Donnerstag, 31. Oktober 2013

Stilleben des Tages

Wer jetzt keinen Kürbis hat, pflanzt sich keinen mehr…

Steilvorlage

Dem konnte ich dann doch nicht widerstehen, zumal ich dann doch noch den obligatorischen Kürbis auf dem Blog habe. Das ist die ungefähre Antwort auf die gestrige Frage des rbb an Passanten, was feiern wir denn morgen?[1] Ergebnis: armer Luther!

Ich möchte allerdings nicht wissen, wie die Antwort auf die Frage, was feiern wir denn am 1. und 2. November, ausgefallen wäre. Allerdings, die Medien, denen es in solchen Kurzfilmchen mühelos gelingt, Menschen vorzuführen (wenn etwa jemand, auf der richtigen Fährte immerhin, die zehn Gebote mit den 95 Thesen verwechselt), sind daran nicht ganz unschuldig. Wie mir dieses Jahr besonders aufgefallen ist, bewegt sich das Fernsehprogramm um diese Zeit des Jahres zwischen den Schwerpunkten Halloween – vor dem es bereits eine Woche vorher gruselig herumwabert – und der Reichspogromnacht am 9. November. Äh, da war doch noch was dazwischen? Allerseelen und vor allem Allerheiligen, wer braucht sowas? Als wäre nicht Allerheiligen eines der großen und schönsten Feste des ganzen Kirchenjahres und als gäbe es nicht auch Filme über das Leben der Heiligen, die man zu einem solchen Anlaß durchaus auch ausstrahlen könnte. Wie wärs denn mal mit einem Thementag zu Allerheiligen, nicht zum All hallows even?

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[1] In Brandenburg ist da nämlich Feiertag. Hier ungerechterweise nicht. Die Berliner haben gar nichts.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Unerträglich

Mein Leben in deiner Hand:
Embryo im Alter von zwölf Wochen
Wenn ein Marcel Reich-Ranicki auf der Verleihung des Fernsehpreises einen Eklat verursachte, weil er den Ausrichtern auf gut deutsch zu verstehen gab, ich nehme euren blödsinnigen Preis nicht an, dann hatte das ein gewisses Format, wenn man natürlich auch erstmal Bauklötze staunt. Es hat was. Auf Auszeichnungen, die man nicht will, kann man verzichten und besser sagt man es spät als nie. (Am Ende nahm er ihn dann übrigens doch, weshalb man von den Formatpunkten wieder etwas abziehen muß.)

Einen Preis, in diesem Falle den Medienpreis der katholischen Kirche, aus den Händen eines Bischofs aber erst dankend anzunehmen, wie Lara Katharina Fritzsche es getan hat und dann herzugehen, und mit einem Schlag ins Gesicht der Preisverleiherin das Preisgeld von 5000 Euronen jener Organisation zu spenden, die sich für ein „Recht auf Abtreibung“ einsetzt, die darauf dringt, Lebensschützer auf offener Straße zu drangsalieren, zu beschimpfen und die von ihnen getragenen Kreuze zu schänden, das ist wohl kaum ehrenhaft zu nennen.

Als Frau ärgere sie sich einfach zu oft über die Kirche. Nun, in diesem Falle habe ich mich als Frau auch über die Kirche geärgert, allerdings aus einem ganz anderen Grunde.

Übrigens: die eigene Freiheit (auch die zur „sexuellen Selbstbestimmung“) stößt regelmäßig dort an ihre Grenzen, wo die Rechte anderer gewahrt werden müssen. In diesem Falle die auf das Leben eines ungeborenen Kindes, man kann aber genausogut an die Rechte solcher denken, die nicht für sich selbst entscheiden können. Mit sexueller Selbstbestimmung kann man nämlich nicht alles rechtfertigen, und deshalb kann sie auch kein „Menschenrecht“ sein oder werden. „Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung“ (man achte auf die vielen uneigennützigen „meins“!) − was ist eigentlich mit: dein Körper, unsere Verantwortung, der Entscheidung des Lebens selbst?

Ich finde es schlimm genug, daß so wenige unserer Bischöfe die Lebensschützer dadurch unterstützen, daß sie nicht nur Grußworte schicken, sondern auch selbst mitgehen, Flagge zeigen und so die Teilnehmer bestärken. Die Frage, warum ein katholischer Medienpreis wohl ausgerechnet vornehmlich an Leute verliehen wird, die sich nicht gerade durch ein sentire cum ecclesia auszeichnen, stelle ich mir schon gar nicht mehr. Aber daß nun Geld der Kirche auf diesem Wege an das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fließt, dessen Wertvorstellungen erklärtermaßen denen der Kirche über das Leben diametral gegenüberstehen, finde ich wirklich unerträglich.

