Mittwoch, 31. Oktober 2012

Der goldene Kürbis des Tages…

…geht übrigens an den Ratspräsidenten der EKD, Präses Nikolaus Schneider, der gestern auf die Frage der dpa, ob Halloween den Reformationstag verdränge, äußerte:
So sind die Entwicklungen. Ich sehe das relativ gelassen. Halloween ist eine Tradition aus den Vereinigten Staaten. In einer sich immer weiter globalisierenden Welt greifen Traditionen ineinander und wachsen auch zusammen. Insofern wird diese Tradition auch in unserem Land von vielen übernommen. Es bleibt unsere Aufgabe, deutlich zu machen, warum wir den Reformationstag weiter feiern. Die Erfahrung zeigt, daß die Fragen der Menschen, wer sie eigentlich sind und was ihrem Leben Sinn und Halt gibt, wieder stärker werden.
Versteht einer diese Aussage so recht? Ich hab sie schon gestern nicht verstanden, dachte aber, das läge womöglich an einer ungünstigen Raffung der Aussage durch das meldende Medium. Was hat denn die Frage, woher kommen wir und wohin gehen wir, mithin die Frage nach dem Sinn des Lebens, mit dem Reformationstag zu tun? Richtig, gar nichts. Hat Martin Luther die Welt erlöst?
Wozu sind wir auf Erden? –
Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihm in Liebe und Treue zu dienen und so zum ewigen Leben zu gelangen. [1]
Also manchmal denke ich, die verstehen ihren eigenen Glauben nicht oder sie können ihn nicht erklären.

Zum anderen natürlich ist der All hallows eve keine Tradition aus den Vereinigten Staaten, da braucht man nur ans württembergische Schnitzen von „Goischtle“ aus Angersche (Fütterrüben) zu denken, ein altes Brauchtum, das sich mittlerweile allerdings insofern mit Halloween etwas zu vermischen beginnt, als daß seltener Futterrüben angebaut werden und diese auch viel schwerer zu schnitzen sind als Kürbisse. Darauf einen Kürbis!

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[1] (aus dem Katechismus, blinzel-blinzel)

Station unserer lieben Frau von Tschenstochau in Berlin

Etwas weniger „verrußt“ sah es schon aus als das Gnadenbild in Jasna Góra, das Bild unserer lieben Frau von Tschenstochau gestern abend in der Kathedrale, nichtsdestoweniger eine geweihte Ikone und als solche eine Verbindung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. In der gut gefüllten Hedwigskathedrale haben wir gestern die Heilige Messe mit diesem Bildnis gefeiert. Schaut man sich die ungeheure Strecke an, die das Gnadenbild unserer lieben Frau zurücklegt, kann man schon ins Staunen geraten – in vierundzwanzig Länder soll es kommen.

Das gab am Rande Anlaß zu Betrachtungen, warum man von mancher Aktion oder Pilgerfahrt im Vorfeld vergleichsweise wenig oder gar nichts hört, weil es kaum bekannt gemacht wird, und wo die Prioritäten dabei manches Mal gesetzt werden? Ein ökumenisches Tralala kriegt eine eigene Pressemitteilung, ein echter Anlaß des gemeinsamen Gebets im Jahr des Glaubens wird mit einem brotigen „Die Ikone wird während der hl. Messe um 18 Uhr ausgestellt“ abgehandelt. Irgendwie dachte ich, das heißt „besteht die Gelegenheit zur Verehrung“ oder so ähnlich, die Liturgie der Kirche ist ja schließlich keine Ausstellung im Museum. Die Gelegenheit der Verehrung bot mir übrigens auch Stoff zum Meditieren darüber, was etwa „entsteht“, wenn man mit seinem Rosenkranz eine Ikone berührt? (Bei Berührung einer Reliquie hätte man dann eine mittelbare Berührungsreliquie, soviel hab ich gelernt.) Anyway, ich habs jedenfalls gemacht, andere auch. Anschließend das Kreuz des Rosenkranzes küssen, wieder was gelernt.

Vor der Messe war es noch etwas bewegt, weil eigenartigerweise zuerst grün als liturgische Farbe gewünscht wurde (hä?) und dann, eine Viertelstunde vorher, dann doch weiß und mit den Eigenformularen der Marienmessen (ich habe gar nicht gewußt, daß wir dafür auch ein hellblaues Meßbuch und ein hellblaues Lektionar haben). Aber wir sind natürlich flexibel und stecken in letzter Minute auch kryptisch zu lesende Liedertafeln auf. Als „falscher Freund“ entpuppte sich dabei das Wunderschön prächtige vom Liedblatt, das auf eine doch etwas andere Melodie gesungen wird als sie bei uns im Gotteslob steht. Der Organist orgelte unbeirrt seins und die Altarinsel sang ihrs, die Gemeinde staunte. Schließlich hab ichs gemacht wie der Ministrant gegenüber, der mit schallender Stimme unsere Version sang. Daß die Gemeinde nach dem Kyrie und noch vor dem Tagesgebet ein längeres Grußwort eines Laien im Stehen anhören mußte als sei es das Evangelium fand ich liturgisch etwas ungünstig, womöglich war das aber ein Versehen.

Nach der Heiligen Messe haben wir noch den Rosenkranz vor dem Gnadenbild beten können, der Zelebrant selbst hat schönerweise im Chormantel vorgebetet und -gesungen. Mit dem schmerzhaften Rosenkranz konnte man an dieser Stelle einmal ein wenig ernst machen, da viele auf dem Steinboden und den Treppenstufen zur Unterkirche knieten. Vielleicht wars grade deshalb schön. Begrüßt und verabschiedet haben wir das Gnadenbild mit dem schönen Gruß des Salve Regina, bevor es dann in die polnische Mission zur Johannesbasilika weiterzog, wo die ganze Nacht Anbetung war.


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Mit den Aufnahmen war etwas schwierig, schon weil ich ungern betende Menschen stören möchte. 

Dienstag, 30. Oktober 2012

Abschluß des Marienmonats – Besuch unserer lieben Frau von Tschenstochau

Zum Abschluß des Marienmonats – morgen zur Vesperzeit ist  ja liturgisch schon Allerheiligen – kommt heute abend zur Feier der Heiligen Messe das Gnadenbild unserer lieben Frau von Tschenstochau in die Hedwigskathedrale (eine schwarze Madonna zur anderen…)

Dieses Gnadenbild, das besser unter dem Namen „die Schwarze Madonna von Tschenstochau“[1] bekannt ist, befindet sich derzeit auf einer Pilgerreise von Ozean zu Ozean, die dem Anliegen des Lebensschutzes gewidmet ist. Mit dieser Pilgerreise soll in einer „Kultur des Todes“ ein weiteres friedliches und gewaltloses Zeichen für den Schutz des Lebens gesetzt werden. Unsere liebe Frau von Tschenstochau ist im Juni in Rußland aufgebrochen und reist von Deutschland aus weiter nach England und Irland, Frankreich, Spanien und zuletzt nach Portugal – ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis an die Enden der Erde.

