vor Pfingsten eine Pfingstrose, die wirklich betörend duftet.

Abends oder am nächsten Tage gehe ich dann der befriedigenden Tätigkeit nach, bei Vogelgesang und leichtem Wind in der Erde herumzuwühlen, um das alles in sie zu bringen, träume von der Anschaffung eines hölzernen Klapptischchens mit Stuhl, versorge den leichten Sonnenbrand auf Nacken und Schultern und fange wieder mit dem Gießen an, während die Nachtigall von der Amsel übernimmt. Schön wars wieder!

Freitag, 30. Mai 2014

Ich werde meinem Glauben nicht entsagen – Christenverfolgung heute

„Wenn sie mich exekutieren wollen, dann sollen sie es machen. Ich werde meinem Glauben nicht entsagen“ – die christliche Ärztin Meriam Jahia Ibrahim Ishak zu der im Sudan über sie verhängten Todesstrafe durch Erhängen (die 100 Peitschenhiebe vorher dürften schon einiges dazu tun). Die Ausführung der Todesstrafe ist für zwei Jahre ausgesetzt (etwas worin, neben allem anderem Ungeheuerlichen hier, Gegner der Todesstrafe schon eine grausame und unnötige Bestrafung sehen), damit sich die junge Mutter sich zunächst noch um ihr Kind kümmern kann. Wer den Fall nicht kennt, die junge Frau ist Christin und wurde als solche erzogen. Der Islam erkennt nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre Ehe mit einem Christen nicht an, weshalb ihr außer Abfall von einem Glauben, den sie nie hatte, auch noch „Hurerei“ vorgeworfen wird. Außer dem neugeborenen Kind – in einer Gefängniszelle geboren! – haben die Eheleute noch eines.

Ich werde meinem Glauben nicht entsagen – das ist das Holz, aus dem unsere heutigen Märtyrer geschnitzt sind, von denen es leider viel zu viele gibt. Hoffen und beten wir, daß es nicht soweit kommt, sondern man im Sudan entweder anderen Sinnes wird oder der öffentliche Druck wächst. Wir sollten diese mutige Schwester im Glauben unseres Gebets und unserer Fürbitte versichern, daß sie niemals verlassen ist in der Hingabe an den, der offenbar ihr Herz besitzt.

Menschen von Fleisch und Blut… (2)

Aus aktuellem Anlaß:
Voraussetzung für diese Auffassung ist die wissenschaftliche Konstruktion eines lebendigen Fötus. Rechtliche, religiöse und wissenschaftliche Diskurse und Praktiken haben erst ein Subjekt im Mutterleib hergestellt. Das auf diese Weise konstruierte „Leben“ dient als Gegenstand moralisch-ethischer Diskussionen um den Schwangerschaftsabbruch. (aus: Barbara Duden, Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Mißbrauch des Begriffs Leben, 2007)
Man beachte „die wissenschaftliche Konstruktion eines lebendigen Fötus“ und „haben erst ein Subjekt hergestellt“ mitsamt der Setzung des Wortes Leben in Anführungszeichen. Der Titel des  Werkes spricht ja bereits von einem Mißbrauch des Begriffes des Lebens. Daß so etwas in einem Verlag erscheint, der sich Mabuse-Verlag nennt, ist unfreiwillig gruselig. Warum nicht gleich im Frankenstein-Verlag, bei all der Zergliederung und Wiederzusammensetzung dessen, was Leben sei und – wie zwischen den Zeilen schwebt – was gefälligst nicht, schon weil man sich von einem Objekt leichter distanzieren kann als von einem Subjekt. Als Christen erlauben wir uns, nicht von der „wissenschaftlichen Konstruktion eines lebendigen Fötus“ zu sprechen, sondern vom ungeborenen Kind. Auch haben wir die Wissenschaft nicht gebraucht, um uns zu lehren oder zu „konstruieren“, daß ein Ungeborenes lebt. Jede Mutter, der ihr Kind schon einmal von innen einen Tritt versetzt hat, weiß das. Wer Zweifel hat, ob ein Fötus lebt, schaue sich diese Bilder an. Oder auch dieses.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Zwischendurch…

Heute morgen am Südkreuz kam mir in den Sinn, ob wohl die Häufung von Suchanfragen, die in den letzten Tagen mit „Christie Himmelfahrt“ bei mir auf dem Blog gelandet sind, Grund zur Hoffnung oder zur leichten Verzweiflung sei. Ich nehme es mal positiv: wenigstens können die Leute einen ordentlichen Genitiv auf Christus bilden.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Darf mein Pfarrer mir das Tragen eines Schleiers (einer Mantilla) in der Kirche verbieten?

Anläßlich des Mantillencomics gestern beziehungsweise der Kommentare darunter ist mir die Anfrage einer Mitschwester vor einiger Zeit wieder in den Sinn gekommen, was ich davon hielte, daß die Schweizer Bischöfe den Jungfrauen das Tragen eines Schleiers untersagten?

Zunächst: ich kenne diese Vorgabe der Schweizer Bischöfe nicht, und es liegt mir auch fern, eine Bischofskonferenz zu belehren, ich wage aber zu behaupten, daß sie, zumindest, was den Gottesdienst betrifft, in dieser Beziehung keinen Bestand haben dürfte. Warum? Hab ich vor einiger Zeit freihändig im Gespräch formuliert, hier bei Fr. Longenecker ist es aber viel prägnanter ausgedrückt: No bishop or priest has the right to forbid what the universal church allows nor mandate what the universal church forbids. So würde ich das auch sehen, insofern kommen mir Versuche jeglicher Art, sich in dieses Thema reinzuhängen, tatsächlich etwas übergriffig vor.
To me this is crazy. Why would a priest have any objection to a woman wearing a veil to Mass? What business is it of his? The simple rule is this, “No bishop or priest has the right to forbid what the universal church allows nor mandate what the universal church forbids.”

If the woman wants to wear a veil, she can wear a veil. What get me is that I suspect the priest who doesn’t like the veil is really objecting to the woman’s take on her Catholic faith. Maybe he thinks she is a weird traddy or a dangerous conservative or whatever.
Wirklich zuweilen verstehe ich nicht, wieso sich manche so schwer damit zu tun scheinen, daß ein Angehöriger des geweihten Lebens möglicherweise als solcher erkennbar sein könnte. Jede Mennonitin kann sich auf den Schädel setzen oder legen, was immer sie möchte, jede Muslima zumal, die orthodoxen Jüdinnen haben die Snoot oder ihr Tichl, aber bei katholischen Frauen und geweihten Jungfrauen entblödet man sich verschiedentlich nicht, ihnen reinzureden.

Sollte mit dem Verweis auf die Schweizer Bischöfe allerdings die Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz für die Spendung der Jungfrauenweihe gem. Can. 604 CIC von 2006 gemeint gewesen sein: dort heißt es unter (20) Sie sollen sich nicht … durch eine eigene geistliche Kleidung auszeichnen. Eine „eigene geistliche Kleidung“ ist jedoch etwas anderes als ein Schleier oder eine Mantilla. Darüber hinaus gibt es meines Wissens zumindest eine Mitschwester, die das mit ihrem Bischof anders abgesprochen zu haben scheint (was iMHO auch des Bischofs gutes Recht ist).

