Freitag, 3. Mai 2013

To blog or not to blog – katholisches Bloggen

Nahezu alles was in einem Blog, das als katholisch wahrgenommen wird, weil es von einem Katholiken geschrieben wird, wird der Wahrnehmung der Kirche zugerechnet, das Gute und Schöne wie leider auch das Häßliche und Lieblose.

Wer schreibt, der bleibt, gilt – vorausgesetzt, man ändert oder löscht später nicht – für ein Blog sogar noch mehr als für andere Medien, mit denen man unter Umständen am nächsten Tag schon die Katzentoilette auslegt oder den Fisch einwickelt. Mehr als je zuvor hat das Internet dem einzelnen eine Stimme gegeben, vor allem auch jenen, die sonst eher nicht gehört werden. Wie schön wärs aber, würde man diese Stimme einsetzen, um wenigstens zu versuchen, ein klares und kraftvolles Lied zu singen, kein mißtönendes Gekrächze.

Ich will damit nicht sagen, daß man als Blogger nie etwas Kontroverses aufgreifen kann, etwas, woran man sich vielleicht gerieben oder das einen verunsichert hat, oder auch nur zum Ausdruck bringen, daß man auch manchmal verwundert (um es höflich auszudrücken) oder gefrustet ist – solche Dinge gehören nun einmal zum Leben. Die Frage ist, sollte man es in einer Form und auf einem Niveau tun, bei dem dem Leser bestenfalls noch ein ironisches „Seht, wie sie einander lieben“ einfällt? Einem Niveau, vor dem man schon vor Jahren aus gewissen Foren auf der Flucht war und das den geneigten oder weniger geneigten Leser in Hartherzigkeit und Lieblosigkeit schwer an die Urheber von „Konvertiten und Bekloppte“ erinnert – ein Blog, das ich wirklich noch niemals vermißt habe, eben des Tonfalls und des Geistes wegen, der dort herrschte. Man kann intellektuell verschiedene Standpunkte vertreten, sollte es aber immer in einer Form tun, die anderen ihre Würde läßt.

Entweder verläßt man solche Beiträge mit einem fatalistischen „Laß ihn (wahlweise: sie) doch schwätzen!“ wieder oder man ärgert sich selbst mehr oder weniger heftig. Nun gut, man muß solche Dinge nicht lesen (und noch weniger darauf verlinken), indes, irgendjemand tut es. Manchmal tun es sogar beträchtlich viele. Und wenn es nur einer wäre, den ich an der Kirche irre werden lasse, ist es einer zuviel. Wir müssen immer mit dem unbekannten Leser rechnen.

Und dieser unbekannte Leser, von dem wir nicht wissen, in welcher Situation wir ihn erreichen – es kann ein Leser aus einem Land sein, in dem die Christen verfolgt werden, ein abgearbeiteter Priester aus Paris, ein Bischof in Rußland, oder ein kroatischer Blogger, einer, der einem Link aus einem mennonitischen Forum oder über eine Suchmaschine gefolgt ist, oder einer, der auf der Suche ist, nach der Wahrheit und Schönheit, die er im Glauben der katholischen Kirche finden kann. Vielleicht weiß er noch nicht einmal, daß er auf der Suche war, bis er sich finden läßt (von Gott, nicht etwa von mir!). Sie alle bringen das, was sie lesen, in Verbindung mit der einen heiligen, apostolischen und katholischen Kirche. Es liegt auch an mir, wie dieses Bild aussieht. Was ich schreibe, kann der Kirche schaden. Vielleicht sollte man sich das manches Mal vor Augen halten, bevor man einen Beitrag in die Welt hinaussendet. Manches Wort fällt auf guten Boden, ein anderes auf den verhärteten Fels oder auf den Weg, wo es von den Vögeln gefressen wird, darauf haben wir letztlich keinen Einfluß, aber eines kann ich tun: auf meine Worte achten und versuchen, die gute Saat auszusähen.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht, dass ich für einen Nicht-Katholiken gleich als typisch für die ganze katholische Kirche gelten könnte.

Das ist doch eine interessante Aufgabe: in diesem Bewusstsein Haltung bewahren. Und die christliche Haltung ist: Liebe, Glaube, Hoffnung. Wo Liebe ist, kann nicht Respektlosigkeit sein.

