Donnerstag, 31. Januar 2013

Thema verfehlt

Ein Problem bei der aktuellen Debatte zum „#Aufschrei“ allerorten: es gibt ziemlich viele verschiedene Schattierungen von Grau, darum bringt es nichts, sie jeweils unter Schwarz oder Weiß einordnen zu wollen. Man muß in jedem einzelnen Fall schauen (oder auch nicht).

Die aktuelle Diskussion finde ich reichlich verwirrend, vor allem, weil so viele, teils hochkomplexe Dinge miteinander in einen Topf geworfen werden. Zum anderen ist ein Teil der entbrannten Debatten meines Dafürhaltens tatsächlich unterschiedlichen Kommunikationsstilen geschuldet. Nicht alles, was einer als Kompliment auffaßt, ist auch tatsächlich eines. Umgekehrt ist nicht alles, was einer als Angebot auffaßt, auch tatsächlich eines.

Alles und jedes mit dem Etikett „frauenverachtend“ zu belegen, ist meines Erachtens genauso unangebracht wie Statements des Sinnes, wer sich in die Bar begibt, kommt darin um. Wer als Frau mit guter Figur ein Dirndl trägt, hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn einem statt in die Augen sonstwohin geschaut wird? Oder dem Umstand, daß sie berufstätig ist? Get a life! Meint ihr nicht, daß einem das auch ohne weiteres in einem rosa T-Shirt auf dem Weg zum Geldautomaten passieren könnte? Oder beim Bezahlen im Supermarkt? (Das T-Shirt hat übrigens einen Ausschnitt, mit dem die Trägerin zu jedem reformierten Abendmahl hinzutreten könnte. Aber es paßt halt.) Unerwünschtes Glubschen kommt tagtäglich vor, ich würde es allerdings nicht frauenverachtend nennen, sondern einfach alltäglich. Was soll man tun? Nur noch Mehlsäcke – oder Gewänder in der Form von Mehlsäcken – tragen? Amputation?

Ein Dirndl (wie auch jede andere Tracht) ist sicherlich nicht dazu gedacht, die Trägerin zu entstellen – eine Grußkarte ist es allerdings auch nicht. Wenn jemand bei der Begegnung mit einer Frau deren Augenhöhe konstant verfehlt, hat das, ebenso wie Kommentare zur Figur von Leuten, die man nicht gut kennt, eher mit schlechtem Benehmen oder von mir aus mit der Anlage zu einer gewissen Plumpheit im Umgang zu tun. Jedenfalls ist beides nichts, worüber man sich öffentlich derart in Rage reden könnte.

Es gibt so vieles in unserer Gesellschaft, das ich tatsächlich als frauenverachtend einstufen würde, etwa jene Formen tatsächlicher und allgegenwärtiger Übersexualisierung in der Werbung, bei denen mir gar nicht oder nur dürftig bekleidete Körper auf meterhohen Werbeflächen in der U-Bahn präsentiert werden. So schnell kann ich da gar nicht den Blick senken, wie das a) mein Schamgefühl verletzt und  ich das b) als tatsächliche Herabwürdigung der Frau betrachte. Bei dem Werbeplakat der Frau mit den drei Brüsten in ein- oder zweideutiger Pose, das seinerzeit ziemlich schnell wieder aus dem Verkehr gezogen wurde, hat sich die Aufregung meines Wissens darauf bezogen, daß sie drei Brüste hatte, nicht daß da Brüste auf Litfaßsäulen gezeigt werden. Merke: zwei unbekleidete Brüste auf Litfaßsäulen sind OK und dürfen daher hängenbleiben, drei sind eine zuviel. Mir allerdings sind auch zwei zwei zuviel.

Waren, die standardmäßig mit halb- oder unbekleideten Frauen als Garnitur angepriesen werden. Frauen, die wie Waren angepriesen werden. Frauen, die wie Ware behandelt werden. Frauen, die nicht einmal wie Menschen behandelt werden. Darüber muß man sprechen.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Los Wochos – Dust in the wind


Mein Beitrag zu den von eumloquatur ausgerufenen Wochos: Retro und auch wieder nicht – Dust in the wind der Gruppe Kansas. Neulich hab ich gemerkt, ich mag es immer noch.

Katzencontent des Tages

Also, das ist gar zu schön – Katzencontent bei Bischof Pickel. Da Katzen sich, wenn möglich, grundsätzlich an den wärmsten Ort setzen, war das wohl auch eine naheliegende Lösung.

Beim hiesigen Ausfall der Gastherme nahm Prinzessin Souraya (Punkti) auf einmal mit vorwurfsvollem Blick auf dem Fernseher Platz, bis mir der Grund dafür aufging. Seit der Anschaffung der Wärmflasche geht ihr Bestreben dahin, auf selbiger zu sitzen.

Dienstag, 29. Januar 2013

Eine einzige Stunde in den Vorhöfen deines Heiligtums – der Dienst des Ministranten

Ministranten in der Osternacht beim Exsultet
Eine einzige Stunde in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere. – Den Ministranten einen kurzen geistlichen Impuls zum Thema Dienst zu geben, darum hat man mich neulich gebeten. Auch wenn solche Anfrage natürlich freut, war es doch in gewisser Weise Neuland für mich[1] – eine Andacht vorbereiten ist noch was anderes, einen Blogbeitrag schreiben vielleicht auch, weil die oft spontan entstehen und ich sie auch nicht in der Ministrantenstunde vortrage ;).

Da es danach ein positives Feedback gab, dachte ich, ich stelle einfach einmal, was dabei herausgekommen ist:

Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben. Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten. Ziehen sie durch das trostlose Tal, wird es für sie zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen. Sie schreiten dahin mit wachsender Kraft; dann schauen sie Gott auf dem Zion. Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere. (aus Ps. 84)
Der Altarraum einer Kirche bei der Heiligen Messe ist Abbild einer übernatürlichen Wirklichkeit. Unser irdischer Gottesdienst widerspiegelt den himmlischen, was sich in der Heiligen Messe vollzieht, ist eine Art Nachhall des Himmlischen. Dort vollzieht sich die Anbetung des Lammes in einem einzigen zeitlosen und ewigen Lobgesang. Dort sind die Heiligen und Engel um das Lamm Gottes versammelt und die Engel rufen unentwegt Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. An diesem Ort, dem himmlischen Jerusalem, gibt es weder Sonne noch Mond noch Sterne, denn Jesus Christus selbst ist sein Licht. Der Altar hier im Altarraum ist ein Abbild des Altares im Himmel, der Priester ein Abbild Christi. Dem Herrn so nah zu sein und ihm zu dienen, erinnert an diesen Lobgesang und Dienst der Engel.

Erste Anklänge an den Dienst des Ministranten finden wir im Evangelium bei der Hochzeit von Kana, dem ersten Wunder des öffentlichen Wirkens Jesu: Jesus läßt die Krüge von den Dienern mit Wasser füllen, bevor er sein erstes Zeichen wirkt, von dem es heißt, daß er dabei seine Herrlichkeit offenbarte. Ich glaube, daß es bedeutsam ist, daß Jesus bei diesem ersten Wunder Wasser in Wein verwandelt, die eucharistische Gestalt, die das kostbare Blut ist, mit dem er uns erlöst und von der Sünde reingewaschen hat.  In der Tat spricht Jesus Christus selbst von sich als dem, der gekommen ist, zum zu dienen.

Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit; und wenn wir durch unsere Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels, beten wir im ersten Hochgebet. Ich finde diese Stelle besonders schön, vielleicht, weil ich mir das einfach bildlich vorstelle.

Der Dienst bei der Heiligen Messe erfüllt uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels. Niemals kommen wir in unserem irdischen Leben Christus näher als beim Empfang der Heiligen Kommunion in der Messe und als Meßdiener sind wir ganz nah beim Altar, ganz nah bei Christus selbst. In den Gestalten von Wein und Brot ist Christus wahrhaft gegenwärtig, zwar sehen wir nur die Gestalten, er ist aber da, wesenhaft ganz Gott und Mensch. Jeder Dienst und jede Handlung im Altarraum sollte diesem Gedanken und Mysterium Ausdruck geben: Gott selbst ist wahrhaft gegenwärtig. Von dieser Haltung der am Altar Dienenden kann für die Gläubigen eine tiefe Schönheit und Ruhe ausgehen und für den Altardiener selbst die Gewißheit, tatsächlich eine Stunde im Haus Gottes, in den Vorhöfen seines Heiligtums verbracht zu haben.

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[1] Dementsprechend leicht aufregend war es dann für mich. (Merke: nächstes Mal den Impuls nicht in Bloggers tinzig-winziger Schrift ausdrucken, weil Aufgeregtsein nicht besser wird, wenn man sich bei funzeliger Beleuchtung und beschlagener Brille fragt, was all die schwarzen Zeichen auf dem weißen Papier bedeuten sollen…)

Montag, 28. Januar 2013

Niemals erlischt der Glanz… – zum Fest des hl. Thomas von Aquin


Um den hl. Thomas von Aquin von anderen heiligen Dominikanern zu unterscheiden, wird der Aquinate in der Ikongraphie oft mit einer goldenen Sonne auf der Brust dargestellt. Erst im letzten Jahr kam mir in den Sinn, wieso eigentlich? Den Schlüssel dazu liefert, glaub ich, das Buch, das ebenfalls zu seinen Heiligenattributen gehört (letzteres bei der Gelehrsamkeit des hl. Thomas, der allein in einer einzigen Fastenzeit neunundfünfzig katechetische Predigten geschrieben hat, leicht erklärbar).

