Donnerstag, 30. Januar 2014

Zum anbrechenden Jahr des Pferdes


Ein anrührendes Bild eines ungeborenen Pferdes hat der englische Fotograf Tim Flach gemacht. Anrührend fand ich es, weil das kleine Pferd schon so „fertig“ aussieht, da ist im Prinzip nicht mehr viel, was es davon trennt, in eine Welt außerhalb des Mutterleibs hineinzuspazieren: da sind winzige Hufe und der Kopf, dessen Gesichtsausdruck schon ganz dem des Pferdes entspricht. Die Schöpfung ist voller Wunder.


Mittwoch, 29. Januar 2014

Nungazing am Mittwoch

Tafel im Karmel, die die Verteilung
bestimmter Dienste in der jeweiligen
Woche bekannt gibt

Dienstag, 28. Januar 2014

Schuhwerk als Form der darstellenden Kunst

Ausnahmsweise seichte Themen, ach ja, bitte! Der Hollerbusch verlinkt unterm Titel Raus aus den Stöckelschuhen eine Kolumne von Cristina Odone, in der diese vom Mitnehmen ihrer Stöckelschuhe in einer Tragetasche bis zum dauerhaften Schwelgen in Schuhen mit dicken Gummisohlen fortschreitet. Nachvollziehbar.

Es gibt in der einschlägigen Literatur zum Stöckelschuh übrigens auch etliche weniger edle Ansätze neben dem mangelnder Alltagstauglichkeit. Jene bieten auch für das Phänomen eine Erklärung, daß nicht nur Frauen gerne Stöckelschuhe tragen, sondern, warum Männer das oft so favorisieren. Eines hat mir jedenfalls schon in früher Jugend eingeleuchtet: wer Stöckelschuhe trägt, kann nicht schnell weglaufen.

Mit Stöckelschuhen zu gehen ist eine Fähigkeit, die man übrigens, ungleich Fahrradfahren oder Schwimmen, ohne weiteres wieder verlernen kann. So ist es mir ergangen. Vor nun schon einigen Jahren wollte ich einmal auf einer Party Pumps mit höherem Absatz tragen. Ich kam bis zu meiner eigenen Haustüre ein paar Treppen tiefer, dann wurde mir klar, daß ich dieses Vorhaben wieder aufgeben mußte – es wäre einfach nicht gegangen, buchstäblich. Ich hätte mit den Schuhen nur stehen, sitzen oder liegen können, nicht aber das, wofür Schuhe eigentlich gemacht sind: gehen (am liebsten zügig). Natürlich hätte ich wieder üben können, wollte ich aber nicht. Seither bin ich stöckelschuhlos glücklich; es reicht mir völlig, sie an Figuren wie Carrie Bradshaw zu sehen, tragen muß ich sowas wirklich nicht. Das muß so ähnlich sein, wie sich das Gemälde vom Mann mit dem Goldhelm zu betrachten, ohne zugleich den Wunsch zu haben, selbst einen solchen Goldhelm tragen zu wollen.


Aufschlußreiche Bilder
bei Dreharbeiten…
…ah, ja! :)

Montag, 27. Januar 2014

Die roten Schuhe – zum dritten

Manchmal kann man sich ja schon wundern. Das ist ja schön, daß P. Hagenkord zusammen mit Chiara Giaccardi eine „kopernikanische Wende in der Kommunikation“ zu erkennen vermag: Unter Kommunikation sei nicht mehr die Weitergabe von Inhalten zu verstehen, sondern
die Reduzierung von Distanz.
Besser kann man gar nicht zusammenfassen, wie dieser Papst agiert. Da sind die Umarmungen, da ist die gereinigte Symbolsprache ohne rote Schuhe und so weiter, da ist die zugängliche Art zu predigen, da ist die auch für Nichttheologen nachvollziehbare Art, Texte vorzulegen wie etwa Evangelii Gaudium: Alles das baut Distanzen ab.
Also, das nenne ich pastorales Geschwurbel vom feinsten. Man kann es meinethalben finden wie man will, daß der eine Papst rote, der andere braune und der dritte schwarze Schuhe trägt. Etwas ähnliches habe ich ja durchaus auch schon zum Ausdruck gebracht. Man muß aber den Leuten nicht das Nichtbeachten einer alten Tradition, mithin eigentlich einen Verlust, als „gereinigte Symbolsprache“ und „abnehmende Distanz“ verkaufen wollen. (Gereinigt von was eigentlich genau?)

Denkt man eigentlich bei solcherart Vergleichen, die sich ja wohl nicht nur auf rote Schuhe beziehen sollen („…und so weiter“), daß Benedikt in seiner bescheidenen Art meist nur einfach das genommen hat, was man ihm aus den Wandschränken der diversen Sakristeien, mithin aus dem ohnehin Vorhandenen anbot, während mittlerweile, wie man hört, aufwendig von anderswoher Gewänder herangekarrt werden, die eine Einfachheit suggerieren, die spätestens dann nicht mehr gegeben ist? Was war denn an den roten Schuhen so ungeheuer distanziert im Vergleich zu schwarzen oder braunroten? Allein die Tatsache, daß sich herausstellt, Papst Franziskus habe wie viele Menschen einen Orthopäden nötig, kann es ja nicht sein, was hier zur Distanzminderung beigetragen hat. Und: wenn unter Kommunikation nunmehr nur noch die Reduzierung von Distanz verstanden wird, wo bleiben da eigentlich die Inhalte?

Samstag, 25. Januar 2014

Jungfrauen und Fischer

Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater
und folgten Jesus 
(Mt 4,2)
It is not the man who proclaims himself a disciple, but it is Jesus that converts the man and calls him to be his disciple choosing him with love. The disciple then is not called in the first place to learn a doctrine but to live with a Presence that is the emotional center of his life of “called one”. In the first place there is the attachment to the person of Jesus.

This membership requires a profound detachment. James and John, Peter and Andrew leave their nets and the boat and their father. In other words they leave the work and the family. The work ensures security and social esteem, the father represents the roots. This is a radical departure.

This separation makes it possible to respond to the call of Jesus by following Him fully and freely. The two verbs "leave" and "follow" indicate a shift of the center of the life of the person called. The call of Jesus is not in view of a social arrangement, not located in one state, but sets off on a mission.

