Mittwoch, 30. April 2014

Nungazing am Mittwoch

Soviel übrigens zu der tiefschürfenden Frage, ob man
wohl im Habit Boot fahren könne. Rollerblades fahren
kann man scheints.

A rose is a rose is a rose


Im Nachgang zum letzten Beitrag über das Basteln eines Gartens fiel mir auf, daß ich die englische Rose #1 im Brustton der Überzeugung als Elisabeth Wisley bezeichnet hatte, dabei heißt sie einfach nur Wisley. Mir ist völlig unklar, wie ich da auf Elisabeth kam, weder steht es irgendwo auf der Verpackung noch kommt es aus dem Internet. Vielleicht hat sich das in meinem Kopf irgendwie mit Elisabeth Windsor verheddert, vielleicht liegt es auch dran, daß es eine rosa Rose ist. Klar ist: diese Rose will offensichtlich Elisabeth heißen.

erste Besucher (eine Feuerwanze, war eh
wieder klar)

Dienstag, 29. April 2014

Zum Tag der Kirchenlehrerin

Bei der diesjährigen Veranstaltung zum „Tag der Diakonin“, die das ZdK, die kfd, der KDFB und das Netzwerk Diakonat der Frau gemeinsam durchführen, wird am Beispiel der Flüchtlingsarbeit die Verbindung der diakonischen und politischen Dimension von Kirche diskutiert. Im Mittelpunkt stehen der Einsatz für den sakramentalen Diakonat und der Zugang von Frauen zu diesem Amt. Am Festtag der Heiligen Katharina von Siena setzen sich die Veranstalter für dieses Anliegen gemeinsam ein. (Aus dem diesjährigen Flyer zum „Tag der Diakonin“)

Quod scripsi, scripsi. Abgesehen davon, daß mir die grammatikalische Konstruktion „von Kirche“ (id est, die Verwendung des Wortes ohne seinen Artikel) immer wehtut, verstehe ich nicht, was hier das eine mit dem anderen überhaupt zu tun hat: die Flüchtlingsarbeit und der Einsatz für den sakramentalen Diakonat der Frau? Ohne Zweifel gehört die Arbeit mit Flüchtlingen zur Diakonia der Kirche, warum muß sich diese hier aber vor den Zugwagen des „Tages der Diakonin“ spannen lassen? Damit man Barbara John als Referentin gewinnen kann? Fragen über Fragen.

Interessanterweise ist das Fest, das man seitens des kfd jährlich als „Tag der Diakonin“ zu propagieren pflegt, eigentlich der Tag der Kirchenlehrerin, jedenfalls einer Kirchenlehrerin, vielleicht auch der Tag der Jungfrau, jedenfalls einer. Katharina übrigens hätte womöglich sogar von der heiligen Kirche geschrieben.

Bildchen des Tages


O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche,
du hast Gottes Weisung geliebt. 
Heilige Katharina, bitte für uns bei Gottes Sohn!

Sonntag, 27. April 2014

Wir basteln uns einen Garten

Da ich nun im Grünen wohne, kann ich einer seit langem unerfüllten Sehnsucht nachgeben: gärtnern. So trieb es mich am Freitag und gestern hinaus in das Gartenbaucenter meines Vertrauens. (Es ist das meines Vertrauens, weil es das einzige ist, das ich schon mal gesehen habe. Immerhin hat es einen renommierten Namen; aus beiden Gründen nehme ich in Kauf, daß es JWD liegt. Andererseits: tun Gartenbaucenter das nicht immer?) Unterwegs komme ich an traumhaften Gärten in leider gar nicht traumhafter Umgebung vorbei. Bei mir ist es wenigstens umgekehrt!

Vor Ort erstand ich neben einer englischen Rose, die wunderbare gefüllte und zartrosa Blüten hervorbringen soll, vor allem Kräuter, Rosmarin, Thymian, sowas alles, Rosendünger und eine hübsche Schaufel zum Graben. Bei einem zweiten Abstecher ins Gartenbauzentrum (der Transport!) holte ich neben weiterem Kräuterzeugs dann noch Juda den Unberühmten, für den ich mich zuvor schon aufgrund seines Namens interessiert hatte, aber auch, weil die Rose für ihren herrlichen Duft bekannt ist. Leider benahm er sich nach dem Einpflanzen auch genau wie es seinem Namen entspricht und sah ziemlich unberühmt aus, er ließ traurig die Blätter hängen und wollte auch nicht wirklich gern aus seinem Container heraus. Da das nun gerade die zweite Rose war, die ich überhaupt im Leben gepflanzt habe, machte ich mir prompt Sorgen, zog Erkundigungen ein und kam zu dem Schluß, daß es wohl die Sonne gewesen sein muß, die beim Pflanzen schon ziemlich weit oben stand; mir war selbst ziemlich heiß. Mittlerweile hat er sich scheints erholt.

Wisley dagegen sah nach dem Einpflanzen gleich sehr hübsch aus und hat innerhalb eines Tages die erste Knospe hervorgebracht. We are amused. Zwischendurch kam eine Hummel vorbei, groß wie ein Kolibri, und ein Schmetterling, die haben sich das schon mal angeschaut.