In dem Buch, dass der Heilige hält, steht: Veritatem meditabitur guttur meum et labia mea detestabuntur impium – Die Wahrheit spricht meine Zunge, Unrechtes ist meinen Lippen ein Gräuel. (Spr 8,7)

In der Fortführung dieser Textstelle aus dem Buch der Sprichwörter heißt es: Alle meine Worte sind recht, keines von ihnen ist hinterhältig und falsch. Für den Verständigen sind sie alle klar und richtig für den, der Erkenntnis fand. Nehmt lieber Bildung an als Silber, lieber Verständnis als erlesenes Gold! Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert, keine kostbaren Steine kommen ihr gleich. Dies stellt einen direkten Bezug zu der wunderbaren ersten Lesung am Fest des Heiligen her:
Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. (Weish 7)
Für den Heiligen ist der Glanz, der von der Weisheit ausstrahlt, in der Tat niemals erloschen, deshalb zeigt ihn die Ikonographie mit den Symbolen dieses strahlenden Glanzes. Als der Heilige gegen Ende seines Leben eine Vision Christi selbst hatte, sagte er allerdings: „Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe.“

Vom hl. Thomas stammt auch ein Gebet zum Empfang der Heiligen Kommunion, das sehr schön und schlicht und daher gut zu lernen ist:
Ich komme wie ein Kranker zum Arzt des Lebens, wie ein Unreiner zur Quelle des Erbarmens, wie ein Blinder zum Licht der ewigen Klarheit, wie ein Armer zum Herrn des Himmels und der Erde. Barmherziger Gott, gib, daß ich nicht nur äußerlich das Sakrament des Leibes und Blutes des Herrn empfange, sondern auch innerlich dessen Wesen und Kraft, daß ich verdiene, deinem geheimnisvollen Leib einverleibt zu werden. Liebreichster Vater, laß mich deinen geliebten Sohn, den ich jetzt auf dem Weg dieses Lebens verhüllt empfange, einst mit unverhülltem Angesicht ewig schauen.

Sonntag, 27. Januar 2013

Ihr aber seid der Leib Christi

Warum es von manchen Perikopen im Lektionar überhaupt Kurzfassungen gibt, verstehe ich nicht. (Als vor einigen Sonntagen ein Konzelebrant in Bezug auf das Evangelium fragte, gibts davon keine Kurzfassung?, haben alle, die das hörten, die Augen verdreht…) Welche Lesung ist denn so lang oder so verquast, daß ihre Kurzfassung wirklich ein Gewinn wäre?

Manchmal schmerzt die Kurzfassung, wie etwa beim Lob der tüchtigen Hausfrau, manchmal frage ich mich direkt: was zum Geier? So heute bei der zweiten Lesung; die grau dargestellten Verse fallen in der angebotenen Kurzfassung weg.
Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach. Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib? So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre, und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand, während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, daß er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.

So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die Dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!
Hier bleibt von des Apostels Erklärung des mystischen Leibes Christi in der „Lightversion“ kaum noch etwas übrig. Die Lesung fährt direkt mit den Ausführungen über die Gnadengaben des Heiligen Geistes fort, die wir in der vergangenen Woche gehört haben. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Genau darauf bezieht sich der Apostel, wenn er nun fortfährt. Wir alle bilden den Leib Christi und gehören zu ihm, aber die Glieder dieses Leibes sind verschieden und sie brauchen einander. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht.

Dasselbe gilt in Bezug auf die Freuden und Leiden dieses mystischen Leibes, der die Kirche ist: leidet ein Glied, so leiden alle Glieder mit (wie sich auch alle mitfreuen, wenn sich eines freut).

Viele von uns haben wahrscheinlich schon über Ottos Sketch mit den Organen gelacht, in dem die kleine Milz mit ihrer Kinderstimme Botschaften ans Großhirn funkt, für die sich das Großhirn im übrigen nicht weiter interessiert. Der Apostel führt aus, warum das großmächtige Hirn die Milz doch braucht, obwohl es vielleicht nichts davon wissen mag: Gerade die schwächer scheinenden (man beachte das Wort scheinend) Glieder des Leibes sind unentbehrlich. (Der Leib kann zwar ohne Milz meist überleben, das heißt aber nicht, daß sie keine wichtige Aufgabe hätte, ob es das Hirn nun kümmert oder nicht, die Milz tut das ihre.)

Genau die Stellen, in denen der Apostel diese Verschiedenheit und ihr Zusammenspiel ausführt, werden in der Kurzfassung nicht gelesen. Ich will nicht sagen, daß es daran liegt, aber wen wundert es, daß so mancher heute nicht zu verstehen scheint, daß er als Fuß nicht mal eben und ohne weiteres ein Ohr werden kann?

So hat Gott in der Kirche die einen als Priester eingesetzt, andere als Katecheten, wieder andere als Missionare, die Dritten als Eheleute und Eltern, anderen verlieh er die Gnade, ihm im geweihten Leben zu folgen, wieder andere folgen ihm als Unverheiratete mitten in der Welt. Wir sind nicht alle zum selben berufen, können auch nicht alle dasselbe tun, zum einen, weil es rein organisch nicht möglich ist – so wird aus einem Ohr beim besten Willen keine Hand –, zum anderen, weil der Organismus so auch nicht gedacht ist. Zusammen aber sind wir Christi Leib und jeder bringt seine besondere Gabe und Berufung mit.

Freitag, 25. Januar 2013

…er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet – Bekehrung des hl. Apostels Paulus

Als ich nun unterwegs war und mich Damaskus näherte, da geschah es, dass mich um die Mittagszeit plötzlich vom Himmel her ein helles Licht umstrahlte. Ich stürzte zu Boden und hörte eine Stimme zu mir sagen: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Ich antwortete: Wer bist du, Herr? Er sagte zu mir: Ich bin Jesus, der Nazoräer, den du verfolgst. Meine Begleiter sahen zwar das Licht, die Stimme dessen aber, der zu mir sprach, hörten sie nicht. Ich sagte: Herr, was soll ich tun? (Apg 22, 6-10)

Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. (2 Kor 4,6)
Was soll ich tun, Herr? Eine interessante Antwort, eigentlich, auf die Frage, Warum verfolgst du mich? Dieser Moment irgendwo auf dem Weg nach Damaskus ändert für Paulus alles. An diesem Punkt wird der Verfolger der Christen zum Apostel dessen, den er verfolgt. Zum Apostel der Kirche, die alle einlädt, Juden und Griechen, Männer und Frauen, alle Völker der Erde. Dem bei der Steinigung des Stephanus die Kleider des Märtyrers zu Füßen gelegt wurden, und der gerade unterwegs war, um Christen in Damaskus zu verfolgen, wird selbst zum Verfolgten, Gefangenen, Schiffbrüchigen und schließlich zum Märtyrer um Christi willen.

Dem Apostel, der ihrer wohl selbst dringend bedurft hat, wird der Dienst der Sakramente der Kirche anvertraut. Obwohl das Alte für Paulus niemals abgetan ist – ihr wißt selbst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte – ist ab diesem Punkt alles anders, auch dies erkennt Paulus klar: durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Gott greift in das Leben der Menschen ein und: die Begegnung mit Gott hat die Kraft, ein Leben ganz und gar zu verändern, denn das Licht, das aus der Finsternis aufgeleuchtet ist, Christus, hat die Kraft, ein menschliches Herz, ein ganzes Leben zu erleuchten. Man verliert damit nicht seine Vergangenheit, gewinnt aber die Möglichkeit, es auch aus größter Schuld heraus immer wieder neu zu versuchen.

Wärmflasche? Ja, bitte!

Gestern hab ich mir eine Wärmflasche gekauft, und diese hier hatte das kultigste Muster, das ich vor Ort finden konnte. Röhrende Hirsche und fliegende Herzen jetzt auch auf Wärmflaschen, jawohl!

Etwas enttäuscht hat mich ja der Hinweis, man möge bitte nur bis zu 60 °C heißes Wasser einfüllen. Bei den Metallwärmflaschen, von denen meine Mutter eine ganze Batterie hat (aus Zink und aus Kupfer) kann man einigermaßen beliebig heißes Wasser einfüllen. Der Trick ist, das Teil in ein Handtuch zu hüllen und unter die Bettdecke dorthin zu legen, wo man mit den Füßen nicht hinkommt.

Grad ficht mich der Gedanke an, ob dieser Hinweis des Herstellers der Besorgnis geschuldet ist, die Leute könnten sich verbrennen, und nicht etwa, wie ich gestern dachte, der Idee, das Gummi hielte siedendes Wasser nicht aus. Weiß jemand, ob Gummi auch Temperaturen um den Siedepunkt verträgt?

