Sonntag, 29. Dezember 2013

Die Leseordnung mal wieder und einige Fragen

Vorhin überlegte ich (wohl, weil ich diese Lesung schon auf mich zukommen sah, und so war es auch), ob das Lesen der Worte des Apostels an die Kolosser, die sogenannte „Haustafel“ in der zweiten Lesung am Fest der Heiligen Familie nicht doch etwas einigermaßen Provokantes an sich hat?

Zwar frage ich mich von Jahr zu Jahr, warum „die Leute“ immer nur das eine, aber nicht auch das andere zu hören scheinen: also nicht nur ordnet euch euren Männern unter, sondern auch liebt eure Frauen und seid nicht aufgebracht gegen sie, nicht nur gehorcht, sondern auch schüchtert eure Kinder nicht ein, daß sie nicht mutlos werden. Jedenfalls kommt mir das in den Sinn, gemessen an den Reaktionen, die ich mitbekomme, sei es, daß nach dem Gottesdienst Gläubige den Lektor ansprechen oder in die Sakristei kommen, weil sie Fragen oder Anmerkungen dazu haben, sei es, daß der Zelebrant erzählt, wie sich in einem Jahr an einem anderen Ort die Lektorin geweigert habe, die Lesung vorzutragen, bis er es schließlich nachdrücklich verlangt und sie sich zähneknirschend gefügt habe.

Ihr Frauen, seid euren Männern untertan. Ich weiß nicht, was im Griechischen steht, in der Vulgata heißt es subditæ estote viris, unterwerft euch euren Männern. Im Lateinischen heißt es an dieser Stelle zwar vir, was auch Ehemann bedeuten kann – und nicht maritus, was ausschließlich Ehemann bedeutet – , man kann aber wohl davon ausgehen, daß der eigene und nicht etwa jeder Mann gemeint ist, da im nächsten Vers ausdrücklich die Ehefrauen (uxores) angesprochen sind. Wer aber mag sich denn hier und heute noch seinem Mann unterwerfen oder auch ihm untertan sein? Auch habe ich – aus irgendeinem Grund fällt diese Lesung immer einer Frau zu, vielleicht, weil die Männer sie tunlichst zu umschiffen trachten, vielleicht auch, weil man der Gemeinde keinen Mann zumuten möchte, der den Frauen etwas über die Unterwerfung vorträgt – als Lektorin an dieser Stelle gut lesen, da ich keinem irdischen, sondern einen himmlischen Bräutigam angehöre (dem ich zwar auch unterworfen bin, aber doch auf andere Weise. Zumindest einige Verhaltensweisen sind von ihm nicht zu erwarten. Schon deshalb glaube ich, das bessere Teil erwählt zu haben).

In der Tat frage ich mich schon, warum am Fest der Heiligen Familie gerade diese Zeilen ausgeführt werden, über etwas, das zu des Apostels Zeiten einfach ehrenvolles Benehmen bedeutet haben mag, das Christen gut ansteht (letzteres tut es natürlich noch immer), das in unserer Zeit aber als etwas unangenehm Kantiges erscheint? Nicht, daß wir uns von kantigen oder sperrigen Inhalten scheuen sollten, aber der Apostel hatte das womöglich an dieser Stelle gar nicht beabsichtigt. Zumal es anderem, das von ihm selber kam, zu widersprechen scheint: Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus. Ohne Schaden könnte man hier meiner unmaßgeblichen Meinung nach auch nur Kolosser 3, 12-17 lesen.

Warum hat man in der Leseordnung nicht vielleicht gleich einen anderen Text gewählt? Der Apostel erwähnt indes das Wort Familie so selten, daß man es buchstäblich an einer Hand abzählen kann, vielleicht, weil er selbst dem ehelosen Leben klar den Vorzug gab, vielleicht, weil er in der Endzeiterwartung lebte, man weiß es nicht. Des Apostels unvergleichliches Hohelied über die Liebe wäre etwa in Frage gekommen:
Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.  Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, läßt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.
Wunderbar schön und buchstäblich zeitlos. – Epheser 5, der ähnliches wie der Kolosserbrief zum Ausdruck bringt, eröffnet mit der gegenseitigen Unterordnung der Ehepartner untereinander, in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Auch der Epheserbrief stellt der Unterordnung der Frau die Liebe des Mannes gegenüber, bezieht aber dieses Mysterium auf Christus und die Kirche und führt die Sache mit der Liebe näher aus, wodurch die Liebe an dieser Stelle eine stärkeres Gewicht erhält. Wie gesagt, es tut gut, bei diesem Text genau aufzumerken, das eine wie das andere zu hören: Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.

Zum Fest der heiligen Familie

Bilder aus dem Leben der Heiligen Familie führen uns vor Augen, daß Christus den überwiegenden Teil seines Lebens ein „ganz normales“ Leben in der Verborgenheit von Nazareth führte. Da sieht man etwa den hl. Josef mit seinem Ziehsohn in der Werkstatt bei der Arbeit, manchmal leistet ihnen auch die Gottesmutter mit einer Handarbeit Gesellschaft. Auf einem Kirchenfenster sieht man Jesus die Stube fegen, mit dem Wort aus der Schrift darunter, er war ihnen gehorsam (Lk 2,51). Auf einer Darstellung im Benziger Missale sieht man den halbwüchsigen Jesus in die Arme seiner Mutter laufen, auf anderen Bildern füttern die Gottesmutter oder der hl. Josef ihr Kind mit Brei – Leben, wie es ist, wenn ein Kind im Haus ist.

Die erste Darstellung der heiligen Familie ist natürlich die friedvolle Krippe oder das Haus, in dem Jesus geboren wurde, mit dem Kind, von dem alles Licht ausgeht, in der Wiege liegend, und die Anbetung der Hirten und Sterndeuter. Solcherart friedliches Bild führt allerdings gleich zum nächsten: die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten.

In diesem Kirchenjahr folgen das Fest der unschuldigen Kinder und das der Heiligen Familie unmittelbar aufeinander/liegen eng zusammen. Über das Leben der Heiligen Familie in Ägypten erfahren wir nichts, nur, daß sie dort blieben bis zum Tode des Herodes, was noch im selben Jahr der Fall gewesen sein mag. Sicher ist, sie mußten ihr Heimatland bei Nacht und Nebel verlassen und waren wohl auch auf die Hilfe und Güte Fremder angewiesen, Fremde in einem fremden Land. Auch dieses Bild der Heiligen Familie stellt leider für Menschen aller Zeiten etwas dar, das ihnen vertraut ist: Flucht, Vertreibung, Armut, Leben in der Fremde.