Heute[1] hab ich dann zu guter Letzt (oh really?) noch eine englische Kletterrose gepflanzt. Ich sehe aber schon, daß ich jetzt schlecht aufhören kann und die Sache hohes Suchtpotential hat. (Zum Beispiel gelüstet es mich jetzt noch nach The pilgrim. Aber: gleich drei gelbe Rosen?) Wirklich, sowas wollte ich immer schon! Möglicherweise hab ich auch alles falsch angestellt, da ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit vorher nicht Gebrauchsanweisungen gewälzt habe, dann hat es aber wenigstens Spaß gemacht (den Garten vorher umstechen ist, falls sich jemand gewundert hat, offenbar völlig aus der Mode gekommen). Als nächstes errichte ich dann ein Insektenhotel – ob vier Insektenhäuser auf ein Hotel gehen, wie beim Monopoly, hab ich noch nicht ergründet. Jedenfalls rechne ich mit baldigem Bezug durch wohnungssuchende Insekten, gestern flog eine Hornisse durch meine Wohnung.

vorher: vorbei an traumhaften Latifundien, leider
in alptraumhafter Lage, und hübschen Hausnummern
(weiß jemand, wie diese Schrift heißt?)
immer noch vorher: demnächst kanns losgehen
bitte sehr: die erste Rose ist im Boden
Jude the obscure vor dem Einpflanzen
…das beabsichtigte Endergebnis sieht eigentlich so aus
nachher
am nächsten Tag machte Gott der Herr
eine Rosenknospe

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[1] Dabei stellte sich am Sonntag die Frage: ist Gärtnern „knechtliche Arbeit“? Ich hab es jetzt mal verneint. Soll ich die Pflanzen verkommen lassen? Das pietistische Umfeld bei uns zu Haus wollte meinem Vater das Bohnenstecken am Sonntag jedenfalls verwehren.

Donnerstag, 24. April 2014

Wie außergewöhnlich! Mundkommunion!

Die Rheinzeitung nimmt sich der Neubesiedelung des Klosters Engelport durch die Anbetungsschwestern vom königlichen Herzen Jesu an und weiß in einem insgesamt durchaus wohlwollenden Artikel unter anderem zu berichten:
Die Form der Heiligen Messe in der außergewöhnlichen [hihi!] Form nach dem Römischen Ritus ist für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig, stößt mitunter auf [das war hier vielleicht nicht die glücklichste Art, es auszudrücken…]. So ist die Mundkommunion, die jetzt in Engelport praktiziert wird, anfangs nicht ohne Widerspruch hingenommen worden. Eine Katholikin hat sich beim Bistum erkundigt, ob dies statthaft ist. Es ist so. Monsignor [ich spendiere ein „e“] Schmitz erläutert, daß die Mundkommunion dazugehört. „Wir müssen um Verständnis bitten, aber die Einheit des Ritus muß gewahrt bleiben.“ Das habe Papst Benedikt XVI. so erlaubt. Schmitz hat ebenso wie der Hausgeistliche, Kanonikus Karl Lenhardt, den Eindruck, daß Gläubige diese Form akzeptiert haben. Lenhardt: „Wir sagen das an den Sonntagen, vor allem angesichts der Bedeutung des Empfangs der Kommunion.“ […und das ist auch würdig und recht so.]
Auweia! Soweit ist es gekommen, daß, wenn Gläubige in einem Konvent zu Gast sind, in dem in der Klosterkirche die außerordentliche – nicht die außergewöhnliche! – Form des römischen Ritus gefeiert und die Mundkommunion gespendet wird, diese sich beim Bistum erkundigen, ob jene das überhaupt dürfen.

 Dabei würde, völlig unabhängig vom Ort, eigentlich andersherum der Schuh draus: die Gläubigen haben ein Recht darauf, die Kommunion in dieser Form zu empfangen. Wo sie nur so gereicht wird, da ist das eben so, denn für die Spendung der Handkommunion gibt es lediglich einen Indult. Indult heißt übertragen: Gnadenerweis. Aus Gnade also wird die Kommunion an manchen Orten und in manchen Ländern auch als Handkommunion gespendet. Ich entschuldige mich, falls ich für die Mundkommunikanten unter euch Eulen nach Athen getragen habe, aber vielleicht hält mancher vor einer solchen Nachfrage à la „Ist das überhaupt statthaft?“ beim Bistum inne und denkt noch einmal gut nach.

Montag, 21. April 2014

(M)eine kleine Nachlese zum heiligen Triduum

Die Klosterkirche der „rosa“ Schwestern
Die Messe zum letzten Abendmahl hab ich in der Kathedrale mitgefeiert. Eigentlich ist das dort am Gründonnerstag immer ganz schön, schon wegen der großen Zahl von Priestern, die alle zusammen …das ist heute singen; wenn auch die Kommunion leider nur unter einer Gestalt gereicht wird. (Von Jahr zu Jahr frag ich mich, warum eigentlich? Es sind genug Priester da.)

Bei der Fußwaschung gibt es auch immer irgendwelche Eigenartigkeiten, im letzten Jahr hatten wir die Frau, die statt ihres Mannes fußgewaschen werden wollte (viel später kam heraus, daß es anscheinend im Vorfeld ein sprachliches Problem und somit ein Mißverständnis gegeben hat). Vielleicht, damit sowas dieses Jahr auf keinen Fall passieren kann, waren zur Fußwaschung Priesteramtskandidaten gebeten. Damit entfiel auch die affige Ansage, daß die Teilnehmer am Mandatum „mit ihren Frauen“ die Kommunion unter beiderlei Gestalt an der Altarstufe empfangen (während das gemeine Volk Schlangen an anderen Orten am Geländer zur Unterkirche bildet). Ich war allerdings schon letztes Jahr erstaunt, wie schnell der Kardinal so viele Füße waschen kann und daß er dabei die Mitra auf dem Kopf behält. Gibt das Caeremoniale das echt her? Auch wenn die Fußwaschung, wie ich schon bemerkt habe, kein Re-inactment ist, bringe ich die Mitra mit dem demütigen Dienst Christi an dieser Stelle nicht recht zusammen.

Als weise hat es sich bei der Übertragungsprozession herausgestellt, die Gemeinde diesmal das Pange lingua ohne „Unterstützung“ durch den Chor singen zu lassen: die Gemeinde kann das nämlich a capella singen und den Ton halten, der Chor anscheinend nicht, weshalb wir im letzten Jahr tonal dann irgendwann erschreckend weit auseinander lagen.

