Sonntag, 30. September 2012

Ruf der Wildnis − der Fuchs und das Mädchen

Aus reinem Zufall bin ich gestern auf den ganz wunderbaren Film Der Fuchs und das Mädchen des Franzosen Luc Jacquet aufmerksam geworden. (Der Film ist schon ein paar Jahre alt, aber, da ich  nicht mehr so oft ins Kino gehe, offenbar seinerzeit an mir vorübergegangen.) Es kann um das Gute im menschlichen Streben nicht so schlecht bestellt sein, solange der Mensch noch solches Schaffen hervorbringt.

Es fällt schwer, unter all den wunderschönen Bildern des Films überhaupt einige auszuwählen, aber mit dem Blick oben über das Tal in trauter Zweisamkeit hat die Geschichte mein Herz gewonnen. (Daß die Darstellerin des kleinen Mädchens rote Haare, Sommersprossen und eine niedliche Schneckenfrisur hat, war für mich nur das Tüpfelchen auf dem i.)

Die Geschichte des Films ist so einfach, daß ein Kind sie verstehen kann, und in der Tat ist es ja auch ein Kind, das die Geschichte erzählt: Ein Mädchen bemüht sich mit Beharrlichkeit und großer Geduld − manchmal auch Ungeduld − um die Freundschaft und das Zutrauen einer Füchsin und erlebt im Laufe einiger Jahreszeiten mit ihr manches Abenteuer. Der Wald, in dem die beiden einander immer wieder begegnen, hat etwas von einem Märchenwald an sich, sogar mit Wölfen und Bären darin. Herzzerreißend wird es, als das Kind in aller kindlichen Arglosigkeit dem Fuchs eine Leine anlegen und ihren eigenen „Bau“ zeigen möchte.




Wie Die große Stille, Grönings Film über die Kartäuser, ist der Fuchs und das Mädchen ein Film, dessen geradezu kontemplative Ruhe in den Bildern liegt, in der Schönheit des Lichts und der Jahreszeiten, die vor unseren Augen wechseln. Es ist eine mit großer Kraft erzählte Geschichte von Vertrauen und Liebe und darüber, daß man etwas, das man liebt, nicht gegen seinen Willen festhalten darf, weil es das, was sein innerstes Wesen ausmacht, in ihm zerstören würde.
 
der Traum

Samstag, 29. September 2012

Minimantillas

Minimantillas in Sevilla –
sind die nicht schnuckelig?

Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen – Fest der hll. Erzengel

Den Herrn, vor dessen Thron die Engel stehen – kommt, wir beten ihn an!  (Invitatorium des Festes der hll. Erzengel Michael, Gabriel und Raphael)

Von der Menschwerdung bis zur Auferstehung ist Jesus Christus von Engeln umgeben. Als das fleischgewordene Wort in die Welt eintritt, spricht der Vater: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen. Engel kündeten den Hirten von seiner Geburt, dienten ihm in der Wüste und trösteten ihn am Ölberg. Wenn er gewollt und Gott es zugelassen hätte, hätten Engel verhindert, daß Christus auch nur seinen Fuß an einen Stein stößt.

Engel brachten die Kunde von der Menschwerdung und der Auferstehung, sie werden einst auch von seiner Wiederkunft künden. Bis ans Ende der Zeiten werden Engel dem Herrn dienen und ihn verherrlichen.

Die ganze Bibel gibt Zeugnis von der Existenz der Engel, vom Engel, der den Eingang des Paradieses bewachte bis zu den Engeln in der Offenbarung des Johannes. Und doch: zu welchem Engel hätte er je sagt, setze dich mir zur Rechten und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße. Sind sie nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen? (Hebr. 1,14)

Da die Engel reine Geistwesen sind, die keinen Körper haben, heißt es im Weihegebet über die Jungfrauen: Denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel – ich finde diesen Satz wunderschön.

Die Existenz der Engel gehört zu den Glaubenswahrheiten der Kirche. Dabei bezeichnet das Wort Engel gemäß den Kirchenvätern Gregor und Augustinus die Aufgabe, nicht die Natur des Engels: ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes, weil sie „beständig das Antlitz meines Vaters sehen, der im Himmel ist“, schreibt der hl. Gregor. Das griechische Wort angelos leitet sich von dem hebräischen elohim ab, Bote Gottes. „Engel sind nur dann Engel zu nennen, wenn durch sie eine Botschaft ergeht, die die höchste Botschaft bringen, werden Erzengel genannt.“

Da die Verkündigung der Menschwerdung Gottes die höchste Botschaft ist, die jemals jemandem gebracht worden ist, kam ein Erzengel zu Maria, Gabriel, dessen Name „Kraft Gottes“ bedeutet. Wie wunderbar hat sich diese Kraft an uns erwiesen.

Freitag, 28. September 2012

Der Blick zurück…

Das Ei guckt mich so komisch an,
ich glaube, das denkt,
ich bin nicht mehr ganz frisch…

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Foto: Moritz Raiser

Donnerstag, 27. September 2012

Der Berg der sieben Interviews

Die Sache mit der deutschen Kirchensteuer und dem Leipziger Urteil scheint ja wirklich das internationale Interesse zu wecken. Am Dienstag abend habe schon einmal darüber gestaunt, daß man sich für die Sache mit der deutschen Kirchensteuer sogar in Rußland interessiert und wurde auch gleich fürs russische Fernsehen interviewt, das auch zur Messe blieb (in meinen besten Kleidern und mit kyrillischen Untertiteln seh ich bestimmt total gut aus ;). Sollte ich einen Unsinn erzählt haben, wird man hierzulande jedenfalls nichts davon erfahren.