Auf dieser Ikone unserer lieben Frau hält die rechte Hand der Gottesmutter nicht nur den Erlöser, sie scheint auch auf ihn hinzuweisen. Ikonen dieses Typs nennt man Hodigitria, die den Weg weist, zu Christus und zum Heil. Die Heilige Messe mit dem Empfang und der Verehrung des Gnadenbildes wird um 18 Uhr gefeiert.

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[1] Wer sich wundert, wie sie im Tschenstochau so lange ohne unsere liebe Frau zurechtkommen: es ist nicht das Original. Trotzdem eine schöne Aktion.

Montag, 29. Oktober 2012

Der letzte Mohikaner – zum Tode von Russell Means

Gerade habe ich durch Zufall gelesen, daß vor ein paar Tagen, am 22. Oktober, Russell Means gestorben ist. Grad (buchstäblich) hab ich ihn noch im Fernsehen gesehen, in einer Wiederholung der total nett anzusehenden Dokumentation über „Hollywood-Indianer“, nun wird es keinen weiteren Film mit ihm geben.

Means mochte ich von seinem ersten Film The last of the Mohicans an sehr gern, dabei ist er erst einigermaßen spät zur Schauspielerei gekommen. Bevor ihn Michael Mann für die Rolle des Chingachgook, also des letzten Mohikaners, engagierte, hatte sich Means mehrmals an auch international aufsehenerregenden Aktionen amerikanischer Ureinwohner beteiligt, etwa der Besetzung von Wounded Knee 1973, einem Ort, der Schauplatz eines Massakers an den Lakota war; meines Wissens war er auch dabei, als Native Americans mal eben für fast ein Jahr das aufgegebene Alcatraz besetzten, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen. In Wounded Knee, wo Means einer der beiden Verhandlungsführer war, riefen die Aktivisten während einer Belagerung einen unabhängigen Staat (der Oglala, zu denen auch Russell Means gehörte) aus, sie mußten allerdings nach mehr einundsiebzig Tagen Belagerung aufgeben. Beide Belagerungen, die von Alcatraz und die von Wounded Knee, gingen gewaltsam zu Ende − Dinge, von denen hier man selten einmal etwas hört oder liest, die Russell Means aber, wie die die Los Angeles Times einmal schrieb, neben Sitting Bull und Crazy Horse zum wohl bekanntesten American Indian machten.
Russel Means mit einem brillianten Wes Studi (als Magua) in
Last of the Mohicans

In mehr als dreißig Filmen hat Russell Means nach The last of the Mohicans mitgespielt, ein Aktivist und Visionär, der auch auf diese Weise dazu beitrug, das Bild des „Hollywod-Indianers“ und damit in gewisser Weise das des Native Americans überhaupt, zu differenzieren und zu verändern, indem er das System von innen heraus zu verändern suchte.

Zerbrechliche Gefäße

Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2 Kor 4,7)
Im alten Japan war es gebräuchlich, den Sprung eines Gefäßes mit einer mit Blattgold versetzten Masse aufzufüllen – eine Technik, die man Kintsugi nennt. Die Japaner waren der Ansicht, daß die Schäden, die etwas im Laufe seiner Geschichte erlitten hatte, den Gegenstand schöner machten. (Ich wünschte, ich hätte das mit dem schönen alten Glas auch machen können, das mir gestern förmlich aus der Hand gesprungen ist).

So erscheint gerade das, was eigentlich einmal ein Mangel war, in den Augen des Betrachters besonders schön und einzigartig. Vielleicht ist es das, was Christus der einzelnen Seele tut.

Samstag, 27. Oktober 2012

Always look at the bright side – David Hockney in Köln

David Hockneys märchenhafte und knallbunte Landschaften scheinen einen Abstecher nach Köln wert. Gerade ist mir aufgefallen, daß er in Anlehnung an einen französischen Maler des Barocks, Claude Lorrain, in diesem Stil auch mehrere Bilder von der Bergpredigt gemalt hat – die Szene schien gar so vertraut. Interessant ist, daß das Bild auch eine geographische Ausgabe des Landes, in dem der Herr wirkte, im Kleinformat darstellt – rechts der Libanon und der See von Tiberias, links das Tote Meer und der Jordan. (Ob ich mich mit dem zinnoberroten Berg der zweiten Bergpredigt anfreunden kann, weiß ich noch nicht so recht). – Die Ausstellung A bigger picture ist seit gestern im Museum Ludwig zu sehen (noch bis nach Lichtmeß).


Road across the worlds, 1997
Winter timber, 2009
The big hawthorn, 2008
…und noch eine Bergpredigt
Garrowby hill, 1998

Wie die Gottesmutter nach Ostberlin kam

„Die schwarze Madonna“ von Berlin
Zu dieser Mondsichelmadonna in der Hedwigskathedrale gibt es eine etwas abenteuerliche Geschichte, denn die Gottesmutter kam seinerzeit sozusagen im Wege des illegalen Grenzübertritts herüber. Julius Kardinal Döpfner, dem seinerzeit von den Machthabern in Einreise in die Ostzone verwehrt und der in der Folge dann zum Erzbischof von München erhoben wurde, hat sie der Kathedrale geschenkt.

Der Einreise der Madonna stand allerdings dasselbe Hindernis entgegen, man beliebte, die Kirche zu triezen und verweigerte unter bürokratischem Vorwänden den Transport der Statue nach Ostberlin. Alfred Kardinal Bengsch jedoch wußte sich zu helfen: er war mit dem Stadtkommandanten des amerikanischen Sektors befreundet, und dieser veranlaßte, daß die Madonna, eingewickelt in Militärdecken und auf einem Armeelaster, in einer Nacht- und Nebelaktion über den Checkpoint Charlie nach Ostberlin kam, denn die Fahrzeuge der Besatzungsmächte durften nicht kontrolliert werden.

An ihren jetzigen Standort in der Oberkirche der Kathedrale konnte die Madonna noch nicht gleich, denn wie hätte man dieses plötzliche Erscheinen erklären sollen? So nahm sie erst einmal in der Pfarrwohnung Quartier, später dann im Erzbischöflichen Ordinariat. Mittlerweile wurden die zuvor als ungenügend zurückgewiesenen Transportpapiere von der DDR auf einmal doch noch abgesegnet. Nun konnte die Madonna in die Kathedrale übersiedeln, man hatte aber das Problem: was transportieren wir denn jetzt, die Statue ist ja schon da? Schließlich reiste eine Antoniusstatue mit den Papieren der Gottesmutter. Die Grenzer haben zwar etwas gestaunt: die Madonna sah einigermaßen maskulin aus, trug aber immerhin ein langes Gewand – nach der Mondsichel hat anscheinend keiner gefragt. (Der hl. Antonius, der da unter falscher Flagge gesegelt ist, steht übrigens heute in der Unterkirche).