Wieviele Menschen sind derzeit auf der Flucht vor Verfolgung und Gewalttat und hoffen womöglich, daß ihnen die Fremde Sicherheit biete oder ihnen wenigstens mit Güte begegne? Wieviele unschuldige Kinder unserer Tage gibt es, die sterben müssen, weil ein anderer es so will? Die Welt sieht es und schweigt größtenteils. Gestern hat China einen Entschluß zur  Reform seiner Ein-Kind-Politik gefaßt, der im bedeuten mag, daß zahllose ungeborene Mädchen, die sonst abgetrieben würden, weil das einzige Kind unbedingt ein Sohn sein soll, nun vielleicht am Leben bleiben dürfen. – Mögen die heilige Muttergottes und der hl. Josef jenen gute  Fürsprecher sein, die sie in ganz ähnlichen Nöten anrufen wie die, die sie selbst erfahren haben.

Freitag, 27. Dezember 2013

Ein interessantes Attribut – der hl. Johannes der Evangelist und sein Adler

Der hl. Johannes der Evangelist wird meist mit seinem Symbol dargestellt, dem Adler (einige dieser Darstellungen dürften, nebenbei bemerkt, die wohl einzigen sein, auf denen Tiere Heiligenscheine tragen). Vor allem in Stundenbüchern sieht man den Apostel schreibend im Exil auf der Insel Patmos, und seinen Adler, der ihm Gesellschaft zu leisten scheint.

Adler sind machtvolle und kluge Vögel, kein Wunder, daß die Ikonographie den Apostel und sein Attribut teils sich sinnend anblicken läßt. Gelegentlich sitzt der Adler auch wie ein Hund (und in ganz ähnlicher Größe) zu Füßen des hl. Johannes, bringt neue Schriftrollen oder trägt das vollendete Evangelium im Schnabel von dannen, während der hl. Johannes in den Himmel blickt und die Visionen der Offenbarung schaut, die er noch niederschreiben wird.

Nachdem ich mich bei einigen Illuminationen gefragt hatte, was bringt ihm der Adler denn da? Es ist frische Tinte, auf daß der Evangelist sein Werk fortsetze. Und welch wundervolle Worte hat er gefunden! Einer der allerschönsten Momente, ohne den für mich nicht Weihnachten wäre, ist Johannes' wunderbarer Prolog seines Evangeliums:
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt.… Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Liturgische Weihnachtsgeschenke

Schön ist es, wenn man am Weihnachtstag zur Vesperzeit feststellt, daß einem immer noch Weihrauchduft anhaftet und man auch das gesungene Evangelium und Halleluja der Evangeliumsprozession nicht mehr aus dem Ohr bekommt, zumal der Diakon das Evangelium über das Wort, das im Anfang war, und das Gott war, wirklich schön gesungen hat. Ich glaub, ich hab in der Nacht davon geträumt. Daraus wird deutlich, daß einen ein solcher Ritus wirklich mit allen Sinnen ergreifen kann, eben weil sie alle beteiligt sind. Das Schöne daran, wenn einer das Evangelium singt, ist, daß man mehr Zeit hat, innerlich an Sätzen wie allen …, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind, hängenzubleiben und darüber zu meditieren.

Einen heiteren Moment gab es in der Christmette, als die Einzugsprozession etwa auf Höhe der Kathedra ankam und dort beim Christbaum erstmal ein weiß-rot-gestreiftes Plastikabsperrband, ein Relikt der Vorbereitungen für den Fernsehgottesdienst, aus dem Weg schaffen mußte. Hihi! Wirklich, ohne liturgische Pannen und deren möglichst würdige Behebung würde vielleicht auch etwas fehlen. (Zur Ehrenrettung des dicken Baumes hier muß man sagen, daß er beleuchtet tatsächlich viel besser aussieht. Große Augen hab ich gestern abend gemacht, als der Mann, der abends immer da sitzt, quasi im Baum gesessen hat.)

Als weiteres Weihnachtsgeschenk gab es dann noch die Predigt unseres früheren Pfarrers, Regens Karlson, am Stephanustag über einen Hymnus Ephräms des Syrers (der in voller Länge 140 Seiten hat – oder waren es 140 Strophen?).

Selber hab ich mich in der unmittelbaren Vorbereitung auf das Weihnachtsfest mit der zweiten Homilie des hl. Johannes Chrysostomus zur Geburt unseres Erlösers beschäftigt, die dieser in Antiochia irgendwann zwischen 383 und 395 gehalten hat, und über das Faszinosum gestaunt, daß der Kirchenlehrer acht Seiten über das Wunder der Menschwerdung, und nur darüber, gepredigt hat; ja, eigentlich hat er das Wunder regelrecht besungen. Gegenüber mancher politisch oder sozial aufgeladenen oder auch banalisierten Predigt unserer Tage empfinde ich solche Predigt immer regelrecht wie eine Erlösung. Vielleicht ist ein solcher Vergleich aber auch etwas ungerecht, weil uns von den Predigten der frühen Kirche womöglich nur das beste erhalten geblieben ist. Immerhin kam ich nicht umhin, mir zu wünschen, es möge auch heute einmal wieder jemand den Mut haben, seine Predigt einmal nur über das Wunder und Mysterium der Menschwerdung zu halten.

Fußnote – eine interessante Randerscheinung: Wenn ich meinen Schleier trage, kommt der Kollektenkorb nicht zu mir. (Andererseits bin ich bei den vergleichsweise seltenen Anlässen, bei denen ich auf der Kirchbank sitze, auch nie wirklich drauf eingestellt, daß der Kollektenkorb zu mir kommt.)

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Die Zeit zum Singen ist da… – Advent at its finest


Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter. Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen. Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land. (Hld 2, 8-11)
Noch zu den letzten Stunden des Advents: das Wetter scheint ja dieses Jahr wenig weihnachtlich. Andererseits: manche Büsche treiben neue Blätter, und am 23. Dezember in der Nacht hab ich eine Nachtigall singen hören und mich gefreut. Wann hat man das schon mal, daß am Tag vor dem Fest der Geburt Christi die Nachtigall ein Liebeslied singt?

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!


Deine Geburt, o Christus, unser Gott,
hat die Welt mit dem Licht der Erkenntnis erleuchtet,
auf daß jene, die die Sterne anbeteten,
durch einen Stern gelehrt würden,
dich anzubeten, die Sonne der Gerechtigkeit,
und dich zu erkennen, den Aufgang aus der Höhe.
Herr, Ehre sei dir.
(Troparion aus der Ostkirche)

Allen Lesern dieses Blogs und allen, die am Fest der Geburt Christi vielleicht zufällig hier vorbeikommen, wünsche ich ein frohes und gnadenreiches Fest.

