Freitag, 30. November 2012

Das Kreuz des hl. Andreas

In den Worten des Evangeliums über den Apostel Andreas bleiben die Worte im Gedächtnis: Und er führte ihn zu Christus. Auf diese Weise wurde der Heilige nicht nur zum Sinnbild der Evangelisation überhaupt – den anderen zu Christus führen –, sondern er führt und verweist, wenn man sein Leben und Sterben betrachtet, auch unmittelbar mit dem eigenen Leib auf Christus. Indem er das Kreuz selbst umfaßt, weist er auf den hin, der es zum Heil der Menschheit umfaßt und getragen hat.

Der Benediktiner Dom Mark Kirby von Vultus Christi, dessen Konvent am Fest Mariä Lichtmeß von Tulsa nach Irland gekommen ist, hat eine sehr schöne Betrachtung über den hl. Andreas geschrieben in der er ausführt, daß, wie das Kreuz des hl. Andreas eine andere Form hatte als das des Herrn, das Kreuz eines jeden von uns anders geformt sein mag als das Kreuz Christi:
Äußerlich haben unsere Kreuze nicht die Form des Kreuzes Christi. Der Glaube jedoch sieht in ihnen ein Mittel der Übergabe unserer selbst an Gott. Das Kreuz der Krankheit kann ein Mittel der Gottesbegegnung sein, vorausgesetzt, sie wird als solches erkannt und angenommen. Die Kreuze der Schwäche, des Versagens, der Einsamkeit, Depression und des Verlusts können uns Sakramente der Begegnung mit Gott sein. Das Kreuz erlaubt uns, Gott als den Erlöser aus all unserem Scheitern zu sehen, den Gefährten der Einsamen, den Tröster der Niedergedrückten, den Schatz derer, die einen Verlust erlitten haben. Außer dem Kreuz gibt es keinen Weg, die heilende Gnade Gottes zu erfahren, keinen, die Süße seiner Liebe in der Bitterkeit noch einen, der aus der Dunkelheit in sein wunderbares Licht führt.
Das Commune sanctorum meines Schotts beginnt übrigens mit der Vigil des hl. Andreas. Auch er ist also ein echt adventlicher Heiliger, indem er darauf verweist, daß im Kreuz nicht das Ende, sondern der Anfang liegt. Es mag sein, daß man aus diesem Grund in der Ikonographie neben den charakteristischen Andreaskreuzdarstellungen auch solche findet, in der der Heilige mit seinem Kreuz zu Füßen der Gottesmutter mit dem Kind steht oder kniet, denn in ihr und dem Kind das sie trägt, liegen Anfang und Fülle unserer Erlösung.

Donnerstag, 29. November 2012

Die kleine Eingangshalle – Papst Benedikts drittes Jesus-Buch

Au ja, mein Rezensionsexemplar ist da!
In einer Nacht wie manch anderer habe ich Benedikts XVI. dritten Band Jesus von Nazareth, (Prolog – die Kindheitsgeschichten) nicht durchgelesen. Meiner Meinung nach eignet es sich auch gar nicht dazu, vielmehr ist es ein Buch von der Art, wie man sie zur Lectio divina nehmen kann, um auf einige Zeit hinaus jeden Tag konzentriert und mit Gewinn einen kürzeren oder längeren Abschnitt daraus zu lesen. Daß das Buch gerade rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit erschienen ist, ist eine schöne Verbindung, denn mit den liturgischen Texten der Kirche scheint sich das Buch des Heiligen Vaters gleichsam zu entfalten.

Benedikt nennt sein Buch „eine kleine Eingangshalle“ zu seinen beiden anderen Werken über Leben und Wirken Jesu Christi. Und doch könnte man diese äußerst ästhetische und anrührende kleine Vorhalle auch mit Gewinn durchqueren, wenn man sein großes Werk (noch) nicht betreten hat.

In schlichter Sprache und auf der tiefgründigen Frage des Pilatus „Woher bist du?“ aufbauend, entfaltet der Heilige Vater die Geschehnisse um die Menschwerdung Jesu Christi, breitet sie gleichsam vor dem Auge des Lesers aus, um sie da und dort mit einem Exkurs zu vertiefen. Dabei hält er, bei der Ankündigung der Geburt Johannes' des Täufers beginnend, die chronologische Abfolge bis zum Ende der Kindheit Jesu – dem ersten Auftreten des Zwölfjährigen im Tempel – ein, greift aber immer wieder einmal voraus, in das Leben und Wirken des Erlösers und in die Schriften der Väter wie auch zurück zu den Propheten und den Ältesten des Volkes Israel, und stellt so die innige Verbindung all dessen im Herzen und der Tradition der Kirche dar.

Dabei kommen immer wieder einmal auch Details zur Sprache, die demjenigen, der die biblischen Texte im Lauf des Kirchenjahres oftmals hört, wohl faktisch latent vertraut sind, die er sich vielleicht aber noch nicht recht bewußt gemacht hat, etwa die Art und Weise, wie die Evangelisten die Abstammung Jesu beschreiben und den Stammbaum Jesu aufgebaut haben – etwa als Baum, dessen Wurzeln in die Höhe ragen, zu Gott –, oder daß es sich bei den vier neben Maria im Stammbaum Jesu genannten Frauen allesamt um Frauen handelt, die keine Jüdinnen waren, was als Vorausschau dessen gesehen werden kann, daß die Berufung nicht nur an Gottes auserwähltes Volk erging, sondern auch an die Heiden.

Schlagzeilen haben in den Medien vorab offenbar einige Anmerkungen zu den Geschehnissen bei der Geburt Christi gemacht, hier habe ich schon einmal etwas dazu geschrieben. Wer Benedikts Buch auf ein „Im dritten Band rechnet der Heilige Vater mit der altbekannten Weihnachtsgeschichte ab“ reduziert, wie ich es an einer Stelle gesehen habe, tut dem Buch geradezu einen Tort an (und der zuständige Redakteur täte gut daran, vielleicht wenigstens den Klappentext zu lesen).

Benedikt räumt hier nämlich nicht auf, noch erklärt er irgend etwas zum Mythos, im Gegenteil, er vertieft einige Dinge und stellt sie in einen größeren Kontext, wenn er etwa im Zusammenhang einer Stelle aus dem Buch Habakuk die Figuren des Ochsen und des Esels an der Krippe aufgreift und sie in Zusammenhang mit den beiden goldenen Cherubim bringt, die die Bundeslade des Volkes Israel schmückten und mit ihren Flügeln schützend bedeckten. In der Tat nennt die Kirche die Jungfrau Maria selbst eine Lade Gottes und die Arche des neuen Bundes. Mit seinen Anmerkungen zum weihnachtlichen Geschehen ist Benedikt XVI. also weit entfernt von einem Showdown mit Engeln und Tieren.