Was Bischöfe sicher tun können, ist, Menschen, die nicht öffentlich die Profeß auf die evangelischen Räte abgelegt haben (bzw. sich in einem kanonischen Noviziat darauf vorbereiten) das Tragen eines Ordensgewandes zu untersagen bzw. eines solchen, das einem Ordensgewand so stark ähnelt, daß kein Unterschied erkennbar ist.[1] Hier muß man nun zwei Dinge voneinander trennen. Angehörige des geweihten Lebens, die nicht Mitglieder eines Ordens sind – wie etwa Eremiten oder geweihte Jungfrauen – können etwas tragen, was in der Historie der geweihten Jungfrauen als „die ärmliche Tunika“ erscheint, die die Jungfrau nach der Weihe zusammen mit dem Schleier zu tragen pflegte. Ich wage zu behaupten, daß es Umstände gibt, unter denen es sogar anzeigt scheint, dies zu tun, etwa, wenn ich einen Pfarrhaushalt führe, in einer kirchlichen Einrichtung arbeite, wo das Tragen eines solchen Gewandes im Alltag kein Befremden hervorruft, oder auch in einer nicht-christlichen Umgebung, in der man unter Umständen nicht verstehen würde, warum eine Frau allein lebt. In einem entsprechenden Gewand ist sie dagegen als Braut Christi erkennbar, was zugleich ihr Ausweis wie ihr Schutz sein kann. Solche Dinge gehören jedoch sicherlich zu dem, was man mit seinem Bischof besprechen sollte (wie auch anderes, etwa die Anrede „Schwester“).

Überhaupt haben Gewänder oder Insignien als solche natürlich eine gewisse Schutzfunktion – durchaus auch für den Träger selbst, das beginnt schon auf Reisen und hört dort längst nicht auf.

Was man dagegen nach nicht tun kann, zumal meiner Meinung nicht als Bischofskonferenz, ist, die Frage, kann ich beim Gottesdienst den Schleier tragen, der mir im Ritus der Weihe übergeben worden ist?, mit Nein zu beantworten, zum einen schon aus dem Grund nicht, der eingangs erwähnt worden ist: jede katholische Frau kann beim Gottesdienst einen Schleier tragen, und im Grunde genommen geht es außer Gott keinen anderen etwas an. Zum anderen: der Schleier, der im Ritus übergeben wird, gehört ja gerade zu den Insignien der geweihten Jungfrau, neben Stundenbuch und Ring. Davon, daß dieser Schleier nur im Rahmen dieser Feier getragen werden dürfe und später etwa nie mehr, ist nirgendwo die Rede. In der Tat erscheint diese Annahme auch einigermaßen absurd. Der Schleier ist das Zeichen, von der die Jungfrauenweihe lange Zeit ihren Namen hatte: Velatio virginum, Verschleierung der Jungfrauen, die der Bischof damals wie heute im Prinzip eigenhändig vornahm. Der Schleier wird unter den übergebenen Insignien als erstes vom Bischof der Frau übergeben bzw. aufgelegt mit den Worten
Trag den Schleier als Zeichen deiner Weihe an Gott.
Bewahre Christus unverbrüchlich die Treue. Vergiß nie: Um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen.
Eine buchstäblich zeichenhafte Handlung also, sowohl für die Jungfrau als auch für die Welt. Die Jungfrau wiederum ist selbst ein solches ekklesiologisches und endzeitliches Zeichen. Sie verweist auf auf die Liebe der Kirche zu Christus und das ewige Leben.

Inwieweit und in welchem Umfang die einzelne von ihrem Recht – wie es ein höherer Geistlicher mir gegenüber einmal ausgedrückt hat – diesen Schleier zu tragen, Gebrauch machen möchte, ist sicherlich ihre Sache.

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[1] Vor einiger Zeit ist mir eine Frau begegnet, die äußerlich nicht von einer Vinzentinerin zu unterscheiden war. Sie lebt in privaten Gelübden und trägt das Gewand mit Schleier deswegen. Da war ich dann doch etwas erstaunt. Daß dazu anscheinend noch niemand was gesagt hat oder deswegen eingeschritten ist, mag daran liegen, daß die Frau von einer Ordensschwester dem Anschein nach nicht zu unterscheiden ist und sie wahrscheinlich von den Gläubigen artig mit „Grüß Gott, Schwester“ gegrüßt wird.

Dienstag, 27. Mai 2014

Things with faces

Die traurigen Antennenanschlüsse – bei dem
Ausdruck verzeiht man den Handwerker längst vergangener
Tage sogar die traurige Verarbeitung…

Mantillencomic des Tages

ein Facebook-Fundstück (aus dem Portugiesischen)

Sonntag, 25. Mai 2014

Feldversuche

Als ich gestern abend am Tempelhofer Feld vorbeifuhr, konnte ich ein weiteres Mal den Einsatz, die Energie und die Gutwilligkeit der Aktivisten von 100% Tempelhofer Feld bewundern, die auch am Abend vor dem Entscheid noch möglichst viele motivieren wollten, beim Volksentscheid für den Erhalt der Tempelhofer Freiheit zu stimmen. Zwei Leute, eine Frau mit Flugblättern, ein Mann mit Transparent. Dabei gab es von den Mitfahrenden je nach Façon, nach der man selig werden zu gedenkt, entweder Zustimmendes („Find ich gut, was ihr hier macht“), Nachfragen, da es auch jetzt verwirrenderweise noch Leute gibt, die nicht wissen, daß es überhaupt einen Volksentscheid gibt und worüber eigentlich und vieles mehr.

Von mir gab es für die beiden ein „meine Stimme haben Sie!“ – Surprise! – und von dem Mann ein paar Plätze weiter einige Minuten undifferenziertes Gepöbel „Tempelhof wird zugebaut und damit basta!!!“ Und immer so weiter, ob das jemand hören wollte oder nicht. Eine echte Berliner Pflanze. Beim Aussteigen merkte ich, daß ich mich über den Mann innerlich mehr empört habe, als einem ein dummes Geschwätz eigentlich wert sein sollte. Als wenn der Mann etwas davon hätte, wenn das Tempelhofer Feld bebaut würde. Wirklich, gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Vielleicht ist es, denke ich grade, einfach Schadenfreude, anderen etwas kaputt zu machen, was ihnen Spaß macht, wie wenn ein Kind dem anderen die kunstvolle Sandburg zertrampelt.

Dabei ist das Feld nichts weniger als kunstvoll und gerade darin liegt, glaub ich, sein Reiz. Lenz Jacobsen schreibt in der ZEiT unter Mein Feldversuch:
Dieses Feld hat sich niemand ausgedacht. Wer hier läuft, liegt, gärtnert, der führt nicht aus, was Stadtplaner als Verwendungsmöglichkeit vorausgesehen, ja angestrebt haben. Es folgt keinem Plan, es ist einfach passiert. Das Feld ist sinnlos. Und vielleicht ist es diese Sinnlosigkeit, die den Kopf so frei macht, wenn man darüber läuft und der Wind bläst und man eigentlich gar nichts sieht, nichts Schönes und nichts Häßliches.
Ich glaub, in gewisser Weise ist es das. Diese scheinbare Sinn- und Planlosigkeit (die in Wirklichkeit natürlich doch zutiefst sinnhaft ist), ist ein hohes Gut, ja, geradezu ein Luxus in einer großen Stadt, etwas, das die Berliner sich nicht nehmen lassen sollten. Wie mehrfach bemerkt: Wer an diesen Ort kommt, liebt ihn. Wo sonst gibt es mitten in der Großstadt einen Ort, über den der Wind hinstreicht und es ist wie am Meer, im Herbst auch wie auf der Heide? Wo einen solchen Horizont, auf dem man sogar die leichte Krümmung der Erde bemerkt? Die Stadt als Wüste, dort hat man sie.

Gleise und fliegende Kraken in der Randzone des Tempelhofer Feldes.
Kommt die Bebauung, sind nicht nur Gleise und Kraken weg.
Mein eigener Feldversuch, das heißt, der Versuch, übers Feld abzustimmen, verlief ein ganz klein wenig eigenartig, dabei fing eigentlich alles so gut an: Vor einigen Wochen schrieb mir die eine Bezirksverwaltung, ich sei in das Wählerverzeichnis meines Bezirks aufgenommen und dürfe bei der Europawahl und dem Volksentscheid abstimmen. Mit selbem Datum zeigte mir die Bezirksverwaltung meiner bisherigen Wohngegend an, ich sei dort aus dem Wählerverzeichnis gestrichen. Prima, und das neue Wahllokal liegt gleich nebenan!

