Freitag, 31. Mai 2013

Fronleichnam im Schnellprogramm

Daß am Fronleichnamstag abends um neun immer noch eine Heilige Messe gefeiert wird, ist lobenswert. Es geschieht dies für die Menschen, die am Fest des Leibes und Blutes Christi eine Messe mitfeiern möchten, es tagsüber aber nicht konnten, denn sonst hätten sie es ja getan. (Und in der Tat sagte ja auch unser Kardinal vor einiger Zeit sinngemäß, wenn es um 7 Uhr morgens nicht paßt, paßt es vielleicht um 21 Uhr besser.)

Weniger lobenswert ist allerdings, wenn der Zelebrant diese Heilige Messe – ein Amt an einem der großen Hochfeste immerhin! – dann gleichsam im Schnellwaschprogramm feiert. Ich kann mir wirklich außer den weißen Paramenten kaum einen unfeierlicheren Gottesdienst vorstellen: im Gegensatz zur sonst üblichen Praxis nur eine Lesung, und der Organist wird eigens noch antelefoniert, der Antwortpsalm fiele aus (gerade das letztere soll übrigens auf keinen Fall sein). Credo gesprochen und keine Fürbitten, „denn das haben wir heute schon alles gehabt“. An dieser Stelle hab ich mir erlaubt, sotto voce anzubringen, „Herr Pfarrer, die Menschen, die jetzt in der Kirche sind, aber nicht“. Da der Herr Pfarrer aber manchmal nicht so gut hört, konnte er so tun, als habe er nichts gehört und ich, als hätte ich nichts gesagt.

Das Element, auf das ich am ehesten hätte verzichten mögen, war die Predigt, aber daran war natürlich kein Gedanke, „aus pastoralen Gründen“ sicherlich. Die naheliegende Feststellung, daß zu den Dingen, die „wir“ heute schon alles gehabt hatten, auch eine Predigt gehört, kann man sich an dieser Stelle getrost schenken.

Lobenswert ist, wenn der Zelebrant vor dem Gottesdienst beizeiten kommt. Weniger lobenswert ist es, wenn er deswegen spontan beschließt, eine Viertelstunde früher anfangen zu wollen, also um dreiviertel neun, weshalb dann auch schon um halb zehn alles vorbei war. Soll das Leben jetzt schon den bestrafen können, der einfach nur die fünf Minuten vor der Zeit kommt, die des Christen sprichwörtliche Pünktlichkeit sind? Im Ernst, man kann doch nicht eine Messe im Internet und in den Vermeldungen auf 21 Uhr festsetzen und dann anfangen, wann man will. Auch wars bisher Brauch, nach dem Salve Regina, das nach der Rückkehr der Prozession zur Kathedrale gesungen wird bis zum Beginn der Heiligen Messe um neun die Glocken zu läuten – es ist ja nur einmal im Jahr Fronleichnam. Dahin…

Zum Kommunionempfang war wirklich nur Zeit für ein kurzes Niederknien und ein Stoßgebet, dann gings wieder rund und rund (buchstäblich). Da sich das Allerheiligste zu diesem Zeitpunkt in einer Seitenkapelle befand, dauerte der Gang mit dem Allerheiligsten, den wir immerhin würdig tun wollten (und das war er auch) entsprechend länger, und so kam ich zu den letzten Tönen des Agnus Dei wieder an meinem Platz an der Altarstufe an und konnte gleich auf die Knie sinken. Als beim Reponieren des Allerheiligsten der Organist von dem ohnehin nur dreistrophigen Danklied nur zwei Strophen spielte, so daß wir grade erst die Treppe aus der Unterkirche erklommen hatten, als der Gesang vorüber war, hätte ich ihn allerdings treten mögen. An dieser Stelle hab ich beschlossen, daß ich kein rosa Spielzeughäschen bin und in meinem Rücken keine Batterie steckt. Der Küster dachte sich wohl ähnliches, und so schritten wir würdigen Schrittes und im Schweigen dahin. Und dann wars auch schon Zeit zum Schlußgebet. Über die Angewohnheit, bereits während Schlußgesängen auszuziehen, während derer man eigentlich nicht ausziehen kann – Antiphonen, die zum Gruß der Gottesmutter gesungen werden, in diesem Falle das Salve Regina – mag ich an dieser Stelle schon gar nichts mehr sagen. Wirklich, ich versteh nicht, warum sich einer Jahr für Jahr das Feiern dieser Messe vorbehält, der nach dem Pontifikalamt und der Prozession liturgisch „gesättigt“ ist und daher meint, alle anderen bräuchten auch nichts mehr. Bei der Messe bin ich als Krankheitsvertretung eingesprungen, nächstes Jahr mag ein anderer dieses besondere Bußwerk auf sich nehmen. Ich glaub, es sind mir einige Jahre Fegefeuer erlassen.

Kommentare:

Angelofberlin hat gesagt…

Oh je! Mann merkt Dir Deine Enttäuschung aber wirklich an. Mir wäre es sicher genauso ergangen. Mein Mann und ich waren zum erstenmal seit 1997 wieder bei der Prozession. Na ja, mit dem Wetter wollte uns der Herrgott wohl wirklich prüfen ... Auch sonst fand ich die Prozession ziemlich lieblos und vom Ästhetischen her eher enttäuschend. Wenn wir im kommenden Jahr wieder dabei sind, dann nur, um als Katholiken in Berlin Flagge zu zeigen ... Ich war froh, daß ich um 8:00 zur Messe in St. Bernhard war. Von unserem Kaplan ganz wunderbar und liebevoll zelebriert. Mit viel Weihrauch und am Ende der Messe noch eine Anbetung des auf dem Altar verbliebenen Allerheiligsten und Eucharistischer Segen. Also Hl.Messe und Kommunion bei diesen 'Freiluftmessen', das geht für mich persönlich gar nicht. Man merkt eben, daß wir Berlin sind. Habe auf youtube videos von Fronleichnam in München gesehen ... Selbst die Richter in ihren Roben sind mitgegangen. Hier unvorstellbar!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ist das St. Bernhard in Dahlem? Da sieht und hört man nur Gutes.

Das Wetter war WimRE 2009 auch schon mal ziemlich regnerisch, jedenfalls hats den Baldachin und leider auch einige Gewänder ziemlich „gewässert“. Mit den Richtern hast du recht, es ist halt Berlin. (Auf historischen Fotos sieht man noch den Reichskanzler und mehrere Minister im Zug mitgehen. Wie bemerkt, das würde ich heute gern einmal sehen…

Archangelus hat gesagt…

Ja als Katholik muß man heute manches ertragen. Aber tröste dich, auch als Priester kann man sich bei all der Wurschtigkeit in mancher Pfarrei fragen, warum man überhaupt gekommen ist und sich auch noch vorbereitet hat.
Dafür ist das Bild oben ganz wunderbar - kennt man den Maler?

Braut des Lammes hat gesagt…

Das war José Gallegos y Arnosa (1857-1917) – Von diesem lustigen Haufen, den Ministranten von Sevilla, hat er noch ein Bild gemalt, das verblogge ich auch noch.

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