Heute schlug nun deswegen das zweite Drehteam bei uns auf, von dem ich nach der Heiligen Messe erfuhr, daß es immerhin für die Associated Press aufnahm. Wiederholung, Klappe: Braut des Lammes ministriert bei laufender Kamera und wird anschließend zum Thema Kirchensteuer befragt. Ich frage mich, ob es daran liegt, daß ich gerade Thomas Mertons Berg der sieben Stufen wieder einmal lese, der den Menschen in sehr schlichter Weise über die Gnade, der Kirche anzugehören, und die Kraft, die aus den Sakramenten strömt, schreibt: jedenfalls habe ich gerade in einem Interview über das übernatürliche Leben und den mystischen Leib Christi gesprochen. Ich wette, das hören sie bei AP[1] nicht alle Tage.

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[1] die beiden waren sehr nett, ein Schwede und ein Kroate
PS: ich hab keinen Plan, ob das Russische in Ordnung ist – es ist das, womit Google meinen Blogtitel überträgt.

Mittwoch, 26. September 2012

XDF und das Licht der Welt

Hubble ist immer wieder für eine Augenweide gut. Das ist die gerade veröffentlichte Aufnahme des Hubble extreme deep fields (XDF). Diese Aufnahmetechnik stützt sich auf die relativ neue Beobachtung, daß bei langer Belichtungszeit Sterne und Galaxien zu erkennen sind, die man mit dem bloßen Auge nicht sieht.

Das Extreme deep field ist mit der enorm langen Belichtungszeit von 23 Tagen entstanden und zeigt, da solche Aufnahmen wegen der Lichtgeschwindigkeit die Vergangenheit des Weltalls abbilden, das Universum zu einer Zeit, als es „nur“ 450 Millionen Jahre alt war.

Nahezu alles, was auf diesem Bild zu sehen ist, ist eine Galaxie, das Extreme deep field zeigt über 5500 von ihnen, in den verschiedensten Stadien des Werdens und Vergehens, bis hin zu Baby-Galaxien. Hier ist eine Möglichkeit, in einzelne Bereiche des Deep fields hineinzuzoomen und sie sich in der Vergrößerung anzusehen.

Einige der vom Extreme deep field dargestellten Galaxien liegen bis zu 13,2(!) Milliarden(!!) Lichtjahre(!!!) entfernt. Das heißt, gemessen am Alter des Universums blickt man hier fast bis zum Urknall zurück. Das Bild rechts zeigt das Prinzip, wie man mit Hubbles Aufnahmetechnik ins Extreme deep field blickt. Das rote Objekt in der Vergrößerung ist eine alte Galaxie, die kaum noch neue Sterne hervorbringt.

Fast könnte man sich verloren vorkommen, wenn man unsere Galaxie so als Rädchen in der Unendlichkeit des Weltalls hängen sieht. Aber eigentlich war es für mich nie so. Denn wenn das Martyrologium des Weihnachtsfestes, das beginnt mit
Milliarden Jahre waren vergangen, seit Gott im Anfang Himmel und Erde geschaffen,
Millionen Jahre, seit er den Menschen gebildet,
Jahrtausende seit der großen Flut
hinunter nach Bethlehem und zu dem Jahr kommt, von alles in der Geschichte vorher und nachher seinen Platz hat, so heißt es dort:
Durch den Heiligen Geist empfangen und nach neun Monaten von Maria der Jungfrau zu Bethlehem in Juda geboren, wird er Mensch. Er, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Taten, nicht Worte – Emily Davison

An diese Frau mußte ich gestern denken: Emily Wilding Davison, eine der englischen Suffragetten, eine der Frauen, die sich unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens für das Wahlrecht der Frauen eingesetzt haben. Im kommenden Juni jährt sich ihr Todestag zum hundertsten Mal.

Die Umstände ihres Todes werden wohl niemals völlig geklärt werden können, trotzdem es Augenzeugenberichte und sogar Filmaufnahmen des Vorfalls gibt. Sicher ist: Am 4. Juni 1913 kaufte Emily Davison eine Hin- und Rückfahrkarte zum Rennen nach Epsom und geriet dort auf der Rennbahn unter das Pferd des Königs. Vier Tage später starb sie an ihren schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus. Allem Anschein zufolge war dies kein inszenierter Selbstmord um der Sache willen, sondern ein Versuch, die Aufmerksamkeit des Königs zu gewinnen, da sie ja eine Rückfahrkarte nach London hatte. Es ist möglich, daß Emily Davison auf die Rennbahn gestoßen wurde; vielleicht wollte sie auch nur ein Fähnchen der Suffragetten am Geschirr des Pferdes anbringen. Der Jockey, der das Pferd des Königs ritt und der viele Jahre danach zu Ehren Davisons und Emmeline Pankhursts, einer anderen Suffragette, einen Kranz an Pankhursts Grab niederlegte, war der Ansicht, Emily Davison habe das Pferd zu Fall bringen wollen. Armes Tier und auch armer Jockey, denn er wurde bei dem Vorfall selbst verletzt, und der Anblick hat ihn jahrelang verfolgt; 1951 beging er Selbstmord. Wie auch immer die genauen Umstände gewesen sein mögen, sie sind im Fluß der Geschichte verloren.