Mittlerweile tragen die schöne Muttergottes, die aus der Zeit um 1500 stammt, und ihr göttliches Kind Spuren der ungezählten Kerzen, die im Laufe der Jahrzehnte vor ihnen entzündet wurden (immerhin gibt es bei uns echte Opferlichter und keine elektrischen), und auch ich trage wohl ein wenig dazu bei, daß die Gottesmutter einen so rußigen Nasenrücken hat, indem ich dort für die bete, die ich im Herzen trage, daß die Gottesmutter sie unter ihren Schutz stelle – Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib.

Freitag, 26. Oktober 2012

Der Oktober wendet sich gen November






Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.
Als letzter erhebt er sich über dem Staub.
Ohne meine Haut, die so zerfetzte,
und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen.
Ihn selber werde ich dann für mich schauen;
 meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd.
Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. (Hiob 19,25-27)

Bald kommen Tage, die man im Kirchenjahr „stille Tage“ nennt – Allerheiligen und Allerseelen mit ihrem goldenen und roten Glanz und ihren lichtdurchfluteten Festgeheimnissen. Die Stimmung in der Natur gibt schon etwas davon wieder.

Ein Fundstück

ich muß sagen, gelegentlich geht es mir auch mal so…

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Instructions on singing

Seit einiger Zeit tendiert unser Gemeindegesang an den meisten Tagen zu etwas, das man fast nur noch mit „Brüllaffen direkt aus der Hölle“ zusammenfassen kann – ein unseliges Beispiel dafür, wie ein einzelner den Gesang einer ganzen Gemeinde in Grund und Boden singen kann, indem er zum Beispiel grundsätzlich auf dem Ton singt, den der Priester nicht angestimmt hat[1], überlaut und in einem anderen Rhythmus, als dem, den die Orgel spielt oder der Kantor vorsingt. Versuche, dagegen anzusingen, enden meist damit, daß man selber lauter singt, als man eigentlich möchte (einfach, um sich selbst noch zu hören) und somit nahezu die ganze Versammlung zu Schreihälsen mutiert. So soll es nicht sein. Für Akklamationen bzw. deren Antwort gilt übrigens grundsätzlich: man antwortet in dem Ton und in der Tonhöhe, die der Priester angestimmt hat. Das kann man gut finden oder auch nicht, es kann einem leicht fallen oder auch nicht, es ist aber einfach so, daß nicht jeder singen kann, was er will. Man mißverstehe mich bitte nicht: alle sollen singen, ob sie musikalisch sind oder nicht, es geht darum, sich in Lautstärke und Rhythmus der Gemeinde anzupassen, also zusammen zu singen, nicht gegeneinander.

Auch sagt er zur Unzeit „Amen“, nämlich dann, wenn alle anderen es gerade nicht sagen.[2] Obwohl ich weiß, daß es auch anderen so geht wie mir, gab mir das Stoff zum Nachdenken, wieso ich mich nicht einfach davon freimachen kann, wieso etwas derart Äußerliches meine Andacht und Konzentrationsfähigkeit manchmal so zunichte machen kann? (Neulich einmal hatte ich einige Tage das Gefühl, die Heiligen Messen wären auf einmal so wunderbar meditativ und gnadenerfüllt – was sie in der Tat auch waren –, das Meditative lag aber vor allem im Fehlen des besagten Brüllers, der offenbar in Urlaub gefahren war. Wunderbar, Urlaub für alle!) Bei einigen Gesängen weiß ich es: der Antwortpsalm wie das Sanctus sind für mich Ruhepunkte in der Messe, Stellen großer Sammlung – weshalb ich auch vor allem den Antwortpsalm ganz wunderbar finde: in ihm betrachtet die Gemeinde die Worte der Lesung (und mittelbar auch das Tagesevangelium).

Im Sanctus wiederum vereinigen wir uns buchstäblich mit den Engeln im Himmel, jenen von deren Gesang der ganze Himmel erfüllt ist und die unaufhörlich rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. In diesem Moment sind sich Himmel und Erde ganz nahe, man spürt förmlich, wie einem Flügel aus dem Rücken sprießen, und es wäre schön, wenn etwas von der Herrlichkeit des Himmels und des Anblicks Gottes in diesem unserem Gesang zum Ausdruck käme. Wie einmal ein alter Monsignore gepredigt hat: „Es muß nicht kunstvoll sein, aber es sollte doch schön sein.“

John Wesley[3], ein Prediger der Methodisten im 18. Jahrhundert, in seiner Anleitung zum Singen
  • Singt alle. Achte darauf, daß du so gut wie möglich mit der Gemeinde singst. Laß dich nicht im mindesten von Schwäche oder Überdruß hindern. Wenn dir das ein Kreuz ist, nimm es auf dich und es wird dir zum Segen werden.
  • Sing herzhaft und trau dir etwas zu. Hüte dich davor, zu singen als wärest du halbtot oder im Halbschlaf, sondern erhebe deine Stimme mit Kraft.
  • Sing maßvoll. Gröle nicht, sodaß man dich nicht schon aus großer Entfernung oder aus der Gemeinde heraushört, damit du nicht die Harmonie störst.
  • Sing im rechten Zeitmaß. Welches auch immer gesungen wird, achte darauf, daß du es einhältst. Eile nicht voraus noch bleibe dahinter zurück. Sieh dich auch vor, daß du nicht zu langsam singst.
  • Vor allem sing geistlich. Bei jedem Wort, das du singst, richte deine Augen auf Gott und strebe an, ihm mehr zu gefallen als dir selbst oder irgendeinem anderen Geschöpf. Um das zu erreichen, merke auf den Sinn dessen, was du singst und laß dein Herz nicht vom Klang davontragen, sondern biete es beständig Gott dar; so wird Gott dein Gesang wohlgefällig sein und er wird es dir lohnen, wenn er wiederkehrt in den Wolken des Himmels.