Donnerstag, 24. Januar 2013

Zwischendurch…

Stilleben mit Kommode, Paul Cezanne, 1887

Da mir grade der Mund danach wässert, brauch ich das hier heute unbedingt noch – Kommode, Früchte, Keramik, alles da. Gute Nacht!

Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte…

…und ein Licht für meine Pfade. (Ps. 119)  – Das kam mir unwillkürlich in den Sinn, als ich gerade gelesen habe, wie eine Initiative der Pfarrei zur wundertätigen Medaille in Peking zum Jahr des Glaubens sich entwickelt.

Das Projekt, eines von gleich mehreren dieser Gemeinde zum Jahr des Glaubens, besteht darin, daß Gläubige Bibeln spenden, die dann an Menschen verschenkt werden, die keine haben oder aber noch nie eine hatten, weil sie keine Christen sind. Binnen kürzester Zeit konnten siebenhundert Bibeln weitergegeben werden, und es haben sich zahlreiche Menschen zur Katechese angemeldet. Das ist ein wirklich handfester Beitrag zur Evangelisation.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Das letzte Geschenk – zum Fest des hl. Franz von Sales

auf dem Fresko der Kreuzigung kommen Engel herbei,
die das kostbare Blut in Kelchen auffangen
Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. (aus der Präfation des Hochfests des Hochfests des Heiligsten Herzens Jesu)

O Liebe über alle Liebe des Herzens Jesu, welches Herz wird dich jemals hingebungsvoll genug preisen? (hl. Franz von Sales) 

Der hl. Franz von Sales muß als Beichtvater – und auch als Priester im allgemeinen – ein ungewöhnlich gütiger und maßvoller Mensch gewesen sein, denn es ist von ihm überliefert, daß er gesagt habe, er wolle lieber durch zu große Milde auffallen als durch zu große Strenge (in der Tat sagte man ihm Laxheit nach).

In seinen Schriften Philothea (Anleitung zum frommen Leben) und Theotimus hat der hl. Franz viele Dinge niedergeschrieben, die völlig zeitlos als Richtschnur und Hilfestellung für ein geistliches Leben, gleich in welchem Stand, dienen können.

Die Haltung, aus der der hl. Franz – der später den klausurierten Orden der Schwestern von der Heimsuchung (Visitandinnen) gründete, aus dem auch die hl. Margaretha Maria Alacoque hervorging – dies schrieb, ist die des Herzens Jesu. So nennt der Heilige den Kalvarienberg „eine Schule der Liebe“ , deren Ziel und Vollendung an dem Ort, an dem sich die Liebe Gottes aufs äußerste erwiesen hat, und das geöffnete Herz Jesu sein letztes Geschenk an uns. Dieses Herz spricht uns von der göttlichen Liebe des Erlösers, die sich am Kreuz allen Menschen offenbart hat. Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen.

Dienstag, 22. Januar 2013

1000 Wege, ins Gras (und in andere Dinge) zu beißen

Nachdem ich am Wochenende über meine improvisierte Zwischenlösung eines bekannten Problems hochzufrieden war, heute zwei mittelmäßig entsetzensschwache Gesichter beim Zahnarzt plus einer Gratisvorlesung zum Thema: Uhu schadet den Zähnen.

Über bestimmte Faszinosen des Lebens kann man sich ohne Sinn und Verstand letzteren zerbrechen: warum etwa gehen Heizungen, die Gas und Warmwasser liefern sollen, nie in einer lauen Sommernacht kaputt, wenn sie es ohne weiteres könnten, oder doch wenigstens zu den frühlingshaften Temperaturen, die wir zwischen den Jahren hatten? (Meines Erachtens hatten die Vögel bereits erste Frühlingsgesänge angestimmt.) Doch nein, sie tun es immer bei strengem Frost, jedenfalls bei mir.

Auch hab ich seit langer Zeit eine Zahnfüllung aus Kunststoff, der sich alle paar Jahre mal wegen Materialermüdung verabschiedet und dann ist die Füllung futsch, was ungelegen kommt, weil das Herausfallen einer Füllung wohl immer ungelegen kommt. Bis jetzt ist das jedes einzelne Mal, wirklich ohne Ausnahme, entweder an einem Freitagabend oder an einem Samstagabend passiert. So auch an diesem Wochenende, Samstagabend, irgendwo in Deutschland. Was uns wieder zum Thema Uhu zurückbringt: Zahnfüllungen mit Uhu wieder anzukleben, weil es „grad so schön paßt“, ist zwar ziemlich kreativ, aber unklug und daher gar keine gute Idee. Siehe oben. Ich weiß nicht, ob die Behandlung deshalb so lange gedauert hat, aber jedenfalls. Immerhin hab ich dem Zahnarzt und der Helferin einen heiteren Moment verschafft. Und unter den gegebenen Umständen hat Uhu wirklich recht gut gehalten, schönen Gruß an den Hersteller. Trotzdem: Kids, don't try this at home.

PS: Die hl. Apollonia anrufen hab ich zugegebenermaßen noch nicht versucht, vielleicht, weils gar nicht einmal schmerzhaft war, nur ungeschickt. Die hl. Apollonia ist eine der Jungfrauen der Kirche und wegen der Art ihres Martyriums für Zahngeschichten zuständig. Welcher Heilige für Heizungsbau zuständig ist, weiß ich gar nicht einmal.

Mantillafaktor im Schnee

Passend zum Schneewetter (ich finds wunderbar) ein Fundstück: die katholische Schneefrau mit Mantillafaktor. So muß das sein! ;)

Dazu noch ein Kommentar, das ich vor längerer Zeit unter einem Artikel über das Thema Kommunionschleier gefunden habe:
This is sort of in the same boat at kneeling for Holy Communion. I recognize that women do not need to wear a veil. But like not kneeling for Communion and receiving it on the tongue, a generation of women and men have lost a beautiful significance of such acts and the true reality and beauty that is before them.
Ich finde, diese Betrachtungsweise mit dem Blick auf das Übernatürliche der Heiligen Messe hat etwas für sich.

Montag, 21. Januar 2013

Das Lamm folgt dem Lamm

Segnung der Lämmer am Fest der hl. Agnes –
die Tiere sind noch kein Jahr alt
Auf Bildern mit heiligen Jungfrauen oder solchen, auf denen eine Prozession Heiliger dargestellt wird, hat die hl. Agnes immer ihr Lämmchen dabei und ist daher besonders leicht herauszufinden.

Manchmal ist das Lamm normalgroß dargestellt, manchmal scheint es eher Handtaschenformat zu haben, ein Attribut eben, das die Heilige bei sich zu tragen scheint wie ein Accessoire. Das Lamm aus dem Bild des unbekannten Meisters hier ist übrigens wiedermal ein „kleines Pferd“. Mancher Maler scheint sich mit Lämmern schwergetan zu haben – ich überlege, woran das bei dem ersten Lamm liegt? Ists der zu lange Schwanz? (Daß verschiedene Schafrassen unterschiedlich lange Schwänze haben, weiß ich, aber soo?)




Abseits von Assoziationen zu künstlerisch ulkig ausgeführten Lämmern lädt das Fest der hl. Agnes nicht nur ikonographisch zu schönen Betrachtungen ein: die man Lamm nannte, weil sie das Martyrium wie ein solches erlitt, folgt dem Lamm, wohin es geht und singt das Lied, das sonst kein anderer singen kann. In der Tag wird der Herr selbst Lamm Gottes genannt, er nimmt die Sünde der Welt hinweg und ist doch selbst ohne Makel.

Im Hymnus zum Fest der Heiligen heißt es
Laudibus mitem celebremus Agnum,
casta quem sponsum sibi legit Agnes,
astra qui caeli moderatur atque
cuncta gubernat.

Laßt uns lobpreisend feiern das Lamm,

dem die keusche Agnes sich als Braut verbindet.
Er, der die Sterne des Himmels regiert,
der Lenker aller Dinge.
Papst Benedikt heute bei der Segnung der Lämmer
Wie nach jahrhundertealter Tradition in jedem Jahr am Festtag der hl. Agnes hat Papst Benedikt auch heute wieder Lämmer gesegnet, die mit weißen und roten Blumen geschmückt und in Körben liegend, zur Segnung gebracht werden. Im Sommer werden die Tiere, ebenfalls einem alten Brauchtum folgend, nach Santa Cecilia in Trastevere gebracht, wo es eine kleine Prozession gibt und die Länner geschoren werden. Die bei dieser Schur gewonnene Wolle wird in die Pallien der neu ernannten Erzbischöfe verwebt. Hier gehts zur Lämmersegnung des vorigen Jahres (mit Originalton und Mäh und Bäh!)


Sonntag, 20. Januar 2013

Gott selbst vermählt sich ihnen – zum Fest der hl. Agnes

Grab der Heiligen in Sant'Agnese fuori le mura
Ewiger Gott, du berufst, was schwach ist in dieser Welt, um das, was stark ist, zu beschämen, heißt es im Tagesgebet, der Lesung vom Fest folgend.

