Dienstag, 30. April 2013

Nungazing

Beim ersten Schlag der Glocke versammeln sich alle Schwestern im Chor.
Jede soll danach streben, als erste im Chor anzukommen.
(Der Weg der Vollkommenheit, Überlieferungen)

Montag, 29. April 2013

Das Knuddeltier

Pünktlich zum Tag der seraphischen Jungfrau, dem Fest der hl. Katharina von Siena, gibts neue Äußerungen zur Frage des Diakonats der Frau. Das war zu erwarten vor dem Hintergrund, daß die Heilige aus irgendeinem Grund gern als Diakonin vereinnahmt wird, obwohl sie eine der Jungfrauen der Kirche war und dem dritten Orden der Dominikaner angehörte.

Ich muß sagen, die Äußerungen Walter Kardinal Kaspers im Februar, die konkrete Fragestellungen und Vorschläge enthielten, fand ich in der Beziehung interessanter als die neuesten Herumschwurbelungen Erzbischof Zollitschs, bei denen ich gar zu gern einmal wüßte, wie das dann ausschauen soll?

Was ich daran seit einiger Zeit nicht recht verstehe: wir haben doch Dienste, Aufgaben und Lebensentwürfe für Frauen. Da gibts solche, die dieselben sind wie die der Männer − wie etwa die, nach den evangelischen Räten zu leben oder ein Heiliger zu werden − und solche, die sich ihrem ganzen Wesen nach voneinander unterscheiden.

Wärs nicht also vielleicht angezeigter, auf die Berufungen zu schauen, die wir bereits haben und die die Kirche anerkennt? Da gibts für Frauen in der römisch-katholischen Kirche etwa die nach dem ersten Weltkrieg entstandene Lebensform der Apostolatshelferin, eine Berufung, über die man „interessanterweise“ kaum etwas erfährt, kaum, daß es sie gibt. Ob das wieder einmal damit zu tun hat, daß diese oft unerkannt unter den Menschen leben, oder damit, daß es eine Berufung ist, in der Jesus einen Menschen auffordert, alles zu lassen und ihm nachzufolgen, mithin eine zölibatäre, wer vermag das zu sagen? Die Apostolatshelferin ist dem Bischof unterstellt, der wiederum darauf vertrauen kann, daß sie jede Tätigkeit als Sendung annehmen wird, die er für die Ortskirche als notwendig ansieht, um den Menschen zu dienen. Das ist für mich Diakonia im unmittelbaren Sinne.

Die Ostkirche wandelt derweil teils auf aus der Kirchengeschichte vertrauten Pfaden: im Jahre 2004 sprach sich die Synode der Griechisch-orthodoxen für die Wiederbelebung des altkirchlichen Diakonats der Frau aus und stellte in der Folge den Bischöfen frei, in ihren Diözesen Diakoninnen zu ordinieren. Dabei scheint unter Ordination, wenn ich es recht erfaßt habe, die Spendung der Jungfrauenweihe verstanden zu werden, wie etwa im Kloster der Nonnen von Agia Triada auf Ägina. Man müßte vielleicht einmal schauen, wie nach fast zehn Jahren die Erfahrungen mit diesem aus der frühen Kirche überkommenen Amt sind und inwieweit so etwas auf die römisch-katholische Kirche übertragen werden kann. Allerdings waren die orthodoxen Bischöfe meines Wissens zunächst zögerlich im Gebrauch dieser Möglichkeit.

Wenn man allerdings nun nicht auf etwas aus dem Schatz der Kirche zurückgreifen, sondern etwas Neues schaffen will, das Diakonin heißen, aber nicht sakramental sein soll, dann muß ich sagen, das wäre für die Frauen tatsächlich ein Trostpreis. Das rosa Häschen mit weichen Ohren zum Knuddeln, damit das Kind was hat und bloß endlich Ruhe sei. Damit wäre meinem Gefühl nach weder den Frauen als Gliedern des Leibes Christi gedient noch dem Leib Christi selbst.

Seraphische Jungfrau – Fest der hl. Katharina von Siena

O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche,
du hast Gottes Weisung  geliebt. Heilige Katharina,
bitte für uns bei Gottes Sohn.
Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses trifft es in Bezug auf die Reliquien der Heiligen zwar nicht ganz, in der Tat ist aber mit den Reliquien der Heiligen – da sie eine solch hohe Verehrung genoß – eine einigermaßen ungewöhnliche „Verteilung“[1] vor sich gegangen: ihr Körper ruht in Santa Maria sopra Minerva in Rom, allerdings ohne das Haupt, das ihr Beichtvater wie auch einen Finger in ihre Heimatstadt Siena senden ließ, wo sie immer noch in San Domenico verehrt werden. Ein Fuß der hl. Katharina wiederum befindet sich in Venedig.

Der Reliquie ihres Hauptes – noch immer mit Wimpel und Schleier bekleidet – wird ein Foto nicht gerecht, man muß es selbst gesehen haben. Es hat nichts von Geisterbahn; in der Gegenwart solcher Reliquien ist man tatsächlich in der Gegenwart des Heiligen.

