Samstag, 29. Juni 2013

Eine kleine Bildergalerie zum Pallium

Eines der Agneslämmer, deren Wolle in dem Pallium
eines Erzbischofs verwoben wird. Der rote Blumenkranz
ist das Zeichen des Blutes des Martyriums.
Das Pallium mit den sechs aufgestickten schwarzen Kreuzen
wird von den Schwestern der Abtei Sta. Cecilia
 in Trastevere  gefertigt und vor der Verleihung in der
Nische aufbewahrt, in der das Grab des Apostels Petrus
sich befindet.  Die schwarzen Spitzen, in die das Pallium
auf Brust  und Rücken  mündet, erinnern an die Hufe
eines Lammes, das der Hirt auf seinem Rücken
und zum Wasser des Lebens trägt.
Vor und nach der Liturgie wohnt das Pallium
in einem solchen Häuschen, auf dessen rechter
Seite sich das Bild des Apostels Petrus befindet.

Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dem der Hirte in die Wüste nachgeht, war für die Kirchenväter ein Bild für das Geheimnis Christi und der Kirche. Die Menschheit, wir alle, sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Den Sohn Gottes leidet es nicht im Himmel; er kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verläßt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt. Das Pallium sagt uns zuallererst, daß wir alle von Christus getragen werden. (Papst Benedikt XVI. in der Predigt zu seiner Amtseinführung)

This is an ex-customer…

Daß „neue, verbesserte Rezeptur“ immer ein Synonym für „jetzt noch billiger herzustellen“ ist, ist vielen bekannt. Indes stand das auf dem löslichen Espresso, den ich konsumiere, bisher gar nicht. Er schmeckte aber seit einiger Zeit trotzdem irgendwie nach „verbesserter Rezeptur“. Irgendwann fiel mir auf, daß auf der Packung mittlerweile „löslicher Bohnenkaffee“ statt wie zuvor „löslicher Espresso“ steht. Dann änderte sich bei den Portionspackungen der Inhalt um je 0,2 g weniger, was einer verdeckten Preiserhöhung von 11,1 % gleichkommt. Also sowas liebe ich ja – wenn wenigstens die Qualität dieselbe geblieben wäre, würde ich nichts sagen. Ist sie aber nicht. Ich zahle also jetzt für ein qualitativ schlechter empfundenes Produkt mehr als zuvor für das bessere.

Irgendwann, wann genau, weiß ich nicht mehr, änderte sich das Aussehen des Produktes, nachdem ich schon einige Zeit das Gefühl hatte, man bräuchte mehr Pulver, damit das Zeug überhaupt nach Espresso schmeckt (und nicht nach Blümchenkaffee). Gleichzeitig hat es einen eigenartigen Beigeschmack, den es vorher nicht hatte. Bei den 100 g-Gläsern, die ebenfalls deutlich teurer geworden sind, nur daß man es hier gleich merkt, ist eine eindeutige Veränderung von Farbe und Konsistenz erkennbar, das Glas sieht auch so anders aus, daß ich erstmal überlegte, ist das überhaupt noch das gleiche Produkt? Immerhin heißt es anders, sieht anders aus, die Verpackung ist anders, es schmeckt anders und anders kosten tut es auch. Das alles sprach nun doch sehr für eine neue, wenn auch nicht unbedingt verbesserte Rezeptur. Und siehe da: zwischendurch gab es bei den Portionspackungen einen Aufdruck, der auf die neue Rezeptur hinwies (auf die verdeckte Preiserhöhung natürlich weiterhin nur verdeckt ;) Dann war er auch schon wieder verschwunden.


Wendet sich der Kunde nun schriftlich an den Hersteller, um höflich seinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß ein vormals gutes und geschmacklich zufriedenstellendes Produkt so sehr zu seinem Nachteil verändert wurde, macht er mit hübschen Textbausteinen Bekanntschaft. Vielleicht sind solche Antworten ja auch komplett maschinell generiert (womöglich haben sie in ihrer Abteilung Corporate Communications auch eine „neue Rezeptur“?):
Vielen Dank für Ihre Nachricht zu unserem Produkt Jacobs Espresso. Es ist richtig, daß wir … eine Rezepturverbesserung vorgenommen haben. Durch die Qualitätsverbesserung [häh?] gibt es jetzt eine noch feinere Crema. Wir hoffen, daß Sie weiterhin unsere Jacobs Espresso Sticks gerne [häh?] genießen.
Liebe Firma Kraft: das ist eine eitle Hoffnung.