Schaut man auf das Martyrium der heiligen Jungfrau Agnes, so ist das, was scheinbar schwach erschien, letztendlich gar nicht einmal so schwach. Im Gegenteil, es hat sich als stark und beharrlich erwiesen. All die Stärke ihres Herzens und ihrer jungfräulichen Liebe hat die Heilige auf dieses eine Ziel gerichtet, ihren Bräutigam Christus zu gewinnen und die Krone des ewigen Lebens.

Ein Fingerzeig liegt vielleicht in den Worten in dieser Welt – in den Augen der Welt. Christus beruft die, die in den Augen der Welt schwach, töricht, niedrig und verachtenswert erscheinen, aber diese sind wahrhaft die seinen. Ein Wort, das den Seligpreisungen der Bergpredigt in nichts nachsteht.

Daß ein Mensch, eine Jungfrau, auf das Glück einer irdischen Familie verzichtet, mag vielen töricht erscheinen, ja, manchem ist es sogar ein Ärgernis. Es ist töricht in den Augen der Welt, aber nicht töricht vor Gott, denn er selbst hat ihr Herz dazu bewegt, wie es im Weihegebet über die Consecranda heißt. Deshalb tritt nach dem namentlichen Aufruf bei der Weihe die Jungfrau von den Bischof mit den Worten Hier bin ich, denn du hast mich gerufen. Wer wollte sagen, daß der Ruf Gottes, das Vertrauen auf den Ruf Gottes etwas Törichtes wäre?

die mystische Vermählung der hl. Agnes,
unbekannter Meister, um 1475
Einer der Kommunionsverse, der Liturgie des heutigen zweiten Sonntags im Jahreskreis, die durchzogen ist von dem bräutlichen Geheimnis der Kirche, war: Credidimus caritati – wir haben der Liebe geglaubt. Ich denke, das kann man auch über die Jungfrauen der Kirche sagen: sie haben der Liebe geglaubt, sie glauben der Liebe und lassen sich ganz auf diese Liebe ein. Dafür sind sie selbst ein Zeichen: daß es Wunderbares ist, sich an Jesus Christus als seine Braut zu binden, daß dies etwas ist, daß es der Braut tatsächlich Güter der kommenden Herrlichkeit schenkt. Töricht in den Augen der Welt? Vielleicht, aber nicht töricht in den Augen der Braut Christi, denn Christus ist wahrhaft der Bräutigam, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.

Die Benedictusantiphon des Festes der heiligen Agnes
Schon schaue ich, wonach ich mich sehnte, schon besitze ich, was ich erhoffte: Den ich auf Erden von Herzen geliebt, mit dem bin ich im Himmel vereint
hat, wie andere Antiphonen zu diesem Fest, unmittelbar Eingang in den Ritus der Weihe einer Jungfrau gefunden, allerdings in der Gegenwartsform:
Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Hier ist der Blick nicht nur nach vorn gerichtet, auf die kommende Herrlichkeit, sondern auch auf die, die ich jetzt bereits habe: was ich erhoffte, schon halte ich es. Das soll nicht heißen, daß es bei dieser Berufung nie eine bittere Stunde gäbe. Und doch, am Abend eines Tages, an dem uns vielleicht „die Welt“ verachtet und töricht gefunden haben mag, ist eine Braut Christi nichtsdestotrotz unabänderlich und für immer Braut Christi, und eines Tages wird sie das Lied singen, das sonst keiner singen kann. Was sonst wäre schöner und wichtiger?

…und seine Jünger glaubten an ihn – der Bräutigam und die Hochzeit


So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh 2,11)

Für solche, die dem Bräutigam Christus vermählt sind, gibts heute schöne Perikopen: sie kreisen um das Thema der Hochzeit, der irdischen wie der mystischen. Auch wird offenbar, wie sehr die Lesungen dieses Tages, der die Reihe der Sonntage im Jahreskreis eröffnet, noch geprägt sind vom Geheimnis der Menschwerdung und dem Glanz von Weihnachten und dem Fest der Erscheinung des Herrn her: Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit und alle Könige deine strahlende Pracht. Auch der Antwortpsalm besingt die Herrlichkeit des Herrn.

Als Kind bin ich bei der Perikope der Hochzeit von Kana so etwas an der leicht genervten Reaktion Jesu hängengeblieben: Was willst du von mir, Frau? (Später kann man Jesus zugestehen, daß Mütter tatsächlich manchmal einen hohen Nervigkeitsfaktor haben können.) Der Schlüssel liegt wahrscheinlich im zweiten Teil seiner Antwort: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. In der Tat tut Jesus bei der Hochzeit von Kana sein erstes Wunder, jedenfalls das erste, das vor einer größeren Menge von Menschen, und vor allem vor seinen Jüngern, offenbar wird.

Daß der Herr zu einer Hochzeit kam und von dieser Hochzeit das erste Wunder seines Wirkens berichtet wird, haben die Kirchenväter in der schönen Weise gedeutet, daß der Herr selbst in die Welt kam, um sich zu vermählen: mit seiner Braut, der Kirche, die er mit seinem Blut erlöst hat. Ich glaube, daß es bedeutsam ist, daß Jesus bei diesem ersten Wunder Wasser – das den Reinigungsvorschriften der Juden entsprach – in Wein verwandelt, die eucharistische Gestalt, die das kostbare Blut ist, mit dem er uns erlöst und von der Sünde reingewaschen hat. Nicht nur hat Jesus sechs Krüge Wasser in Wein verwandelt, es ist auch, wie der Gastgeber bemerkt, außergewöhnlich guter Wein. Jesus hat aus der Materie also nicht irgendetwas Durchschnittliches gemacht, sondern das beste, was daraus werden konnte. Vor diesem Hintergrund erscheint die zweite Lesung über die Gaben des Geistes in einem schönen Licht: der Geist, den uns der Herr gesandt hat, und der alles in allen bewirkt, bewirkt das Beste in uns und bringt es zum Vorschein.

Freitag, 18. Januar 2013

Zwischendurch…


…noch ein wenig Unfug zum Thema Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung (Nein, die beiden rangeln nicht, die mögen sich…)

Eines der nettesten Erlebnisse, die ich bei Predigten hatte, war, als unser heimischer Pfarrer im Sommer darüber predigte, die Türe der Kirche stünde offen, damit jeder hereinkommen könne. Herein kam, genau in diesem Moment: eine Katze, die unbedingt gestreichelt werden wollte. Gott hat Humor!

Donnerstag, 17. Januar 2013

Menschen von Fleisch und Blut…

Bei der Operation eines Ungeborenen im Mutterleib greift
das einundzwanzig Wochen alte Kind nach dem Finger
des operierenden Arztes, Dr. Joseph Bruner
Als ich in der gestrigen Lesung aus dem Hebräerbrief des Apostels über Jesus Christus hörte
Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat. Da nun die Kinder Menschen von Fleisch und Blut sind, hat auch er in gleicher Weise Fleisch und Blut angenommen … Denn er nimmt sich keineswegs der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.  
mußte ich an die Ungeborenen denken: Menschen von Fleisch und Blut, denen Jesus gleich geworden ist, um ihnen zu helfen.

Kath.net berichtet darüber, daß Facebook zumindest in Großbritannien gezielt auf den Seiten weiblicher Nutzer Werbung für Einrichtungen schaltet, die Abtreibungen vornehmen, mit dem Zusatz „in deiner Nähe“.

Anthony Ozimic von der Society for the Protection of Unborn Children, einer Gruppe, die sich für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzt, fordert die Facebook-Nutzer zum Protest auf; ich greife das Thema daher hier auf. Daß ich auch zu denen gehöre, denen demnächst so etwas „in meiner Nähe“ angeboten werden könnte, ist nicht weiter wichtig: ich halte es für erschreckend, daß es überhaupt irgendeinem Mädchen oder einer Frau – das Alter des weiblichen Nutzers scheint ja auch nicht weiter relevant – in dieser Weise angeboten wird, als handle es sich dabei um die Möglichkeit, eine neue Handtasche zu erstehen. Oszimics Frage, welche Kultur wir an die nächste Generation weitergeben, ist daher mit eine Kultur des Todes zu beantworten – eine Welt, in der ich nicht leben möchte.

Facebook selber ist sich offenbar keines Unrechts bei dieser Art von Werbung bewußt: die Nutzer hätten jederzeit die Möglichkeit, Werbung, die ihnen nicht gefalle, wegzuklicken. Die Richtlinien der Netzwerkplattform erlaubten Werbung für „Beratungsdienste nach der Empfängnis“.

Natürlich kann ich (noch!) jederzeit alles wegklicken oder auch abschalten, was ich nicht sehen möchte oder mich nicht interessiert. (Was nicht ausschließt, daß ich trotzdem zunächst einmal nolens volens Kenntnis davon erhalte.) Der eigentliche Skandal, von dem solcherart Augenwischereien ablenken sollen, ist doch aber, daß hier eine „Leistung“, an deren Ende die Vernichtung eines Lebens steht, überhaupt erst angeboten und beworben wird. Allem, was weiblich ist, in jedem Alter, ohne Ansehen oder Kenntnis der Person, der Situation und Gefühlslage, in der sie sich gerade befindet. „Beratungsdienst nach der Empfängnis“ für etwas, das man aufsucht, wenn es für vorherige Beratung schon fast zu spät ist, nämlich der Ort, wo dieses Leben ausgelöscht werden wird, ist übrigens ein Euphemismus, der einen schaudern macht.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Hier fing es an – zum Fest des hl. Antonius des Großen


Das Kloster des heiligen Antonius ist das älteste der Welt – ein Ort der Kraft und Ruhe, der wahrhaft in der Einöde liegt, die Wüste bedrängt es von allen Seiten.