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[1] So gibt es etwa, was mancher nicht weiß, für die Akklamation Geheimnis des Glaubens mehrere Töne. Das gleiche gilt für das Vaterunser.
[2] Wer einmal längere Zeit die Gottesdienste in einem Kloster mitgefeiert hat, ist für die Welt wahrscheinlich ohnehin in gewisser Weise verdorben, vermute ich: ich zucke jedesmal zusammen, wenn jemand mit der Sakristeitür knallt oder die Stimme lauter erhebt, als er unbedingt müßte.
[3] in meiner Übertragung

Mittwoch, 24. Oktober 2012

So kann der Herbst auch sein…


Meist hab ich beim Essen irgendwelche Phasen (diese hier dauert aber schon Wochen und Wochen) – das ist jedenfalls das, wovon ich mich im Moment nahezu ausschließlich ernähren könnte und wonach mir Tag und manchmal auch nachts der Mund wässert. Die Sorte heißt crimson seedless. Das Angenehme ist, daß sie den Geschmack zuckersüßer heller Weintrauben mit dem hohen Gehalt an Flavonoiden in der blauen Schale vereinigt. Sei's drum, gleich geh ich und kauf mir noch anderthalb Kilo.

Nungazing am Mittwoch

Spitzenklöppeln – es darf nur keine Klosterkatze vorbeikommen…

Der Präsident emeritiert…

…und die Assistenz erhält die Blumen. Im Moment entsorge ich gerade Tonnen von Folien der letzten Dezennien – was einen zusätzlichen Nostalgieeffekt mit sich bringt: so haben wir einmal gearbeitet. (Es kommen aber auch lustige Dinge zutage, wie etwa Zeitungsausschnitte über eine automatische Badevorrichtung der vorletzten Jahrhundertwende, eine Art Whirlpool für Männer, die noch Bartbinden tragen.)

Nicht, daß ich die Folien nicht schon früher einmal hätte wegwerfen oder wenigstens digitalisieren wollen (schon weil die Buchstaben einiger Folien mit den sie umgebenden Plastik[!]hüllen bereits eine unheilige Verbindung eingegangen waren) und nicht, daß der Präsident nicht froh drum gewesen wäre, aber meine Kollegin wollte nicht – man hätte es ja noch einmal brauchen können. Hat man nicht, der Emerit macht als Emerit jetzt endlich, was er will, und so vermehrt sich der Berg an Plastikmüll auf der Welt in den nächsten Tagen um etliche Stapel, und ich trällere beim Entsorgen vor mich hin: „Plastik, Plastik, du meine Freude…“ Wenn die Polkappen schmelzen, ihr wißt, weshalb!

Dienstag, 23. Oktober 2012

Entzücken über die Schönheit der Schöpfung


Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht, sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter. Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen. Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat; denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe läßt sich auf ihren Schöpfer schließen. Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre. Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen. (Weish 13, 1-8)

Hier vergeht übrigens gerade ein solches Geschöpf in aller Schönheit: das Bild zeigt Hubbles Aufnahme der Supernova 1987A, etwa 163 000 Lichtjahre entfernt, in der großen Magellanschen Wolke. Bei dem Ereignis wird Material eines Ringes, der ungefähr 20 000 Jahre vor dem Vergehen des Sterns entstanden ist, erhitzt und beginnt zu glühen, ein Phänomen, das mit dem poetischen Beinamen cosmic pearls bezeichnet wird.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Herbst!

Rosenkranz –  über mir hing eine Glocke
und am Himmel zogen mehrmals Kraniche dahin


Inschrift über der Tür: Memento mori.
Bald schon ist November – Allerseelen…



…but it's higher to be a Bayer


Ein Blitzlicht zwischendurch, hierüber lache ich immer noch. Daß es ganz nett ist, Preuße zu sein, der Bayer aber irgendwie das Vollkommenere ist, wußte der Volksmund schon lange. Jetzt ist es quasi amtlich. In der Kirche kann man für vielerlei verehrt werden, offenbar auch dafür, Bayerin gewesen zu sein. Mystikerin nicht zu vergessen!

Heilige Anna Schäffer, bitte für uns!


Samstag, 20. Oktober 2012

Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? − zum Fest der hll. Märtyrer Nordamerikas

Die hll. Märtyrer Nordamerikas.
P. de Brébeuf zeigte bei seinem Martyrium
 so wenig Furcht, daß die Irokesen ihm das Herz
herausschnitten und es aßen,
in der Hoffnung, so seinen Mut zu gewinnen.
Gestern war das Fest der hll. Märtyrer Nordamerikas, der hll. Johannes de Brébeuf, Isaak Jogues und ihrer Gefährten, nur zwei Tage vor einem Ereignis, über das sich diese heiligen Märtyrer im Himmel sicher besonders innig freuen:

Morgen wird Papst Benedikt XVI. die selige Jungfrau Kateri Tekakwitha heiligsprechen, die man „die Lilie der Mohawk“ nennt und auf ihrem Grabstein „die schönste Blume, die je unter den Indianern erblühte“. Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen. Durch die Hand der Irokesen starben einst diese heiligen Märtyrer, eine Angehörige dieses Stammes (die Mohawk gehören zu den Stämmen der Irokesen) wird nun in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.

Die erste Lesung des 29. Sonntags im Jahreskreis stellt uns den leidenden Gottesknecht vor Augen, eine Lesung, die wir am Karfreitag in der Liturgie des Leidens und Sterbens Christi hören. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Beim Tagesevangelium habe ich an diese heiligen Märtyrer gedacht:
Jesus erwiderte: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. (Mk 10, 38-40)
Ich glaube, diese heiligen Märtyrer werden an Christi Seite sitzen; ich glaube, daß der Platz zu Christi rechter und linker Seite all die unübersehbar vielen umfaßt, die den Kelch des Leidens mit ihm getrunken haben, nicht, um dieses Platzes willen, sondern aus Liebe zu ihm und seinem Evangelium, um im Sterben dem gleichförmig zu werden, den sie auf Erden so sehr liebten.
Darum also, mein geliebter Jesus, opfere ich dir in der Freude, die mich heftig bewegt, schon jetzt mein Blut, mein Leib und mein Leben. Wenn du mir die Gnade dazu gibst, möchte ich nur für dich sterben; denn du starbst auch für mich. Gib mir die Gnade, so zu leben, daß du mir auch die große Gabe schenkst, selig für dich zu sterben. So will ich denn, mein Gott und Heiland, aus deiner Hand den Kelch entgegennehmen und deinen Namen anrufen. Jesus, Jesus, Jesus!