Heute konnte man mich dann dort im Wählerverzeichnis zuerst nicht finden, weshalb es etwa vier Leute und ebensoviele Listen brauchte, um in einem Ringbinder den obskuren Anhang zu finden, in dem ich schließlich gelistet war. Soweit so gut, damit muß man halt rechnen, wenn man im April umzieht und im Mai wählen will. Dann aber händigte man mir erst nur den Wahlschein für die Europawahl aus und insistierte auf Nachfrage freundlich, aber doch, ich dürfe nur bei der Europawahl stimmen, wenn es doch so auf meiner Wahlbenachrichtigung stünde. Tat es natürlich mitnichten. Höflich vorgetragene Empörung einer aufrechten Bürgerin, man habe schließlich ein Wahlrecht, überfließende Entschuldigungen der Wahlhelferin, alles wird gut. Das Ehepaar, das die beiden Wahlkabinen neben mir benutzt, unterhält sich über die Trennwände der Wahlkabinen (und mich)  hinweg und wird zurechtgewiesen, ich aber kann endlich abstimmen. Ja und Nein!

Am Rande bemerkt: ich mußte mich bei einer Wahl noch nie so häufig ausweisen und meinen Wahlschein vorzeigen, vorher dreimal und nachher einmal. Etwas verwirrt hat mich ja, als ich knapp vor dem Volksentscheid las, es gebe vier Möglichkeiten, abzustimmen. Häh, wieso vier? In der Tat ist es möglich, auf beide Fragen mit Ja oder auf beide mit Nein zu antworten, obwohl die Gesetzentwürfe sich gegenseitig ausschließen, und irgendwelche Spaßparteien rufen dazu auch tatsächlich auf. Ich hoffe, daß dem nicht allzuviele gefolgt sind, denn jeder dieser Wahlzettel ist zwar nicht ungültig, kommt aber letztlich keinem Anliegen zugute.

Ich gehe jetzt aufs Tempelhofer Feld und warte, was passiert. Ich hoffe und bete, daß es dem Feld nicht so gehen wird, wie den sprichwörtlichen Blumen: wenn der Wind darüber geht, so ist es nicht mehr da.

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[1] das wirklich informativ und wesentlich fairer aufgebaut ist als etwa der kürzlich verteilte, verlogene Flyer der SPD, über den ich mich herzhaft geärgert hatte. Zusammengefaßt: was vom Kuchen etwa noch übrigbliebe, soll ein Park werden wie jeder andere. Mit Bänken, bitteschön! Oder ein Neubaugebiet mit Grünfläche. Davon haben wir ja so wenige. Vor allem Parkbänke.

Samstag, 24. Mai 2014

…und er schuf sie als Ampelmann und Ampelfrau

Der Mensch schuf also das Piktogramm als sein Abbild, als Abbild des Menschen schuf er es. Und er schuf es als Ampelmann und Ampelfrau. (Genesis revisited)

Oje – was die Wende nicht geschafft hat, die Berliner SPD schafft es womöglich noch: die netten ostigen Ampelmännchen auszurotten. (Erlaube, haben wir uns deshalb seinerzeit für deren Erhalt so erfolgreich eingesetzt, daß uns mittlerweile westdeutsche Städte kopieren?) Angeblich leben sie im Patriarchat.

Was wollt ihr denn nun wieder, Ampelmännchen sind doch reizend? Von mir aus auch Frauen und Mädchen, wenn es durchaus eine Ampelfrauenquote braucht (hier schrieb ich schon mal drüber), aber bitte laßt es von der Form her in Ruhe – es kann wunderschön leuchten, hat eine Stupsnase und sieht immer so aus, als wenn es was Wichtiges vorhätte.

Wem der Hut nun wieder nicht
paßt, es gibt sie auch mit
langen Haaren…
Und von wegen, bitte keine Röcke und Zöpfe, sondern selbstbewußt (seit wann schließt sich das eigentlich gegenseitig aus?) Wie das geht, hat uns die Stadt Erfurt ohne jeglichen Krampf doch sehr schön vorgemacht: dort gibt es Ampelmännchen und Ampelfrauen für jede Lebenslage, mit Regenschirm, mit Eistüte, als Bergsteiger, als Ampelmännchen, das netterweise eine Geburtstagstorte mitbringt und, siehe da, auch als selbstbewußte Frau, je nach Wahl mit Handtasche oder aber mit Herzchen. (Ich wette, diese energische Handtaschenträgerin weiß, wie sie ihre Tasche im Notfall effektiv einsetzen kann…)

Freitag, 23. Mai 2014

Pflücket die Rose, eh’ sie verblüht… (oder auch nicht)


Nach der himmlischen hier übrigens die irdische Rose. Da ich mich durchaus nicht an das Motto „Pflücket die Rose, eh’ sie verblüht“ verlieren wollte, ist sie der Hitze wegen jetzt halt verblüht, eh’ ich sie pflücken konnte. Na ja. Im Sommer hab ich dann vor, eine kleine Madonna aufzustellen (falls es so kleine Badewannen gibt, dachte ich an eine Bath-tub-Madonna) – der katholische Gartentraum…




Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen…

Als ich gestern morgen von der Exkommunikation der Eheleute Heizer hörte, habe ich zugegebenermaßen eine ganze Zeitlang vor allem Genugtuung empfunden, auch hätte ich gern wie Bellfrell in seinem Beitrag zur Dreigroschenoper gegriffen und getitelt Martha, Martha, du entschwandest. Hier geht es zwar nicht mit „…und mit dir mein Portemonnaie“ weiter, aber mit „…und mit dir das rechte Verständnis des mystischen Leibes der Kirche“, aber das eiert so.

Und da sind wir auch schon mittendrin im Schlimmen: Das Verständnis Martha Heizers ist so weit entfernt von der Lehre der heiligen Kirche über die Einsetzung der Sakramente der Eucharistie und des Priestertums und den Aufbau des Leibes der Kirche, daß es einen graust. Daß es darüber hinaus auch vom gesunden Menschenverstand weit entfernt zu sein scheint, kommt noch erschwerend hinzu. Gesunder Menschenverstand ist etwas äußerst Wünschenswertes. Wenn etwa Heizer in maßloser Selbstüberschätzung nach der Veröffentlichung des Motu proprios Summorum pontificum durch Benedikt XVI. die Gläubigen aufforderte [jawohl!], „lateinische Messen nicht zu besuchen“, konnte man sich schon an den Kopf fassen und fragen, was hat die Frau eigentlich für ein Problem? Weder beschäftigt sich das Motu proprio mit lateinischen Messen im allgemeinen, noch ist eine Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus dasselbe wie eine lateinische Messe, noch geht es Frau Heizer auch nur einen feuchten Kehricht an, welche Messe ein anderer besucht. Hier kommt man dann bei Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen, aber nur eines ist notwendig heraus. Das eine, das notwendig ist, ist das Heil der eigenen Seele.

Zu diesem Wacholder hier, an dem ich jahrelang ab und zu vorbeikam, fiel mir immer übrigens immer „Wir sind Kirche“ ein: ein Ast schert aus, er bleibt zwar Teil des Baumes und wird von dessen Wurzeln genährt, scheint aber zugleich seltsam unverbunden. Ich habs übrigens ausprobiert, der Ast ließ sich nicht wieder in die frühere Wuchsrichtung zurückdrücken, da wo er war, gebärdete er sich, als wenn er was eigenes wäre. Und das ist der Grund, wieso mir dazu „Wir sind Kirche" in den Sinn kam: schon die Selbstbezeichnung klingt in meinen Ohren immer etwas hoheitlich exklusiv – wir sind Kirche. Da haben wir was eigenes. Irgendwann war der Ast dann weg, vielleicht abgesägt, vielleicht abgebrochen, vielleicht vertrocknet, wer weiß?

