Freitag, 31. Mai 2013

Meßdiener und Kirchenpannen in der Malerei


Auf Nachfrage von Herrn Pfr. Archangelus im Kommentarbereich hier noch ein Bild des Malers José Gallegos y Arnosa, ein Genremaler des Katholischen, der damit auch die Ministranten und Chorknaben seiner Heimatstadt Jerez de la Frontera verewigt hat. Die lustige Truppe wie auch der entrüstete Blick des Küsters unten gefallen mir gar zu gut. Was man tut, wenn so etwas wie oben passiert? Weitersingen und unbeteiligt dreinschauen, als wenn nichts gewesen wäre.

Fronleichnam im Schnellprogramm

Daß am Fronleichnamstag abends um neun immer noch eine Heilige Messe gefeiert wird, ist lobenswert. Es geschieht dies für die Menschen, die am Fest des Leibes und Blutes Christi eine Messe mitfeiern möchten, es tagsüber aber nicht konnten, denn sonst hätten sie es ja getan. (Und in der Tat sagte ja auch unser Kardinal vor einiger Zeit sinngemäß, wenn es um 7 Uhr morgens nicht paßt, paßt es vielleicht um 21 Uhr besser.)

Weniger lobenswert ist allerdings, wenn der Zelebrant diese Heilige Messe – ein Amt an einem der großen Hochfeste immerhin! – dann gleichsam im Schnellwaschprogramm feiert. Ich kann mir wirklich außer den weißen Paramenten kaum einen unfeierlicheren Gottesdienst vorstellen: im Gegensatz zur sonst üblichen Praxis nur eine Lesung, und der Organist wird eigens noch antelefoniert, der Antwortpsalm fiele aus (gerade das letztere soll übrigens auf keinen Fall sein). Credo gesprochen und keine Fürbitten, „denn das haben wir heute schon alles gehabt“. An dieser Stelle hab ich mir erlaubt, sotto voce anzubringen, „Herr Pfarrer, die Menschen, die jetzt in der Kirche sind, aber nicht“. Da der Herr Pfarrer aber manchmal nicht so gut hört, konnte er so tun, als habe er nichts gehört und ich, als hätte ich nichts gesagt.

Das Element, auf das ich am ehesten hätte verzichten mögen, war die Predigt, aber daran war natürlich kein Gedanke, „aus pastoralen Gründen“ sicherlich. Die naheliegende Feststellung, daß zu den Dingen, die „wir“ heute schon alles gehabt hatten, auch eine Predigt gehört, kann man sich an dieser Stelle getrost schenken.

Lobenswert ist, wenn der Zelebrant vor dem Gottesdienst beizeiten kommt. Weniger lobenswert ist es, wenn er deswegen spontan beschließt, eine Viertelstunde früher anfangen zu wollen, also um dreiviertel neun, weshalb dann auch schon um halb zehn alles vorbei war. Soll das Leben jetzt schon den bestrafen können, der einfach nur die fünf Minuten vor der Zeit kommt, die des Christen sprichwörtliche Pünktlichkeit sind? Im Ernst, man kann doch nicht eine Messe im Internet und in den Vermeldungen auf 21 Uhr festsetzen und dann anfangen, wann man will. Auch wars bisher Brauch, nach dem Salve Regina, das nach der Rückkehr der Prozession zur Kathedrale gesungen wird bis zum Beginn der Heiligen Messe um neun die Glocken zu läuten – es ist ja nur einmal im Jahr Fronleichnam. Dahin…

Zum Kommunionempfang war wirklich nur Zeit für ein kurzes Niederknien und ein Stoßgebet, dann gings wieder rund und rund (buchstäblich). Da sich das Allerheiligste zu diesem Zeitpunkt in einer Seitenkapelle befand, dauerte der Gang mit dem Allerheiligsten, den wir immerhin würdig tun wollten (und das war er auch) entsprechend länger, und so kam ich zu den letzten Tönen des Agnus Dei wieder an meinem Platz an der Altarstufe an und konnte gleich auf die Knie sinken. Als beim Reponieren des Allerheiligsten der Organist von dem ohnehin nur dreistrophigen Danklied nur zwei Strophen spielte, so daß wir grade erst die Treppe aus der Unterkirche erklommen hatten, als der Gesang vorüber war, hätte ich ihn allerdings treten mögen. An dieser Stelle hab ich beschlossen, daß ich kein rosa Spielzeughäschen bin und in meinem Rücken keine Batterie steckt. Der Küster dachte sich wohl ähnliches, und so schritten wir würdigen Schrittes und im Schweigen dahin. Und dann wars auch schon Zeit zum Schlußgebet. Über die Angewohnheit, bereits während Schlußgesängen auszuziehen, während derer man eigentlich nicht ausziehen kann – Antiphonen, die zum Gruß der Gottesmutter gesungen werden, in diesem Falle das Salve Regina – mag ich an dieser Stelle schon gar nichts mehr sagen. Wirklich, ich versteh nicht, warum sich einer Jahr für Jahr das Feiern dieser Messe vorbehält, der nach dem Pontifikalamt und der Prozession liturgisch „gesättigt“ ist und daher meint, alle anderen bräuchten auch nichts mehr. Bei der Messe bin ich als Krankheitsvertretung eingesprungen, nächstes Jahr mag ein anderer dieses besondere Bußwerk auf sich nehmen. Ich glaub, es sind mir einige Jahre Fegefeuer erlassen.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Hochfest des Leibes und Blutes Christi


Irgendwie find ich, die Zeilen des hl. Diakons Ephräm (des Syrers) passen so wunderbar zum Fest Fronleichnam und seinem Festgeheimnis:

Herr, vertreibe die nächtliche Finsternis unseres Geistes und laß es in ihm Tag werden durch das Licht deiner Weisheit. Erleuchte unseren Geist, damit er dir diene in neuer Reinheit. Wenn die Sonne am Himmel ihren Lauf beginnt, beginnt für den Menschen sein Tagewerk. Herr, bereite in unserem Herzen einen Platz für den Tag, der kein Ende kennt. Gib, daß wir an uns selbst das Leben erkennen können, das uns die Auferstehung gebracht hat, und daß nichts unseren Geist von der Freude an dir abwende. Herr, drücke uns das Siegel jenen Tages auf, der nicht vom Sonnenlauf bestimmt ist. Gib, daß wir ständig auf dich gerichtet sind.

In deinen Sakramenten umfangen wir dich täglich und nehmen dich auf in unseren Leib. Mach uns würdig, an uns selbst die Auferstehung zu erfahren, die wir erhoffen. Durch die Taufe bergen wir unserem Leib deinen Schatz. Mehre ihn am Tisch deiner heiligen Geheimnisse, Herr, an deinem Tisch gib uns Freude über deine Gnade, Wir tragen dein Gedächtnis in uns, das wir von deinem geistlichen Tisch empfangen haben. Gib es uns zum vollen Besitz in der kommenden Welt.

Sonntag, 26. Mai 2013

Unverwesliche Heilige

Schon einige Male habe ich über Heilige geschrieben, deren Leiber die Kirche als unverweslich bezeichnet. Unverweslichkeit bezieht sich auf den Glauben in der römisch-katholischen und der orthodoxe Kirche, daß durch göttliches Eingreifen die Leiber mancher Heiliger nicht dem normalen Verwesungsprozeß unterworfen sind. Die Leiber solcher Heiliger werden unverweslich genannt; sie erscheinen gegenüber dem Leben vergleichweise nur wenig verändert oder so, als sei der Verwesungsprozeß deutlich verlangsamt. Der Lauf alles Zeitlichen nimmt jedoch auch Einfluß auf den heiligsten Leib.

Rationaler Erklärung widersetzt sich, daß Unverweslichkeit manchmal gerade unter Umständen auftritt, die den natürlichen Verfallsprozeß eigentlich beschleunigen müßten. Erscheint ein Leichnam unverweslich, wird dies im allgemeinen als Zeichen der Heiligkeit eines Menschen gedeutet, umgekehrt ist nicht jeder Heilige unverweslich, was bedeutet, Unverweslichkeit ist keine Voraussetzung dafür, daß die Kirche einmal befindet, dieser Mensch sei selig zu nennen. Zum Vergleich: allein Johannes Paul II. hat 1751 Menschen zur Ehre der Altäre erhoben – so viele wie vorher alle anderen Päpste zusammen. Zu denen, deren Leiber die Kirche unverweslich nennt, gehören etwa 250 Heilige. Die Höhe dieser letzten Zahl wiederum hat mich wiederum erstaunt, sie umfaßt Heilige, von den wir hier oft wenig wissen, weil sie nicht in unserem Regionalkalender stehen, wie etwa die hl. Katharina von Genua oder die hl. Joaquina von Vedruna, aber auch so bekannte wie die hl. Bernadette Soubirous, den hl. Pfarrer von Ars und, in jüngerer Zeit, die hll. Josephine Bakhita und Pater Pio.