Finally, we see that the characteristics of the disciple are at least two: the communion with Christ ("follow me ") and a move towards humanity ("I will make you fishers of men"). The second one stems from the first. Jesus does not put his disciples in a separate, closed space. He sends them along the roads of the world. In this respect also Pope Francis speaking of Saint Peter Favre, a French Jesuit, invites us to imitate this “companion of Jesus" letting “Christ occupy the center of the heart."

Even the Consecrated Virgins live this "centrality" of Christ, following him in full abandonment and loving trust and imitating the first four apostles chosen by Jesus. It is not a coincidence that they were fishermen. The fisherman, who lives most of his days in the pure solitude of the water, is the person who knows how to wait. It is the patient person who is in no hurry, drops his net and relies on God. The water throws tantrums, the lake has its own eccentricities and the days are never alike. Starting to go off in search of fish, the fisherman does not know if he will return with boat full or without even a fish to put on the fire for his meal. He puts himself in the hands of the Lord who sends the abundance and famine. He consoles himself for the bad day thinking about the good one to come.

With talent and feminine sensibility capable of supreme dedication, the Consecrated Virgins live the same call of the apostles-fishermen. They live the same path of holiness of the one who chooses to follow Christ with dilated heart and the same humility of the Holy Family of Nazareth (such as the Ambrosian liturgy recalls today) of which obviously Jesus was the center and where evidently the home of the one was the affection of the other. (aus: Jesus Christus, das Licht der Welt, Lectio Divina zum 3. Sonntag im Jahreskreis A von Msgr. Francesco Follo, bei Zenit)

Donnerstag, 23. Januar 2014

Heilige Jungfrauen und Märtyrinnen im Januar: hl. Messalina von Foligno

Detail eines Mosaiks am Portal
der Kathedrale von Foligno. Zu
Füßen der hl. Messalina blühen weiße
Lilien, Sinnbild ihrer Jungfräulichkeit.
Nur zwei Tage nach dem Fest der hl. Agnes feiert die Kirche den Gedenktag der hl. Messalina von Foligno. Wie jene, zählt die Kirche sie zu den geweihten Jungfrauen – es wird berichtet, daß der hl. Bischof Felicianus, dessen Schülerin sie war, ihr Propositum entgegennahm. Wie auch die hl. Agnes erlitt sie das Martyrium, womöglich nur etwa vier Jahre später.

Als Kaiser Decius auf der Rückkehr aus der Schlacht mit seinen Legionen in Foligno haltmachte, kam ihm der Ruf des altehrwürdigen Bischofs Felicianus zu Ohren, auf dessen Wirken hin sich viele taufen ließen. Als Messalina, die zu dieser Zeit erst achtzehn Jahre alt war, davon hörte, daß Decius ihren Bischof und geistlichen Vater einkerkern ließ, suchte sie ihn ungeachtet der Gefahr täglich im Kerker auf, brachte ihm Lebensmittel und sprach anderen Gefangenen Mut zu. Als man sie durch schöne Reden dazu bringen wollte, den römischen Göttern ein Rauchopfer darzubringen, kniete sie stattdessen in Gegenwart ihres Bischofs nieder, bekannte ihren Glauben und die Liebe zu Christus, ihrem Bräutigam. Daraufhin nahm man sie gefangen und ließ sie mit Knotenstöcken und scharfkantigen Knütteln erschlagen.

Mosaik an der Kathedrale von Foligno, das den
erhöhten Christus in himmlischer Herrlichkeit
zeigt, mit den hll. Märtyrern Felicianus und Messalina
(und dem knienden Stifter Leo XIII).
Der Leib der ersten Märtyrin von Foligno, der so sehr gelitten hatte, wurde von den Christen heimlich, aber mit großer Ehrfurcht an dem Ort bestattet, an dem sich heute die Kathedrale von Foligno erhebt, die ihr und dem hl. Felicianus geweiht ist. Als man die Grabstätte der Märtyrin im 16. Jahrhundert wiederentdeckte, fand man einen Sarkophag mit der Inschrift Hic subtus iacet corpus sanctae Messalinae. Bei der Erhebung der Reliquien am Fest der hl. Lucia im Jahre 1599 entwich diesem ein Blumengeruch, und es ereigneten sich in der Folge zahlreiche Wunderheilungen. Als diese immer noch zunahmen, führte man ab 1613 eine feierliche Dankprozession ein. Die Reliquien der hl. Messalina ruhen heute in der Marienkapelle der Kathedrale.

Ein denkbar kurzes Zeugnis, das über die Jahrtausende geblieben ist: Hierunter ruht der Leib der hl. Messalina. Mit diesem hat sie Zeugnis abgelegt, im Leben wie im Sterben. Und doch ist das nicht das Letzte und nicht das, was einzig überdauert hat.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Little lamb, little lamb…

Gestern hat der Heilige Vater am Fest der hl. Agnes in Sta. Martha zwei Lämmer gesegnet (er hat sie anscheinend tatsächlich gesegnet, wiewohl verblüffenderweise die meisten Medien berichteten, sie seien ihm gezeigt oder vorgeführt worden). Trotzdem hat es mir an dieser Stelle wiedermal ein wenig wehgetan, daß Benedikt XVI. nicht mehr unser Heiliger Vater ist – wie schön hat er diese Segnung immer vollzogen und wie schön war es auch, die Freude zu sehen, die er daran hatte!

Die Lämmer zumindest waren so hübsch geschmückt wie immer – die vorherige Segnung in St. Agnese fuori le mura zieht immer viele Kinder an, die die Lämmchen streicheln wollen. In dem Video, das mit dem vielen Mäh und Bäh immer besonders nett ist, stellt der Heilige Vater eine Frage, die öfter kommt: Reichen die zwei für alle? Dies bezieht sich auf die Wolle der beiden rot und weiß geschmückten Lämmer, ob diese für das Pallium all jener Erzbischöfe reiche, die es am Fest Peter und Paul aus der Hand des Heiligen Vaters entgegennehmen? Die Antwort ist, natürlich nicht (deshalb antworten im Video auch alle unisono mit „Nooo!“). Die Wolle dieser Lämmer wird mit der anderer Schafe „gestreckt“, so daß genug für alle Pallien daraus wird. Dies und daß man die Lämmchen beim Empfang in dem Kloster der Heiligen Familie von Nazareth, in dem sie die Nacht vor der Segnung verbringen, vorsichtig mit Babyseife badet, erklärt sicherlich, warum ein Pallium beim Anfassen nicht jenen typischen Lambswool-Charakter hat.