Montag, 28. Oktober 2013

Katholische Bücher: Black Robe

Als ich seinerzeit zum ersten Black Robe sah (ich muß mir den Film[1] mindestens viermal im Kino angesehen haben, allein um seiner großartigen Bilder und Musik willen), hatte ich wenig Ahnung vom Schicksal der jesuitischen Märtyrer. In der Tat kann man davon ausgehen, daß es sich bei dem Priester, dessen Ministrant P. Laforgue einmal war, um P. Isaak Jogues gehandelt haben muß, einen Priester, der, von Entbehrungen, Gefangenschaft und Folter gezeichnet, zwischenzeitlich nach Frankreich heimgekehrt war und trotzdem danach dürstete, sein Werk fortführen zu dürfen. P. Jogues hatte um seines Schicksals willen eigens eine Dispens des Papstes erhalten, trotz seiner verstümmelten Hände die Heilige Messe feiern zu dürfen. Später ging er in die Mission nach Nordamerika zurück und erlitt dort im Oktober 1664 das Martyrium.

Die Begegnung mit diesem Priester bewegt den jungen Paul Laforgue dazu, sein Leben wie jener der Mission unter den Huronen zu weihen. Die Kirche Sainte Marie among the Hurons (Unsere Liebe Frau unter den Huronen) kündet bis heute namentlich davon. Von Anfang an wird deutlich, daß der junge Priester die für einen Europäer großen Entbehrungen in der kanadischen Wildnis nur um der Liebe zu den Seelen auf sich nimmt (extra ecclesiam nulla salus), nichts anderes erfüllt ihn.

Die Jesuiten, die um ihrer Soutanen willen „Black robes“ genannt werden, gehörten zu den ersten Missionaren Kanadas, nur die Franziskaner waren noch früher da. Vom Schicksal der Jesuiten wissen wir vor allem aus den Berichten, die sie in die Heimat sandten, etwa dem Bericht über die während des Jahres 1635 bei den Huronen vorgefallenen Ereignisse, nach Québec gesandt an P. Le Jeune von P. Brébeuf.

Von Anfang an ist auch die Katechese für den P. Laforgue alles andere als einfach. Auch fragt man sich, warum die Jesuiten einen jungen Priester so allein aussenden, ohne die Stütze, die eine Gemeinschaft oder doch wenigstens ein Mitbruder bieten mag. Den Indianern ist das Konzept des Lesens und Schreibens unbekannt, das Wort für Buch gibt es in ihrer Sprache nicht. Sie verstehen auch nicht den Sinn eines Himmelreiches, eines Jenseits, in dem man nicht zusammen sitzt und Tabak raucht und man auch keine Frauen braucht, weil die Gegenwart Gottes genug Freude ist. In ihrem Jenseits jagen die Geister der Toten die Geister der Tiere. Ein Traum ist wirklicher als der Tod oder die Schlacht. Die Wälder sprechen und die Toten reden bei Nacht. Die Indianer folgen ihren Träumen und Visionen, die sie für wirklicher halten als die Welt, die sie umgibt und in einem Moment, der dem Zuschauer so erscheint, als sei er jetzt vollends irre geworden, kommt P. Laforgue soweit, zu fragen, ob sie damit nicht vielleicht recht haben könnten. „Welche Antwort können wir Menschen geben, die ihre Träume für die Wirklichkeit halten und all dies [die gewaltige Natur, die „wirkliche Welt“] für eine Illusion?“

Als er schließlich in der Huronenmission ankommt, findet er den einen Mitbruder erschlagen vor, der andere stirbt in der Nacht nach seiner Ankunft. Obwohl er sich vor diesem Land fürchtet, weil er denkt, der Teufel regiere es und herrsche über die Herzen und den Geist der Menschen, kommt er in einem Akt, den man nur als göttliche Gnade auffassen kann, dazu, sie zu lieben, um ihrer selbst willen. Einige Fragen werden ihn wahrscheinlich nie mehr loslassen, wie etwa die, warum Chomina, ein Mann den er wegen seiner ausgezeichneten Qualitäten schätzen und respektieren gelernt hat, sich „in der äußersten Finsternis“ befinde, während P. Jerome (vermutlich Fernand Jérôme, † 1635), der gerade im Schlaf verschiedene Mitbruder, dem offenbar sowohl jedes Verständnis für die Eingeborenen als auch für Katechese abging, bei Gott im Himmel sei.


