Samstag, 31. August 2013

To meat nor not to meat?

Etwas Ironisches hat es schon, zu einer Zeit, in der diese unsägliche Veggieday-Posse die Medien unterhält, wieder einmal dauerhaft kein Fleisch zu essen. Dabei hat beides nicht das mindeste miteinander zu tun, es ist die reine Koinzidenz.

Neulich hab ich mich übrigens im Halbschlaf damit unterhalten, die Statements der Grünen durch eine entsprechend formulierte Mitteilungen der deutschen Bischöfe zu ersetzen: „Der Freitag ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir das kirchliche Fasten einhalten und dem bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus gedenken.“ – „Kein Mensch muß am Freitag einen Burger essen“. Da möchte ich mal die Gesichter sehen. Aber halt, da haben wir es ja schon: das kirchliche Fast- und Abstinenzgebot verpflichtet nur die Katholiken, nicht auch zugleich alle anderen, die gerade in der Kantine etwas essen möchten und sei es einen Burger. Auch bedeutet Fleisch hier wirklich nur Fleisch, nicht auch noch Fisch, Schnecken, Schildkröten, Frösche, See- und Flußkrebse, Muscheln und anderen Schalen- und Weichtiere. Wer einen kantinenweiten Gemüsetag fordert, engt das Spektrum ja schon ziemlich ein. Wären Karotten, Melonen und Kürbisse, die im Ganzen geerntet werden, OK oder geht das auch schon zu weit? Man ist wirklich versucht, ihnen mit dem hl. Petrus zu kommen: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!

Daß bei solchen Initiativen gemeinhin entweder der Montag oder der Donnerstag favorisiert wird, um irgendwelcher Wort- und Silbenspiele willen (Meat-less mon-day; veg-gie-day, Don-ners-tag), ist allerdings schon bemerkenswert: Christen haben zu den unterschiedlichsten Zeiten und Tagen gefastet, traditionelle Abstinenztage sind indes der Freitag, der Mittwoch und zuweilen auch noch der Samstag.

Die kirchliche Tradition hat übrigens interessante Begründungen dafür angeführt, wieso der Verzehr von Fisch auch an Fast- und Abstinenztagen erlaubt ist, etwa „daß dieselben weniger Nahrungsstoff enthalten als Fleisch von Landthieren, und keinesfalls den Organismus so sehr wie diese erhitzen und erregen; dann aber auch, daß eine allgemein hinreichende Nahrung aus Vegetabilien überall nur schwer, an vielen Orten gar nicht gewonnen werden kann.“ Wieder andere berufen sich auf die Symbolik – wird nicht Christus selbst Fisch (ΙΧΘΥΣ) genannt? Auch lebt der Fisch im Wasser, einem Sinnbild der Reinheit und gültige Materie für die Spendung gleich mehrerer Sakramente.

Im Leben hab ich schon mehrmals über lange Zeiten hinweg ohne Fleisch gelebt, rein vegetarisch oder gar vegan dagegen noch nie. Warum bin ich also wieder mal das, was man heutzutage très chic einen Pescetarier nennt (was ja anscheinend das Gesündeste überhaupt sein soll, wegen der vielen wunderbaren Omega-3-Fettsäuren)? Ich glaub, das hängt hauptsächlich damit zusammen, daß ich, und sei ich in der Wüste allein mit einer Ente und es ginge um mein Überleben, diese nicht schlachten könnte, wenn sie mich treuherzig anschaute. Da ich selbst kein Tier schlachten könnte (und das auch immer schon hochgradig gruselig fand), wird es auch nicht besser, wenn andere es für mich täten. Einem kleineren Fisch könnte ich dagegen wahrscheinlich eins überziehen (bei den armen Tintenfischen kommt hingegen wieder das Argument mit dem treuherzigen Blick in Spiel. Wobei Kalmare, so hab ich mir eindrücklich beschreiben lassen, scheints umgekehrt keinerlei solche Skrupel kennen).

Vielleicht ein skurriles Argument, aber brauche ich eins? Mein Organismus ist darauf angelegt, buchstäblich alles zu verzehren, weil man die Menschen halt zu den Omnivoren zählt. Wenn oder wann ich dem einen oder anderen (und nur diesem) entsagen möchte, ist meine eigene Entscheidung. Auch hätte ich wirklich keine Lust, mich als Frau später im Leben etwa mit Osteoporose herumzuärgern, wo ich Milchprodukte so gern mag. Das hieße nun wirklich, sich zwei Kreuze zu nehmen. Ich esse also Fische, Meeresfrüchte, Eier, Käse, Joghurt, alles sowas. Im übrigen hab ich in der Vergangenheit zu verschiedenen Zeiten die Erfahrung gemacht, daß wenn der Körper heftig nach Himbeeren, Joghurt, Emmentaler Käse oder auch Forelle verlangt, er seinen Grund haben mag. Mit Bedenklichkeiten wie etwa denen der Frutarier, die es etwa vor ihrem Gewissen nicht verantworten können, eine Karotte zu essen (weil sie anschließend weg ist) hab ich mich noch nie abgeplagt. Herr des Himmels!

Nun gut, es war jetzt also die, wenn ich mich recht entsinne, vierte Woche kein Fleisch auf dem Tisch und auch kein Verlangen danach da. Letzteres kenne ich schon, bis hin zu dem Punkt, daß man irgendwann, wenn man am Wurststand vorbeigeht, den Geruch dort leicht übel findet. Soweit bin ich diesmal noch nicht, schwelge allerdings in vorwiegend nahöstlichem: Humus, grüne Oliven, gefüllte Peperoni. Der Vorteil ist, daß ich mittlerweile zwischendurch auch Lebensmitteleinkäufe zustandebringe, bei denen ich mich gar nicht mehr in den hinteren Teil des Supermarkts hineinarbeiten muß, sondern die Abkürzung zur Kasse nehmen kann: Obst, Nudeln, die vegetarischen Sachen und Schorle (und Schokolade!) sind alle vorn. Zu schade, daß man nicht den Alkohol nach hinten stellt und dafür noch Fisch und Käse nach vorn holt, dann wäre ich fein raus.

Darüber hinaus hat sich seit der letzten derartigen Anwandlung das Angebot für Vegetarier meiner Ansicht nach deutlich verbessert: statt scheußlicher vegetarischer Brotaufstriche und Tofu hab ich Klößchen aufgetan, die aussehen wie Fleisch und mit Händlmaiers Honig-Senf-Soße zwar nicht ganz genauso schmecken, aber immerhin sehr gut. Statt der vegetarischen Brotaufstriche, die unter dieser Flagge segeln, nehme man besser Aufstrich für Bruschetta oder Pesto.

Auch brauche ich mir beim Essen keine Gedanken mehr zu machen, ist heute vielleicht Freitag oder ist der Freitag vielleicht schon angebrochen? Nur: was mache ich jetzt fastenmäßig am Freitag?

Donnerstag, 29. August 2013

Ikone des Tages

Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruder zur Frau zu nehmen – schlichte aber deutliche Worte, die Johannes der Täufer aussprach, weil das Verhalten des Herodes Antipas Gottes Gebot entgegenstand, und die den Täufer schließlich das Leben kosteten.

Zu Herodes Antipas schickte Pilatus später den gebundenen Jesus, und jener sandte ihn zurück, zum Spott mit Insignien geschmückt, die uns als die des wahren Königs aller Welt gelten.

Die Überlieferung berichtet, wie der Tod des Täufers noch in ihrem irdischen Leben auf die zurückgefallen sei, die ihn verschuldet hatten. Salome brach bei der Überquerung des zugefrorenen Flusses Sikoris (heute Segre genannt) ins Eis ein, dergestalt, daß ihr Körper unter Wasser, ihr Kopf aber zunächst über der Eisschicht geblieben sei und die Füße, die einst vor Herodes getanzt hatten, nun keinen Grund mehr fanden. Die scharfen Kanten durchschnitten schließlich Fleisch und Gebein. Während ihr Körper vom Wasser weggetrieben und nie gefunden wurde, brachte man ihren Kopf zu Herodes und Herodias.

Der nabatäische König Aretas, der Vater der ersten Frau des Herodes, zog später gegen Herodes ins Feld und fügte diesem schwere Verluste zu. Herodes sah sich, nachdem er geschlagen worden war, dem Zorn Caligulas ausgesetzt, der zu jener Zeit regierte, und ihn zuerst nach Gallien, später nach Spanien verbannte, wo beide, Herodes und Herodias, bei einem Erdbeben umgekommen und so buchstäblich vom Angesicht der Erde verschwanden.

Mittwoch, 28. August 2013

Schwesternorigami


alte Bücher sind ja einfach eine Fundgrube:
wir falten uns eine Cornette! ;)

Montag, 26. August 2013

Seht, die Vögel unter dem Himmel…


…sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen, und unser himmlischer Vater ernährt sie doch.  – Fundstück am Abend in der S-Bahn, als ich grade ziemlichen Hunger hatte (dann waren da auch noch die Pflaumen auf der Fallobstwiese).