Freitag, 28. Juni 2013

Super planets

Der Mond über dem Tal des Todes…
…und der Uranus an seiner Stelle.

Paßt noch irgendwie zum Supermoon am letzten Wochenende – faszinierende Bilder hat der Photograph und frühere künstlerische Leiter der NASA, Ron Miller, geschaffen: der Nachthimmel, wie er uns erscheinen würde, hätte einer der Planeten denselben Abstand von uns wie der Mond.

Die Bilder stellen natürlich in mehr als einer Hinsicht eine Unmöglichkeit dar. In derselben Entfernung von der Erde wie der Mond (286,243 Kilometer) erschiene Jupiter nicht nur vierzig Mal so groß, seine ungeheure Anziehungskraft würde die Erde auch völlig verwüsten und schließlich zerbrechen lassen. – Uranus ist ganz hübsch, Neptun sieht aus wie eine blaue Murmel, Jupiter und Saturn dagegen find ich einfach nur furchterregend (da nützten mir auch der phänomenale Ausblick auf den großen roten Fleck und das Gefühl, auf den Ringen des Saturns spazierengehen zu können, nichts). Und der arme Pluto fällt wieder hinten runter.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Die Sehnsucht nach frischem Gras – Rising Hope

Den Kurzfilm Rising Hope, der erstmals auf der Berlinale im letzten Jahr gezeigt wurde und seither einige Preise gewonnen hat, hab ich mir mehrmals angeschaut und finde ihn jedesmal wunderschön. In wenigen Minuten kommt man an einem ganzen Spektrum von Emotionen vorüber, von Sehnsucht über Einsamkeit und Verlassensein, Freundschaft, Lachen und Traurigkeit bis hin zur Reisekrankheit beim Rückwärtsfahren – dieses Pferd mit den Spiegeleieraugen ist einfach ein Sympathieträger. Todkomisch ist sind auch die Szenen mit dem Windhund: genauso würden solche Tiere wohl motoradfahren, wenn sie es könnten.

Zum Schluß bleibt eine leise Traurigkeit, daß das Ende im Grunde wohl eine Unmöglichkeit darstellt, nicht nur, weil Pferde nicht motorradfahren können. Mit Windhunden, die nicht mehr die gewünschte „Leistung“ bringen, wird teilweise unsäglich umgegangen, wie es mit Rennpferden ist, vermag ich nicht genau zu sagen, vielleicht nicht viel besser. Ich hab mich erstmal gefragt, ob es solche Flachbildschirme in Pferdetransportern tatsächlich wirklich gibt? Trotzdem zeigt der Film die Erfüllung einer Sehnsucht auch in uns selbst: hier reitet nicht der Cowboy in den Sonnenuntergang, sondern das Pferd biegt von der Autobahn ab und wird eins mit seinem Traum – und der ist nicht der Siegerkranz, sondern die Sehnsucht nach Stille, einer sanften Brise, die durchs Haar streicht, und grünem Gras.











Dienstag, 25. Juni 2013

Eucharistische Anbetung am Freitag


Die hiesige Gottesdienstordnung wird etwas geändert: ab August wird die Sonntagvorabendmesse eine Stunde früher gefeiert, also 18 Uhr statt 19 Uhr; die sakramentale Anbetung, die bisher am Samstagnachmittag gehalten wurde, halten wir nun am Freitagabend. Aus verschiedenen Gründen halte ich das mit der Verlegung der sakramentalen Andacht für eine wirklich gute Idee. Zum einen liegt sie nun am Freitagabend unmittelbar vor der Heiligen Messe, was uns die schöne Möglichkeit gibt, am Herz-Jesu-Freitag auch den sakramentalen Segen zu empfangen. Außerdem muß man sich nun nicht mehr zwischen Heiliger Messe und Anbetung anderswo entscheiden. (Regina Martyrum bietet ebenfalls beides).