Der Heilige Vater bei der Übergabe
seines neuen Buches durch den
Verleger Manuel Herder  – also,
manchmal wär ich auch gern Verleger…
Die Buchbesprechung eines „aufrichtig frommen“ Menschen, wie man mir jüngst in einem Charakterzeugnis geschrieben hat, kann wahrscheinlich nur einigermaßen fromm ausfallen. Allerdings braucht man nicht einmal fromm oder auch theologisch herausragend gebildet zu sein, um Benedikts Prolog lesen und davon profitieren zu können; man kann meiner Ansicht nach das Buch des Heiligen Vaters mit jedem Hintergrund gut lesen und verstehen. Ich bin mit großer Freude an das Buch herangegangen, schon, weil ich den Autoren mag und ich von ihm nichts anderes als ein Werk von großer Tiefe erwartet habe. Indes braucht man auch das letztere nicht, (große Erwartungen zu haben, meine ich); man braucht nicht einmal mit allem inhaltlich übereinzustimmen, denn wie der Autor selbst rührenderweise und in seiner bescheidenen Art schreibt: Es steht jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuß an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt. Möge er diesen Vorschuß an Sympathie möglichst oft finden und verstanden werden.

Gewiß brauche ich nicht eigens zu sagen, daß dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens nach dem Angesicht des Herrn – diese Worte des Papstes begleiten sein Werk über Jesus Christus. Was und wieviel er vom Glanz des Antlitzes Christi er dabei gefunden hat, stellt Benedikt in eindringlicher Weise dem Leser vor.


Jesus von Nazareth: Prolog – die Kindheitsgeschichten von Benedikt XVI. ist gerade – Ende November – bei Herder erschienen und schon jetzt auf dem Weg zum Bestseller.

Mittwoch, 28. November 2012

Fundstück des Tages


beide um 1848

1840 –  anders gewichtet und weniger detailliert, aber auch hübsch
Für alte Drucke hab ich ein Faible: hier die weiblichen Lebensaltersstufen. Die beiden Drucke oben stellen die etwa Fünfzigjährige auf der Höhe des Lebens und ihrer Kraft dar, zu der man hinauf- und von der man wieder herabsteigt – eine interessante Sichtweise. Like sparkling fountain gushing forth she proves a blessing to the earth.

Der Herr steht vor der Tür – der Advent kommt

Irgendwie ist mir noch nie aufgefallen, daß diese Hecke am Weg, die im Frühjahr so schön blüht, und in der viele kleine Vögel wohnen, auch so schöne Früchte hat. Die Farben sind schon so adventlich, und so werd ich mich wohl für den adventlichen Schmuck ein wenig daran bedienen.

Seit dem Fest der hl. Cäcilia geht mir (und dem Domorganisten), da das Offizium komplett von der Heiligen genommen wurde, die schöne Antiphon Der Herr steht vor der Tür, wohl dem, der ihm öffnet durch den Sinn – auch das ist schon adventlich.

Seit gestern lese auch das Buch des Heiligen Vaters, auch das ist ein wirklicher Genuß gerade in dieser Zeit, da sich das Buch nun mit der Liturgie der Kirche geistlich entfaltet.

Dienstag, 27. November 2012

Ochs und Esel an der Krippe – zum neuen Papstbuch

Als ich gestern einen Artikel im Telegraph las, Nativity donkeys and cattle are a myth, says Pope, der sich auf das gerade erschienene Buch des Heiligen Vaters über die Kindheitgeschichten Jesu bezieht, wurde ich der Überschrift wegen neugierig, auch klang es für mich irgendwie nicht sehr nach Benedikt XVI.

So schreibt Nick Squires vom Telegraph in einer kurzen Zusammenfassung seines Artikels
und fügt im Verlauf ergänzend hinzu, das läge daran, daß die Tiere in den biblischen Berichten nicht erwähnt würden.
Benedict writes in a new book on Christ that contrary to popular belief, Jesus's birth was not presided over by oxen, asses, camels or indeed any other beasts.
Dazu dachte ich mir, ohne jetzt den Papst belehren zu wollen, vielleicht erwähnt das Evangelium die Tiere auch einfach deshalb nicht, weil es einfach selbstverständlich ist, daß in einem Stall Tiere sind. Ein Stall ohne Tiere ist kein solcher, sondern ein Schuppen, und warum hätte sich dort eine Futterkrippe befinden sollen?
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. (Lk 2, 6-8)
Der Evangelist Matthäus spricht nicht von einem Stall, sondern von dem Haus, in dem das Kind geboren war, Markus fängt in der Mitte an, indem er mit der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer beginnt, und Johannes schreibt seinen wunderbaren Prolog über das Wort, das bei Gott war und das Gott war.

Schade wärs jedenfalls in der Ikonographie wie in der Krippenaufstellung um die gemütvollen Tiere, die zu meiner eigenen Freude oft mit freudigem Gesichtsausdruck dargestellt werden oder den neugeborenen Jesus sogar mit der Zunge lecken. Dazu kommen später noch die Tiere der Hirten (von denen im Evangelium sehr wohl die Rede ist) und die Reittiere der Sterndeuter. Wer die Krippe stückweise aufstellt – das heißt, in der Adventszeit mit dem leeren Stall anfängt und dann nach und nach, ihrem Eintreffen an der Krippe zufolge, die Figuren dazustellt –, hat ebenfalls seine Freude daran.

Der Heilige Vater beschreibt jedoch in seiner schönen Weise etwas anderes, er verweist auf die Tradition und den Glauben und legt die Stelle zugleich aus. Nebenbei bemerkt, sieht man an dieser Passage auch, daß man dieses Buch des Heiligen Vaters wirklich gut lesen kann.
Die Futterkrippe verweist – wie gesagt – auf Tiere, für die sie Nahrungsstätte ist. Im Evangelium ist hier von Tieren nicht die Rede. Aber die gläubige Meditation hat in ihrem Zusammenlesen von Altem und Neuem Testament sehr früh diese Lücke ausgefüllt, indem sie auf Jes 1,3 verwies: Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht. 
Peter Stuhlmacher weist darauf hin, daß wohl auch die griechische Version von Hab 3,2 mit hineinspielt: Inmitten zweier Lebewesen wirst du erkannt werden … wenn die Zeit gekommen ist, wirst du erscheinen. Mit den zwei Lebewesen sind offenbar die zwei Cherube gemeint, die nach Ex 25, 18-20 auf der Deckplatte der Bundeslade die geheimnisvolle Anwesenheit Gottes anzeigen und verbergen. So würde die Krippe irgendwie zur Bundeslade, in der geheimnisvoll geborgen Gott unter den Menschen ist und vor der für „Ochs und Esel“, für die Menschheit aus Juden und Heiden, die Stunde der Erkenntnis Gottes gekommen ist. 
In der merkwürdigen Verbindung von Jes 1,3, Hab 3,2, Ex 25,18 und der Futterkrippe erscheinen nun die beiden Tiere als Darstellungen der an sich einsichtslosen Menschheit, die vor dem Kind, vor dem demütigen Erscheinen Gottes im Stall zur Erkenntnis kommt und in der Armseligkeit dieser Geburt die Epiphanie empfängt, die nun alle sehen lehrt. Die christliche Ikonographie hat schon früh dieses Motiv aufgegriffen. Keine Krippendarstellung wird auf Ochs und Esel verzichten.