Vom Heiligen ist überliefert, daß er als Eremit in einer Höhle oberhalb der Stelle lebte und starb, an der seit dem Jahr 356 das Kloster des hl. Antonius liegt (zu dieser Höhle führt übrigens eine Treppe mit mehr als tausend Stufen). Zu allen Zeiten hat es Mönche dorthin gezogen, zur Zeit leben mehr als einhundert von ihnen, Kopten, dieses verborgene Leben. Ihre Zellen erscheinen für uns ungewöhnlich anmutend, bilden eine schon fast städtisch aussehende Architektur, zugleich verschmilzt das Kloster seiner lehmfarbenen Wände wegen optisch mit der umgebenden Einöde. Vor einigen Jahren wurden die wirklich wunderschönen koptischen Fresken mit italienischer Unterstützung restauriert.

Von Ägypten aus breitete sich das Mönchtum schnell über das ganze byzantinische Reich aus. Innerhalb von einhundert Jahren fanden sich in Italien, Frankreich und Irland die ersten Kommunitäten zusammen. Das Mönchtum und seine Kultur (Nonnen natürlich inbegriffen) haben das Antlitz Europas geprägt – angefangen hat alles mit diesem Heiligen in Ägypten, der das Wort Christi hörte: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir.

Beten wir morgen auch besonders für die koptischen Christen, die von allen Seiten in die Enge getrieben werden und doch noch Raum finden, die gehetzt werden, doch nicht verlassen sind; niedergestreckt und doch nicht vernichtet.

Die denkbar schlichte Inschrift am Eingangstor
Zellen der Mönche
ein Blick auf die Klostergebäude
…und eine Zugbrücke, die zum Schutz vor Räubern
hochgezogen werden konnte
 Fresken im Inneren – Christus Pantokrator im koptischen Stil

koptische Mönche in St. Antonius –
was er wohl schreiben mag?
das Kloster in der Wüste

Der Friedensgruß

Eine Anmerkung der Mitschwester von den Meßimpressionen hat mich drauf gebracht: der Friedensgruß. Mit diesem ist es so eine Sache, eigentlich hab ich ihn, natürlich auch abhängig von Form und Gegebenheiten, zeitlebens eher als etwas empfunden, das mich in emotionalen Streß versetzt, etwa, wenn dieses Zeichen des Friedens und der Versöhnung von jemandem entboten wird (manchmal tagtäglich, weil die Sitzordnung so ist) der einem den Friedensgruß auf eine Weise reicht, daß es über einen hingeht wie ein Guß kaltes Wasser. Oder diejenigen, die den Gruß nur denen spenden, die sie erkennbar gut leiden können, während die anderen ihnen sichtbar Luft sind. Nicht schön und jedenfalls für einen schüchternen Menschen eine Qual.

Ich kann aber anerkennen, daß es andere gibt, denen der Austausch des Friedensgrußes viel bedeutet und hatte dabei durchaus auch schon bewegende Momente bis hin solchen, die nicht ohne Situationskomik daherkamen.

Was, glaub ich, viele nicht wissen – woher auch? – der allseitige Austausch des Friedensgrußes nach den Worten des Priesters Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch ist optional, das heißt, der Priester kann es tun oder auch nicht; und es liegt am Zelebranten (oder auch am Diakon) die Gemeinde dazu aufzufordern, entweder mit Worten oder durch entsprechendes Handeln: gibt er jemandem den Friedensgruß, „dürfen“ die anderen natürlich auch.[1] Vertieft sich der Zelebrant jedoch ins stille Gebet vor dem Agnus Dei, wäre es unhöflich, ihn und alle anderen, die dasselbe tun möchten, durch den bewegten und halblauten Austausch des Friedensgrußes in der Andacht zu stören. Auch nicht besser ist es, wenn irgendein armer Meßdiener das Lamm Gottes anstimmt, da der Priester schon bei der Brotbrechung angelangt ist, und nur ein Teil der Gemeinde respondiert; die anderen friedensgrüßen.

Der Ministrant oder auch der Organist sind angehalten, mit dem Lamm Gottes zu beginnen, wenn der Zelebrant nach den liturgischen Gefäßen greift (das schreibe ich deshalb, weil ich mich als „Volk“ früher darüber gewundert hab, wieso der Ministrant den Austausch des Friedensgrußes scheinbar manchmal ziemlich abrupt abschnitt und ich dachte, kann der nicht einen Moment warten? Kann er nicht.)

Als schön und würdig hat es sich hierzukirch erwiesen, wenn die Ministranten sich zum Agnus Dei niederknien. Mir ist eh nie eingängig geworden, wieso ich dabei stehen sollte, zumal ich beim Herr ich bin nicht würdig, diesem schlichten Wort des Glaubens und Zutrauens des Hauptmanns von Kapernaum, sowieso knie. Diese einfache und schöne Geste zum Lamm Gottes bringt zum Ausdruck, worum es jetzt geht: Hingabe und Sammlung, denn auf dem Altar ist der Herr selbst gegenwärtig.

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[1] Daß die Antwort auf „Der Friede sei mit Dir“ „Amen“ sein soll, hat mich jetzt grade doch ziemlich überrascht. Also, das hab ich noch nie gesagt…

Dienstag, 15. Januar 2013

…all unsere Hoffnung steht zu dir – der Europäische Gerichtshof urteilt

Die beim Bodenpersonal von British Airways angestellte koptische Christin Nadia Eweida darf bei der Arbeit ein Kreuz sichtbar über der Uniform tragen. Dies stellte der Europäische Gerichtshof heute ausdrücklich fest und gab der Klägerin damit recht, nachdem ein britisches Gericht 2010 anders entschieden hatte.

Mit diesem Urteil ist die Religionsfreiheit ausdrücklich gestärkt worden, ich freue mich darüber, auch deshalb, weil die BA zuvor zwar argumentierte, das Tragen eines Kreuzchens an einer Halskette über der Uniform beinträchtige das Image der Fluglinie, zugleich aber nichts daran gefunden hatte, daß Angestellte etwa einen Turban tragen. Inwiefern das eine „unerlaubter Schmuck“ sei, das andere aber keine Verletzung der Kleiderordnung der Fluggesellschaft darstelle, darüber hatte der Gerichtshof für Menschenrechte heute zu befinden. Das sichtbar getragene Kreuz stellt keine Verletzung der Rechte anderer dar. Sowieso kann meines Erachtens Freiheit eigentlich immer nur die Freiheit zu und nicht die Freiheit von bedeuten. Die Klägerin freut sich über den Ausgang des Verfahrens und sieht ihre Auffassung bestätigt, daß Christen sich nicht dessen schämen müssen, daß sie Christen sind.

Der SPiEGEL will es „auf eine einfache Formel“ bringen und langt in gewohnter Manier wieder einmal direkt daneben, indem er Eweidas Fall mit einem anderen in einen Topf wirft, der aber nicht vergleichbar ist und in dem auch nicht im mindesten vergleichbar argumentiert wurde (das Gericht hat diesen, wie auch mehrere andere verhandelte Fälle meiner unmaßgeblichen Meinung nach zu Recht abschlägig entschieden.)
Beide Frauen könnten zugleich kaum für sich beanspruchen, durch ein Kruzifix-Verbot in der Ausübung ihrer religiösen Rechte beeinträchtigt zu werden: Es gibt kein christliches Gebot, das die Gläubigen zum Tragen von Kruzifixen verpflichtet.
SPON ist immer wieder einigermaßen erstaunlich: meines Wissens gibt es auch kein Gebot, das Männer verpflichtet, Turbane zu tragen, und doch fand zumindest die British Airways überhaupt nichts dabei. Auch teile ich nicht die Auffassung, das Verbieten des Tragens eines Kreuzes stelle keinen Eingriff in die Religionsausübung dar, zumal hier die Angehörigen eines Bekenntnisses gegenüber denen eines anderen eindeutig benachteiligt wurden.

Warum die Deutsche Welle die Berichterstattung über dieses Urteil mit Das Kreuz mit dem Kreuz übertiteln muß, bleibt ihr Geheimnis. Ists die schlichte Freude an Wortspielen, wenn auch an blöden? Denn, wenn überhaupt etwas ein Kreuz ist, dann ist es nicht das Kreuz mit dem Kreuz, sondern das Kreuz mit denen, die ständig zum Ausdruck bringen müssen, daß sie das Kreuz für eine Torheit oder ein Ärgernis halten und zwar auch bei denen, denen es nicht Torheit oder Ärgernis ist, sondern Zeichen des Heils und Planke die uns rettet.

Dein Kreuz, o Christe, grüßen wir; all unsre Hoffnung steht zu dir.