An Gründonnerstag zieht es mich auch nach St. Hedwig, weil dort die Ölbergstunde still ist, das heißt, es gibt keine Zutextung irgendeiner Art[1] und es dräut auch keine Agape danach (die, die sowas wollen, kommen erst gar nicht in die Kathedrale). Ich finds immer etwas eigenartig, wenn nach der Messe vom letzten Abendmahl alle zur Agape hinausstürzen und den Herrn im Sakrament allein lassen, als stünde er auf einem sinkenden Schiff. Als dann irgendwann bei der Anbetung die Gedanken immer wieder mal unwillkürlich abschweiften zu diesen, die da mit nonchalantem Hüftschwung an Ziborium und Altar vorbeischwenkten, oder zu jenen, die in der Oberkirche der Kathedrale unter schallendem Gelächter sich austauschten, wobei man in der Unterkirche mühelos jedes Wort verstand, und daß dieses Ziborium leider aussieht wie eine Bettpfanne, kam mir Jesu trauriger Anwurf in den Sinn: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?, und ich dachte, ich kanns leider offensichtlich auch nicht, und sei es in Gedanken.

Im letzten Jahr hatte ich mir eigens eine Nachlese der Heiligen Woche geschrieben (und sie dann doch nicht veröffentlicht), aus dem alleinigen Grund, damit ich am Karfreitag auf keinen Fall nochmal in die Kathedrale gehe. Daß ich von Jahr zu Jahr vergesse, daß die Passion in Hedwig gesungen wird, ist vielleicht eine Gnade. Diese bringt aber jedenfalls mit sich, daß ich dann im nächsten Jahr drinsitze und wenn der Kammerchor anhebt, denke: Ach soo! Mist! Ungern schreib ichs: aber ich kann dieses konzertante Gesinge in der Karfreitagsliturgie nicht haben. Wenn die Choristen da über jedem Wort des Pilatus brüten und mit Fistelstimme „Kreuziget ihn!“ verlangt wird, während man eine gefühlte Stunde auf der Kirchbank sitzt und einem – horribile dictu! – der Kopf nach vorne fällt (und das bei der Passion unseres Herrn Jesus Christus), kann man sich schon nach den schönen Liturgien in der Akademie zurücksehnen, in denen einfach die Passion nach Johannes mit verteilten Rollen gelesen wurde.

Ich hatte aber das Glück oder die Ehre, Karfreitag und in der Osternacht bei den Steyler Anbetungsschwestern (die wegen ihres Habits zumindest im Karmel den Spitznamen „rosa Wölkchen“ weghatten) dienen zu können. Dort kommen nicht viele Auswärtige hin, ich mag aber dergleichen intime Liturgien gern: schlichte, solide Riten und sehr nette Priester. Auf diese Weise kam ich in diesem Jahr dann übrigens doch dazu, die Passion mitzulesen (am Karfreitag hab ich das noch nie gemacht und daher noch nie die Johannespassion gelesen). Leider ohne Allerheiligenlitanei und Taufwasserweihe mit Einsenken der Osterkerze in der Osternacht, dafür aber mit der Möglichkeit, am Karfreitag in aller Sammlung drei Fußfälle vor dem Kreuz zu machen und das Kruzifix zu küssen. Kommunion in der Osternacht unter beiderlei Gestalt, was man in der Osternacht fast nirgends hat, obwohl die entsprechenden kirchlichen Dokumente es doch „sehr empfehlen“. Am Schluß der Osternacht wurde auch noch der sakramentale Segen erteilt, mit einer Monstermonstranz (ein Oxymoron vielleicht, aber sehr schön).

Bedauerlicherweise liest man auch bei den rosa Schwestern in der Osternacht nur noch drei alttestamentliche Lesungen und die Epistel – irgendwie hatte ich hier mehr erwartet. Dahin scheint leider auch der schöne Antwortgesang Lobe den Herrn meine Seele nach der Lesung aus der Genesis, der für mich für die Osternacht irgendwie prägend war; meist hab ich ihn noch mit der Stimme des Kantors in der Akademie im Ohr.

Danach, also nach der Osternacht, wars mit der Agape im Sprechzimmer – mit Klausurgitter[2] drin – dann in Ordnung. Schnurrigerweise fand man nichts dabei, auch geistlichen Personen und solchen im gottgeweihten Stande Osterhasen zu schenken (ich könnte das ja nicht, aber auch auf meinem Fensterbrett sitzen jetzt zwei dieser Fruchtbarkeitssymbole, die irritierenderweise auch noch die Farbe der Fastenzeit tragen). Jedenfalls: schön wars!

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[1] Von Jahr zu Jahr landen Suchanfragen nach Texten für die Ölbergandacht auf meinem Blog auf dem Beitrag, in dem ich schreibe, wie mir solches Zutexten widersteht und meinem Wunsch nach Stille vor dem Allerheiligsten Ausdruck gebe. Ich träume immer davon, daß einer innehält und vielleicht von seinem Vorhaben abläßt.

[2] Klausurgitter gabs schönerweise übrigens überall, auch in der Sakristei, ganz klassisch, mit Holzpanel, das zurückgeschoben wird, und dann guckt eine Schwester heraus. Wo hat man das noch? Leider leiden auch die rosa Schwestern unter Nachwuchsmangel (ich würde ja denken, wenn man vielleicht die Farbe des Habits änderte, aber das ist es wahrscheinlich nicht).

Samstag, 19. April 2014

Kleiner Kirchenknigge fürs Triduum sacrum

Mittlerweile ists natürlich für dieses Kirchenjahr etwas spät, aber anderswo wurde ich gefragt, wie man am Gründonnerstag eigentlich die Kirche verläßt, wo doch der Tabernakel und meist auch schon die Weihwasserbecken leer sind? In der Tat ist in dem Zusammenhang auch für manchen die Frage interessant: wie komme ich eigentlich am Karfreitag und Karsamstag, wenn man etwa frühmorgens zu den Karmetten kommt oder am Karfreitag oder auch Karsamstag nach der Liturgie vom Leiden und Sterben Christi zu einer Wache beim sogenannten Heiligen Grab in der Kirche ist?