Sonntag, 25. August 2013

Im Wiesenmeer…

Meine liebste Stadtbrache…
…das Wiesenmeer auf dem Tempelhofer Feld – oft ist es
dort wirklich wie am Meer

Die Natur holt sich die Rollbahnen zurück –
hier fliegt der seltene Bläuling (den hab ich gesehen)
und brütet die Feldlerche (die hab ich gehört)

Tempelhofer Freiheit – das Volksbegehren
zur Erhaltung des Tempelhofer Feldes, so wie es ist,
beginnt am 14. September.

Samstag, 24. August 2013

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde – Intersexualität ist nicht Gender

Bereits im Februar beziehungsweise Mai und zu diesem Zeitpunkt ohne größere Kontroversen wurde im Bundestag eine Gesetzesänderung verabschiedet, die im November wirksam wird.

In amerikanischen Blogs hat das schon Wellen geschlagen, über deren Form und Beschaffenheit ich mich gewundert habe, von „typisch deutsch“ (mit welcher Konnotation auch immer vorgetragen), über die Überkompensation des Erbes eines gewissen Anstreichers aus Braunau zu beißendem Spott über die vermeintliche Wut der Deutschen, alles und jedes regeln zu müssen, bis hin dazu, daß sich manche schämen, überhaupt auf demselben Kontinent zu leben wie der, auf dem Deutschland liegt. Da lohnt es sich doch schon, genauer hinzuschauen. Auch möchte man hier doch sagen: Be a mentsh!

Was ist denn eigentlich genau passiert? Im November wird Deutschland das erste Land in der europäischen Union (nicht auf der Welt!) sein, in dem es laut Personenstandsgesetz möglich ist, daß das Geschlecht eines Menschen unbestimmt ist, auf Zeit oder dauerhaft. § 22, des PStG, in dem es im übrigen um die Vornamen des Neugeborenen geht, wird zum 1. November erweitert:
Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.
Das wohl erste, was Eltern nach der Geburt ihres Kindes gesagt wird, ist wohl „Es ist ein Junge!“ oder „Es ist ein Mädchen!“ Manchmal indes ist das nicht so einfach. Natürlich ist die Natur des Menschen auf zwei Geschlechter angelegt, Mann und Frau. Es gibt aber, rein medizinisch gesehen, eben Ausnahmen, in denen das nicht so eindeutig ist. Für diese, und nur für diese, kann die Gesetzeserweiterung künftig eine Hilfe sein, indem sie den Betroffenen Zeit gibt. Es gibt chromosomale und körperliche Abweichungen, bei denen Ärzte und Eltern bisher, unter dem Druck, das Kind sofort als das eine oder andere eintragen lassen zu müssen, Entscheidungen trafen, die sich später als genau falsch herausgestellt haben. Ein Problem, das man damit in der Vergangenheit hatte, ist, daß in dem Bemühen, sich festzulegen, Fehler passiert sind, die sich nicht wieder rückgängig machen lassen: etwa operative Veränderungen in möglichst frühem Kindesalter, um das vermeintlich „richtige“ bzw. passend erscheinende Erscheinungsbild zu einem der beiden Geschlechter zu erreichen. Aus solchen Schnellentscheidungen können Tragödien entstehen. Eltern sind in einer solchen Situation auch oft überfordert, wie zuweilen sogar die behandelnden Mediziner. Nun ist rechtlich festgelegt, daß Menschen bei der Geburt nicht „nur“ männlich oder weiblich sein können, sondern eben auch unbestimmt, was nicht heißt, daß sie das bleiben müssen.

Intersexualität ist nicht Transsexualität und auch nicht Gender. Einige sehen bereits jetzt vermeintlicher Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Das ist jedoch nicht so, auch habe ich das Gesetz nicht als Öffnung eines ganzen Bereiches wahrgenommen. Es richtet derzeit lediglich unser Augenmerk auf eine Gruppe von Menschen, die gemeinhin wenig beachtet wird. Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden macht eine ganz klare medizinische Aussage. Um eine solche Aussage überhaupt treffen zu können, sind genaue Untersuchungen bis hin zur Erstellung eines Karyogramms erforderlich. Freie Extrapolationen und intellektuelles Radschlagen wie
Das neue „Zauberwort“ heißt Intersex. Ab 1. November wird es in bundesdeutschen Geburtsurkunden ein „drittes“ Geschlecht geben. Nicht mehr männlich, nicht mehr weiblich. Hat ein Kind das „Glück“ von besonders ideologisch „innovativen“ Eltern abzustammen, kann es ihm passieren, amtlich als „geschlechtsneutral“ registriert zu werden.
sind daher schlichtweg Käse zu nennen, und die virtuellen Buchstaben, die dazu verwendet wurden, diesen Artikel zu schreiben, würde man besser umgehend recyceln. Innere Unruhe führe zu Formen der Realitätsverweigerung, heißt es dort eingangs. Sehr geehrter Herr Nardi, die Natur ist die Realität, nicht erst seit es Menschen gibt, und hier wird die biologische Realität eben gerade nicht geleugnet, darum geht es ja. Es kann im übrigen eigentlich nicht sein, daß wir als katholische Kirche uns für den Schutz des Lebens einsetzen und die Mütter und Familien ermutigen, auch Kinder, die anders sind, in Liebe anzunehmen als das, was sie sind: Menschen und Individuen, von Gott einzigartig erschaffen und geschenkt; wenn der Gesetzgeber dann versucht, deren Anderssein Rechnung tragen, ist es auch wieder nicht recht.

Ganz neu ist eine derartige rechtliche Regelung übrigens nicht, ebensowenig wie das Phänomen selbst. Das Preußische Allgemeine Landesrecht sah 1794 vor:
§. 19. Wenn Zwitter geboren werden, so bestimmen die Aeltern, zu welchem Geschlechte sie erzogen werden sollen.
§. 20. Jedoch steht einem solchen Menschen, nach zurückgelegtem achtzehnten Jahre, die Wahl frey, zu welchem Geschlecht er sich halten wolle.
Auch der Bayerische Codex Maximilianeus Civilis von 1756 führte aus, daß derjenige eines der beiden Geschlechter erwählen und von dieser Wahl nicht mehr abweichen solle. Vergleichbare Regelungen finden sich in älteren Rechten, etwa dem römischen. Das Neue an der jetzigen Erweiterung dürfte die implizite Möglichkeit sein, es etwa auch späterhin bei dem ursprünglichen „unbestimmt“ zu belassen. Die Frage ist, wird das jemand wollen?

Welche Tragweite diese Gesetzesänderung haben wird, wird sich zeigen, vermutlich weitreiche, zumal sie sich mittelfristig auch auf andere Gesetze und Bereiche des Lebens auswirken wird: wenn es etwa um Heirat oder die Übertragung kirchlicher Ämter und Dienste geht, bei denen die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht vorausgesetzt wird.

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde und er schuf sie als Mann und Frau, heißt es in der Genesis. Das ist das Gewöhnliche. Es gibt im Leben aber immer auch das Außergewöhnliche und gelegentlich scheint sich die Natur nicht eindeutig festgelegt zu haben. Zuweilen muß man auch den Mut haben, zuzugeben, daß man etwas (noch) nicht so genau weiß.

Ein Kommentator bei Father Z. faßt zusammen:
Today, after a few short decades of performing surgery which stood a good chance of opting for the wrong sex, doctors now prefer to wait. I actually see sense in Germany’s decision in this matter since it only reflects what doctors are actually doing. Again, from earlier reading, the medical aim is to have the person fully functioning as an adult of the right sex, with appropriate surgical correction so that they may lead normal married lives. Why we should have so much more angst over this than, say, the correction of spinabifida or some other congenital abnormality, I just don’t get. The German law seems to be reflecting a fact of birth that doctors, nurses and parents can see with their own eyes.

Schuhe!

Allein, daß ich an diesen neuen Schuhen eine so kindliche Freude habe, zeigt, daß es erheblich lange her sein muß, daß ich mir überhaupt Schuhe gekauft habe (überschlägig fast drei Jahre, wozu ein Blog doch gut sein kann…). Gefunden, anprobiert, für passend befunden und nebenbei noch eine Voraussage abgeleitet, wieso jener Laden unweigerlich eingehen wird, alles innerhalb etwa einer Viertelstunde.

Mit der Frage, wie es passieren kann, daß gute Menschen wie ich, die (fast) immer gesundes Schuhwerk getragen haben – meine Silberjubiläumssandalen sind gerade in der Sandalenklinik –, mit einem Überbein bestraft werden, hab ich mich an der Stelle nicht lange aufgehalten (wozu?), sondern einfach gleich weitere Schuhe gekauft. Statistiken zufolge sind die herkömmlichen Schuhweiten den meisten Frauen mittlerweile eh zu schmal. Ob das daran liegt, daß unsere Füße immer breiter werden oder die Ballerinas immer schmaler, ist eines der vielen ungelösten Rätsel unserer Zeit.