Fingerreliquie der hl. Katharina
in San Domenico in Siena

Die Inschrift an ihrem Grab in Santa Maria sopra Minerva gibt Auskunft über ihren Stand: Jungfrau aus Siena, dem Orden der Dominikaner zugehörig. Wie die heilige Teresa ist die hl. Katharina Kirchenlehrerin, wie diese nennt man sie seraphische Jungfrau. Seraphim sind die Engel, die in der ewigen Anschauung Gottes leben und vor Liebe glühen. Über die hl. Katharina sagt das Tagesgebet, daß ihre Liebe im Dienst an der Kirche zu einem lodernden Feuer wurde. Ein Feuer, das sie ganz verzehrt und die Kraft ihrer Liebe doch nicht ausgebrannt hat.
Du ewige Dreifaltigkeit, bist ein tiefes Meer, in dem ich immer wieder Neues entdecke, je länger ich suche. Und je mehr ich finde, desto mehr suche ich dich. Gleichsam auf unersättliche Weise sättigst du die Seele; denn in deinem Abgrund sättigst du die Seele so, daß sie doch immer noch hungrig bleibt, nach dir, ewige Dreifaltigkeit, verlangt und sich danach sehnt, dich, das Licht in deinem Licht zu schauen. … Im Spiegel dieses Lichtes erkenne ich dich, das höchste Gut, das Gute über allem Guten, das selige Gute, das unermeßliche Gute, das unschätzbare Gute; die Schönheit über aller Schönheit, die Weisheit, größer als jegliche Weisheit. Du Speise der Engel, du der sich den Menschen schenkt im Feuer der Liebe. 
Du bist das Gewand, das meine Nacktheit bedeckt; da wir hungern, gibst du uns die Speise deiner Süße; denn süß bist du ohne alle Bitterkeit.  (aus der ersten Lesung der Matutin zum Fest der hl. Katharina)
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[1] Der Vollständigkeit halber sollte man vielleicht anmerken, daß ihr Leib nicht künstlich zerteilt wurde; da das ursprüngliche Grab schlecht versiegelt worden war, war ihr Leib zu diesem Zeitpunkt bereits im entsprechenden Zustand.

Sonntag, 28. April 2013

Augenblicke




Voilà – Magnolien! Was ich mit Erstaunen letztes Jahr bemerkt habe: die Knospen gibts in voller Größe schon im Herbst, und letzte Woche sind sie aufgegangen.

Unser Flußpferdhaus…


Die taz über die Hedwigskathedrale, deren Interieur sie an einen sehr alten Operationssaal, vielleicht auch an ein historisches Flußpferdhaus erinnere „mit Strängen aus Kugellampen und Aluminiumprofilen und skulpturalem Sicherheitsglas, alles eingerahmt von würfelig gemusterten Wänden in Schimmelgrün.“

Das Schlimme ist, mit ihren spitzigen Bemerkungen zur Innenraumgestaltung der Kathedrale haben sie auch noch irgendwie recht, die ist tatsächlich äußerst kühl geraten[1] – wer schon mal versucht hat, in all dem Grau und Grün ein freundlich wirkendes Foto zu schießen, weiß, wovon ich rede. Indes übersieht der Redakteur natürlich ein wesentliches Faktum: daß sich Gnade und Berufung nicht an der Schönheit von Kirchbauwerken festmachen. Was nicht heißt, daß man nicht vielleicht irgendwann doch weg von der Flußpferdhausatmosphäre kommen könnte.

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[1] übrigens: ähm, das waren die Sechziger, nicht die Achtziger…

Samstag, 27. April 2013

Alter your view – Benedikt, Franziskus

Im Kommentarbereich zu dem Stilleben mit Gänseblümchen und Papstbüchern fragt eine Leserin, wie es mir mit Papst Franziskus so ginge? Offen gestanden, so genau weiß ich das auch noch nicht, ich bin innerlich noch am Sortieren. Die (zutreffende) Aussage: „Mir fehlt Benedikt!“ wäre nur bedingt eine über Papst Franziskus. Ich fremdle noch ein wenig. Mir ist aufgefallen, daß ich immer noch kurz irritiert bin, wenn im Hochgebet in Gemeinschaft mit unserem Papst Franziskus gebetet wird, weil ich an dieser Stelle innerlich die Worte in Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt erwarte. Bei Papst Johannes Paul II. war es, obwohl dieser ungleich viel länger Papst war, nicht so, da war mir mit unserem Papst Benedikt sofort ganz natürlich, vertraut und lieb. Ob das damit zusammenhängt, daß man sich über einen längeren Zeitraum und auf die natürlichste Weise von Papst Johannes Paul II. Abschied nehmen konnte – er starb und wurde feierlich beigesetzt – oder womit sonst, ich weiß es nicht.

Außerdem ist mir angesichts mancher Auseinandersetzungen und Polarisierungen – für die Papst Franziskus allerdings sämtlich wenig kann – zur Zeit oft danach zumute, die Bachsche Kantate Ich habe genug anzustimmen. Wiewohl ich es schön finde, wenn die Menschen etwas Positives über Papst Franziskus zum Ausdruck bringen möchten, hab ich es etwas über, daß es so oft auf Kosten des Pontifikats Papst Benedikts oder in einer Gegenüberstellung scheinbarer Gegensätze getan wird: ich deutete es schon mal an.

Das tagesaktuelle Referieren über Socken und Weihwasser bei der Fußwaschung ist ja nur einer von mehreren solchen Anlässen. Etwas leid bin ich etwa die Lobgesänge darauf, daß Papst Franziskus den Altar Pauls VI. sehr schnell wieder in der Sixtina hat aufstellen lassen, stets verbunden mit dem Hinweis, daß er daran die Messe „mit dem Gesicht zum Volk“ zelebriert habe. Was im übrigen auch Benedikt nach seiner Amtseinführung getan hat: an demselben Altar in derselben Zelebrationshaltung. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist es scheints noch lange nicht das gleiche.

Es gibt Sentenzen, bei denen ich meist dann doch nichts sage, weil der Kontext es nicht hergibt, bei denen ich aber das Gefühl habe, eines Tages mutiere ich nochmal zu diesem roten Brief aus Harry Potter, der am Ende sein Bändchen als Zunge herausstreckt – bäääh! Eine davon ist „mit dem Rücken zum Volk“. Mit diesem Ausspruch wird verschiedentlich auch der Altar in der Unterkirche der Kathedrale bedacht oder soll den Leuten so sogar madig gemacht werden. Persönlich habe ich an diesem Altar die Zelebrationsweise zum Herrn hin (versus Deum) wirklich schätzen gelernt – es scheint oft soviel gesammelter. Die Hostie sehe ich bei der Erhebung der Gaben übrigens trotzdem gut[1]. Und was das mit dem Rücken immer soll: ins Gesicht schaue ich dem Priester bei der Elevation der Gaben auch nicht lieber, im Gegentum.

Der Altar ist der Ort, an dem uns der Zelebrant zur Begegnung mit dem sakramentalen Christus führt. Daher möchte ich bei solchen Auslassungen zur Zelebrationsrichtung immer fragen, was habt ihr denn nur immer mit diesem Rücken? Wir kommen doch nicht zur Messe, um uns die Vorder- oder Rückseite eines Menschen anzusehen, wir kommen, um uns Gott selbst zuzuwenden und ihm zu dienen.