Mein Gott, wie sehr schmerzt es mich, daß du nicht erkannt wirst, daß diese heidnische Gegend sich noch nicht ganz zu dir bekehrt hat und daß die Sünde hier noch nicht ausgerottet ist: Mein Gott, so hart auch die Qualen sind, welche die Gefangenen hierzulande erdulden müssen, so grausam auch die Wildheit ihrer Todesstrafen ist − sollten sie alle über mich hereinbrechen, so biete ich mich doch gerne für sie an und möchte sie alle erleiden. (aus den Niederschriften des hl. Jean de Brébeuf)

Freitag, 19. Oktober 2012

Kalmar des Tages (3)


Gebet der Gläubigen – Interzessionen

Viktor Michailowitsch Vasnetsov,
Christus Weltenherrscher
Mit den Fürbitten ist das so eine Sache. Am hiesigen Hause™ manchmal sogar mehrmals täglich, da es vorkommen kann, daß fünf Heilige Messen mit unterschiedlichen Fürbitten gefeiert werden. Da die Interzessionen oder das allgemeine Gebet der Gläubigen, wie sie die Kirche nennt, nicht zu den feststehenden Texten gehören, hat die Kirche lediglich gewünscht, worum vordringlich beständig oder zu bestimmten Zeiten gebetet werden soll.
Indem sie [die Gemeinde] ihr priesterliches Amt ausübt, das sie durch die Taufe empfangen hat, trägt sie Gott Bitten vor für das Heil aller. Dieses Gebet gehört für gewöhnlich zu jeder mit einer Gemeinde gefeierten Messe, damit Fürbitten gehalten werden für die heilige Kirche, die Regierenden, für jene, die von mancherlei Not bedrückt sind, für alle Menschen und für das Heil der ganzen Welt.[1]
Das Schott-Meßbuch sieht für jeden Tag des Kirchenjahres Fürbitten vor, die diesen Wünschen entsprechen. Seit einigen Jahren gibt es aus dem Hause Schott auch noch eine neuere Ausgabe der Fürbitten für Tage im Jahreskreis und die Heiligenfeste, das in dem Wunsch angeschafft wurde, daß der Vorbeter den Leuten nicht Jahr für Jahr dieselben Fürbitten vortrage. Warum man das eigentlich nicht können soll, kann ich nicht recht sagen, diejenigen, die das Stundengebet der Kirche beten, beten ja auch Jahr für Jahr dieselben Preces und Fürbitten. Indes werden aber mit einer neueren Ausgabe tatsächlich gewisse Klippen umschifft, deretwegen derjenige, der die Fürbitten liest, auch gut daran tut, sie sich vorher genau anzusehen: es ist etwas unangenehm, wenn man um Kraft und Hilfe für die Christen in politischen Unrechtssystemen betet, die bereits vor erklecklicher Zeit niedergegangen sind, Deo gratias!)

Darüber hinaus kann man auch die Fürbitten aus dem Stundenbuch nehmen – die ich sehr schön finde –, und wir haben noch weitere Sammlungen für Fürbitten vornehmlich für bestimmte Anlässe: Bitte um Priesterberufe, Fürbitten für Heiligenfeste nach den Kategorien des Communes geordnet (also hll. Märtyrer, Jungfrauen usw.), Erntedank, um Frieden, Kasualien – alles sowas.

Nun haben wir seit kurzem auch das Fürbittenheft Liturgie konkret aus dem Hause Pustet (eine Anschaffung, die auf Dauer gesehen, auch nicht ganz billig ist, da es sich um ein fortlaufendes Abonnement handelt). Anscheinend wurde dieses gewünscht, weil die Fürbitten so zeitgemäß abgefaßt seien. Mir selbst sind diese Fürbitten ein Akt der Buße. Himmel hilf! Meist klingen sie – und noch mehr die Einführung, die über ihnen steht – so, als sei derjenige, der die Fürbitten geschrieben hat, am Hals gepackt und gewürgt worden, mit den Worten: „Ich lasse dich nicht, du schriebest mir denn Fürbitten“.

Wenn mehrere Dienste anwesend sind, gibt es bei diesen Fürbitten vorher in der Sakristei gern einmal ein mehr oder weniger lustiges Pingpong-Spiel damit. Wenn ich sie vortrage, muß ich jedenfalls auf den Tonfall meiner Stimme und vor allem meinen Gesichtsausdruck achtgeben. (Leider habe ich die hohe Kunst, einen undurchdringlichen Ausdruck zu wahren, nie erlernt, vielleicht geht das mit einem Gesicht wie dem meinen auch nicht, ich weiß es nicht.) Ein Diakon oder ein anderer liturgischer Dienst[2], dessen Stimme bei den Fürbitten einen ironischen Unterton hat, geht jedenfalls gar nicht.

Konkret frage ich mich bei dieser „Gottesdiensthilfe“[3] manchmal auch nach dem Warum und Wozu, etwa neulich, zum Gedenktag der hl. Lioba. Die Fürbitten im Schott enthalten, da die hl. Lioba Jungfrau und Äbtissin war, vornehmlich solche, die einen Bezug darauf haben: für die Oberinnen der Frauenorden, für die Frauen, die in der Glaubensverkündigung wirken, und für die Mädchen in unserer Gemeinde. In den Fürbitten von Liturgie konkret kein Wort davon, Fürbitten, wie man sie an jedem anderen Tag auch hätte sprechen können (womit ich nichts gegen jeden anderen Tag gesagt haben will). Wenn ich es mir recht überlege, waren diese Fürbitten womöglich gleichermaßen für den Tag im Jahreskreis und das Heiligenfest gedacht. In dem Falle wäre das aber eine Verschlechterung gegenüber dem Schott, der beides bietet, auch wären dann Interzessionen, die irgendetwas mit der Tagesheiligen zu tun gehabt hätten, komplett hintenruntergefallen.

Neulich nun die bisher für mich schreckliche Variante: Fürbitten, in denen wir Gott erklären, worum wir bitten (im Falle er es sonst nicht versteht?). Fürbitten, in denen wir Gott das Gebet erklären, daß er uns selbst gelehrt hat:
Lasset uns beten und Fürbitte halten.
Vater im Himmel und auf der Erde. Wenn wir deinen Namen heiligen, dann bitten wir um einen respektvollen, sensiblen Umgang mit deinem Namen in unserer Alltagssprache und auch in unseren Gebeten.
Wenn wir um das Kommen deines Reiches beten, dann bitten wir um mehr Raum und Zustimmung für deine Gerechtigkeit und lebendige Gegenwart unter uns. …
Wenn wir in den Versuchungen unserer Tage uns als schwach und anfällig erfahren, dann führe du uns auf eine neue Heilsspur.
Wenn wir aus unseren Abhängigkeiten um deine Erlösung bitten, dann befreie uns aus Angst und Enge, Neid und Haß.
Vater im Himmel dir sie [sic!] die Ehre in Ewigkeit.     Reinhard Kleinewiese
Das sind so Bitten, wo ich auf mein Gesicht, meinen Tonfall und meine Gedanken aufpassen muß, denn ich fange, einerlei ob ich lese oder zuhöre, unweigerlich das Grübeln an: etwa, ob es wohl auch Gebete gibt, in denen mit dem Namen Gottes nicht „respektvoll und sensibel“ umgegangen wird, oder wo wohl diese „neue Heilsspur“ hinführen mag, von der da die Rede ist? Hoffentlich zum Heil. Von der Unsäglichkeit, langschweifig Gott und den Gläubigen zu erklären, was wir meinen, wenn wir beten, noch ganz zu schweigen. Bei manch gewundenen und feingedrechselten Fürbitten weiß die Gemeinde hinterher nicht mehr, worum wir eigentlich gebetet haben. In diesem Falle möchte man es doch wirklich einmal mit Martin Luther halten: „Tritt frisch auf, tu's Maul auf, hör bald auf.“

