Freitag, 17. Mai 2013

Rosarote und nicht ganz so rosarote Welten

So sieht es drinnen aus − die Küche mit aufziehbaren
Schubladen etc., ganz wie in einem echten Puppenhaus

Bei meinem Hang zu Spielkram jeglicher Art hatte ich auf jeden Fall vor, mir das Barbiehaus am Alexanderplatz anzuschauen. Moralinsaure Hinweise im Vorfeld von Pinkstinks & Konsorten sind für mich da eher Empfehlung. Da wird vom Krankmachenden und Einengenden gesprochen. Für einige, wie etwa die Professorin Bettina Hannover von der Freien Universität scheint offenbar das schlimmste daran, daß sich jemand bereits im Kindesalter mit dem eigenen Geschlecht identifizieren könnte. So darf man, wenn es nach Pinkstinks geht, die Farbe rosa „wunderbar“ finden (O-Ton), obwohl sie ja angeblich dümmer macht, aber nicht damit spielen wollen, denn das ist bäh!

 Einigermaßen einengend find ich höchstens diese ständigen Belehrungen, was jemand schönfinden und was ihm oder ihr Spaß machen darf (indes lassen wir uns einfach nicht davon einengen, sondern führen unser Leben so wie wir wollen).

Das Barbiehaus drinnen − kleine Mädchen am Computer…
…und beim Gucken und Spielen.

Krank allerdings ist in diesem Zusammenhang die Form des Protests, bei dem bei der Eröffnung des Hauses in Berlin gestern auch ein Kreuz − mit einer Barbie dran − geschändet wurde. Der Geschäftsführer des Hauses äußert sich auf Nachfrage neben einem höchst allgemeinen Bedauern dahingehend, es sei „inakzeptabel, wenn unsere Gäste belästigt und angegriffen werden.“ Von der völlig inakzeptablen öffentlichen Schändung eines christlichen Symbols spricht er hingegen nicht, und, wenn ich das recht überblicke, auch medial bisher keiner sonst in angemessenen Worten. Was bitte hat denn das Kreuz Christi mit dem Protest gegen eine bestimmte Form der Spielzeugvermarktung zu tun? Wir ahnen es schon, nichts. Ebensowenig wie seinerzeit das von Femen umgelegte Gedenkkreuz in Kiew irgendetwas mit deren Anliegen (worin immer dies bestehen mag) zu tun hatte. Die gestrige Aktion hat mich in der Auffassung bestärkt, daß diese Fementypen eigentlich gar nicht so recht zu wissen scheinen, wogegen sie eigentlich protestieren, Hauptsache es gibt dabei Krawall und nackte Körper. Und egal wogegen oder wofür, es wird auf alle Fälle dabei ein Kreuz geschändet.

Derweil draußen vor der Tür…
…Proteste von Femen-Aktivistinnen
vor dem Barbiehaus am Alexanderplatz.


Worum nun überhaupt dieser Wirbel? Das Barbiehaus (von dessen Errichtung ich relativ spät was mitgekriegt habe, weil ich nicht so oft zum Alexanderplatz komme) ist eine Art überdimensionales, begeh- und bespielbares Puppenhaus, in dem auf eine derart übertriebene Art tatsächlich so ziemlich alles rosa ist, bis hin zum rosa Plastikhund, daß es natürlich auch was ironisches Zugespitztes hat.[1] Liebe Güte! Besucher erhalten auf Wunsch am Empfang ein RFiD-Armband für interaktiven Spielkram, das ganze hat also auch noch einen gewissen Nerdfaktor. Drin spielen darf man anscheinend aber nur hübsch ordentlich in geführten Gruppen. Seis drum, wie gesagt, ich find solche Sachen einfach lustig. Das ganze ist übrigens ein reichlich temporäres Vergnügen, schon Ende August wird der rosa Traum abgebaut und geht auf Tour in weitere Städte, vielleicht auch inklusive weiterer Protestaktionen. Pink stinkt (mir) nicht, aber solcherart Aktionismus und der Umgang damit.

_____
[1] Beim SPiEGEL liegt einem ein Loriot'sches „Ach?!“ auf der Zunge, wenn er zu Gehör bringt: „Tatsächlich trieft das Interieur des Traumhauses vor pinkem Kitsch.“

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wahrscheinlich ging es um "die Frau" in genere, die in Gestalt einer Barbie erniedrigt sein soll ("Kreuzigung") und man hat dieses Symbol der Knechtschaft schlicht und einfach protestmäßig verbrannt. Religionskritik scheint mir in diesem Fall erst einmal nachrangig, von deren Dauerpräsenz bei diesen Trullas einmal abgesehen.

Aber ich will das nicht schönreden. Das sind übrigens Schwestern und Brüder im Geiste von denen, die diese Sexismus-Aufkleber verpappen - und wie bereits kund gegeben, hege ich für diese Klientel und für keine einzige Aktion von diesen Vereinen null Sympathien. Lieber schau ich mir Bikiniwerbung an als diese durchgeknallten Vetteln.

Psallite Deo hat gesagt…

Also, ich finde Pink auch furchtbar, aber wenn es jemandem gefällt, warum denn nicht?
Andererseits hat jeder das gute Recht, frei und öffentlich seine Meinung dazu zu sagen.
Bei der Verbrennung religiöser Symbole allerdings hört der Spaß - und auch die Meinungsfreiheit - definitiv auf.
Was ich sowieso nicht verstehe, sind diese Frauen, die meinen, oben ohne gegen Sexismus etc. demonstrieren zu müssen.
Das finde ich ähnlich sinnvoll wie für eine Demo gegen Unterrichtsausfall die Schule zu schwänzen (habe ich in den 90er Jahren erlebt).

Dorothea hat gesagt…

Eine unserer Enkelinnen konnte schon "nosa" :) sagen bevor sie richtig sprechen konnte und der Rest von Enkelinnen und Töchtern fand diese Farbe auch lange großartig. Ja und? Kindern (und Erwachsenen) vorzuschreiben was sie zu wollen und schön zu finden haben ist nichts als eine neue Art von übergriffigem Gouvernantentum. Daß die Gouvernanten oben ohne daherkommen ist nur täuschende Verkleidung, sonst würde man zu schnell erkennen, daß sie eine Diktatur anstreben mit ihnen selbst als Führer.

Braut des Lammes hat gesagt…

Natürlich hat jeder das Recht seine Meinung zu sagen, Psallite, da stimme ich dir unbedingt zu. Wenn auch die Tatsache, daß Leute mit Kindern, die sich einfach nur dieses Haus ansehen wollen, also mithin ein einfaches Freizeitvergnügen, erstmal diese Demonstration passieren mußten, ein gewisses Geschmäckle hat.

@Dorothea, das sehe ich ganz ähnlich. Wie die meisten derer, die sich das Haus einfach nur mal anschauen wollten, hab ich übrigens früher auch mit einer Barbie gespielt, offenbar ohne Spätfolgen.

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