Überhaupt hat Benedikt vergleichsweise selten die Messe selten ad orientem – nicht: „mit dem Rücken zum Volk“ – gefeiert, meist geschah dies in der Sixtinischen Kapelle am Hochaltar vor dem Fresko des Jüngsten Gerichts. Wohl hat er Wert darauf gelegt, daß bei den seinen Messen auf dem Altar Kreuz und Leuchter in der traditionellen Anordnung stehen, zu Recht, die Messe ist die Vergegenwärtigung des Opfers Christi am Kreuz. Jedenfalls wünschte ich mir jedes Mal, wenn ich so etwas lese, ich könnte dazu anmerken, daß Papst Benedikt die Messe gemeinsam mit der Gemeinde zu Gott hin gerichtet gefeiert hat.

Vielleicht hilft mir die Auseinandersetzung mit den Büchern des neuen Papstes, die mich letzte Woche schließlich erreicht haben[2], etwas gegen das „Fremdeln“. Andererseits: einen Verlust kann man durchaus als Verlust bezeichnen und muß ihn erstmal verarbeiten. Der Rücktritt Benedikts XVI., wiewohl ich ihn menschlich verstanden habe, ist ein Verlust für die ganze Kirche, den es gilt, auszuhalten.
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[1] Es sei denn, ein Diakon gibt genau an der Stelle und für diese Seite der Kirche den unverrückbaren Felsblock…
[2] Vielen Dank, liebe streikende Postboten.

Fußwaschung à la ZDK


So sieht das aus, wenn Papst Benedikt jemandem angeblich die besockten Füße mit wenigen Tropfen Weihwasser bespritzt (ein Bild der Fußwaschung 2011. Das kann ich deshalb mit Gewißheit sagen, weil das Bild zu jener Zeit hier verbloggt wurde).

Das ist so eine von diesen Ausführungen, die mich an die Geschichte vom Gottesdienst erinnern, in der die Pfarrerin anhub mit, „Das Evangelium des Tages steht bei Jesaja“, und in der ersten Reihe steht einer auf und sagt, „Nein, tut es nicht!“

Ich weiß nicht, welches Bild Frau Dr. Lücking-Michel vor Augen hatte, da sie die Zuhörer in ihrer Referatseinführung bei der Vollversammlung des ZDK zuversichtlich darauf anspricht, sie könnten sich gewiß daran erinnern, das der Fußwaschung in der Liturgie am Gründonnerstag mit dem Heiligen Vater war es jedenfalls nicht.

Was soll man dazu nun sagen? Ein Vortragender muß sicher sein, daß das, was er als Faktum vorträgt, auch stimmt. Ist er sich nicht sicher, muß er es vorher noch recherchieren. Die, die gelacht haben: anscheinend hat sich keiner von euch einmal einen solchen Gottesdienst mit dem Heiligen Vater angesehen? Dafür kann man als achtbare Entschuldigung hernehmen, daß man zur entsprechenden Zeit unter Umständen selbst in der Liturgie vom letzten Abendmahl war. Für die Vortragende gibt es keine solche, allenfalls muß sie sich fragen lassen, worum es ihr beim Aufbau eines solch scheinbaren, künstlichen Gegensatzes zwischen den Päpsten Benedikt und Franziskus eigentlich ging?

Daß eine solche Darstellung unter allen Priestern nun gerade Benedikt XVI. betrifft, der großen Wert auf die schöne und würdige Feier der Liturgie legt, ist wirklich bedauerlich. In der ersten Antiphon zur Fußwaschung heißt es: Jesus … goß Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen: dies Beispiel hat er ihnen gegeben. Genau das hat Benedikt XVI. getan und diesem Beispiel ist er treu gefolgt.

Freitag, 26. April 2013

Donnerstag, 25. April 2013

Lunovis – Mondfinsternis heute

Bild: Bernward Föllmer
Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
Ich bin des Weltalls dunkler Raum.

(Christian Morgenstern)
Mit etwas Glück und Wetter wie gestern bietet sich hier heute am Abend der Blick auf die einzige Mondfinsternis dieses Jahres. Gestern abend hing der Mond als dicke gelbe Kugel am Horizont, genau zu der Zeit, in der heute der Höhepunkt der Mondfinsternis beobachtet werden kann (kurz nach 22 Uhr). Nur etwa eine Viertelstunde später sah der Mond schon wieder ganz anders aus, weiter entfernt, weißer, kälter und fremder.

Zwischendurch…

Also, ich hab ja schon alles mögliche gefunden,
aber ein Kreuz eben noch nicht.

Mittwoch, 24. April 2013

Things with faces

Definitiv – Stiefmütterchen haben Gesichter:

Da gibt es harmlos dreinschauende duftende…
…fast schon psychedelisch aussehende… 
…ganz kleine…
Diese schauen leicht mißmutig drein…
…schon wieder aufstehen und blühen – ächz!
:O
…und die Punks.



Dienstag, 23. April 2013

Für unseren Diener…

Aus dem Stand formulierte Fürbitten suche ich nach Möglichkeit zu vermeiden. Schreib ich sie mir vorher auf, bin ich innerlich ruhiger und kann sie auch gleich der Form der für den Tag vorgegebenen anpassen. Zudem besteht nicht die Gefahr eines Blackouts, was den Besten passieren kann.

Heute ergab sich das Niederschreiben vorher nicht, ich wollte aber an seinem Namenstag in den Fürbitten unbedingt unseres verstorbenen Kardinals gedenken. Schönerweise hat ihm der Herr Weihbischof em. wohl die Meßintention zugute kommen lassen.

So hab ich mich bei den Fürbitten heute prompt kurz selbst verwirrt:  „Für unseren… …verstorbenen Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky, daß du ihm die Teilhabe am himmlischen Gastmahl schenkst“ (oder so). Hoffentlich hat sich niemand über das kurze Zögern gewundert, der Gläubige neben mir hat jedenfalls unverzüglich in das Fürbittbuch gelinst, was da steht.  Eigentlich hatte ich sagen wollen: „für deinen Diener, Georg…“, nun hatte ich aber schon zuversichtlich mit „für unseren“ angefangen. „Für unseren Diener…“? Später ist mir bewußt geworden: in dem Fall wäre es wirklich einerlei gewesen, Georg Kardinal Sterzinsky war unser aller Diener. Und: ich bin mir sicher, daß er in der ewigen Freude ist, trotzdem ist es schön, für ihn zu beten.