Wer am Gründonnerstag nach der Messe vom letzten Abendmahl noch zur Ölbergstunde bleibt, ehrt das Allerheiligste beim Kommen und Gehen durch eine doppelte Kniebeuge (das heißt, man kniet und verneigt sich dabei etwas). Ansonsten verneigt man sich beim Verlassen der Kirche vor dem Altar, wie auch am Karfreitag vor Beginn der Liturgie zum Leiden und Sterben Christi. Der Tabernakel ist leer, seine Flügel weitgeöffnet, der Altar entblößt, das ewige Licht gelöscht und der Pulsschlag der Kirche auf seinen niedrigsten Punkt gesunken. Eines aber ist ist da: das Zeichen des Kreuzes, in dem uns Heil, Leben und Hoffnung ist. Von der Enthüllung des Kreuzes an wird dieses bis zur Osternacht beim Vorüberschreiten durch eine doppelte oder einfache Kniebeuge geehrt, wie sonst das Allerheiligste.

Mittwoch, 16. April 2014

Nicht in dieser Welt, aber in jener – zum Gedenktag der hl. Bernadette Soubirous

Vom Mittwoch der Karwoche verdrängt wurde heute das Fest der hl. Bernadette Soubirous, der Unsere liebe Frau in Lourdes erschienen ist. Die Jungfrau Maria hatte Bernadette, die, obwohl sie selbst schwer krank war, nie gedacht hatte, daß die Quelle von Lourdes auch für sie dasein könnte, einmal gesagt: Ich kann nicht versprechen, sie in dieser Welt glücklich zu machen, aber in jener. Ein wenig sieht man das ihrem Gesicht an.

Die verschiedenen Erhebungen der Reliquien, zu denen seit mehr als 130 Jahren so viele Menschen wallfahrten, ist gut dokumentiert.

Bischof Gauthey von Nevers ließ im Namen der Kirche den Körper Bernadettes am Morgen des 22. September 1909 exhumieren, anwesend waren mehrere vom Postulator des Seligsprechungsprozesses bestimmte Zeugen, dazu zwei Ärzte und eine Schwester der Kongregation der Schwestern von Nevers. Alle bezeugten, daß, obwohl das Sterbekreuz der Sr. Marie Bernarde Grünspan angesetzt, ihr Rosenkranz rostig und ihr Habit feucht geworden waren, ihr Leib frei von Spuren des Verfalls war. Auch entströmte dem Sarg kein Geruch. Dies wurde als eines der Wunder im Seligsprechungsverfahren angeführt.
„Der Kopf war nach links geneigt, das Gesicht weiß. Der Mund stand leicht offen und es war erkennbar, daß die Zähne noch intakt waren. Die Hände, die über Brust gekreuzt waren, waren völlig erhalten, wie auch die Nägel. Sie hielten immer noch den rostigen Rosenkranz. Die Venen der Unterarme traten hervor“.
Man wusch den Körper und kleidete ihn in einen neuen Habit, bevor man ihn in einem neuen, doppelten Sarg, der mit weißer Seide gefüttert war, erneut beisetzte.

Ein zweites Mal wurden die Reliquien am 3. April 1919 erhoben. Ein Arzt, der den Körper Bernadettes untersuchte, brachte zu Papier:
Der Körper ist gut erhalten, teils mit Schimmelflecken und einer beachtlichen Salzschicht bedeckt, die aus Kaliumsalzen zu bestehen scheint. Die Haut hat sich an einigen Stellen aufgelöst, ist aber an den meisten Körperteilen noch vorhanden.
Im April 1925 ließ die Kirche die Grabstätte Bernadettes ein drittes Mal öffnen. Man entnahm Reliquien, die nach Rom gesandt wurden. Ein Abdruck des Gesichts wurde angefertigt, so daß die Firma Piere Imans in Paris auf dessen Grundlage und der einiger Fotos von Bernadette einen Wachsabdruck anfertigen konnte. Zugleich wurden auch Abdrücke der Hände angefertigt. Dies war in Frankreich bei Reliquien durchaus üblich, weil man fürchtete, daß der Anblick dieser Körperteile, so wie sie immerhin sechsundvierzig Jahre nach Bernadettes Tod waren, Pilger verschrecken könne.

Die Überreste wurden im Juli 1925 in ein Reliquar im Mutterhaus der Schwestern von Nevers gelegt, wo sie sich noch heute, über 130 Jahre später befinden. Die bei der Feier versammelten Schwestern sangen am Schrein aus dem Commune virginum.

„Sobald Bernadette verschieden war“, ist in den Archiven der Schwestern von Nevers in einer Niederschrift der Sr. Bernarde Dallas nachzulesen, „erschien Bernadettes Gesicht wieder jung und friedlich, mit einem Ausdruck von Reinheit und Glückseligkeit.“ Die Infirmarinnen kleideten sie in den Habit und bezeugten später: „Wir hatten dabei keine Schwierigkeiten, da ihr Körper noch die volle Beweglichkeit besaß, obwohl sie bereits zwei Stunden zuvor verschieden war. Auch diese Beobachtungen mögen ein Grund sein, daß die Verheißung der Jungfrau Maria auf Bernadettes liliengeschmücktem Reliquar geschrieben steht.

Irgendwie erinnert mich das Sterbebildchen Bernadettes immer auch an das einer anderen Heiligen, der kleinen hl. Therese: beide haben viel gelitten, beide sind mit einem ganz ähnlichen Wort auf den Lippen gestorben: „(Mein Gott) ich liebe (dich)“, beide starben mit dem Ausdruck großer Glückseligkeit: nicht in dieser Welt, aber in jener.