Emily Davison, die zur Women's Social and Political Union gehört hatte, war zuvor wegen mehrer Aktionen immer wieder verhaftet und zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Unter schwierigen Umständen und großen finanziellen Opfern hatte sie zuvor mehrere naturwissenschaftliche Fächer, Englisch und Literatur studiert; da sie eine Frau war, konnte sie allerdings keinen akademischen Grad erringen.

Daß sie sich in der Nacht zum 2. April 1911 in einem Schrank im Westminster Palace versteckte, damit sie später auf einem Erfassungsbogen als Wohnsitz das House of Commons angeben konnte, zeigt, daß sie auch Sinn für Skurrilität hatte. Davison gehörte zu den rund eintausend Frauen, die in der Zeit zwischen 1903 und dem ersten Weltkrieg wegen politischer Aktivitäten der Frauenbewegung verhaftet wurden. Sie ertrug Spott, Hohn, Verachtung, gerade auch die anderer Frauen, Hungerstreik, Zwangernährung, Arbeitslager und letztlich den Tod, damit andere Frauen eines Tages etwas haben konnten, was sie nicht hatte: das Wahlrecht. Spott und Verachtung überdauerten auch ihren Tod, denn der Daily Herald veröffentlichte eine Karikatur von fragwürdigem Geschmack, die sie als Skelett zeigte, das ein Schild mit der Forderung nach dem Frauenwahlrecht trägt. Emily Davison liegt in Morpeth in Northumberland begraben. Die Inschrift an ihrem Grab lautet: Taten, nicht Worte.

Montag, 24. September 2012

Living in Disneyworld

Dinge mit Gesicht mag ich total gern, vielleicht weil ich ohnehin in einer Art Disneyworld lebe, in der man mit Tieren spricht, den Drachenkopf am Handlauf des Treppengeländers tätschelt (weil der bestimmt total wenig Aufmerksamkeit kriegt) und die U-Bahn-Züge Augen haben.

Schaut man hin, sieht man auf allem möglichen Gesichter: auf Smarts (die für mich immer aussehen, als wenn sie statt Benzin noch Milch aus der Flasche bekämen), Verkehrsschildern, Lokomotiven, Ferngläsern an Aussichtspunkten und Häusern. Eine Kirche, die aussah wie eine Eule, hatten wir ja schonmal. Ich jedenfalls lege mir versuchsweise ein entsprechendes Label zu und eröffne mit diesem traurig-ratlosen Waschbecken.

Nähe und Ferne


Schönes und Tröstliches von Meister Eckhart, den ich leider bisher viel zu wenig beachtet habe:
Der Mensch soll sich in keiner Weise je als fern von Gott ansehen, weder wegen eines Leidens noch wegen einer Schwäche noch wegen irgendetwas sonst. Und wenn dich auch je deine großen Vergehen so weit abtreiben mögen, daß du dich nicht als Gott nahe ansehen könntest, so solltest du doch Gott als dir nahe annehmen. Denn darin liegt ein großes Übel, daß der Mensch sich Gott in die Ferne rückt; denn ob der Mensch nun in der Ferne oder in der Nähe wandle: Gott geht nimmer in die Ferne, er bleibt beständig in der Nähe.
Auf dem Bild Chagalls, das den bezeichnenden Titel Einsamkeit trägt, finde ich die geigenspielende Kuh besonders nett. Hier das einfühlsame Tier nochmal im Detail:

Sonntag, 23. September 2012

Ich trage die Zeichen Jesu an meinem Leib − hl. Pio von Pietrelcina

Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (Gal. 6,14)
Vom Sonntag im Jahreskreis verdrängt wurde heute das Heiligenfest des hl. P. Pio von Pietrelcina, ein noch recht junges Fest im Heiligenkalender.

Im Laufe des Lebens Pater Pios und nach seinem Tode wurde von vielen wundersamen Begebenheiten berichtet. Wie ungeheuer beliebt er gerade in Italien war, ist mir auf Reisen aufgefallen, wo oft sogar an Bauzäunen viele Aufrufe nebeneinander klebten, für die Seligsprechung Pater Pios zu beten.

Mich berührt, wenn ich an P. Pio denke, besonders dies: daß Gott einem einfachen und demütigen Kapuziner in San Giovanni Rotondo die Gnade verliehen hat, über mehr als fünfzig Jahre hinweg seine Wunden zu tragen.

Samstag, 22. September 2012

364 Tage beten und ein Schweigemarsch – Marsch für das Leben 2012

eine Santa Lucia 
ist für den Anfang genau das richtige!
von der Santa Lucia zu den Holy fields…




derweil am Wegesrand: 
silly hats – ich bin ein Kuchen?!

der Marsch nimmt den Weg Unter den Linden

Gegendemo spielt Hase und Igel: 
ick bün all dor…
Dankgottesdienst für 3000 Teilnehmer 
drinnen und draußen – Deo gratias!
Der Marsch für das Leben in diesem Jahr war der vierte in Berlin und (wenn ich mich recht erinnere) der auch der vierte, bei dem ich mitgegangen bin. Erfreulicherweise ist die Zahl der Teilnehmer erneut gestiegen, so trugen in diesem Jahr etwa 3000 Teilnehmer das Anliegen auf die Straße, für das die Lesungen der Matutin heute morgen wie gemacht schienen: Höre Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen.