Die Gottesmutter in der U-Bahn

Als die S-Bahn am Sonntagabend wieder einmal nicht fuhr, war ich zunächst wenig begeistert. Andererseits hätte ich dann nicht zu später Stunde auf einem U-Bahnhof das hier gesehen:

Ein Riesenbild unterwegs, sah auf den ersten Blick
aus wie die Entschlafung der Gottesmutter
…tatsächlich, jedenfalls die Gottesmutter.
Auf der Rückseite noch ein Madonnenbild. Ah, ja…
Warum hier Sponge Bob und Patrick Star mit drauf sind, konnte, obwohl der sehr nette Künstler selbst anwesend war, wegen sprachlicher Schwierigkeiten leider nicht geklärt werden[1]. Gute Laune hatte ich anschließend trotzdem…
____
[1] (die Bilder sind in der Fuldastraße 12 zu besichtigen, was immer dort sein mag)


Montag, 26. November 2012

Heute mal Querstreifen

einen solchen Himmel sieht man auch nicht alle Tage

Sonntag, 25. November 2012

Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

Dir lobsingen im Himmel ewig die seligen Chöre;
so auch preist dich der Mensch,
so alle Schöpfung zugleich.

Diese Illumination aus der Zeit um 1200 ist schön und Verkündigung zugleich: die Verwendung der Farben rot und blau verweist auf die zweifache Natur des Erlösers: wahrer Gott und wahrer Mensch.

Samstag, 24. November 2012

Christus, König

Christus vor Pilatus, Mihály Munkácsy, 1881
Die O-Antiphon am 22. Dezember nennt Jesus Christus den König aller Völker: O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet – bald werden wir das wieder singen.

Mit dem Christkönigsfest als eigenem Fest habe ich mich früher manchmal gefühlsmäßig ein wenig schwergetan, denn das eigentliche Christkönigsfest des Jahres ist für mich der Palmsonntag mit seinem wunderbaren Prozessionshymnus Ruhm und Preis und Ehre sei dir, Erlöser und König. Wenn wir im Lauf der Feste des Kirchenjahres Christus als das neugeborene Kind, bei seinem öffentlichen Wirken, und als den leidenden Herrn betrachten, der sein Blut für uns vergießt, so bleibt er in alldem doch immer unser König, und wir wissen, daß, eingeschlossen in die Entsagung dieser Welt und gekleidet in die Erbärmlichkeit und Einfachheit des menschlichen Fleisches sich der Hohepriester und König des neuen Bundes verbirgt.

Bei den Worten Christus, König, denke ich an Jesus, wie er vor Pilatus steht: ein stiller König ohne Land, ohne Heer, ohne Freunde und Jünger, ein König, der auf einem Esel kam, anstatt mit Pomp und Gepränge. Und dennoch antwortet er auf die Frage des Pilatus:

Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Das Christkönigsfest am Ende des Kirchenjahres erinnert uns daran, daß das Ziel und Königtum Christi auch das unsere ist – das Reich Gottes. Wie mag es aussehen? Christus hat den Königen und Machthabern dieser Welt ein Spottzepter und eine Dornenkrone entgegengesetzt und sich auf den hölzernen Thron des Kreuzes gesetzt – vom Holz herab, als seinem Thron, regiert Gott alle Nation. Ein Anruf an uns, der Welt etwas ähnlich Paradoxes entgegenzuhalten: das Eintreten für Wahrheit und das Leben, Heiligkeit und Erbarmen, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. Das ist wirklich etwas, das „nicht von dieser Welt“ ist. Aber es kann in dieser Welt sein.

Freitag, 23. November 2012

Unsere liebe Frau von Breezy Point


Etwas Schönes: ein Blick auf die Marienstatue von Queens, die sichtbar den Elementen standgehalten hat. Inmitten der Zerstörung durch den Hurrikan Sandy erhebt sich in Breezy Point – Sturm, Überflutung, Feuer und Asche zum Trotz und den Bürgern zum Trost –  noch immer diese Statue unserer lieben Frau: eigentlich ein kleines Wunder.

Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar…

heute morgen: im Nebel waren Zugvögel!

Donnerstag, 22. November 2012

Die „katholische“ Hölle im Fernsehen (Themenwoche Leben mit dem Tod)

Von Anne Wills Talkshow, die sich ja um das „Leben nach dem Tod“ drehen sollte,  hab ich gestern ungefähr fünf Minuten gesehen (ich war einfach zu müde), ob es sich lohnt, sich den Rest in einer Wiederholung zu geben, das frage ich mich.

Die fünf Minuten gegen Ende, die ich gesehen habe, waren komplett der Hölle gewidmet – die anderen letzten Dinge haben wir uns an dieser Stelle mal gespart, so scheint es – und reichten immerhin zeitlich aus, um das gesammelte Unwissen der Moderatorin zu dokumentieren, die über ein metronomhaftes Wiederholen ihrer an sich schon falschen Fragestellung sichtbar nicht hinauskam, ein allgemeines Stimmengewirr und eine ausgesuchte Beleidigung vor laufender Kamera. (Der Atheist Philipp Möller meinte, explizit und mehrfach erfragte Äußerungen zum Thema Hölle mit dem Kommentar zusammenfassen zu müssen, es seien schon Menschen für weniger in die Psychiatrie gekommen. Das hab ich von ihm zwar auch nicht anders erwartet, trotzdem bleibt einem bei dieser hingeknüppelten Zurschaustellung dessen, daß er seine Zeit nicht damit verbracht hat, Anstand zu lernen, erst einmal der Mund offen stehen.)

Zugegebenermaßen fand ich auch das Herumeiern der gefragten Mechthild Löhr nicht besonders aufschlußreich. Es klang ungeheuer nach Alice im Wunderland: es ist ein Dogma, daß die Hölle existiert, es ist aber kein Dogma, das irgendjemand drin ist. Die Frage Wills, die da so unablässig wiederholt wurde, war: „Warum brauchen Katholiken die Konstruktion einer Hölle?“

Bei einer solchen Frage könnte ich an sich schon im Zickzack springen, spricht doch Jesus Christus im Evangelium selbst von der Verdammnis. Erlaube, die Hölle ist doch kein römisch-katholisches Sondergut! Ziel dieser Fragestellung ist natürlich, der Zuhörer bemerkt die Absicht (hoffentlich!) und ist verstimmt, die katholische Kirche als eine pöse Institution darzustellen, die ihre Schäfchen mit der Vorstellung der Hölle drangsaliert. Nichtsdestoweniger sind die sogenannten letzten Dinge – Tod, Gericht, Himmel, Hölle und Auferstehung des Fleisches – Teil des christlichen Glaubensguts.

Wir wissen nicht, wer in der Hölle ist oder wer hineinkommt, es wäre vermessen, so etwas über einen Menschen zu sagen. Mir hat an dieser Stelle aber die schlichte Aussage gefehlt, daß der Mensch, und nur er selbst, es in der Hand hat: nur wer sich endgültig von Gott abwendet und all seinem liebevollen Werben um Umkehr trotzt, kann in die Hölle kommen – weil er selbst es so will. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er umkehrt und lebt.