Reliquiar des hl. Silvanus in Dubrovnik – der Leib des
heiligen Märtyrers hat noch volles Haar wie auch
Augenbrauen, und die Farbe seiner Lippen scheint fast rosig.
Beim Anblick der Reliquien mancher Heiliger mag man sich fragen, wo ist eigentlich der Unterschied zur (wissenschaftlich erklärbaren) Mumifikation? Als man die Reliquien der hl. Maria Magdalena von Pazzi ein Jahr nach ihrem Tod erhob, hatte sich zwar, wie in den zeitgenössischen Dokumenten festgehalten wurde, die Haut ihres Gesichtes und ihrer Füße braun verfärbt, ihre Nasenspitze und ihre Unterlippe waren zu Staub zerfallen, der Leib aber, obwohl er in der Nähe eines Brunnens und einer Regenrinne bestattet worden war, hatte sich dem natürlichen Verfallsprozeß widersetzt. Auch berichtet man von mehreren Heiligen, wie etwa der hl. Teresa Margareta Redi, daß von ihren Reliquien über Jahrzehnte ein unerklärlicher Wohlgeruch ausging, der durch nichts zu erklären war. So befanden sich etwa in der Krypta der Karmelitinnen, in der die hl. Teresa Margareta vom Heiligen Herzen zunächst aufgebahrt war, keine Blumen, mit denen man dieses Phänomen hätte erklären können. Mit der hl. Maria Magdalena von Pazzi befinden sich in Florenz damit übrigens gleich solche zwei unverwesliche Heilige. Man ist versucht, vom Geruch der Heiligkeit zu sprechen und auch die Stadt gesegnet zu nennen.

Falls sich jemand fragt, kommt jetzt die katholische Geisterbahn?, nein, ich finde dieses Phänomen einfach sehr berührend. Über die Jahre hat sich mein Verhältnis zu Reliquien auch völlig verändert, weg vom anfänglichen „Huch, wie gruselig“ zur Verehrung des Heiligen, die dahinter steht, mithin zum Lob Gottes selbst, der in seinen Heiligen verherrlicht wird.

Die hl. Katharina von Bologna wurde im Jahre 1463 ohne Sarg in die Erde gelegt, ein Brauch, wie er in einigen Orden üblich war – die Kartäuser machen es heute noch so. Mit ihrem Ordenshabit angetan und auf ein Brett gelegt, werden sie in die Erde gesenkt. Als man die Reliquien der heiligen Klarissin schon einige Wochen später wieder erhob, zeigte ihr Leichnam keine Anzeichen eines Verfalls. Seit 1500 wird ihr Leib verehrt, der sich in einem gläsernen Reliquiar in der Kirche der Klarissen in Bologna befindet. In dieser Zeit hat sich lediglich ihre Haut braun verfärbt und wirkt etwas eingesunken – eine Tatsache, die zumindest außerordentlich zu nennen ist. Bei anderen, wie etwa der hl. Teresa Margareta Redi, wird berichtet, daß ihr Leib vor dem Tode stark gelitten hatte, diese Anzeichen des Leidens aber nach dem Tode vollkommen verschwanden.

Noch erstaunlicher ist der Leib des hl. Silvanus, eines Märtyrers, der sich in der Basilika des hl. Blasius in Dubrovnik befindet. Er gab sein Leben für Christus im 4. Jahrhundert und doch scheint sein Leib heute, fast 1700 Jahre später, weitgehend unverändert.

Der Leib der ehrwürdigen Dienerin Gottes
M. Jesus im Konvent der Konzeptionistinnen
im spanischen Agreda
Die ehrwürdige Dienerin Gottes Maria Jesus von Agreda gab am 24. Mai des Jahres 1665 ihre Seele Gott zurück, dennoch erscheint ihr Leib so, als sei sie gerade gestorben. Zu verschiedenen Gelegenheiten, 1909, bei der Erhebung ihrer Reliquien, und zuletzt 1989 gestattete man Ärzten, ihren Leichnam zu untersuchen. Der Arzt, der die Untersuchung 1989 durchführte, fand gegenüber dem ärztlichen Bericht seines Kollegen aus dem Jahre 1909 keinen Unterschied und kein Fortschreiten irgendeines natürlichen Zerfalls.

In dieser Weise könnte man weiterschreiben und weiterstaunen, wie gesagt, solches hat sich so oder ähnlich allein in 250 Fällen zugetragen, von denen wir wissen, und auch bei Menschen, deren Heiligmäßigkeit die Kirche noch prüft, wie im Fall der ehrwürdigen Dienerin Maria Jesus. Der Finger Gottes selbst scheint indes darauf hinzudeuten.

Samstag, 25. Mai 2013

Reliquie des Tages – der unverwesliche Leib der hl. Maria Magdalena von Pazzi


Die heilige Karmelitin Maria Magdalena von Pazzi gehört zu den Heiligen, deren Leiber zu den unverweslichen gerechnet werden, solchen, die aus unerklärlichen Gründen dem natürlichen Verfallsprozeß trotzen.

Obwohl sie unter dafür denkbar schlechten Bedingungen bestattet wurde – nahe bei einem Brunnen und einer Regenrinne –, fand man bei der Erhebung ihrer Reliquien Ende Mai 1608 in Florenz zwar das Wachstuch, in das man sie gewickelt hatte, verdorben und ihren Habit durchnäßt vor, ihr Leib aber war nahezu unversehrt und so beweglich, daß alle, die der Ausgrabung beigewohnt hatten, von großer Ehrfurcht und Rührung ergriffen waren.

Der zuständige Erzbischof erteilte die Erlaubnis, den Leichnam, so wie er war, ins Kloster zu bringen. Dort wurde er, neu bekleidet, zur Verehrung in die Krankenzelle gebracht, in der Sr. Maria Magdalena die letzten fünf Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Nach einigen Tagen, begann der Leib der Heiligen, eine Flüssigkeit abzusondern, die als sehr wohlriechend beschrieben und mit Tüchern aufgefangen wurde, von denen in zwölf Jahren viele kleine Stückchen als Berührungsreliquien an Gläubige weitergegeben wurden. Ziemlich genau zwölf Jahre, vom Juni 1608 bis zum Juni 1620 dauerte dies an, dann versiegte die Flüssigkeit, der Wohlgeruch hingegen blieb. Unerklärlich und berührend.

Darstellungen aus der Ikonographie zeigen die Heilige mit den Worten aus dem Johannesevangelium auf der Brust: Und das Wort ist Fleisch geworden. Hier offenbart sich das Wort am Fleisch – du läßt deinen Heiligen die Verwesung nicht schauen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Technik, die erheitert…

…wenn die Kamera auf dem Bild Jesu Christi
unbedingt nach dem Lächeln suchen will

Montag, 20. Mai 2013

Komm, Heiliger Geist…

Gestern hab ich zwei Heilige Messen mitgefeiert, die Frühmesse wie das Pontifikalamt mit Erwachsenenfirmung (gerade an solchen Tagen finde ich es manchmal wichtig, auch noch eine Messe „für die Andacht“ zu haben).

In der Frühmesse konnten wir zum Ruf Komm, Heiliger Geist… wie selbstverständlich niederknien – der Konzelebrant, der das Evangelium sang, kniete auch, auf der Altarstufe. Im Pontifikalamt war dagegen kein Gedanke daran. Die vorherrschende Sichtweise ist wohl: „Das Volk Gottes versteht nicht, warum wir knien“. Die daraus folgende Ableitung, „…daher knien wir nicht“, halte ich irgendwie für grundverkehrt.

Leider muß ich sagen, ich bin beim zweiten Mal auch stehengeblieben. Wenn ich in einer Reihe völlig gleich gekleideter Menschen bin, die alle dastehen wie die Einsen, hätte ich zwar durchaus die Traute, mich trotzdem hinzuknien, und es ist mir auch gänzlich gleichgültig, ob mich jemand etwa für „holier than thou“ hält. Es fällt aber jedenfalls ins Auge, und ich scheue einfach die Reaktion, die es hinterher womöglich aus den eigenen Reihen (buchstäblich) gibt, wenn man sich dann trotzdem hinkniet.