Die nur etwa hundert Gegendemonstranten kamen einem dagegen wirklich wie ein versprengtes Häuflein vor. Daß wir 3000 waren und sie 100, daß wir mit Stolz ein Kreuz, ein Muttergottesbild oder ein Transparent in die Hand nehmen, die Gegendemo sich dagegen vermummt oder auf Bildern verpixeln läßt, kommt mir einleuchtend vor: ich glaub, so radikal gegen das Leben einzutreten, mit Transparenten, die ein gekreuzigtes Schwein zeigen, und Parolen wie „Mein Bauch gehört Bier“[sic!] – wer kann sich denn mit sowas identifizieren, wer für so etwas ernsthaft eintreten?

Die frauenpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Killat, behauptete im Vorfeld des Marsches, die radikalen Abtreibungsgegner würden „alle Frauen als gewissenlos diffamieren, die eine schwierige und persönliche Entscheidung getroffen haben“. Ich möchte mal wissen, wo Frau Killat diesen Eindruck hernehmen will – ich hab noch nie gehört, daß jemand auch nur annähernd so etwas vorgetragen hätte. Im Gegenteil, man merkt die intensive Auseinandersetzung, bei einigen die große persönliche Betroffenheit mit den Anliegen und Schwierigkeiten der Frauen, auch und gerade nach einer Abtreibung. (Auch fragt Killat, wer außer der Mutter die Entscheidung über das Leben des Kindes denn treffen solle? Wie wär es denn mit: Gott?!) Mir erscheint die Äußerung von Präses Ansgar Hörstig viel sinnvoller und stimmiger:
Wir weisen darauf nicht besserwisserisch hin, sondern mitleidend. Und wenn der Marsch vorbei ist, folgen 364 Tage, an denen wir helfen, beten, unterstützen und an der Seite der betroffenen Menschen stehen.
Fazit: der Marsch verlief sehr friedlich und nahezu ohne Störung. Dabei und drumherum gibt es auch immer wieder Raum für schöne Begegnungen mit Menschen von überallher und aus allen Konfessionen. Unsere eigenen Bischöfe hab ich dieses Jahr allerdings vermißt; auch wenn ein Grußwort gekommen ist: es ist doch schön, wenn der Hirt die Herde geleitet. Und: es gibt nicht mehr genug Kreuze für die Teilnehmer, gerade das Zeichen des Kreuzes hat aber das Bild dieser Demonstration für das Leben in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt.

Am besten bring ich mir im nächsten Jahr ein eigenes Kreuz mit. Wir waren ein wenig geknickt, als unmittelbar vor uns die Kreuze „ausgegangen“ sind. Als ich dann darauf kam, das Kreuz meines Rosenkranzes in die Hand zu nehmen, hab ich mich gleich ein gutes Stück besser gefühlt.

Freitag, 21. September 2012

Morgen: Marsch für das Leben 2012

Früher hieß der Marsch für das Leben, wenn ich mich recht erinnere, „1000 Kreuze für das Leben“. Eigentlich etwas schade, daß der direkte Bezug auf das Kreuz im Namen aufgegeben wurde, denn ich erinnere mich noch gut, welch ein Quell des Kraftes und des Trostes mir das Kreuz, das ich tragen durfte, mir gerade bei der allerersten Teilnahme an einem solchen Marsch war. Das Kreuz ist wirklich die Fahne, das Banner des Königs, und es ist mir eine Ehre, es tragen zu dürfen.

Morgen ist es wieder soweit − wir tragen das Kreuz Christi auf dem Marsch für das Leben mit uns. Mitblogger Josef Bordat hat uns dazu von unterwegs in Südamerika sogar ein Grußwort geschrieben und hofft auf einen friedlichen Verlauf. Bei feierlichen Einzügen in der Liturgie oder bei Prozessionen hört man vorher noch ein „Procedamus in pace“, wenn sich der Zug in Bewegung setzt, darauf hoffen wir morgen auch. Es ist eine Demonstration, aber eine Demonstration für das Leben und den Wert des geschaffenen Lebens. − Wer noch Sachen packen kann, packt vielleicht eine Regenhaut mit ein (es soll vielleicht Regen geben), und später am Abend ist in St. Bonifatius noch Nightfever.

Daß man den Marsch „von innen“ ganz anders wahrnehmen kann als „von außen“ (das heißt, mit der Kamera draufgesehen), ist mir in vergangenen Jahren immer wieder aufgefallen. Manchem mag vielleicht angesichts der Gegendemonstranten der Gedanke tröstlich sein, daß das nichts Neues unter der Sonne ist: Jesus Christus selbst wurde beschimpft, mit Steinen beworfen, geschlagen und angespuckt − warum sollte es dem Jünger anders gehen als dem Meister? Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.