Deine Liebe allein… – zum Fest der hl. Cäcilia


Deine Liebe allein kann das Feuer der Liebe entfachen, deine Gnade allein das gute Wollen erhalten, und allein deine Macht die Beharrlichkeit schenken. Alle Völker hast du mit deiner Gnade beschenkt und aus ihnen die Kinder des Neuen Bundes erwählt, zahllos wie die Sterne des Himmels. Sie sind nicht gezeugt aus dem Blute und nicht aus dem Willen des Fleisches, sondern sie sind geboren aus deinem Geiste. Vielfältig sind die Gaben, die sie aus deiner Fülle empfangen; erhaben ist die Berufung zum jungfräulichen Leben, die du manchen von ihnen gegeben hast. Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe; denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche. Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung, sie verlangt nach dem Leben, das den Engeln eigen ist und sehnt sich nach der Vermählung mit Christus. Er ist der Sohn der jungfräulichen Mutter und der Bräutigam derer, die im Stand der Jungfräulichkeit leben. (aus dem Weihegebet der Kirche bei der Consecratio Virginum)

„Seht den Leib der überaus heiligen Jungfrau Cäcilia,
den ich selbst unverwest im Grabe liegen sah.
Ich schuf aus Marmor das Bildnis dieser Heiligen
in genau derselben Haltung.“
Der Name der hl. Cäcilia ist der erste Stern, der am winterlichen Himmel der jungfräulichen Märtyrinnen aufgeht: Cäcilia, Lucia, Anastasia, Agnes, Agatha. Über Jahrhunderte hinweg wurde ihr Name in jeder hl. Messe der Kirche genannt, und so hoffe ich, daß der Zelebrant heute abend das erste Hochgebet nimmt.

Die Lesung und das Evangelium stellen uns die Berufung der Jungfrauen in der Kirche vor Augen: wachend und betend den Bräutigam erwarten. Sie folgen dem Lamm, wohin es geht und singen zu seiner Herrlichkeit das Lied, das kein anderer singen kann.

Die Marmorstatue Stefano Madernos vor dem Hauptaltar der Kirche Sta. Cecilia in Trastevere zeigt den unverwesten Leib der Heiligen in derselben Haltung, wie der Bildhauer ihn nach der Wiederauffindung der Reliquien 1599 gesehen hat. Der Hals zeigt tiefe Wunden, mehrere Finger sind ausgestreckt und scheinen in ihrem Martyrium auf etwas hinzudeuten: seht, der Bräutigam kommt.

Mittwoch, 21. November 2012

Jerusalem, du starke Stadt – Gedenktag unserer lieben Frau

Darstellung der Jungfrau Maria im Tempel (Tizian, um 1538)
Ich finde die Gloriole und das blaue Kleidchen gar zu schön.
Jerusalem, du starke Stadt, Friede wohne in deinen Mauern – diese Antiphon aus dem Stundengebet ist wohl zu allen Zeiten sehnsüchtig gesungen worden, denn sie ist seit vielen Jahrhunderten nicht nur Lobpreis, sondern auch Fürbitte. Sie ist den Worten des 122. Psalms entnommen: Erbittet für Jerusalem Frieden! Wer dich liebt, sei in dir geborgen. Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit.

Jerusalem ist, wie der Psalmist sagt, das Haus des Herrn, dicht gebaut und fest gefügt. Hier erwirkte uns Christus das Heil, in dem er sein Blut für uns vergoß. Wann wird man von den Mauern Jerusalems sagen können, daß Frieden in ihnen herrsche? Grund genug, es unablässig von Gott zu erbitten und seine Mutter um Fürsprache anzurufen, unsere liebe Frau in Jerusalem, deren Gedenktag wir heute feiern.

Der Gedenktag wird auch Darstellung Mariens im Tempel genannt, ein Gegenstück zur Darstellung des Herrn im Tempel. Von der Darstellung Mariens im Tempel berichtet das Protoevangelium des Jakobus. Maria wurde nicht nur im Tempel „dargestellt“, sie wurde auch selbst zum Tempel, der den Herrn beherbergt, eine Art Tabernakel, wie Jerusalem eine Art Tabernakel unter den Städten war, denn die Stadt war der Wohnsitz des Königs, ein Ort des Lobpreises, zu dem die Stämme hinaufziehen – die Stadt Gottes unter den Menschen. Die lauretanische Litanei nennt Maria darum ein Gefäß, einen Kelch: vas spirituale, vas honorabile, vas insigne devotionis – geistliches Gefäß, ehrwürdiges Gefäß, vortreffliches Gefäß der Andacht.

Dienstag, 20. November 2012

…und den Menschen gleich − Gott und das Leiden in der Welt

Christus als Mann der Schmerzen an der Geißelsäule
(Lukas Cranach d. Ä., 1515)
Auf meinem Blog ist jemand mit der Suchanfrage „Gott sollte wegen des Leidens auf der Erde vor Gericht gestellt werden“ gelandet (gefunden hat der Leser dann schönerweise Meister Eckhart). Gott den Prozeß machen, weil es auf der Welt immer noch soviel Leiden, Dunkelheit, Schuld und Trauer gibt? Gott, dessen Geist wir als Schöpfergeist anrufen: veni, creator spiritus!

Mich macht solche Frage oder Aussage − vielleicht ist es ein Aufschrei − bestürzt und auch traurig. Dazu gäbe es soviel zu sagen, indes ist derjenige ja über eine Suchmaschine gekommen. Angefangen vielleicht beim einfachsten: Gott und das Leiden auf der Welt sind nichts voneinander Getrenntes oder etwas, das man auseinanderdividieren könnte. Als Gott Mensch wurde, hat er selbst schwer gelitten. Nun wäre vielleicht einer in Versuchung, zu sagen, das nützt den Leidenden auf der Welt auch nichts. Die Antwort darauf ist aber: doch! Die Erkenntnis, das Christus aus Liebe zu ihnen Leiden und Sterben auf sich nahm, hat das Leben unzähliger Menschen verändert.

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich; hymnische Zeilen des Apostels an die Gemeinde in Philippi, die im Stundengebet so oft wiederholt − wiedergekäut, wie einige Kirchenlehrer sagen − werden, daß man sie bald verinnerlicht hat und den ganzen Hymnus auswendig kann. (Bei schlechter Sicht am Ambo habe ich ihn einmal auswendig vorgetragen, eigentlich wäre mir nach Singen zumute gewesen, denn der Hymnus gehört zu den Cantica des Stundengebetes.)

Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er selbst dem Menschen gleich wurde, und zwar gerade im Leiden: er war Entrechteter, Gefangener, Leidenender, ein um den Freund Trauernder, Verratener, Gefolterter und zum Tode Verurteilter, von Angst erfüllt und mit einem Leib wie wir: Keine Gestalt hatte er und keine Schönheit, ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut, heißt es an der dritten Kreuzwegstation, wenn Jesus das erste Mal unter dem Kreuz fällt, in Bezug auf eines der Lieder des Propheten Jesaja vom Gottesknecht: Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Das Bild des Leidenden schlechthin. Er wurde geboren, nach dreiunddreißig Jahren gefoltert, hingerichtet und begraben. Was könnte Gott selbst dem Leiden und dem Leidenden näher bringen? Er hat es sich nicht nur ganz aus der Nähe angesehen, er hat es durchlebt.