Eine Schlüsselfrage in dieser Geschichte, die nicht richtet und nicht wertet, stellt der junge Daniel: „Pater, was geschieht mit diesen Menschen, wenn wir sie ändern?“ Daniel erscheinen die Algonquin in gewisser Weise als bessere Christen als die Siedler in Kanada, weil sie alles miteinander teilen, ohne Fragen zu stellen, füreinander leben und Dinge vergeben, „die wir nie vergeben würden“. Daß man die Frage, was geschieht mit diesen Menschen, wenn wir sie ändern, durchaus mit Blick auf die ganze Lebensweise der Europäer stellen kann, das heißt, nicht nur bezogen auf die Annahme des christlichen Glaubens, geht auch aus den Niederschriften Mary Jemisons etwa 100 Jahre später hervor, dennoch bleibt die Frage berechtigt.[2] Im Abspann erfährt der Zuschauer:

Fiveteen years later, the Hurons, having accepted Christianity, were routed and killed by their enemies, the Iroquois. The Jesuit mission to the Hurons was abandonded and the Jesuits returned to Quebec. 






als Priester noch Schaufelhüte trugen…


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[1] 1991, nach dem gleichnamigen Roman des Iren Brian Moore

[2] Jemison führt das Schicksal, das sie und ihre Familie getroffen hat, letztendlich auf den Krieg zurück, „der ein Volk gegen das andere aufstehen läßt, die Franzosen gegen die Engländer und sogar die armen Indianer gegeneinander.“

Samstag, 26. Oktober 2013

Bei den Bienen zuhaus

Auch Bienen genießen die Oktobersonne
Bei Temperaturen um die 20 Grad schwärmen die Bienen noch aus. Am Rande dieser kleinen Lichtung stehen ziemliche Bienenstöcke. Drollig irgendwie, das halbe Jahr versucht man sie in einer Blüte sitzend zu erwischen, bevor sie wieder geschäftig davonbromseln, und dann ist es am einfachsten, wenn man sie zu Hause antrifft. Wenn man auf entsprechende Warnsignale der Tiere reagiert, ist das meiner Meinung nach nicht im mindesten gefährlich (bei den Stichen, die ich als Kind beim Spielen abbekommen habe, schwoll mir die Hand jedesmal, bis sie aussah wie ein Base­ball­hand­schuh), jedenfalls hab ich so auch schon Hornissennester beobachtet.




Die Biene im Vordergrund ließ sich im nächsten Moment
auf meinem Haar nieder und erkundete, wie es dort so aussieht

Bienenvanitas

Dienstag, 22. Oktober 2013

Runter gehts immer − Google Doodle zum Geburtstag des ersten Fallschirmsprungs

Mal wieder was für mich ist Googles heutiges Doodle, das an die 216. Wiederkehr des ersten Fallschirmabsprungs André-Jacques Garnerins erinnert. Wiewohl Leonardo da Vinci schon 1485 einen Fallschirm konstruierte, so ist er doch niemals damit gesprungen (sehr viel später hat man herausgefunden, daß es möglich gewesen wäre).

Garnerin sprang, wie vor nicht allzulanger Zeit Baumgartner, aus großer Höhe von einem Heißluftballon ab, was auch für ihn kein reines Vergnügen war, weil sein Schirm aufgrund der Konstruktion so stark hin- und herschwang, daß er reisekrank wurde.

Den kleinen Fallschirmspringer im Retrodesign der Computerspiele früher Jahre kann man mit den Pfeiltasten steuern, bis jetzt habe ich noch nicht zweimal denselben Sprung „gemacht“, sondern bin in den unterschiedlichsten Gegenden herausgekommen, von Burg Hohenzollern über Kakteenwüsten bis hin zu den Pinguinen im Süden und den Walen im Norden (nett ist auch der neugierige Elefant irgendwo dort, wo in diesem Fantasialand offenbar Indien liegt). Faszinierenderweise kommt der Kleine aber immer heil unten an und schwenkt seinen Zylinderhut, mit dem Garnerin damals stilvollerweise offenbar wirklich aufgestiegen ist.