Nun also die Exkommunikation. Erst gab es wohl mehrfach Verwirrung darüber, wer nun exkommuniziert hat, entweder Papst Franziskus oder der Ortsbischof Manfred Scheuer oder die Eheleute Heizer sich selbst. Radio Vatikan hat hier offenbar mittlerweile etwas entheddert: zuerst hat die Glaubenskongregation festgestellt, daß sich die Eheleute durch wiederholtes Verstoßen gegen den Kanon 1379 des Kirchenrechts durch Tatstrafe selbst exkommuniziert haben.  Eines solchen Verstoßes macht sich kirchenrechtlich schuldig, wer ohne Priesterweihe das eucharistische Opfer zu feiern versucht. Wer darüber hinaus eine Sakramentenspendung vortäuscht, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden. Dies wiederum hat der Ortsordinarius dann den Betroffenen und der Diözese bekanntgegeben. Daß Papst Franziskus diese Entscheidung – wie ohne weiteres möglich – nicht höchstselbst getroffen, sondern dies der Glaubenskongregation überlassen hat, gibt einigen nun wieder Anlaß, den einen Papst gegen den anderen ausspielen zu wollen, indem man, im vergeblichen Versuch auch nur einigermaßen subtil sein zu wollen, die Entscheidung als „typisches Relikt des Kirchenverständnisses Papst Benedikts XVI“. bezeichnet, während der Geist der zukünftigen Weihnacht „der Geist von Papst Franziskus noch nicht im Kurienapparat angekommen“ sei. Das klingt so, als sei dieser „Geist“ noch unterwegs, käme aber sicherlich schon noch irgendwann an.

Tatsache ist, daß die Handlungsweise der Glaubenskongregation wie des Bischofs vor dem Hintergrund des Vorgefallenen gar nicht anders hätte ausfallen können. Wer, trotzdem er deutlich ermahnt wurde, immer wieder derart eklatant Geist und Recht der Kirche zuwiderhandelt, dem geschieht sicherlich recht, wenn dies nicht beständig ohne Konsequenzen bleibt.

Es spricht auch eine beredte Sprache, daß etwa die theologische Fakultät der Universität Innsbruck Martha Heizer eigens nahebringen mußte, sich nicht mit der Bezeichnung Theologin zu behängen, aus dem schlichten Grund, weil sie es nicht ist, sie hat nicht einmal Theologie studiert. –

Im Evangelium heißt es über die Verantwortung der Hirten für die ihnen Anvertrauten:
Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
und, im selben Atemzug Jesu:
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. (Mt 18, 15-18)
All dies ist hier geschehen, von der Zurechtweisung leider auch bis zu der Konsequenz: dann sei er für dich wie ein Heide oder Zöllner. Wieviel besser wäre es gewesen, den Bruder oder die Schwester zurückzugewinnen, indes müssen sie sich auch zurückgewinnen lassen wollen.

Das Simulieren einer Eucharistiefeier ohne Priester gehört zu den Delicta graviora (den schweren Vergehen), da macht man auch mit zuweilen anzutreffenden Euphemismen wie „priesterlos“ keinen Stich. Eine Heilige Messe kann nur ein Priester feiern, auch ist sie niemals, wie die Heizers wiederholt behaupteten, „privat“, da selbst, wenn die Feier einer Messe nicht allgemein angekündigt wird, Christus und das Handeln der Kirche immer in der Person des Priesters vergegenwärtigt werden, der die Messe feiert. Es gibt also keine „priesterlosen Eucharistiefeiern“, es gibt nur Eucharistiefeiern, denen dann natürlich ein Priester vorsteht.

Auch darf man sich ohne Weihe und Auftrag nicht einfach etwas nehmen, was einem nicht gehört, das steht schon im von „Wir sind Kirche“ viel beschworenen Neuen Testament: keiner nimmt sich diese Würde eigenmächtig, sondern er wird von Gott berufen. Sehr schön heißt es da übrigens über den Priester, daß er fähig ist, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der Schwachheit unterworfen ist.

Bei aller Befriedigung darüber, zumal angesichts des vorgetragenen Unverständnisses der Eheleute Heizer – man nehme das Dekret nicht an, da man auch das Verfahren nicht anerkenne[1] – fängt man irgendwann an, Bedauern zu empfinden: weil die Heizers um die Heilsnotwendigkeit der Kirche wissen und sich selbst außerhalb gestellt haben. Sehr gut hat das meinem Empfinden nach Stanislaus zusammengefaßt, wenn er schreibt
Es ist in der Tat sehr traurig, daß es in unserer Kirche Menschen gibt, die in ihrem – im wahrsten Sinne des Wortes – sündhaften Verhalten dauerhaft verharren und sich nicht zur Umkehr bewegen lassen. Wer sich darüber freut, der versteht offensichtlich etwas nicht ganz richtig.
Bischof Scheuer empfindet die Exkommunikation als Niederlage, weil man Martha und Gerd Heizer vor dem Anathema nicht zum Umdenken bewegen konnte. Man kann nur hoffen, daß die Heizers aufhören, sich viele Sorgen, Mühe oder Geschäfte zu machen, sondern sich auf das eine besinnen, das notwendig ist und sich zurück gewinnen lassen. Alle die das tun, haben buchstäblich das bessere Teil erwählt: das ewige Heil.

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[1]  Der Vergleich taugt nur eingeschränkt, aber kann ich wohl, wenn ich von einem weltlichen Gericht verurteilt werde – das im übrigen bei Reue und Umkehr den Urteilsspruch im Nachhinein nicht wieder aufhebt – auch sagen, ich nehme das Urteil nicht an, weil ich die Gerichtsbarkeit nicht anerkenne? Hier wurde meines Dafürhaltens gegen göttliches und kirchliches Recht verstoßen. Jedenfalls eine der zuständigen Gerichtsbarkeiten hat dann reagiert. Als nächstes mag der Fall vor dem jüngsten Gericht verhandelt werden.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Sternguckerei des Tages – der Rosenknospennebel


An einem meiner Rosenstöcke hat heute morgen die erste (rosa) Knospe begonnen, die äußeren Blätter zu entfalten (ich bin gespannt, wie das heute abend aussieht, da sie extrem viele Blütenblätter hat). Daher heute mal Sternguckerei in Rosenform: diese Aufnahme des Spitzer-Weltraumteleskops zeigt eine Ansammlung ganz junger Sterne, deren Nebel in Farbe und Form eine Rosenknospe erinnert, weshalb man sie glatt „Rosenknospennebel“ nennen möchte. (Eigentlich hört sie auf den profanen Namen NGC 7129, aber so what? – den Pferdekopfnebel gibt es ja auch.)

Dieser hübsche Nebel liegt etwa 3300 Lichtjahre von uns entfernt, im Sternbild Kepheus (am nördlichen Himmel). Er enthält etwa 130 neue Sterne, die aus einer Gaswolke hervorgehen, deren Zusammensetzung noch für die Entstehung von tausenden sonnenähnlicher Sterne ausreicht. Dabei kühlen Teile dieser molekularen Wolke so stark ab und verändern gleichzeitig ihre Dichte derart, daß Sterne daraus entstehen. Wie das genau abläuft, verstehen selbst Astronomen bisher noch kaum.

Die Farbe des Nebels „entsteht“ durch glühende Staubpartikel an der Außenseite einer Art Blase, die die Sterne in einem Zeitraum von einer Million Jahren innerhalb der molekularen Wolke gebildet haben. Diese Partikel werden von den Sternen im Inneren der Blase erhitzt und geraten dann in den von Spitzer wahrnehmbaren Infrarotbereich. Die rötliche Farbe ist ein Hinweis auf reichliches Vorhandensein von Kohlenwasserstoffen (Basis der Formen organischen Lebens, die wir kennen). Links oben noch eine kleinere Sternenkinderstube mit nur wenigen jungen Sternen.