Außerdem dürfte von den äußerlichen Bedingungen her vielleicht nun etwas mehr Ruhe einkehren. Bisher ist es von den Touristen abgesehen, am Samstagnachmittag immer auch vorgekommen, daß Leute verinnerlicht hatten, die Abendmesse sei in der Kathedrale um sechs (was ja an allen anderen Tagen auch zutrifft). Diese stiegen dann in die Unterkirche hinab und erkundigten sich irgendwann in der Anbetung nach der Messe. Da man meist keine Lust hatte, darauf noch andertviertel Stunden zu warten, stieg man anschließend mehr oder weniger geräuschvoll wieder hinauf und mopperte in der Oberkirche herum. Diese Klippe ist jedenfalls umschifft. Dafür kommen jetzt allerdings die Leute zur Heiligen Messe. Ich hoffe, die meisten werden, wenn sie es einmal wissen und die Möglichkeit haben, schon früher kommen: die sakramentale Anbetung mit der Heiligen Messe im Doppelpack ist doch eigentlich ideal – die eucharistische Anbetung, bei der sich in gewisser Weise auch Himmel und Erde berühren und die zur Heiligen Messe und zur Kommunion, der Quelle und dem Mittelpunkt unseres Lebens führt.

Aus der Kategorie lustige Schreibfehler

„Magma cum laude“. Uups – grade noch gemerkt.

Montag, 24. Juni 2013

Das Blasenpflaster und ich (ein Tagebuch)

Vorweg das wichtigste zuerst: Leuten, die mit der Wirkungsweise eines Blasenpflasters nicht vertraut sind, sollte man wirklich in der Apotheke erzählen, daß es normal ist, daß sich da an der Stelle der Blase so ein weißes Zeugs bildet. Dann kommen sie, zumal sich der Fuß ohnehin schon recht auffällig gebärdet, nicht auf die Idee, ob vielleicht nicht noch vor Montag doch noch eine ärztliche Versorgung benötigt wird. Also:

Beim Betriebsausflug hab ich mir eine Blase gelaufen. Im Prinzip nicht schlimm, nur leider an ungünstiger Stelle, weil man auf den Fußballen dauernd drauftritt. Auf dem Weg zur Arbeit an Tag 1 verabschiedet sich die Blasenhaut und seither humple ich herum, was (zunächst) viel dramatischer aussieht als es ist. Für die offene Stelle gibts mehrere Heftpflaster, die sich aber immer wieder verabschieden, auch hat die offene Stelle mittlerweile die Größe eines Zweieurostücks und ist krebsrot. Ich komme mir seit Tagen vor wie die kleine Seejungfrau, als sie bei der Meerhexe ihren Schwanz gegen zwei Beine eingetauscht hat.

So erstehe ich schließlich am Abend des Tages 3 in der Apotheke ein besonderes Blasenpflaster, bei dem der Packungsaufdruck zwar polyglott ist, aber ansonsten wenig erzählt. Der zugesagte Zettel in der Box mit fünf Pflastern zu stolzen 6,95 Euro – nach Abzug meines Kundenrabatts 6,74 – fehlt. Im Internet gibts übrigens, das hab ich am Samstagabend herausgefunden, eine ziemlich lange Liste mit FAQs zur Wirkungsweise dieser Pflaster. Vorbildlich, aber für mich zu diesem Zeitpunkt etwas spät. Fast unmittelbar nach dem Aufkleben des Pflasters am Freitagabend fing der Fuß nämlich an, erst richtig herumzuzicken und wehzutun. Außerdem hat sich dort eine weißliche Masse gebildet, die wenig vertrauenerweckend aussieht und den Verdacht aufkommen läßt, man habe mit dem Aufkleben des Pflasters womöglich erst die Vorbedingungen für eine erstklassige Infektion geschaffen. Jeder, der mal den Kardinal von Henry Morton Robinson gelesen hat, weiß, daß Leute manchmal von einer Wanderung nicht mehr zurückkommen, sondern ins frühe Grab sinken, weil sie sich unterwegs eine Blase gelaufen haben.

Nach Rückkehr am späten Freitagabend entferne ich daher erstmal das Pflaster und voilà, spontane Erleichterung, der Fuß hört auf, wehzutun und über Nacht ist alles schön. Indes hab ich ja immer noch ein großes Loch im Fuß, weshalb dieser so unbenutzbar ist. Nach erneuter Desinfektion klebe ich daher halb gegen meine Überzeugung ein weiteres Blasenpflaster auf, das diesmal zwar nicht für größeres spontanes Unbehagen sorgt, dafür bildet sich eine noch größere weiße Stelle unter dem Pflaster. Nun ja. Kurz darauf erfahre ich durch Google, daß das offenbar genauso sein soll, da Kolloidpflaster dem Prinzip der feuchten Wundheilung folgen und die Wunde dadurch zugleich polstern. Wie bemerkt, wenn vielleicht mal jemand was gesagt hätte… (Erstaunlich übrigens, was man in Google für Suchwörter eingeben kann, um zu einer vernünftigen Antwort zu kommen. Google ist sozusagen idiotensicher.) Außerdem trägt die Internetliste des Herstellers mit FAQs zu meiner Beruhigung bei: das Zeug ist nicht luft-, sondern nur wasserdicht und man soll es einfach dranlassen, bis es von selber abfällt. Na dann.