Als nächstes kauf ich dann ein Paar neue Winterstiefelchen.

Freitag, 23. August 2013

Die hl. Rosa von Lima im Puttenhimmel



Wohl kein Putto, aber glatt damit verwechselt:
Murillos Bildnis der Heiligen



Es mag der Zeit geschuldet sein, aber, dafür, daß die Heilige ein derartiges Büßerleben geführt hat, weisen viele ihrer Bildnisse einen einigermaßen hohen Puttigkeitsgrad auf. Oder soll das eine Art himmlische Kompensation darstellen?

…und mit ihnen deine Liebe in meinem Herzen – Fest der hl. Rosa von Lima

Da einige Leser nach Fürbitten zum Fest (ein Gedenktag der Kirche, für den Ordo Virginum aber ein Fest) der hl. Rosa von Lima gesucht hatten: es sind die der Jungfrauenfeste:
Gepriesen sei Jesus Christus, denn er ist der Ruhm und die Krone der Jungfrauen. Zu ihm laßt uns beten: König der Jungfrauen, erhöre uns.

Du hast Maria, deine Mutter, zur Königin der Jungfrauen erhoben; auf ihre Fürsprache schenke uns die Reinheit des Herzens.

Dir allein haben sich die heiligen Jungfrauen geweiht; gib, daß auch uns nichts von deiner Liebe trenne.

Die heiligen Jungfrauen haben dir mit ungeteiltem Herzen gedient; gib, daß nichts uns hindere auf dem Weg zu dir.

Du bist der Bräutigam, auf dessen Ankunft die klugen Jungfrauen gewartet haben; gib, daß wir stets wachsam deine Wiederkunft erwarten.
Von der Heiligen weiß man vor allem, daß sie als Jungfrau und Mitglied des dritten Ordens des Predigerordens in Abgeschiedenheit auf dem Grund und Boden ihrer Familie lebte, daß sie die eigene Schönheit verachtete – weil sie fürchtete, diese könne eine Versuchung für andere darstellen – und sich besondere Werke der Buße und Entsagung auferlegte. Liest man die Niederschrift der hl. Rosa, die die zweite Lesung der Matutin ist, kann man in etwa nachvollziehen, wieso ein Zelebrant die Liebe der Heiligen zu Kreuz und Leiden „barock“ genannt hat. Weniger bekannt ist, daß sie sich späterhin sehr für die Arbeiter eingesetzt hat, die in den Minen der spanischen Konquistadoren beim Abbau von Edelmetallen ein Leben in Armut und Elend fristeten.

In den letzten Jahren drei Jahren ihres Lebens litt sie sehr, sowohl an körperlicher Krankheit als auch an der Erfahrung großer Verlassenheit und Ferne von Gott. Trotzdem war sie imstande, zu beten: Herr, laß meine Leiden zunehmen und mit ihnen deine Liebe in meinem Herzen.

Schädelreliquie der hl. Rosa in der Kathedrale von Lima –
im Tode immer noch mit Rosen bekrönt
Unmittelbar nach ihrem Tode am 24. August 1617 brachte man ihren Leib in großer Prozession zur Dominikanerkirche, wo am selben Tag die Beisetzung erfolgen sollte und der Bischof eine Eulogie, eine Lobrede auf die Heilige hielt. Es war ihm jedoch nicht möglich, mit der Beisetzung fortzufahren, weil so viele die Jungfrau noch einmal sehen und berühren wollten. Als die Beisetzung verschoben wurde, schnitten die Menschen kleine Stückchen Tuch aus dem Habit heraus, in den man die hl. Rosa gekleidet hatte. Dies wiederholte sich so oft, daß der Habit sechsmal ausgetauscht werden mußte. Am Ende wurde die Heilige in aller Stille in der Siestazeit beigesetzt, da der Bischof befürchtete, die Menschen würden die Beisetzung erneut nicht zulassen.

Nach ihrem Tod ereigneten sich viele Wunder, das erste, die Heilung des gelähmten Beines eines kleinen Jungen, der neben der Aufgebahrten niederkniete, noch vor ihrem Requiem. 1667, nur fünfzig Jahre nach ihrem Tod, sprach Papst Klemens IX. Rosa von Lima selig. Da so oft über tatsächliche oder vermeintliche Unschönheiten bei der Kalenderreform in der Folge des zweiten Vatikanums geschrieben wird: diese hat die Feier des Gedenktags der hl. Rosa von der Mutter Gottes, der Jungfrau von Lima, auf ihren Todestag gelegt, an dem man ihn zuvor wegen des Festes des hl. Bartholomäus nicht feiern wollte. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Gedenktag der hl. Rosa daher am 30. August begangen. In den Regionalkalendern einiger Länder ist das Fest eben wegen der langen Tradition daher am 30. August geblieben.
Der Herr und Heiland erhob seine Stimme und sprach mit unvergleichlicher Hoheit: „Alle sollen wissen, daß auf die Anfechtung die Gnade folgt; sie sollen einsehen, daß die Größe der Gnadengaben in dem gleichen Maß wächst, wie die Mühsale zunehmen; sie sollen erkennen, daß wir ohne die Last der Bedrängnis nicht zum Gipfel der Gnade gelangen können. Die Menschen sollen sich vor Irrtum und Selbsttäuschung hüten. Das ist die einzige Leiter zum Paradies: ohne Kreuz findet niemand den Aufstieg zum Himmel.“

Als ich diese Worte hörte, kam ein heftiges Verlangen über mich, als müßte ich mich mitten auf den Platz stellen und mit lautem Schreien allen Menschen jeden Alters, Geschlechts und Standes zurufen: „Hört ihr Völker, hört, ihr Stämme! Im Auftrag Christi und mit den Worten aus seinem Mund ermahne ich euch: Wir können keine Gnade erwerben, wenn wir keine Drangsale erleiden; notwendig müssen sich Mühen auf Mühen häufen, wenn wir Anteil an der göttlichen Natur erhalten, die Herrlichkeit der Kinder Gottes und das volle Glück der Seele gewinnen wollen.

Der gleiche Stachel trieb mich an, die Schönheit der göttlichen Gnade zu verkündigen. Das bedrückte mich mit Not, trieb mir den Schweiß aus den Poren und ließ mich lechzen. Es kam mir vor, als könne meine Seele nicht länger im Leib gefangen bleiben. Würde man sie aber festhalten, dann werde sie die Ketten zerbrechen und frei und ungehindert die ganze Welt durcheilen und rufen: „O wenn doch die Sterblichen erkennen wollten, wie erhaben die Gnade Gottes ist, wie schön, wie edel, wie kostbar; welche Reichtümer sie in sich birgt, wieviel Freude und Jubel! Ohne Zweifel würden dann die Menschen mit Eifer und Fleiß danach streben, sich selber Leiden und Schmerzen zuzufügen! Auf dem ganzen Erdkreis würden alle Menschen eher Unglück, Krankheit und Qual als Glück suchen, um den unendlichen Schatz der Gnade zu erlangen. Das ist der Lohn und der letzte Gewinn des Leidensmutes. Keiner würde sich über Kreuz und Mühe beklagen, die ihm etwa begegneten, wenn er die Waage erkennen würde, auf der sie den Menschen zugewogen werden.“ (aus den Schriften der  hl. Rosa)

Mittwoch, 21. August 2013

Doppelplusungut

Im Wirbel darüber, an wen Ehrungen im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg künftig vergeben werden dürfen und an wen bitte nicht; da war noch die aparte Idee derselben Bezirksverordnetenversammlung – auf Eingabe der Piraten –, Weihnachten in Zukunft nur noch „Winterfest“ nennen zu wollen, wenn es etwa um Weihnachtsmärkte geht, und den Ramadan „Sommerfest“, wenn er in die warme Jahreszeit fällt (liebe BVV, ihr habt das Judentum ganz vergessen!)

Und wenn der Ramadan nicht in den Sommer fällt, sondern in den Frühling, nennt ihn die Bezirksverordnetenversammlung dann „Frühlingsfest“? Was ist mit Ostern, auch ein Fest, ein christliches noch dazu? Wenn Ostern und Ramadan in den Frühling fallen, werden dann beide „Frühlingsfest“ genannt? Und im Winter beide, Weihnachten und der Ramadan, „Winterfest“? Dann gäbs da ja noch den Weihnukkamarkt am Jüdischen Museum, wird der dann auch unter „Winterfest“ einsortiert? Fragen über Fragen.

Dieses kulturelle Niederholzen und Erschaffen irgendwelcher Sprachgebilde, die kein Mensch braucht, erinnert doch stark an die DDR mit ihren Jahresendfiguren oder eben an …1984. Die letzte Auflage des Neusprechdiktionärs, wir erinnern uns, kam mit viel weniger Wörtern aus als noch die Auflage zuvor. Jedenfalls erscheint es doppelplusungut, Weihnachten ein Winterfest zu nennen. Und über allem erhebt sich, unbeeindruckt – der Kreuzberg.