Foto: P. Dominic Holtz OP


Das Pallium mit den sechs aufgestickten schwarzen Kreuzen
  Die schwarzen Spitzen, in die das Pallium auf Brust
und Rücken mündet, erinnern an die Hufe eines Lammes.


Dienstag, 21. Januar 2014

Stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol die Leidenschaft − zum Fest der hl. Agnes

Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme JHWs. 

Am Fest der hl. Agnes fließen alljährlich mehrere Dinge zusammen: eines der Feste des Ordo virginum, die Segnung zweier Lämmer durch den Heiligen Vater, die auf die Nähe der beiden Worte Agnes und Agnus zurückzuführen ist und die Verbindung, die dadurch zu den Bischöfen besteht, die das Pallium aus der Hand des Heiligen Vaters empfangen haben. Schließlich die Antiphonen des Stundengebets des Tages, die teils der hl. Agnes zugeschrieben werden. Sie sprechen von bräutlicher Hingabe und Liebe, die treu ist bis in den Tod.

Von Christus, auf dem sich die Jungfrau in der Weihe vermählt und auf immer versprochen hat, heißt es in der Antiphon, die die Neugeweihte unmittelbar nach dem Empfang von Schleier, Ring und Stundenbuch singt, daß Sonne und Mond seine Schönheit bewundern. Und so ist das Fest der heiligen Agnes, wiewohl nicht mein Weihetag (der ist im Frühsommer) ein Fest bei dem ich mich in jedem Jahr voll Dankbarkeit an meinen Weihetag erinnere und Gott danke für meine Berufung.

Heute gabs wunderschönerweise das erste Hochgebet und ausnahmsweise einmal Gaben- und Schlußgebet von den jungfräulichen Märtyrinnen (und noch eine eigene Jungfrauen-Fürbitte. Es ist gut möglich, daß wir die Gebete aus dem richtigen Commune dem Herrn Weihbischof verdanken, vielleicht wars aber auch der Küstervertreter). In der Predigt erinnerte der Herr Weihbischof em. daran, daß die hl. Agnes eine sehr junge Heilige war − die Ikonographie zeigt sie ja verblüffenderweise nahezu immer mit allen Attributen einer ausgewachsenen Frau, vielleicht, weil die Künstler sich unter einer Braut Christi kein Kind vorstellten. Und doch gab es jugendliche, ja kindliche Heilige, die von so unmittelbarer und tiefer Liebe zu Christus ergriffen waren, daß sie ihr Leben für ihn gaben und all ihr Sehnen auf ihn richteten. Die hl. Maria Goretti und einige der Märtyrer von Nagasaki und Uganda sind solche Menschen, die, kaum dem Kindesalter entwachsen, diese tiefste und unwiderruflichste Bindung an Christus eingingen. Die hl. Agnes war zum Zeitpunkt ihres Martyriums erst zwölf oder dreizehn Jahre alt, zuvor hatte sie sich Christus für immer versprochen und so, wie das Schlußgebet sagt, die zweifache Krone erworben. Ein Vorbild der Standhaftigkeit auch in schweren Zeiten − die wahre und tiefste Leidenschaft des Herzens kann hart sein wie der Scheol. Mögen es auch die Törichten sein, die Gott so sehr lieben, so hat Gott selbst sie doch erwählt.

Montag, 20. Januar 2014

Filmen bei der Kommunionspendung − etwas mehr Diskretion, bitte!

Verschiedentlich hatte ich mich bei den Fernsehgottesdiensten auch schon mal gefragt, was gestern anläßlich der Übertragung aus Krems an der Donau ein anderer getan hat: Früher™ gehörte es einmal zum guten Ton, dem Empfang der heiligen Kommunion nicht im Detail (oder gar nicht) zu zeigen; die Kamera schwenkte derweil zur gotischen Decke oder zeigte, in Ermangelung einer solchen, doch wenigstens zumindest etwas anderes.

Heutzutage sieht man da dank der Kameraführung, und eigentlich ausnahmslos im Zusammenhang mit der Handkommunion, nolens-volens Dinge, die man lieber nicht gesehen hätte und im Alltag eigentlich schon deshalb dankenswerterweise nicht sieht, weil man selbst bei der Danksagung die Augen niederschlägt und nicht die anderen Kommunikanten betrachtet. Etwa solche Kommunikanten, die den Leib des Herrn ohne jede Ehrfurchtsbezeugung erst auf dem Rückweg in die Bank irgendwie zu sich nehmen oder auch mit vollen Backen kauen. Weitere Details erspare ich dem geneigten Leser, dies soll kein Rant werden, ich versuche nur darzulegen, wo ich bei dieser Form der Kommunionspendung wie dem allzunahen Zeigen der Kommunionspendung echte Nachteile sehe.

Der Gottesdienst am Weihnachtsfeiertag aus der Hedwigskathedrale scheint in dieser Beziehung die lobenswerte Ausnahme gewesen zu sein (die Kamera zeigte den Beginn der Spendung an den Altarstufen und die knienden Ministranten von hinten, dann schwenkte die Kamera fort). Scheint, weil ich mir natürlich beileibe nicht jeden dieser Fernsehgottesdienste ansehe, das Gesagte gilt ja aber auch für Übertragungen anderer Gottesdienste, etwa von Katholiken- oder Weltjugendtagen, Papstgottesdiensten oder auch die lokale Berichterstattung, bei der anläßlich der Wahl eines neuen Papstes durch das Konklave mal eben bei einer Heiligen Messe in der Kathedrale mitgedreht wird, um später entsprechendes Bildmaterial gen Äther senden zu können.

Irgendwie scheint da medial ein Standpunktwechsel stattgefunden zu haben und ich frage mich, wieso? Wurde früher einer der intimsten Momente, wenn nicht der intimste, die Vereinigung mit Christus im Sakrament der Eucharistie, nicht gezeigt, so hält man heutzutage die Kamera schon bald so, daß man demnächst unter Umständen auch noch die Zahnfüllungen der Kommunikanten wird sehen können.

Vielleicht steht auch das im Kontext jenes merkwürdigen Paradoxons, das vor einigen Jahren einer meiner Kollegen mir gegenüber bestaunte (es ging seinerzeit, glaub ich, um Handygespräche in der U-Bahn): das früher einmal Private wird zunehmend in die Öffentlichkeit getragen oder auch medial in sie gezerrt, während das, was früher öffentlich vollzogen wurde − Prozessionen etwa − zunehmend ins Private abgedrängt werden soll, weil es ja Privatsache sei.