So mancher im Volk versteht übrigens durchaus, warum wir knien, eher schon versteht er nicht, warum man altehrwürdige Traditionen einfach so dahingibt. Man könnte das Ganze auch weit lakonischer abhandeln, indem man feststellt, daß nicht jeder immer alles versteht. Wer es nicht versteht, bleibt eben stehen oder kniet sich mit hin und fragt sich vielleicht später, warum die anderen gekniet haben.

Mit dem Ansatz „wird nicht verstanden“ entkleidet man die Liturgie irgendwann bis aufs Gerippe, nimmt ihr das Zeichenhafte, das Mysterium, die Mystik. Wenn das Volk Gottes nicht versteht, warum wir knien, sollte die Ableitung daraus an anderer Stelle die Überlegung sein: wie kommt es, daß das Volk nicht mehr versteht, warum wir knien? Wie können wir dieses Verständnis, das bei manchen erloschen sein mag oder sich bei anderen nicht bilden konnte, wecken, wieder anfachen und fördern? Das ist es, was Neuevangelisation bedeutet. Haben wir nicht gerade das Jahr des Glaubens? Ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht.

Und sei es, daß über die Gnade des Glaubens gepredigt wird, was sich bei der Firmung ja geradezu anbietet. Selbst wenn ich mein Leben lang geglaubt habe und der Kirche angehören durfte, ist es eine Gnade, daß es so ist, denn es ist nicht selbstverständlich. Und wenn mich Gott zum Glauben geführt hat und ich als Erwachsener getauft und gefirmt werde, ist dies erst recht eine Gnade. Daß uns die Gaben des Heiligen Geistes geschenkt sind, die eine mehr, die andere vielleicht weniger, ist eine Gnade, denn Gott hätte all dies nicht zu tun brauchen, um Gott zu sein. Daß wir hierzulande nicht von Folter und Tod bedroht sind, einfach, weil wir Christen sind, ist Grund zur Dankbarkeit, aber auch ein Grund, unsere verfolgten Geschwister im Glauben nicht zu vergessen, sondern für sie zu beten, denn sie brauchen den Geist, der spricht, wo wir sprachlos flehen. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe ist das Flehen der ganzen Kirche, das zu Gott aufsteigt, aus tief empfundenem Herzen. Darum knien wir.

Sonntag, 19. Mai 2013

Rot – Farbe des Geistes und des Blutes

Seit diesem oder vielleicht sogar schon seit letztem Jahr (ohne daß ich dessen beim letzten Mal dann allerdings recht gewahr worden wäre) singen wir die Pfingstsequenz auch in der Kathedrale auf Deutsch. Dafür bin ich wirklich dankbar: die Pfingstsequenz ist ein so wunderbarer Gesang, daß ich froh bin, ihn ohne übersetzerischen Umweg übers Großhirn einfach mitsingen zu können.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Nun geistert mir die Sequenz seit gestern abend und heute den ganzen Tag durch den Sinn. Pfingsten ist so ein wunderschönes Fest, ganz durchleuchtet vom den Feuerzungen, den blutroten Paramenten und seinen Gesängen. Die Farbe der Gewänder – an Pfingsten besonders prächtig anzusehen, weil so viele Priester konzelebrieren –, bringt das Fest der Kirche in unmittelbaren Zusammenhang mit dem, worauf sie erbaut ist: dem Opfer Christi – dem Baustein, den die Bauleute verwarfen und der doch das ganze Bauwerk der Kirche trägt, hält und begründet – und dem Blut ihrer Märtyrer. Sie verbindet den Karfreitag mit den Märtyrerfesten und dem Hochfest Pfingsten. Diese beiden, der Geist und das Blut, sind nicht auseinanderzudenken: der Heilige Geist gab Christen zu allen Zeit die Kraft, an ihrem Glauben festzuhalten, ihn treu zu bekennen, sogar um den Preis ihres eigenen Lebens, er wird uns auch weitertragen, durch die Zeit und in die Zukunft.

Samstag, 18. Mai 2013

Vigil von Pfingsten


Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund. 
(aus der Pfingstsequenz)

Das Bild hatte ich mir für Pfingsten aufgehoben. Allen Lesern von Braut des Lammes wünsche ein gnadenreiches Pfingstfest.

Ahme nach, was du vollziehst – Priesterweihe in der Hedwigskathedrale

Pfingstsamstag ist für das Erzbistum ein ungewöhnlicher Termin für die Priesterweihe, sonst wars immer Peter und Paul (das sollte keine Klage sein, vom Bezug her ist die Vigil von Pfingsten natürlich für eine Priesterweihe wunderschön). Jedenfalls war heute für die ostdeutschen Bistümer ein Tag der Freude und des Dankes, denn fünf Kandidaten haben die Priesterweihe empfangen, einer davon heute morgen in der Kathedrale. Es war dies seit 2011 wieder die erste Priesterweihe und auch im nächsten Jahr werden voraussichtlich mehrere Kandidaten geweiht, Deo gratias!

Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes – diese Worte aus der Liturgie, die sich an den Neugeweihten richten, griff auch der Kardinal in einer Predigt auf, denn was bedeutet es, zum Priester geweiht zu werden? Ahme nach was du vollziehst heißt, daß der Priester auch selbst Gabe und dem ähnlich werden soll, dessen Geheimnisse er am Altar feiert.

Bei der Spendung von Sakramenten wie der Taufe, der Firmung und der Weihe anwesend zu sein, halte ich immer für eine Gnade, einfach, weil man das Wirken des Geistes spürt. Von diesen Sakramenten glauben wir, daß sie der einzelnen Seele ein unauslöschliches Siegel einprägen. (Etwas, was mir nie so restlos klargeworden ist: wie ist das, wenn einer dem Priestertum entsagt und vielleicht irgendwann laiisert wird? Das unauslöschliche Siegel trägt er ja trotzdem weiterhin, „entprägen“ geht nicht).

Irgendwann zwischendurch – ich glaub, nach der Handauflegung – hab ich mich prompt in liturgische Überlegungen verwickelt, inwieweit in ganz ähnlich aufgebauten Liturgien doch einzelnes ganz anders sein kann: bei der Priesterweihe wird das Sakrament, wenn ich das recht verstanden habe, durch die Handauflegung gespendet und später spricht der weihende Bischof das Weihegebet über den Geweihten. Bei der Jungfrauenweihe wird die Consecratio dagegen durch das Weihegebet des Bischofs vollzogen.

Durch die ununterbrochene Folge von Handauflegungen ist die Vollmacht, die Sakramente zu spenden, von den ersten Aposteln zu den Priestern gelangt, die uns heute die Sakramente spenden. Beten wir für alle, die in diesen Tagen das Sakrament der Priesterweihe empfangen, daß sie in ihrem priesterlichen Leben nachahmen mögen, was sie vollziehen. Allen an der Vigil zu Pfingsten Neugeweihten Gottes Segen.

Freitag, 17. Mai 2013

Rosarote und nicht ganz so rosarote Welten

So sieht es drinnen aus − die Küche mit aufziehbaren
Schubladen etc., ganz wie in einem echten Puppenhaus

Bei meinem Hang zu Spielkram jeglicher Art hatte ich auf jeden Fall vor, mir das Barbiehaus am Alexanderplatz anzuschauen. Moralinsaure Hinweise im Vorfeld von Pinkstinks & Konsorten sind für mich da eher Empfehlung. Da wird vom Krankmachenden und Einengenden gesprochen. Für einige, wie etwa die Professorin Bettina Hannover von der Freien Universität scheint offenbar das schlimmste daran, daß sich jemand bereits im Kindesalter mit dem eigenen Geschlecht identifizieren könnte. So darf man, wenn es nach Pinkstinks geht, die Farbe rosa „wunderbar“ finden (O-Ton), obwohl sie ja angeblich dümmer macht, aber nicht damit spielen wollen, denn das ist bäh!

 Einigermaßen einengend find ich höchstens diese ständigen Belehrungen, was jemand schönfinden und was ihm oder ihr Spaß machen darf (indes lassen wir uns einfach nicht davon einengen, sondern führen unser Leben so wie wir wollen).

Das Barbiehaus drinnen − kleine Mädchen am Computer…
…und beim Gucken und Spielen.