Donnerstag, 20. September 2012

Nungazing am Donnerstag

…für Taucher (obwohl, Schwimmen und Angeln
darf man in der Klausur wahrscheinlich auch nicht)

Umgestellt

freuen Sie sich – oder auch nicht!
Gestern ists passiert – ich wurde zwangsumgestellt. Nachdem ich mich von jeder bisherigen Erprobung der neuen Benutzeroberfläche mit Grausen abgewandt und sogar die Methode notiert hatte, wie man wieder zur bisherigen Oberfläche zurückkehrt – Blogger hatte nämlich mehrmals einfach mal so eben umgestellt, Überraschung! – und nach längerer Ignoranz der entsprechenden Vorwarnung hieß es gestern vormittag: siehe, ich mache alles neu! Was einmal oben war, wird unten sein und was rechts war, ist nun links oder gleich ganz woanders – wer kommt denn etwa auf die Idee, die gesamte Blogübersicht unter Design zu suchen? Eigentlich sollte alles übersichtlicher und schneller werden, und ich hätte mich freuen sollen. Stattdessen find ich nichts mehr und freuen tue ich mich auch überhaupt nicht.


Anscheinend gibts diesmal auch keinen Way of return, jedenfalls konnte ich noch keinen finden. Bisher gefällt mir einzig die Möglichkeit, die Bildunterschrift direkt unters Bild in den Rahmen zu setzen, das war nämlich vorher etwas frickelig, vor allem, wenn man denselben Beitrag mit verschiedenen Browsern und Betriebssystemen bearbeitet hat. Daß Blogger beim Fertigstellen eines Artikels erstmal die tatsächliche Uhrzeit bzw. das gegenwärtige Datum standardmäßig nimmt, finde ich auch günstiger.

HTML, mit dem ich eigentlich gut kann, ist allerdings irgendwie noch unübersichtlicher in der Darstellung geworden, das ist ein Kunststück, das man erst einmal fertigbringen muß. Vielleicht sollte ich hier noch ein wenig mit dem Rädchen bei Optionen herumspielen?
„Im Lauf der nächsten Wochen werden wir die Standardoberfläche auch für diejenigen unter euch ändern, die noch die alte Version verwenden, um allen Nutzern die Vorteile der verbesserten Blogger-Oberfläche zugänglich zu machen.“
hieß es lapidar im April auf Googles Produktblog. Schreibt doch gleich, wir machen, was wir wollen, ob euch das nun paßt oder nicht – das wäre wenigstens ehrlich. Jedenfalls hab ich es gestern nicht geschafft, einen Artikel zu schreiben, der mir dann auch gefiel. Blogger kills my creativity, jawohl, alles Leben tötet das. Laßt mich zufrieden mit der neuen Oberfläche und ihren Vorteilen, ich hab die alte sehr gern gehabt.

Dienstag, 18. September 2012

Atonement – Fegefeuer und Sühne

Die Verfilmung von Ian McEwans Atonement war gestern auf Arte zu sehen. Trotz aller schönen Bilder ist es letztlich eine niederdrückende Geschichte. „Was ist Wahrheit?“, könnte man mit Pilatus fragen, denn es ist schwierig, aus dem Konglomerat verschiedener Blickwinkel einen herauszufinden, der der echte sein könnte. So bleibt am Ende eher die Feststellung, daß es womöglich verschiedene Wahrheiten gäbe, nämlich die, die jeder der Handelnden jeweils dafür hält.

Der Titel Atonement, ein Wort, das wir eher mit Sühne als, wie geschehen, mit Abbitte übersetzen würden, klingt vertraut in katholischen Ohren. Die junge Briony wählt dazu den harten Weg, etwas aufzugeben, was sie gerne getan hätte (in Cambridge zu studieren), um etwas zu tun, was sie eigentlich nicht tun will: in einem Londoner Krankenhaus Schwesternschülerin zu werden. So gerät sie als Probeschwester im Lazarett in die Wirren des ausbrechenden zweiten Weltkrieges. Indem sie die Arbeit auch unter widerwärtigen Bedingungen nicht aufgibt, beweist sie Stärke. Diese scheinen Teil ihrer Buße, die sie als so unabänderlich hinzunehmen scheint, wie die im Purgatorium – man weiß nicht, wie lange es dauert und hat jede Menge Zeit, über die eigenen Fehler und Unvollkommenheiten nachzudenken.

Die Frage, die mich während des ganzen Films und auch danach erstmal nicht verlassen hat, ist die, inwieweit man überhaupt von Schuld sprechen kann? Ein sehr junges Mädchen sieht etwas, das es für etwas ganz anderes hält – und damit ist die Szene am Brunnen gemeint, nicht die in der Bibliothek! Eigentlich sieht sie es nicht einmal wirklich, sondern wirft nur einen kurzen Blick darauf, ebenso wie später bei dem Ereignis am gegenüberliegenden Flußufer, in dem sich für sie der Anblick in der Bibliothek und der unmittelbare untrennbar zu vermengen scheinen. Daraus entsteht ein Verhängnis.

So ist der Mann, den die dreizehnjährige Briony in der Dunkelheit am andern Flußufer zu sehen glaubt und der (für eine kurze Viertelstunde) der Liebhaber ihrer Schwester war, ihr geheimer Schwarm und zugleich ihre erste Liebe. Daß dieser nicht sie, das Kind, sondern die ältere Schwester liebt, die auch noch schön ist, fügt einen Faden Eifersucht und Auch-haben-wollen zu dem Gewebe unterschwelliger und offen zutage tretender starker Gefühle hinzu. Als sie ihre romantische Phantasie, von ihm aus Todesgefahr gerettet zu werden, unmittelbar umsetzt, schreit er sie an – weil er sich sehr erschrocken hat, verständlich für den Betrachter. Briony dagegen erschrickt darüber selbst heftig – ihr Unbewegtsein ist nur äußerlich. Was auch erklärt, wieso die Dreizehnjährige erstmal einen zweideutigen und unseligerweise vom Absender vertauschten Brief des vermeintlichen Sittenstrolchs aus der Schmuckschatulle ihrer Schwester herauskramt, um ihn den Eltern und damit der Polizei in die Hände zu geben.