Zum Tage

Auf Bäumen mags derzeit sicherer sein. Vorhin bin ich zur Arbeit geschlittert, nachher schlittere ich wieder zurück. Unterwegs trifft man lauter Menschen mit rudernden Armen, in der Innenstadt tatüt und tatas es, und die BVG macht besorgte Durchsagen.

Kann mir eigentlich gelegentlich jemand verraten, wieso man das, was früher Glatteis hieß, jetzt Blitzeis nennt? Schnell und glatt war Glatteis auch.

Freitag, 17. Januar 2014

Deine Spuren im Sand…

Curiositys Räderspuren auf dem Mars,
im Dezember von der hochauflösenden Kamera
des Mars-Orbiters aufgenommen
…da steht er ja, der Kleine! ;)

Mittwoch, 15. Januar 2014

„Glaubenskrieg“ − oder doch eher die Auseinandersetzung mit der Frage des Lebens selbst?

Seminaristen des bischöflichen Kollegs Josephinum beten
vor einer Abtreibungsklinik den Rosenkranz

Das mag ja was werden! 3sat zeigt am Freitagabend die Erstausstrahlung eines Filmes Amerikas Glaubenskrieg − der Streit um die Abtreibung. Die Vorankündigung macht allerdings deutlich, woher der Wind weht. Darin lesen wir in nur wenigen Zeilen wieder einmal vom „Recht auf Abtreibung“, das vor einigen Dezennien legalisiert worden sei, und von den zunehmenden bürokratischen Schwierigkeiten, unter denen die armen Kliniken leiden müssen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Es interessiert mich, ob wenigstens der Film über den „Glaubenskrieg“ andeuten wird, daß hier auch ganz handfeste finanzielle Interessen dieser Kliniken berührt sind.
Vor 40 Jahren wurde in den USA das Recht auf Abtreibung legalisiert. Doch mittlerweile wird es immer schwieriger, eine legale Abtreibung durchzuführen. Grund sind die neuen Gesetzesverschärfungen in vielen Bundesstaaten und die Anfeindungen fanatischer Gegner. Kliniken werden mit Bauvorschriften und Gebäudeverordnungen derart bombardiert, dass sie faktisch nicht mehr arbeiten können. Demonstrationen vor Krankenhäusern und Diffamierungen gehören für Patientinnen und Ärzte zum Alltag. Immer weniger Ärzte sind dazu bereit, unter teilweise lebensbedrohlichen Bedingungen zu arbeiten: Vor vier Jahren wurde in Kansas ein Arzt von einem fanatischen Abtreibungsgegner erschossen.
Die Dokumentation "Amerikas Glaubenskrieg" zeichnet ein aktuelles Stimmungsbild der Situation in den USA. Dort gibt es sogenannte "Lebensschützer", junge Christen, die in einem dreiwöchigen Trainingscamp zu Abtreibungsgegnern ausgebildet werden. Und auch Katholische Privatschulen schicken ihre Schüler zu Demonstrationen.
So absolut unerhört es ist, Ärzte umzubringen, die solche Eingriffe vornehmen, handelt es sich doch um die Tat eines einzelnen, der sich schwer versündigt hat. Daß man aber Menschen, die sich für den Schutz des Lebens einsetzen, in Bausch und Bogen verunglimpft, geht gar nicht. Gleichsam in einem Nebensatz werden Lebensschützer unterschwellig mit Glaubenskriegern oder Terroristen verglichen, die erstmal ein Trainingscamp durchlaufen müssen, damit sie einsatzfähig sind. Wie schon zuvor die Vokabel „Glaubenskrieg“ ist dies hochassoziativ, denn wer denkt jetzt noch nicht an irgendwelche Camps im Hochgebirge für potentielle Taliban? Im selben Atemzug: „Und auch katholische Privatschulen schicken ihre Schüler zu Demonstrationen“. Äh, das hatte bitte was miteinander zu tun? Im Gegensatz zum nichtvorhandenen „Recht auf Abtreibung“ gibt es allerdings ein Recht auf Demonstrationsfreiheit und friedliche Versammlung. Und eigentlich handelt es sich auch nicht um einen Glaubenskrieg, sondern um die Auseinandersetzung mit elementarsten Fragen überhaupt: der von Beginn und Endes des menschlichen Lebens, der Frage, ob man als Mensch anderes menschliches Leben beenden oder vernichten können sollte? Eine Frage, die auch junge Menschen, sogar solche, die katholische Privatschulen besuchen, durchaus schon umtreiben kann.

Ich hoffe, der Film von Heike Slansky und Steffanie Riess geht etwas differenzierter mit diesem hochsensiblen Thema um.

Nungazing am Mittwoch


Das Benediktionale enthält übrigens auch eine Segnung für Brot – damit kann, wer mag, das eigene Brot vor dem Anschneiden segnen:
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Segne + dieses Brot und gib in deiner Güte allen Menschen, was sie zum Leben brauchen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Freitag, 10. Januar 2014

Katholischer Augenschmaus

(irgendwann fing ich an, mich unwillkürlich zu fragen,
wie man auf diesem Altar all die hohen Leuchter entzündet…)

Donnerstag, 9. Januar 2014

Aufbrezeln oder nicht aufbrezeln, das ist hier die Frage

Illustration von Emily Winfield Martin (Detail)
Also, manchmal denk ich, katholisch sein besteht für manche(n) vorwiegend darin, zu zergliedern, ob das, was die anderen machen, wohl katholisch oder so in Ordnung genug sei. Und eben das ist nicht katholisch. Als Christen sollen wir uns mit den Balken in unseren eigenen Augen befassen und nicht ständig um die Splitter in denen anderer Leute besorgt sein. Sei es nun, daß sich in einem Phorum seitenlange Diskussionen darüber entzünden, ob es nun „normal“ sei, daß Frauen in der Osternacht – wahlweise überhaupt irgendwann – Hosen tragen oder daß bloggerseitig das Badengehen in der Öffentlichkeit mit „die Heiligen haben es nicht so gemacht“ (weil man dazu Badekleidung tragen müßte) abgebügelt wird, sei es, daß einem die Schreiber des sogenannten „Marylike crusades“ gnädigerweise gestatten, wenigstens noch so lange T-Shirts mit Viertelärmeln zu tragen, bis die Welt (und vor allem der produzierende Handel) sich wieder zu den entsprechenden Standards bekehrt hätte. Wann das sein wird, ist glücklicherweise völlig offen. Irgendwie kann ich aber einfach nicht glauben, daß in einem unbedeckten Frauenellbogen die ganze Verderbnis Satans lauern soll.