Scenes of a catholic life


In der neuen Wohnung erst einmal die wichtigen Dinge anbringen: Kruzifix mit frischem Palmzweig, Weihwasserbecken, Ikone und eine Reliquie. Diese stammt von der hl. Lutgard (von Tongern), auf deren Gedenktag mein Weihetag fällt. Das Finden eines Hammers gestaltete sich allerdings als Herausforderung – eigentlich hatte ich mal zwei –, weshalb ich dann beim Erwerb eines neuen If I had a hammer vor mich hinsang…



Mittwoch der Karwoche – das hundertste Schaf


Die Frage, warum die Liturgie der Karwoche das Evangelium über den Verrat des Judas der Heiligen Messe vom Dienstag zugeschlagen hat, verwirrt mich jedes Jahr aufs neue ein wenig, wenn es soweit ist. Die Tradition der Kirche sieht nämlich den Mittwoch als den Tag des Verrates, was auch ein Grund ist, warum viele zusätzlich auch am Mittwoch einer Woche Abstinenz üben oder fasten.

Besser als im letzten Jahr kann ich es in Bezug auf Judas heuer auch nicht ausdrücken. Auch die Kirche läßt ja die Frage, wo Judas sein mag, offen – über welchen Menschen könnte man sagen, er sei der Hölle verfallen, ohne zugleich an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln?

In der Basilika Ste. Marie-Madeleine von Vezélay, die das Ziel vieler Wallfahrten ist, gibt es eine steinernes Kapitell einer Säule, die, von einer Seite aus betrachtet, den erhängten Judas zeigt, für immer hoffungslos scheint er da zu hängen, von eigener Hand gestraft, die Zunge quillt ihm aus dem Mund. Eine andere Ansicht desselben Kapitells zeigt Christus zwiefach als den guten Hirten, einmal als den, der sich den Leib des erhängten Judas über die Schultern gelegt hat und ihn trägt wie das verlorene Schaf. Welcher Hirte ließe nicht die anderen neunundneunzig Schafe weitergrasen, um das eine zu suchen, das verlorenging? Und wenn er es gefunden hat, dann freut er sich, nimmt es auf die Schultern und trägt es nach Hause.

Montag, 14. April 2014

Montag der Karwoche

Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.  (Jes 42,4)

Sonntag, 13. April 2014

Betrachtungen eines am Wege stehenden – Christi Einzug in Jerusalem

Sieh, Jerusalem, dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an.
Völker, seid ihm untertänig, er hat allen wohlgetan!
Den die Himmel hoch verehren, dem der Chor der Engel singt,
dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!

„Lieblingsmomente“ in der Karwoche – die Palmweihe und die Palmprozession ist ein solcher.  Die Geschehnisse der Heiligen Woche sind ein Weg, den wir mit Jesus gehen, ein Weg indessen, der nicht im Dunkel des Grabes endet, sondern beim Er ist nicht hier des Engels herauskommt. Der den du suchst, ist nicht hiergeblieben, er ist zwar freiwillig hinabgestiegen, hat aber sich – und dich – nicht dem Dunkel des Todes überlassen.

Wer würde nicht lieber seine Kleider vor Jesus und dem Esel ausbreiten und ihm zujubeln, Hosanna dem Sohne Davids, eine heilige Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht, oder ein Simon von Cyrene. Und das faszinierende: wir dürfen es auch sein. Gewiß, niemand kann wissen, was er getan hätte, in der Entscheidung zum Guten (wie auch zum Bösen) sind wir aber immer frei. Schwieriger gestaltet es sich dann schon, wann man nicht erkennt, was in einer Sache das Gute oder Böse ist, was bei der Verhaftung und Kreuzigung Jesu auf viele zugetroffen haben mag: auf die unbeteiligten Zuschauer, auf den Hohenpriester vielleicht noch bei der so dringlichen Frage, Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes?, womöglich auch auf Pilatus. Der vom Irrtum zur Wahrheit kommt, ruft aus: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen! Die Bachsche Matthäuspassion verweilt über diesen Worten, sie sind wie ein Lichtstrahl in der Finsternis der neunten Stunde.

Es ist aber ein Unterschied ob ich, wenn ich als Soldat bei einer Hinrichtung Dienst tun muß – worauf ich als Soldat wenig Einfluß habe –, dem Todeskandidaten auch noch den letzten Trunk vergälle oder ob ich mit wie die Frauen mit Myrrhe zur Salbung der Füße Christi oder zum Einbalsamieren komme, seine Füße mit meinem Haar trockne oder aber für eine würdige Grabstelle sorge, wie es Josef von Arimathia tat (letzteres sowohl Mitzwa als auch eines der hauptsächlichen Werke der Barmherzigkeit). Ob ich rufe, soll er doch herabsteigen vom Kreuz, dann wollen wir ihm glauben, oder ob ich einfach bei Jesus auf dem Ölberg oder unterm Kreuz bleibe, betend und durch meine Gegenwart bezeugend, daß mir dieses Geschehen zum Heil gereicht. – Eine der Fragen, der wir uns in der Heiligen Woche stellen, ist: wo möchte ich an diesem Weg stehen, was kann ich Jesus tun?

Freitag, 11. April 2014

Der Akathistos und ich

Nachdem ich in der Nacht zuvor sogar vom Akathistos träumte (also, daß er sei und ich unbedingt hingehen wolle, nicht vom Akathistos selbst) bin ich zur entsprechenden Zeit natürlich hingegangen.

Außer dem Erzpriester waren wir ganze drei Gläubige, das mag zunächst eine sehr gering erscheinende Zahl sein, legt man jedoch zugrunde, daß die Orthodoxen hier womöglich noch mehr in der Diaspora leben als die Katholiken, ist das vielleicht gar nicht einmal so schlecht.