Vielleicht sollte ich bei selbstformulierten Fürbitten nächstens auch meinen Namen neben das Wort Ewigkeit setzen? Wer schreibt, der bleibt. Nein, Spaß beiseite, zum einen hat das wahrscheinlich der Redakteur zu verantworten, oder vielleicht ist es auch dazu gedacht, den Leserbrief (Gläubigenbrief?) gleich dem Richtigen zu senden. Sicherlich schreib ihn aber doch wieder nicht, schon weil ich viel lieber etwas Nettes schreibe. Soifz.

Tröstlich finde ich in diesem Zusammenhang den Gedanken an den Geist Gottes: Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen. Der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.

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[1] AEM, 69,70

[2] Die allgemeine Einführung ins Meßbuch bezeichnet die Fürbitten als einen Ausdruck der tätigen Mitfeier, der der ganzen Gemeinde zukommt und nennt als diejenigen, die die Bitten vortragen sollen, Diakon oder Kantor „oder jemand anderer“.

[3] Daß man eigentlich eine Mappe braucht, um den häßlich-grünen Einband zu verbergen und das Teil als Zeitschrift natürlich auch kein Lesezeichen hat, was es für den liturgischen Gebrauch unpraktisch macht, tut ein übriges dazu.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Irgendwie find ich sie so hübscher…


der französische…
…und der deutsche Dom gestern abend.

Patrozinium – die hl. Hedwig in der Hedwigskathedrale

Gestern, am Hochfest der hl. Hedwig – in der Kathedrale ein Hochfest, da diese ihr geweiht ist – haben wir die hl. Messe mit einer Reliquie der Heiligen auf dem Altar gefeiert. Da der Weihbischof em. die Messe gefeiert hat, ist die Heilige auf diese Weise doch noch zu ihrem Pontifikalamt gekommen).

Mir ist erst gestern bewußt geworden – wahrscheinlich, weil der Weihbischof sie in seiner andächtigen Weise gesungen hat – daß die hl. Hedwig im Meßbuch eine eigene Präfation hat.

Über die Reliquie, die so dicht beim Tabernakel stand, hab ich mich jedenfalls schneeköniglich gefreut[1] und ich glaub, die Leute auch. Der Heilige ist in der Anschauung Gottes, aber, was einmal (zu) ihm und seinem sterblichen Leib gehört hat, ist ganz nah beim Leib Christi und beide sind uns ganz nah. Den feierlichen Schlußsegen hat der Herr Bischof ebenfalls mit der Reliquie gespendet. Das war schön!

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[1] der Altardienst mit einer Reliquie auf dem Hochaltar und einer Marienikone im Altarraum birgt jedenfalls gewisse choreographische Interessantheiten

Dienstag, 16. Oktober 2012

Freude über die bevorstehende Heiligsprechung Kateri Tekakwithas


Am kommenden Sonntag, den 21. Oktober, wird Papst Benedikt die Jungfrau Kateri Tekakwitha heiligsprechen. (Aus diesem Anlaß hab ich den Beitrag darunter zu ihrem Gedenktag im April 2010 nach oben geholt.)

Kateri Tekakwitha – Tekakwitha ist ihr ursprünglicher Name, Kateri (von Katharina) wurde sie in der Taufe genannt – ist die erste Ureinwohnerin des nordamerikanischen Kontinents, die zur Ehre der Altäre erhoben wurde – Papst Johannes Paul II. sprach Kateri 1980 selig, Papst Benedikt wird sie nun heiligsprechen, das heißt, ihre Verehrung auf die Weltkirche ausdehnen.

Die Freude darüber ist vor allem in Nordamerika sehr groß, so nutzt die Erzdiözese von Cleveland die Gelegenheit, auch Menschen, die bisher wenig von ihr wissen, die Heilige nahezubringen und vermehrt zu Wallfahrten aufzurufen, denn die sel. Kateri Tekakwitha genießt dort große Verehrung. So gibt es allein in Nordamerika drei Schreine – einer davon der von Auriesville, wo sich die Gräber der hll. Märtyrer Nordamerika befinden, in Fonda im Staat New York, und in Kahwanake bei Quebec, wo die Selige begraben liegt. In einer bei Arte gezeigten Dokumentation über das Leben im Reservat, an der ich neulich vorbeikam, hing hinter dem gerade interviewten Indianer genau dieses Bild der sel. Kateri Tekakwitha.

Auch die geweihten Jungfrauen in aller Welt haben Grund zu großer Freude, denn wiewohl Kateri niemals die Möglichkeit hatte, die Weihe zu empfangen, hat sie die ewige Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen gelobt und führte wahrhaft das Leben einer geweihten Jungfrau in der Welt.

In einer kurzen Ansprache an nordamerikanische Indianer, die er 1996 in einer eigenen Audienz empfing, hob Papst Johannes Paul II. den Tag ihrer Seligsprechung als einen Tag der großen Freude für die Kirche in aller Welt hervor, die – wie alle Heiligen – ein Beispiel des Glaubens gegeben hat und durch ihr ganzes Leben die Kirche an die Berufung jedes Menschen zur Heiligkeit erinnert und den Apostel zitiert: Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten.

Der SPiEGEL berichtet in seiner Ausgabe vom 14. Oktober und wittert wieder einmal Probleme und „Gespaltensein“ wo nichts dergleichen ist. So sei die Seligsprechung „nicht ganz unumstritten“, wobei das angebliche Umstrittensein dem SPiEGEL zufolge offenbar ausschließlich darin besteht, daß von den 2,5 Millionen amerikanischer Ureinwohner „nur“ etwa ein Viertel katholisch sind. (So what?)

