Dienstag, 31. Juli 2012

Zur höheren Ehre Gottes – hl. Ignatius von Loyola

Zu den wundervollen Dingen in der katholischen Kirche gehören die Heiligen. Wenn schon die gottgeweihten Menschen als Schatz der Kirche, gleichsam als Gnadenstrom, betrachtet werden sollen[1], so auf jeden Fall die Heiligen, denn in seinen Heiligen wird Christus verherrlicht und in jedem Heiligen sehen wir etwas von dem göttlichen Glanz des Antlitzes Christi.

Vielfach tritt uns das Wirken in den Heiligen des Ordens entgegen, den der Heilige gegründet hat, vor allem in den jesuitischen Märtyrern und Missionaren, wie etwa die hll. Jean de Brébeuf, Isaak Jogues, Franz Xaver oder Paul Miki und ihre Gefährten, die unsagbare Entbehrungen und Leiden auf sich genommen haben, um den Menschen von der Kraft des Kreuzes Christi zu künden, und daß Christus auch für sie gestorben ist – jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.

Vom hl. Ignatius wußte ich bis jetzt nicht, daß er in einem Stall geboren wurde, wie Christus. Nicht, weil es sich so ergeben hätte, sondern bedachtvoll, seine Mutter wählte eine sehr leibliche Methode der Betrachtung der Menschwerdung. Iñigo de Recalde de Loyola wurde auf einem Schloß geboren und entsprechend dieser Abstammung wurde er Höfling, später Soldat. In der Schlacht von Pamplona 1521 wurde er so schwer verwundet, daß er fast ein Jahr ans Bett gefesselt blieb (seine in der Schlacht gebrochenen Beine mußten zum Geraderichten ein weiteres Mal gebrochen werden – man stelle sich das in einer Zeit ohne Betäubungs- und Schmerzmittel und vor allem Antibiotika vor). In der Zeit seines Krankenlagers wandte er sich den Leben der Heiligen zu: da sie menschlich waren wie ich, könnte ich genauso heilig sein wie sie, stellte er erstaunt bei sich selbst fest.

Nach seiner Genesung wallfahrtete er in armseliger Kleidung zu einem Muttergottesbildnis in der Abtei der Benediktiner von Montserrat und legte diesem sein Schwert zu Füßen – um fortan für Christus zu streiten und einzutreten.

Interessant ist, daß der hl. Ignatius, der nach siebenjährigem Studium einen Orden hochgelehrter Theologen und Philosophen gegründet hat, den er die Gesellschaft Jesu – Gesellschaft im Sinne von Gefährten – nannte, in seinen geistlichen Übungen sehr leibliche Dinge zu Papier bringt, wie die Freude an den Dingen, mit denen uns Gott umgibt, und daß es besser sei, weniges gut kennenzulernen als vieles nur oberflächlich, denn: „Nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her.“

Ignatius gehört zu den Heiligen, die sich durch die Betrachtung des Lebens der Heiligen zu Gott hinwendeten (wie etwa auch die hl. Teresia Benedicta vom Kreuz): ein hervorragendes Beispiel, wie fruchtbringend solche Lektüre sein kann, ohne daß der Heilige oder der Autor einer solchen Vita selbst das je erfahren hätte; auf diese Weise geschieht auch das zur höheren Ehre Gottes.

Aus den Überlieferungen des hl. Ignatius[2] wissen wir, daß er sich bei der Beschäftigung mit dem Leben der Heiligen eines Tages fragte, ob ein solches Leben nicht etwas sein könnte, das etwas mit ihm selbst zu tun hätte?

Als er nämlich das Leben unseres Herrn Christus und der Heiligen las, dachte er bei sich nach und folgerte: Wie, wenn ich so lebte wie der heilige Franziskus oder der heilige Dominikus? Vieles Derartige überlegte er in seinem Herzen, und auch diese Gedanken beschäftigten ihn ziemlich lange. Darauf folgten dann wieder oberflächliche weltliche Gedanken, mit denen er sich erneut lange Zeit abgab. Dieser Wechsel der Gedankengänge in ihm hielt längere Zeit an.