Christenverfolgung in Syrien – bitte betet

der griechisch-orthodoxe
Bischof von Aleppo,
Bulos Jasidschi

Bitte betet doch: in Syrien sind die beiden Bischöfe Bulos Jasidschi und Gregorios Yohanna Ibrahim entführt und der Diakon, der sie gefahren hat, ermordet worden. In den Medien hab ich heute kaum etwas darüber gehört und mich einmal mehr über die Präferenzen der inländischen Medien gewundert. Was geht uns denn eigentlich Herr Hoeneß an? Oder die Steueramnestie? Oder das vergurkte niederländische Königslied?

Erzbischof Zollitsch hat dagegen zu Recht darauf hingewiesen, daß die Entführung dieser beiden hohen Würdenträger die in Syrien noch ausharrenden Christen tief ins Mark treffe und diese Tat der internationalen Staatengemeinschaft ein Warnruf sein müsse. Zweierlei: unsere Geschwister im Glauben harren in Syrien aus, während die, die sei leiten und ihnen dienen sollen, ermordet und verschleppt werden. Das ist etwas, worum wir uns kümmern müssen.

Montag, 22. April 2013

Ist die Erde eine Scheibe? Googles Doodle zum Earth day

Doodle des Tages – wer lange genug hinsieht,
findet vielleicht auch noch den Schriftzug


Mal wieder was für Spielkälber ist Googles Doodle zum heutigen Earth day – solche Sachen zum Anklicken und Probieren sind einfach mein Schönstes, außerdem brauche ich eh grad möglichst unernsten Spielkram. Mal sehen, da waren die Pusteblumen und die Bäume, der Dachs, die Glühwürmchen, die Fische und der Bär, der allerdings auch im Sommer scheints nicht zu einem Ausflug in die Natur zu überreden ist, und die Gestirne. Nett ist die Möglichkeit, es regnen und schneien zu lassen und daß das Doodle nicht nur Tag und Nacht und Mondphasen, sondern auch vier Jahreszeiten hat. Besonders nett finde ich das scheinbar auf die Tastatur herabtropfende Wasser, das im Winter auch noch einfriert. :}

Sonntag, 21. April 2013

Bittet, so wird euch gegeben – Gebet um geistliche Berufe

Da wir den heute den Sonntag des guten Hirten gefeiert haben, an dem traditionell für Berufungen zum geistlichen Leben gebet wird: Schwestern gibts anscheinend in allen Größen. Das kleine Bild erinnert an die Kampagne als Priester wird keiner geboren, um Berufungen muß man beten. Gleiches kann man auch vom geweihten Leben sagen. Also: als Karmelitin wird keine geboren, um Berufungen muß man beten.

Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte senden – was könnte wahrer sein als das? Vielleicht könnte man im Weinberg selbst aber auch noch das eine oder andere tun. Vor allem müssen Berufungen zunächst einmal gewollt werden, das zeigt schon das Beispiel jener italienischen Gemeinde, aus der bei konstantem Gebet und einer tragfähigen Atmosphäre, in der Berufungen klar als etwas Schönes und Wünschenswertes erschienen, im Laufe einiger Jahrzehnte hunderte von Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben hervorgingen.

Wie sieht das nun hier aus? Vor wenigen Tagen etwa (via Stani und KNA) konnte folgende Aussage des Münsteraners Bischofs Genn lesen:
Genn wandte sich dagegen, die Zugangswege zum Priestertum zu verändern. Zugleich zeigte er sich darüber beunruhigt, daß die sogenannten evangelischen Räte Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit als eine Form der Nachfolge Christi in den Gemeinden wenig wertgeschätzt würden. So habe es sehr negative Reaktionen auf den Entschluß einer jungen Frau gegeben, Ordensfrau zu werden.
Ja, ist so ist es hierzulande leider vor Ort leider tatsächlich öfter. Und wenn es sich um eine Berufung handelt, mit der erkennbar später nicht Status oder Einfluß verbunden sein werden, ist es manchmal noch ärger. Was bekommt der- oder diejenige dafür, daß er so etwa macht? Sinn und Erfüllung, die in einem Leben liegen können, das dem Christi ähnlich ist, scheint nicht nur etwa zunehmend weniger verstanden zu werden, die Vermittlung dessen selbst, scheinen zu verschwinden. Warum? Dabei ist es so einfach, es ist wie mit dem, der schöne Perlen suchte: Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Was mir schmerzlich aufgefallen ist, ist, daß es in den letzten Jahren zunehmend weniger von dem zu geben scheint, was wir tatsächlich tun könnten: beten, Menschen gezielt ansprechen, darüber predigen, Priestertum und geweihtes Leben als etwas Attraktives (das sie ja auch sind) erscheinen lassen, den Glauben vorleben und wieder beten. Gott fragen, was willst du, das ich tun soll?

Bis vor wenigen Jahren gab es am Sonntag des guten Hirten eine Art Aktionstag für diejenigen, die sich für Priestertum und geweihtes Leben interessieren, der morgens mit dem Hochamt begann und am Nachmittag eine sakramentale Andacht mit dem Bischof einschloß. Die einen hatten zwischendurch die Möglichkeit, ein Priesterseminar zu besichtigen, für die anderen gab es die Möglichkeit zur Begegnung mit Menschen des geweihten Lebens. Auf der letzten derartigen Veranstaltung wurde coram publico der Wunsch ausgesprochen, doch mit den vorhanden modernen Mitteln mehr darauf hinzuweisen. Ich will nicht sagen, daß sie deshalb nicht mehr stattfindet, jedenfalls findet sie nicht mehr statt. Manchmal frag ich mich schon, was ist das, brauchen wir sowas hier nicht, oder warum verzichtet man von vornherein auf Möglichkeiten, die man durchaus hätte, und tut Dinge nicht, die man mit den vorhandenen Mitteln auf jeden Fall leisten könnte? (Falls dieser Beitrag irgendwie leicht angefressen oder teils unzusammenhängend klingen sollte, möge man es mir nachsehen, es war eine merkwürdige und emotional aufwühlende Woche.)