Sonntag, 18. Mai 2014

Frau Königin, Ihr seid die Dickste hier…


Hier eine Hummel, die mir an dieser Stelle auf dem Weg in den Garten immer wieder begegnet. Scheint eine Steinhummelkönigin zu sein, das Tierchen ist riesig und hat jedenfalls die Ruhe weg (ganz königlich eben). Es ließ sich beim Polleneinpacken auf dem Moos kaum stören, ich hätte mich mit der Kamera wohl schon drauflegen müssen.

Samstag, 17. Mai 2014

All this and heaven too



How can you tell the difference
between your true lover and some other?
Your true one wears a pilgrim’s hat
and a pilgrim’s sandals and staff.

He is dead and gone, lady,
he is dead and gone.
At his head is a patch of green grass,
and at his feet there is a tomb stone.

His death shroud was as white as snow
covered with sweet flowers
which did not fall to the ground
in true-love showers. 
(Hamlet, vierter Akt, fünfter Aufzug)

Ein Buch, das ich über die Jahre gern immer wieder einmal gelesen habe, ist Hölle, wo ist dein Sieg? von der Amerikanerin Rachel Field. (Ich weiß nicht, warum Übersetzungen von Titeln ins Deutsche immer so beknackt ausfallen müssen. Im Original heißt das Buch All this and heaven too.) Rachel Field ist die Großnichte Henriette Fields, die als Henriette Deluzy – eigentlich Henriette Desportes – im Europa des Jahres 1847 unfreiwillig große Bekanntheit erlangte. Mittelbar trug sie zum Sturz des „Bürgerkönigs“ und zu einer Revolution bei.

Eigentlich beruht diese Wiedergabe der Lebensgeschichte Henriette Fields auf einer Ironie: Rachel Field schreibt nieder, was ihre Großtante sehnlichst hinter sich zu lassen wünschte, als sie über den Atlantik auswanderte, um dort zuerst Lehrerin in einem New Yorker Mädchenpensionat und dann ländliche Pfarrfrau zu werden, indem sie den protestantischen Geistlichen Henry Martyn [sic!] Field heiratete. Die Familie Field ist, abgesehen davon, daß sie mehrere bedeutende Geistliche und Juristen der aufstrebenden Vereinigten Staaten hervorbrachten, auch durch Cyrus W. Field bekannt, der am Verlegen des ersten Atlantikkabels beteiligt war. Henry Field, später Herausgeber, sollte seine Frau um mehr als dreißig Jahre überleben.

Obwohl Rachel Field ihrem Roman als Einleitung voranstellt, warum sie das Buch geschrieben hat, bleibt doch in gewisser Weise völlig fraglich, was sie dazu bewogen haben mag, diese Familiengeschichte wieder auszugraben, kaum daß endlich Gras darüber gewachsen war. Eine Verschwiegenheit über schmerzliche Ereignisse, die sich bis auf den Grabstein Henriette Fields fortsetzte, von dem anzunehmen ist, daß entweder sie selbst oder ihr Ehemann die Kürze und Schmucklosigkeit der Inschrift veranlaßt haben müssen. Rachel Field selbst vergleicht diese Inschrift mit einem abgebrochenen Zweig ohne Blätter und Blüten.

HENRIETTE DESPORTES
die geliebte Frau von Henry M. Field
gestorben am 6. März 1875

Der Titel des Buches …and heaven too bezieht sich sicherlich auf den Fortgang der Geschichte und die Ehe mit Field, die, wenn denn, eine zweite Liebe war, wenn auch eine wesentlich ruhigere als die erste. Vielleicht mag ich das Buch gern, weil, neben dem flüssig zu lesenden Stil, die Geschichte trotz aller Tragik „ausgeht“, das heißt, es ist die Geschichte eines (ungewöhnlichen) Schicksals, das nicht notwendigerweise mit einem Happy End endet, sondern das Leben eines Menschen zeichnet, der immer weitergeht, was ihm auch widerfahren mag, weil er nicht anders kann. Henriette Desportes scheint eine Frau von großer Kraft und mit vielerlei Gaben gewesen zu sein. Unbegreiflich erscheint, warum sie in manche Situationen überhaupt geriet beziehungsweise geraten konnte, indem sie sich nicht rechtzeitig löste oder Dinge tat, die man nicht anders als unvorsichtig nennen kann, wenn es auch leichter ist, es nachher besser zu wissen. Wie zum Hohn blieb auch sie selbst, die Kinder liebte und in ihnen Einzelpersönlichkeiten sah, „ohne Blätter und Blüten“, als sie schließlich heiratete, war sie über vierzig und es war wohl zu spät für sie, noch ein Kind zur Welt zu bringen.

Im August des Jahres 1847 erstach und erschlug Charles Laure Hugues Théobald, der Herzog von Choiseul-Praslin, ein Pair von Frankreich, seine Frau Fanny und beging anschließend Selbstmord, indem er (vermutlich) Arsen schluckte. Sein Sterben zog sich über sechs Tage hin, er wich bis zum Schluß nicht von seiner ursprünglichen Darstellung ab, er habe einen Raubmörder bei seiner Frau überrascht und sie gegen dessen Angriff verteidigt. Tatsächlich ergab sich aus der erdrückenden Beweislast eher, daß der Herzog von Praslin seine Frau wahrscheinlich im Affekt getötet hatte. Der nachfolgende Prozeß, der in ganz Europa Aufsehen erregte, beschäftigte sich, da der Hauptbeschuldigte tot war, vor allem mit der Frage, welche Rolle die Erzieherin der Praslinschen Kinder, Henriette Deluzy, in dieser Sache gespielt hatte. Waren sie und der Herzog Liebende gewesen, wie Gerüchte und Klatschzeitungen seit Jahren immer wieder behaupteten? Hatte der Herzog seine Frau ermordet, weil diese drohte, sich von ihm zu trennen? Hatte er sie ermordet, weil er glaubte, sie anders nicht loswerden zu können? Oder hatte er sie schlichtweg umgebracht, weil sie sich hartnäckig weigerte, der zwischenzeitlich entlassenen Gouvernante ein Zeugnis auszustellen? Hatte die Erzieherin ihn zu dieser Tat angestiftet? Fragen über Fragen, mit denen sich auch Victor Hugo, einer der bedeutendsten Publizisten jener Zeit, auseinandersetzte, ohne daß je ganz klar geworden wäre, wie die Antwort auf sie lautet, falls es nur eine gibt. So bleibt etwa unklar, ob sich der Herzog von Praslin für Henriette überhaupt als Frau interessierte oder ob er immer nur die Erzieherin seiner Kinder in ihr sah und sie als solche schätzte.
Henriette Field geb. Desportes,
wie Eastman Johnson
sie porträtierte

Der Herzog und die Herzogin von Praslin hatten in recht jungen Jahren geheiratet (er neunzehn, sie siebzehn). Ungewöhnlich für unter Adligen geschlossene Ehen mag vielleicht gewesen sein, daß sie einander wirklich liebten. Im Jahre 1841 jedoch, dem Jahr, in dem Henriette Desportes unter dem angenommenen Namen „Deluzy“ dort ihre Tätigkeit als Gouvernante aufnahm, schien der Herzog nach elf Jahren Ehe, aus der neun überlebende Kinder (die Herzogin hatte mehrere Fehlgeburten) hervorgingen, seiner Ehe mit der Herzogin einigermaßen überdrüssig. Diese hatte sich – kaum verwunderlich nach so vielen Geburten – in eine einigermaßen dicke Matrone verwandelt. Zudem scheint sie von der Sorte Schlingpflanze gewesen zu sein, die das Gewächs, an das sie sich klammert, langsam erstickt. Der Herzog wiederum war eine eher unterkühlte Natur, der sich umso mehr zurückzog, je mehr er bedrängt wurde. Die Herzogin hatte die Gewohnheit angenommen, ihrem Mann endlose leidenschaftlich anklagende Briefe zu schreiben, manchmal mehrere an einem einzigen Tag, und ihm diese per Boten zustellen zu lassen.