Auch hier wie bei der verhängnisvollen Aussage vor der Polizei, kann man sich die Frage stellen, ist das eigentlich Schuld? Eine Aussage vor der Polizei zu machen, von der Briony erst Jahre später in einem Moment, in dem es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, erkennt, daß sie so nicht stattgefunden hat? Der Mann von damals war ein anderer.

Man ist geneigt zu sagen, Briony hätte damals lieber sagen sollen, daß sie den Mann nicht erkannt habe, indes weiß der Zuschauer eigentlich nicht, ob das für sie wirklich so war oder ob sie den Bruchteil eines kurzen Anblicks nicht vielmehr so gründlich vergessen hat, daß das Bewußtsein die Lücke mit etwas anderem gefüllt hat, das wahrscheinlicher schien oder vom Unterbewußtsein mehr gewollt wurde – ohne die fatalen Konsequenzen zu erkennen, die das mit sich bringen würde.

Der vermeintliche Täter kommt ins Gefängnis und erst frei, als er vor die Wahl gestellt wird, entweder weiter eine ungerechte Strafe zu verbüßen oder als Soldat für England zu kämpfen. Die ältere Schwester wird Krankenschwester, Briony bleibt wohl mit ihren Eltern auf dem viktorianischen Landsitz ihrer Familie zurück. Sie alle scheinen bereits in einer Art Zwischenwelt zu leben, der des beständigen Wartens.

Briony enthüllen sich die eigentlichen Zusammenhänge nur allmählich, und das, was sie für ihre Schuld, für die Konsequenz einzig ihres Handelns ansieht, begleitet sie ihr ganzes Leben. Selbst bei dem, was sie für die Auswirkungen ihres Tuns hält, ihre Schwester und deren Geliebten um ihre gemeinsame Zukunft gebracht zu haben, habe ich mich gefragt, ob es nicht vielleicht ohnehin so gekommen wäre: er im zweiten Weltkrieg an der Front in der Normandie und Celia derweil ebenfalls als Krankenschwester im bombardierten London? Alles, was danach kommt, hätte sich so auch ohne die Ereignisse im Sommer 1935 zutragen können.

Beim Lesen der Inhaltsgabe des Films habe ich mich später schon irgendwie gefragt, ob wir wirklich denselben Film gesehen haben?
Weil sie durch eine bewußte Falschaussage den nicht standesgemäßen Liebhaber ihrer älteren Schwester ins Gefängnis bringt, zerstört eine altkluge 13-jährige Möchtegern-Schriftstellerin im England der 30er Jahre das Leben und die Liebe zweier Menschen.
Nein, so einfach ist es nicht mit der Frage nach Schuld und Wahrheiten oder dem, was man dafür hält. Es beginnt schon damit, daß ich mich wundere, warum Briony an dieser Stelle eine „altkluge Möchtegernschriftstellerin“ genannt wird. Nur weil ein phantasievolles und begabtes Mädchen offenbar nicht den Vorstellungen entspricht, die der Schreiber dieser Zeilen sich von einer Dreizehnjährigen im Jahre 1935 (oder überhaupt) gemacht hat, braucht sie ja noch nicht altklug zu sein. Und auch „Möchtegernschriftstellerin“ trifft nicht zu, in der Tat ist sie es, ihr ganzes Leben lang. Sogar als Probeschwester im Lazarett schreibt Briony: die Ereignisse des Sommers 1935 und der Jahre danach bestimmen ihr ganzes schriftstellerisches Schaffen. Atonement ist eher der Stoff, aus dem fruchtbare Beichtgespräche oder Psychoanalysen sind. Ein Film, der zugleich die existentiellen Fragen berührt: woher komme ich, wohin gehe ich? Liegt irgendein Sinn im Schönen, im Leiden, im Streben des Menschen nach dem Guten?

Nach The comfort of strangers ist Atonement jedenfalls die zweite Verfilmung eines Romans von Ian McEwan, die ich für ausgesprochen sehenswert halte. Die schöne und stellenweise kühle Optik der dreißiger und vierziger Jahre tut ein übriges dazu.[1] Die rauchenden Trümmer von Dünkirchen mit ihrem Mord und Totschlag an Mensch und Tier wirken dagegen wie etwas, das direkt aus Dantes Inferno kommen könnte.

Noch beim Schlußmonolog – ein Kurzauftritt von Vanessa Redgrave, die dafür natürlich und zu Recht ein „and“ bekommt – ist nicht klar, ob die Schrifstellerin Briony Taliss mit ihrer Aussage, sie habe ihrer Schwester und Robbie durch ihr literarisches Werk die Zukunft verschafft, die sie im Leben nie hatten, nicht einer weiteren Selbsttäuschung unterliegt. Sie nennt dies einen „Akt der Güte“, wiewohl nichts, aber auch gar nichts jemals etwas daran ändern kann, daß die beiden unabänderlich tot und ihre Leiber zerfallen sind. Sie haben keine Zukunft gehabt und werden hienieden keine haben. Und wieder ist man bei der Pilatusfrage: was ist Wahrheit?