Geblieben ist uns die Andacht zum Gebet für geistliche Berufe, auf die auch kaum noch hingewiesen wird. Weder druckt man Plakate und hängt sie vielleicht im Schaukasten aus  – noch nie konnte man mit so wenigen und kostengünstigen Mitteln gut gemachte Plakate herstellen wie gerade in unserer Zeit – noch auch verweist das Bistum selbst auf diese Gebetsstunde als solche: es nennt sie eucharistische Anbetung. Das stimmt zwar auch irgendwie, aber diese Anbetung geschieht eben in dem Anliegen um geistliche Berufe. Wem etwa einfällt, auf die Worte „eucharistische Anbetung“ zu klicken, kann das immerhin noch erfahren.

Die Amerikaner haben, zu einem anderen Zeitpunkt des Jahres, eine ganze sogenannte „Vocation awareness week“, mit gutem Erfolg übrigens. Das Gewahrwerden ist hier sicherlich in zweifacher Hinsicht zu verstehen: zum einen kann sich der einzelne mit dem Thema Berufung befassen und was es für ihn oder sie bedeuteten könnte, zum anderen gewinnt das Thema Berufung landesweit Beachtung. Die Menschen in den Gemeinden können sich dessen gewahr werden – falls sie es nicht schon sind – daß es so etwas wie Berufungen gibt. Zu allen Zeiten, auch hier, auch jetzt spricht Christus zu den einzelnen Herzen, lädt sie ein, ihm in besonderer Weise nachzufolgen, nicht um alles aufzugeben, sondern um unendlich viel zu gewinnen.

Ganz eigen haben mich gestern diese Zeilen aus dem Lied I vow to thee, my country angerührt, das auch bei der Beisetzung Margaret Thatchers gesungen wurde:
The love that asks no question, the love that stands the test,
That lays upon the altar the dearest and the best;
The love that never falters, the love that pays the price,
The love that makes undaunted the final sacrifice.
Der Hymnus spricht hier auch von der Liebe zu dem Land und der Stadt, die uns Christen Heimat sind: dem himmlischen Jerusalem und Liebe, die das liebste und teuerste auf den Altar legt, ist die Erstlingsgabe des Berufenen.

Freitag, 19. April 2013

In der Kunst des Schöpfers offenbart sich seine Art zu schaffen – Ernst Haeckels Kunstformen der Natur

Talamphora
All dieses Wachstum gemahnt uns, den Schöpfer zu lieben. Durch diese Dinge spricht Gott zu uns. (hl. Teresa Margareta Redi)
Unter den mehr als hundert Bildern, die der Potsdamer Arzt, Zoologe und Philosoph Ernst Haeckel (1834-1919) für sein wunderbares Werk Kunstformen der Natur gezeichnet hat, auch nur einige auszusuchen, die man für besonders schön hält, dürfte schwerfallen: sie sind alle besonders schön. Vor Jahren hab ich das Buch dem besten Freund von allen geschenkt, einfach so zum Gucken und sich dran freuen.

Haeckel hielt unter anderem Vorlesungen in vergleichender Anatomie. Er unternahm wissenschaftliche Expeditionen und beschrieb über 4000 neu entdeckte Arten von niederen Meerestieren, Medusae und Schwämmen des Mittelmeerraums und des Rotes Meeres,  der Kanarischen Inseln, Ceylons, Javas und immer so weiter. Allein im Mittelmeer entdeckte er 144 neue Arten von Strahlentierchen.

Crinoidea
Calcispongiae
Ophiodea
Hexacoralla
Bryozoa
Phaeodaria
Cyrtoidea

Mittwoch, 17. April 2013

Katholische Bücher: Maifrost

Noch schlimmer war Nandas Angst., daß sie irgendwann einmal eine Todsünde begangen und vergessen haben könnte, sie zu beichten. Vor Jahren hatte sie, angespornt durch das Beispiel vieler Heiliger, ein Gelübde ewiger Jungfräulichkeit abgelegt. Mit acht Jahren fiel ihr das Versprechen nicht schwer. Aber jetzt war sie zehn und hatte das Gefühl, daß sie doch eines Tages würde heiraten wollen. War sie durch ihr Versprechen gebunden? Sie dachte lange darüber nach. Vielleicht war schon der Gedanke daran, ein Gott gegebenes Versprechen zurücknehmen zu wollen, eine Todsünde…


Mit diesem Zitat auf dem Cover hatte es mir Antonia Whites Maifrost seinerzeit sofort angetan. Whites Buch ist eine Schulgeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts, die Geschichte einer Knospe, die nie erblüht, da sie bereits im Frühling des Lebens beschädigt wurde – daher der Titel. Mit dem ersten Satz
Nanda war auf dem Weg zum Kloster der Fünf Wunden 
taucht der Leser ein in die Faszination des Lebens an einer katholischen Schule[1] mit seinen Devotionen, Prozessionen, Skapulieren, weißen Lilien und blumenstreuenden Erstkommunikantinnen. Strümpfe kann man vor dem Zubettgehen über die Lehne seines Stuhles hängen, doch war es bei den frömmeren Mädchen üblich, sie in Form eines Kreuzes über die Kleider zu legen.

Maifrost ist eines meiner Lieblingsbücher. Einfach und klar geschrieben, stilistisch elegant und zugleich erschreckend erzählt es die Geschichte der jungen Fernanda Grey, Tochter eines Lehrers für Altphilologie. Als sie nach Lippington kommt, ist sie neun Jahre alt. Aus der Tatsache, daß Mr. Grey kürzlich in einem anglikanischen Land konvertiert ist und damit seine berufliche Laufbahn an einer der teuren Preparatory Schools einen deutlichen Knick erfahren haben dürfte, erklärt sich, daß die Greys über nicht viel Geld verfügen. Sie leben nicht etwa in Armut – immerhin kann der Vater das Schulgeld anfangs, wenn auch unter Opfern, gerade noch aufbringen –, daß sie allerdings weder ein Haus auf dem Lande noch einen Butler haben, noch auch Nanda ein eigenes Pferd besitzt und ihre Familie erst seit kurzem katholisch ist, läßt all dies in der katholisch-aristokratischen Welt von Lippington eher als Peinlichkeiten erscheinen, die man am besten so selten wie möglich erwähnt.