In diese angespannte Situation geriet Henriette Desportes, die man zuvor bereits von den besonderen Schwierigkeiten in diesem Haushalt gewarnt hatte; auch war sie die vorerst letzte in einer wahren Prozession von Erzieherinnen, die sämtlich nicht lange in diesem Haushalt überdauerten. Es scheint im Nachhinein schwer verständlich, wieso sie angesichts dessen gerade diese Stelle annahm, obwohl es nicht wirklich drängte, und auf eine vage Zusage hin – das eigentliche Vorstellungsgespräch noch vor sich – Ende März 1841 von London in ihre Heimatstadt Paris reiste. Ihr einziger Verwandter, ihr Großvater, bezahlte zwar ihre Erziehung, wollte aber ansonsten kaum etwas von ihr wissen; später brach der Kontakt ganz ab. In England war Henriette, die verwaist, wie wir zwischen den Zeilen lesen, unehelich geboren und ursprünglich in einem Kloster erzogen worden war, zum Protestantismus konvertiert – etwas, das sowohl in den Augen der Herzogin als auch in denen ihres Beichtvaters von Anfang an stark gegen sie sprach und dem späteren Prozeß auch eine religiöse Dimension verlieh.

Ausschnitt aus der Illustrated
London News
vom 4. September 1847
mit einer Skizze des Tatorts
In den sechs Jahren, in den sie als Erzieherin bei der Familie Praslin tätig war, verschlechterte sich das Verhältnis sowohl zwischen den Eheleuten als auch zwischen der Herzogin und ihren Kindern und der Herzogin und Henriette zusehends. Der Herzog scheint zudem in Bezug auf die Kinder ein etwas eigenartiger Charakter gewesen zu sein: Im Nachhinein wurde bekannt, daß er seine Frau im Jahr, bevor Henriette Deluzy dort ihre Tätigkeit als Erzieherin aufnahm, ein Schriftstück unterzeichnen ließ, das besagte, die Herzogin dürfe ihre Kinder gleichsam nur unter Aufsicht sehen, etwa, wenn er selbst oder eine Erzieherin dabei sei. Daß dies Fanny Sebastiani-Praslin in hohem Maße verbitterte, ist einsehbar. Im Juni 1847 entließ sie Henriette Deluzy, nachdem zum wiederholten Male in einer Zeitung Gerüchte veröffentlicht worden waren, der Herzog und die Erzieherin hätten seit Jahren ein Verhältnis. Henriette (nun wieder unter ihrem eigentlichen Namen Desportes) verließ das Haus ohne ein Zeugnis, das ihr auch im Nachhinein trotz dringender Bitten von der Herzogin nicht ausgestellt wurde, obwohl oder vielleicht gerade weil ihr Broterwerb als Erzieherin daran hing. Nur wenige Wochen später kam die Herzogin ums Leben. Der Herzog wurde unter Arrest gestellt und Henriette Desportes verhaftet und in die Conciergerie von Paris gebracht, wo man sie bis November 1847 festhielt, bis sie schließlich freigelassen wurde.

Die Prozeßakten bezeichnen den Totschlag oder Mord an Fanny Sebastiani-Praslin als „abscheuliches Geschäft, überdies ungeschickt verrichtet“. Neben aller persönlicher Tragik führte die „Affäre Praslin“ letztlich mit zur Revolution von 1848, mit der die Herrschaft der sogenannten Julimonarchie endete. Der Regierung wurde verübelt, daß der Herzog als hoher Adliger sich durch seinen Selbstmord der Strafverfolgung entzogen hatte.

Schloß Vaux-Praslin bei Melun vom Garten aus gesehen
Eine eigenartige Geschichte, deren Einzelheiten und genaue Zusammenhänge unwiederbringlich im Strom der Geschichte verloren scheinen und wohl nie mehr ergründet werden können. Erstaunt war ich, als ich einmal einen Blick auf das Schloß Vaux-Praslin – einen der Schauplätze der Handlung – werfen konnte, das im Buch etwas verwunschen und mit dem Geld der Herzogin und ihres Vaters einigermaßen wiederhergestellt daherkommt: mein lieber Schwan, einen derartigen Palast hätte ich mir nun nicht vorgestellt! Der eigentliche Hauptwohnsitz der Familie Praslin, 55, Rue du Faubourg Saint-Honoré, wurde bald nach den Ereignissen vom Sommer 1847 abgerissen, heute ist es die Adresse des Elyseepalasts.

Freitag, 16. Mai 2014

Zwischendurch…

Weiland schrieb ich einmal mehrere Blogbeiträge über rote Schuhe, über solche, die von Päpsten getragen oder nicht getragen werden oder auch andere. Seither kann ich mich in acht nehmen. Eine anonyme Kommentatorin kommentierte das zunächst einmal mit einem anonymen Verriß anderswo, in dem sie den Blog als „kruden Internetauftritt“ und „Portal der gediegenen Tradition“ bezeichnete, darauf hinwies, die Bloggerin sei ja anonym (ach was?) und sich fortan auf veröffentlichte Themen und Bilder einschoß, die sie mit Fleißbildchen – mit und ohne Glitter – verglich, und die zu jungfrauen- und märtyrerlastig seien. Jo mei, selbst hätte ich meinen Blog zwar nie als „gediegen“ bezeichnet, aber es gibt nun wirklich Schlimmeres. Zu „krude“, beziehungsweise dem allgemeinen Verriß meiner Themen- und Bildwahl: über Geschmack läßt sich nun wirklich trefflich streiten. Wie schon einmal bemerkt, kann natürlich jeder Blogger im Rahmen der Legalität schlichtweg veröffentlichen, was immer ihm Spaß macht. Auf Jungfrauenblogs findet man unter Umständen mehr über Jungfräulichkeit und Ehelosigkeit, schon deshalb, weil mir das Führen eines Haushalts mit fünf Kindern weniger nahe ist, trotzdem ich große Hochachtung davor habe. Schreib halt selber einen weniger gediegenen Blog, hihi.

Aus aktuellem Anlaß allerdings: liebe Unbekannte, wenn dich Bilder von Nonnen, die offensichtlich noch etwas zu lachen haben, ärgern oder dir ein Dorn im Auge sind, so schau doch nächstens einfach nicht hin. Oder hör auf das Evangelium.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Nungazing am Mittwoch

Unbeschuhte Karmelitinnen (was es da wohl zu sehen gab?)

Dienstag, 13. Mai 2014

Glaube, Hoffnung und Liebe – zur Seligsprechung Pauls VI. (2)

Gerade anläßlich der angekündigten Seligsprechung Pauls VI. ist mir noch einmal recht zu Bewußtsein gekommen, daß wir eigentlich nicht auf die formelle Erhebung eines Menschen zur Ehre der Altäre warten, bevor wir uns mit der Bitte um fürbittendes Gebet an ihn wenden, vielleicht, weil ich mich selber im Gebet an Paul VI. wende. So geschehen ja auch Wunder auf die Fürsprache dieser Seligen oder Heiligen, an die sich Gläubige im vertrauenden Gebet gewandt haben.

Die FAZ wiederum macht aus dem Himmel einen Ort der bürokratischen Zuständigkeiten: „Der Selige wird hernach zunächst nur in seiner Heimat verehrt. Erst mit der Heiligsprechung würde Paul VI. für alle Christen weltweit zum Fürbitter bei Gott.“ Aua! Vor der Heiligsprechung weist Paul VI. jedes Gebetsanliegen glatt zurück, das nicht aus seiner Heimat kommt. (Hint: Deshalb hat die Kommission das Wunder an einem Ungeborenen aus Kalifornien für die Seligsprechung anerkannt…) Wirklich, man wundert sich immer wieder. Früher™ wußten Journalisten großer Zeitungen, worüber sie schrieben oder machten sich wenigstens vorher kundig. Richtig ist, daß die Verehrung eines Seligen erst durch die Heiligsprechung auf die Weltkirche ausgedehnt wird. Einen Seligen, gleich wo er geboren wurde oder gelebt hat, um Fürsprache bei Gott anzurufen oder ihm einfach die eigene Verehrung zu erweisen, ist hingegen immer möglich.