Bei diesen verschiedenartigen Gedanken jedoch gab es einen großen Unterschied: wenn er sein Denken auf Weltliches richtete, empfand er großes Vergnügen. Hörte er aber damit ermüdet auf, dann erfaßte ihn Traurigkeit und Trockenheit. Wenn er dagegen über die harten Lebensregeln nachdachte, die er die Heiligen befolgen sah, dann empfand sein Geist Freude, und zwar nicht nur dann, wenn er sie im Herzen hin und her überlegte, sondern er fühlte sich auch dann noch froh, wenn er von ihnen abgelassen hatte. Zuerst bemerkte und wertete er diesen Unterschied nicht, bis ihm eines Tages die Augen des Herzens aufgingen und er sich über diesen Unterschied zu wundern begann. Denn durch Erfahrung erkannte er, daß bei der einen Art von Gedanken Traurigkeit, bei der andern aber Freude zurückblieb. Das war die erste der Überlegungen, die er über das geistliche Leben anstellte.


___
Bild: hl. Ignatius, unbekannter Maler
[1] Papst Benedikt XVI. am 16. Juli 2012 in seinem Schreiben Resplendens stella
[2]aus den mündlichen Überlieferungen des hl. Ignatius, aufgezeichnet von Louis Gonsalvez

Montag, 30. Juli 2012

Himmelblau!

Auf den schönen Bildern der Priesterweihe des Instituts Christus König und Hoherpriester sah man ja schon ziemlich viel Himmelblaues am Rande und im Chorgestühl (in der Tat ist mir gleich das blaue Birett aufgefallen, ein blaues sieht man ja nicht alle Tage).

Dabei ist mir eingefallen, daß diese Gesellschaft des apostolischen Lebens seit wenigen Jahren Schwestern hat, die Anbetungsschwestern des königlichen Herzens Jesu. Noch sind es ziemlich wenige, vierzehn insgesamt, angefangen haben sie mit dreien. Was über deren Lebensgestaltung zu lesen ist, klingt aber schön und als könnten Eintretende da einfach gut katholisch sein: Gesang des Chorgebets im gregorianischen Choral (für Puristen: auf Latein), tägliche eucharistische Anbetung und Rosenkranz, Herstellung von Altarwäsche und Sorge für die Meßgewänder und Paramente. Obwohl die Schwestern ein Leben führen, das eher dem Gebet, der Betrachtung und dem Studium gewidmet ist, leben sie nicht in päpstlicher Klausur. Sie sollen die Priester des Instituts durch ihr Gebet stützen und können vor Ort womöglich die Sakristei betreuen, auch in der Katechese oder der Mädchenbildung sind Aufgaben denkbar.

All das viele Blau kommt übrigens daher, daß die Gemeinschaft dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht ist. Die Tracht gehört jedenfalls definitiv in die Reihe derer abseits vom Einheitsschwarz. Sonderpunkte gibts für den schön traditionellen Habit mit Chormantel. leichten Punktabzug für einen gewissen Schlumpfigkeitsgrad des Blautons. Macht überhaupt nichts: gratia supplet.[1] Ich find die Idee einfach schön.






___
[1] Will heißen: wem Gott die Gnade verleiht, da einzutreten, der sieht über die Frage von Blautönen wahrscheinlich völlig hinweg.

Der Primizsegen


Über dieses Bild eines Primizsegens Anfang Juli im Institut Christus König und Hoherpriester wird diskutiert, fast tut es mir leid, daß ich es nicht vor ein paar Tagen, als ich es zuerst gesehen hatte, eingestellt habe, denn ich finds einfach nur schön.

Wiewohl ich mir zum Tragen der Cappa magna auch manchmal denke, bei all den drängenden Problemen, die die Kirche heute vielerorts auf der Welt hat, muß man da überall in dieser Schleppe und Pontifikalschuhen einschweben? Aber, mit Verlaub gesagt, das ist hier doch gar nicht das Thema. Das ist das Thema:


(Nein, nicht Spitzenalben, die gefallen mir meist, sondern die Priesterweihe.) Und, egal mit wieviel oder wiewenig Pomp ein Primizsegen gespendet wird, er ist etwas Kostbares.