Gebetsstunde für die Kopten und Frieden in Ägypten

Wirst du an den Toten Wunder tun, werden Schatten aufstehn, um dich zu preisen? Erzählt man im Grab von deiner Huld, von deiner Treue im Totenreich?  Werden deine Wunder in der Finsternis bekannt, deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens?  Herr, darum schreie ich zu dir, früh am Morgen tritt mein Gebet vor dich hin. (Ps. 88)

Unsere Macht ist verschwindend gering, aber es gibt es, was wir tun können, unsere Stimme erheben, und sei sie noch so klein, und sei es im Gebet, indem wir zu Gott schreien. 
Die ökumenische Gebetsstunde mit dem koptischen Bischof Anba Damian findet übermorgen, am Donnerstag, den 22. um 19 Uhr in der koptischen Kirche Hll. Antonius und Shenouda (die sieht von außen verblüffend unkoptisch aus, weil sie als evangelische Kirche angefangen hat) am Roedeliusplatz in Berlin-Lichtenberg statt. Ich hab vor, hinzugehen und berichte. Wer nicht nach Hll. Antonius und Shenouda kommen kann, ist eingeladen, den Gottesdienst im Gebet zu begleiten.

Dienstag, 20. August 2013

Arabischer Winter

Die Berichterstattung über Ägypten bleibt bestürzend: da wird die Aussage eines Bischofs vor Ort, der es wissen muß, in einer Weise ausgelegt, wie es der Bischof meiner Ansicht nach nicht gesagt oder gemeint hat. Aus
Unter den Muslimbrüdern litten „sowohl Christen als auch Muslime“, sagte der koptisch-katholische Bischof aus Alexandria im Interview mit Radio Vatikan am Sonntag. „Diese Islamisten attackierten unterschiedslos Kirchen, Schulen, Museen und andere Einrichtungen.“
wird in der Überschrift „Ägyptischer Bischof nennt Rede von Christenverfolgung verfehlt“ (was in den Köpfen mancher ganz schnell zu „es gibt keine Christenverfolgung“ wird). Diese Auslegung der Aussage des koptischen Bischofs Youhanna Golta im Artikel vernachlässigt meiner Ansicht nach, was aus der Reihe der Bauten, die die Muslimbrüderschaft auch zerstört hat, als Schlußfolgerung hervorgeht: Kirchen, Museen, Schulen – offenbar keine Moscheen.

Im letzten Absatz finden wir dann doch, wie es sich verhält:
Zugleich bestätigte er, in den vergangenen Tagen seien rund 40 Kirchen angezündet und hunderte christlicher Geschäfte in Brand gesteckt worden. Auch habe es Morde an Christen gegeben.
Die Rede von Christenverfolgung sei verfehlt? Gemeint war wohl eher, ungeschminkt ausgedrückt, wenn die Muslimbrüder metzeln und niederbrennen und dazu anstiften, und sie dabei einmal so richtig in Fahrt kommen, ist es ihnen letztlich egal, wen sie niedermetzeln und was sie abbrennen. Eindrücklichstes Beispiel ist das der christlichen Schule in Bani Suwaif, die seit 115 Jahren besteht und deren Leiterin, sowohl um Aversionen in ihrem Umfeld zu vermeiden als auch aus dem Gedanken christlicher Nächstenliebe heraus, ungefähr die Hälfte ihrer Schulplätze an muslimische Schüler vergeben hat.

Die Unesco macht sich, wenn schon nicht über die Menschen, Gedanken über die unwiederbringliche Zerstörung von Kulturgut, das Ägypten und seine Wurzeln maßgeblich geprägt hat. Was lesen wir aber da? Es wurden „religiöse Bauten zerstört“. – Sechzig Kirchen, keine Moscheen. Wieso man da auf „religiöse Bauten“ verfällt, entzieht sich mir völlig. Es waren Kirchen, was soll man dazu sonst sagen? Tatsächlich sind es bisher sechzig, in etwa zwölf verschiedenen Städten, wie man in traurigen Auflistungen nachlesen kann. In Degla, einem Kloster, an dem seit über 1600 Jahren gebetet wird, fand zum ersten Mal überhaupt der Sonntagsgottesdienst nicht statt. Sine dominico non possumus, ohne den Sonntag können wir nicht sein – dafür sind frühchristliche Märtyrer gestorben. Wie lange werden die Mönche in Degla noch aushalten können?

Es stimmt, die Kopten gehören zu Ägyptens Wurzeln und zwar so sehr, daß das Wort Kopte einfach Ägypter bedeutet. Religiöse Bauten ist mir für etwa sechzig zerstörte Kirchen (von den dreiundzwanzig nicht völlig zerstörten noch gar nicht zu reden) allerdings deutlich zu nivellierend, um es vorsichtig auszudrücken. 

Unter den erwähnten zerstörten Schulen und Einrichtungen sind übrigens vorwiegend christliche Schulen und Gemeindezentren, darüber hinaus viele Läden, deren Inhaber Christen sind und deren Heime. In Bani Suwaif wurde die franziskanische Schule angezündet und die unterrichtenden Ordensschwestern „wie Kriegsgefangene“ durch die Straßen geschleppt, die anderen Lehrerinnen der Schule hat man sexuell belästigt. Der wütende Mob überfiel die von Ordensschwestern geführte Schule und tötete hunderte, bis sie schließlich das Kreuz herunterrissen und durch das schwarze Banner der Al Kaida ersetzten. Noch Fragen?

Montag, 19. August 2013

Kommuniongang

Eine Zeitlang waren unter unseren Ministranten die Hälfte Mundkommunikanten (unter denen, die häufig ministrieren, waren es fast alle); auch ist es bei uns üblich, daß die Ministranten die Kommunion kniend empfangen. Manchmal denk ich, es ist gerade wichtig, daß unter denen, die zuerst und, segne es Gott, in der gebotenen Ruhe die heilige Kommunion empfangen, Mundkommunikanten sind. Manch einer, so bekommt man bei aller Versenkung mit, entschließt sich spontan auch dazu, vielleicht, weil er sieht, daß es möglich ist.

Der Holier-than-thou-Gedanke ist mir dabei noch nie gekommen. Es gibt in der Unterkirche aber immer den einen PGR-bewegten Herrn, der sich hochaufgerichtet an die Kommunionbank stellt, weil er prinzipiell nicht kniet, und die Dame, die die Kommunion statt mit beiden Händen, nur mit der linken Hand empfängt .oO(Weil wir es können!) Umso wichtiger scheint mir, daß die Ministranten gerade beim Empfang der Heiligen Kommunion mit gutem Beispiel vorangehen. Die kniende Haltung bringt per se Ehrfurcht und Andacht zum Ausdruck, da sie die Haltung des Anbetenden und Empfangenden ist (im Altertum erbat man auf diese Weise eine Gunst von seinem König), auch „entschleunigt“ sie den Kommuniongang auf heilsame Weise.

The tale of Peter gummi bear


Oft sind Kirchenpannen ja durchaus komisch: als ich gestern mit dem Leuchter das allerheiligste Sakrament begleitete, wollte des Küsters Feuerzeug nicht so wie ich. Gut, daß ich noch Hölzer aus der Sakristei dabei hatte, wenn auch etwas große. (Ich finde, Kirchenkerzen mit Dochten oder Hölzern zu entzünden ist sowieso viel stilvoller und auch leiser.)

Jedenfalls hab ich die Riesenstreichholzschachtel aus Zeitgründen dann nicht mehr durch den Talar in die Rocktasche gefrickelt und mich auf dem Weg zum Altar gewundert, was da wohl Weiches an der Hölzerschachtel klebt – ich kaue doch gar keinen Kaugummi? Hinter der Kathedra hab ich mir dann einen schnellen Blick erlaubt: der Ursus latex multicoloratus mal wieder! Von denen hatte ich nämlich auch noch eine kleine, farbenfrohe Versammlung in der Rocktasche, und einer wollte offensichtlich die Welt draußen erkunden. Hoffentlich hab ich auf dem Gang durch die Kirche wenigstens das rote Gummibärchen mit der Hand verdeckt.

Braut des Lammes und ihr Kater aber hatten Gummibären zum Abendbrot…

Samstag, 17. August 2013

If celibacy were a miserable sacrifice…


…one would hardly know it from the joyous ritual. – Fr. Joseph Jenkins hat vor wenigen Tagen auf Bloggerpriest einen sehr schönen Beitrag über den priesterlichen Zölibat veröffentlicht, in dem er auf die Berufung der Jungfrauen und den Ritus der Consecratio virginum eingeht – Priestly celibacy – consecrated virginity:
Suppressed for a time, it is fitting that this vocation should be restored in a day and age when most do not prize virginity. Much that is said about it could also be said of priestly celibacy, although the priest is signified on the male or groom side of the analogy. Those who fault priestly celibacy would even more ruthlessly attack consecrated virgins. However, this opposition is more the reason why both celibacy and virginity must be preserved as constitutive features for callings in the Church.