Vor dem Akathistos entzündete der Erzpriester eine Kerze zwischen zwei Ikonen (eine von der Gottesmutter, von der anderen habe ich bis jetzt nicht heraus, wen genau sie darstellt, weil ich sie später zwar verehrt aber nicht intensiv studiert habe), die auf dem Ambo liegen, begab sich hinter die Ikonostase und kraspelte ein wenig dahinter herum, wahrscheinlich um eine Stola und ein Weihrauchfaß mit sehr süßlichem Weihrauch. Danach forderte er uns durch Gesten auf, uns mit ihm vor die Ikonostase zu stellen, der Mann zu seiner Rechten, wir Frauen zu seiner Linken.

Feststellungen am Rande: also, so ein Akathistos ist viel länger als ich dachte (insgesamt eine knappe Stunde) und wird von Lesungen unterbrochen, die der Mann unter uns aus dem Gebetsheft, das der Priester ihm in Abständen reicht, mit leiser Stimme vortrug. Wer nun etwa denkt, wir Frauen wären zu gering, als daß wir hätten vorlesen dürfen: er hat es uns später auch angetragen, indes, was nützte es, ich hätte es schlichtweg nicht lesen können, von der Unsicherheit, wie es vorzutragen sei, noch ganz zu schweigen. Für den Anfang hab ich genug damit zu tun, herauszufinden, an welchen Stellen man sich verneigt und bekreuzigt. Eine Hilfestellung findet sich hier, bei der Lektüre könnte man allerdings zu der Ansicht kommen, daß man sich eigentlich fast dauernd verneigt und bekreuzigt, und ganz ähnlich war es auch, da erheblich viele Heiligennamen vorübergezogen sind.

Während der Lesungen, von denen ich natürlich kein Wort verstanden habe, konnte ich mir die Ikonostase eingehend ansehen, (etwas verstohlen vielleicht, weil ich nicht respektlos erscheinen wollte). Im Halbdunkel des anbrechenden Abends und in einem Raum, der außerdem nur von einer Kerze und zwei Lichtern erhellt wurde, die ausschauen wie unser ewiges, fand ich diese besonders schön. Die beiden roten Lichter stehen auf hölzernen Leuchtern rechts und links der „königlichen Tür" – das ewige Licht scheinbar doppelt. Eigentlich aber ist meiner Ansicht nach gar kein Allerheiligstes vorhanden, was nicht heißt, daß in dieser Kirche die Gegenwart Gottes nicht spürbar wäre. Die obere Ikonenreihe wird von zwei geschnitzten Pfauen eingerahmt, einem alten Symbol Christi und der Auferstehung. Dazwischen die zwölf Apostel und in der Mitte (vermutlich) Abrahams Gastmahl oder aber die Emmausjünger (für das letzte Abendmahl sind zuwenig Gestalten drauf). Darunter größere Ikonen der hl. Jungfrau, des Täufers und – Angaben immer ohne Gewähr – vermutlich Kyrill und Method, allerdings getrennt, Method rechts, Kyrill links. Die Türflügel der königlichen Tür erinnern ein wenig an Saloon-Türen (der Sinn ist klar: die Gläubigen sollen gut hören, was der Priester dahinter singt, nichtsdestotrotz. Gut, daß um meine Assoziationen niemand weiß! Allerdings dürfte man wohl lange nach Saloon-Türen suchen müssen, auf denen oben ein Kreuz drauf ist und auf deren Flügel die Verkündigung gemalt ist). Zwischendurch schießt mir noch durch den Sinn, daß, falls die Kirche je wieder protestantisch würde, der Weihrauchduft jedenfalls nie mehr aus der Holzdecke herauszubringen sein wird.

Schönerweise schließt so ein Akathistos mit einer Segnung (mit Salbung) durch den Priester ab, zu der auch ich eingeladen war. Den Segen gibts allerdings nur, wenn man zuvor die Ikonen am Ambo verehrt hat. Ich fands wie gesagt, schön, obwohl es mir doch ein ganz klein wenig unangenehm war, daß ich nicht wußte, daß man danach die Hand des Priesters küßt. (Na ja gut, das kann auch ein Erzpriester nicht erwarten…)

In der äußeren Kirchentür stecken übrigens neben einem Poster, das das Bauvorhaben eines Klosters in Mitteldeutschland beschreibt und dem ausgehängten Gottesdienstplan auch kleine Gottesdienstpläne zum Mitnehmen. Manchmal denke ich, hier läuft etwas richtig, was bei uns teilweise völlig falsch zu laufen scheint: man hat den Eindruck, es geht hier vor allem um den Glauben.

Donnerstag, 10. April 2014

Mittwoch, 9. April 2014

Was ist Wahrheit?

Wo einer ungewollt die Wahrheit schreibt: wenn im Artikel in der Unaussprechlichen über den Bundesverband Lebensrecht als Zielsetzungen des Verbandes angegeben ist:
Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege, der Altenhilfe, der Hilfe für Behinderte, des Schutzes von Ehe und Familie und die Förderung der Volksbildung. So sollen menschliches Leben von der Empfängnis an geschützt werden und schon ungeborene Menschen die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit erfahren.[1]
und ein irgendein Anonymus darunterpappt (Hervorhebung von mir):
Gegen die Ziele des BVL stellt sich das 2013 gegründete Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, zu dem unter anderem das Familienplanungszentrum „Balance“, der LSVD Berlin-Brandenburg und der Humanistische Verband Deutschlands gehören.
Ist das nicht traurig? Ich meine, daß sich das Bündnis gegen die Hilfe an Alten und Schwerkranken, die Hilfe für Behinderte, den Schutz der Ungeborenen und vieles mehr, wie etwa die Förderung der Volksbildung, einsetzt, mithin gegen den Schutz und die Würde des Lebens an sich.