Sonntag, 29. Juli 2012

Und noch ein Fundstück…


…zum Heiligenfest
(Pieter de Bloot, Christus im Hause von Martha und Maria, 1637). Ja, wenns da so ausgesehen hat, kann man die hl. Martha womöglich gleich viel besser verstehen… ;)

Ich glaube, daß du der Sohn Gottes bist – Fest der hl. Martha

Der Gedenktag der hl. Martha wird in diesem Jahr vom 17. Sonntag im Jahreskreis verdrängt. – Als im letzten oder vielleicht auch vorletzten Jahr der Zelebrant spaßeshalber vor der Heiligen Messe fragte, ob ich lieber Martha oder Maria wäre, hab ich spontan eher zu Martha tendiert.[1] Denn dann hätte sich Jesus mir in einzigartiger Weise offenbart und ich hätte gesagt: Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. (Allerdings müßte der arme Herrgott dann wohl auch essen, was ich ihm vorsetze. Wiederum dürfte ich ihn bedienen, das wär schön.)

Im Grunde ist dieses tiefe und vertrauensvolle Glaubensbekenntnis Marthas natürlich unseres, derer, die sich zum Glauben bekennen – wie die Offenbarung des Herrn in dem Gespräch mit Martha eigentlich für die ganze Menschheit gedacht ist: Ich bin die Auferstehung und das Leben …glaubst du das? Schaue ich auf die Ereignisse in Bethanien, fällt mir allerdings jedesmal auf, wie ungeheuerlich der Anspruch Jesu zu sein scheint, wieviel er da an Zutrauen verlangt – denn er sagt es noch vor der Auferweckung des Lazarus – und Martha sagt ganz schlicht: „Ja, Herr, ich glaube, daß du es bist, der Sohn Gottes.“

Zwar stelle ich es mir sehr schön vor, wie Maria zu Jesu Füßen zu sitzen, ich glaube aber, daß er zu anderen Zeiten auch mit Martha gesprochen und sie gelehrt haben muß. Auch muß sie ihm etwas bedeutet haben, denn es heißt im Evangelium: Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. Martha ist die, die nach den Worten des Herrn, sich „sorgt und Unruhe schafft um vieles“ – ist das nicht manchmal ein Abbild unseres eigenen Lebens? Zugleich ist sie die, die all ihr Zutrauen auf ihn setzt, weil sie sicher ist, daß er der Sohn Gottes ist, daß nicht nur sie erlösen kann, sondern die ganze Welt.
___
[1] Er allerdings wollte wohl eher auf Maria hinaus…
Illuminationen aus dem Codex Egberti, einer Handschrift aus der Zeit der Ottonen

Samstag, 28. Juli 2012

Die Katzentaste

Nachdem ich etwas über 1050 Fotos mit der neuen Kamera geschossen hab, fiel mir mir bei der Suche nach etwas ganz anderem vorhin gerade auf, daß die Kamera eine Katzentaste hat (das heißt, sie hat eine Menüfunktion, die eine Katze anbietet – genau die richtige Kamera für mich). Was genau der Unterschied zu vorher ist, weiß ich zwar nicht, aber ich hab sie mal ausprobiert, weil sie so nett aussah.

Mit oder ohne Katzentaste können Katzophile unten feststellen, daß bei Dreifarbigen auch der Nasenspiegel mehrfarbig sein kann. Ja, so sieht das an heißen Tagen hier aus. There's no place like home.


Zzzt…
Auf der anderen Seite schläft sich es sich, glaub ich, doch
noch etwas besser!  (ohne Katzentaste aufgenommen)
…ja, schnarch… 
…so rum mag ich am liebsten.

Tierischer Besserwisser

Sich bei 32° C eine Nebenhöhlengeschichte einzufangen, ist wahrscheinlich ein Kunststück.[1] Nachdem ich jedenfalls gestern abend das Gefühl hatte, zwei Köpfe auf den Schultern zu haben, fand ich dieses Bild irgendwie witzig und passend. Ich glaub, irgendwann heut mittag hab ich den Witz dann auf einmal ganz verstanden. Heilige Einfalt!