Nanda in die Fünf Wunden zu schicken, geht auf den aufrichtig empfundenen Wunsch ihres Vaters zurück, ihr ein echt katholisches Fundament geben zu wollen. Lippington ist eine Schule für höhere Töchter mit internationalem Gepräge, denn, wie an einer Stelle bemerkt (sehr treffend, wie ich finde): der Katholizismus ist keine Religion, sondern eine Nationalität. Die Atmosphäre der Schule oder die Art, wie Nanda sie an sich heranläßt, bewirkt schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit, daß ihr die Kirche wie etwas vorkommt, das drohend über ihr aufragt, allgegenwärtig wie der Fujijama auf einem japanischen Druck, riesig, erschreckend, herrlich und unentrinnbar, die Feste Gottes, das Haus auf dem Felsen.

Zwischen Nandas kindlichem Gebet am ersten Abend, Hilf mir, gut zu sein und mach aus mir eine gute Katholikin wie die anderen es sind, und der Zielsetzung der Schwestern, die Mädchen zu Soldaten Christi zu erziehen, die Mühsal, Spott und Undankbarkeit gewöhnt sind, wird Nandas Schulzeit im Kloster der Fünf Wunden eine Passage zwischen Scylla und Charybdis. Nanda selbst vergleicht die Atmosphäre der Klosterschule mit der auf einem Schiff, wo man seine Habseligkeiten auf engem Raum aufbewahren muß, das Messing und das Kupfer stets blank geputzt sind, man strenge Disziplin halten muß – und doch im Grunde seines Herzens die Landratten verachtet.

Das Schicksal Nandas und das von Mädchen wie Monica Owen, man möchte sagen, ihr Verhängnis, ist, daß sie in zu wenigen Dingen sind wie alle anderen. Die anderen kommen aus katholisch-aristokratischen Elternhäusern (oder wenn nicht, wenigstens aristokratisch oder wenigstens katholisch) und tragen glanzvolle Namen wie Léonie Magdalena Hedwig de Wesseldorf oder Rosario de Palencia. Gehts eigentlich noch katholischer als „Rosario“?

Clare Rockingham ist hingegen zwar Protestantin, aber reich und eine aussichtsreiche Konvertitin. Daß die Nonnen sie scheinbar zurückweisen (in Wirklichkeit aber auf eine Weise, daß es einen graust, direkt anstacheln), trägt natürlich dazu bei, daß Clare prompt tut, was eigentlich gewollt wird, sie will unbedingt Katholikin werden, um jeden Preis. Da sie von guter Herkunft und vermögend ist, ist sie nicht in Gefahr (und war es auch nie), daß man ihr auf eine Weise begegnet, wie Nanda oder Monica Owen. Letztere nennt die Autorin zu Recht unglückselig: sie ist zwar eigentlich katholisch, ist aber nichts und kann auch nichts, außer Hunde zeichnen. Da ihre Eltern sich nur einen Bruchteil des Schulgeldes leisten können, wird sie auf wirklich beschämende Weise jahrelang gedemütigt: doch hatte diese Behandlung sie nur noch stumpfsinniger gemacht.

Der Schulverweis Monica Owens hinterläßt jedoch in Nanda ein kleines Körnchen Aufsässigkeit, das sich im folgenden vor allem darin äußert, daß sie mit Vorliebe im Unterricht christlicher Doktrin verzwickte Fragen stellt und ihre Lehrerinnen in Verlegenheit bringt. Im Alter von dreizehn, als es auch finanziell im Hause der Greys kompliziert zu werden beginnt und kurz nachdem Nanda die Möglichkeit, Lippington mit gutem Anstand zu verlassen, ausgeschlagen hat, kommt es zur Katastrophe: als sie beginnt, an einem Manuskript zu arbeiten, ist das Ende absehbar und unausweichlich. Da die Mädchen wie bei den Jesuiten unter ständiger Beobachtung stehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Mater Radcliffe das halbfertige Werk findet und Nanda von der Schule verweist, nicht ohne sie zuvor noch als „Bazillenträgerin“ im übertragenen Sinne zu etikettieren.

Das Buch ist, wiewohl es hierzulande wenig bekannt scheint, ein literarisches Kunstwerk und trägt zugleich alle Züge einer griechischen Tragödie. Wer hier nach Sinn oder Schuld fragt, fragt meines Erachtens vergebens. Alles, was passierte, hat geschehen müssen, nachdem Mädchen wie Nanda Grey eine Eintrittskarte in die Lippingtonsche Welt erhielten. Die Relegation Nandas wie die von Monica Owen war ein Schauspiel, aufgeführt für andere. Lippington hat diese Mädchen benutzt, damit sie anderen als warnendes Beispiel dienen. Daß erstere durch ihre Zeichnungen die Bräute Christi lächerlich gemacht haben und die Gedankenwelt in Nandas halbvollendetem Manuskript „ein Abgrund von Unrat“ sein soll, sind bloße Vorwände. Den Schwestern, denen es nichts ausmachte, ziemlich unverblümt und geradezu grausam auf die Tatsache anzuspielen, daß jemand nicht das volle Schulgeld bezahlen kann, waren die eine wie die andere von Anfang an ein Dorn im Auge. So wirft das Buch auch ein hartes Licht auf Skrupulantentum, Heuchelei und seelische Quälereien, alles unter dem hehren Ziel einer katholischen Erziehung.