Nungazing mal am Dienstag


Unbeschuhte Karmelitinnen im argentinischen Nogoyá. Der dortige Karmel vom kostbaren Blut unserer lieben Frau vom Berge Karmel wurde in den neunziger Jahren gegründet. Interessant ist beim karmelitanischen Habit die unterschiedliche Gestaltung verschiedener Details, hier etwa  die unter dem Skapulier herausschauende breite Hülle und der Schleier, der hinten ins Skapulier gesteckt wird. Solche  Einzelheiten gehen immer auch auf die Tradition zurück, aus der ein Karmel einmal gegründet wurde, also woher die ursprünglichen Gründerinnen einmal ins Land gekommen sind. Bei diesen hier kamen die „Urahninnen“ wahrscheinlich mal aus Spanien.

Sonntag, 20. Oktober 2013

29. Sonntag im Jahreskreis: Schreien, nicht schweigen


Das Kirchenjahr geht dem Ende entgegen (wir haben den 29. von 33 Sonntagen im Jahreskreis), die Lesungen werden endzeitlich.

Vor einiger Zeit habe ich einem Freund, der sich in schwieriger Lage befindet, in dem Gedanken bestärkt, seine Schwierigkeiten, sein Hadern immer wieder vor Gott zu bringen, Gott in seinem Beten durchaus auch lästig zu fallen. Ich hatte dabei an den Psalmisten im Ohr:
Ich bin gefangen und kann nicht heraus. Mein Auge wird trübe vor Elend. Jeden Tag, Herr, ruf ich zu dir; ich strecke nach dir meine Hände aus. Wirst du an den Toten Wunder tun, werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? Erzählt man im Grab von deiner Huld, von deiner Treue im Totenreich? Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt, deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? Herr, darum schreie ich zu dir, früh am Morgen tritt mein Gebet vor dich hin. 
Der Psalmist hat keine Scheu, Gott daran zu erinnern, daß es irgendwann zu spät sein könnte: Wirst du an den Toten Wunder tun? Möglichst also sollte Gott sich nicht Zeit lassen, bis der Betende im Grab, im Totenreich in der Finsternis und im Land des Vergessens angekommen sein wird.

Solche Beispiele, daß man zu Gott auch schreien kann, sich dessen offenbar nicht zu scheuen braucht, gibt es noch mehr in der Schrift. Beim Propheten Jesaja heißt es:
Auf deine Mauern, Jerusalem, stellte ich Wächter. Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen. Ihr, die ihr den Herrn an Zion erinnern sollt, gönnt euch keine Ruhe! Laßt auch ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufbaut, bis er es auf der ganzen Erde berühmt macht.
Wächter stellt man sich eigentlich stumm und still vor, diese aber dürfen nicht schweigen. In einem Atemzug ist die Rede davon, daß die Wächter sich selbst keine Ruhe gönnen, aber auch Gott keine Ruhe lassen sollen. – Da gibt es die Kanaaniterin, die sich um ihrer Tochter willen von Jesus nicht abweisen läßt und deretwegen ihm die Jünger dann drängen, etwas zu unternehmen, denn sie schreit hinter uns her. Oder eben das Gleichnis, das wir heute im Tagesevangelium gehört haben, mit der Witwe, die immer wieder dieselbe Bitte vorträgt: verschaffe mir Recht! Aus diesem Grund nennt man das Gleichnis nicht nur das vom ungerechten Richter, sondern auch das von der lästigen Witwe. Lästig sein will eigentlich keiner, schüchternen Menschen ist der Gedanke daran schon eine Qual. Manchmal muß es halt doch sein, wenn man etwas unbedingt erreichen will. Die Essenz des Tagesevangeliums ist: bei Gott soll man es sogar sein. Tag und Nacht, wenn es sein muß. Die Witwe erhält schließlich ihr Recht, nicht weil der Richter es als Recht oder auch nur richtig erkannt hätte, sondern einfach um ihrer Beharrlichkeit willen und weil der Richter sich anscheinend kaum noch vor die Tür traut, womöglich steht die Witwe schon wieder da und schreit oder wird sogar handgreiflich.

Christus selbst stellt uns hier die Frage: Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Darum geht es in unserem Gebetsleben oder sollte es gehen: Wenn es nötig ist, Tag und Nacht zu Gott zu schreien, denn nur im Anschweigen Gottes erstirbt die Liebe. Der zu dem wir schreien, hält das aus.

Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden? – Manchmal frage ich mich das auch. Das Schreien jedenfalls wird er vorfinden, wir werden weiter zu Gott schreien, verschaffe uns Recht!

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Der Bär

Neulich habe ich zum ersten Mal Der Bär gesehen. Der Film stammt von dem Franzosen Jean-Jacques Annaud und kommt fast menschliche Dia- oder Monologe aus. Die Verfilmung eines Romans von 1916 spielt in British Columbia, tatsächlich ist uns aber die Landschaft, die wir im Film sehen, nicht so fern, aufgenommen wurde nämlich in den Dolomiten.