Krank allerdings ist in diesem Zusammenhang die Form des Protests, bei dem bei der Eröffnung des Hauses in Berlin gestern auch ein Kreuz − mit einer Barbie dran − geschändet wurde. Der Geschäftsführer des Hauses äußert sich auf Nachfrage neben einem höchst allgemeinen Bedauern dahingehend, es sei „inakzeptabel, wenn unsere Gäste belästigt und angegriffen werden.“ Von der völlig inakzeptablen öffentlichen Schändung eines christlichen Symbols spricht er hingegen nicht, und, wenn ich das recht überblicke, auch medial bisher keiner sonst in angemessenen Worten. Was bitte hat denn das Kreuz Christi mit dem Protest gegen eine bestimmte Form der Spielzeugvermarktung zu tun? Wir ahnen es schon, nichts. Ebensowenig wie seinerzeit das von Femen umgelegte Gedenkkreuz in Kiew irgendetwas mit deren Anliegen (worin immer dies bestehen mag) zu tun hatte. Die gestrige Aktion hat mich in der Auffassung bestärkt, daß diese Fementypen eigentlich gar nicht so recht zu wissen scheinen, wogegen sie eigentlich protestieren, Hauptsache es gibt dabei Krawall und nackte Körper. Und egal wogegen oder wofür, es wird auf alle Fälle dabei ein Kreuz geschändet.

Derweil draußen vor der Tür…
…Proteste von Femen-Aktivistinnen
vor dem Barbiehaus am Alexanderplatz.


Worum nun überhaupt dieser Wirbel? Das Barbiehaus (von dessen Errichtung ich relativ spät was mitgekriegt habe, weil ich nicht so oft zum Alexanderplatz komme) ist eine Art überdimensionales, begeh- und bespielbares Puppenhaus, in dem auf eine derart übertriebene Art tatsächlich so ziemlich alles rosa ist, bis hin zum rosa Plastikhund, daß es natürlich auch was ironisches Zugespitztes hat.[1] Liebe Güte! Besucher erhalten auf Wunsch am Empfang ein RFiD-Armband für interaktiven Spielkram, das ganze hat also auch noch einen gewissen Nerdfaktor. Drin spielen darf man anscheinend aber nur hübsch ordentlich in geführten Gruppen. Seis drum, wie gesagt, ich find solche Sachen einfach lustig. Das ganze ist übrigens ein reichlich temporäres Vergnügen, schon Ende August wird der rosa Traum abgebaut und geht auf Tour in weitere Städte, vielleicht auch inklusive weiterer Protestaktionen. Pink stinkt (mir) nicht, aber solcherart Aktionismus und der Umgang damit.

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[1] Beim SPiEGEL liegt einem ein Loriot'sches „Ach?!“ auf der Zunge, wenn er zu Gehör bringt: „Tatsächlich trieft das Interieur des Traumhauses vor pinkem Kitsch.“

Donnerstag, 16. Mai 2013

Sichtweisen

Canalettos Blick auf das London des Jahres 1747
In einer der letzten Ausgaben berichtete der SPiEGEL über technische Nachbearbeitung digitaler Bilder im Bildjournalismus, unter dem mehrdeutigen Titel Zaubertricks im Photoshop. Einige Fotografen beauftragen eigens und mittlerweile standardmäßig Dienstleister mit dem sogenannten Postprocessing. Die Folge: der Betrachter eines Bildes sieht unter Umständen – bzw. sogar mit großer Wahrscheinlichkeit – nicht das Bild, das die Kamera aufgenommen hat, wenn im Postprocessing etwa Lichteffekte angebracht, Farben intensiviert, einzelne Objekte durch Scharfzeichnen hervorgehoben oder im Extremfall sogar Objekte aus dem Bild entfernt oder hinzugefügt werden. Einige haben hier eine eigene Ethik entwickelt: Farben intensivieren oder abschwächen (etwa, wenn Blut greller ist, als es der Betrachter erwartet) ist OK, Farben austauschen oder ins komplementäre Gegenteil verkehren dagegen nicht. Spannend.

Zuweilen wird sogar die Möglichkeit genutzt, eigentlich makellose Bilder zum Schein nachträglich mit dem Makel des Unvollkommenen zu versehen, einen Kratzer auf der Linse oder Grobkörnigkeit bei der Auflösung hinzuzufügen.

Das Ergebnis solcher Veränderungen wiederum: der Betrachter kann nicht sicher sein, daß das, was er sieht, das ist, was der Fotograf gesehen hat. Hierzu fällt mir unwillkürlich Pilatus ein, mit seiner Frage „Was ist Wahrheit?“. Ist es nicht so, daß bereits im Prozeß der Wahrnehmung des Zeugen oder Fotografen selbst ein Veränderungsprozeß einsetzt, indem er das Bild auf seine Weise sieht, indem er sieht, was er sieht? Im Grunde genommen gibt es schon bei einem, spätestens aber bei mehr als einem Betrachter kein „wahres“ Bild mehr, denn jeder Betrachter wird das Bild auf seine Weise sehen, jedem wird unter Umständen etwas anderes daran im Gedächtnis bleiben.

Rembrandt van Rijn: Christi Geburt…
…und Kreuzabnahme
Jan Vermeer:
Die Perlenwägerin, 1664
Eigentlich haben die Maler der Vergangenheit nichts anderes getan: der Betrachter sieht das Dargestellte auf die Weise, wie sie der Maler sah oder auf die, wie sie ihn der Maler sehen lassen wollte. Dazu können einem Bilder aus der christlichen Ikonographie in den Sinn kommen, mit denen der Maler auch tiefe theologische Wahrheiten zum Ausdruck bringt, wenn er etwa Christus, der sich selbst Licht der Welt nennt und von dem der Prolog des Johannesevangeliums sagt, Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt, mit einem Leib darstellt, von dem das Licht unmittelbar ausgeht. Ein ähnlicher Umgang mit dem Licht ist auf den Bildern von Vermeer zu sehen.

Aber auch auf Bildern, bei denen es der Betrachter nicht unmittelbar erwartet, sieht er oft nicht das, was sich dem Maler dargeboten hat. So zeigen die Bilder Canalettos oftmals eine Sicht auf Venedig, die es so eigentlich nicht gibt und nach welcher der Betrachter daher vor Ort vergeblich suchen würde: durch Veränderung bzw. Erweiterung des natürlichen Blickwinkels nimmt er Häuser, Objekte und Details mit auf das Bild, die für den Betrachter eigentlich nicht zu sehen gewesen wären. Das Ergebnis: der Betrachter sieht etwas, das es eigentlich nicht gibt und doch gibt – aber eben nicht so.

Canaletto: Die Einfahrt des Canal Grande
und die Kirche Santa Maria della Salute, um 1730

Ähnlich ist es mit Einflußnahmen über die Farbe. Über das Phänomen, daß ein Bild beim Betrachter ein nostalgisches Gefühl und teilweise den Effekt auslösen kann, sich in einem deutlich früheren Zeitrahmen zu befinden, einfach nur, indem es sich um eine Schwarzweißaufnahme handelt, hatte ich hier schon einmal geschrieben. So glaubt der Betrachter hier, ein Foto aus den frühen siebziger Jahren zu sehen, obwohl es tatsächlich in den Neunzigern aufgenommen wurde. Durch eine subtile Farbverschiebung und punktuelle Farbanreicherung einzelner Objekte bekommt das Bild einer Müllsammlerin in Nairobi einen Touch ins Pittoreske, einen Hauch von Charles Dickens, der einem solchen Leben in Wirklichkeit völlig fehlen dürfte, ebenso wie etwa das Dasein in einer Weberei mit einem Bild von Max Liebermann an „Wirklichkeit“ nur teilweise etwas gemein haben dürfte.