Das zweite Pflaster hält vernünftig; am Sonntagnachmittag kann ich den Fuß sogar wieder halbwegs abrollen und daher abends in der Messe dienen. Leider kam ich auf die Idee, vorher und nachher Sandalen ohne Söckchen zu tragen, was offenbar dazu führt, daß sich ein Teil des Pflasters ablöst und die Blase wiederum Sperenzchen macht, glücklicherweise erst nach der Heiligen Messe. Anscheinend haben die Sandalen, so glatt sie innen aussehen, den Effekt feinen Schmirgelpapiers. Merke: Blasenpflaster muß man offenbar immer mit Strümpfen kombinieren. Also klebe ich am Sonntagabend ein neues Pflaster auf. Die Wunde sieht da immer noch so aus wie an Tag 1, ob dieses Prinzip der feuchten Wundheilung also so das Wahre ist, vermag ich noch nicht recht zu sagen. Auf jeden Fall scheint es nicht ganz billig – ich hab bis jetzt drei von fünf Pflastern verbraucht – und das Pflaster hat wirklich bei jedem einzelnen Mal nach dem Aufkleben ein deutliches Gefühl des Unbehagens ausgelöst, während der Hersteller mit dem Spruch „Lindert den Schmerz sofort“ wirbt. Andererseits, was soll man machen? So aber dein Fuß dich ärgert, hau ihn ab, ist auch keine Alternative. Vorher war der Fuß zunehmend unbenutzbar, jetzt gehts wieder. Aufgeklebt sieht so ein Pflaster ganz vernünftig aus und es läßt sich auch schmerzfrei wieder abziehen, das muß man der Fairneß halber sagen. Außerdem ist die weiße Masse unter dem Pflaster seit gestern deutlich kleiner, vielleicht passiert doch was. Es bleibt spannend.

Sonntag, 23. Juni 2013

Vigil des Hochfests der Geburt des Täufers

Die Vigil des Hochfests scheint dieses Jahr einige „eiskalt erwischt“ zu haben. So hatten wir heute in der Abendmesse die Lesungen und das Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis (ich möchte meinen, weil der Zelebrant die Predigt über das Evangelium des Sonntags vorbereitet hatte. Eigentlich ein wenig schade um die Texte des Hochfests, denn dieses gehört zu den wenigen, die eine eigene Vorabendmesse haben. Die Ostkirche nennt dieses Hochfest Die Geburt des heiligen Propheten, Vorläufers und Täufers Johannes und nennt ihn im Kontakion die Fülle aller Weissagung.
Die vormals Unfruchtbare gebiert heute den Vorläufer Christi. Dieser aber ist die Fülle aller Weissagung: Er wurde von den Propheten vorhergesagt, er, der im Jordan durch Handauflegung bezeugte die Erscheinung des Wortes Gottes, er, der Prophet, Verkünder und Vorläufer ist.
Dafür hatten wir aber immerhin die Gebete der Messe des Täufers mit seiner eigenen Präfation (ich hatte vorher so ein komisches Gefühl…[1]). Schön, wenn auch etwas drollig war es, die adventlichen Lieder 801 und 106 mitten im Sommer zu singen – die Knallhitze ist gottseidank einem schönen Sommerwetter mit malerischen Wolkenschiffen gewichen – und dabei die etwas erstaunten Gesichter der Gemeinde darüber zu bemerken, uns in weißen Paramenten feiern und Tauet Himmel, den Gerechten singen zu sehen. Ein wahrhaft adventliches Fest, denn die Geburt des Täufers kündet von der Geburt des Erlösers, schon in der Geburt weist er auf den hin, der nach ihm kommen soll.