Montag, 14. Januar 2013

Die Zukunft Europas hängt von den Betenden ab – ein Interview mit P. Charles de Foucauld


Vorweg: das ist natürlich kein Beitrag aus der Abendschau von Tamanrasset 1916, sondern ein fiktives Interview – aber ein gelungenes, wie ich finde. Daß der sel. Charles de Foucauld, obwohl er mit einundvierzig Jahren zum Priester geweiht wurde, fast immer Bruder Karl genannt wird, liegt daran, daß er sich selbst wünschte, als Bruder aller Menschen zu gelten.


Sie sind gebürtiger Franzose und Priester, waren Einsiedler und Sahara-Missionar und gelten als der Gründer der „Kleinen Brüder Jesu“. 
Bruder Karl: Man muß dazu sagen, ich habe das erhofft, aber selbst nicht mehr erlebt. Die Kongregation entstand erst nach meinem Tod. Erst mußte das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben, um reiche Frucht bringen zu können.

Und wie reich ist diese Frucht geworden?
Bruder Karl: Heute umfaßt die Kongregation der „Kleinen Brüder Jesu“ weltweit 89 Niederlassungen mit über 300 Mitgliedern.

Was hat Sie damals veranlaßt, eine solche Kongregation anzustreben?
Bruder Karl: Sie müssen sich vorstellen: für die ganze Sahara, die etwa zehnmal so groß ist wie Frankreich, standen nur zehn bis fünfzehn Priester zur Verfügung, und die waren alle auf zwei Orte verteilt. Und das Stückchen Sahara, das ich allein urbar machen sollte, maß von Norden nach Süden 2000 km und von Westen nach Osten 1000 km. In diesem Raum verstreut lebten 100 000 Mohammedaner, kein einziger Christ, ausgenommen die auf das ganze Gebiet verteilten etwa achtzig bis hundert Mann des französischen Militärs.

So blieben Sie also in den fünfzehn Jahren Ihres Wüstenaufenthaltes allein. Haben Sie dabei jemand bekehrt?
Bruder Karl: Ich habe keine ernstzunehmende Bekehrung zuwege gebracht. Nur zwei Taufen, ein ganz kleines Kind und eine arme, blinde alte Frau. Je weiter ich herumgekommen bin, desto fester kam ich zu der Überzeugung, daß es im Augenblick keinen Sinn hatte, sich um die Bekehrung einzelner zu bemühen, denn die Bindung an den islamischen Glauben ist zu stark.

Hat Sie das nicht entmutigt?
Bruder Karl: Liebe verlangt Geduld. Meine Aufgabe war das stille Zeugnis. Das rote Herz mit dem Kreuz auf meinem Habit – das ist das sichtbare Symbol meiner Missionsarbeit. Ich wollte ihnen zeigen, daß unsere Religion eine Religion der Liebe ist. Ich wollte nicht durch das Wort missionieren, sondern vor allem durch die Gegenwart des allerheiligsten Altarsakramentes, die Darbringung des heiligen Opfers, durch Gebet, Buße und Nächstenliebe.

Ihre ersten Jahre verbrachten Sie im Süden Oraniens, in der Oase Beni-Abbès, nahe der marokkanischen Grenze, wo es auch eine Garnison gab und wo Sie Ihre erste Fraternität errichteten. War das vergleichbar mit einer Art Missionsstation?
Bruder Karl: So könnte man sagen. Aber ein Ein-Mann-Betrieb, der mich von früh bis spät forderte.

In welcher Weise?
Bruder Karl: Neben dem Gebet, für das ich mir viel Zeit nahm, wollte ich einfach für alle da sein. Jeden Abend kamen Soldaten in die Kapelle zum Abendgebet. Tagsüber erschienen die Sklaven und Reisenden in großer Zahl, ich verteilte Arzneien, gab Almosen, kümmerte mich um die Bettler – oft fünfzig, sechzig, siebzig am Tag! Und schließlich gab es auch die Kinder, die täglich in Scharen zu mir kamen.

Ein gewaltiges Sozialprogramm.
Bruder Karl: Gewiß, und dazu das verbreitete Übel der Sklaverei. Aber noch viel größer war die geistige Not. Wobei ich auch an die anderen Gebiete ringsum dachte, die ebenfalls niemanden hatten, etwa an Marokko. Welch tiefe Nacht und welch ein Schleier über dem ganzen Land: Ohne Priester und ohne Tabernakel, wo Weihnachten ganz ohne Messe vorübergeht und ohne daß ein Herz zu Jesus betet! Ich hatte bereits Pläne für eine Mission in Marokko, aber dafür fanden sich keine Helfer.

Aber schließlich verließen Sie doch Ihren bisherigen Stützpunkt?
Bruder Karl: Der Apostolische Präfekt der Sahara, P. Guérin, fragte mich, ob ich bereit wäre, um des Evangeliums willen über Beni-Abbès hinauszugehen. Und so verließ ich die Oase, um 700 km tiefer in den Süden zu ziehen, ins Hoggar-Gebiet nach Tamanrasset und dort eine zweite Fraternität zu errichten.

Hatten Sie keine Angst, ohne Schutz, allein, fernab jeder Zivilisation unter diesen kriegerischen Stämmen der Tuaregs zu leben?
Bruder Karl: In Tamanrasset gab es kein Militär, gewiß. Aber im übrigen ist es besser für uns, iHN als Wächter zu haben als alle Soldaten der Erde.

Und das Schweigen, die Einsamkeit, ohne Gefährten – wie hielten Sie das aus?
Bruder Karl: Ich habe daran nicht gelitten, sondern fand sie sehr wohltuend und liebenswert. Ich hatte das Allerheiligste, den besten aller Freunde, zu dem ich Tag und Nacht sprechen konnte; ich hatte die hl. Jungfrau und den hl. Josef und alle Heiligen: Ich war glücklich, und mir mangelte nichts.

Hat Ihre Gegenwart bei den Tuaregs etwas Gutes bewirkt?

Bruder Karl: Ich hoffe es. Die Gegenwart des Allerheiligsten aber tat es gewiß in hohem Maße: Jesus kann nirgends sein, ohne auszustrahlen.

Sie erwarten sehr viel von der heiligsten Eucharistie.
Bruder Karl: Es war immer meine Überzeugung: Die Anbetung des Allerheiligsten bereitet alles vor.

Auch eine kommende Bekehrung der Muslime?
Bruder Karl: Ja. Deshalb bestand darin meine erste Aufgabe, Jesus in ihre Mitte zu stellen: Jesus im allerheiligsten Sakrament des Altares, Jesus, der jeden Tag im heiligen Meßopfer herniedersteigt. Sie bestand auch darin, ein Gebet in ihre Mitte zu stellen, das Gebet der Kirche, so erbärmlich der, der es darbrachte, auch war.

In Ihren Aufzeichnungen sprechen Sie oft von der Schönheit Gottes und von der vertrauten Nähe zu Jesus als dem über alles geliebten Du. Können Sie uns darüber noch etwas sagen?
Bruder Karl: Gott ist schöner, als wir es uns ausdenken könnten.

Woher wissen Sie das?
Bruder Karl: Die Spur in der Schöpfung ist Beweis genug. Als ich in Tamanrasset war, erbaute ich mir 60 km entfernt auf dem Bergplateau des Assekrem, wo die Tuaregs ihre Ziegen weideten, in 2700 m Höhe eine Einsiedelei. Sie können sich nicht vorstellen, welch herrliche Aussicht auf das Hoggar-Gebirge! Durch die Schönheit des Geschauten wird die Seele zum Schöpfer erhoben, und die prächtigen Sonnenuntergänge ließen mich jedes Mal an den Abend des Lebens denken und an den Frieden in der Ewigkeit.

Und das geliebte Du Gottes?
Bruder Karl: Wartet immer auf uns. Wir haben immer Grund, Gott zu danken, um Verzeihung zu bitten und um Hilfe zu flehen. Aber wir dürfen uns damit allein nicht zufrieden geben, „danke, verzeih und hilf uns“ zu sagen, sondern wir müssen Gott auch loben. Wir müssen diesen so notwendigen Anrufungen noch eine andere vorausgehen lassen, nämlich: „Ich bete dich an“, und das heißt „ich liebe dich, ich lobe dich, du bist unendlich schön und liebenswert.“

Wie kamen Sie denn überhaupt auf die Idee, in die Sahara zu gehen?
Bruder Karl: Diese Berufung schenkte mir Gott bei der Vorbereitung auf meine erste Heilige Messe nach der Priesterweihe: Ich wollte dorthin gehen, wo keiner ist, zu den Ärmsten und Verlassensten.

Ein gewagtes Unternehmen für einen Anfänger.
Bruder Karl: In gewisser Weise ja, denn ich war ein Neupriester. Andererseits aber hatte ich schon verschiedenste Kenntnisse erworben, die mir zugute kamen. Immerhin war ich bereits dreiundvierzig. Ich hatte zuvor sieben Jahre im Trappistenorden verbracht, war dann drei Jahre als Hausknecht und Sakristan bei den Klarissen in Nazareth, und zu dem kam noch mein Studium in Rom und in Paris…

Aber die Wüste?
Bruder Karl: Die kannte ich bereits aus einer zweifachen Erfahrung. Als ich in meinen jungen Jahren bei der französischen Armee als Leutnant der Kavallerie im 4. Husarenregiment diente, kam es auch zum Einsatz in Nordafrika, und nach der Militärzeit durchreiste ich als Forscher und Geograph ein Jahr lang Marokko, was nicht ungefährlich war.