Dazu: Leute, ich hab dieses Herumstochern in anderer Leute Kleiderschränke und -kisten so satt! Versucht als Christen doch mal, euch bei der Wahl eurer Kleider an den Maßstäben der für euch und euren Stand gebotenen Schicklichkeit und an eurem Gewissen zu orientieren und nicht zugleich das Gewissen aller anderen sein zu wollen. Dabei kann als Maßstab gelten: Gebet kein Ärgernis der Gemeinde Gottes. 

Wenn der hl. Petrus oder auch Tertullian sich auf Fragen der Kleidung oder des Äußeren bezogen, so geschah es, um sich in den aufblühenden christlichen Gemeinden überhaupt zu Fragen der zugrundeliegenden Geisteshaltung zu äußern, etwa, wenn der hl. Petrus schreibt:
Nicht auf äußeren Schmuck sollt ihr Wert legen, auf Haartracht, Gold und prächtige Kleider, sondern was im Herzen verborgen ist, das sei euer unvergänglicher Schmuck: ein sanftes und ruhiges Wesen. Das ist wertvoll in Gottes Augen.
Oder wenn Tertullian, der manchmal diesbezüglich schon ziemlich scharf werden konnte, den Mißstand kritisierte, daß da und dort die gottgeweihten Jungfrauen sich zwar auf der Straße verschleierten, in der Kirche hingegen nicht. Der hl. Paulus drückt sich ganz ähnlich aus wie Petrus, auch er gibt anständiger, bescheidener und zurückhaltender Kleidung den Vorzug.

Die Gardinenpredigerin hat passend zur Jahreszeit einen Beitrag mit der interessanten Frage eingestellt: Darf oder soll man sich zu Weihnachten aufbrezeln? Diese Frage stellte sich mir schon im jugendlichen Alter und ich hatte darauf, glaub ich, auch damals schon dieselbe Antwort: warum nicht, wenns Freude bereitet?

Was mich an dem Beitrag etwas irritiert, ist, daß er mit einer Frage anfängt, dann jedoch verliert die Autorin leider die Contenance und kommt unversehens bei einem harschen Verriß heraus. Nomen est omen? Graue Filzmäntel, fahle Gesichter, denen eine Spur Rouge nicht geschadet hätte. Da ist von Ausreden die Rede, von Faulheit und Hochmut, die darin stecke, sich eben nicht aufzubrezeln. Insofern scheint der Beitragstitel alles andere als eine Frage: Darf oder soll man aufgebrezelt erscheinen? Man hat es gefälligst zu tun!
Ist es nicht Heuchelei, ja mindestens genauso oberflächlich, sich betont ärmlich, scheußlich und uninspiriert zu kleiden, wenn man Besseres im Schrank hat? „Seht her! Ich habe alles zu bieten! Von A- bis D-mut!“?! Ist absichtliche Schäbigkeit nicht die absurdeste und zugleich ekelhafteste, da selbstgerechteste Form von Eitelkeit?
Eigentlich bin ich zwar der Ansicht, daß man leibliche Vollzüge nicht beständig durch diese verkopfte Haltung ersetzen sollte, bei der alles immer nur geistig oder geistlich gemeint ist. Gleichviel, wenn man schon den Ansatz nimmt, der Mann aus Mt 22 sei vom Hochzeitsmahl davongewiesen worden, weil es ihm an dem entsprechenden Gefühl dafür gemangelt habe, was er hier gerade tue, frage ich mich, ob hier nicht vielleicht statt der „unangemessenen“ (wer mißt das zu?) Kleidung doch eine Haltung gemeint ist, die vielleicht, in der man zur Kommunion mit dem Spruch hinzutritt „Holst du dir auch so'n Keks?“ und sich so, wie es der Apostel sagt, das Gericht ißt und trinkt?

Ich gebe es zu, mit dieser Haltung, die man manchmal antrifft, die einem auch beim Besuch einer Werktagsmesse noch Kleidung „wie zu einem Vorstellungsgespräch“ verordnen will (schließlich hätte man ja einen „Termin“ bei Gott), hatte ich es noch nie so. Man kann in diesem oder jenem Gewand demütig oder hochmütig sein. Was ist denn, wenn jemand aus diesem oder jenem Grund überhaupt nur einen grauen Filzmantel hat oder ihm dieser für den Gottesdienst angemessen erscheint?

Beim Lesen hab ich mich auch an eine Begebenheit aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit erinnert: wie  eines Heiligabends (ich war bereits katholisch, ging aber mit dem Rest der Familie zur Christvesper, zum Fackeln und später allein zur Christmette), wir drei Schwestern uns vor dem kleinen Spiegel in der Küche zusammendrängten und vor dem Gottesdienst noch letzte Hand anlegten, was auf Lipgloss, Wimperntusche und etwas Haarwachs oder so hinausgelaufen sein muß, bis uns meine Mutter mit einem „Ihr solltet euch schämen!“ erstmal aus der Stimmung riß. Wir haben sie schon damals nicht verstanden und tun es bis heute nicht. Jedenfalls haben wir uns seinerzeit einfach seelenruhig weiter verschönert.
Ist man oberflächlich, weil man mit allen menschlichen Mitteln versucht, und seien sie noch so mangelhaft, sein Bestes zu zeigen?
Nein, aber vielleicht, wenn man die innere Haltung anderer mit „yada, yada, yada“ abtut und die Menschen danach beurteilt, in welchen Kleidern sie kommen und ob sie Rouge auflegen oder nicht. Ich hab mein Lebtag noch kein Rouge aufgelegt (vielleicht, weil ich in dem Glauben lebe, daß meine Haut weiß ist, und nicht fahl. Allenfalls bin ich von edler Blässe, habe einen alabasterfarbenen Teint, man versteht schon… ;)) Gut, von mir erwartet man das Brezeln heutzutage auch eher nicht.