Alles in allem paßten dann die Lesungen des 12. Sonntags doch gar nicht einmal so schlecht wie ursprünglich befürchtet, da sie sich auf das Kreuzesopfer Jesu beziehen. Der Antwortpsalm mit seinem Kehrvers Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott, ist wie geschaffen für den Täufer:
Gott, du mein Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir.
Nach dir schmachtet mein Leib
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum,
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen
.Als Extrageschenk vom Täufer verbindet sich das Hochfest mit dem diesjährigen Supermoon, der in diesem Jahr besonders groß ausfällt, weil sich der Mond fast so nahe an der Erde befindet wie es überhaupt nur geht. Am Punkt der dichtesten Annäherung ist uns der Mond rund 50.000 Kilometer näher als zum Zeitpunkt seiner größten Entfernung von der Erde. Beim Supermoon im August 2014 wird er uns dann noch einmal fünf Kilometer näher sein.

____
[1] Einer der hiesigen Priester war durchaus der Ansicht, der Sonntag stäche hier den Vorabend. Nein, tut er nicht, und genau für solche Fälle hat der liebe Gott das Direktorium erfunden.

Freitag, 21. Juni 2013

Media in vita mal wieder

Das war die schönste Katze der Welt, hier im November „durch die Blume“ gesehen. Leider ging es dann ganz schnell zu Ende, immerhin konnte sie dadurch zu Hause sterben. Als junge Katze hat sie wenig Gutes erfahren und wurde oft weitergereicht, insofern war sie rührend dankbar und immer ängstlich, wenn es im Katzenkorb aus der Wohnung ging, weil sie wahrscheinlich gedacht hat, sie muß wieder weg.

Gleich als ich sie zum ersten Mal gesehen hab, hab ich gedacht, ist das eine süße Katze! Das hab ich später ihr so oft erzählt, daß sie wahrscheinlich schon innerlich mit den Augen gerollt hat, äußerlich war sie so freundlich, mit der Nase zu stupsen und nach mehr Streicheleinheiten zu verlangen. Auch die Geschichte, als ich ihr im ersten Jahr den ganzen Advent über erzählt habe, in der Christnacht könnten Tiere sprechen und ich wäre schon ganz gespannt, was sie dann zu sagen hätte, ist mir noch gut in Erinnerung. Als ich aus der Christmette nach Hause kam, saß die Katze im Schrank und wollte nicht herauskommen (ein befreundeter Analytiker sprach von Überforderung). Beim Schreiben vieler Blogbeiträge hat sie auf meinem Schoß zusammengerollt gelegen oder saß auf dem iMac und ließ die Pfote dekorativ ins Bild hängen. Ansonsten bleibt die Erinnerung an viele schöne Stunden und ein Tier, das immer nur gut zu mir war. – Daß wir auch unsere Tiere im Himmel einmal wiedersehen glaub ich schon.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Samstag, 15. Juni 2013

Ein Hauch von Delft…



Königin Elisabeth II. heute bei Trouping the colour. Also mir hat das Outfit, bei dem auf dem Podium unter dem Mantel noch ein Kleid im Muster des Huts hervorkam, ja farblich sehr gefallen. Je nach Spiel von Licht und Schatten (das Wetter mit den über den Platz segelnden großen Wolken war parademäßig einfach ideal) sah das Blau auch etwas dunkler aus als in der Wiedergabe  – porzellanblau halt.

Freitag, 14. Juni 2013

Black narcissus

Gestern hab ich es getan: zum ersten Mal hab ich mir einen ganzen Spielfilm im Internet angeschaut, schon weil ich das Gefühl hatte, auf eine Wiederholung im Fernsehen könnte man warten, bis man schwarz(!) wird. Die Geheimnisse, nach denen manche Filme manchmal jahrzehntelang nicht gezeigt werden, andere Filme dagegen gefühlte zehnmal in einem Jahr, sind mir nie so ganz klar geworden.

Angeschaut hab ich mir Black Narcissus. Beim deutschen Titel Die schwarze Narzisse geht schon in der Übersetzung einiges an Mehrdeutigkeit verloren, da mit schwarzer Narziß nicht nur das Parfum gemeint ist, sondern auch der mythologische Jüngling, der sich im Anblick seines eigenen Spiegelbilds verliert, alles andere darüber vergißt und ertrinkt.