Im weiteren ein Versuch, diese Arie mit Lara Fritzsche und dem gespendeten Preisgeld für den Medienpreis der katholischen Kirche im Artikel zu parken, weil sonst kein Raum in der Herberge war. Das brachte mich prompt darauf, einmal darauf hinzuweisen, wie man bei diesem „Bündnis der sexuellen Selbstbestimmung“ tickt: Unter dem Eintrag vom 29. Oktober der über die sich oftmals als Frau über die Kirche ärgernden Lara Fritsche sind auch nach Monaten nur Kommentare irgendwelcher Jubelperser freigeschaltet (nicht, daß ich da seither jeden Tag vorbeisehe…), und auch davon hat man offenbar nicht allzuviele vorrätig. Für meinen eigenen kritisch, aber sachlich formulierten Kommentar sehe ich auf dem Rechner, von dem ich ihn damals abgeschickt hatte, auch heute noch einen Hinweis, mein Beitrag warte auf Freischaltung. Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute eben diese Anzeige auch bekommen, mithin, die Kommentare wievieler Menschen dort nicht freigeschaltet werden, weil sie nicht ins Bild passen, das das Bündnis beim Leser erzeugen möchte. Wer dort vorbeiklickt (keine Ahnung, ob das überhaupt jemand tut) kann das aber nicht wissen, erliegt also dem sorgfältig inszenierten Eindruck, den das Bündnis erzeugen möchte. So kann man es natürlich auch machen, seriös ist das allerdings kaum zu nennen.
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[1] An der entsprechenden Stelle heißt es übrigens vollständig beim BVL:
„Ziel und Zweck des Vereins richten sich darauf, menschliches Leben von der Empfängnis an zu schützen und damit im Sinne der öffentlichen Gesundheitspflege mitzuhelfen, daß schon ungeborene Menschen die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und die Eltern und Angehörigen Unterstützung darin finden, für den Erhalt des menschlichen Lebens einzutreten. Der Verein setzt sich ein für die Stärkung von Ehe und Familie. Der Verein setzt sich ein für alte, leidende und sterbende Menschen und für die Gleichberechtigung Behinderter, auch in ihrem Leben vor der Geburt.“

Dienstag, 8. April 2014

Wird das so bleiben oder wieder vorbeigehen? – Mit dem neuen Gotteslob unterwegs

Mittlerweile hab ich die schönste Gotteslobhülle weit und breit. Mit Kreuz, wohlgemerkt (es lag mir in diesem Zusammenhang mehrmals ein „Ätsch!“ auf der Zunge)[1]. Allerdings zieht mich das massive Gesinge des neuen Liedguts derart von der Andacht ab, daß ich mich frage, wird das so bleiben oder wieder vorbeigehen? (Ich war schon in Versuchung, stattdessen den Domorganisten oder auch den DKM zu fragen…) So singen wir etwa in dieser Woche jeden Abend das Agnus Dei Nr. 292, das zu allem Überfluß meiner Ansicht nach gar kein rechtes Agnus Dei ist, es ist ein Gottesknechtslied. Tja, da staunt der derjenige, der jeden Tag zur Messe geht, und der andere wundert sich. – Es ist das Lied des Monats, wenigstens das wird vorbeigehen.

Auch dieses „jüdisch“ klingende Lied Nr. sowieso wird nahezu täglich gesungen, und am Sonntag hat O Herz des Königs aller Welt, von dem wir vorher dachten, o wie schön, wenigstens das, sich als „falscher Freund“ herausgestellt, weil es auf die depressive Melodie von Herr, deine Güt ist unbegrenzt gesungen wird. Ich wußte, daß sich das Verpassen der lateinischen Messe an diesem Tag (und somit das Erfüllen der Sonntagspflicht zu späterer Stunde) als Fehler herausstellen würde, indes haben wir nicht jeden Tag eine lateinische Messe. Angehörigen früherer Generationen mag wohl es mit dem Gotteslob von 1975 nicht anders gegangen sein, ich bin indes mit jenem in der katholischen Kirche aufgewachsen. Ich würde einfach so gerne mal wieder Christi Mutter stand mit Schmerzen oder Wir danken dir, Herr Jesu Christ singen – Gesänge, wie sie für die Passionszeit eigentlich typisch und uns lieb und vertraut sind.

Mit Spannung (und geheimem Grauen) erwarte ich in diesem Jahr den Palmsonntag, denn der altehrwürdige Prozessionshymnus Ruhm und Preis und Ehre sei dir (Gloria laus et honor) ist nicht mehr im Gotteslob drin. Wie das hat jemandem einfallen können, ist mir unbegreiflich. Es bleibt uns noch Singt dem König Freundenpsalmen, darauf setze ich meine Hoffnung.

Um der Gerechtigkeit willen muß man sagen, daß es auch schöne Momente gibt, so gefällt mir der neue Traktus Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre so gut, daß ich ihn neulich sogar im Badezimmer [2] gesungen habe (ist das eigentlich beichtwürdig?). Und es gibt ein Gabenbereitungslied auf die schöne Melodie von Herr Jesus Christ, dich zu uns wend.

Natürlich ist es schön, wenn das neue Gesangbuch mit soviel Elan angenommen wird, mir allerdings macht es gerade dauerhaft das Gefühl, bei Protestantens zu Gast zu sein. Sowas halte ich aus, wenn ich weiß, daß es nur für dieses Gottesdienst der Fall ist (etwa eine ökumenische Feier, die ich zwar an sich meide, wenn ich aber mal da bin, dann ist es eben so). Wenn das jetzt allerdings jeden Abend und Tag meines Lebens so geht, bin ich reif für die Graunstraße.

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[1] Disclaimer: nicht „Ätsch“, weil sie schöner ist, sondern weil nun doch ein Kreuz drauf ist.
[2] Dabei mir prompt wieder eingefallen, daß ich irgendwann mal festgestellt habe, daß die Juden für so ziemlich alles und jedes eine Beracha haben (schön!), nur eben nicht für jenen Ort.