Und die zweite Erfahrung?
Bruder Karl: Damit meinte ich die „Wüste“ in mir, die innere Leere und Einsamkeit meines eigenen Herzens. Ich war damals der Fata Morgana des bösen Feindes verfallen, der mir ein Leben vorspiegelte, das in Wirklichkeit keines war.

Ich wollte Ihnen damit nicht zu nahe treten…

Bruder Karl: Keine Sorge, ich spreche davon nur, weil es letztlich ein Lobgesang ist auf die unendliche Barmherzigkeit und Gnade Gottes, die mich bewahrte und gerettet hat. Ich war ein Lebemann, dem Luxus und dem Vergnügen ergeben, ein Freund der Frauen und ein Veranstalter nächtlicher Partys. Ich lebte, wie man nur leben kann, wenn der letzte Funke des Glaubens erloschen ist. Als mein Leben am Schlechtesten war, war ich überzeugt, das dies ganz und gar in Ordnung ist und mein Dasein vollkommen sei. Und dennoch spürte ich nur Mißbehagen und Ekel. Es war die Unruhe meines schlechten Gewissens.

Hatten Ihnen denn Ihre Eltern keine religiöse Erziehung mitgegeben?
Bruder Karl: O doch! Ich hatte eine heiligmäßige Mutter und einen sehr religiösen Vater. Aber beide verstarben sehr früh: meine Mutter an einer Fehlgeburt und mein Vater bald darauf an Lungenentzündung. Mit sechs Jahren war ich bereits Vollwaise.

Und wer hat Sie dann aufgenommen?

Bruder Karl: Mein frommer Großvater, Oberst Marlet, ein pensionierter Offizier. Er kümmerte sich um mich und um meine drei Jahre jüngere Schwester und tat sein Bestes, aber er konnte die religiösen Fragen, die ich ihm dann als Heranwachsender, stellte nicht beantworten. Der damals herrschende Zeitgeist des Unglaubens und Skeptizismus hatte auch mich ergriffen. Daraus folgte dann eines nach dem anderen: zuerst das Aufgeben der religiösen Praxis, dann der Verlust des Glaubens und schließlich das sittliche und moralische Abgleiten. Erst 1886 fand ich endlich wieder zu Gott zurück.

Sie stammen aus Straßburg und wurden dort im Jahr 1858 geboren, im Jahr der Erscheinung in Lourdes: Also doch ein Marienkind, das nicht verloren gehen kann?
Bruder Karl: Man kann es so sehen. Jedenfalls wurde mir eine „Maria“ zum rettenden Anker, der ich meine Bekehrung verdanke und die das Werkzeug der Gnade war in den Händen Gottes.

Und wer war das?
Bruder Karl: Meine Cousine Marie de Bondy. Sie war mit einem reichen Adeligen verheiratet und eine tief religiöse Frau. Unter ihrem Einfluß wurde mir die Keuschheit lieb und ein Herzensbedürfnis. Das war notwendig, um meine Seele auf die Wahrheit vorzubereiten. Denn der Dämon hat zu viel Gewalt über eine Seele, die nicht rein ist, als daß er die Wahrheit in sie eindringen ließe.

Und wie hat Ihre Cousine auf Sie eingewirkt? Durch Reden?
Bruder Karl: Nein. Sondern allein durch die Schönheit ihrer reinen Seele, durch ihre Güte und durch ihre Liebenswürdigkeit.

Das war alles?
Bruder Karl: Ja. Damals habe ich gelernt, was mir dann ein Grundsatz meiner späteren Missionsarbeit werden sollte: Wenn man eine Seele bekehren will, muß man sie nicht ermahnen. Das beste Mittel ist nicht, ihr Vorhaltungen zu machen, sondern ihr zu zeigen, daß man sie liebt. Diesen Rat bekam meine Cousine übrigens von ihrem Beichtvater Abbé Huvelin, der später mein väterlicher Freund und Ratgeber werden sollte.

Und mit dessen Hilfe ihre eigentliche Bekehrung geschah?
Bruder Karl: Ja. So war es. Eines Tages kam ich zu seinem Beichtstuhl und sagte: Ich will nur eine Auskunft. Er aber sagte: Knien Sie nieder und beichten Sie. Die dunkle Wolke, die das Glaubenslicht bisher abgehalten hatte, wurde weggenommen. Und sobald ich glaubte, daß es einen Gott gab, war mir auch klar, daß ich nichts anderes tun konnte, als nur für ihn zu leben.

Eine letzte Frage noch: Europa ist heute die reichste Kernzone der Erde und zugleich in Gefahr zu einer geistigen Wüste zu werden, weil der Glaube mehr und mehr versandet. Viele kennen weder Jesus noch sein heiligstes Herz, weder Maria, unsere Mutter, noch die heiligste Eucharistie. Was sollen wir da tun?
Bruder Karl: Das ist eine schwierige Frage, und doch auch nicht. Denn unser Glaube sagt uns, daß Gott jeder Zeit und in jeder noch so schwierigen Situation seine Gnade und seine besonderen Gnadenmittel schenkt und bereithält. An uns liegt es, sie zu erkennen und auch anzuwenden. Denken Sie nur an die jüngsten päpstlichen Schreiben über die hlst. Eucharistie. Der heilige Vater hat damit konkret das Mittel benannt, das Jesus uns zur Rettung sowohl für uns selbst wie auch der Ungläubigen und Fernstehenden gegeben hat: die Rückkehr zur Anbetung des Altarsakramentes. In den Augen der Welt eine Zeitvergeudung, aber in den Augen Gottes das Wesentlichste, das wir tun können.

Die Zukunft Europas hängt also von den Betenden ab?
Bruder Karl: Ganz gewiß. Die Gefahr liegt in uns und nicht bei unseren Feinden. Das Böse kann nur aus uns selber kommen. Rückkehr zum Evangelium und zur Anbetung Gottes im Sakrament der Liebe: das ist das Heilmittel.

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Quelle: St. Josef, Kleinhein

Sonntag, 13. Januar 2013

Vierzig Tage und die Weihnachtszeit

Neulich bin ich gefragt worden, ob bei mir eigentlich die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar dauert? Hier bin ich etwas ambivalent – zum einen gefällt mir der Brauch, die Krippe bis zum 2. Februar stehen zu lassen, und die liturgische Krippenschließung am Fest der Darstellung des Herrn gefällt mir auch. Andererseits besuche ich fast nur „ordentliche“ Heilige Messen, das römische Stundenbuch sieht nach dem Fest der Taufe des Herrn auch wieder grün vor, insofern würde es sich komisch anfühlen, in einer anderen Zeiteinteilung zu feiern als die Ortskirche, deren Dienst ich ja auch geweiht bin. Morgen also wieder Grün.

Daß die Weihnachtszeit sich nicht mehr bis zum Fest der Darstellung des Herrn erstreckt, sondern nur noch bis zur Taufe des Herrn, finde ich schade und ich würde gern die Gründe kennen, die die Reformer der Liturgie zu diesem Schritt (oder Schnitt) bewogen haben. Die Tatsache, daß in manchen Jahren die Vorfastenzeit schon vor dem 2. Februar begonnen hat und somit gleichsam zwei Festgeheimnisse miteinander kollidierten, kann es eigentlich nicht gewesen sein, denn die Vorfastenzeit, die der Schott eine „schöngegliederte Vorhalle“ nannte, hat man ja auch abgeschafft.

Zum einen wurde so nämlich das Fest der Darstellung mit seinem auf die Menschwerdung bezogenen Festgeheimnis gleichsam abgenabelt, zum andren wurde die Weihnachtszeit erheblich verkürzt. Die Geburt Christi, das wunderbare der Menschwerdung, nur so vergleichsweise kurz zu feiern, kommt mir zunehmend seltsamer vor, so daß mich in jedem Jahr das Ende der Weihnachtszeit etwas unvermittelt trifft. Auch ist dadurch ein weiteres Vorkommen der Zahl Vierzig gleichsam zerschnitten worden: vierzig Tage hat der Herr in der Wüste gefastet und vierzig fasten wir in der Fastenzeit, vierzig Tage war früher einmal auch die Adventszeit lang, vierzig Tage dauert die Osterzeit bis zur Himmelfahrt Christi, und vierzig Tage hat die Kirche früher die Weihnachten gefeiert. Auf diese Weise markierte das Fest der Erscheinung Christi, das heute kurz vor dem liturgischen Ende der Weihnachtszeit aufleuchtet, eigentlich erst das Ende der ersten Hälfte der Weihnachtszeit, also quasi die „Halbzeit“.