Jedenfalls ein Film, der den Betrachter mit vielen Fragen zurückläßt, indes keine Geschichte „ohne Hoffnung“, wie Briony sie im Rückblick nennt. Es gibt Hoffnung, die in der Läuterung liegt, sogar im Prozeß der Läuterung selbst, auch wenn man sie unter Umständen nicht sieht, solange man sich darin befindet. Die Hoffnung ist, daß man aus diesem Prozeß als ein anderer hervorgeht, daß die Buße, die man sich auferlegt oder die einem auferlegt wird, eines Tages wirklich Sühne sein kann. Sie ändert zwar am Geschehen oder an den begangenen Fehlern nichts mehr, trägt aber zur Heilung bei. Die Hoffnung, daß Schmerz und Leid letztlich einen Sinn haben, den wir vielleicht nicht erkennen können, wenn wir uns darin befinden, daß das Gute in uns den Schmelzofen des Leidens überdauert und sich als Gold erweist.
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[1] Kleider wie Keira Knightley und die kleine Briony sie tragen, sehen wirklich nur an Frauen gut aus, die (noch) überhaupt keine Figur haben, hab ich mit gewisser Faszination festgestellt.

Ist das nett!




Kurz vor Oktober ein fliegender Rosenkranz unterm Himmel (bei der Libanonreise des Heiligen Vaters) – für große Spielkälber und kleine. Heilige Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Montag, 17. September 2012

Jegliches hat seine Zeit − Quatember

Die Woche nach Kreuzerhöhung gehörte zu den traditionellen Quatembern der Kirche. Die Frage, was eigentlich genau Quatember sei, hat mich daran erinnert, daß eine Freundin nach dem Katechumenat genau die gleiche Frage wälzte, daraufhin den nächstgelegenen Priester fragte und dieser es auch nicht zu wissen schien. Irgendwie scheint das Wort auch aus dem Sprachgebrauch unserer Gemeinden verschwunden oder als etwas gehandhabt zu werden, was man früher hatte. Dabei sind die Quatember mitnichten abgeschafft, sie sind sogar im liturgischen Verzeichnis vermerkt, womöglich vor allem, um den Zelebranten daran zu erinnern, daß er das Meßformular für die Quatember nimmt.

Quatember sind ganz einfach Bußtage, die wie die Tage der Advents- oder Fastenzeit seit altersher mit Fasten, Abstinenz, vermehrten Andachtsübungen, Almosengeben und dem Gebet in den Anliegen der Kirche verbunden waren (aus diesem Grund fanden Priesterweihen auch oft in den Quatembern statt). Historisch lassen sie sich in die Zeit zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert zurückverfolgen. Noch dem CIC von 1917 war zu entnehmen:
Abstinenz und Fasten sind zu halten am Aschermittwoch, an den Freitagen und Samstagen der Fastenzeit, an den Quatembertagen und an den Vigiltagen von Pfingsten, Allerheiligen, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und Weihnachten.
Durch die Quatember sollen der Anbruch der jeweiligen Jahreszeiten geheiligt werden, der der Natur wie der der Kirche. Die Kirche ermutigte die Gläubigen daher auch dazu, in dieser Zeit das Bußsakrament zu empfangen.
Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei − gedenke, daß Quatember sei.
(Englisch klingt es ähnlich nett: Fasting days and emberings be: Lent, Whitsun, Holyrood, and Lucie oder ganz kurz: Lenty, Penty, Lucy, Crucy)
dienen als Merkverse, um sich die Lage der Quatember einzuprägen. Die Quatember fielen demzufolge in die erste Woche der Fastenzeit, in die Pingstoktav, nach Kreuzerhöhung und in die dritte Woche der Adventszeit (nach dem Fest der hl. Lucia am 13. Dezember, also bevor die Kirche mit den O-Antiphonen in die unmittelbare Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn eintritt) − Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Dabei gelten als Quatembertage nach alter Tradition der Westkirche Mittwoch, Freitag und Samstag, man kommt also so auf eine Zwölfzahl an Quatembertagen: je drei Tage in vier Wochen. Mittwoch und Freitag sind alte Fasttage in der katholischen Kirche: Mittwoch, der Tag, an dem Judas Iskariot Jesus verriet und Freitag, an dem er gekreuzigt wurde.

Papst Paul VI., erklärte 1966 das Fasten der Gläubigen an den Quatembern für nicht mehr verbindlich und ermunterte die Bischofskollegien, die sonstigen Einzelheiten selbst festzulegen. Warum man sich hier in der Folge dazu entschied, die Quatember zu verlegen, mögen historisch klügere Köpfe als ich beantworten. Nur die Frühlingsquatember blieben, wo sie einmal waren, in der ersten Woche der Fastenzeit. Die anderen Quatember sind nun: vor Pfingsten, in der ersten Oktoberwoche und in der ersten Adventswoche. Das möge sich merken wer will, vielleicht erscheint es verwirrender, weil kein rechter Sinn darin zu liegen scheint: gerade die Verlegung der Herbstquatember auf die erste Oktoberwoche bedeutet die Trennung der altehrwürdigen Verbindung des Festes der Kreuzerhöhung und dem Beginn der Fasten in einigen Orden, wie etwa den Karmelitinnen und den Kartäusern. Vorher gabs also eine Verbindung zur Liturgie der Kirche, jetzt nur noch zur (natürlichen) Jahreszeit. Da wir aber auch nicht mehr zu fasten brauchen, ist mehr als eine schöne Verbindung durchtrennt.