Note that virginity is accented as a great honor or benefit. It makes possible an elevation of dignity. If celibacy were a miserable sacrifice, one would hardly know it from the joyous ritual.
Einigermaßen schockiert war ich über den Kommentator, der ganz unverblümt schreibt, eines Tages werde Father Joe wohl aufwachen, auf sein Leben zurückblicken und feststellen, daß sein Opfer vergebens gewesen sei. Schade, derjenige hat weder den Artikel verstanden, noch die Intention des Fathers, noch zeigt er Anstand. Ich meine, wer geht denn herum und erzählt Leuten, ihre Berufung wäre nichts wert oder sie hätten ihr Leben verschwendet? (Interessanterweise kam mir dann in den Sinn, daß dies vielen geweihten Jungfrauen so oder anders durchaus schon passiert ist. Nichtsdestotrotz ist man erstaunt, wenn es geschieht.)
A Christian culture and society has collapsed all around us into a neo-pagan one. Values have not merely shifted but in some cases, reversed. Virginity was once regarded as such a premium that theologians had to make concerted efforts to protect and support matrimony. But today it is virginity that is spurned while marriage, or at least sexual congress, is paraded as essential and in unqualified demand.

Freitag, 16. August 2013

…aus dem Tale dieser Zeit

Papst Franziskus hat im gestern Angelusgebet mit Bezug auf Mulieres dignitatem über die Berufung der Frau gesprochen und darum gebetet, daß alle Frauen in Fülle ihre Berufung leben können. Ich hab das erst später am Abend gelesen. Koinzidenz, aber sicher liegt es nahe, am Fest Mariä Himmelfahrt von der Schönheit der marianischen Dimension der Berufung der Frauen zu sprechen.

Nach einem wirklich sehr schönen (und vollen) Amt zum Hochfest mit Konzelebranten von überallher und feierlichem Segen sangen wir zum Auszug an der Altarstufe GL Nr. 925 Sei gegrüßt, du Engelgleiche – alle Strophen, der Hauptzelebrant singt bekanntermaßen gern und wir dachten irgendwie auch gar nicht ans Aufhören. So kamen wir auch an den sonst eigentlich nie gesungenen Vers in der Mitte des Hymnus
Holde Jungfrau, Makellose, hochgelobt in Ewigkeit,
schöne Blume, Gottes Rose, blühende Verborgenheit.
Beim Einzug in die Sakristei war ich daher wieder einmal auch ganz erfüllt von dem Gedanken, wie wunderschön die Berufung ist, der ich folgen darf.

Kindels Erbe


Donnerstag, 15. August 2013

Zeichen der Hoffnung und des Trostes – Aufnahme Mariens in den Himmel



Der 15. August ist für die Ostkirche wie für die Westkirche ein großer Tag, denn an ihm gedenken wir der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria, die die Kirche Theotokos, Gottesgebärerin, nennt, in den Himmel.

Der Betrachter dieses Bildes meint vielleicht zuerst, die Verkündigung zu sehen, tatsächlich bringt er die Ankündigung des bevorstehenden Todes Mariens. Die frühesten Ikone der Entschlafung der Gottesmutter zeigen die Apostel um das Bett Mariens versammelt – doch es ist noch jemand da: Christus, ihr göttlicher Sohn, der, oft mit einer Schar von Engeln, gekommen ist und die Seele Mariens empfängt, die zuweilen als Wickelkind, zuweilen als verkleinerte Ausgabe Mariens dargestellt wird. Sowohl aus der ikonographischen als auch aus der wörtlichen Überlieferung geht ganz klar hervor, daß Maria nicht aus eigenem Vermögen mit Leib und Seele in den Himmel gelangt, sondern durch das Wirken Gottes. Dies meint die Kirche, wenn sie im Unterschied zur Himmelfahrt Christi von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel spricht. Einer der drolligsten Versprecher beim Rosenkranzgebet ist jener, in der es auf einmal heißt „…den du, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hast…“, während dem Vorbeter noch bewußt wird: genau andersrum.

Das schlichte Tagesgebet hat zu diesem ganzen Fest den Schlüssel: Gib, daß wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit.

Mittwoch, 14. August 2013

Antiphonales

Illumination König Davids
in einem äthiopischen Antiphonale
Peter hat schon einiges sehr gut auf den Punkt gebracht, zu dem Blogbeitrag Gassenhauer und Rohrkrepierer auf katholisch.de ist mir auch allerlei eingefallen. Vor allem fand ich es schade wie die Antiphonen beziehungsweise, wie sie im Gotteslob genannt werden, Kehrverse, abgefertigt werden. Hier möchte ich für die Kehrverse eine Lanze brechen: da ich seit doch etlichen Jahren das Glück habe, in Gemeinden den Gottesdienst mitfeiern zu dürfen, in denen der Antwortpsalm täglich gesungen wird, hab ich wahrscheinlich tatsächlich so ziemlich jeden Kehrvers im Gotteslob gesungen, auch die seltenen, die nur alle zwei oder drei Lesejahre einmal auftauchen.

Der Kehrvers Der Herr steht vor der Tür, wohl dem, der ihm öffnet zum Fest der hl. Cäcilia etwa ist mir in jener Woche und wohl auch in der danach immer wieder durch den Sinn gegangen. Viele dieser Kehrverse mag ich sehr gern und singe sie immer wieder einmal vor mich hin – auch eine Art zu beten. Sie sind, wie einige der Antiphonen aus dem Stundengebet, etwa Dixit dominus, tatsächlich sehr meditativ (etwa Jesus Christus, du bist Priester auf ewig)und finden daher ihren Weg ins Unterbewußtsein.

Auch muß man realistisch bleiben: die Leute sollen den Kehrvers wirklich singen können, am besten noch, nachdem ihn der Kantor vorgesungen hat, auswendig. So kann man sich ganz auf das Hören und „Wiederkäuen“ des Psalms konzentrieren. Der Antwortpsalm ist übrigens einer meiner „Ankerpunkte“ in der Messe, einer bei dem ich auch bei größtem Zerstreutsein innerlich ruhig werde.

Daß die Antiphonen im Stundengebet schöner sind, ist keine Frage, allerdings singt die auch die Schola vor. Eine Antiphon aus dem Antiphonale wie Jerusalem, du starke Stadt, Friede wohne in deinen Mauern wäre von einer Gemeinde sicherlich noch gut zu singen, bei anderen, darf ich Alexander Görlach versichern, übt auch der Konvent, der sie singen soll, am Tag vorher nochmal.

Kehrvers aus dem neuen Gotteslob –
zwar wieder Ostereiernoten, aber ansonsten…
Gut, manche Kehrverse mag man als weniger geglückt ansehen, mich stört etwa dieser eine, unangebracht traurig klingende Meine Seele, preise den Herrn, der ausgerechnet zu Marienfesten gesungen wird. Vielleicht kommt ja mit dem neuen Gotteslob ein freudigerer. Einige kann man tatsächlich nur schräg oder unglücklich komponiert nennen, weil sie mit unerwarteten Tonfolgen aufwarten oder aber den ewigen Detonierern die Möglichkeit bieten, beim A-capella-Gesang bei jeder Wiederholung so lange immer noch tiefer einzusetzen, bis man gefühlt noch unter der Krypta der Kirche landet. (Ich bin kein Musiker, aber sowas vermeidet man, glaub ich, indem die Antiphon auf einem einigermaßen hohen Ton anfängt und sich zwischen wenigen solchen hält.)

Die Gemeinde jedenfalls kann diese Kehrverse singen – ein Beweis dafür übrigens, daß die Leute durchaus singen können, wenn man sie nur regelmäßig läßt. Bei uns beherrscht das Volk auch ohne Schwierigkeit die Sache mit den zwei verschiedenen Kehrversen zum Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen. Wenn es mir selten einmal in Abendmessen so vorkommt, als sänge außer dem Priester und mir keiner den Kehrvers, liegt es immer daran, daß an dem Abend besonders viele von außerhalb da sind. Das neue Gotteslob dünnt meines erstens Dafürhaltens die Zahl der verschiedenen Kehrverse übrigens ziemlich aus, auch wurde laut Domorganist anscheinend irgendwas an den Psalmtönen gefrickelt. Schade.

Daß Alexander Görlach die Missa de Angelis schön findet, ehrt ihn. Weniger schön ist es, als liturgischer Dienst die Wünsche des Zelebranten so völlig in den Wind zu schlagen, daß man den Liederzettel vor der Heiligen Messe auf dem Abfallhaufen verliert. In der Tat, man merkt die Absicht (die Rettung des Abendlandes) – und ist verstimmt. „Zur Aufführung kam“ fand ich in dem Kontext übrigens bezeichnend für die Herangehensweise. Wenn ich einen Kehrvers und den Antwortpsalm vorsinge, kommen die jedenfalls nicht „zur Aufführung“. Vielleicht stimmt aber auch mit meinem Ironiedetektor was nicht.