___
[1] Oder doch nicht? Der Ventilator scheint der Übeltäter.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Größenwahnsinn

Bei der Hitze reizt es mich zu Satirischem:

Über das meist handelsübliche Kleidergrößensystem bin ich früher manchmal in eine Art komischer Verzweiflung geraten. Mein persönliches Highlight hatte ich diesbezüglich vor Jahren bei agnès b.: Auf die Frage, ob das Twinset meines Wohlgefallens in Größe 40/42 vorhanden sei, bekam ich die Auskunft, die führten sie leider überhaupt nicht. Das macht staunen. Auf die unwillkürliche Frage: „Warum nicht?“ wurde mir die schlichte Antwort: „Weil wir nicht wollen, daß so dicke Frauen [sic!] bei uns kaufen!“ An dieser Stelle vergab ich spontan die goldene Zitrone aller Zeiten und wandte mich von dannen, um mein Geld fortan anderswo unter die Leute zu bringen.

Vorher schon und nachher auch wieder kaufe ich das meiste, was ich brauche, bei langlebigen Labeln, bei denen M wirklich mittel ist und mir paßt – ich brauche es nicht einmal zu probieren.

Am Dienstag nun brauchte ich sehr kurzfristig Söckchen und kehrte daher spontan bei H & M auf der Friedrichstraße ein (in dem haben sie auch halbwegs normale Sachen, wie mir von draußen aufgefallen ist). Auf dem Weg zu den Socken hab ich eine Jacke in einer meiner Lieblingsfarben entdeckt, deren Material sich auch ganz wunderbar anfühlte; kein Wunder, ein Gemisch aus Baumwolle und Modal.[1] Größe M sah zunächst passend aus, eine weitere Prüfung ergab allerdings, daß ich in diesem Falle besser L nähme – vielleicht liegt das aber auch an meinem Schicklichkeitsempfinden. An dieser Stelle wiederum ist es Zeit, sich über das Größensystem außerhalb irgendwelcher Öko- oder handgenähter hiesiger Label zu wundern:

Teilweise finde ich die Hersteller hier eher uncharmant: wenn ich ein Top Größe 40/42 kaufe, kann es mir bei verschiedenen Anbietern passieren, daß ich eines der Größe XL wählen muß. Wieviele Xe vor dem L braucht denn jemand, der Größe 52 benötigt? Eigentlich habe ich eine Figur wie Marilyn Monroe, ein Etikett der Größe XL gibt mir dagegen das Gefühl, die Ausbuchungen eines Kartoffelsacks zu haben.[2] Größe XS wird wahrscheinlich gern von Spazierstöcken getragen.

Größe L war nicht da, dafür aber massig XS (siehe oben). Eine sehr nette Unterhaltung an der Kasse – die mir an dieser Stelle auch nicht schwerfiel, denn die Verkäuferin hätte eine noch viel größere Größe gebraucht – ergab allerdings, daß es durchaus L gäbe, nur war sie halt ausverkauft. Eine Gelegenheit, die tiefschürfende Frage im Herzen zu bewegen, warum man zu Zeiten, wo offensichtlich die meisten Frauen L brauchen (sonst wär sie ja nicht ausverkauft) nicht einfach mehr von L vorhält und weniger XS? Oder man nennt einfach die Dinge beim Namen und eine mittlere Größe eine mittlere Größe.

Kaufe ich unter solchen Umständen dann L, kann ich mich übrigens über merkwürdige Korrelationen bei Stangenware wundern: daß jemand eine weibliche Figur hat, bedeutet nicht notwendigerweise, daß er an sich würfelförmig wäre oder 2,50 m groß oder aber Arme hätte, die ihm bis ans Knie reichen. Nur mal so bemerkt. (Ärmel oder Säume lassen sich wenigstens schnell ändern, bei fehlender Taille oder zu breiten Schultern sieht das schon anders aus).

Also Leute, wenn ihr mich aus einer Menschenmenge herausfinden wollt oder euch angesichts eines Fotos fragt, welche mag sie wohl sein? Ich bin die Dicke, die Größe L trägt. (Andererseits tragen alle anderen womöglich auch L.)
___
[1] Modal ist eine Hohlfaser, die aus Zellulose gesponnen wird. Atmungsaktiv, glatt, natürlich und spendet Wärme.
[2] Und nein, der Spruch, „Ich habe Größe 38 – auf einer Seite!“, paßt nicht. Auch hab ich keine Konzertflügelbeine.