Max Liebermann: Flachsscheuer in Laren, 1897

Im Grunde genommen liegt vielleicht schon darin, daß ein statisches Bild nur einen Moment, einen – buchstäblichen – Augenblick wiedergibt, ein Element der Verfremdung. In Wirklichkeit ist, zumindest bei lebenden Objekten, kaum etwas so statisch, der nächste Augenblick kann ganz anders, die im Flug fotografierte Libelle schon vom Chamäleon gefressen sein. Auch kann man zu einem Augenblick nicht zurückkehren:
Das einzige, dessen ich mich noch entsinne, ist das Gefühl der Ledersitze, das Leinen der Karte auf meinem Knie, ihre ausgefransten Ränder, ihre brüchig gewordenen Faltnähte, und, wie ich eines Tages, als ich auf die Uhr sah, bei mir selbst dachte: „Dieser Augenblick jetzt, zwanzig Minuten nach elf, darf mir nie wieder verlorengehen“, und ich schloß meine Augen, um diese Erfahrung noch eindringlicher zu erleben. Als ich sie wieder öffnete, waren wir bei einer Wegbiegung angelangt, und ein Bauernmädchen in schwarzem Brusttuch winkte uns zu; ich sehe sie noch deutlich vor mir, ihren staubigen Rock, ihr leuchtendes freundliches Lächeln, und in der nächsten Sekunde lag die Biegung hinter uns, und das Mädchen war verschwunden. Schon gehörte sie der Vergangenheit an; sie war nur mehr eine Erinnerung. Ich wollte wieder zurückkehren, um den vergangenen Augenblick wieder einzufangen, und dann kam es mir in den Sinn, daß es nicht dasselbe sein würde, wenn wir es täten, selbst die Sonne am Himmel würde sich verändert haben, einen anderen Schatten werfen, und das Mädchen würde nicht auf die gleiche Art an uns vorbei den Weg entlangstapfen, und dieses Mal nicht zuwinken, vielleicht uns nicht einmal bemerken. Es lag etwas Ernüchterndes in dem Gedanken, auch ein wenig Schwermütiges, und als ich wieder auf die Uhr schaute, sah ich, daß fünf weitere Minuten verstrichen waren. (Daphne du Maurier, Rebecca)
Fakt ist, es ist in Bezug auf Bilder immer schon so gewesen, digital oder nicht digital. Der Betrachter sieht nicht die Realität, er sieht eine Realität.

Beim Friseur…


Mittwoch, 15. Mai 2013

Ach, wie flüchtig… – die Quitte blüht


so sah es noch kurz vor den Eisheiligen aus – die Knospe
ist erstaunlicherweise viel farbenfreudiger als die Blüte
Quitten gefällig? Ja – nein – quit
Die Eisheiligen (ohne Sophie) waren diesmal just in time und sind pünktlich wieder abgereist. Nun blüht die Quitte, ein spätes und sehr flüchtiges Vergnügen, nur wenige Tage dauert es. An der Quitte ist irgendwie alles schön (und meist auch haarig): Blätter, Blüte und Frucht.

Da stellt sich doch die Frage: wohin mit den ganzen Quitten, wenn sie einmal reif sind?  Das ist eine Möglichkeit – aber hätt ich die „Tüchtige Hausfrau“ letzten Herbst mal gleich zu Rate gezogen! Quittenrezepte noch und noch. Die Quittenpatience klingt interessant. Wahrscheinlich heißt die so, weil man Geduld dazu braucht (diagonal gelesen: es ist Süßkram, in verschiedene Formen gebracht).

Die lauretanische Litanei im Marienmonat – erlesener Kelch der Hingabe

Mehrmals wiederholt die lauretanische Litanei Anrufungen Mariens mit verschiedenen Attributen, gleichsam wie um sie zu bekräftigen: Virgo prudentissima, Virgo veneranda, Virgo praedicanda, Virgo potens, Virgo clemens, Virgo fidelis.

Unter den dreizehn bildhaften Anrufungen der lauretanischen Litanei, die sich meist aus dem alten Testament herleiten, zählt auch die Mariens als Gefäß: vas spirituale, vas honorabile, vas insigne devotionis – geistliches Gefäß, ehrwürdiges Gefäß, vortreffliches Gefäß der Andacht. Manchmal wird sehr frei übersetzt: Tempel des Heiligen Geistes, Tabernakel der Herrlichkeit, Wohnung, ganz Gott geweiht; eigentlich aber liegt all diesen Anrufungen ein- und dasselbe lateinische Wort zugrunde: vas, dasselbe Wort, das uns auch im Zusammenhang mit den liturgischen Gefäßen begegnet, den vasa sacra (heilige Gefäße).

Das hebräische Wort für Gefäß,;כְּלִי, bedeutet zugleich auch Werkzeug. Gefäß wird Maria nicht nur genannt, weil ihr Leib den Erlöser getragen hat, sondern auch aus dem Grund, aus dem man sie Braut des Heiligen Geistes nennt: Gott selbst nahm in ihr Wohnung, im Fleisch und im Geist. Der Hymnos Akathistos der Ostkirche nennt sie ebenfalls Gefäß: erlesenes Gefäß dessen [Gottes] über den Seraphim, Gefäß der Weisheit Gottes, und schließlich nennt die Kirche sie Theotokos – Gottesgebärerin.

Die ostkirchlichen Ikonen stellen die Gottesmutter auch als unerschöpflichen Kelch dar, den Speisekelch, der zugleich den Erlöser in seiner menschlichen Gestalt wie in der eucharistischen hervorbringt, denn Christi Leib selbst ist uns Speise. Auch ist die Gottesmutter wie eine Monstranz, die bei aller Schönheit doch auf den verweist, den sie birgt, Christus selbst. Aus diesem Grund nennt die lauretanische Litanei sie zu Recht ehrwürdiges und geistliches Gefäß. Vortreffliches Gefäß der Andacht, erlesener Kelch der Hingabe, wird sie durch ihr Fiat, ihre vollkommene Hingabe an den Ruf und das Wort Gottes, das in ihr Fleisch annahm.

Dienstag, 14. Mai 2013

Das Zeugnis der 800 Märtyrer von Otranto

Reliquien der Märtyrer von Otranto
Ein schönes Statement von Damian Thompson im Telegraph als Gegenstück zu teilweise doch recht eigenartig anmutenden Kommentaren (der Herr Alipius berichtete hier auch schon) zur Heiligsprechung der Märtyrer von Otranto.
There are, however, good secular reasons for welcoming this canonisation. Our history is distorted by a nagging emphasis on Christian atrocities during the Crusades combined with airbrushing of Muslim Andalusia, whose massacre of Jews in 1066 and exodus of Christians in 1126 are rarely mentioned. Otranto reminds us that Islam had its equivalent of crusaders – mighty forces who nearly captured Rome and Vienna.

The Muslim Brotherhood is still committed to a restored Caliphate; this week its supporters prophesied the return of a Muslim paradise to Andalusia. These are pipe dreams, it goes without saying. But they matter because they inspire freelance Islamists whose fascination with southern Europe has nothing to do with welfare payments. They think of it as theirs because they know bits of history that we’ve forgotten.

Our amnesia comes in handy in dialogue with Muslims: we grovel a few apologies for the Crusades, sing the praises of the Alhambra, and that’s it. But what does this self-laceration achieve? Arguably it’s counterproductive, because it shows Muslims that we’re ashamed of our heroes as well as our villains. Which is why the mass canonisation of 800 anonymous men is so welcome: it ensures that, even though the West has forgotten their names, it won’t be allowed to forget their deaths.
„Eigenartig“ schreibe ich, weil manches dann doch alternativ den Blutdruck kurzfristig in die Höhe oder einem auch das Wasser in die Augen treibt, je nachdem. Bald hält es einer für „Greuelpropaganda“, daß die Märtyrer durch Enthauptung gestorben seien, bald soll es sie gar nicht gegeben haben, sodann stellt einer die „theologische Berechtigung“, der Kirche, „eine Lebensleistung auf eine einzige Entscheidung zu reduzieren“ in Frage und nennt die Märtyrer im gleichen Atemzug einen Mythos. Erlaube, das Martyrium ist das finale und unwiderruflichste Bekenntnis zu Christus, eben das, was buchstäblich einen Märtyrer ausmacht, ich sehe da keine Reduktion, sondern die Fülle des Zeugnisses und des Glaubens.

Der Versuch, den Märtyrern das Martyrium, sprich ihr Zeugnis schlechthin, das ihres Blutes, posthum abzusprechen, macht sie in gewisser Weise zweifach oder erneut zum Opfer. Sie waren Opfer, es soll sie aber nicht gegeben haben oder man möchte sie am liebsten nicht erwähnen, oder vielleicht, wie ein Diskutant so sarkastisch in der Unaussprechlichen schreibt, war es auch so, daß die Moslems eigentlich nur mit Schiffen voller Salz und kostbarer Gewürze kamen und die Christen sich alle selbst getötet haben, um es den Moslems in die Schuhe schieben können.