Bis vor kurzem wußte ich nicht, daß der Roman das eigene Schicksal der Autorin beschreibt, was ihn umso bedrückender macht. Über ihr Herkommen schreibt die Autorin:
Ich hatte nichts von katholischer Kinderstube und katholischen Gnaden. Ich trug weder Skapuliere noch wundertätige Medaillen unter meiner Sergeuniform. Ich konnte mich nicht damit brüsten, Unserer Lieben Frau geweiht zu sein und die ersten sieben Jahre meines Lebens nur in blau und weiß gekleidet worden zu sein; ich hatte nicht einmal einen Namensheiligen.
Von der Relegation hat sich Eirine Botting[2] – Eirine wie Fernanda für ein englisches Mädchen ein gekünstelter Name, zumal auf einer Schule, an der französische Mädchen Léonie und spanische Rosario oder Elita heißen, englische dagegen Clare oder Marjorie – offensichtlich nie wieder ganz erholt. So hat sich am Ende wohl die Prophezeiung der zynischen Leonie, daß in zwanzig dreißig Jahren sie selbst eine vorbildliche katholische Mutter sein werde, deren Kinder Skapuliere trügen, Nanda dagegen „durch und durch eine fanatische Rationalistin“ tatsächlich erfüllt. Insgesamt war die Autorin dreimal verheiratet, einige Zeit verbrachte sie in einer Nervenheilanstalt; Phobien und Schreibblockaden verhinderten lange Zeit, daß sie überhaupt etwas zu Papier bringen konnte. – Das in glasklarem Stil erzählte Maifrost erscheint wie die Geschichte eines Juwels, schön anzusehen, aber scharfkantig und verletzend.

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[1] Die Autorin nennt die Schule das Kloster der Fünf Wunden, man erkennt aber schon wegen des Belohnungssystems mit den rosa, grünen und blauen Bändern sehr schnell eine Sacré-Cœur-Schule.

[2] wie Anthonia White eigentlich hieß. Das falsch geschrieben und daher überspannt wirkende Eirine dürfte den Vorlieben ihres Vaters für das Griechische zu verdanken sein.

Sonntag, 14. April 2013

Karmel – Berg der Begegnung mit Gott

Ein Kommentator hatte sich hier einen Artikel über das „Drinnen“ des Karmels gewünscht. Ich glaub, ich fang einfach einmal an zu schreiben – das macht nämlich Spaß! – für einzelne Besonderheiten wie etwa die Winde mache ich dann vielleicht lieber einen eigenen Beitrag.

Im Grunde geht einiges über die Anlage der Klöster schon aus der ursprünglichen Regel des Patriarchen von Jerusalem, Albert, hervor, den die ersten Eremiten am Berge Karmel Anfang des 13. Jahrhunderts baten, ihrer Lebensform eine Regel zu geben. Diese sehr schlichte Regel des hl. Albert entstand zwischen 1206 und 1214 und besteht aus nur 24 Artikeln in einfacher, klarer Sprache.

Der Karmel war zunächst einmal genau das, der Berg Karmel, ein Wort, das sich von dem hebräischen Karem El ableitet, das Weinberg Gottes bedeutet. Später wurde der Begriff synonym für den Orden und sogar die einzelnen Klöster des Ordens gebraucht, so daß der Karmel wohl der einzige Gebirgszug sein dürfte, in den man in diesem übertragenen Sinne eintritt. Immer aber geht es um einen Ort der Abgeschiedenheit, der Gottsuche und der Begegnung mit ihm in der Stille.

Die grundsätzlichsten Dinge für die Anlage eines solchen Klosters, das sich an einem abgeschiedenen Ort oder an Orten, wo sie euch geschenkt werden, befinden kann, legt der hl. Albert in wenigen Sätzen fest: man braucht zunächst einmal Zellen, dann einen Ort, an dem die Gemeinschaft innerhalb des Klosterbereichs zum Gebet zusammenkommt und schließlich einen Raum, wo sie gemeinschaftlich ißt (im Unterschied etwa zu anderen Orden, deren Lebensweise man für gewöhnlich auch halberemitisch nennt und die die Mahlzeiten in der Zelle einnehmen, etwa die Kartäuser). Dem Ganzen steht ein Prior (oder eine Priorin) vor, den die Gemeinschaft selbst wählt – auf Zeit – und dem oder der sie Gehorsam verspricht.

Jede Nonne (oder jeder Mönch) soll eine eigene Zelle haben – auch dies ein Unterschied zu anderen Ordenregeln, die das Schlafen in gemeinsamen Schlafsälen vorsieht. Der hl. Albert legt fest:
Jeder einzelne soll in seiner Zelle oder in ihrer Nähe bleiben, Tag und Nacht das Wort des Herrn meditierend und im Gebet wachend, es sei denn, er ist mit anderen, wohlbegründeten Tätigkeiten beschäftigt.
Tag und Nacht das Wort des Herrn meditieren im Gebet wachen, das erinnert an das So wahr der Herr lebt, vor dessen Angesicht ich stehe des Propheten Elija, und in der Tat beruft sich der Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel auf ihn, der am Karmel betete und der Überlieferung zufolge an dem Ort, an dem später die Kirche der ersten Karmeliten errichtet wurde, die Wolke heraufziehen sah, die Israel nach drei Jahren der Dürre den fruchtbaren Regen brachte. (1 Kön 18,44)

Alpargatas
In der Zelle ist nur das Notwendigste: eine Schlafstätte, ein Hocker, vielleicht ein Brett für Bücher. Gekniet wird traditionell auf dem Boden. Manche Zellen haben einen Tisch, andere eher eine Art sehr niedriges Schreibpult. Den entzückend altmodischen Ausdruck Schlafstätte habe ich verwendet, weil die Unterschiede zwischen dem, worauf man schläft, doch recht groß sind, von einer einfachen Holzpritsche auf Böcken (teils sogar ausrangierte Zimmertüren), auf der eine mit Stroh gefüllte Matratze liegt, bis zu einem Bett vom schwedischen oder dänischen Lieferanten.

Solche Unterschiede sind wohl vor allem darin begründet, wann ein Karmel gegründet wurde, man nahm zu jeder Zeit wohl einfach das gewöhnlichste und ärmlichste. Das war über Jahrhunderte hinweg das Lager auf Stroh oder Heu, in einem Karmel, der in den 80er Jahren wie in Berlin oder Anfang 2000 in Wemding mehr oder weniger neu errichtet wurde, ist es eher ein einfaches Bett mit Bettkasten, wer hat in der Stadt heute noch Strohsäcke oder fertigt sie sich eigens an? In einem walisischen Karmel, der inzwischen allerdings aufgelassen wurde, hatten die Schwestern alte Eisenbahnwaggons zu einem Dormitorium mit Zellen umgebaut (ein Schild „Während der Fahrt nicht hinauslehnen!“ findet man in der Klausur eines Klosters wohl auch nicht alle Tage).