Dieser Sohn ist Gott – Fest der hll. Anna und Joachim

Eine Amerikanerin hat ihr Befremden über einige der hierzulande verbreiteten Darstellungen der Anna selbdritt etwas drollig ausgedrückt, indem sie sie mit den russischen Babuschkas verglich, in dem sich in der einen Holzpuppe jeweils eine kleinere zweite befindet. Sie zieht daraus aber den richtigen Schluß, es geht um die Blutsverbindung Jesu zu Anna und Joachim und damit um seine Menschennatur. Da Jesus der Sohn Gottes ist, den Maria vom Heiligen Geist empfangen hat, sind die Eltern Marias, die Großeltern Jesu, das Bindeglied zur Menschheit. Sie wiederum haben die reine Jungfrau hervorgebracht[1], die wir als Jungfrau über allen Jungfrauen anrufen.

Der hl. Johannes von Damaskus faßt die Freude, die die Kirche über die Geburt der Jungfrau Maria empfindet, aus der sich wiederum erklärt, daß die Kirche die Eltern Marias ehrt, zusammen wie der Prophet Jesaja: ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Ja, dieser Sohn ist Gott.

Da aus Anna die jungfräuliche Gottesmutter geboren werden sollte, wagte die Natur nicht, der Gnade vorzugreifen, und Anna blieb unfruchtbar, bis die Gnade die Frucht bildete. Sie, die den Erstgeborenen der ganzen Schöpfung, in dem alles Bestand hat, gebären sollte, mußte selber eine Erstgeborene sein.

Joachim und Anna, du glückliches Paar! Die ganze Schöpfung ist euch verpflichtet. Denn durch euch hat die Schöpfung dem Schöpfer das vorzüglichste aller Geschenke zugeführt, die heilige Mutter, die allein ihres Schöpfers würdig war.

Freu dich, Anna, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze. Juble, Joachim, denn aus deiner Tochter wurde uns ein Kind geboren, ein Sohn geschenkt, dessen Name ist: Wunderbarer Ratgeber, Bote des Heils für die ganze Welt. Starker Gott. Ja, dieser Sohn ist Gott.

Joachim und Anna, du glückliches Paar, du makelloses Paar! An der Frucht eueres Leibes erkennen wir euch, wie der Herr sagt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Ihr hab ein Leben geführt, das Gott gefiel und des Kinds würdig war, das aus euch hervorging. Keusch und heilig habt ihr gelebt. Das Kleinod der Jungfräulichkeit habt ihr hervorgebracht, sie, die Jungfrau war vor der Geburt, bei der Geburt und nach der Geburt, sie, die einzige allzeit Jungfräuliche an Geist, Seele und Leib!
______
[1] Was wohl auch erklärt, wieso man das mit den „Babuschkas“ nicht weitertreibt, also nicht auch noch die Urgroßeltern in die Verehrung einbezieht und immer so weiter. In der Tat hatte ich mich zwischendurch gefragt, warum eigentlich hier haltmachen? Insofern ist es vielleicht nicht schlecht, sich das einmal vor Augen zu führen. Der Geburt Mariens wie der des Erlösers (und auch des Vorläufers, der auf manchen Anna-selbdritt-Bildern mit dargestellt ist) haftet etwas Wunderbares an: es kommt jeweils ein Engel – im Falle Annas und Joachims sogar zwei, zu jedem der beiden einer – und kündet die Geburt eines Kindes an.

Bilder: Anna selbdritt, Meister des Berliner Skizzenbuches, 1525; Illumination aus Speculum humanae salvationis (Spiegel der menschlichen Erlösung), Mitte 15. Jhd.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Dienstag, 24. Juli 2012

Zum in die Luft gehen – Amelia Earhart hat Geburtstag

Zum 115. Geburtstag Amelia Earharts brauch ich unbedingt dieses Foto. (Das ist nicht Amelia Earhart, aber nur wenige Jahre nach ihrem Verschwinden aufgenommen – es zeigt eine Flugzeugmechanikerin im zweiten Weltkrieg, jedenfalls ein sehr interessantes und kraftvolles Bild, wie ich finde.) Das Schicksal der unkonventionellen Fliegerin, die bei ihrem Versuch verschwand, nach zwei Transatlantikflügen (als erste Frau) als erster Flieger überhaupt die Erde entlang des Äquators zu umrunden, ist heute vermutlich geklärt. Am 2. Juli 1937 stieg Amelia Earhart in Neuguinea auf, danach galt sie als verschollen. Neueste Funde von persönlichen Gegenständen auf Gardner Island lassen es wahrscheinlich erscheinen, daß schon in den 40er Jahren gefundene Überreste der berühmten Fliegerin zuzuordnen sind.