Die selektive Zitation der New York Times in diesem Zusammenhang wiederum erstaunt in gewisser Weise. Zum einen hab ich deren Artikel vom Juli dieses Jahres (Complex emotions as Kateri Tekakwitha is named a saint) auch gesehen, er ist in sehr freundlichem, der Heiligsprechung gewogenem Ton geschrieben, und der Leser ist besser beraten, dort direkt zu lesen, in der Tat steht da nämlich:
This time around, the reaction is more complex, particularly among American Indians. Some are proud, because Kateri was a Mohawk. Some doubt the truthfulness of her story as told by the church. Some hope the canonization will ease tensions between Catholic and traditional American Indians. And some are euphoric that the church is about to name its first American Indian saint, even if they wish it had happened sooner.[1]

“At a time when natives are still treated like third-class citizens, it’s very impressive that the Vatican and the Catholic Church is finally recognizing her,” said Pat Whyland, 67, a Mohawk from Syracuse, who offered a prayer to Kateri, as well as to the water, wind and sun, at the start of a small powwow held at her shrine in Fonda in early July. “Not everyone knows about her,” she added, “but once you become familiar with her, you become very attached to her and her story.”
Aus dem weiteren Verlauf dieses Artikels und ähnlicher geht mehr oder weniger hervor, daß eigentlich trotz oder gerade wegen der Gefühlslage, die die NY Times als komplex bezeichnet, alle dieser Heiligsprechung etwas Positives abgewinnen können, so wird etwa ein Angehöriger des Stammes der Navajo zitiert, der zum Ausdruck bringt, daß die Heiligsprechung dazu beitragen kann, alte Verletzungen und Gräben zu überwinden und zugleich gleich ein grundlegendes Verständnis des Glaubens an die Gemeinschaft der Heiligen offenbart:
Stanley M. Perry, a Navajo who came to the powwow seeking support for an effort to save a sacred wetland in Kansas, said having a shared Mohawk figure of respect might also heal rifts.

“She can help us by connecting us together,” he said. She may be a saint of the Catholics, he said, but as a Mohawk she can signify the sacredness of all life. “We are all saints,” he said. “You, me, Mother Earth. The wetland.”
Heilig sein ist nichts Fernes und Unerreichbares, es ist mitten unter uns. D'accord.

Hier ist noch ein Artikel der NY Times zu den bevorstehenden Heiligsprechungen, der mit trockenem Humor auch auf das „All-Saints baseball team“ des Staates New York Bezug nimmt: Two more saints from a state of grace. (Das mit Thomas Merton hab ich mir auch genauso gedacht…)[2]
Pennsylvania and Hawaii have two saints each. Indiana has one. For whatever reason — whether it’s something in the water or blowing down from French Canada, or welling up in the alluvial soil — New York is on its way to an All-Saints baseball team. It’s even more impressive when you add the players in the pipeline, like Dorothy Day, Pierre Toussaint, Cardinal Terence Cooke and Archbishop Fulton Sheen. You could even add Thomas Merton, who is not on the saint track yet but is thought by many to be on deck. (Yes, his monastery was in Kentucky, but he’s a son of Queens, Greenwich Village and Columbia University.)

___
[1] Etwas lange gedauert, wie verschiedentlich geschrieben wurde, hat es mit dem Seligsprechungsprozeß, nicht mit der Heiligsprechung. Das Seligsprechungsverfahren Kateri Tekakwithas wurde 1884 von Papst Leo XIII.  eröffnet, seit 1943 wurde Kateri als ehrwürdige Dienerin Gottes bezeichnet.

[2] also nicht, daß sein Seligsprechungsprozeß bereits im Gange wäre, sondern, daß man unterschwellig dazu neigt, das irgendwie als gegeben vorauszusetzen.

Reblog: zur bevorstehenden Heiligsprechung Kateri Tekakwithas

Kateri Tekakwitha, die man auch als die Lilie der Mohawks bezeichnet, ist eine selige Jungfrau der Kirche – eine wahre Mitschwester in der Welt. Ihr Gedenktag war am 17. April.

Kateri Tekakwitha wurde im Jahr 1656 in Ossernenon (dem heutigen Bundesstaat New York) als Tochter einer christlichen Algonquin, die bei den Irokesen in Gefangenschaft geraten war, und eines Häuptlings der Mohawk geboren. Als 1660 fast das gesamte Dorf einer Pockenepidemie zum Opfer fiel, wurde Kateri mit vier Jahren Waise und verlor auch ihren Bruder. Durch die Pockennarben stark entstellt und fast erblindet, zog Kateri schließlich mit der Familie ihres Onkels nach Kahnawake, wo sie zum ersten Mal Priester des Jesuitenordens sah, die man spöttisch als Black Robes (Schwarzröcke) bezeichnete.

Nach einiger Zeit wünschte sich Kateri, getauft zu werden. Sie erduldete deshalb viele Quälereien, vor allem durch ihren Onkel, der die Christen haßte und versuchte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Am Osterfest 1676 wurde Kateri von dem Jesuiten P. Jaques de Lamberville durch die Taufe in die Kirche aufgenommen und empfing zu Weihnachten 1677 die erste heilige Kommunion. In der Folge wurde sie von ihren Leuten geächtet, verspottet und schwer mißhandelt.

Kateri verweigerte die Heirat, da sie sich als Braut Christi fühlte. Viele Stunden verbrachte sie im Gebet, was zu neuerlichen Quälereien führte. Schließlich gelang es ihr, mit Hilfe von Huronen über eine Strecke von 200 Meilen durch unwegsame Wildnis in das christliche Indianerdorf Sault-Sainte-Marie zu fliehen, wo sie am Fest der Verkündigung des Herrn 1679 das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ablegte. Kateri wirkte als Katechetin unter den Kindern der Mission des hl. Franz Xaver und pflegte Kranke und Alte. Frühmorgens oder am Abend ging sie zur heiligen Messe. Neben ihrer Sanftheit, Freundlichkeit und ihrem Humor zeichnete sie sich durch große Verehrung für das Allerheiligste und das heilige Kreuz aus.

Am 17. April 1656 starb Kateri Tekakwitha in Caughnawaga in Kanada im Alter von nur 24 Jahren an den Folgen von Tuberkulose, die sie sich wegen ihrer zahlreichen Entbehrungen zugezogen hatte. An ihrer Grabstätte ereigneten sich zahlreiche Wunder.

1884 eröffnete Leo XIII. das Seligsprechungsverfahren für diese erste amerikanische Ureinwohnerin, die 1943 von Pius XII. zur ehrwürdigen Dienerin Gottes erhoben und 1980 von Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Ihre letzten Worte waren: Jesus, ich liebe dich. Auf ihren Grabstein schrieb man:

Onkwe Onwe-ke Katsitsiio Teiotsitsianekaron
(die schönste Blume, die je unter den Indianern erblühte)

Montag, 15. Oktober 2012

Der Stern der hl. Teresa am Firmament der Kirche

das Herz der hl. Teresa wird durch den Anblick
des leidenden Christus zur Umkehr bewegt
Da gerade das Jahr des Glaubens angebrochen ist: mit diesem Glauben haben die Heiligen der Kirche ungeheuer viel zu tun. Dabei ist heilig sein oder heilig werden nicht etwas Fernes, Abstraktes oder auch Heldenhaftes, das irgendwo außerhalb unserer Reichweite schwebt, sondern das, was Gott aus uns machen will, wenn wir es nur zulassen.