Ich mag deine 'blogging'-posts sehr.

Anonym hat gesagt…

Oh wir scheinen uns gerade in unterschiedlichem Kontext über etwas Ähnliches Gedanken zu machen.
Es ist sehr leicht im Internet missverstanden oder in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man weder gehört, und in die man auch nicht hinein möchte.

LG
Alexis

Braut des Lammes hat gesagt…

Das kann allerdings auch passieren, manchmal denk ich allerdings, das kann immer passieren, sogar, wenn du nur irgendwie vor dich hinguckst oder den Bürgersteig entlanggehst.

Martina Baro hat gesagt…

Oft genug könnte ich mich fremd schämem, wenn ich diverse blogs lese, die sich als katholisch outen und noch stolz drauf sind.
Muss das sein?

Psallite Deo hat gesagt…

Mir geht´s wie Huppicke - darüber habe ich auch nie so richtig nachgedacht. Andererseits stellt sich diese Frage in der Tat im "echten" Leben genauso - was wirkt wie?
Wird alles, was man als Hauptamtlicher sagt, als offizielle Position der Amtskirche wahrgenommen?
Oder gilt das nur für "die da oben"? Wer zählt überhaupt zu "denen da oben"?
Gilt das, was in einer gewöhnlichen Gemeinde läuft, als typisch katholisch? Oder die Leute, die in Talkshows eingeladen werden? Oder die Artikel auf kath.net? Oder was andere Medien schreiben?

Und dann stellt sich die Frage, warum man was postet. Mir persönlich geht´s einfach so, daß ich für manche Dinge ein Ventil brauche, wo Gleichgesinnte es lesen und vielleicht Verständnis haben.

Ganz generell ist es natürlich erstrebenswert, in Blogs und anderswo höfliche Umgangsformen auch bei sachlichen Meinungsverschiedenheiten zu bewahren - daß das nicht immer gelingt, liegt wohl daran, daß wir alle nicht perfekt sind und Fehler machen - aber das ändert nichts an dieser Zielsetzung...

Braut des Lammes hat gesagt…

Über die Wahrnehmung im „wirklichen Leben“ etwas auszusagen, war nicht der Ziel des Beitrags. Auch glaube ich, daß ein Blog und „alles was ein Hauptamtlicher sagt“ nur sehr bedingt vergleichbar ist. Zum einen ist im wirklichen Leben das Gesprochene in der Regel flüchtig, zum anderen reicht die Wahrnehmung meist nicht so weit und bei der persönlichen Begegnung spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle, seien sie einem nun bewußt oder auch nicht. (Etwa: ist mir dieser Mensch sympathisch? Wie erlebe ich ihn sonst?)

In der Tat hatte ich auch nicht gemeint, daß alles, was ein Blogger schreibt, als offizielle Position der Kirche wahrgenommen wird, sondern, daß es sich mit dem Begriff katholisch oder Katholizismus oder auch mit „die Katholiken“ verbindet.

Idealerweise kommen auf einen Beitrag, in dem der Blogger ein Ventil braucht, wie du es ausdrückst, viele andere, die der Schreiber in einer anderen Grundstimmung geschrieben hat. Der Nichtidealfall ist der, bei dem man einen immerwährenden Rant zu lesen scheint. Daß keiner ohne Fehler ist – keine Frage. Absichtliche, aus voller Überlegung heraus geschriebene Beschimpfungen sind aber etwas anderes. Die Frage muß das sein? wird da völlig zu Recht gestellt.

Psallite Deo hat gesagt…

Ja, das stimmt, es ist nicht unbedingt vergleichbar.
Daß es nicht um die offizielle Position ging, war mir schon klar - ich glaube, ich habe einfach in eine ganz andere Richtung weiterüberlegt, als der Beitrag eigentlich gedacht war...

Beschimpfungen sollten selbstverständlich nicht sein, das steht außer Frage.
Wobei mir persönlich manchmal ein paar deutliche (ggf. auch frustrierte oder verärgerte) Worte lieber sind als geheuchelte Freundlichkeit - aber auch das ist ein anderes Thema...

Grace A. hat gesagt…

Danke für die tollen Worte. Sie haben mich sehr zum nachdenken angeregt.

LG Grace von www.zeit-fuer-dich.blogspot.de

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