In einem Karmel, kurz nach der Jahrhundertwende in einem aufgegebenen Gebäude aus dem Jahr 1871 gegründet, schlafen die Schwestern auf Strohmatratzen, auf denen sie allmorgendlich eine Art Bettuch mit Nadeln befestigen, was von Aspirantinnen und heutzutage anscheinend eher als kultig empfunden wird. Ob ein Waschgeschirr benutzt wird oder das Haus in allen Räumen fließend Wasser hat und daher ein Waschbecken in der Zelle ist, ist ebenfalls wohl eher eine Frage des Alters des Hauses.

Für die Zellen bestimmt der hl. Albert, daß die des Priors in der Nähe der Pforte zu liegen habe, damit er als erster allen, die dorthin kommen, begegnen kann und dann alles, was zu tun ist, nach seinem Ermessen und auf seine Anordnung hin geschehe. Die hl. Teresa fügt zum Pfortenbereich noch hinzu, daß die Pförtnerin in der Tugend fortgeschritten und besonnen sein solle. Während des Tages soll sie an der Pforte in einer kleinen Zelle ohne Türe bleiben. (Der Weg der Vollkommenheit)

Klausurgitter im Chor
In der Tat ist das bis auf den heutigen Tag so, die Zelle der Priorin liegt in der Nähe der Klausurtür. Meist finden sich in deren Nähe (auf der inneren Seite der Klausurtür) auch Statuen der Gottesmutter und des hl. Josef, die im Karmel besonders verehrt werden. Verlassen Schwestern die Klausur, so bringt die Priorin sie zur Tür und spendet ihnen den Segen.
Ein Oratorium soll, soweit es die Verhältnisse erlauben, inmitten der Zellen errichtet werden, in dem ihr Tag für Tag frühmorgens zusammenkommen sollt, um Eucharistie zu feiern, soweit es die Umstände erlauben.
In der ursprünglichen Regel des Karmels ist nur festgelegt, daß die Kirche sich inmitten der Zellen befinden soll. In späteren Zeiten, als die strenge Klausur die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Wüste zu ersetzen begann, hat man Bereiche, an denen sich Kloster und Welt berühren, durch Klausurgitter abgetrennt. Wie man auf dem Bild sehen kann, hat zum Beispiel das Klausurgitter im Chor mehrere Öffnungen, die große, durch die man auf den Altar sieht und eine kleine, durch die etwa die Schwestern die heilige Kommunion empfangen (es gibt auch noch eine dritte, eine seitlich angebrachte Tür, durch die man den Chor betreten oder verlassen kann, etwa bei der Profeß, wo die Urkunde auf dem Altar unterschrieben wird, der sich außerhalb des Chores der Schwestern befindet. Je nach Brauch befinden sich hinter dem Gitter zusätzlich noch Holzläden oder auch ein Vorhang – der Licht durchläßt, aber außerhalb des Gottesdienstes von der Kirche aus keinen Einblick in den Chor gestattet –, auf dem Bild sieht man rechts etwa einen Flügel des hölzernen Ladens.

Betritt ein Fremder – in der Regel Handwerker, Ärzte, Geistliche oder Lehrer – die Klausur, so geht die Pförtnerin mit ihm oder ihr und mahnt die anderen Schwestern durch ein Schellenzeichen, außer Sicht zu bleiben: Wenn der Arzt kommt, oder der Chirurg oder der Beichtvater oder irgendeine andere Person, deren Anwesenheit erforderlich ist, müssen ihn immer zwei Schwestern begleiten. (Der Weg der Vollkommenheit).




Je nach Lage des von euch gewählten Ortes soll jeder einzelne von euch eine eigene, abgesonderte Zelle haben, wie sie nach Anordnung des Priors und mit Zustimmung der übrigen Brüder oder des verständigeren Teils einem jeden zugewiesen wird; jedoch so, daß ihr im gemeinsamen Refektorium das, was euch gegeben wird, miteinander genießt, wobei ihr eine Lesung aus der heiligen Schrift hört, wo dies den Umständen entsprechend beobachtet. (ursprüngliche Regel des Karmels, 6 und 7)

Samstag, 13. April 2013

Domine, miserere super ista peccatrice

Vor Jahren erzählte mir jemand, er sei als Klausurgast in der Abtei Sowieso gewesen, da er sich mit dem Gedanken trug, vielleicht dort einzutreten. Als er aber sah, daß es in den Zellen der Mönche einfache Kreuze anstelle von Kruzifixen gab, wandte er sich von dannen; an dieser vermeintlichen Stätte des Modernismus wollte er auch nicht eine Stunde länger bleiben. Ich fands seinerzeit einfach nur schade, daß er zuvor nicht das Gespräch mit dem Prior gesucht hatte, der hätte ihm sicherlich etwas Erhellendes dazu sagen können.

Nun ist eben diese Sitte typisch für die Klöster der Unbeschuhten, wie auch auf dem alten Foto aus dem Jahre 1904 zu sehen ist. In der Zelle ein Kreuz ohne Korpus zu haben, ist jedoch weit entfernt von Bedenklichkeiten, etwa den Leib des Gekreuzigten nicht ansehen zu wollen (was für eine Idee…), sondern Ausdruck dessen, daß an diesem Ort der eigene Leib, das eigene Leben gleichsam mitgekreuzigt ist, um der Liebe zu Christus willen. Den Zettel darunter, Domine, miserere super ista peccatrice – Herr, erbarme dich über diese Sünderin, finde ich besonders anrührend, er faßt den ganzen Gedanken zusammen.

Zelle einer Karmelitin mit Kreuz, Weihwasserbecken,
Schädel und Holzpritsche, auf der eine mit Stroh gefüllte Matratze
liegt. Außerdem gibt es nur noch einen Hocker.
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