Blinkesterne im Diskofieber

Noch zum Thema Licht: um Martini herum (jawohl!) gingen in den Arkaden langsam die Lichter an! Zuerst erschienen Legionen von Christbäumen mit Goldkugeln dran, bei denen ich in tiefsinnige Gedanken darüber verfiel, daß ein einzelner Christbaum zur rechten Zeit etwas Erhabenes und Festliches an sich hat, während eine ganze Heerschar von ihnen kurz nach Allerseelen sie entwertet und irgendwie der Lächerlichkeit preiszugeben scheint.

Am Wochenende gingen auch sie nun in Betrieb, die Diskosterne, eine Großversion des guten alten Rixdorfer Blinkesterns. Von letzterem war ich irgendwann so infiltriert, daß ich dachte, nächstens kauf ich mir selber einen. Dann waren sie auf einmal verschwunden, wahrscheinlich out.

Wie letztes Jahr bemerkt, diese Sterne können alle Farben (auch in Kombinationen), wie man sieht, sie spielen Diskomusik und blinken… So machte ich unterm innerlichen Ausrufen von O tempora, o mores! einige Bilder dieser weihnachtlichen Ausgeburt von Saturday night fever und des umliegenden Winterwunderlandes mit seinen Maronenständen und Schneehütten. Das kam übrigens zu einem Ende, als einer der Detektive des Hauses in Begleitung eines Wachmanns auf dem Plan erschien, um mich mit einem Kurzvortrag darüber zu belehren, das Fotografieren im Hause und in allen inliegenden Latifundien sei „aus Sicherheitsgründen“ ver-bo-ten. Die Frage, inwieweit es die Sicherheit gefährdet, wenn ich einen übergroßen Blinkestern fotografiere, konnte nicht geklärt werden, schon weil der Hilfssheriff es selbst nicht wußte. Während seiner durchaus nicht unfreundlichen kleinen Ansprache fotografierten übrigens jede Menge Leute aus den höheren Rängen, klicketiklick.

Grad eben hab ich übrigens noch einige vom ästhetischen Standpunkt aus durchaus hübsche Aufnahmen gemacht (da waren die Sterne grade still, wahrscheinlich haben sie mir deshalb besser gefallen), die reiche ich nach. Wirklich, seit ich weiß, daß es verboten ist, macht das Fotografieren dort viel mehr Spaß!

Montag, 19. November 2012

Sternenstaub und Kometenschweife – die Berliner Gaslaterne

gestern abend: ein Anblick, den es bald
vielleicht schon nicht mehr gibt?
Jens Jessen von der ZEiT hat einen bemerkenswerten und eigentlich poetischen Artikel über die von der Ausrottung bedrohte Berliner Gaslaterne geschrieben. Über eintausend von ihnen wurden allein seit Anfang dieses Jahres abgebaut, ohne daß man sich dessen recht gewahr wurde, nahezu alle sollen es noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode des Senats werden, denn der Berliner Senat will die Gaslaternen aus verschiedenen Epochen bis auf wenige Ausnahmen durch neue und moderne Beleuchtung ersetzten.
Das sanfte Gaslicht, das sich in der Dämmerung mit feinem Sirren einschaltet und im Betrieb von jenem leisen Zischen begleitet wird, das in der Literatur des 19. Jahrhunderts so oft beschrieben wurde, ist der letzte Ausweis der untergegangenen Metropolenkultur Europas. Muß man Berliner sein, um sein Verschwinden als Schaden für das Stadtbild, als Heimatverlust, als letzte brutale Modernisierung im Geiste einer technokratischen Zukunft zu empfinden? Schneeflocken, wenn sie im Gaslicht tanzen, verwandeln sich in goldenen Sternenstaub, Regentropfen bekommen einen Kometenschweif. Und die banalen Fassaden, denen Krieg und Nachkrieg den Schmuck geraubt haben, gewinnen noch einmal die Illusion von Pilastern, steinernen Girlanden und Karyatiden. Als Kind konnte man sich den Spaß machen, mit dem Fuß gegen den Laternenmast zu treten; die Erschütterung löschte die Flamme. Es war etwas Verletzliches und Lebendiges um das Gaslicht, das dem nächtlichen Flaneur das Gefühl gab, er sei nicht allein.

Das Barbarische an dem Technokratenbeschluß besteht in der Meinung, es gehe im Leben um Funktionalität allein. Im öffentlichen wie im privaten Leben geht es aber nicht darum, daß alles so perfekt und billig, so wartungsarm und schadstoffrei wie möglich funktioniert. Ein solches Leben ist kein menschliches Leben. Der Mensch selbst ist nicht perfekt, nicht billig, nicht wartungsarm und auch nicht schadstoffrei – und seine Stadt muß es auch nicht sein. Die Stadt muß ihm Heimat geben.
Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Wirklich, ich verstehe den Berliner Senat immer weniger, und zu Recht nennt Jessen die Beschließer Barbaren.

An den wunderschönen Gaslaternen mit ihrem warmen gelben Licht wie dem Sternenstaub und den Kometenschweifen kann ich mich immer wieder freuen. Überhaupt sehe ich die Tendenz nach immer mehr und immer härterem weißen Licht mit einer gewissen Besorgnis. Es macht schöne Orte häßlich und häßliche Orte jedenfalls nicht schöner: an manchem U-Bahnhof hat man neuerdings das Gefühl, man wäre unversehens in der Schlachterei oder der Margarinefabrik herausgekommen. Hartes Licht, soviel ist durch die Forschung nachgewiesen, macht aggressiver, zudem fördert es Krankheitssymptome wie die Neigung zu Migräne oder Panikattacken. Was das nicht nur für eine Großstadt bedeutet, kann man sich ausrechnen. Anstatt also die Umgebung zunehmend zu verhäßlichen, sollte man daher lieber etwas dafür tun, sie durch weichere Beleuchtung zu verschönern.

Wenn altehrwürdige Gaslaternen etwa womöglich durch solch scheußliche Lichtstäbe ersetzt werden wie am Bebelplatz geschehen (das müssen die häßlichsten „Laternen“ unter der Sonne sein), dann gute Nacht! In neuen Straßenlaternen steckt aber für einige das große Geld, worauf ein weiterer Artikel der ZEiT den Finger legt. Für neue Laternen werden Millionen Euronen ausgegeben. Das heißt, es entsteht noch nicht einmal eine Ersparnis (im Gegentum), das Geld wird nur anders kanalisiert – den Schaden haben die Berliner. Nicht schön.

Gut gefallen hat mir die kreative Aktion, mit der vor nicht allzulanger Zeit der Baumbestand am Gendarmenmarkt gerettet wurde: eine Bürgerinitiative gab den Bäumen einfach Namen und hängte ihnen Holzschilder um (witzigerweise waren die meisten Bäume nach katholischen Heiligen und Kirchenvätern benannt: Chrysostomus, Hyacinth, Perpetua, Johannes Evangelista). Resultat: die Bäume bleiben stehen. Eine Möglichkeit, auch für den Erhalt der geliebten Gasleuchten zu kämpfen, bevor heimlich, still und leise das schöne und im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbare Licht ausgeht?