Kam in diesem Jahr zuerst zur Krippe…


Gu'n Aaabnd! – …sorry, could not resist. Ein Geschenk heute vormittag, Schokolade gabs auch. Irgendwelche Rock- und Zopfträgerinnen in Form von Mainzelmädchen (Frauchen? Weibchen?) waren nicht vertreten, und so habe ich mich spontan für diesen hier entschieden; er hat gute Laune. Wer mir nun verraten könnte, welcher das ist – ich wußte sowas noch nie –, gewönne drei Gummipunkte.

Montag, 23. Dezember 2013

O Immanuel


O Immanuel,
unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!

Die schiere Schönheit der Lobpreisungen der O-Antiphonen rührt mich in jedem Jahr an: exspectatio gentium, et Salvator earum: Erwartung der Völker und ihr Heiland. Komm, uns zu retten, Herr, unser Gott! Die Antiphon O Immanuel ist so voller Vertrauen, vielleicht, weil sie Christus mit dem vertrauensvollsten aller Namen anruft: Gott mit uns. Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag, konnte Dietrich Bonhoeffer sogar in der Erwartung des Todes schreiben. Näher konnte Gott dem Menschen nicht kommen, als daß er selbst ein Mensch wurde, nicht nur ein Mensch, sondern sogar ein Kind, hilflos und des Schutzes der Menschen bedürftig. – Eine der schönsten und anrührendsten Momente ist, wenn in der Christmette die Figur des Christkindes in der Prozession mitgetragen und in die Krippe gelegt wird. Nur noch ein Tag trennt uns von diesem Augenblick.
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Vor dem Fernsehgottesdienst




(Ich weiß nicht, ob noch irgendwo ein MP3 war)
Technokram in der unteren Sakristei…
…und in der Oberkirche

Mein lieber Schwan…!
Der dicke Christbaum „mit ohne“. Vielleicht
wirkt das ja im Gottesdienst noch anders, im
Moment sieht es eher so aus, als hätte man ihn
lieber im Wald gelassen, weil das sein
angestammter Lebensraum ist…

Einige Bilder um die erste Probe, in der einige Ministranten vierzehn davon und einen Kardinal gegeben haben, was mich ein wenig an Monty Python’s Aufführung von Seven brides for seven brothers („Do you four boys take these two girls to be your seven brides?“) erinnert hat. Erfreulicherweise wird der Gottesdienst so recte rite sein, wie er bei uns immer ist, mit zweiter Lesung und Antwortpsalm. Die Melodien von Halleluja und Credo, die ich gestern gehört habe, kamen mir ungewohnt vor, vielleicht sind die schon aus dem neuen Gotteslob. Aber das Sanctus ist aus der Missa de Angelis. Au ja!

Sonntag, 22. Dezember 2013

O König aller Völker


O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlußstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!

Die Antiphon des heutigen Tages nennt Christus nicht nur den König der Völker, sondern zugleich ihre Erwartung und Sehnsucht: etwas Wunderschönes. Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet. – Interessant fand ich diesmal, daß es hier in der lateinischen Fassung eigentlich nicht so poetisch heißt, aus Erde gebildet, sondern, daß es heißt, quem de limo formasti, den du aus dem (Ur-)Schleim gebildet.

Auch heißt es in Bezug auf den Schlußstein: lapisque angularis, qui facis utraque unum: Eckstein, der du aus beiden eines machst. Mit den beiden, die Christus eint, mögen der alte und der neue Bund gemeint sein, vielleicht auch die göttliche und die menschliche Natur, die in Christus eines werden, ohne sich zu vermischen: wahrer Gott und wahrer Mensch. Gott wurde Mensch, er blieb was er war und nahm an, was er nicht war, ohne Vermischung und ohne Teilung. So wurde Gottes Schöpfung neu.

Samstag, 21. Dezember 2013

O Morgenstern


O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte,
die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

Die heutige Antiphon O Morgenstern schließt unmittelbar an das Flehen der Antiphon O Schlüssel Davids an: o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

In manchen Fassungen finden wir statt O Morgenstern auch O Aufgang, das Licht, das im Osten sichtbar wird und den kommenden Tag ankündigt. Warum die deutsche Übertragung aus splendor lucis aeternae, dem Glanze des ewigen Lichtes, den des unversehrten macht, vermag ich nicht zu sagen; in meinen Augen geht hier bei der Übertragung etwas verloren. Es ist dieses Licht, das das Exsultet jenen wahren Morgenstern nennt, der in Ewigkeit nicht untergeht.

Freitag, 20. Dezember 2013

O Schlüssel Davids


O Schlüssel Davids,
und Zepter des Hauses Israel –
Du öffnest, und niemand kann schließen.
Du schließest, und keine Macht vermag wieder zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!


Dieses Detail aus einem Bild von Noah Buchanan hat mich unterm Jahr sehr angerührt. Es bezieht sich auf das Schicksal eines Mörders (Alessandro Serenelli, der Mörder der hl. Maria Goretti). Leicht ist der Abstieg zum Avernus … doch deine Schritte zurückzuverfolgen und zurückzukehren zum Licht, das ist Qual, das ist Mühsal, heißt es in der Aeneis. Im Falle Serenellis hat die Rückkehr ans Licht lange gedauert, aber es ist gelungen. Und wieviele andere Kerker mag es auf Erden geben, die einen Menschen so umschließen können, daß er in Finsternis sitzt und im Schatten des Todes? Schuld, Depression, Sucht, Angst. 

Selbst aus dem Kerker der tiefsten Schuld gibt es eine Rückkehr ans Licht. Selbst in der Finsternis der größten Verlassenheit und Angst ist uns Gott nahe. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi. Sie ist der Schlüssel, der den Kerker öffnen und uns herausführen kann.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

O Sproß aus Isais Wurzel


O Sproß aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker –
vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!

Die Antiphon des Tages, O radix Jesse, fügt zum ersten Mal dem „komm“ das drängende „säume nicht länger“ bei. Es ist dies die Antiphon, die sich darauf bezieht, daß der Ersehnte aus dem Geschlechte König Davids stammt. Vorgestern, am Beginn dieser hohen sieben Tage vor Weihnachten, haben wir in vollendeter Symmetrie und Symbolik gehört, wie weit diese Wurzel ins Erdreich des Stammes Juda zurückreicht: von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.

Manche Darstellungen, wie diese hier, zeigen diese Generationen am Stammbaum mit flehend emporgestreckten Händen, was mich unwillkürlich an die vom Abstieg Christi in die Unterwelt am Karsamstag erinnert, auf denen Christus, Kreuz und Banner als Siegesfahne vorantragend, jene aus der Finsternis herausführt, die ihn durch die Zeiten hindurch sehnlichst erwartet haben.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Früher war mehr Lametta!