Ein nach dem Tod seiner Mutter (durch einen herabstürzenden Felsen) verwaistes Grizzlybärchen schließt sich einem älteren Kodiakbärenmännchen an und wird von diesem in das Leben und Überleben der Bären eingeführt. Besonders berührt haben mich zwei Szenen: wie das von den Jägern eingefangene Bärchen eine Nacht selig auf einem Pelz schläft – dem Fell seiner abgehäuteten Muter, das ihm offenbar selbst in dieser Form, wahrscheinlich durch den Geruch, noch eine Form von Geborgenheit zu spenden vermag. Und, wie einer der Jäger auf Bärenhatz, von dem verfolgten Kodiakbären schließlich angegriffen, um Gnade bittet – und dieser von ihm abläßt, trotz deutlicher Drohgebärde: wenn du mich jetzt nicht in Ruhe läßt, dann aber! Der Bär hat, wenn man so will, mehr Menschlichkeit bewiesen als der Jäger, er beschämt ihn, der umgekehrt bisher nicht dazu imstande war, eine Kreatur, die einfach nur in ihrem angestammten Lebensraum leben will, zu verschonen. Es mag sein, daß der Jäger danach nie wieder auf Bärenhatz gegangen ist. Güte oder auch Mitleid hat der Bär zuvor übrigens schon dadurch gezeigt, daß er sich des kleinen Bären angenommen hat, anstatt ihn einfach zu schlagen, ein unter Bären durchaus übliches Verhalten. Der Bär ist, wenn man so will, ein besserer Mensch als mancher von uns und ermutigt uns daher zur Tugend des Erbarmens.

Eben durch die fehlende Kommentierung und die daher hörbaren Laute der Bären und der umgebenden Natur, indem Annaud die Geschichte aus der Sicht der Bären erzählt, von ihren Träumen, Gefühlen und sogar ihren Halluzinationen (nach dem Versuch, ob Fliegenpilze schmecken) berichtet, ermöglicht Der Bär einen Einblick in deren Lebenswelt und vielleicht einen Wandel im Verhältnis zu diesen wunderbaren und eindrucksvollen Tieren.




Fliegenpilze haben Nebenwirkungen…

Ende gut, alles gut… – Winterschlaf

Dienstag, 15. Oktober 2013

Herbst!

Du hast mein Herz verwundet – die Verzückung der hl. Teresa von Jesus (von Avila)


Der hl. Johannes vom Kreuz, der Seelengefährte der großen hl. Teresa, hat in seiner Lebendigen Liebesflamme über die Anschauung und den Gottes geschrieben, die, wie schon Mose zum Ausdruck brachte, ein verzehrendes Feuer ist.

Der hl. Johannes nennt dieses Glühen des Geistes Gottes auch ein Liebesfeuer, das jedoch jede Seele so aufnehme, wie sie dafür geschaffen sei, die eine mehr und die andere weniger. Gleichzeitig bezeichnet der Heilige es als ein Wunder, daß dieses Feuer die Seele trotz seiner gewaltigen Kraft nicht aufzehre und zugrunde richte, sondern sie im Maß der Stärke der Liebe zunehmend vergöttliche und beselige. Zuweilen, wenn auch nur bei wenigen Menschen, komme es vor, daß die Seele durch diese Berührung mit dem Feuer der Liebe Gottes wie von einem Pfeil durchbohrt werde, aufflackere und plötzlich heftig emporschieße wie eine lodernde Flamme. Sein hymnischer Ausruf, o beglückende Wunde, hat mich an das O felix culpa der Osternacht erinnert: O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!
O beglückende Wunde, von einem geschlagen, der nichts weiter vermag als nur zu heilen! O glückbringende und höchst beglückende Wunde, wurdest du doch nur zur Wonne geschlagen, und die Art deines Schmerzes ist Wonne und Beseligung für die verwundete Menschenseele! Großartig bist du, o beseligende Wunde, denn groß ist, der dich schlug; und groß ist deine Wonnewirkung, denn unermeßlich ist das Liebesfeuer, das dich nach seiner Fassungskraft und Macht mit Wonne erfüllt. O wonnetrunkene Wunde also, und um so erhabener mit Wonne erfüllend, je mehr das Brenneisen die unermeßliche Mitte des Seelenkerns anrührte, dabei alles aufzehrend, was es aufzuzehren vermochte, um alles mit Wonne zu erfüllen, was man nur mit Wonne erfüllen kann!