Die schwarze Narzisse ist ein Nonnenfilm[1], schon deswegen hab ich ihn mir jedesmal angeschaut, wenn er gezeigt wurde. Eine Szene aus dem Film gehört übrigens zu den wenigen, die ich dauerhaft unheimlich und beängstigend finde: die Szene, in der die ehemalige Sr. Ruth sich zuerst einen blutroten Mund malt, sich Mr. Dean an den Hals wirft, der sie nicht will, und später auf das Felsplateau mit der Glocke hinaustritt, um Sr. Clodagh in den Abgrund zu stürzen. So was schaut man sich mit derselben Faszination an, wie eine Schlange, die eine Maus verschlingt und schon deshalb immer wieder, um vielleicht einmal doch herauszufinden, was daran so beängstigend ist, auf daß es womöglich sein Geheimnis und damit seine Macht verliere. Bis jetzt hab ich es noch nicht raus. Ich weiß nicht, ob es nur daran liegt, daß Sr. Ruth sich selbst in ein Zerrbild verwandelt hat, der Medusa auf der Insel der Toten ähnlich. Sogar das im Schein der Kerzen dunkelrote Kleid erscheint im frühen Morgenlicht nachtschwarz.


Die Handlung beruht auf einem vergleichsweise schmalen Roman von Rumer Godden; fast alles, auf jeden Fall die meisten Dialoge, hat nahezu unverändert Eingang in den Film gefunden. Ursprünglich nannte der Verlag die deutsche Übersetzung von 1939 einmal Uralt der Wind vom Himalaja, später kehrte man aber zum Titel des Originals Schwarzer Narziß zurück.

Einem tätigen Schwesternorden wird als Stiftung ein indischer Palast angeboten. Die gleiche Schenkung wurde von einem Radscha schon einmal einem Brüderorden gemacht, der die Gründung aber schon nach fünf Monaten von jetzt auf gleich wieder aufgab. Trotz der merkwürdigen Umstände und der Warnung des Verwalters, der Ort eigne sich nicht für ein Kloster, besiedelt ein kleiner Konvent von fünf Schwestern den wunderschönen Palast Mopu, der einmal eine Art Harem war. Unter ihnen die labile Schwester Ruth, die man mehr oder weniger dorthin abschiebt, und als Oberin Sr. Clodagh, deren latente, aber große Arroganz im Buch stärker herauskommt als im Film. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

There's something in the atmosphere that makes everything exaggerated  − so drückt es der Verwalter Dean aus. Eine Eigenschaft des Ortes, die angesichts der gewaltigen Natur den Menschen, seine Gefühle und auch die Ordensregel klein und unbedeutend erscheinen läßt. Zugleich kommt aus vielleicht rein biologischen Gründen bei den Ordensleuten wegen der extremen Höhenlage eine unheilige Verbindung zustande, die Gefühle, Erinnerungen und Konflikte verzerrt und überproportional bedeutsam erscheinen läßt. Die Einwohner nennen den Berg, der über dem Kloster liegt und in dessen immerwährende Anschauung (Anbetung?) der alte Sanyasin auf dem Klostergrund so unablässig versunken ist, „the bare goddess“. Das sagt schon einiges aus. Ein großer Teil des Buches will auf die übernatürliche Stimmung hinaus, die die gewaltige Natur an diesem Ort schafft – und das ist wohl auch der Grund des Scheiterns der Schwestern: es ist etwas da, das alles übersteigert. Das ist, wie ich finde, in diesem Film eindrucksvoll umgesetzt. Die Schwestern verändern wenig an dem schnörkeligen und in überquellenden Details ausgestatteten Palast – einem Kloster mit seiner kargen Ausstattung so unähnlich – eher noch verändert er sie. In einer der Schlüsselszenen sieht man die Gartenschwester, die sich, wie die anderen, völlig in ihren Gedanken und ihrem „Projekt“ verloren hat, die dringend benötigten Gemüsebeete mit farb- und duftintensiven Blumen bepflanzt hat, von denen es dort ohnehin schon überreichlich gibt.

Vom Gebetsleben der Schwestern wiederum erfährt man wenig, es scheint quasi nicht vorhanden. Zwar sieht man die Schwestern in der Kapelle, doch scheinen sie auch dort gleichsam aus der Form geschlüpft, in der Welt ihrer eigenen Träumereien versunken, bis die Glocke sie wieder in ihre Form zwingt.