Die eine wie die andere Haltung, den Menschen die Freude am Sich-verschönern vergällen zu wollen wie das Richten darüber, wenn es jemand vermeintlich nicht getan hat, finde ich etwas übergriffig. Mir ist das in gewisser Weise einerlei, wie einer zur Heiligen Messe kommt, Hauptsache, es ist in sittlicher Hinsicht angemessen, also Kleidung, die den Körper annähernd bedeckt, wäre schon schön. Ansonsten muß das doch jeder selbst wissen, ich bin nicht wegen der Kleider in der Messe, weder wegen meiner eigenen noch der der anderen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Nungazing am Mittwoch

Einkleidung bei den Anbetungsschwestern vom Königlichen Herzen Jesu

Dienstag, 7. Januar 2014

Ihm gebührt alle Ehre und Herrlichkeit – Festankündigung anno Domini 2014

Bredle des Tages
Gestern ging mir en passant durch den Kopf, ob ich als Meßdiener in den letzten Jahren die Inzens der Krippe wohl schon zweimal auf dieselbe Weise gesehen bzw. mitgemacht habe? Da gabs den großen Einzug mit der Inzens am Ende des Einzugs (Krippenaufbau links Mitte), die Inzens nach dem Evangelium mit einer kleinen Prozession und Leuchterträgern links und rechts von der Krippe, den großen Einzug einmal ganz rum mit Inzens der Krippe nach der Altarinzens und den großen Einzug mit Inzens gleich zu Beginn (Krippenaufbau rechts bei der Muttergottes) – mir ist, als hätte ich noch ein oder zwei Varianten vergessen.

Schön ist es, daß man aus der Heiligen Messe zu Dreikönig immer mit dem Ton des Exsultet im Ohr wieder herauskommt – da der Cisiojanus des Kirchenjahres auf diesen Ton gesungen wird – und den dann den Rest des Abends vor sich hinträllert. Hier ist die diesjährige Festankündigung. Daß diese am Fest der Erscheinung des Herrn gesungen wird, in der die Feste überwiegend vom kommenden Osterfest her her gezählt werden, liegt daran, daß in der Menschwerdung Gottes und seinem Offenbarwerden als wahrer Mensch und wahrer Gott die Erlösung aufleuchtet – immerfort leuchtet sie unter uns auf, bis der Menschensohn wiederkommt.
Liebe Brüder und Schwestern, die Herrlichkeit Christi ist heute erschienen; immerfort leuchtet sie unter uns auf, bis der Menschensohn wiederkommt. Nach dem Fest seiner Geburt und seiner Erscheinung schauen wir aus nach den drei österlichen Tagen: den Feiern seiner Kreuzigung, seiner Ruhe im Grabe und seiner Auferstehung von den Toten. So kündigen wir euch als erstes das Fest aller Feste an, den Ostersonntag, am 20. April dieses Jahres. Jubelnd feiern wir den Tag, den Gott gemacht, und rühmen die Auferstehung unseres Erlösers. Damit auch wir mit ihm auferstehen, begehen wir vierzig Tage hindurch die österliche Bußzeit. Sie beginnt am 5. März dieses Jahres mit der Feier des Aschermittwochs. Danach schenkt uns der Herr die fünfzig Tage der Osterzeit: Am 29. Mai das Fest seiner Himmelfahrt und am 8. Juni das hohe Pfingstfest, an dem der Heilige Geist herabkam auf seine Jünger. Am 19. Juni feiern wir Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Die Kirche bereitet sich vor auf das Kommen ihres Herrn, und beginnt den Advent am 30. November. Voll Hoffnung erwartet sie am Ende der Zeiten die Wiederkunft unseres Retters Jesus Christus. Ihm gebührt alle Ehre und Herrlichkeit, jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Montag, 6. Januar 2014

Der Stern, der den Weg zum Herrn führt

Drei Anbetungsszenen an der Krippe gibt es wohl in der Kunst (in Wirklichkeit gibt es natürlich soviele, wie es Menschen gibt): die Verehrung durch die eigenen Eltern, denen der Maler manchmal noch Heilige beigesellt (Beato Angelico etwa die hl. Katharina von Siena und den hl. Petrus Martyr), die Anbetung durch die Hirten, die von nahebei zur Krippe kommen, und die Anbetung der Könige oder Sterndeuter, die von weit her kommen. Während die Anbetung durch die Hirten eine intime Szene ist, zu der einfach die Menschen herbeigeeilt sind, die ganz in der Nähe ihrem Broterwerb nachgingen, sieht man auf manchen Darstellungen der Anbetung der Könige hinter den Königen einen unübersehbar langen Zug sich über die Landschaft ergießen. Dies ist nicht etwa das Gefolge der Könige, sondern es sind sinnbildlich wir, die Menschen aller Zeiten, aller Hautfarben und Rassen, die der Apostel auffordert, dem Vater mit Freude zu danken, weil er uns fähig gemacht hat Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.


So schreibt der hl. Papst Leo der Große in seiner dritten Predigt über das Hochfest der Erscheinung des Herrn darüber, wie die Christus Geweihten selbst zum wegweisenden Stern werden sollen (passend hat Papst Benedikt vor einigen Jahren die gottgeweihten Jungfrauen Sternen verglichen, „die den rechten Weg weisen“). So etwas würde ich zwar von mir selber nie sagen, aber es ist ein hoher Anspruch.
Durch einen Stern also, der glänzender war als alle anderen Gestirne, werden die Magier, die im fernen Osten wohnen, aufmerksam gemacht. Aus dem hellen Scheine dieses wunderbaren Himmelslichtes erkennen jene Männer, die sich gar wohl auf solche Beobachtungen verstehen, die Wichtigkeit dieser Erscheinung. Bewirkte doch zweifellos die Erleuchtung Gottes in ihrem Innern, daß ihnen die geheimnisvolle Bedeutung eines so herrlichen Phänomens nicht verschlossen blieb und ihrem Verstande offenbar wurde, was ihren Augen ungewöhnlich erschien. Kurz, sie treffen Vorkehrungen, die ihnen zugefallene Aufgabe frommen Sinnes zu erfüllen, und versehen sich mit solchen Gaben, die deutlich erkennen lassen, daß sie gleichzeitig an dreierlei glaubten, wenn auch ihre Anbetung nur einem gelten soll: Durch Gold ehren sie ihn als König durch die Myrrhe als Menschen und durch den Weihrauch als Gott. …


Kundgetan hat der Herr sein Heil: vor dem Angesichte der Völker hat er geoffenbart seine Gerechtigkeit. Dies ist ja, wie wir wissen, der Fall, seitdem der Stern die drei Weisen aus ihren fernen Ländern herbeirief und zur Erkenntnis und Anbetung des Königs über Himmel und Erde führte. Offenbar ermahnen uns seine Dienste, dem Beispiele seiner Willfährigkeit zu folgen. Sollen wir doch nach Möglichkeit jener Gnade dienen, die alle zu Christus ruft. Jeder nämlich, der in der Kirche ein frommes und keusches Leben führt, der auf das seinen Sinn richtet, was oben, nicht aber auf das, was auf Erden ist, gleicht gewissermaßen einem Himmelslichte: während er selbst den Glanz eines heiligen Lebens bewahrt, zeigt er gar vielen wie ein Stern den Weg, der zum Herrn führt.