Wie Görlach selbst schreibt, singen von Jahr zu Jahr weniger bei der Missa de Angelis mit. Liegt das nun daran, daß Herr Görlach die Orgel nur in der Osternacht schlägt und daher auf der Missa de Angelis besteht oder daran, daß die Missa de Angelis ansonsten in der Gemeinde nicht gesungen wird? Dann würde ich mir vielleicht eher darüber Gedanken machen, wie man sie unterm Jahr öfter singen kann. Damit wäre vielleicht auch vermieden, daß Liederzettel auf dem Weg zur Orgel verlorengehen.

Dienstag, 13. August 2013

Ürks!

Wäscheleine bei den Hutterischen (Foto: Lenita Waldner)
Bei der gestrigen Empfehlung kath.nets für „christliche Mode“ hab ich mich gefragt, also was zum…? Zum einen die Vorgeschichte: die Initiatorin Kylie Bisutti war als Unterwäschemodell tätig. Darüber, daß ein Fotograf eines Tages allzu eindeutige Posen verlangte, heißt es: Da sei ihr klargeworden, daß sie dafür bezahlt werde, „sich auszuziehen und provokant zu posieren, um Männer zu reizen.“ .oO(Ach?!)

Nun gut, die Naiven sterben nimmer aus, oft genug gehöre ich selbst zu ihnen. Hier muß man sich allerdings wirklich fragen, ja was hat sie sich denn gedacht, wozu nicht nur diese Aufnahmen, sondern diese ganze Art Unterwäsche insgesamt gut ist? (Allenfalls kann man damit auch Frauen reizen.) Neulich hab ich übrigens bei der Suche nach einem neuen Stück, das ein altes ersetzen soll, festgestellt, daß es wirklich wunderschöne BHs gibt, deren schierer Anblick, wie sie da in der Kabine auf dem Bügel hängen, einen bis in den Schlaf verfolgen kann. Aber bin ich bereit, für Spitzenbesatz auf zartem Blaßgelb 72 Euronen auszugeben? Never ever, schon weil es mich ärgert, daß eine Körbchengröße kleiner desselben Modells fast 20 Euro weniger gekostet hätte. Das sind über 140 Mark, ihr Wahnsinnigen!)

Kylie Bisutti, um zur christlichen Mode zurückzukehren, posierte jedenfalls fortan nicht mehr in Unterwäsche, sondern zog einen Versandhandel für christliche Mode auf. Fein, dachte ich, sowas gibts ja außerhalb Nordamerikas viel zu selten. Auf der Website heißt es obenan: „A new style of Christian clothing! Check our exclusive skinny jeans for…“ Im guten alten Usenet hätte man geschrieben: Ab da hab ich dann nicht mehr weitergelesen… – „Bei Schönheit geht es nicht darum, wie man aussieht. Es geht darum was in deinem Herzen ist. Das ist das Wichtigste überhaupt.“ .oO(Deshalb bin ich Unterwäschemodell geworden…)

Was sich ansonsten an Tanktops und „Skinny jeans“ mit Bibelsprüchen auf der Website von Godinspiredfashion (!) die Hand gibt – also ich würde mich so weder in die Kirche noch sonstwohin trauen, auch würde man es nicht von mir erwarten. Den Effekt, die Bibelstellen drauf entziffern und womöglich mit dem Kleidungsstück in irgendeine Verbindung bringen zu wollen, fand ich auch einigermaßen irritierend. Wenn man das Zeug erst anhat, dürfte es sich für die Trägerin noch wesentlich irritierender anfühlen. Zum Tanktop mit dem Namen und der Aufschrift Ich schäme mich des Evangeliums nicht fällt mir wirklich nur ein: …des Evangeliums nicht… Absolut unbezahlbar ist ja das Spaghettiträger-Nichts mit dem Lob der tüchtigen Frau (Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert…). Hier möchte man dann in Anlehnung an Vers 19 sagen, hätte sie sich doch Garn für was Größeres gesponnen, vielleicht mit Ärmeln dran.

Bitte ums Gebet

Das Bild des traurigen kleinen Jungen und Kardinal Burke hat viele berührt. Der Junge konnte bei der Feier der Erstkommunion seines älteren Bruders die Heilige Kommunion noch nicht empfangen, hätte aber so gerne kommuniziert. Der Kardinal hat ihn anscheinend mit den Worten getröstet, der Tag seiner Erstkommunion käme sicher bald. Am Rande hab ich mich schon gefragt, ob man einem Kind, das erkennbar reif genug ist und sich so danach sehnt, nicht vorzeitig gestatten könnte, zur Erstkommunion zu gehen – eine solche Feier ist ja nicht an einen bestimmten Tag gebunden.

Berührend ist allerdings auch ein anderes Anliegen, das die Mutter des kleinen Jungens, überrascht von der Anteilnahme, die das Bild auf Facebook und auf Blogs hervorgerufen hat, erbittet: für ihn zu beten, denn er hat eine seltene Immunerkrankung, die sporadisch mit Fieberanfällen, heftigen Kopfschmerzen, nächtlichem Erbrechen, Krämpfen und großem Unwohlsein einhergeht. Auch kann sie zur Erblindung führen. Die Eltern rufen den sel. Johannes Paul II. um seine Fürsprache an. Dem kleinen Louis und seiner Familie wäre es eine Stütze und ein Trost, zu wissen, daß viele Menschen auf der ganzen Welt für ihn beten.

Montag, 12. August 2013

Der hl. Josef braucht nicht zu warten

Nachdem der Heilige Stuhl zum Gedenktag des hl. Josef des Arbeiters die Aufnahme des Heiligen in alle Hochgebete angekündigt und in dem Dekret die Worte „von nun an“ verwendet hatte, überlegten einige, daß dies ad hoc umzusetzen sei und der hl. Josef ab sofort im Hochgebet jeder Heiligen Messe genannt werden könne. Andere meinten, der heilige Josef müsse bis zum Erscheinen der Übersetzung neuen Meßbuchs ins Deutsche warten. Das liturgische Institut Trier hat netterweise Mitte Juni eine deutsche Fassung für die Hochgebete II bis IV veröffentlicht.

Und siehe! Seither ist mir der hl. Josef ziemlich oft im Hochgebet begegnet. Man will den hl. Josef offenbar nicht (ewig?) warten lassen und von nun an war anscheinend auch hinreichend eindeutig. Zwar hat gerade gestern ein Liturgiker mir gegenüber ausgeführt, warum er die Aufnahme des hl. Josef in andere Hochgebete als das erste (und vielleicht noch das dritte) für nicht sinnvoll hält, indes tut es meiner Freude keinen Abbruch. Etwas werden sich die Heiligen Väter – Benedikt XVI., dessen Taufname Josef lautet und der ob seines Wappens als Verehrer der heiligen Familie bekannte Franziskus – wohl gedacht haben, wenn sie die Worte bereitwillig und dankbar verwenden. Wie sieht es bei euch aus? Ist der hl. Josef schon im Hochgebet angekommen?

Zeitvertreib (2)

Jüngst monierte jemand auf der Unaussprechlichen die Bildunterschrift Ganzkörperreliquie des seligen Johannes XXIII. Diese erschiene „nicht sinnvoll“, weil sie „nur die Sichtweise der Katholiken“ wiedergebe. (Die Sichtweise von Katholiken ist bei einem Thema wie Reliquien natürlich per se nicht sinnvoll. Logo.)  Allenfalls könne man schreiben „des von der katholischen Kirche seliggesprochenen“. Ich überlegte daraufhin spaßeshalber, wie die Weiterführung eines solchen Wunsches wohl aussehen könnte, wenn man dergestalt auch noch dem letzten Atheisten willfahren will. Als nächstes sagen wir vielleicht auch nicht mehr Reliquie. Wieso fiel mir an dieser Stelle eigentlich die Grabinschrift Here lies an atheist, all dressed up and no place to go ein?

Der Heilige Stuhl wäre dann vielleicht „das von der katholischen Kirche als heilig bezeichnete Völkerrechtssubjekt des Bischofs von Rom“, das Heilige Kreuz „das von mehreren aber längst nicht allen Denominationen als heilig bezeichnete christliche Hauptsymbol, das einige sogar als Götzendienst ablehnen“, und das Allerheiligste mutiert vielleicht wieder zu jener auch schon einmal allen Ernstes in der Unaussprechlichen vorhanden gewesenen, von Katholiken verehrten „Scheibe Brot“. (So kommt es, wenn jeder überall alles reinschreiben darf.)