Montag, 14. Oktober 2013

Es war einmal… Beauty and the beast (drei Variationen)

Alte Schwarz-Weiß-Filme anschauen macht Freude. Zum 50. Todestag Jean Cocteaus zeigt Arte Die Schöne und die Bestie. Ich glaube, das ist meine liebste, weil geheimnisvollste, Verfilmung dieses Märchens. Weniger, weil die Darsteller so begnadet spielten (in der Tat erinnert mich die Darstellung der Bella teils eher an die Stummfilmzeit). Bei diesem Film ist es die Ausgestaltung: die Animation des verzauberten Gartens und Hauses, in dem das Biest wohnt, in edlem Schwarz-Weiß mit seinem Spiel von Licht und Schatten, zu einer Zeit, als die Spezialeffekte und Aufbauten noch nicht sämtlich aus dem Computer kamen (was zuweilen wirklich etwas öde ist).

Neben dem Zauberspiegel und dem Handschuh (beides Motive, die, wenn ich mich recht erinnere, auch in Cocteaus Orpheus vorkommen) immer wieder gern gesehen: die „Armleuchter“ im Schloß und die Statuen, Karyatiden und ähnliches, die ihre Köpfe und Augen bewegen oder sogar mit Pfeilen schießen… Die Kostüme mögen etwas zuviel Bling haben, irgendwie gehört das aber zur Atmosphäre des Märchens. So ein Krönchen wie Bella hätte wahrscheinlich jede gern einmal als kleines Mädchen aufgesetzt. Gleichzeitig erinnern die Kostüme eigenartigerweise an Vermeers Bilder und Zeit. Der Film versetzt den Betrachter gleichsam in seine Kinderzeit und ist doch eigentlich ein Film für Erwachsene.





Diana, die Göttin der Jagd, bringt einen Menschen zur
Strecke, der sich letztlich tierischer verhält als das Biest
Disney hat dieses Bild eines „beseelten“ Hauses
auf seine eigene Weise aufgegriffen, witzigerweise aber
vom Stil her recht ähnlich


Ein Film, der meines Erachtens oft gar nicht als Umsetzung von Die Schöne und das Biest erkannt wird, ist The Trap von 1966; dabei heißt der Fallensteller sogar genauso: Jean la Bête. Dort ist zwar nicht das Haus märchenhaft und verzaubert, aber die umgebende, gewaltige Natur British Columbias.




Samstag, 12. Oktober 2013

Bauwerke und Bausteine

Eigentlich wollte ich überhaupt nichts zur Sache mit dem Bistum von Limburg schreiben, weil ich sie einfach nur bedrückend finde. Die Sache an sich, und vor allem. wie unbarmherzig da miteinander umgegangen wird. Fast stündlich liest man neue Meldungen, Spekulationen und Glaskugeleien, jeder Wimpernschlag wird scheints medial erfaßt, jede Reiseroute umgehend weitergereicht, und man fragt sich, wie kann das nach solchen Verwundungen überhaupt noch weitergehen?

Indes, das Bauwerk: Als es zwischendurch einmal hieß, 10 Millionen, dachte ich mir, also, muß das wirklich sein? Bei mehr als 30 Millionen verdreifache ich die Anzahl der Fragezeichen. Einige haben zwischendurch angemerkt, in dem Neubau bewohne der Bischof nur eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Andere weisen darauf hin, das Geld komme aus dem Vermögen der Diözese, nicht etwa aus Kirchensteuermitteln. Vom architektonischen Standpunkt aus wird der Bau mittlerweile als „geradezu bescheiden“ und nachhaltig gebaut gelobt. Mit Verlaub, alles das verfehlt den eigentlichen Punkt. Der eigentliche Punkt ist, wie kann es sein, daß wir als Kirche überhaupt 30 Millionen haben, um sie sodann in einem solchen Bau anzulegen?

Mit der Zweieinhalbzimmer-Wohnung macht man meiner unmaßgeblichen Meinung nach argumentativ keinen Stich, mich erinnert das eher an manch unglückselige Umsetzung des evangelischen Rates der Armut, die man zuweilen einmal antrifft, bei der Dinge im Besitz des einzelnen, die man nüchtern betrachtet nur als Luxus bezeichnen kann, rechtfertigt werden mit dem Argument, schließlich gehörten sie der Gemeinschaft als Ganzes. Letztlich eine Karikatur des evangelischen Rates und dem, was er beabsichtigt: Christus ähnlich zu werden.