Also, das Pontifikalamt am Weihnachtstag kommt fürs Zweite Deutsche Fernsehen aus der Kathedrale. Danach gehts gleich weiter zu Urbi et orbi.

Ein Weihnachtsgottesdienst mit ganz viel Extra: ein extrafetter Baum, extra früh aufgestellt (damit er sich nicht so allein fühlt, gleich mit Krippe), mit extra viel nichtreflektierenden LEDs, dafür aber gar keinem Schmuck dran (nicht daß noch jemand, vom Glanze einer Christbaumkugel getroffen, zu Boden sinkt), extra viel Gewese vorher, extra vielen Proben und extra Beeilung, daher nicht extralang. Ob der extrafette Baum vom ZDF bezahlt wurde oder die Gemeinde dafür extra löhnt, war nicht zu ergründen. Es läßt sich jedenfalls festhalten: früher war mehr Lametta!

O Adonai


O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Die zweite O-Antiphon kommt uns wohl „am jüdischsten“ vor, führt sie uns doch auf den Berg der Begegnung mit Gott und redet diesen mit einer Umschreibung seines Namens an, die wir in der Liturgie der Kirche nur an diesem einen Tag hören: O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel. 

Wenn ich an die Begegnung Gottes mit Mose denke, fällt mir dabei immer ein, daß Moses Gesicht danach so strahlte, daß er einen Schleier tragen mußte, weil die Menschen um ihn herum den Glanz sonst nicht ertragen hätten, der von seinem Antlitz nach der Begegnung mit Gott noch ausging.

Diese Beschreibung der Begegnung mit Gott birgt noch ein weiteres Mysterium in sich: Gott begegnet im flammenden Dornbusch einem auserwählten Menschen eines auserwählten Volkes von Angesicht zu Angesicht. Der, der kommen wird, erscheint dagegen eingehüllt in die Entsagung dieser Welt und die Armut des menschlichen Fleisches. Er berührt und läßt sich berühren. Er ruft nicht nur das auserwählte Volk, sondern alle Völker. Er gibt uns das neue Gesetz und ändert doch am alten kein Jota. Er befreit uns mit seinem starken Arm, indem er seine Arme sterbend am Kreuz ausbreitet und so alle Menschheit damit umfängt.Täglich läßt er sich von uns finden, wenn wir ihn suchen. Immer aber und unerwartet, wie bei Mose am Dornbusch, kann Gott hinausreichen und den Menschen zu sich rufen, ihn unmittelbar anrühren mit seiner Gnade.

Dienstag, 17. Dezember 2013

O Weisheit


O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –
die Welt umspannst du von einem Ende zum anderen,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!

Die erste Antiphon der hohen sieben Tage vor Weihnachten, O Weisheit versetzt uns eigentlich schon mitten in das Geschehen der Christnacht:
Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron.
Die Antiphon setzt sich aus zwei Stellen der heiligen Schrift zusammen: Sir 24,3 Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor und wie Nebel umhüllte ich die Erde und Weish 8,1 machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.

Dieses Bild von Sr. Ansgar Holmberg CSJ gefällt mir besonders, weil es zum Ausdruck bringt, wie die Weisheit, die bereits zu Beginn der Schöpfung gegenwärtig ist, machtvoll ihre Kraft entfaltet, von einem Ende zum anderen, indem sie die die ganze Schöpfung Gottes durchdringt und allem Leben einhaucht. Von Christus, auf dessen Erscheinen die ganze Schöpfung voll Sehnsucht wartet, heißt es in der Antiphon, daß Sonne und Mond ihn bewundern.  Der Ruf Veni, komm!, drängend und voller Hoffnung, wird nun täglich wiederholt.

Montag, 16. Dezember 2013

Goodbye, Mr. O’Toole

Gestern am späten Abend hörte ich vom Tode Peter O’Tooles. Wirklich schade, ich mochte ihn sehr gern. Auch werde zumindest ich etwas melancholisch, wenn wirklich große Hollywoodstars sterben. Ein Teil der eigenen Jugend stirbt mit ihnen.

Bei mancher Rolle, die er zwischendurch angenommen hat, wird mir zwar schleierhaft bleiben, warum er das nun tat, aber womöglich brauchte er einfach nur etwas für den Lebensunterhalt. Und wer kennt sich mit Schauspielern aus? Am liebsten war er mir wohl in Goodbye, Mr. Chips. Der letzte Film, an dem Peter O’Toole mitwirkte und für den er noch einmal aus dem schon angekündigten Rückzug heraus spielte, ist übrigens einer über eine unserer Heiligen: Catherine of Alexandria.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Von der Jungfrau und Gottesmutter zur „fragenden und glaubenden Frau“

Die folgende Kommentierung des Andachtsteils des neuen Gotteslobs auf explizit.net lädt, finde ich, ein wenig zum Headbanging ein:
[…die liturgischen Veränderungen der letzten 40 Jahre]. Diese kommen insbesondere im Andachtsteil zum Tragen. Hier zeigen sich im Vergleich zum alten Gotteslob veränderte inhaltliche Aspekte. Während das Gesangbuch von 1975 Marienandachten noch unter die Überschriften „Jungfrau“, „Mutter Gottes“ oder „Ohne Erbsünde empfangen“ stellte, ist Maria nun zur „fragenden und glaubenden Frau“ oder zur „Schwester im Glauben“ geworden.

Wenn ich schon lese[1] „noch“ und „veränderte inhaltliche Aspekte“. Nun aber! Sprich: man entkleidet die Gottesmutter ihrer vornehmsten Attribute – immerwährende Jungfrau, Mutter Gottes und ohne Erbsünde empfangen – und holt sie auf Augenhöhe herunter, als „Schwester im Glauben“ und „fragende und glaubende Frau“. Als wenn sich alles das etwa gegenseitig ausschlösse oder auch vorher nicht zum Ausdruck gebracht worden wäre: so kann Maria Jungfrau, Gottesmutter und frei von Erbsünde sein und trotzdem fragend und glaubend. Das Evangelium selbst stellt sie uns als Fragende vor Augen: wie kann das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Und natürlich als Urbild des Glaubens und mithin Mutter der glaubenden und betenden Kirche.

Die Attribute Jungfrau, Theotokos (Gottesgebärerin) und ohne Erbsünde empfangen sind jedoch Teil der Glaubenslehre der Kirche. Das ist doch ein Unterschied zur „Schwester im Glauben“. Schwester im Glauben kann mir jede sein, fragende und glaubende Frau eigentlich auch, immerwährende Jungfrau und doch Gottesgebärerin aber nur eine, die wir daher mit Recht auch Königin der Jungfrauen, der Märtyrer, der Apostel, der Propheten der Engel und der Heiligen nennen.