Sonntag, 18. November 2012

Jetzt wirds endzeitlich!

Die Liturgie der letzten beiden Wochen im Jahreskreis liebe ich sehr. Mit der ersten Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis aus dem Buch Daniel wendet sich die Liturgie am Ende des Kirchenjahres unmittelbar der Betrachtung des Endes aller Dinge und dem aller Zeiten zu – Tod, Gericht, Himmel und Hölle – und bereitet uns zugleich für den Advent.

 Das Gleichnis mit dem Feigenbaum im Tagesevangelium hat mich sehr angesprochen: was für ein schönes Bild! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.

Vielleicht empfinde ich das in meiner Berufung besonders intensiv: als geweihte Jungfrau versuche ich, ein kleines Stück Endzeit in dieser Welt zu leben, einer Zeit, in der die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein werden wie die Engel. Das Weihegebet spricht von Gütern der kommenden Herrlichkeit, die den Jungfrauen schon jetzt geschenkt sind: denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel.

 Anteil zu haben an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel, ist äußerst ein erhabenes Ziel (weshalb ich oben „versuchen“ geschrieben hatte) und zugleich sehr real, wie es ein Leib nun einmal ist. Die Kirche spricht hier von einem Zeichen: ein Zeichen ist etwas Stoffliches, sinnlich Erfahrbares. Mit dem grünenden Feigenbaum stellt sie uns ein Bild des Lebens und der Fülle vor Augen und mahnt uns – mit Blick auf unsere Berufung – unsere Lampen in Gang zu halten (ist noch genug Öl drin?), denn eines Tages wird es Sommer und der Bräutigam kommt.

Samstag, 17. November 2012

Snakes & Ladders

Und das ist die Information der Berliner Verkehrsbetriebe über die Streckenunterbrechungen und Fahrplanänderungen dieses Wochenendes und der nächsten Tage – ach nein, ich hab da was verwechselt…

Das irre ist, die U-Bahn, die man als Umfahrung für den Südring nehmen könnte, fährt bis Montag auch nicht – das wird interessant! Freitag abend hab ich einige Zeit damit zugebracht, mir einige Dreiecke und andere, einigermaßen unregelmäßig geformte Polygone auszutüfteln, um den Ersatzverkehr zu ersetzen (von Stadtmitte über Alexanderplatz nach Rixdorf) und vorhin bin ich aus Versehen auch noch in die falsche Richtung gefahren. Definitiv Schlangen!

Hier die S-Bahn (die ölfdrölfzig U-Bahn-Baustellen
müßte man eigentlich drüberprojizieren)
…und hier zum Vergleich nochmal Schlangen und Leitern.

Freitag, 16. November 2012

Der Rosenkranz im Rucksack


Rosenkranz und Pilgerzeichen fragt, Wie schön oder kostbar darf ein Rosenkranz sein?, und bedauert, daß schöne und aufwendig gearbeitete[1] Rosenkränze aus dem Alltagsgebrauch verschwunden scheinen. Hmm. Gewiß, manche Rosenkränze finde ich wunderschön und für geriffelte oder geschliffene Perlen und geschnitzte Elfenbeinrosen konnte ich mich schon als Kind begeistern (bei Schmuck, denn als Kind kannte ich kaum einen, der einen Rosenkranz hatte).

Und doch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für den einfachen Rosenkranz brechen. Was nicht heißt, daß dieser auch billig oder scheußlich aussehen muß. Olivenholzrosenkränze sind robust und erschwinglich. Sie sind schlicht, aus einem schnell nachwachsenden Rohstoff und liegen gut in der Hand (Holz ist warm). Vielleicht lerne ich in diesem Leben auch noch mal, die Perle wirklich immer weiterzuschieben, um nicht unversehens in einem Gesätz mit zwölf oder vierzehn Ave Maria herauszukommen.

Ein Rosenkranz ist doch aber in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand. Als solcher muß er es etwa aushalten können, daß ich ihn in der Seitentasche meines Rucksacks mit mir herumtrage. Das kann ein (auch noch potthäßlicher) Plastikrosenkranz auf Dauer nicht leisten, aber auch dem schönen Rosenkranz aus Edelstein, Koralle oder Elfenbein würde ich es nicht zumuten wollen.

Den vom Heiligen Stuhl geschenkten und vom Papst gesegneten Rosenkranz legt man hingegen am besten in Dankbarkeit als Erinnerungsstück beiseite, da er es nicht aushält, wenn man dauernd mit ihm betet (ein Auto, das nicht fährt…) Für den Heiligen Vater beten wir trotzdem! ;)

Fazit: ein Rosenkranz braucht nicht kostbar zu sein, man soll ihn für das verwenden können, wozu er gebraucht wird. Genausogut könnte man meiner bescheidenen Meinung nach bedauern, daß das Stundenbuch heutzutage Massenware sei, früher gab es viel schönere und kostbarere Ausgaben, mit Malereien und goldenen Illuminationen. Die Antwort ist womöglich: Stundenbücher und Rosenkränze für alle! (Womit den schönen Handschriften und Rosenkränzen aus alter Zeit nichts von ihrem ästhetischen Wert genommen ist. Sie sind nur einfach ihrer Natur nach wohl nicht „für alle“ gedacht gewesen, vielleicht nicht einmal „für viele“.) Thomas Merton schreibt über seine ersten Schritte als Konvertit mit dem Rosenkranz:
Unterem Deckbett faltete ich ruhig die Hände, den Rosenkranz zwischen den Fingern. Es war der Rosenkranz, den mir John Paul an Weihnachten schenkt hatte. Da er keinen Unterschied sah zwischen den verschiedenen Arten von Rosenkränzen, hatte er sich in einem frommen Laden betrügen lassen und einen gekauft, der zwar schön aussah, aber innert einem halben Jahr zerbrach. Er gehörte zu jenen, welche mehr zum Anschauen als zur Benützung verfertigt schienen. Aber die Zuneigung mir gegenüber, die er versinnbildete, war so stark wie der Rosenkranz schwach. Und solange er hielt, benützte ich ihn lieber als denjenigen aus starken, billigen, schwarzen Holzperlen, der für Arbeiter und irische Waschfrauen geschaffen war, und den ich während der Mission für fünfundzwanzig Cents in der Unterkirche des Corpus Christi gekauft hatte.
____
[1] Eher würde ich mich heute schon fragen, darf oder sollte ich soviel Geld für einen Rosenkranz ausgeben, wenn ich für das gleiche Geld ein Paar ordentliche Schuhe kaufen könnte? Das muß aber jeder selber wissen und ich berufe mich an dieser Stelle einfach mal auf die Armut.

Blattwerk (Vanitas)



Rauhreif ist einfach schön
…vorgestern…
…und das war er nun, heute morgen im Hof – der erste Schnee!

Donnerstag, 15. November 2012

…die Erde ist voll von deinen Geschöpfen


In der Kunst des Schöpfers offenbart sich seine Art zu schaffen − der heutige Tagesheilige, Albertus Magnus, hat das gesagt. Dieser samtige braune Schmetterling ist jedenfalls ganz wunderbar.