Und deshalb helfen mir auch alle Vergleiche mit weltlichen Bauvorhaben, die dann doch weit mehr gekostet haben als sie eigentlich sollten oder von mir aus auch mit dem Neuschwanstein vom zweiten Ludwig sämtlich wenig, weil es eben weltliche Bauten sind, Bahnhöfe, Flugplätze oder Märchenschlösser.

Wir dagegen folgen einem nach, dessen Vorläufer uns geboten hat, nicht mal ein zweites Gewand oder einen zweiten Mantel mitzunehmen, wenn wir in die engere Nachfolge Christi eintreten, sondern sie denen zu geben, die gar nichts haben. Von uns, der Braut Christi, heißt es, daß Christus die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen will, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Daß die Kirche auf Erden oft genug hinter diesem Anspruch zurückbleibt, zurückbleiben muß, weil sie eben doch Flecken, Falten oder andere Fehler hat, ist zutiefst menschlich, da braucht man nur jeweils auf sein eigenes Leben zu schauen, sind wir doch Bausteine und Glieder der Kirche. Aber nach allen Kräften bemühen müssen wir uns.

Freitag, 11. Oktober 2013

Die lauretanische Litanei im Gotteslob

En passant wurde ich darauf aufmerksam, daß im neuen Gotteslob der Text der lauretanischen Litanei verändert wurde. Neben der Änderung einiger Anrufungen fehlt anscheinend in den anhängenden Gebeten das Bitte für uns, heilige Gottesmutter! mit der Antwort Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Die lauretanische Litanei, über deren genauen Ursprung wir wenig wissen, wurde im Jahre 1587 approbiert, als einzige der marianischen Litaneien, deshalb wird sie auch Litanei von der allerseligsten Jungfrau Maria genannt. Möglicherweise geht sie bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurück und verbindet uns vom Charakter ihrer Anrufungen  her mit der Ostkirche.

Nun sind textliche Änderungen im Laufe der Jahrhunderte an sich nichts Neues. Neue Anrufungen wurden im Laufe der Zeit hinzugefügt, etwa Mater admirabilis oder Auxilium christianorum und Regina pacis. Nach der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel wurde der Litanei 1950 die Anrufung Regina in caelum assumpta (Königin, in den Himmel aufgenommen) hinzugefügt. Solche Veränderungen erfolgten aber seit der Approbation der Litanei für die Liturgie durch Päpste, zuletzt durch den sel. Johannes Paul II.

Bei Veränderungen des Ausdrucks fragt man sich gerade bei Litaneien mit ihrem ausgesprochen hymnischen Charakter indes manchmal, (warum) muß das eigentlich sein? So wurde etwa das lateinische Virgo veneranda, das früher mit du ehrwürdige Jungfrau übertragen wurde, im Gotteslob in Jungfrau, von den Völkern gepriesen verändert. Virgo prudens, du kluge Jungfrau, eine Reminiszenz an das Gleichnis in Mt 25 – in späteren Fassungen sogar als Steigerung gebraucht, Virgo prudentissima, klügste der Jungfrauen – wird nun zu weise Jungfrau. Nicht verkehrt, da man die Gottesmutter auch als Sitz der Weisheit verehrt, der Bezug zu den Tugenden (Prudentia, die Klugheit) und den klugen Jungfrauen und ihren Lampen ist hingegen verlorengegangen. Virgo fidelis, die getreue Jungfrau, fällt in dieser Fassung der Litanei zudem ganz weg. Warum?

In diesem Falle hab ich mich mehrfach gewundert, denn an sich stellt der Heilige Stuhl neben der lateinischen auch eine deutsche Fassung der lauretanischen Litanei zur Verfügung. Was mag wohl also der Anlaß sein, nun an Rädern herumzuschmirgeln, die bereits fahren?

Leicht eigenartig berührt mich das Weglassen des Wechselgebets, falls das nicht einfach auf ein schlichtes Versehen zurückzuführen ist. Zunächst scheint es nicht weiter tragisch: wann immer der Priester oder der Vorbeter das Bitte für uns heilige Gottesmutter! betet, respondieren die Gläubigen entsprechend. Nun soll das Gotteslob aber nicht nur Gesang- sondern auch Gebetbuch für den einzelnen und vor allem für den Gebrauch in der Familie sein. Wer also in Zukunft die lauretanische Litanei lernt, lernt sie wohl so wie sie im Gotteslob steht, und ohne das alterwürdige Bitte für uns, heilige Gottesmutter, das seit Jahrhunderten Bestandteil der Litanei und damit der Liturgie war. Andere belegen den Wortlaut der Litanei aus dem Gotteslob, weshalb sich bereits jetzt, Monate vor der Einführung des neuen Gesangbuches, jemand bemüßigt fühlte, den entsprechenden Wiki-Artikel zu ändern. Die Neuauflage unseres Gotteslobes hat also hier Fakten geschaffen. Warum eigentlich?