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[1] (eigentlich wollte ich im Artikel schon nach „Rollenbuch“ nicht weiterlesen. Ich finde diesen Begriff so furchtbar. Ich weiß, daß Theologen ihn verwenden. Trotzdem.)

Samstag, 14. Dezember 2013

Ein Vorgeschmack auf Gaudete

Verdampfte-Kometen-Kompensation und das passende Gebäck
zum Sonntag obendrein. In diesem Sinne: Gaudete!

Freitag, 13. Dezember 2013

Unser Freitag, der 13.

Der 13. Dezember ist der Sterbetag, des vorletzten Berliner Bischofs, der in diesem Amt verschieden ist, Alfred Kardinal Bengsch, weshalb wir in der Kathedrale nie die hl. Lucia feiern (allerdings taucht sie seit einigen Jahren kurz im Hochgebet auf). Als im vorletzten Jahr Kardinal Sterzinsky starb, hätte das jährlich für unsere Bischöfe gefeierte Requiem eigentlich zum 30. Juni „wandern“ sollen (und wir hätten mithin die Aussicht auf die hl. Lucia gehabt), das wollte man aber nicht. So ist das Pontifikalamt für die verstorbenen Berliner Bischöfe am 13. Dezember geblieben und nicht, der Tradition folgend, zum Sterbetag des letzten Bischofs gewandert. Eigentlich aber paßt dieses Requiem gut in die Adventszeit. Die Präfation für die Verstorben ist ganz kurz und schlicht und zugleich voll der adventlichen Hoffnung:
In ihm erstrahlt uns die Hoffnung, dass wir zur Seligkeit auferstehen. Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.
Daß ein Requiem zugleich immer ein Hochamt im gregorianischen Choral bedeutet, ist etwas Schönes. Es wird alles gleich soviel ruhiger, auch unsere Bewegungen. Außerdem liebe ich das Kyrie im Requiem. Wann, wenn nicht bei einem Requiem, käme man auch zur Besinnung, auch darüber, daß die eigene „Herberge der irdischen Pilgerschaft“ irgendwann unweigerlich zerfallen wird? Schön ist auch, wenn die Kirche beim Requiem für die verstorbenen Bischöfe ganz voll ist. Ich stelle mir vor, die sind alle gekommen, um des Bischofs, der ihnen Hirte war, voll Dankbarkeit im Gebet zu gedenken.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Verdunklung des Glaubens – Gender und der Hirtenbrief aus Chur

Als ich gelesen habe, was der zum Fest der unbefleckten Empfängnis veröffentlichte Hirtenbrief des Bischofs von Chur zum Thema hat, war mir schon klar, worauf das wieder hinauslaufen würde. Und genauso scheint es auch.

Damit will ich nicht sagen, das läge irgendwie an dem Hirtenbrief, sondern an den schon fast Pawlowsch zu nennenden Reflexen, die in den Medien oft allein das Erwähnen bestimmter Themata hervorruft. Und vielleicht liegt es auch daran, daß man sich in der Schweiz auf den Bischof eingeschossen zu haben scheint, weshalb die Unaussprechliche zu berichten weiß, Bischof Huonder stünde für seine Äußerungen immer wieder in der Kritik (ohne Roß und Reiter zu benennen). Aus den beifügten Referenzen ergibt sich übrigens, daß sich da jemand schon Mühe gegeben haben muß, den Bischof so falsch zu verstehen wie er irgend kann, und das ist dann auch noch einmal interpretativ wiedergegeben worden. Wenn Bischof Huonder etwa sinngemäß zum Ausdruck bringt, daß da, wo das göttliche Recht nicht mehr beachtet würde, auch irgendwann der Respekt vor den Menschenrechten schwinde, so kann man darüber einige Zeit nachdenken. Auf keinen Fall aber kann man daraus machen, der Bischof stelle die Menschenrechte in Frage. Über den gerade erschienenen Hirtenbrief titelt die NZZ, der Bischof kanzle Homosexuelle ab. Andere machen daraus einen „homophoben“ Hirtenbrief. In der Wikipedia hieß es, Bischof Huonder habe einen  „Frontalangriff auf Homosexuelle“ gestartet. Warum nun grad auf Homosexuelle? Gings nicht um Gender? Übersetzt heißt das eigentlich: Bischof Huonder muß nur irgend etwas sagen (einerlei was), und schon kritisiert man ihn (einerlei wofür).

Ich finde das so schade, Bischof Huonder ist so ein guter Mann. Offengestanden beneide ich das Bistum Chur ein wenig: sie haben einen schlichten, der Schönheit der Liturgie und der geistlichen Berufungen verbundenen Bischof[1], der sich nicht scheut, sich in drängenden Fragen zu positionieren – und zwar immer im Sinne der Lehre der katholischen Kirche – und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. So stützt sich Bischof Huonder in seinem Wort an die Gläubigen etwa auf eine Aussage Papst Benedikts – mancher scheint das zu übersehen:
Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. … Es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen. 
Wie man aus dem gerade verlesenen Hirtenbrief schon in der Überschrift erkennen kann, befaßt sich dieser anläßlich des Tages der Menschenrechte mit Gender, einem Theoriengebäude, daß Bischof Huonder als „tief unwahr“ bezeichnet (wahrscheinlich, weil es zutiefst unwahr ist). Wie man daraus nun in völliger Verkennung des Ansatzes des Bischofs, der ausführt, wie dieses Gedankengebäude letztlich allen schadet, Männern, Frauen, Kindern, Familien, nun trotzdem „einen Frontalangriff gegen Homosexuelle“ machen kann, entzieht sich mir. Ja, der Bischof benutzt das Wort homosexuell im ganzen Schreiben eigentlich überhaupt nur einmal, und zwar, um zu erläutern, wie die Gendertheoretiker das sogenannte soziale Geschlecht eines Menschen definieren:
Dieses sei vom biologischen Geschlecht unabhängig und bedeute, daß jeder Mensch sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung frei wählen könne, ob er Mann oder Frau sein wolle, ob er hetero-, homo-, bi- oder transsexuell leben wolle.
Ich finde es bemerkenswert, daß eine zunehmende Tendenz bestehen zu scheint, Bischöfe allein schon deshalb zu kritisieren, weil sie die Lehre der Kirche zutreffend wiedergeben oder darlegen. Darüber hinaus halte ich die Feststellung Bischof Huonders, daß Gender totalitäre Züge trage, für treffend beobachtet. Fazit, wie so oft: Wer wissen will, was der Bischof nun eigentlich tatsächlich gesagt hat, lese es am besten selbst und verlasse sich nicht auf fragmentarisch Vorgetragenes, denn da ist man oftmals tatsächlich verlassen.