Sonntag, 5. Januar 2014

Gold, Weihrauch und…


Seitdem ein gewisser Fernsehmoderator ein paar allgemeine Fragen zum Weihnachtsfest[1] gestellt hat und die Antworten erwartungsgemäß ausfielen, fragten sich offenbar nun einige verzweifelt, was denn die heiligen drei Könige nun eigentlich gebracht haben? In unserer Gegend kein Problem, in Gegenden, in denen die Lutherübersetzung gehört wurde und man das Wort „Karotten“ nicht verwendet, kam es offenbar zu interessanten Abwandlungen.

P. Ulrisch fragt (rhetorisch), ob man die heiligen drei Könige überhaupt noch hinstellen kann, oder ob sie nicht doch zu prunkig und protzig sind, jedenfalls der mit dem Gold?

Zu genaueren Erläuterungen über die Natur der kostbaren Gaben der hl. drei Könige bitte hier entlang.


____
[1] Die Tendenz der Antworten darauf halte ich übrigens, anders als ein Mitblogger, nicht für eine Folge des zweiten vatikanischen Konzils, sondern für die Folge eines gewissen allgemeinen Kunstbanausentums der letzten Jahrzehnte, das sich vor allem aus im Unterricht vermittelten oder eben nicht vermittelten Wissen ergibt. Darüber hinaus auch aus der Frage, welcher Unterricht überhaupt noch erteilt oder besucht wird. Demzufolge wissen einige über Weihnachten halt wirklich nur noch, daß man da frei hat, Schneemänner aufs Dach setzt und auf Weihnachtsmärkten sehr viel ißt.

Samstag, 4. Januar 2014

Himmelblau! (2) – die Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens nehmen das Leben in Maria Engelport auf

Mit dem neuen Jahr sind die Anbetungsschwestern vom Königlichen Herzen nach Maria Engelport in der Diözese Trier gekommen. Schon am 30. Dezember traf die Oberin Mutter Caroline Marie von der Heiligen Dreifaltigkeit mit einer kleinen „fliegenden Abordnung“ ein, um das Haus auf die Ankunft der Schwestern vorzubereiten, die, wie mittlerweile bekannt wurde, dort ihr Noviziat einrichten wollen. (Das Mutterhaus ist ein altes Gemäuer bei Florenz, an dem ab und zu freiwillige Helfer weiterbauen und -instandsetzen. Die Besiedlung von Engelport wiederum war durch die Hilfe eines Wohltäters möglich.)

Die bisherigen Bewohner des Konvents, die Oblatenbrüder, die zuletzt leider nur noch zu zweit waren, mußten den Konvent aufgeben. Mit der Neubesiedelung kommt nunmehr neben dem himmelblauen Konvent vor allem schöne Liturgie nach Maria Engelport: die Schwestern pflegen den gregorianischen Gesang, ein Priester des Instituts Christus König und Hoherpriester wird dort Spiritual sein.

Der Habit der Gemeinschaft ist wegen der Farbe besonders einprägsam (außerdem ist er, wie bereits bemerkt, schön traditionell). Außer den „schlumpfigen“ Chormänteln der Schwestern tragen die  Postulantinnen der kleinen Ordensgemeinschaft – bis jetzt etwa dreißig Schwestern – ein blaues Cape, das einige Zeit nach dem Eintritt übergeben wird, witzigerweise in einem anderen Blauton. Da wir schon grade bei sakralen Modefragen sind, zum Habit der Schwestern gibts auch noch einen schwarzen Ausgehmantel. Die Schwestern leben nicht in der Klausur, sondern wollen, nach der Spiritualität des Heiligen Franz von Sales, vor allem in der Mädchenbildung wirken, aber auch Priestern den Hausstand führen.

Novizinnen und Postulantinnen der
Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens
Refektorium der Schwestern im florentinischen Mutterhaus
Ich finde es schön, daß man in der Diözese Trier den Mut zu gerade dieser Neubesiedlung hat, durch ein noch junges Institut des apostolischen Lebens, das der Schönheit der Liturgie verbunden ist und in voller Einheit mit Rom steht. Der Plan für die täglichen Gottesdienste erfreut das katholische Herz: neben gesungenen Laudes und Vesper und der Heiligen Messe täglich Aussetzung, Rosenkranz vor ausgesetztem Allerheiligen und sakramentaler Segen. Mit dem 2. Januar ist diese Gottesdienstordnung in Kraft getreten. Hier sieht man mehr, es teilt sich einem auch etwas von der großen Freude mit, die mit diesem Neubeginn verbunden ist.

Rat mal, wer angerufen hat…

Der Papst mit ganz vielen Karmelitinnen aus aller Welt –
aus diesem Anlaß offenbar sämtlich exklaustriert
Papst Franziskus rief bei den Unbeschuhten Karmelitinnen von Lucena an – und besprach schließlich den Anrufbeantworter. Also, das finde ich jetzt lustig, daß er im Karmel anruft und sich wundert, daß er niemanden erreicht. Die Antwort auf die Frage, was macht ihr gerade so Wichtiges?, war wahrscheinlich „Beten!“ (manchmal kann es allerdings, Silvester oder nicht, auch „Rekreation“ sein…)

Freitag, 3. Januar 2014

Volksbegehren 100 % Tempelhofer Feld: bitte unterschreibt!

Wer meint, das wäre irgendwo abseitig: diese fast heideartige Landschaft ist mitten in Berlin, auf dem Gelände des Tempelhofer Flugfelds – aus den anderen Blickwinkeln sieht man es dann.