Und immer so weiter – das Betätigungsfeld ist unglaublich reich: Heilige Woche, Heilige Pforte, Heiliges Jahr, Heiligtum und, last but not least, auch Heiligsprechung und Seligsprechung. Die Heiligen und die Seligen selbst müßten dann genau genommen anstatt etwa als der hl. Johannes der Täufer als der „von der katholischen und der orthodoxen Kirche und auch den anglikanischen und einigen evangelischen Gemeinschaften als heilig angesehene, aber von keiner Kirche formal heiliggesprochene Johannes der Täufer“ bezeichnet werden. Et cetera. – Dann wird das Schreiben über typisch Katholisches jedenfalls unglaublich anstrengend. Und das Lesen auch.

Sonntag, 11. August 2013

Sternschnuppennacht

Da Elsa die Frage gestern aufgeworfen hatte: der Höhepunkt des diesjährigen Perseidenschwarms, den man wegen seiner Nähe zum Fest des Heiligen auch Laurentiustränen nennt, ist morgen Nacht nach 23 Uhr. Mit Glück kann man aber auch in den Nächten vor dem eigentlichen Höhepunkt auf Sternschnuppenjagd gehen. Leider war es mir gestern abend wegen wegen reichlich mittelgroßer Schäfchenwolken nicht hold, ich versuchs noch mal.

Gedanke zur Nacht


Wenn du in der Nacht erwachst, versetze dich selbst schnell im Geiste vor den Tabernakel und sprich: Siehe, mein Gott, ich komme, dich anzubeten, dich zu loben, dir zu danken und dich zu lieben und mit allen Engeln dir Gesellschaft zu leisten. (Jean-Marie Vianney, der hl. Pfarrer von Ars)

Freitag, 9. August 2013

Eine heilige Versammlung


Auf diesem Kirchenfenster sieht man die hl. Teresia Benedicta vom Kreuz zusammen mit zwei der fünf[1] heiligen Theresen (von Avila und von Lisieux). Die vierte im Bunde, ganz rechts, ist die hl. Katharina von Siena – allesamt Kirchenlehrerinnen. Ich frag mich, ob damit nicht eine Hoffnung ausgedrückt werden sollte: Karmelitinnen vor, noch ein Tor! Die heilige Therese vom Kinde Jesus und vom heiligen Antlitz hat man mit dem Beinamen Doctor amoris, Doktor der Liebe, ausgezeichnet. Was möchte wohl der Beiname Edith Steins sein? Doctor crucis?
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[1] selige Theresen gibts noch vier: Teresa Maria vom Kreuz (Manetti), Teresa vom hl. Augustinus (die zu den 16 Märtyrinnen von Compiègne gehörte), Teresa de los Angeles, ebenfalls eine Märtyrin, und Maria Teresia vom hl. Josef.

Wir kommen nach Osten – zum Fest der hl. Teresia Benedicta vom Kreuz

Die letzten Tage im Leben Sr. Teresia Benedictas vom Kreuz erscheinen wie eine Serie von Momentaufnahmen, deren letzte unbekannt ist. Am 2. August wurden Sr. Teresia Benedicta und ihre Schwester Rosa von zwei SS-Offizieren aus der Klausur des Karmels von der Heiligen Familie in Echt weggeführt, sie gingen für ihr Volk. Wer alles zu diesem Volk gehört, darüber kann man nachdenken. Das Volk Edith Steins waren auch, wie sie in ihrem Testament schrieb, alle, die Gott ihr gegeben hatte, auf daß keines von ihnen verlorenginge.

Über das Durchgangslager Amersfoort kamen sie nach Westerbork. Von dort ist ein kurzer Brief mit dem Datum 6. August an die Karmelitinnen von Echt erhalten, in dem sie den Konvent um Vorräte bittet und hinzufügt, „Konnte herrlich beten“.

Mitten in der Nacht vom 6. auf den 7. August, morgens um halb vier, setzte sich der Zug, in dem sich die Gefangenen befanden, in Bewegung. Am späten Nachmittag hielt er noch einmal in Schifferstadt. Dies ist das letzte Zeugnis, das wir von der Heiligen haben. Ihre letzten Worte bei dieser Begegnung am Zug: „Wir kommen nach Osten“. Zwei Tage später erreichte der Zug das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dort verliert sich jede Spur, die Gefangenen wurden sofort in die Gaskammern geführt. In einer acht Jahre später veröffentlichten Auflistung der Transporte, die Holland am 7. August verließen, findet sich der Eintrag: „Nr 44074, Edith Theresia Hedwig Stein, geb. 12. Oktober 1891 zu Breslau, aus Echt, gestorben 9. August 1942.“

Wir kommen nach Osten – dies hat mehr als eine Bedeutung. Von je her wendet sich der glaubende, betende Mensch nach Osten, wo der Morgenstern erscheint und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne den Himmel erhellen. Als die Frauen in der Frühe des Ostertags zum Grab kamen, als eben die Sonne aufging, fanden sie den Stein weggewälzt und das Grab leer. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Ein deutlicher Fingerzeig, daß das Kreuz, wiewohl unsere Hoffnung, im Leben und Sterben nicht das letzte ist; es liegt etwas hinter ihm, im Osten: die Begegnung mit dem Auferstandenen.

Donnerstag, 8. August 2013

…and fiddlebacks! (2)

Bei all dem Spekulatius in Bezug auf die Franziskaner der Immakulata sollte man vielleicht nicht ganz aus den Augen verlieren, daß es sich um ordensinterne Vorgänge handelt, was sich bereits sehr früh abzeichnete. Diese hochachtbaren Brüder haben die bisherigen Verlautbarungen des Heiligen Stuhles dazu mit Demut aufgenommen und mehrfach erklärt, sich in Gehorsam zu fügen. Vielleicht sollte man bei verschiedensten Äußerungen zum Thema, die letztlich nahezu alle von außerhalb kommen, einmal daran denken, daß man den Brüdern keinen Gefallen tut, wenn man dieser klugen und bescheidenen Art nicht folgt. Auch kann man in solche Konvente von außen nicht hineinsehen.

Am vergangenen Wochenende hatten die Franziskaner von der Immakulata zwischenzeitlich deutlich genug vom Rauschen im virtuellen Blätterwald (ich hab mir mal typographisch erlaubt, die Großbuchstaben in fett gesetzten Text umzuwandeln, es kann dem Bruder, der das ins Netz gestellt hat, unmöglich bewußt gewesen sein, daß Großbuchstaben beim Leser oft als Schreien empfunden werden. Sicher ging es ihm nur darum, die entsprechenden Worte hervorzuheben):
Declaration about some recent facts

Having learned of the online petition organized by the website of the Association "Corrispondenza Romana" in order to gather signatures to be presented to the Prefect of the Congregation for Institutes of Consecrated Life and Societies of Apostolic Life against the Decree of 11 July 2013 (Prot. 52741/2012), after having already expressed its position several times and after having released the official communication of its Father Founder, the Religious Institute of the Franciscan Friars of the Immaculate reaffirms its obedience to the dispositions of the Holy Father, declares that it will have nothing to do  with the initiative of the aforesaid website or any like initiative, past or future, rejects any attempt to use a matter internal to the Institute to attack the Pope and the Catholic Hierarchy, and appeals to all to maintain silence, respect and prayer regarding the matter, in order to allow the competent authorities to carry out their task in peace for the good of the Church and of the Institute.

In Corde Matris
Fr. Rosario M. Sammarco, fi
Encharged of the Institutional Website of the Franciscans Friars of the Immaculate


(Nachdem wir von der Online-Petition erfahren haben, die von der Website der Agentur Corrispondenza Romana angestrengt wurde, um Unterschriften zu sammeln, die dem Präfekten der Kongregation für die Institutes des geweihten Lebens und den Gesellschaften apostolischen Lebens gegen das Dekret vom 11. Juli 2013 (Prot. 52741/2012) vorgelegt werden sollen, nachdem wir die Aussagen desselben Dekrets mehrmals erläutert und nachdem wir die dienstlichen Bekanntmachungen des Gründungsvaters veröffentlicht haben, beteuern wir Franziskaner der Immakulata ein weiteres Mal unseren Gehorsam, erklären, daß wir weder mit der vorgenannten Initiative der Website noch mit irgendeiner ähnlichen Initiative in der Vergangenheit oder in der Zukunft etwas zu tun haben wollen und verneinen ausdrücklich jeden Versuch, eine interne Angelegenheit des Instituts dazu zu verwenden, den Papst oder die Hierarchie der katholischen Kirche anzugreifen. Wir fordern alle auf, in dieser Angelegenheit Stillschweigen und Respekt zu bewahren und im Gebet zu verharren, damit die zuständigen Stellen ihre Aufgabe in Frieden und zum Wohl der Kirche und des Instituts durchführen können.)
Zur Stille und zur Fürbitte für die Franziskaner der Immakulata lädt auch ein Video dieser Ordensgemeinschaft ein, deren Motto Ave Maria ist (daher die vielen Aves in der unterlegten Musik): Sandals and fiddlebacks.