Aus dem Hirtenbrief, den zu lesen sich unbedingt lohnt, sei vor allem kurz die Aussage darüber zitiert, daß Gender, Bischof Huonders Worten zufolge, den göttlichen Sinn der Liebe zwischen Mann und Frau verdunkle. Schon der hl. Paulus bezieht das Mysterium der Ehe auf Christus und die Kirche. Desgleichen tut die Kirche seit Jahrhunderten, indem sie auch bestimmte Dienste in der Kirche als bezogen auf Christus und die Kirche ansieht und daher kraft göttlichen Rechts als an ein bestimmtes Geschlecht gebunden betrachtet.
Das Verhältnis Gottes zum Menschen, von Jesus Christus zur Kirche, wird in der Heiligen Schrift in der Sprache der ehelichen Liebe beschrieben. Gott liebt sein Volk wie der Bräutigam seine Braut. Jesus Christus ist seiner Braut, der Kirche, in treuer Liebe hingegeben bis zum Tod am Kreuz. Die Braut erwartet voll Sehnsucht ihren Bräutigam. In der lebendigen Beziehung zu Christus und der Kirche können die Rivalität, die Feindschaft und die Gewalt, welche die Beziehung von Mann und Frau belasten und entstellen, überwunden werden. Diese Sicht des Glaubens wird durch den Genderismus verdunkelt.
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[1] In der Tat bin ich erstmals auf ihn aufmerksam geworden, als er eine sehr schöne Predigt zu einer Jungfrauenweihe gehalten hat.

Montag, 9. Dezember 2013

Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen – zur Empfängnis Mariens

Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen (Jes. 35,1)

Zur Empfängnis Mariens anstelle der klassischen Mondsichelmadonna ein Bild der Gottesmutter mit Kind? Für mich ja: Weil das Fest der unbefleckten Empfängnis nicht ohne Jesus Christus zu denken ist, die Gottesmutter im Grunde nicht ohne ihren Sohn.

Das Fest der unbefleckten Empfängnis setzt die Kette jener wunderbaren Ereignisse in Gang, an deren Ende die Menschwerdung Gottes steht. Wenn man sich das als Zifferblatt einer Uhr vorstellt, so stünde die Begegnung Annas und Joachims am Goldenen Tor, aus der sich die Empfängnis Mariens ergab, wohl zur Viertelstunde, die Menschwerdung Gottes bei zwölf Uhr. Um sechs Uhr steht die Jungfrau zur Verkündigung gleichsam vor ihrer eigenen Vesperstunde und willigt mit dem Mir geschehe, wie du gesagt hast in das Geschehen ein, das zu unserer Erlösung führt.

Die Prophetie Jesajas, die eigentlich die Lesung des heutigen Tages gewesen wäre, vergleicht das Volk Israel vor dem Kommen des Erlösers, vor der Geburt derer, die seine Mutter werden sollte, mit dem trockenen Land der Wüste und das Land nach der Geburt Christi mit der Herrlichkeit des Karmels und der blühenden Ebene von Scharon. Deshalb ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria dem katholischen Herzen lieb und teuer.


Blüte auf dem Berge Karmel

Sonntag, 8. Dezember 2013

Zweiter Adventssonntag: die zwei Herolde des Erlösers


Zwei Herolde hatte der Sohn, in der Höhe und Tiefe. Der Stern des Lichtes jubelte von oben herab, und Johannes verkündete Jesum hienieden: zwei Herolde, einen irdischen und einen himmlischen. Der obere – der Stern – zeigte seine göttliche Natur an, und der untere seine menschliche. Ein großes Wunder ist, daß durch die zwei Herolde seine Gottheit und Menschheit verkündet ward. Wer also ihn nur als einen Irdischen ansah, den wies der Stern des Lichtes zurecht, daß er vom Himmel sei. Wer ihn aber bloß für ein geistig Wesen hielt, den belehrte Johannes, daß er auch Fleisch geworden. (Emphräm der Syrer, Ausgewählte Gesänge über die Geburt unseres Heilands)

Samstag, 7. Dezember 2013

Sacrosanctum Concilium und viele Fragen

Bei New Liturgical Movement ist anläßlich des 50. Jahrestages des Konzilsdokuments Sacrosanctum Concilium ein interessanter Beitrag erschienen: Is your liturgy like what Vatican II intended? Der Autor, Peter Kwasniewski, stellt anhand einer beispielhaften Auflistung von zwölf Punkten, die sich auf das Konzilsdokument stützen, die Frage, ob dies die Erfahrung sei, die man Woche für Woche im Gottesdienst mache?

In der Tat habe ich mich manchmal auch schon gefragt, was ist eigentlich aus vielen dieser schönen und hoffnungsvollen Ansätze geworden? Etwa der gemeinsamen Sonntagsvesper in unseren Pfarrkirchen?[1] Oder dem häufigen Gebrauch der lateinischen Sprache im Ordinarium, dessen Texte möglichst nicht durch irgendwelche Liedparaphrasen ersetzt werden sollen? Oder dem oftmaligen Singen des gregorianischen Chorals, der in den liturgischen Handlungen den ersten Platz einnehmen soll? (Ich muß gestehen, ich könnte wahrscheinlich kein deutsches Gloria auswendig sprechen, ohne ins Holpern zu geraten, wohl aber könnte ich es auswendig singen, deutsch oder lateinisch, wie man will. Wahrscheinlich macht sich da der Umstand bemerkbar, daß man sich vieles auf Dauer besser merken kann, wenn es auf eine Melodie gesungen wird. Oder aber es liegt daran, daß Singen geringfügig langsamer ist und meine Hirnwindungen daher etwas mehr Zeit haben, nach dem nächsten Satz zu suchen.)

Hierzukirch sind die Gläubigen eigentlich ganz gut vertraut mit lateinischen Ämtern, Gesängen und Akklamationen. Oder aber es ist dieselbe Sorte Gläubiger, die zum lateinischen Hochamt einmal im Monat und zu den Werktagsmessen kommt, was nicht unwahrscheinlich erscheint. Bei dem Pontifikalamt zum Vorhof der Völker dagegen, das mit zwei Kardinälen und einem Erzbischof dreisprachig gefeiert wurde – lateinisch, italienisch, deutsch, Lateinisch war aber letztlich das alle verbindende Element – habe ich nolens volens beobachtet, daß ca. 95 Prozent der Anwesenden alles und jedes auf Latein vom Zettel ablesen bzw. absingen mußten, auch das Sanctus. Da kann man sicherlich nicht davon ausgehen, daß Vorsorge getroffen wurde,
daß die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile des Meßordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können. (SC 54)
Was ist mit dem Ansatz, daß man in Bezug auf die Kirchenkunst mehr auf edle Schönheit bedacht sein soll als auf bloßen Aufwand? Oder dem Brauch, in den Kirchen den Gläubigen heilige Bilder zur Verehrung darzubieten, der nicht angetastet werden soll? In Bezug auf manche leergeräumte und frisch geweißelte Kirche oder einer, die von Anfang an so kahl ist, daß in ihr nicht einmal ein Kreuzweg hängen darf, kann man da schon fast von einem frommen Wunsch sprechen. Traurig.