Ich habe keinen Grund zu glauben, daß die Märtyrer von Otranto nicht so gestorben sind, wie es in den Kanonisationsberichten zu finden ist. Meines Wissens sind im Vorfeld der Heiligsprechung auch umfassende historische Nachforschungen erfolgt, wie auch in vielen Medien berichtet wurde. Dem verschiedentlich zu bemerkenden Versuch, das Martyrium in den Bereich der Legenden verschieben zu wollen oder die Heiligsprechung medial als „unklug“ zu bezeichnen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist mit großer Skepsis zu begegnen. Ich hab in der Schule mehr über Grausamkeiten der Kreuzfahrer gelernt als etwa über Martyrien wie jene derer von Otranto. Vielleicht sollte man, bevor man mit Keulen wie der „islamfeindlichen Hetze“ ausholt, auch bedenken, in wievielen Ländern die Glaubensgeschwister dieser Christen heute von dem angeblich so friedliebenden Islam von Folter, Verfolgung und Tod bedroht sind.

In anderer Weise sind die Märtyrer von Otranto natürlich völlig darüber hinaus. Sie sind bei der Hochzeit des Lammes. Wir aber dürfen sie nicht verschweigen, wir müssen für ihr Zeugnis eintreten, denn sie haben es nicht nur für Christus, sondern auch für uns gebracht. Die Namen dieser Märtyrer sind, bis auf einen, den des Antonio Primaldo, im Strom der Geschichte verlorengegangen, wie so viele Namen unserer Märtyrer. Die Kirche tut gut daran, das Zeugnis selbst ins Martyrologium aufzunehmen, auf daß man sie nicht vergesse, sondern sich wenigstens einmal jährlich an sie erinnere bis zum Ende aller Tage.

Kommunionausteilung

Father Z. hat ist seiner Rubrik Quaeritur die Frage des Mitnehmens von Hostien bei der Spendung der Heiligen Kommunion aufgegriffen und kommt zu folgendem Fazit:

Wiewohl es sein kann, daß die beiden, die da eine Hostie mitnehmen wollten, nicht katholisch waren, ist dies ein Problem, das sich zugleich aus der Spendung der Kommunion in der Form der Handkommunion als auch auf jahrzehntelange mangelhafte Katechese zurückführen läßt.
Wir brauchen bessere und häufigere Predigten über die Eucharistie und die sakramentale Dimension der Messe. Wir brauchen klare Aussagen in Pfarrbriefen darüber, wie man die Kommunion empfangen sollte und wer hinzutreten darf. Wir müssen die Menschen davon überzeugen, von der Praxis des Empfangs als Handkommunion Abstand zu nehmen.
Gleich die erste Kommentatorin bringt den Gedanken ins Spiel, ob nicht die Praxis der knienden Empfangs eine Möglichkeit sei, daß Leute, die gar nicht katholisch sind, es sich überlegen, bevor sie sich einreihen, wenn sie sehen, daß man sich zum Kommunionempfang hinknien muß.

Ich sehe das ganz ähnlich. Bei uns haben sich sogar schon Leute zur Kommunionbank begeben, die gar nicht getauft sind (dem gewissenhaften Priester fiel dabei etwas auf, jedenfalls kam von der Kommunionbank die Bitte, sich doch zunächst taufen zu lassen). Diese Person war wahrscheinlich einfach völlig ahnungslos. Es gibt aber auch den Fall des Mannes, der mehrmals beobachtet wurde, wie er Hostien mitnimmt oder mitzunehmen versucht − wenigstens einmal hat ihn ein gewissenhafter Ministrant(!) dran gehindert. Dieser Mann ist geistig beeinträchtigt, er ist der Ansicht, ihm gehöre die Kirche, deshalb darf er das. Und wiewohl es bekannt ist, daß er gar nicht katholisch ist und eben auch schon versucht hat, die Kommunion mitzunehmen, unternimmt niemand etwas, und er wird bei der Spendung auch nicht zurückgewiesen oder stattdessen gesegnet. Auch wir haben schon Hostien im Gesangbuch gefunden und hatten Firmlinge da, die sich während des Kommuniongangs lauthals darüber beschwerten, daß sie „dazu jetzt auch noch nach vorn“ müßten. Von der Frage der Mitnahme des Allerheiligsten zum Zwecke des Mißbrauchs noch ganz abgesehen. Dies wird durch die Praxis der Mundkommunion deutlich erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht (die ganz dünnen Hostien verlieren ihre Gestalt doch sehr schnell, wenn sie auf die Zunge gelegt werden).

Vor Jahren hab ich mal vor einem der großen Gottesdienste (wenn ich mich recht erinnere, die Osternacht) erlebt, daß der Zeremoniar des Kardinals vor der Messe darauf hingewiesen hat, wer eigentlich zum Empfang der Heiligen Kommunion disponiert ist und daß man bitte der Würde des Sakramentes wegen in Ruhe zum Empfang hinzu- und wieder wegtreten solle. Das hat mir gut gefallen, ist aber seither nie wiederholt worden. Ich frage mich warum? Hat man in dieser Frage resigniert, weil man niemanden verschrecken möchte? Das wäre meiner unmaßgeblichen Meinung nach das falsche Signal.

Montag, 13. Mai 2013

Mit dem Blindfisch unterwegs…

Ein neues Spiel beim Dienst in der Heiligen Messe: Man nehme schon beim letzten Vers des Eingangsliedes die Brille ab (weil der Vers aus Halleluja, des solln wir alle froh sein besteht, das kann ich auch ohne Brille) und lege sie aufs Gesangbuch auf der Ablage des Sediles, das hinter einem steht. Dabei hört zwar man das Geräusch, wie die Brille auf den Marmorboden fällt (autsch!), sieht aber natürlich nicht im mindesten, wohin sie fällt. Dezente Blicke, wohin sie vielleicht gefallen sein könnte, helfen sämtlich nichts.

Da man ohne Brille keine scharfe Sicht hat und Brillen sich von grauem Marmorboden erfahrungsgemäß nicht gut abheben, empfiehlt es sich durchaus nicht, ohne besser sehende Hilfe danach zu suchen, sonst trete ich dabei wahrscheinlich noch drauf. Daß man in einem Gottesdienst nicht unter Sedilien und im Chorgestühl herumkrauchen kann, kommt erschwerend hinzu. Jedenfalls galt Des solln wir alle froh sein in dieser Messe irgendwie nicht so recht für mich (allerdings war Christus mein Trost…). Die zweite Lesung aus der Offenbarung, die eigentlich wie für mich gemacht schien – Der Geist und die Braut aber sagen: komm! – ist mit dem Fehlen meiner Lesebrille für mich geplatzt, dazu müßten die einzelnen Buchstaben schon die Größe eines Scrabblesteines haben und auswendig kann ich die Perikope denn doch noch nicht. Gottseidank ist eine Kommunionhelferin da, sonst hätt ich auch noch den Küster zur Hülfe gebraucht.

Fazit: der Priester hat sich bei aller Fürsorge nachher irgendwie amüsiert (obwohl ich ihm mit meinem blindfischigen Sehvermögen zwischendurch immerhin noch die Lieder eingelegt hab), ich hab wiedermal die Freuden des heftigen Errötens gekostet[1], und die kleinen Sünden straft der liebe Gott sofort. (Der Vollständigkeit halber: die Brille steckte senkrecht im Spalt zwischen zwei Sedilien, da hätte ich sie nie und nimmer allein und unauffällig herausgebracht.)

__
[1] Zu meiner Entlastung: sowas ist mir in Jahren und Jahren noch nicht passiert (ich mache jeden bescheuerten Fehler immer nur einmal…) Im Grunde genommen war das sogar der Brillen-GAU, jetzt hab ich ihn er- und überlebt.

Die lauretanische Litanei im Marienmonat – elfenbeinerner Turm

Zweimal wird Maria in der Lauretanischen Litanei als Turm angerufen: du starker Turm Davids, du elfenbeinerner Turm. Es scheint eine seltsame Gegensätzlichkeit nicht nur zwischen der Trutzzitadelle König Davids und dem Turm von Elfenbein, sondern auch in der Anrufung Turris eburnea zwischen dem Bild des Turmes und der Zartheit des Elfenbeins. Zieht man in Betracht, daß das Elfenbein von einem Tier kommt, das dieses im Stoßzahn als Waffe zu seiner Verteidigung einsetzt, wirkt das Elfenbein schon nicht mehr so zart, sondern dauerhaft, ja, eigentlich hart. Filigran, zart, rein und edel wirkt es in der Verarbeitung.