Dienstag, 6. August 2013

Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit – Fest der Verklärung


Der Tag heiliger Glückseligkeit ist gekommen:
der Herr ist auf dem Berg Tabor erschienen
und erstrahlt im Glanz seiner Heiligkeit (aus dem Troparion vor dem Fest der Verklärung)

Der feierliche Segen des heutigen Fests der Verklärung ist Aarons Segen, den ich eben wegen der Zeile er erhebe sein Antlitz auf euch immer sehr geliebt habe.

Die Perikopen des Tages zeigen uns Christus als den Verklärten, dessen Antlitz wie ganze Gestalt so strahlend wird, daß es die Jünger blendet und sie ihn nicht ansehen können. Solcherart wird der Glanz sein, den wir einst sehen werden – und dann ertragen können –, dann, wenn wir ihn sehen können, wie er ist: Christus, von dem es in der Offenbarung heißt, daß man keine Lampe noch das Licht der Sonne brauchen wird, denn Gott selbst wird leuchten und alle Finsternis vertreiben.

Das Fest der Verklärung mitten im Sommer scheint uns auf den ersten Blick vielleicht entlegen, hören wir die Perikope von der Verklärung doch sonst in der Fastenzeit. Mit diesem Fest verhält es sich wohl ähnlich wie mit Fronleichnam, das ein Gegenstück zum Gründonnerstag ist. Die Einsetzung des Priestertums und der Eucharistie konnte man in der Fastenzeit und Karwoche nicht so prunkvoll feiern, wie man gewollt hätte und es angemessen ist. So ist es auch mit dem Fest der Transfiguration, das in den Ostkirchen eines der höchsten Feste ist – und wie sollte es auch nicht? In jedem Jahr bin ich etwas erstaunt, daß es in der Tradition der lateinischen Kirche kein Hochfest ist. So schreibt der hl. Chrysostomus: Es [das Ereignis der Verklärung] enthüllte ihnen etwas von seiner Heiligkeit, so viel und insoweit sie es verstehen konnten, und zeigte ihnen den innewohnenden Gott.

Das Fest der Verklärung birgt mehrere freudige Geheimnisse
  • Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott
  • Christus der Erlöser wurde verklärt und verherrlicht, um uns zu erretten
  • er wird wiederkehren in Herrlichkeit
  • Gott erhebt sein strahlendes Antlitz auf uns und wir werden erleuchtet vom göttlichen Glanz
  • er ist unsere Hoffnung

Sonntag, 4. August 2013

Der Hirt und das traurige Schäfchen

Sehnsucht nach Christus in der heiligen Kommunion −
Raymond Leo Kardinal Burke vor wenigen Tagen beim fünften Jahrestag
der Kirchweihe im Schrein unserer lieben Frau von Guadalupe

Dieses Kind konnte die heilige Kommunion noch nicht empfangen. Darüber war es bei der anschließenden Begegnung noch so traurig, daß es dem Kardinal ins Meßgewand geschluchzt hat. Die Geste des Kardinals finde ich auch sehr berührend.

Selten zu sehen: Im Schrein unserer lieben Frau
haben die Meßdiener blaue Talare

Samstag, 3. August 2013

Liturgische Wundertüten

Heilige Messe am Herz-Jesu-Freitag, sakramentale Aussetzung mit Segen und Gewinnung des Portiunkula-Ablasses – das sind ja schon drei Sachen! Schönerweise gabs das gestern alles auf einmal (für die eucharistische Andacht am Freitag war das die Premiere) und wunderbarerweise war es bei der Aussetzung wirklich still. Unterbrochen wurde die Stille irgendwann durch die Stimme des Zelebranten, der vor der Reponierung des Allerheiligsten vor der Messe schon mal mit der Andacht zum heiligsten Herzen Jesu anfing, anstatt, wie vereinbart, vorher vom Beichtstuhl aus in die Sakristei zu kommen. Dies vernahmen wir in der Sakristei (da der Zelebrant stimmgewaltig war). Nun galt es, mit Weihrauchfaß und Schiffchen würdig hinzuzutreten.

Beim Segen ging es an einer Stelle etwas unrund, weil es für mich kaum einen Augenblick gab, dem Zelebranten das Velum nach dem Segen wieder abzunehmen, auch ist es als kleiner Ministrant nicht ganz einfach, einem baumlangen, stehenden Zelebranten das Velum aufzulegen und ihm womöglich den Verschluß in die Hände zu geben, wenn er sie nicht ausstreckt. Aber das kenne ich schon[1], der Baumlange denkt einfach nicht dran, muß er sich den Verschluß halt selber suchen, von hinten umarmen ist nicht. Ich frag mich nur, warum muß er aufstehen, wenn er doch zuvor ohnehin kniet? Daß der Priester vor dem Auszug eigentlich das Velum wieder abnimmt, weiß sicherlich auch nicht jeder Meßbesucher, insofern fiel es womöglich nicht weiter auf, daß er mit dem aufgelegten Velum wieder ausgezogen ist. Da ich aber eigentlich drauf eingestellt war, es wieder abzunehmen und zu versorgen, hatte ich etwas Mühe, bei dem überhasteten Auszug mein Schiffchen zu greifen und mich wieder vor ihn in die Auszugsprozession einzusortieren. Also, wenn mir irgendwas widerstrebt, dann, wenn jemand vor dem Allerheiligsten die Ruhe nicht hat.

Auch in der anschließenden Messe erwies sich der Zelebrant als eine Art Wundertüte, man wußte nicht, was kommt als nächstes raus? Einige frei formulierte Akklamationen, Betet, Brüder und Schwestern – das finde ich immer schön –, Einladung zum Hochgebet und Präfation gesungen, auf einem Ton, der sich gut singen läßt (leider war gestern der Tag des unmusikalischen Volkes), ein Stillgebet des Priesters sprach er laut, das Vater unser dagegen ohne Embolismus (die Gemeinde zögerte hörbar, hierzukirch wird er nämlich immer gesprochen). Dabei drehte der Priester am Altar in der Orante dem eucharistischen Herrn den Rücken zu und schaute uns an. So verdeckte seine Gestalt iHN, den zumindest wir beim Vater unser ansehen wollten.

Manchmal kommt es bei der Erhebung der Gaben – die eigentlich ein sehr schöner und stiller Moment ist – vor, daß ein Zelebrant nacheinander Schale und Kelch erhebt und sich dabei langsam einmal um sich selber dreht. Mich lenkt das einigermaßen ab: ich schaue auf den sakramentalen Christus und bete im Stillen: Mein Herr und mein Gott, (mein König und mein Bräutigam); unwillkürlich versuche ich also, dem Herrn mit den Augen zu folgen und sehe doch einen Zelebranten, der mit ihm eine Art Pirouette in Zeitlupe dreht. Einen Gefallen tut man den Gläubigen meines Erachtens damit nicht, aber wer bin ich schon?

Bei solchen Sachen weiß ich auch nicht, so nett jemand vorher oder nachher menschlich erscheinen mag, als Ministrant zieht er mich von der Andacht ein wenig bis ziemlich ab, schon weil man das Gefühl nicht loswird: was? Was kommt als nächstes? In die Liturgie, so wie sie eigentlich sein soll, kann man sich einfach hineinfallen lassen und seinen Platz in ihr finden. Bei der „Wundertüte“ dagegen wird man ein stetes Gefühl der Verwirrung nicht los.

Vor einiger Zeit mal hab ich mich nach der Sonntagsmesse zeitweilig an der Ableitung eines Diagramms oder einer Formel versucht, aus der sich die die mathematische Wahrscheinlichkeit einer Korrelation von Eigenartigkeiten herleiten läßt (The Big Bang Theory läßt grüßen). Aus selbiger Graphik sollte ersichtlich sein, wie wahrscheinlich es ist, daß sich nach der Abwandlung im Tagesgebet, Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott…, in „Darum bitten wir durch unseren Bruder Jesus Christus…“ weitere rituelle Merkwürdigkeiten zutragen werden, wie etwa „…und schenke der Welt Einigkeit, Gerechtigkeit und Frieden“ (hier warte ich nach „Einigkeit“ unwillkürlich immer auf „Recht und Freiheit“) oder eben auch der weggelassene Embolismus. Diese Bestrebung, dem Schwarzen und Roten im Meßbuch unbedingt seinen eigenen Stempel aufdrücken zu wollen (anders kann ich mir solche Varianten nicht erklären), ist mir unverständlich. Was ist eigentlich so schwer daran, das – und bei dieser Gelegenheit nur das – zu beten, was im Meßbuch steht? Dafür ist es ja da. Dann fiel mir die Nutz- und Lieblosigkeit eines solchen Diagramms ein. Das war wahrscheinlich auch besser so.

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[1] Es gibt einen Diakon, der steht immer, auch bei der Aussetzung, wenn ihn nicht eines Tages ein Blitz fällt.
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