Für das Volksbegehren, das diese einzigartige Stadtbrache vollständig erhalten will, wird die Zeit allmählich knapp. Am 13. Januar ist Abgabetermin und es fehlen noch tausende von Unterschriften. Über die Feiertage fand ich es besonders beeindruckend, daß es Menschen gibt, denen der Erhalt des Geländes, abseits rein kommerzieller Interessen, so sehr am Herzen liegt, daß sie sich sogar am zweiten Weihnachtsfeiertag hinstellen, auf dem Tempelhofer S-Bahnhof Unterschriften sammeln und aktiv und freundlich die Leute ansprechen. Wer noch nicht unterschrieben hat, wer noch Möglichkeiten sieht, auch nur einige Unterschriften zu bekommen: jetzt ist die rechte Zeit dafür, bevor dieser wunderschöne Ort, so wie er jetzt ist, verloren ist.

Dieses Schild scheint sich irgendwie selbst überlebt zu
haben – die Stadtbrache hoffentlich nicht
Wolkenschiffe über dem früheren Flugfeld…
…und seltene Blumen (die Sandgrasnelke)

Sind geweihte Jungfrauen Laien?

Auszug aus einem älteren Pontifikale
der Consecratio Virginum
Gestern wollte ich endlich einmal bei Zenit subskribieren und mir aus den ölfdrölfzig Alternativen, was oder wer ich denn nun sei, die passende heraussuchen – es werden einem immerhin so exotische Möglichkeiten wie Apostolischer Nuntius, Kardinal oder Äbtissin angeboten. Unter C, wie consecrated, sucht man jedoch die Consecrated virgin vergebens, es wird einem aber die „Consecrated laywoman“ angetragen – gerade bei Zenit sollte man es eigentlich besser wissen. Was bitte ist eine „consecrated laywoman“?[1]

Ähnlich wars vor kurzem beim Northwest Catholic, der über eine Jungfrauenweihe im Bistum Seattle berichtete. Der Artikel ist durchaus wohlwollend geschrieben, lädt allerdings gleich in der Überschrift, obwohl gut gemeint, ein wenig zum Tischkantenbeißen ein, indem er ein Mißverständnis transportiert, das hier und da einmal vorkommt. Sie lautet Local woman begins lay consecrated life. Gemeint hat die Autorin womöglich, daß es sich um eine Jungfrau handelt, die in der Welt lebt, wie es die Kirche ausdrückt, unter anderem im Pontifikale für den Ritus der Weihe. Beschrieben hat Ms. Sokol das allerdings mit einem Ausdruck, den es gar nicht gibt.

Solcherart inhaltliche Verwirrungen lenken den Blick auf eine Frage, die gelegentlich gestellt wird: sind geweihte Jungfrauen Laien? Die Antwort: es kommt darauf an. Allerdings, gleichviel, ob man mit dem Kirchenrecht[2] davon ausgeht, daß alles, was nicht Kleriker ist, auch Laie genannt werde, oder ob man neben diesen beiden Ständen im Volk Gottes noch den Stand des geweihten Lebens einbezieht, wie es die Ostkirchen und die Konzilsdokumente tun (eine Unterscheidung, die auch die Enzykliken und Schreiben des Heiligen Vaters machen, wenn sie die gottgeweihten Personen anschreiben): nie kommt man bei einer Konstruktion wie „lay consecrated“ oder „consecrated laywoman“ heraus.

Wenn jene, die zum geweihten Leben gehören, aber keine Kleriker sind, Laien genannt werden, so bezieht sich dies auch auf die Ordensfrauen, jene Ordensmänner, die nicht Kleriker sind, die Mitglieder der Säkularinstitute und die Eremiten. Blickt man dagegen auf das geweihte Leben, wie es neben den kirchenrechtlichen Regelungen auch der sel. Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben Vita consecrata beschreibt, so umfaßt dies wiederum alle, die sich in einer der von der Kirche anerkannten Formen des geweihten Lebens öffentlich an Christus gebunden haben, in gleicher Weise. Und so ist man in Versuchung, zurückzuschreiben: There is no such thing as lay consecrated. Es gibt nur consecrated, dem geweihten Leben angehörend, dabei gibt es in sich keine Abstufungen. – Ich hab dann übrigens nicht die „Consecrated laywoman“ genommen.

____
[1] Liebe Kinder, in der nächsten Folge fragen wir dann: was ist eigentlich ein „Consecrated layman“?
[2] Can 207: Kraft göttlicher Weisung gibt es in der Kirche unter den Gläubigen geistliche Amtsträger, die im Recht auch Kleriker genannt werden, die übrigen dagegen heißen auch Laien.

Mittwoch, 1. Januar 2014

2014

„Bedenke wohl, worum du bittest, es könnte dir gewährt werden“, wird dem Merlin Großbritanniens als Ausspruch zugeschrieben. Vor einigen Jahren fand ich es schade, daß wir in der Kathedrale eine Jahresschlußandacht haben und kein Pontifikalamt.

Mit dem Wechsel des Bischofs kam dann der Wechsel zum Pontifikalamt am Silvesterabend, und nun vermisse ich die Jahresschlußandacht. Nicht, daß ein Pontifikalamt nicht schön wäre, aber mir fehlt die Zeit der sakramentalen Aussetzung, die wir immer in der Jahresschlußandacht hatten, mit einer kleinen Prozession des Allerheiligsten vom und zum Tabernakel in der Unterkirche und dem Gesang des Christus vincit. Das war etwas, das diesen letzen Gottesdienst im alten Jahr vor allen anderen ausgezeichnete und einmalig machte und bei dem man noch einmal alles das, was einen im alten Jahr bewegt hat, in seine Hände zurücklegen konnte. (Kann man nicht eigentlich auch ein Pontifikalamt mit eucharistischer Anbetung haben?) Und noch etwas Banales, das mir erst aufgefallen ist, als es der Vergangenheit angehörte: die Türkollekte, zu der immer Ministranten eingeteilt waren und bei der man Gelegenheit hatte, noch manchem, den man sonst nur aus der Ferne sieht, eine gesegnete Zeit und ein gutes neues Jahr zu wünschen, fand nur statt, weil diese Andacht ein Wortgottesdienst war.

Andererseits: so endet das alte und beginnt das neue Jahr mit dem, der unser Leben trägt und lenkt, wie wir im Eingangslied gesungen haben. Der Kommunionvers bringt es zum Ausdruck, warum der Übergang vom alten zum neuen Jahr ganz leicht ist: Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. In diesem Sinne, allen, die hier mitlesen, ein gutes neues Jahr 2014, mit iHM.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...