Bewußt nicht so genau informiert hab ich mich über die Art, wie die Außenaufnahmen zustandegekommen sind. Es gibt Dinge, die will ich lieber gar nicht so genau wissen. Ich mag nicht hören, daß wir uns grade nicht in einem Kloster in Belgien, sondern in Cinecittà befinden, daß das da ein Modell ist, die Berge auf Glas gemalt, und daß das Wasser in Titanic aus ganz vielen winzigen Dreiecken besteht. Lieber will ich glauben, daß das jetzt ein Gebirge ist, das Haus auf dem Felsen steht und das Wasser das ist, was es scheint. Wie ein Freund einmal sagte, eigentlich der ideale Theaterzuschauer.

Wie ich nach Hause gefahren bin (Filmgucken geht nur im Internetcafé), war ich noch ganz verstrickt in die Atmosphäre des Films und hatte Lullay my liking im Ohr. Das ist auch etwas, was mich jedesmal in seinen Bann zieht: Sr. Clodagh, die merkwürdige Art, wie sie zu ihrer Berufung kam, und ihre nutz- und fruchtlosen Jugenderinnerungen (weil der, den sie liebte, sie nicht genommen hat, gab sie aus Stolz und reinem Trotz auch die geliebte Heimat auf): Ich bin dahingetrieben und hab geträumt und jetzt bin ich wieder zum Seelenkampf und zur Bitterkeit erwacht …  Nach all diesen Jahren hatte ich geglaubt, alles vergessen zu haben, bis ich hierherkam. Auch sehen sich Sr. Clodagh und die halbverrückte Sr. Ruth in Tracht irgendwie vage ähnlich, was erstaunlich ist, denn eigentlich halte ich Deborah Kerr für sehr schön.

Was mir an dem Film so gefällt, ist die Art, wie er mit dem Licht umgeht – es erinnert an Malerei, vielleicht der flämischen oder niederländischen Meister.








___
[1] Wenn es auch anglikanische Nonnen sind, der Unterschied besteht aber hier buchstäblich nur auf dem Papier.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Return of the cicadas

makroskopische Aufnahme eines Zikadenflügels
Ihr Ruf gehört zu den lautesten im Tierreich, obwohl die Tiere so klein sind: Zikaden. Die zartgliedrige und farbenfrohe Gestaltung ihrer Flügel regen Künstler und Goldschmiede an – so hatte ich mal einen Bakelitarmreif in Form einer Singzikade.

Das faszinierende ist, daß es nicht etwa jedes Jahr neue Zikaden gibt, deren Larven dann fast ihr ganzes Leben im Untergrund verbringen, sondern, daß der Zikadenflug tatsächlich nur alle siebzehn Jahre auftritt – der Grund mag darin liegen, daß nur ihre übergroße Anzahl bei sovielen Freßfeinden gewährleistet, daß genügend Zikaden und Larven überleben, um einen neuen Zyklus zu ermöglichen. Siebzehn Jahre verbringen ihre Larven allein in der Erde. Mit dem Schlüpfen der Imago ist fast schon alles vorbei und doch auch wieder nicht; das Wichtigste kommt für die Zikaden noch: Hochzeit und Fortpflanzung. Samuel Orrs kurzer Film ist wunderschön, zeigt etwas  Seltenes und regt zugleich zum Lobpreis an: Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.


Mittwoch, 12. Juni 2013

Er war ein trefflicher Mann, gleich wie er hieße…

Der hl. Beda, der Schutzpatron der Lektoren, übersetzt
den hl.  Johannes,  den Evangelisten
(der ebenfalls Schutzpatron der Lektoren ist)
An der gestrigen ersten Lesung über den trefflichen Apostel Barnabas haben sich gestern anscheinend gleich mehrere Lektoren die Zunge verrenkt.

Schönerweise war es bei uns eine Heilige Messe mit einem Bischof, einem Diakon und drei Konzelebranten, davon zwei junge (was in unseren roten Gewändern wirklich gut aussieht. Einzug mit jungen Zelebranten, die eine gute Figur machen, macht Spaß. Seht, möchte man sagen, was wir alles haben!)