Sonntag, 6. April 2014

Zu Besuch bei den Orthodoxen

Blick vom Vorplatz (das Piktogramm gleich neben
dem Kruzifix ist vielleicht etwas ungewöhnlich)
Da ich es trotz guter Vorsätze umständehalber heute morgen nicht ins lateinische Hochamt geschafft hatte (seufz!) dachte ich, als ich es heute morgen durchs offene Küchenfenster der gerade bezogenen Wohnung läuten hab hören, gib doch zuerst Gott die Ehre und ging auf die Suche nach der Kirche, die da läutete.

Hieraus kann man zwei gute Nachrichten extrapolieren: erstens: es ist still genug, daß man ein Fenster dauerhaft öffnen und ein Geläut hören kann. Zweitens: es gibt eine Kirche in Hörweite. Ich hab die Kirche zwar nicht gefunden[1], bevor es aufhörte zu läuten, dafür aber eine hilfreiche junge Frau mit Kleinkind, die wußte, wo die Kirche steht (in Berlin ist das durchaus nicht selbstverständlich, auch ist die Kirche spontan nicht leicht erkennbar, aber – Überraschung! – es ist die serbisch-orthodoxe Gemeinde der Auferstehung Christi (die übrigens anscheinend nicht vor dem Gottesdienst läutet, sondern mehrmals mittendrin).

Nach Studium des Anschlagbretts und Suche nach einem Eingang, der nicht in Pfarrhaus führt, dachte ich, wenn ich schon mal da bin, gehe ich jetzt auch rein – es ist bekannt, daß bei den Orthodoxen die Leute mittendrin kommen und gehen, auch wäre ich, wenn mein Erscheinen Anstoß erregt hätte, halt unauffällig wieder entfleucht. War aber gar nicht so, obwohl ich weder Schleier noch Tuch dabei hatte (wie übrigens auch einige andere Frauen nicht).

Beim Anschlagbrett der Gottesdienstzeiten auf den ersten Blick verwirrend: Das Hochfest Mariä Verkündigung wird morgen gefeiert. Über die „Ostervirgil" – gleich mehrmals – mußte ich dann doch ein wenig schmunzeln. Die Karwoche wiederum wartet mit der Spendung der Krankensalbung auf, am Karfreitag gibt es königliche Stunden (ob das wohl sowas wie die Anbetung beim Kreuz ist?) und überraschenderweise und im Unterschied zur Westkirche um 18 Uhr eine Vesper – vielleicht schließen die königlichen Stunden damit ab. Ostermontag und Osterdienstag werden „Lichtermontag“ und „Lichterdienstag“ genannt, das klingt verheißungsvoll! Ostern fällt in diesem Jahr bei uns und bei den Orthodoxen übrigens auf denselben Termin.

nochmal der Vorplatz (ich mag so ungern
in der Liturgie fotografieren) –
der hl. Basilius bittet um
Spenden für den Kirchbau
Es ist der serbisch-orthodoxen Gemeinde gelungen, aus einem dieser typischen Fünfziger-Jahre-Bauten, die von außen eher an ein Hallenbad aus jener Zeit erinnern, eine durchaus „orthodox“ aussehende Kirche zu machen, mit Ikonostase und allem Drum und Dran. Die Ikonostase steht einfach vor diesen flächigen Buntglasscheiben der Fünfziger, was bewirkt, daß man kaum auf sie achtet. Allenfalls ist es vielleicht ungewohnt hell, orthodoxe Kirchen stellt man sich dämmrig vor, vom Schein der vielen Kerzen erhellt.

Als ich kam, war der Priester (wahrscheinlich der vor Ort vorhandene Erzpriester Seculic) noch dabei, mit Ministranten, die Leuchter hatten, vor der Ikonostase etwas zu singen und auch reichlich zu räuchern. An dieser Stelle beschloß ich, mich hinten hinzustellen – es steht ohnehin jeder – und ein wenig zu bleiben. Von der Liturgie hab ich natürlich kein Wort verstanden, vielleicht war das Kirchenslawisch, aber die Sprache ist es ja nicht allein, sondern, daß man vom Sinn und Zweck der Riten, die gerade vollführt werden, keine Ahnung hat. Als der Priester die Leute mit dem Evangeliar (?) gesegnet hat, das hab ich verstanden. Das Volk beteiligt sich offenbar hauptsächlich durch Metanien, also hab ich halt auch metaniert – sich mit dem Zeichen des Kreuzes zu waffnen ist immer gut und kann kein Fehler sein.

Bald schon zog sich der Priester mit Gefolge unter mehrstimmigem Gesang hinter die Türen der Ikonostase zurück, während das Volk weiter kleine Metanien vollzog. Mittendrin ein Moment des freudigen Wiedererkennens, das Volk sang: Gospodi pomiluj. –

Nach etwa einer Stunde bin ich dann gegangen, später hab ich beim genaueren Studium des Gottesdienstplans für die nächsten Wochen en passant – eigentlich hat mich die Gestaltung der Heiligen Woche interessiert  – festgestellt, daß offenbar regelmäßig wiederkehrend abends um sechs der Hymnos Akathistos gesungen wird. Da werd ich auf jeden Fall hingehen!

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[1] offen gestanden hatte ich nämlich vorher nicht nachgeschaut, welche katholischen Gemeinden es dort in der Nähe etwa gäbe. Die läutende Kirche hätte also bis auf vielleicht die Siebenten-Tags-Adventisten.alles mögliche sein können.

Mittwoch, 2. April 2014

Nungazing am Mittwoch

Zeichen der Jungfrauen: Krone und Ring

Veni sponsa Christi, accipe coronam,
quam tibi Dominus preparavit in aeternum.

Komm, Braut Christi, empfange die Krone
die dir der Herr bereitet hat, in Ewigkeit.
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