Ich finde das schade: wie im Beitrag Fastenzeit und Fastenopfer schon einmal bemerkt: Gewiß kann der einzelne nach Belieben fasten, doch hat es noch einmal einen anderen Charakter, wenn er dies in Gemeinschaft mit der Kirche tut, die es sich als ganze vornimmt, und da erscheinen zumindest mir Aschermittwoch und Karfreitag als einzige verbliebene Fast- und Abstinenztage eines ganzen Kirchenjahres als deutlich zu wenig.

Außerdem: warum alte Bräuche ohne Not über Bord werfen? Solche Bräuche schaffen Identifikation mit dem Sein und Tun der Kirche als Leib Christi. Zuerst entkleidet man die Tage ihres Brauchtums, dann verschiebt man sie auf einen scheints einigermaßen willkürlich gelegten Zeitpunkt. Wenn dann irgendwann das Wissen darum schwindet, braucht man sich hier, meine ich, nicht zu fragen, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Es vernachlässigt meiner Ansicht nach auch, daß unser Leben zum Kranz (und auch zum Glanz) des Kirchenjahres eine Verbindung hat. Indem wir das Jahr der Kirche mit seinen Festen, Sakramentalien und Brauchtümern mitleben, erhalten und stärken wir diese Verbindung. Ich fände es daher schön, wenn die Quatember an ihren angestammten Platz zurückkehrten.

Das Meßformular für die Quatember ist meines Wissens eine Votivmesse in den Anliegen der Kirche. Dabei vermehrt für die geistlichen Berufungen zu beten oder die Heilige Messe in diesen Anliegen zu feiern, ist sicher ein guter Gedanke: wir sind der Leib Christi und jeder einzelne von uns ist ein Glied an ihm.

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Bild rechts: Ymber day tart, ein Traditionsrezept für die Quatember aus Grünzeug, Safran und Zwiebeln.

Sonntag, 16. September 2012

Eine Nacht tut es der andern kund


Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund, ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Wenn man bedenkt, daß all diese Schönheit im völligem Schweigen geschieht und wieder vergeht: eine Nacht tut es der andern kund, ohne Worte und ohne Reden. – Gute Nacht!
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Das Bild, das noch gut zum Sonntag nach Kreuzerhöhung paßt, zeigt den Nebel IC 405 im Sternbild Auriga.

Samstag, 15. September 2012

Flohmarktschätze

Da es grade um alte Rezepte ging – ich hab ein Kochbuch von 1913, das ist nicht nur eine Fundgrube, sondern auch ein wahrer Augenschmaus, schon wegen der schönen Ornamente und durchsichtigen Pergamentblätter über den farbigen Tafeln, die der Hausfrau über Form und Farbe der beliebtesten Süßwasserfische, zahmes Geflügel und dessen Zubereitung oder unsere gesündesten Gemüse Auskunft geben. „Wie man einen Hasen auszieht“ wollte ich immer schon mal schon nicht wissen.

Auch waltet darin die Hausfrau wohlfrisiert und mit der schönen Spitzenwäsche der Jahrhundertwende ihres Amtes, indem sie mit kundiger Hand ein gefülltes Brot oder eine Hohlform herstellt oder auch Maronen glasiert. Bevor ich mit dem ein oder anderen altertümlichen Rezept beginne, hier zur allgemeinen Erbauung das ganz reizende Vorsatzblatt:
Die tüchtige Hausfrau: ein praktisches Nachschlagebuch der gesamten Hauswirtschaft, Kochkunst, Putzmacherei, Hausschneiderei, Wäschenäherei, Kunststopferei, sämtlicher Handarbeiten, nebst nahezu 1000 erprobten Ratschlägen und einem neuen großen Kochlexikon für die sparsame Hausfrau.



Passend zur Jahreszeit und nicht ohne Situationskomik – also hier gilt es wirklich, genau hinzusehen! (Da aber der Kaiserling mittlerweile vom Aussterben bedroht ist, fällt die Entscheidung dann doch wieder leicht.)

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Antonie Steimann, erschienen im Süddeutschen Verlagsinstitut Julius Müller, 1913.

Freitag, 14. September 2012

Unter dem Quittenbaum

Herbst – und auf der Obstwiese sind die Pflaumen und Quitten reif. Für Quitten konnte ich mich nie wirklich begeistern, vielleicht, weil man sie anscheinend nur zu Marmelade, Gelee und mit etwas Aufwand auch noch zu Süßkram, Saft und Tee verarbeiten kann – aber sie sehen einfach schön aus. Wer sie verarbeiten möchte, muß allerdings den Pelz, der nicht nur Blätter, sondern auch Früchte ganz bedeckt, gut entfernen, da er voller Bitterstoffe ist; Bitterstoffe sind auch der Grund, warum man die Früchte roh gar nicht essen kann. Unten ein altes Rezept für ein aus Quitten zubereitetes (alkoholisches) Getränk.



so wars im Frühjahr
…in der Vergrößerung sehen Arachnophile
zwei Weberknechte bei gemeinsamen Mahl
oder der Erwartung eines solchen
(ich fang oben an, du unten)

…wohl bekomms!
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