Elfenbein ist überaus kostbar und steht wegen seiner Farbe und Strahlkraft seit alters her für Reinheit und Beständigkeit. Die Magnificat-Antiphon zum Hochfest des hl. Dominikus etwa nennt diesen ebur castitatis – Elfenbein der Keuschheit.

Maria, die Kirche grüßt dich als elfenbeinernen Turm, da die Schrift von dir sagt: Dein Hals ist ein Turm von Elfenbein.(Hld 7,5). Wenn ich dich als elfenbeinernen Turm anrufe, spreche ich von deiner Schönheit. Die Kirche bezieht die Worte des Hohenliedes auf dich: Alles an dir ist schön, meine Freundin, kein Makel haftet dir an (Hld 4,7). Die große Schönheit deiner Seele, deine engelgleiche Unschuld, deine vollkommene Heiligkeit. So jubelt das Herz der Heiligen Dreifaltigkeit, daß der Vater dich zur Tochter erwählt hat, der Sohn zur Mutter und der Heilige Geist dich zur Braut. Obwohl auch die Heiligen über Schönheit der Seele verfügen, kommt keiner von ihnen dir an Heiligkeit gleich. Du hast deine ursprüngliche Unschuld lebenslang bewahrt, nicht der kleinste Makel der Sünde hat dich jemals verunziert; du warst frei von jeder Unvollkommenheit.

Elfenbeinerner Turm, hilf mir, die Vergänglichkeit alles Irdischen zu erkennen. Körperliche Schönheit ist nichts ohne die Schönheit der Seele. Vor allem verlange ich nach einer schönen Seele, mit Unschuld und christlichen Tugenden geschmückt, mit Demut, Keuschheit und Gottesliebe. Gib mir solch eine Seele, damit ich Gott gefälliger werde und mir den Himmel als Belohnung gewähre, wo ich deine immerwährende Schönheit schaue.

Heilige Maria, ein elfenbeinerner Turm verfügt über strahlende Weiße und wunderbare Kraft. Im geistlichen Sinne bist du ein starker Turm aus Elfenbein. Mit einer reinen Seele hältst du an Gott fest, in der Freude und im Leid.

Wie fest ist dein Glaube! Als der Engel dir verkündet, daß du den Sohn Gottes empfangen und Mutter wirst und dabei doch Jungfrau bleibst, glaubst du und willigst ein. Wie tief ist dein Gottvertrauen! Versuchungen aller Arten treten an dich heran, du aber wirfst all deine Hoffnung auf Gott und unterwirfst dich seinem heiligen Willen. Wie stark ist deine Liebe zu Gott! Nichts auf der Welt kann dein Herz gefangennehmen, du kennst kein andere Freude, als Gott zu dienen und du bist bereit, zu seiner Ehre jedes Opfer zu bringen. Du übst Zeit deines Lebens jede Tugend mit größter Treue. Mit vollkommener Hingabe nimmst du an, daß es Gott gefällt, dich zu senden, du umfängst es mit Freude aus Liebe zu ihm. Sogar als dein Sohn zur Hinrichtung geschleppt und gekreuzigt wird, verläßt du ihn nicht. Du verbirgst deinen Kummer in der Tiefe deines Herzens. Wie vollkommen ist dein Leben des Gebets! Nach der Auffahrt unseres Herrn gibst du dich bis zum Tode dem Gebet und guten Werken hin.


König Salomo machte einen großen
Stuhl  von Elfenbein und überzog ihn
mit dem edelsten Golde.
Heilige Maria, du bist wie ein elfenbeinerner Turm, denn durch dein Beispiel lehrst du uns, keusch zu lieben und verleihst uns deinen Schutz gegen die Angriffe des Bösen. Nach deinem erhabenen Beispiel will ich ein keusches Leben führen. Ich verlasse mich auf deinen Schutz in jeder Versuchung, da ich weiß, daß du als Mutter Gottes über alle Engel und Heiligen erhaben bist und als meine Mutter immer bereit, mir beizustehen.

Elfenbeinerner Turm, mache aus mir einen Turm von Elfenbein. Hilf mir, Gott mit Eifer und Treue zu dienen alle Tage meines Lebens, wie du es getan hast. In der heiligen Taufe habe ich mich meinem Erlöser hingegeben und gelobt, ihm allezeit nachzufolgen. Laß mich niemals wankend werden und mich für seine und meine Feinde hergeben, Satan und der Sünde.
Laß mich hingebungsvoll im Gebet und im Empfang der Sakramente sein, denn mit dieser machtvollen Hilfe kann ich bis zum Ende beharren und meine Seele retten. (P. Lawrence Lovasik SVD, in meiner Übersetzung)

Du elfenbeinerner Turm – bitte für uns!

Sonntag, 12. Mai 2013

8 Möglichkeiten, herauszufinden, welche Lesewoche wir haben

Sowohl das große als auch das kleine römische Stundenbuch folgen einem Zyklus mit vier Lesewochen. Will man mit dem Stundengebet beginnen (oder auch: nach längerer Zeit wieder beginnen) oder will man in der Pfarrgemeinde das Stundengebet feiern, braucht man also die Angabe, in welcher Lesewoche wir uns gerade befinden. Zwar ist es kein Drama, sich in der Lesewoche zu verirren – Gott schaut auf das Herz – anderseits ist es doch schön, seine Stimme mit der ganzen Kirche zu erheben, zu beten, was sie betet. Hier acht praktikable Möglichkeiten, schnell herauszufinden, welche Lesewoche wir haben:

  • Im Stundenbuch nachsehen (Überraschung! ;) Vorn im Stundenbuch ist eine Tabelle, die die Sonntage des Kirchenjahres den einzelnen Lesewochen zuordnet. (Vorausgesetzt, die eigene Auflage ist nicht so alt, daß die Tabelle das aktuelle Kalenderjahr nicht mehr erfaßt, was, in kirchlichen Maßstäben gerechnet, relativ schnell geht.)
Direktorium vom 27. Mai
  • Im Direktorium nachschlagen (das ist die liturgische Ordnung des Bistums für das laufende Kirchenjahr, mit allen Angaben, zur Liturgie eines jeweiligen Tages).
  • Im Schott nachsehen. Die Online-Ausgabe des Schott-Meßbuchs – seit kurzem im neuen, noch ungewohnten Design – macht auf dem Bildchen des Abreißkalenders auch eine Angabe zur Lesewoche. StB: III. Woche bedeutet, wir beten die Psalmen der dritten Woche.
  • Im Schaukasten der Gemeinde hängt oftmals eine Art Wochenübersicht der Liturgie, auch in dieser wird die Lesewoche angegeben.
  • Es steht in der Kirchenzeitung. Die hiesige Sonntagszeitung hat es allerdings mindestens einmal fertiggebracht, die „Psalmen der 5. Lesewoche“ anzugeben. Mysterium fidei…
  • Einen Küster fragen. Da es im Meßbuch eine den Lesewochen des Stundengebets entsprechende Reihe von Tagesgebeten gibt, hat er die Lesewoche wahrscheinlich sogar im Kopf. Außerdem gibt es in der Sakristei auf jeden Fall ein Direktorium.
  • Andreas Bändelblog aufsuchen. Andrea macht das online, was die Karmelitinnen in Regina Martyrum netterweise für die Gäste beim Stundengebet tun: einen Zettel mit den Angaben erstellen, die man für das Beten des Stundengebets aus dem römischen Stundenbuch braucht – komplett für jede Tagzeit mit Seitenangaben. Ich finde das ganz großartig (und von den Karmelitinnen sehr aufmerksam).
  • Liturgische Onlinekalender befragen, etwa den der Salesianer Don Boscos. Ein Klick auf den Button Dieses Jahr bringt einem eigentlich noch im selbem Moment mit dem gewünschten Kalender des Kirchenjahres in der Spalte rechts auch die Angabe der Lesewoche. 

Samstag, 11. Mai 2013

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir – Novenen

Heiligste Mutter vom guten Rat
bitte für  uns bei Jesus,
deinem Sohne
Mit dem Himmelfahrtstag tritt die Kirche in die große Pfingstnovene ein, in der die ganze Kirche ihre Stimme in dem wunderbaren Flehen um den Heiligen Geist vereint: Veni, sancte spiritus – komm herab, o Heilger Geist.