In ihrem Kanonisationsakt stellt die Kirche ja auch fest, daß nach „reiflicher Überlegung und Anrufung der göttlichen Hilfe, dem Rat vieler unserer Brüder folgend, kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und in der Vollmacht des uns übertragenen Amtes, … der selige N. ein Heiliger ist. Wir nehmen ihn in das Verzeichnis der Heiligen auf und bestimmen, daß er in der gesamten Kirche als Heiliger verehrt wird.“

Darin kommt meinem Empfinden nach die Gewißheit der Kirche – nach vorherigem letzten Anrufen des Heiligen Geistes – über diese Feststellung klar zum Ausdruck.

Kardinal Sterzinsky hat einmal sehr schön ausgedrückt, wie die Gnade und das Erbarmen Gottes in der Kirche und der Verehrung der Heiligen aufleuchtet. Die Gnade, die Menschen, wie wir es sind, dazu führen kann, Heilige zu werden und in uns den Wunsch und das Streben wecken mag, über uns selbst hinauszuwachsen und Heilige zu werden („Wenn dieser es vermochte und jener, warum nicht auch ich?“):
So sehr wir auch Kirche der Sünder sind, so ist die Gnade Gottes auch jetzt schon siegreich. Siegreich in Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, wie es gerade in der Feier der österlichen Geheimnisse aufleuchtet und in seiner Auferstehung zum Hoffnungszeichen wird. Das Sieghafte an dieser Gnade und dem Erbarmen unseres Gottes ist aber auch schon erkennbar im Leben so vieler Menschen, die wir als heilige Frauen und Männer verehren, die mit uns gewöhnlichen Sündern zur Gemeinschaft dieser Kirche gehören. Das ist verwunderlich und tröstlich zugleich. Ich muß mir nicht für die Zukunft eine ideale Kirche erst erträumen. Ich kann getrost in der realen Kirche bleiben, die eine Kirche von Sündern ist, denn der Herr ist nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder, und Er hat bereits unübersehbar viele geheiligt, die treu geblieben sind. Uns allen zum Trost.

Sonntag, 11. Mai 2014

Glaube, Hoffnung und Liebe – zur Seligsprechung Pauls VI.

Schon vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, daß der Verlauf des Seligsprechungsprozesses Pauls VI. den Menschen nicht so präsent zu sein scheint wie etwa der Johannes Pauls II., obwohl viele Menschen sich noch an Paul VI. als Papst erinnern können dürften. (Ich jedenfalls kann.) Jedesmal, wenn ich ein Bild Pauls VI. sehe, finde ich, daß man ihm Güte und Tugend schon am Gesicht ansehen kann.

Das läßt zumindest hoffen, daß wir anläßlich der erwarteten Seligsprechung Pauls VI., die, wie der Heilige Stuhl zu meiner Freude gestern bekanntgegeben hat, am 19. Oktober stattfinden wird, vielleicht keine weiteren Blödsinnigkeiten à la „sind Heiligsprechungen heute noch zeitgemäß?“ lesen oder hören müssen. Abgesehen davon, daß die heutige Zeit nicht das Maß aller Dinge ist, sondern nur einfach die einzige, die wir haben, kann man eine solche Frage einfach nur mit „Ja!“ beantworten. Ja, Heiligsprechungen sind zeitgemäß. Sie waren es zu allen Zeiten und sie sind es auch heute. Sie stellen den Menschen nicht nur das Gute, sondern sogar das Beste vor Augen, das im menschlichen Wesen liegen kann. Sie stellen den Menschen die Herrlichkeit, die Gnade und das Erbarmen Gottes vor Augen. Mehr noch, es stellt den Menschen Hoffnung vor Augen und gibt ihnen Trost.

Samstag, 10. Mai 2014

Im Minzrausch

Heute bei den Kräutern die Qual der Wahl: da gibt es Orangenminze, Mandarinenminze, Erdbeerminze, Schokoladenminze und Zitronenminze. Irgendwo soll auch noch Apfelminze sein – von Minze, deren Name nicht auf einer Obstsorte, Schokolade, Lakritze, Kaugummi oder Gummibärchen herauskommt, noch ganz zu schweigen. Ein ganzer Wagen scheints nur mit Minze. Zuhause habe ich schon die Ananasminze, die Zitronenverbene und die Zitronenmelisse. Beim Ananassalbei konnte mich selbst das „Ananas“ nicht locken. Schließlich hab ich es gemacht, wie die kleine heilige Therese: Ich wähle alles! Und eine Walderdbeere! Soviel Minze braucht sicherlich kein Mensch, aber es klingt einfach alles so gut. Das einzige, was ich jetzt nicht habe, ist ganz normale Minze… ;)

Mittwoch, 7. Mai 2014

Psalm 104,24 mal wieder

Also, es gibt ja schon tolle Fotos – ein Riesenhai.
Ich  finde die mit ihrer Stupsnase und dem konstanten
Ein-Löffelchen-für…-Gesichtsausdruck gar zu drollig.
Guten Appetit!

Dienstag, 6. Mai 2014

Wer kann zur Jungfrauenweihe zugelassen werden? Hingabe, Liebe und Treue – just my 2 cents

Einen interessanten und lesenswerten Beitrag zur Frage, wer zum Empfang der Jungfrauenweihe zugelassen werden kann, habe ich kürzlich bei Sr. Laurel gefunden, die den Blog Notes from Stillsong Hermitage betreibt.

Neben der Frage nach der Jungfräulichkeit, wie die frühe Kirche sie definierte und der heutigen Regelung für jene, die nach Can. 604 des Kirchenrechts als Jungfrau geweiht werden, geht der Beitrag vor allem auf gewisse Aspekte eines übersteigerten „Physikalismus“ ein, den man in jüngerer Zeit da und dort einmal findet.

(Zugleich wird noch einmal ausgeführt, wem die Jungfrauenweihe sicher nicht gespendet werden kann: solchen, deren Ehe für nichtig erklärt wurde und Witwen.)

Da und dort bin ich einmal mit Sr. Laurels Beiträgen nicht konform, in diesem Falle allerdings verstehe ich sie gut, schon weil ich eine Verengung dieser Frage auf biologische Kriterien für nicht weiterführend halte. Der Versuch der allzu genauen Abgrenzung mancher Dinge kann tatsächlich zu einer Art Elitarismus führen. Mir kommt all das Hauen und Stechen, wer sich mit Fug und Recht Braut Christi nennen dürfe, oder wer wahrhaftig eine Jungfrau sei, vor wie das Begehren der Mutter der Söhne des Zebedäus nach dem Platz zur Rechten und zur Linken Christi im Himmelreich.

Indirekt begegnet bin ich einer solchen Form des übersteigerten Physikalismus schon einmal, als ich davon hörte, daß Anwärterinnen eines bestimmten Säkularinstituts bereits im Vorfeld Fragen gestellt werden, die man eigentlich nicht einmal im Beichtstuhl erwarten würde. (Daß sie schon im Vorfeld gestellt werden, sollte hier eigentlich angesichts der Tatsache, daß solche Fragen immer den Rahmen der Diskretion sprengen, keine Rolle spielen, sie wirken nur vor dem Hintergrund, daß man einander ja zu diesem Zeitpunkt kaum kennt, um so eigenartiger. Ich wäre wahrscheinlich mit einem Äquivalent von „Gut, daß wir drüber gesprochen haben“ wieder entfleucht.)

Einige dieser Fragen berühren die Definition des Aquinaten über den Verlust der Jungfräulichkeit, freilich, ohne dabei genau ins Ziel zu treffen, denn der Aquinate spricht in diesem Zusammenhang vom Zustand der schweren Sünde, der überhaupt erst einmal erfüllt sein muß. Der Kernpunkt ist: sie betreffen Fragen des Gewissens der einzelnen Seele, Dinge, um die nur diese genau weiß und in die man nicht eindringen darf.