Was ich mich noch frage, ist, wie es kommt, daß zunehmend vielen – beileibe nicht allen – gerade die Dinge, die Sacrosanctum Concilium aufführt: häufiger Gebrauch von gregorianischem Gesang und der lateinischen Sprache, Zelebrationsweise ad orientem, Unveränderlichkeit der Liturgie (das heißt, daß niemand, auch der Priester nicht, in der Liturgie nach eigenem Gusto etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern darf[2]) nicht bekannt sind oder viele dieser Dinge gar für verboten gehalten werden? Wenn es derart anrüchig erscheint, daß man für möglich hält, es sei mittlerweile verboten, wird es wohl kaum in der Praxis angewandt. Dabei wollte man seinerzeit eigentlich, daß gegenüber der Liturgie früher Jahrhunderte keine Neuerungen eingeführt würden,
es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen. (SC 23)
Man verstehe mich recht: ich will nicht sagen, daß früher alles besser war. Auch mag ich die Liturgie in der Landessprache. Nichtsdestoweniger können einem die lateinischen Hochgebetstexte so vertraut werden, daß sie einem genauso lieb und verständlich erscheinen. Es gibt auf beiden Seiten Extreme. Bei manchen habe ich den Eindruck, es wäre ihnen egal, wenn in der Messe oder dem Stundengebet aus dem Telefonbuch vorgesungen würde, Hauptsache es ist in Latein oder einer anderen ausgestorbenen Sprache, die man nicht versteht, weil das alles „sakraler“ oder überhaupt erst sakral mache. So ist es natürlich nicht.

Angesichts der Tatsache, daß viele Gläubige für den römischen Ritus in der ordentlichen Form, wenn er würdig und schön gefeiert wird, teils nicht unerhebliche Fahrtwege auf sich nehmen (und zwar gern, denn es ist es wert), kann man sich schon fragen, warum man sich statt einer verstärkten Konzentration darauf, was Sacrosanctum Concilium wirklich gewollt hat, um die Gewinnung oder Abholung immer neuer Gruppen dort, wo sie gerade stehen, bemüht, anstatt denen Heimstatt zu geben, die sich nach einer würdig gefeierten Liturgie sehnen? Zunehmend tauchen Dinge auf, die man nicht anders als liturgische Experimente bezeichnen kann, etwa „Frauenliturgien“. Dazu: was bitte ist eine Frauenliturgie? Bisher hab ich immer gedacht, es gibt „nur“ Liturgie – die Stimme der Braut, die zu ihrem Bräutigam spricht. Also nicht Liturgie für Griechen, Juden, Sklaven, Freie, Unbeschnittene oder Beschnittene, etc. Männer oder Frauen). Die Kirche ist übrigens weiblich, die Liturgie zumindest in unserer Sprache auch. Steht eigentlich demnächst zu erwarten, daß eine Männerliturgie angekündigt wird oder geht man bei solchen Wortfindungen davon aus, daß Liturgie per se Männerliturgie sei? Fragen über Fragen.


____
[1] Das wäre doch wunderbar bzw. mittlerweile gerade in Gemeinden, in denen nicht jeden Sonntag eine Meßfeier stattfinden kann, die beste und würdigste Form eines Wortgottesdienstes.

[2] SC legt an dieser Stelle besonderen Wert auf die Feststellung, daß dies auch der Priester nicht darf, indem es diese Aussage mit den Worten durchaus niemand verstärkt.

Freitag, 6. Dezember 2013

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Das feurige Ende eines sehr langen Lebens

4,5 Milliarden (!) Jahre ist er alt geworden und hat uns zuletzt durch seine schiere Schönheit erfreut. Am Ende ist er der Sonne wohl einfach etwas zu nahe gekommen. Mittlerweile hat sich auch die NASA dazu entschlossen, vom Kometen C/2012 S1 ISON – warum hieß der eigentlich nicht Nevski-Novichonok? – in der Vergangenheit zu sprechen: sie bestätigt, daß der Komet seine Reise um die Sonne nicht überlebt hat. Ich hatte mich zwischenzeitlich zum Trost schon aufs Essen von Lebkuchenkometen mit Zuckerstreuseln und Schokoladenrückseite verlegt.
Tough the exact time of ISON's death is uncertain it does appear to be no more. All that is left is a cloud of debris without a nucleus.
War’s das jetzt? Nein – Hubble will uns Bilder von den Überresten zeigen, die entweder winzig sein können oder aber im besten Fall der Koma des Kometen ähneln werden. Oben noch einmal das prächtige Bild des Kometen mit seinem über 90.000 Kilometer langen Schweif. Wie der Astronom Karl Battams in seiner Kometen-Eulogie bemerkte: This is how comet C/2012 S1 (ISON) wished to be remembered.

Mir bleibt auch die Erinnerung an die hochinteressante und spannende Liveübertragung vom Kometen-Perihel mit wehmütigen Momenten, für die, nebenbei bemerkt, wohl viele im Übertragungszentrum der NASA und auch die zugeschalteten Astronomen ihr Thanksgiving-Essen geopfert haben. Wohl noch niemals haben wir einen Kometen so gut und mit solchen Mitteln beobachten und uns darüber informieren können, darüber habe ich mich auch mit einem Kollegen in der Teeküche ausgetauscht: noch vor zehn oder fünfzehn Jahren wäre so etwas nicht möglich gewesen. Das war zwar, Kohelet zufolge, nichts Neues unter der Sonne  – was man getan hat, wird man wieder tun: die Sterne beobachten und ihre Schönheit bewundern – aber doch eine schöne Variante.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Barbaratag

Hll. Agnes, Barbara, Katharina und Dorothea. Die hl. Barbara
hat ihren Turm mit den drei Fenstern mitgebracht. Die Kronen
 der Jungfräulichkeit und die Märtyrerpalme stehen
für den zweifachen Sieg über die Welt und das Fleisch.

Specie tua et pulchritudine tua intende prospere procede et regna.