Zum ersten Mal bin ich dem Brauch, eine Novene zu beten, in einem Kloster begegnet, als nach einer Tagzeit des Stundengebets der ganze Konvent auf die Knie sank und mit der Novene begann, die der feierlichen Profeß einer Schwester vorausging. De profundis, clamavi, ad te Domine, aus der Tiefe rufe ich, Herr zu dir, Herr, höre meine Stimme. Ein Flehen, das umso eindringlicher wirkte durch die Wiederholung an jedem neuen Tag, neun Tage hindurch. Würdest du Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen?

Das Gebet einer Novene, werde sie nun privat oder von der ganzen Kirche gebetet, ist immer das Flehen um seine Gnade und sein Erbarmen, zuweilen wird auch in einem besonderen Anliegen gebetet.

In der Tat könnte man auf die Idee kommen, das Beten einer Novene sei von Christus eingesetzt: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt, ihr werdet es erhalten. In den Evangelien heißt es über die Zeit nach der Auffahrt Christi zum Vater: und sie waren immer im Tempel. Neun Tage hindurch versammelten sich die Jünger im flehentlichen Gebet um den Geist als Beistand und er wurde ihnen gesandt. Das gleiche gläubige Vertrauen zeigt sich nicht nur in jeder Pfingstnovene der Kirche, sondern in jeder Novene überhaupt: Bittet, so wird euch gegeben.

Zunächst, was ist überhaupt eine Novene? Eine Novene kann man wohl jedes an neun Tagen hintereinander in einem Anliegen verrichtete Gebet nennen – es gibt im Grunde keine vorgeschriebene Form, wenn es auch erstrebenswert ist, sich unmittelbar an Gebeten zu orientieren, die uns aus der Tradition der Kirche geschenkt sind (wie etwa die Pfingstsequenz, ich wüßte kein schöneres Gebet). Da eine Novene in manchen Fällen nicht über neun Tage, sondern auch über längere Zeiträume hinweg gebetet werden kann, gehört im weiteren Sinne wohl auch der Kommunionempfang an neun aufeinanderfolgenden Herz-Jesu-Freitagen zu den Novenen. In einer Vision, in der Christus der hl. Margaret Maria Alacoque sein durchbohrtes Herz zeigte, offenbarte er ihr, daß jedem, der dies tue, die Gnade zum Ausharren im Guten gewährt werde.

Zur Zahl neun kommt einem vielerlei in den Sinn: die neun Monate, die der Erlöser im Leib seiner Mutter war – in der Tat war eine der ersten Novenen, die in der Kirche aufkamen, die zur Vorbereitung des Festes der Geburt Christi –, die neunte Stunde, in der er verschied und an die bis heute die Kirche mit dem Gebet der Non im Stundengebet erinnert. Vielleicht ist deshalb der hl. Kirchenvater Hieronymus der Ansicht, die Zahl Neun sei in der Schrift mit Leiden und Trauer verbunden. Die neunte Stunde, zu der Petrus und Johannes zum Tempel hinaufgingen und dabei im Namen Jesu einen Gelähmten heilten.

Nächtliche Gebetswachen über neun Tage hinweg sind aus der Kirchengeschichte seit dem dritten Jahrhundert bekannt. Der Brauch, für die Verstorbenen eine Novene zu beten, läßt sich in der Geschichte der Kirche ebenfalls lange zurückverfolgen: nach altem Brauch wurden neun Heilige Messen, eine ganze Novene, für den verstorbenen Bischof als Requiem gefeiert. Etwa zur selben Zeit wie die Novenen zur Vorbereitung eines hohen kirchlichen Festes kamen die Novenen auf, in der die Gläubigen in einem bestimmten Anliegen beten oder für die Erhörung in der Not danken.

Relativ spät, im 19. Jahrhundert, verband die Kirche das Gebet einer Novene für die Gläubigen auch mit der Möglichkeit, einen Ablaß zu gewinnen; wenn ich richtig gezählt habe, ungefähr dreißig Mal jährlich, so gab es eine Novene zur Heiligen Dreifaltigkeit, zwei Heiliggeist-Novenen, zwei zum Kinde Jesus, drei zum Heiligsten Herzen Jesu, elf zur Heiligen Jungfrau, je eine zu den Erzengeln Michael, Gabriel und Rafael, eine Schutzengelnovene, zwei zum hl. Josef und je eine zu den hll. Franziskus, Vinzenz von Paul, Paul vom Kreuz und Stanislaus Kostka und eine Novene für die Armen Seelen, denen die Gläubigen nach alter Tradition Ablässe zuwenden.

Besonders bekannt ist neben den Novenen zur Mutter vom guten Rat und zum hl. Josef wahrscheinlich die Novene zum hl. Judas Thaddäus, dem Schutzpatron in aussichtslos erscheinenden Anliegen.

Das Beten einer Novene ist ganz einfach: Gott schaut auf das Herz. Im Beten einer Novene bringt die Kirche, bringt der einzelne zum Ausdruck, daß er auf die Fürsprache Unserer lieben Frau und aller Heiligen bei Gott vertraut.

Freitag, 10. Mai 2013

Heiliger der Verlassenen und Ausgestoßenen − Gedenktag des hl. P. Damian de Veuster

Die Kirche nimmt als Gedenktag des hl. P. Damian de Veuster nicht, wie traditionell meist, den Todestag, sondern den Tag seiner Ankunft auf Molokai am 10. Mai 1873. Niemand hat größere Liebe, als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde.

Als P. de Veuster wenige Jahre vor seinem Tod am 15. April 1889 erfuhr, daß ihn der Ausbruch der Lepra unwiderruflich an diese Insel und das Leben dort band, ergriff ihn große Verzweiflung, denn er hatte in der ganzen Zeit seines Wirkens unter den Leprakranken unter der Einsamkeit gelitten. P. Damian sollte die Insel nie mehr verlassen, erst seine Reliquien kehrten später nach Belgien zurück, eine Armreliquie blieb auf Molokai, in dem Grab, in dem der Pater ursprünglich bestattet worden war. Ein Heiliger, der nicht nur das Leben der ihm Anvertrauten teilte, sondern auch ihren Tod starb − eine direkte Nachahmung Christi.

In der Heiligen Messe sprach unser emeritierter Weihbischof darüber, wie wunderbar die die Gnade Gottes auch in einem Charakter mit schwierigen Eigenschaften, den man dem hl. Damian verschiedentlich nachsagte, wirken kann. Der Heilige starb nach mehr als sechzehn Jahren des Dienstes an den Aussätzigen auf Molokai im Alter von 49 Jahren, am Montag der Karwoche. Ein Heiliger, dessen Liebe so groß war, daß er sein Leben hingab für viele.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Die Hoffnung, ihm zu folgen, wohin er vorausging – Christi Himmelfahrt

Niemand stieg je in den Himmel auf,
außer dem, der vom Himmel herabstieg:
der Menschensohn, der im Himmel ist.
(3. Antiphon der ersten Vesper)
Die Osterzeit geht zu Ende. Nach den Abschiedsreden Jesu, die mich in jedem Jahr sehr berühren, ist der Moment des Abschieds gekommen. Seine letzte Geste im Fleische: er segnet die Zurückbleibenden. Obwohl er aber zum Vater gegangen ist, bleibt er in seiner Kirche, wir können ihn sehen und ihm begegnen, wenn wir wollen, täglich.

Kurz hat mich zwischendurch heute beim Credo der Gedanke berührt, daß wir uns doch eigentlich – analog zu Weihnachten, Verkündigung des Herrn und Pfingsten – niederknien müßten, wenn es heißt, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Jedes Mal, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen, bekennen wir uns zu diesem Glaubensgeheimnis, in dem, wie der Apostel sagt, unsere Hoffnung und der Erweis von Kraft und Stärke Gottes an uns Menschen liegt: Christus ist vereint mit dem Vater. Diese Hoffnung ist auch uns Menschen gegeben.

In der Tat ist die Auffahrt zum Vater eng mit dem Geheimnis der Menschwerdung verbunden. Der vom Himmel herabstieg, um Mensch zu werden, steigt nun in den Himmel auf, um einen Platz, eine Wohnung für uns vorzubereiten, einen Ort, an den wir ohne ihn nicht gelangen könnten.

Dienstag, 7. Mai 2013

Nahaufnahmen (2)

Die Fortsetzung von hier
der Erzengel Gabriel kommt mit Regenbogenflügeln
der Heilige Geist im Sturzflug
der englische Gruß
…und schaut euch mal die Antwort an –
die steht ja auf dem Kopf!


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