Freitag mittag Ende April,
irgendwo in Deutschland –
da war noch was…
In der Welt wird nach den eigentlichen Festtagen manchmal so schnell „aufgeräumt“, daß man es kaum glauben kann, so daß man froh drum ist, daß die Kirche dem Innewerden und Auskosten des Festgeheimnisses Raum gibt. Mancher Christbaum liegt schon am 26. auf der Straße. Der Baum der vergangenen Weihnacht wurde übrigens, ich hab es zufällig dokumentiert, erst am rekordverdächtigen 20. April abgeholt, wir hätten ihn also getrost bis Lichtmeß stehen lassen können.

Ist Weihnachten damit zu Ende? Nein, denn das Geheimnis der Menschwerdung Christi und sein Lobpreis durchwebt das ganze Kirchenjahr, und so fällt etwas vom Glanz des Weihnachtsfestes auch darauf, denn das Wort ist Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen. Manchmal würde ich mir allerdings wünschen, die Kirche gäbe den Gläubigen etwas von den Schätzen früherer Tage zurück: die Pfingstoktav, über deren Abschaffung Papst Paul VI. in Tränen ausbrach, die vierzigtägige Weihnachtszeit, ja auch die schöne Vorhalle der Vorfastenzeit, die Quatember am alten Platz – wir wollen es wiederhaben.

Der alle Sünde auf sich nimmt, ihn taucht Johannes in die Flut

Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias. Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst? Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer. Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet? Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Dies geschah in Bethanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte. (Joh 1,19)

Es trat ein Mensch auf mit Namen Johannes. Den hl. Johannes den Täufer nennen wir auch den Vorläufer, den, der auf Jesus verwies, sogar in der Art wie er lebte – einsam, jungfräulich, predigend, betend und fastend. Zu ihm kommt Jesus, um sich taufen zu lassen.

Im Evangelium über Jesu Taufe bin ich über die Fragen der Priester, Leviten und Pharisäer gestolpert: Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet? Wie außerordentlich also, gerade für Jesus, der der Messias ist, zu Johannes zu gehen, um von ihm die Taufe zu erbitten! Da der Herr ohne Sünde war, hätte er die Taufe nicht gebraucht, zumal die Taufe des hl. Johannes auch nicht mit den Gaben des Heiligen Geistes verbunden war. Der alle Sünde auf sich nimmt, ihn taucht Johannes in die Flut, heißt es in dem Hymnus zum Fest – ein weiteres wunderbares Paradoxon und zugleich ein Bild vollendeter Demut.

Die Taufe scheint vielmehr um unseretwillen geschehen: wir sollen sehen und hören, dies ist wahrhaft der Sohn Gottes. Später wird Jesus von Gott sagen: Ich und der Vater sind eins! Bei der Taufe tut Jesus mittelbar den Himmel für uns auf, das Haus des Vaters, das mit den vielen Wohnungen. Dort haben wir durch unsere eigene Taufe ein natürliches „Lebensrecht“. Der Himmel ist unser eigentliches Ziel, ihn zu gewinnen, das Streben unseres Lebens.
Des Vaters eingeborner Sohn,
kommt aus der Jungfrau in die Welt,
im Bad der Taufe heiligt er,
die sich ihm gläubig anvertraun.

Vom Himmel kommt der Höchste selbst,
erscheint in menschlicher Gestalt;
Dem Tode liefert er sich aus,
der uns das ew'ge Leben schenkt.

Der alle Sünde auf sich nimmt,
ihn taucht Johannes in die Flut.
der ohne allen Makel ist,
der Reinste, teilt der Sünder Los.

Des Vaters Stimme offenbart
im Knecht den vielgeliebten Sohn.
der Geist bezeugt ihm Macht und Amt,
als Christus Gottes Werk zu tun.

Erlöser, Herr, wir bitten dich:
vertreib das Dunkel, tilg die Schuld,
mach gnädig unsre Herzen hell
mit deiner Gottheit klarem Licht.

Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,
der heute uns erschienen ist,
dem Vater, der den Sohn bezeugt
und ihn mit seinem Geiste salbt. 

Samstag, 12. Januar 2013

Freitag, 11. Januar 2013

Secret dreamworld of a veiloholic (2)

Franziskanerin von der Immakulata in Lanherne
Im Kommentarbereich des Beitrags mit den historischen Fotos aus dem Karmel gabs einen Kommentar, den ich nach kurzer Überlegung gelöscht habe, weil er mir herabwürdigend erschien. Dazu ganz kurz: Ich lasse auf dem Blog auch anonyme Kommentare zu, und Kommentare müssen auch durchaus nicht meiner Sicht der Dinge entsprechen, es wäre jedoch schön, wenn ein gewisses Maß an Respekt vor dem behandelten Thema gewahrt bliebe. Gerade bei einem anonymen Kommentator ist es schwer zu sagen, ob sich da jemand tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzen möchte und sich nur gerade da etwas flapsig ausgedrückt hat oder ob jemand einfach nur den Autoren zum Brot machen möchte.

An der Klausurtür bei den Religieuses
Victimes du Sacré-Cœur de Jésus
in Marseille
Zu den Schleiern wollte ich jedenfalls noch etwas sagen. Solche Schleier waren früher in manchen Orden mit päpstlicher Klausur gang und gebe. Im Grunde sind sie wohl als Bestandteil der Klausur und ihrer Vorschriften zu betrachten, wie etwa die Einrichtung einer Winde, durch die Gegenstände hinein- oder hinausgereicht werden und bei deren Gebrauch sich die Schwestern, die die Winde bedienen, nicht sehen, oder eines doppelten Gitters mit Holzladen.

Betritt ein Fremder – in der Regel Handwerker, Ärzte, Geistliche oder Lehrer – die Klausur, so geht die Pförtnerin mit ihm oder ihr und mahnt die anderen Schwestern durch ein Schellenzeichen, außer Sicht zu bleiben. Als in der Klausur eines mir bekannten Karmels allerdings einmal Handwerker waren, flüsterte mir im Refektorium, wo man zu dieser Zeit im Stehen die „kleine Stärkung“ zwischendurch einnehmen konnte, allerdings eine Schwester ins Ohr: „Männer in der Klausur –  die müssen integriert werden!“

Ist das außer Sicht bleiben nicht möglich oder trifft man am Sprechgitter Menschen, die nicht zur Familie gehörten, so legte man den Klausurschleier über (bzw. ließ den Schleier vorn übers Gesicht herunter).

heruntergelassener Schleier bei den Karmelitinnen
(der Fotographie, nicht des Chorgebets wegen)
Letztlich seinen Ursprung hat diese Sitte vielleicht in der liturgischen Anweisung, daß bei der Jungfrauenweihe der Bischof der Consecranda den Schleier so anlegt, daß er über die Schultern und über die Brust und bis zu den Augen herabhängen soll, also in der Velatio virginum. Als Schmankerl am Rande sei bemerkt, daß gerade die Benediktinerinnen, deren Schleier in der herkömmlichen Tracht eigens an der Kante einen Teil haben, der zurückgeschlagen wird und sich herunterlassen ließe, diese Funktion gar nicht mehr nutzen, die zurückgeschlagene Kante des Schleiers ist einfach „so da“, gleichsam ein Rudiment. Manche Orden haben, vor allem im Zuge der Veränderungen der Ordenstrachten und der Konstitutionen nach dem zweiten vatikanischen Konzil, auch den Gebrauch des Klausurschleiers abgeschafft, andere – wie manche Karmelitinnen, Klarissen oder auch die Victimes du Sacré-Cœur de Jésus – haben ihn beibehalten, während einige neugegründete Gemeinschaften, wie etwa die Franziskanerinnen von der Immakulata, den Gebrauch eines Klausurschleier mit großer Selbstverständlichkeit da aufgenommen haben, wo einige von ihnen in Klausur leben, im kornischen Lanherne.
Klarissen nach der feierlichen
Profeß einer Schwester.
Der Schleier der
Neuprofesse ist zurückgeschlagen

Die Meinung dazu ist – wie auch zu anderen konstitutionellen Vorschriften oder sogar ganzen Konstitutionen – unter den Nonnen verschieden. So gibt es Klarissen, die froh sind, daß dieser Schleier außer Gebrauch gekommen sei, so etwas könne man den Menschen heute nicht mehr zumuten. Andere wieder finden gar nichts dabei, es ist halt Brauch, also wird es gemacht. Sicher ist wohl, es ist ein Zeichen, das – wie andere auch – heute nicht leicht verstanden wird. Sollte man es deshalb abschaffen?

Vom Gedanken her fand ich solche Details der Klausurvorschriften eigentlich immer sehr schön – sie bringen das „für Gott allein“ zum Ausdruck und auch den Gedanken, daß die Klausur eigentlich ein Ersatz für die Wüste ist, in der man Gott in der Einsamkeit finden möchte. In der Wüste ist man halt vor den Augen anderer weitgehend verborgen.

Augenblicke


Sonnenstunden in Berlin in diesem Jahr bis heute morgen: keine. Tage, an denen ich gefastet habe: nicht viel mehr. Nach all dem ist es schön, daß Winter, Schnee und Sonne zurück sind, nun gehts hoffentlich auch gesundheitlich wieder bergauf. Es ist schön, das Licht zu sehen.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Verspieltes


Wer überlegt, wieviele Bälle er wohl dazu brauchen könnte, bitte sehr.

Mittwoch, 9. Januar 2013

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