In deiner Lieblichkeit und Schönheit mache dich auf, schreite glücklich voran und herrsche (Versikel)


Die heilige Barbara kennen viele als Teil einer Dreier- („heilige Madln“) oder Vierergruppe (Virgines capitales) vertraut: heilige Jungfrauen der Kirche, die Gott sich durch ein Leben der gottgeweihten Jungfräulichkeit und schließlich durch das Martyrium ganz und gar an Christus banden. Andere dieser Namen wiederum sind uns aus dem ersten Hochgebet vertraut: Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia. Im neuen Kirchenjahr ist die hl. Barbara die erste dieses Gestirns am winterlichen Himmel der Kirche. Bald wird ihr die hl. Lucia folgen.

In seiner Lobrede auf die hl. Barbara schreibt der hl. Johannes von Damaskus über das Feuer des Glaubens, das alle Dunkelheit des Irrtums mit seinem Licht erleuchtet:
Wenn das Feuer einen großen und mächtigen Holzstoß erfaßt, schießt es rasch zu einer hohen Flamme empor und verzehrt ein Holzstück nach dem anderen; es kann auch die Helle seines Lichtes nicht in einer Ecke verbergen, sondern läßt sie auch für den Entferntesten aufstrahlen. So ist es auch mit jenem göttlichen Feuer.  Um es auf die Erde zu werfen, stieg der Herr über die Erde empor. Dieses Feuer dringt durch die Apostel und ihre Nachfolger in die Herzen der Menschen ein … Jene, die willig und belehrbar waren und aufgeschlossen für die Erneuerung, die auf Christus warteten, ihren Schöpfer und ihren Erlöser aus der Gefangenschaft, die bereitete und reinigte das Feuer des Geistes und machte sie zu göttlichen, lichtvollen und strahlenden Menschen.

Auch Barbara empfing das helle Licht des Glaubens, stellte der Finsternis das Licht gegenüber und erkannte, wie groß, wie sehr die Kenntnis Gottes den Irrtum und die Dunkelheit der Götzen überragte. Wie ein guter und fruchtbarer Ackerboden nahm sie den himmlischen Samen auf und brachte dreißigfache, sechzigfache und hundertfache Frucht.
Nicht vergessen: Barbarazweige schneiden. Obwohl ich in den vergangenen Jahren mit den Zweigen nach dem Schneiden kaum etwas von dem gemacht habe, was man machen soll, damit sie etwas werden, sind sie doch immer aufgegangen.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Lobpreis des Tages


Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes. Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen (Ps. 104, 20,24)

Montag, 2. Dezember 2013

Du schenkst das Wollen und das Vollbringen… – Advent


Mit einer gewissen Faszination hab ich in den vergangenen Tagen festgestellt, daß der Advent als eigenständige Zeit aus der Wahrnehmung der „Welt“ verschwunden scheint. Stattdessen gibts um den Martinstag herum erste Dekorationsansätze und zum ersten Advent dann gleich „das volle Programm“. Auch triviales, das noch vor einigen Jahren mit Weihnachten verbunden war, wie etwa bestimmte Fernsehfilme – zu denen aus mir unbegreiflichen Gründen Märchenfilme, besonders aber Drei Nüsse für Aschenbrödel gehören, aber auch sämtliche Variationen von Dickens' Christmas carol – werden zum ersten Advent vorverlagert. Über den Plüschweihnachtsmann bei Karstadt hab ich mich belustigt, weil er genauso groß ist wie ich, und im Kaufland festgestellt, daß die von mir bevorzugte Sorte bunter Lebkuchen mit Schokoladenrückseite in diesem Jahr bereits anderthalb Wochen vor dem ersten Advent ausverkauft war. Überhaupt hab ich das Gefühl, mit diesem Zeugs wird es irgendwann so kommen wie mit Schuhen: Winterstiefel muß man scheints im August kaufen, im November ist es viel zu spät. Warum sollte das mit Dominosteinen und Lebkuchen eigentlich noch anders sein?

Die Frage, die sich mir bei alledem stellt, ist: wenn man am ersten Advent (sehet, die erste Kerze brennt), so loslegt, was bleibt einem dann eigentlich noch als Steigerung, wenn es am 25. Dezember wirklich Weihnachten ist? Den Zelebranten gestern trieben offenbar ganz ähnliche Gedanken um, denn er erwähnte sein Befremden über die Ankündigung einer Fernsehsendung „Das Adventsfest der hunderttausend Lichter“ (oder so). Nochmals: am Kranz brennt eine Kerze. Selbst auf Weihnachten bezogen hielte ich „hunderttausend Lichter“ übrigens für falsch: Weihnachten ist nicht das Fest, an dem wir 100.000 Lichter feiern, sondern das eine Licht, das Gottes Sohn ist, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht.

Das oben beschriebene Faszinosum ist eher kultureller Natur, ich halte es für sinnlos, sich darüber aufzuregen. Wohl ist mir zwischendurch durch den Sinn gegangen, daß auch die Kirche selbst weiland einen Teil zur Entwertung der Adventszeit beigetragen haben mag, indem sie die Adventszeit zwar nicht der violetten Paramente entkleidete, aber ihres Charakters als Fastenzeit. (Daß es im Advent kein Gloria gibt, überrascht mich dagegen jedes Jahr irgendwie aufs Neue, aber Gottseidank immer während des Eingangslieds, also noch rechtzeitig vor dem Tagesgebet.) Mittlerweile bestehen die Vermeldungen häufig aus der Ankündigung von gemütlichen Zusammenkünften „mit Glühwein und Kuchen“ und geistlicher Umrandung. Wo die Kirche ihre eigene Traditionen nicht mehr so ernst zu nehmen scheint, oder selbst künstlich kleinhält, indem sie so wenig wie möglich davon hermacht, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Welt das gleiche tut. Nichtsdestotrotz: Angelus Silesius' Wort wäre Christus tausendmal geboren und nicht in mir… läßt sich auch auf diese Situation anwenden: wäre tausendmal Advent und nicht in mir…

Die Liturgie der Adventszeit ist ungeheuer reich, gleich einem eigenen Adventskalender hat sie für jeden Tag etwas Neues hinter dem Türchen. Es liegt vor allem an uns, nicht an der Welt, was wir aus der Adventszeit machen. Die Adventszeit beginnt mit einem der schönsten Tagesgebete im Missale überhaupt:
Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen…
Du schenkst das Wollen und das Vollbringen – ich finde diesen Gedanken wunderschön. Beides, auch, daß uns das Wollen überhaupt geschenkt wird, ist letztlich göttliche Gnade und Grund zur Dankbarkeit. Auch die schöne Antiphon faßte diesen Gedanken zusammen: Freut euch, allezeit, wir ziehn dem Herrn entgegen.
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