Zum Hochfest der heiligen Teresa von Avila (ein Hochfest im Karmel) verweise ich gern noch einmal auf das August, zum 450. Jahrestag der teresianischen Reform veröffentlichte, wunderschöne Schreiben des Heiligen Vaters, Resplendens stella. Papst Benedikt nennt die Heilige dort – in Anlehnung eine ihrer Visionen – einen Stern, der großen Glanz verströmt. Auch nennt der Heilige Vater darin das geweihte Leben einen Schatz und Gnadenstrom und ruft dem Karmel überall auf der Welt zu:
Mögen Maria, der Stern der Evangelisierung, und ihr keuscher Bräutigam, der hl. Josef, dafür eintreten, daß die Kirche, der helle „Stern“, den der Herr durch die teresianische Reform ans Firmament gesetzt hat, weiterhin mit dem großem Glanz der Liebe und Wahrheit Christi die Menschheit erleuchte.
Dieser Stern am Himmel der Kirche hat in 450 Jahren nichts von seiner Strahlkraft verloren, immer noch zieht er die Herzen in den Karmel. Zu allen Zeiten beruft der Herr Frauen, ihm dort zu dienen, viele tun dies durch die Gnade eines langen Lebens in der Wüste des Klausur, andere durch die Art ihres Sterbens.

Zelle der hl. Teresa
Durch Zufall habe ich neulich den Nekrolog des kurzen Lebens einer Novizin im Karmel von Valladolid (eines der Klöster, die die hl. Teresa auf ihren Reisen selbst errichtet hat), gesehen, die mit sechsundzwanzig den Atlantik überquerte, weil Gott sie aus Mexiko in diesen Karmel rief, und die nach nur achtzehn Monaten im Karmel nach kurzer und sehr schwerer Krankheit starb. Im Angesicht des Todes konnte sie im Beisein der Kommunität noch die Profeß ablegen. Nach ihrem Eintritt hatte Sr. Maria Magdalena von der Eucharistie mehrmals den Wunsch geäußert, sich als Opfer, als Märtyrin, für die Seelen vor allem junger Menschen hinzugeben, so daß sie Jesus Christus und sein Evangelium kennenlernen möchten. Vielleicht hat Gott dieses Opfer angenommen, wie es in der Schrift heißt, als vollgültiges Opfer, das Gott im Schmelzofen erprobt hat und das beim Endgericht aufleuchten wird wie Stoppeln.

Ihre frühere Priorin, Mutter Olga Maria vom Erlöser, schreibt, zugleich niedergeschmettert durch den frühen Tod ihrer jungen Novizin und berührt durch den Hauch der Gnade:

 Es ist nicht einfach, etwas aus ihrem Leben zu berichten, da ihr Weg durch den Karmel einem Feuer glich, das kurz und heftig auflodert. In den achtzehn Monaten ihres geistlichen Lebens wurde sie von der Liebe verzehrt, als Opfer zur Ehre des Herzens Jesu Christi und für die Errettung aller Seelen.

Und, über den Tag ihres Todes:
Es war Freitag und fast die Stunde der Non. Als wir ihren Leichnam ansahen, betrachteten wir auch das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi, der einmal mehr das österliche Geheimnis in einer unserer Schwestern erneuert hatte. Es brachte ein unbeschreibliches Gefühl des Friedens und eines geheimen Glücks mit sich, an die freudige Begegnung mit dem Geliebten zu denken und daran, daß die heilige Jungfrau Sr. Magdalena nun in den Armen halten würde. Sr. Magdalena war bereits am Ziel angekommen, im Alter von 28 Jahren war sie vom Feuer der Liebe verzehrt worden.

Heiligenbildchen des Tages

O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche, du hast Gottes Weisung geliebt. Heilige Teresia, bitte für uns bei Gottes Sohn.

O doctrix optima, ecclesiae sanctae lumen, beata Teresa, divinae legis amator, deprecare pro nobis Filium Dei. (Antiphon zum Magnificat zum Hochfest der hl. Teresa von Avila)

Dieses Bild der großen hl. Teresa beschäftigt mich vor allem insofern, als ich mich frage, was die Engelchen da unter dem Tisch mit dem goldenen Ei vorhaben?

Sonntag, 14. Oktober 2012

Furry-Pong


Weil heute Tag der großen Geschwindigkeiten ist noch ein Pong zu Richelieus Beitrag über Tierkostüme – voilà! Ich find die zwei todkomisch.

39 037 Meter und ein strapazierter Schutzengel

Für diesen Anblick hab ich dann doch einen Livestream bemüht, schon, weil alles auf einmal schneller ging als erwartet, und ich dachte, wenn ich jetzt aufbreche, dann springt er auf dem Heimweg.

Abgesehen davon, daß ich mich zwischendurch gefragt hab, ob so ein Ballon nicht doch einfach platzen könnte – und was dann? –, wars faszinierend, daß der Ballon den vorhergesagten und auch schon mal ausgerufenen Floating point (der Punkt, an dem das Gas und die Umgebung dieselbe Dichte haben und der Ballon daher nicht weiter steigen kann) einfach nicht erreichen wollte. Stattdessen stieg er immer weiter, fast dreitausend Meter höher als vorhergesagt. Dann beim Heraustreten auf die Plattform: was für eine Aussicht!

Während der Kommentator noch den Schutzengel herbeirief, winkte Baumgartner nur ganz kurz (vielleicht hat er sich ja auch mit dem Schutzengel verständigt, wer weiß?) – und sprang. Am besten überlegt man da wohl auch nicht lange, es gibt eh' nur einen Weg nach unten. Dann ging alles so flott: stundenlang ist er aufgestiegen und wie schnell ging der Sprung! Bei aller Freude über die glückliche Landung, ich kann mir vorstellen, wenn man seine Kräfte so lange angespannt auf ein Ziel konzentriert hat und dann ist es plötzlich erreicht, daß da dann erstmal eine gewisse Leere eintritt. Der Schutzengel jedenfalls hatte gut zu tun.

Aufstieg
der scheinbare Floating point ist erreicht…
…nein, doch nicht. Platzt er jetzt?
die Erde von ziemlich hoch oben
Felix Baumgartner vor dem Sprung. Wuha!
im freien Fall
der Schirm ging etwas zu früh auf

…und glücklich gelandet.
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