Blickwechsel


Das war irgendwie ein drolliger Blinkwinkel: ich schaue hinauf, die heilige Gesellschaft oben schaut hinunter. (Die beiden Putten, die da so neckisch die S halten, sind mir als Blindfisch noch nie so wirklich aufgefallen).

Allerseelen des Karmels

Da gestern Allerheiligen des Karmels war, ist heute Ordensallerseelen. An diesem Tag gedenkt der Orden im Gebet aller verstorbenen Brüder und Schwestern der karmelitanischen Familie, die noch nicht in der Anschauung Gottes sind und empfiehlt sie seinem Erbarmen. Eine schöne Möglichkeit, vor allem für die Träger des braunen Skapuliers, besonder für die Seelen der Karmelitinnen und Karmeliten beten, die wir gekannt haben.

Eine anrührende Fürbitte wirft zugleich auch ein Licht darauf, wobei es beim Allerseelengedenken auch geht: das Gewahrwerden der eigenen Vergänglichkeit, daß auch wir einmal dort sein werden, wo sie jetzt sind: Erbarme dich aller, die hier versammelt sind, besonders dessen, den du als nächsten vor dein Angesicht rufen wirst.  Wer kann wissen, wer als nächster vor sein Angesicht gerufen wird, vielleicht ist man es selbst und ist dankbar für das Gebet.
Herr, du bist die Herrlichkeit derer, die dir dienen.
Schaue gütig auf unsere heimgegangenen Brüder und Schwestern,
die die im Dienste Christi und seiner Mutter vereint sind,
durch die Wasser der Taufe und das Band des Karmels.
In deiner Gnade gewähre ihnen die ewige Anschauung
ihres Schöpfers und Erlösers.


Mittwoch, 14. November 2012

Obst (2)


Diese Waage ist nichts für Leute, die weder lesen noch Deutsch können: das ist eine Kirsche, ihr Pflaumen!

Allerheiligen des Karmels

Blick auf den Berg Karmel
Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmels und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes. (Jes 35, 1-2)
salbeiblättriger Zystus –
eine Pflanze, die auf nährstoffarmen gebirgigen Böden wächst
Heute ist Allerheiligen des Karmels, ein Fest, das der Orden seit 1672 feiert. Wieviele Blüten hat die Pracht des Karmels hervorgebracht! Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes, verkündet Jesaja, und er hat völlig recht: im Wirken seiner Heiligen wird Gott selbst verherrlicht. – All ihr Heiligen des Karmels, bittet für uns!

Dienstag, 13. November 2012

Schönes zwischendurch…


…wenn man den Meßkelch einmal umdreht (der Kelch, der sonst verwendet wird, war zur Reparatur, ich wünschte, man hätte ihn auch aufgearbeitet). Hier sind von der Primiz am Fest Mariä Lichtmeß 1930 bis zum silbernen Priesterjubliläum Daten und Inschriften zu finden. Der elfenbeinerne Knauf im Kelchfuß trägt auf drei Seiten die Inschrift Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, auf der vierten ist ein Bildnis der Gottesmutter mit Kind.

Sonntag, 11. November 2012

Die Opfergabe

Prudentes virgines, aptate lampades vestras 
(Eröffungsantiphon der Liturgie der Jungfrauenweihe)
Gestern hab ich mit einem kleinen Mädchen ministriert. Anlaß war eine Erwachsenenfirmung in der Kathedrale, bei der auch Ministranten aus der Pfarrei dienten, aus der die Firmlinge kamen. Nun kann man Kindern natürlich nicht das zentnerschwere Prozessionskreuz der Kathedrale zum Tragen geben; wenn es ganz kleine sind, nicht einmal die Leuchter: unsere sind groß, glattsilbern und verjüngen sich nach oben. Auch ist es gut, wenn bei einem Dienst, der paarweise versehen wird, nach Möglichkeit immer einer von beiden sich vor Ort gut auskennt, daher die Mischung.

Bei der kleinen Ministrantin war mir am Dienstag abend, als sie schon mal zur Vorbesprechung da war und wir ein Minichorhemd in ihrer Größe gesucht haben, schon aufgefallen, daß sie eine sehr schöne und fromme Kniebeuge gemacht hat, und sie war auch ganz begeistert bei ihrem Dienst. Wenn kleine Menschen dienen – zu denen unter Umständen manchmal auch ich gehöre –, ist es drollig, wenn sie die Dinge hoch über den Kopf halten müssen, um auf eine passende Höhe zu kommen. Die kleine Ministrantin hat das Handtuchproblem bei der Händewaschung aber dadurch gelöst, daß sie das Tuch quer hielt, und der Weihbischof hat sich von der Länge her etwas zusammengefaltet. So ein Pontifikalamt ist für ein so junges Kind allerdings doch etwas lang, zumal, wenn 71 Leute gefirmt werden und man dabei erst ganz zum Schluß etwas zu tun hat (die Händewaschung mit Salz und Wasser nach der Firmspendung). Und so zwitscherte sie mir, als wir auf der steinernen Brüstung hinter der Altarinsel saßen, etwas vor, wie ein kleiner schwarz-weißer Vogel. Hauptsächlich über die Stöckelschuhe der Firmandinnen und Firmpatinnen, aber auch, daß nicht alle Frauen Stöckelschuhe tragen, gleich kommt ihre Schwester, guck mal, da drüben, die mit dem türkisen Oberteil, ihre Schwester ist ganz süß und unser Marmorboden aber schön! Zwischendurch hat sie sich aus meinem Xangbuch noch zwei orthodoxe Christusbildchen ausgesucht, die ihr gefielen. Da kannst du lange suchen, bis du nochmal eine kleine Meßdienerin findest, die sich Christusbildchen wünscht.[1]

Bei allem Spaß, den ich auch hatte, war ich zwischendurch einmal fast den Tränen nahe – ist das ein süßes kleines Mädchen, und so eins werd ich nie haben! Meine kleine Nichte mit der ich spazierenging, und wie wir auf Zehenspitzen an der Garage des Nachbarn vorbeigegangen sind, weil der Plastikspielzeugbagger drinnen schon schlief. Die winzige Tochter einer Freundin, die ich mit einer Windel über der Schulter stundenlang halten und herumtragen durfte. Die kleinen Jungs aus dem Haus, in dem ich vorher gewohnt hab, die eigens erschienen sind und eine feierliche Erklärung abgaben, wie schade sie es finden, daß ich ausziehe – das sind schöne Erlebnisse, die man mit Kindern haben kann, und doch ist es niemals das eigene.

Mit diesem Wunsch nach einem eigenen süßen kleinen Mädchen, das von Stöckelschuhen und schlafenden Baggern erzählt,  kann man wahrscheinlich nur das tun, was man aufopfern nennt. Es schmerzt nicht immer so unmittelbar und doch bleibt es ein Opfer. Es wäre noch nicht zu spät für ein Kind. Aber beides zusammen geht nun mal nicht (außer, man ist die Jungfrau Maria) und die Sehnsucht nach dem anderen Weg war immer stärker. Ich wußte schon als ganz junge Frau, daß ich mich an Christus binden wollte, da war ich mir auch immer sicher. Das ist sicherlich eine Gnade, andere mußten da viel länger und schmerzlicher mit ihrer Berufung ringen. Das Opfer bleibt und wird wahrscheinlich immer bleiben. Es ist etwas, das mit mir in der Niederwerfung vor dem Altar bei der Allerheiligenlitanei auf dem Boden der Kathedrale gelegen hat.