Dienstag, 8. Oktober 2013

Scenes of a catholic life

Man kaufe unter anderem einen einzelnen Apfel, wiege ihn ab und klebe ihm den Preis direkt auf die von der Natur mitgelieferte Verpackung. An der Kasse ist dann der Preis weg, was ich erst mitbekomme, als die Kassiererin blitzschnell selbst abwiegt und boniert, denn es ist schon nach zehn.

Wenn sich dann später der ursprüngliche Preisaufkleber wiederfindet und man entdeckt, daß ein- und derselbe Apfel, wenn ich ihn abwiege, 34 Cent kostet, wenn die Kassiererin aber das gleiche tut, 13 Cent (wie hat sie das denn gemacht? Meine Hand ist vielleicht doch nicht so leicht wie ich dachte…) frage man sich, ob man a) zurückgehen und die Kassiererin fragen, ob da vielleicht ein Wiegefehler…? oder b) in der Beichte vortragen müsse, man habe in dieser Situation juristisch – manche würden sagen, jesuitisch – entschieden, hier sei einfach nur meine Willenserklärung „Ich möchte diesen Apfel kaufen!“ angenommen worden.

Montag, 7. Oktober 2013

Maria, sei gegrüßt − Rosenkranzfest


Ein Zitat von der kleinen heiligen Therese zum Rosenkranz. Mir gehts zwar umgekehrt, ich spüre eher, „daß ich ihn so schlecht bete“, wenn ich an die Rosenkranzandachten denke, aber Thereses Conclusio ist tröstlich.

Wenn ich allein bin (ich schäme mich, es einzugestehen), kostet mich das Beten des Rosenkranzes mehr, als ein Bußinstrument anzulegen... Ich spüre, daß ich ihn so schlecht bete! Ich kann mir noch so sehr Mühe geben, die Geheimnisse des Rosenkranzes zu betrachten, es gelingt mir nicht, meinen Geist darauf festzulegen... Lange Zeit war ich über diesen Mangel an Andacht untröstlich und wunderte mich darüber; denn ich liebe doch die heiligste Jungfrau so sehr, daß es mir leichtfallen müßte, zu ihrer Ehre die Gebete, die ihr Freude machen, zu verrichten. Jetzt bin ich darüber weniger betrübt; ich sage mir, daß die Königin des Himmels meine Mutter ist; sie sieht gewiß meinen guten Willen und gibt sich damit zufrieden … Die heiligste Jungfrau zeigt mir, daß sie mir nicht böse ist, nie unterläßt sie es, mich zu beschützen, sobald ich sie nur anrufe. Wenn eine Unruhe oder Verwirrung über mich kommt, schnell wende ich mich an sie, und immer nimmt sie sich gleich der zartfühlendsten Mutter meiner Anliegen an. Wie oft, wenn ich zu den Novizen sprach, ist es mir begegnet, daß ich sie anrief und den Segen ihres mütterlichen Schutzes erfuhr!

 Im Karmel haben wir abends vor der Marienstatue manchmal mehrstimmig das Rosenkranzlied gesungen (trotzdem es ganz leicht zu lernen ist, ist es im neuen Gotteslob leider auch nicht mehr drin):
Maria, sei gegrüßt mit deinem lieben Sohn,
den du empfangen hast,
vom Vater auserwählt
und mit dem Geist vermählt.
Bitt Gott für uns, Maria!

Maria, sei gegrüßt mit deinem lieben Sohn,
den du getragen hast
voll Freud auf deinem Gang
wohl das Gebirg entlang.
Bitt Gott für uns, Maria!

Maria, sei gegrüßt mit deinem lieben Sohn,
den du geboren hast
in einem armen Stall
zum Heil der Menschen all.
Bitt Gott für uns, Maria!

Maria, sei gegrüßt mit deinem lieben Sohn,
den du geopfert hast,
im Tempel dargestellt,
das Licht der ganzen Welt.
Bitt Gott für uns, Maria!

Maria, sei gegrüßt mit deinem lieben Sohn,
den du geopfert hast,
im Tempel dargestellt,
das Licht der ganzen Welt.
Bitt Gott für uns, Maria!
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