Die Lektorin indes, die zuvor „Antiochia“ kein einziges Mal richtig ausgesprochen hatte (und das, obwohl der Bischof das Wort in der Einführung bereits mindestens einmal verwendet hatte), segelte schließlich auf folgenden Satz los: „In der Gemeinde von Antochja gab es Propheten und Lehrer: Ba… Barnabas und Simon, genannt Niger, Luzius von Zi… Zürene, Ma… Mannen, ein Jugendgefährte des Tit…Tet…Tet-rarchen Herodes, und Saulus.“ (Immerhin „Niger“ stimmte, wenn ich mich recht erinnere, glücklicherweise einigermaßen. Es gibt Gläubige, die schon bei argloser Verwendung des Wortes „Negersklave“ nachher in die Sakristei stürzen.)

Die schlechte Gewohnheit mancher Lektoren, die meinen, sich durchaus nicht vorbereiten zu müssen, ist mir ja ein Graus. War es aber gar nicht in diesem Fall, anscheinend hat sie sich vorbereitet und es ging trotzdem nicht. Vielleicht sollte man sich in einem solchen Fall dann doch lieber die Fürbitten geben lassen, in denen keine Tetrarchen lauern.

Ich will nicht so tun, als wenn ich mich noch nie verlesen hätte. In dem wunderschönen Satz Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar, vor dem ich eigentlich gar keine Angst habe, hab ich mich eines Jahres prompt bei dem Wort „erwiderten“ versprochen. Fischers Fritze fischt… Einmal hab ich die Apostel nach Bosnien geschickt und in der Lesung über die böse Königin Atalja – bei der wir alle zwei Jahre quasi Streichhölzer ziehen, wer sich opfert – kamen mir die Hundertschaftsführer gleich mehrfach in die Quere, was aber, glaub ich, daran lag, daß über meinem Haupt die Denkblase schwebte: .oO(Warum lesen wir diese Mord- und Totschlaggeschichte, *warum*?) Am Horizont dräuen auch noch, obwohl noch nie passiert, die von den Haaren gefallenen Schuppen und das Lamm ohne Mehl.

Schutzheilige der Lektoren sind der hl. Johannes der Evangelist und der hl. Beda, der Merkwürdige der Ehrwürdige.

La bonne mère


Voilà, etwas für katholische Wohnungen! Also, die Seife heißt nicht nur so, sie ist wirklich nach unserer lieben Frau benannt, die Schutzpatronin der Seifensieder ist. Die Seife ist übrigens wirklich zu empfehlen: ökologisch hergestellt und sie riecht gut (es sind Blüten und Blätter drin). Man kann sie also auch einfach nur in den Schrank legen. Gibts auch in rosa und in vielen anderen politisch unkorrekten Farben.

Montag, 10. Juni 2013

Mir kommt das Spanisch vor…

Jackie Kennedy beim Kirchgang…
Naturgemäß hab ich mich in Harald Biskups Artikel im Kölner Stadtanzeiger über die „Frauen, die ihr Gesicht wie Spanierinnen bei der Papst-Audienz auf dem Petersplatz hinter Schleiern verhüllen“ beömmelt. (Und natürlich kann man sich Mantillenträgerinnen nur auf den Knien liegend vorstellen, egal, ob es grade etwas zu knien gibt oder nicht. Geschenkt.) Elsa ging wohl zeitgleich ähnliches durch den Sinn. So ein Zufall ;)

Man mag Kommunionschleier als etwas Spanisches empfinden − in Wirklichkeit sind sie es nicht, weder im Gottesdienst noch zur Papstaudienz. Auch verhüllen Frauen damit nicht ihr Gesicht (das tun andere, ob der Mann über diese ebenfalls einen solchen Käse schreibt, entzieht sich meiner Kenntnis), sondern allenfalls ihr Haupt. Auch das hat in der Kirche eine lange Tradition, die bis zu apostolischen Zeiten zurückreicht. Hier einige Mantillenbilder von des Spanierinnentums sicherlich völlig Unverdächtigen:

…und bei der Papstaudienz. Also, wenn irgendjemand
eine Stilikone war… Und trotzdem, wette ich,
hat sie die Mantilla nicht deswegen getragen.
Königin Elisabeth II. zur Audienz beim sel.  Johannes XXIII.
Daß ich an das Schicksal der Armada denken mußte,
lag sicherlich an den Spanierinnen.
 Einfach Frauen beim Gottesdienst −
das Bild mag ich besonders gern.
Und das sind jetzt echte spanische Mantillen,
„gesichtsverhüllend“ wie sie nun mal so sind…


„Schöner“ hätte der Autor übrigens gar nicht zum Ausdruck bringen können, daß er keine Ahnung hat, wovon er schreibt.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...