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[1] ich war etwas erleichtert, daß sie nicht mein Lieblingsosterbildchen genommen hat, das ebenfalls einen ikonenhaften Auferstandenen zeigt.

Samstag, 10. November 2012

Wir haben einander so sehr geliebt – sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit

Am 30. Oktober 1906 drückte eine junge Karmelitin auf der Krankenstation des Karmels von Dijon-Flavignerot ihr Profeßkreuz ans Herz, mit den Worten: „Wir haben einander so sehr geliebt.“ Am Abend dieses Tages verfiel sie in Krämpfe, am Allerheiligenfest empfing sie die Kommunion ein letztes Mal. Der Konvent versammelte sich an ihrem Bett und sie bat jede von ihnen mit bewegenden Worten um Verzeihung für das, was sie ihnen möglicherweise an Unrecht zugefügt hatte, ebenso vergab auch sie ihren Mitschwestern alles etwa Erlittene.

Am Morgen des 9. Novembers 1906 vollendete sich das, was ihre Priorin „einen wahren Aufstieg zum Kalvarienberg“ genannt hatte: Sr. Elisabeth von der Trinität gab in den frühen Morgenstunden, um 6:15 Uhr, ihre Seele Gott zurück.

Vor wenigen Wochen, im September dieses Jahres, wurden, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Ergebnisse der Untersuchung einer Kommission an die Kongregation für die Heiligsprechung abgesandt. Mehr als ein Jahr hatte die Kommission in Belgien die Heilung von Marie-Paule Stevens untersucht, einer Frau, die angesichts des bevorstehenden Todes 2002 nach Flavignerot gepilgert war, um der sel. Elisabeth für alle ihre Hilfe in ihrer Krankheit, dem Sjögren-Syndrom, zu danken. Während der Erkrankung der Religionslehrerin aus Malmedy in Belgien hatten viele Menschen in Novenen die sel. Elisabeth in diesem Anliegen angerufen. Am 2. April 2002, nach dem Gebet in der Kapelle des Karmels fühlte Marie-Paule Stevens, auf einem Stein am Rande des Parkplatzes vor dem Kloster sitzend, sich plötzlich vollkommen gesund und ist es seitdem. Mehr als vierzig Zeugen wurden vernommen, die sich sämtlich sehr berührt von dem Erlebten und vom Zeugnis der sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit zeigten.

Als Kind war Elisabeth Cadez von heftigem Temperament (heute würden wir dasselbe vielleicht „gesundes Selbstvertrauen“ nennen) – ein bißchen sieht man das auch am Gesicht des Kindes. Als für einen Gemeindeabend ihre Puppe verborgt wurde, ohne daß sie davon wußte, stand sie mitten in der Vorführung auf und verlangte mit dem Ausruf: „Du böser Priester, gib mir meine Jeanette zurück!“ ihre Puppe wieder.

Mit elf Jahren empfing Elisabeth ihre erste heilige Kommunion, mit vierzehn versprach sie sich bei einer Wallfahrt Christus für immer und gelobte ewige Jungfräulichkeit:
Wir sagten uns nichts, aber wir haben uns aneinander verschenkt und liebten uns so sehr, daß der Entschluß, ihm ganz zu gehören, in mir noch endgültiger wurde.
Im Alter von 21 Jahren trat Elisabeth Cadez 1901 in den Karmel von Dijon ein, der für fünf kurze Jahre ihr Zuhause werden sollte. Nur zwei Jahre nach der ewigen Profeß erkrankte Sr. Elisabeth von der Dreifaltigkeit an Morbus Addison, einer Unterfunktion der Niere, die unbehandelt den ganzen Organismus angreift und damals unheilbar war. In den letzten Monaten ihres Lebens schien sie von der Krankheit ganz aufgezehrt zu werden, gegen Ende zu wog sie fast gar nichts mehr. Am Tag ihres Todes hatte sie seit einer Woche außer der Wegzehrung keine Nahrung mehr zu sich genommen. Trotzdem bat sie in ihrer Krankheit Gott nicht um die Linderung ihrer Schmerzen, sondern darum, er möge ihre Kraft steigern, sie zu ertragen:
Ich spüre, wie der Tod mich zerstört. Würde ich dabei stehenbleiben, wäre nur Verzagtheit in mir. Rasch öffne ich das Auge meiner Seele im Glauben und weiß, daß es die Liebe ist, die mich allmählich verzehrt.
Elisabeth von der Trinität ist eine jener Heiligen, die einen ermutigen können, selbst heilig werden zu wollen oder zu sein. Nichts an den Umständen ihres Lebens und Sterbens war außergewöhnlich. Und doch glich ihr Leben einer Flamme, die sich für Christus verzehrt, führte sie zum Lieben, zum Leuchten, zum Leben, wie sie es sich gewünscht hatte, es waren ihre letzten Worte.
Wie mir scheint, wird meine Sendung im Himmel darin bestehen, Seelen anzuziehen und ihnen zu helfen, Gott anzuhangen durch eine ganz einfache Regung der Liebe. Ich will sie bewahren in dem großen inneren Schweigen, in dem Gott sich in ihr Inneres einprägen und sie in sich selbst umwandeln kann.

Freitag, 9. November 2012

Wo das ganze Jahr über Weihnachten ist…

Zum Fest der Weihe der Lateranbasilika hatten wir statt des erwarteten Schnelldurchlaufs (der Rekord desjenigen steht auf zweiundzwanzig Minuten für eine Messe mit Predigt und Spendung einer Segnung. Danach hatte ich als Meßdienerin ein leichtes Schwindelgefühl) einen polnischen Herz-Jesu-Priester, der wesentlich bedächtiger „zu Werke“ ging. Das war wirklich schön. Zur Danksagung nach der heiligen Kommunion inprovisierte dann der Organist über ein Thema, das zuerst ein wenig klang wie Lobt Gott, ihr Christen alle gleich  (war es dann aber doch nicht). Jedenfalls gingen meine Gedanken auf Wanderschaft hin zu diesem Lobgesang, indem mir durch den Sinn ging, daß man das tatsächlich zur jeder heiligen Kommunion singen könnte, denn es trifft auf jede Begegnung mit dem sakramentalen Christus zu:
Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich
in seinem höchsten Thron,
der heut schleußt auf sein Himmelreich
und schenkt uns seinen Sohn.

____
PS: Wenn mir gelegentlich jemand erklären könnte, wieso es das, was man gemeinhin „Luthers fröhlichen Tausch“ nennt, nicht ins Gotteslob geschafft hat, wäre ich dankbar. Ist das die Sehnsucht des GLs nach Liedern mit nur drei oder vier Strophen? An sich kann ich in Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein! nichts finden, was nicht auch Katholiken singen könnten.
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