Der Ordo consecrationis virginum sieht in seinen Praenotanda als Voraussetzungen zum Empfang der Jungfrauenweihe durch Frauen, die in der Welt leben, unter anderem vor,
daß sie niemals eine Ehe eingegangen sind und auch nicht offenkundig ein dem jungfräulichen Stand widersprechendes Leben geführt haben 
und auch
daß sie durch ihr Alter, ihr Urteilsvermögen und durch ihre nach dem übereinstimmenden Zeugnis der Gläubigen erprobten Charaktereigenschaften die Gewähr bieten, in einem sittenreinen, dem Dienst der Kirche und des Nächsten gewidmeten Leben auszuharren.
Ich habe es immer schon für klug angesehen, daß die Kirche hier bestimmbare, ersichtliche Kriterien nennt und sich im übrigen weiterer dedizierter Ausführungen enthält. Wenn „offenkundig“ ist, daß zwei Menschen nicht nur den Tisch, sondern auch das Bett teilen, ist das ein der Jungfräulichkeit widersprechendes Leben. Kirchlicherseits eine Aufzählung der Fälle, wann genau das „offenkundig“ ist, darzulegen, wäre meines Erachtens nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch unwürdig. Dies widerspricht auch keineswegs der Korrespondenz zwischen Raymond Leo Kardinal Burke (noch als Erzbischof von Saint Louis) und der Kongregation für den Gottesdienst und der Sakramentenordnung in den Jahren 2005 und 2006.

Mit „übersteigertem Physikalismus“ ist oben nicht nur ein übertriebener Nachdruck, der auf bestimmte Aspekte gelegt wird, gemeint, sondern auch der Versuch einer allzugroßen Einengung des Begriffs Jungfrau, der Sr. Laurel zufolge in der Geschichte der Kirche immer viel eher eine Sache des Herzens (Hingabe, ewige Bindung und Treue) als ausschließlich von körperlichem Unberührtsein war. Hier besteht die Gefahr, in die bloßen – und öden – Gefilde der Biologie und Gynäkologie abzugleiten.
In other words, the requirements of canon 604, as these have generally been understood for the past 31 years do not require the intimate revelation involved in either sacramental or ascetical manifestation of conscience. It does not probe into nor invite one to probe into essentially private matters. Church teaching and canon law prohibit doing so because the very much higher value is the inviolability of conscience. It is my sense that the Church limited her definition of the requirements for (or impediments to) admission to consecration under canon 604 to those which are open and public for precisely this reason. In station the foundational requirement as she did she did NOT move into areas require subtle questioning or casuistry, much less actual manifestations of conscience.

Sonntag, 4. Mai 2014

Das halblateinische Hochamt und der wunderbare Fischzug

Da flüchtet man, wie vor einigen Wochen bemerkt, auch deshalb ins lateinische Hochamt, um vom Gesinge aus dem neuen Gotteslob verschont zu bleiben. Zudem quält man sich hin, weil irgendein seit Montag dräuender Infekt immer wieder neue Blüten treibt, wenn man gerade denkt, selbiger sei jetzt vorüber (dafür kann aber außer mir nun wirklich niemand was.)

Ja, Pustekuchen! An sich ist unser lateinisches Hochamt, vor allem, wenn wir Weihrauch haben, sehr schön. Beim Antwortgesang, dem Danklied und den Lesungen macht man Zugeständnisse an die deutsche Sprache; ich muß sagen, bei letzterem kann ich das sogar verstehen, außerdem liegt mir magisches Verständnis, glaub ich, einigermaßen fern.

Nichtsdestotrotz kommen Leute teils von weit her angefahren, teils auch von nicht so weit her, um des lateinischen Hochamts willen. Da ist es doch ein klein wenig ärgerlich, wenn in der Missa Lux et origo kurz vor dem Hochamt das Credo vom DKM durch das deutsche Credo 178 aus dem GL ersetzt wird, zumal eine jener eintönigen Konstruktionen, bei denen das Volk nur dauernd „Amen, amen, amen, ich glaube“ (oder so) singen darf oder soll. Seit einiger Zeit dräut ohnehin die schrittweise Verwässerung hin zum halblateinischen Hochamt. Oder zum Hochamt mit einigen lateinischen Elementen.

Obwohl man sagen muß, daß das Volk und der Schreihals vom Dienst sich beim Gesang heute bemerkenswert zurückgehalten haben, es mag daran liegen, daß Lux et origo nur dieses eine Mal im Jahr gesungen wird (im Gegensatz zur Missa Adventus et quadragesimae, die immerhin zweimal die Chance hat). Aber glaubt mir, das Volk kann das lateinische Credo – auch in „Ostereiernoten“ – nicht nur singen, es will es auch bzw. es will zumindest nicht ohne Not „Amen, ich glaube“ im lateinischen Hochamt singen. Der Zelebrant war ebenfalls not amused. Immerhin: er hat uns durch eine gute Predigt über den wunderbaren Fischzug – eines meiner liebsten Evangelien – und den Gesang der Präfation Freude bereitet.

Als es Morgen wurde, stand Jesus am Ufer: die Jünger haben ganze Nacht vergeblich gefischt, und in der Morgendämmerung erscheint Jesus am Ufer des Sees Tiberias. Der so schmerzlich Vermißte hat alles, was die Jünger brauchen: Fisch und Brot, Wärme und Licht. Petrus, der ihn an einem anderen Kohlenfeuer verraten hat, erneuert seine Liebe zum Herrn – dreimal, wie er ihn dreimal verleugnet hat. In jeder Eucharistiefeier wenden wir uns dem Glanz dieses Lichtes zu, in dem Jesus am Ufer des Sees steht, wir erneuern unsere Liebe zu ihm, der für uns Mensch geworden ist, sich uns selbst zur Speise darreicht.

…und erbarme dich des generischen Maskulinums…

Das Western College Basketballteam von 1912
Vor einiger Zeit auf meinen Schreibtisch geflattert:
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

am Mittwoch, den 28.04.2014 findet der 13. Berliner Firmenlauf für Läufer/innen, Walker/innen und Skater/innen sowie für Rollstuhlfahrer/innen, Einradfahrer/innen und Handbiker/innen über eine Länge von ca. 6 km statt.
Mit so etwas hat man es hier nun dauernd zu tun. Ist doch völlig logisch, daß Läufer, Walker, Skater, Rollstuhl-, Einrad- und Handradfahrer sämtlich nur Männer sein können! Schließlich sind das auf den zugehörigen Piktogrammen ja auch alles Männer. Deshalb braucht man hier die Spezifizierung[1]. Erbarme dich, welchen Beruf oder welchen Sport gibt es denn noch, bei dem es solcher Silbenstecherei bedürfte? Stimmt, Sumoringerinnen hab ich noch keine gesehen.

In der Kirche ist es an manchen Sonntagen nicht viel anders, allerorten sind sie in den Fürbitten neueren Datums anzutreffen, die Laien und Laiinnen, die Christen und Christinnen, die Täuflinge und – ja was? Hier fragt man sich auch, was das soll, zumal es die Fürbitten akustisch noch verdoppelt? Steht irgendwie außer Frage, daß Frauen Christen und Laien sein können? Allenfalls fällt bei diesem bemühten Inklusivismus noch jemandem auf, wo er natürlich nicht zur Anwendung kommen kann… –

„Jeder oder jede, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm oder ihr geben werde, den oder die wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm oder ihr geben werde, wird in ihm oder ihr zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.“ – Hätte Jesus am Brunnen von Samaria so gesprochen, wäre die Frau wahrscheinlich schreiend davongelaufen.

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[1] Es wundert mich allerdings, daß die Kilometerzahl im Gegenzug nicht auch männlich sein kann, wo doch die Länge schon nur weiblich ist.
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