Christusträger

Vom Leben des hl. Christophorus ist uns hauptsächlich Fragmentarisches überliefert, etwa die Geschichte, wie er zum Christusträger wurde: er suchte nach dem mächtigsten Herrscher, um diesem dienen zu können. Den Dienst eines Königs verließ er, nachdem er feststellte, daß dieser nicht der Gesuchte sein könne.

Ein heiliger Einsiedler riet ihm, Gott zu dienen, dadurch, daß er an einer Furt Reisenden über den Fluß helfe. Eines Tages kam ein ganz kleines Kind an den Fluß, dessen Gewicht Christophorus trotz seiner geringen Größe kaum tragen konnte – kein Wunder, das Kind trug die Sünde und Last der ganzen Welt. Von dieser Begebenheit hat der Heilige seinen Namen und zugleich das Patronat aller Reisenden zu Fuß, zu Lande, in der Luft und auch für die letzte Reise, die ein Mensch antritt, die in den Tod.

Zum Heiligen gibt es eine sehr reiche Ikonographie, vor allem flämischer und deutscher Maler, daneben aber unter den Illuminationen alter Stundenbücher. Oftmals ist auch der ratgebende Eremit mit dargestellt. Eine kleine Auswahl:


Christophorus-Meister, um 1500

hundsköpfige Ikone des Heiligen

Joachim Patinir, um 1520

Jan Mostaert, Anfang 1600

Maîtres de Guillebert de Mets, Illumination im Stundenbuch des Jean sans peur, 1409-1419

Jan Mandyn, um 1600 – dieses Gemälde wirft auch den Blick auf das Martyrium, indem es das Haupt des Märtyrers im Baum hängend zeigt.

Jan Wellens de Cock, zwischen 1495 und 1528

Gebet zum heiligen Märtyrer im Stundenbuch von Hastings, um 1470. Blümchen! Schmetterlinge!

___
oben links: Claude Bassot, Altarretabel in der Kirche von Jésonville dans les Vosges

Montag, 23. Juli 2012

Sommerliches Stilleben


Heut ist grad so schönes Wetter und ich hatte frei. – Der Flame Alexander Adriaenssen, der im 16. Jahrhundert gelebt hat, scheint aus irgendeinem Grund hauptsächlich Bilder mit toten Fischen gemalt zu haben (hier ist die Katze, die ihn mopst, gleich mitporträtiert); unter seinen Werken ist aber auch dieses schöne Stilleben, das die Stimmung des warmen Sommertages gut einfängt.

Der Herr ist mein Hirte…


So spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben. Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes. (Ez. 34, 11-13)

Das Bild vom Hirten, der sich um seine Herde sorgt, durchzieht die ganze Liturgie des 16. Sonntags im Jahreskreis.

Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Dieser Schlußsatz des Evangeliums hat mich begleitet. Benedicte Deus hat dazu ein Bild eingestellt, das den guten Hirten zeigt, wie er ein Schaf aus dem Dornengestrupp befreit – ein schönes Bild des Bußsakramentes.

Der Antwortpsalm zu dieser Messe ist Psalm 23, der Herr ist mein Hirte, den ich sehr liebe. Ein Bild, an dem meine Gedanken schon in Kindertagen hängengeblieben sind, ist der Vers: dein Stecken und Stab trösten mich. Als Kind habe ich das zwar schon als Bild des Hirtenstabes erkannt, der nicht nur den Hirten kennzeichnet, sondern für diesen auch ein Werkzeug ist, mit denen er Schafe vom Abgrund zurückreißen kann. Allerdings habe ich Stecken und Stab als eines angesehen, denn sonst hätte ich keinen Sinn drin gefunden – wie sollte mich ein Stecken trösten können? In der Tat heißt es aber in der lateinischen Fassung: Virga tua et baculus tuus, ipsa me consolata sunt. Hieraus geht vielleicht ein wenig deutlicher hervor, daß es sich um zwei verschiedene Gerätschaften des Hirten
handelt. Das, was als Stecken bezeichnet wurde, war wohl eine Art stachelbesetzter Keule zur Abwehr von Raubtieren. Ich hoffe ja, daß auf der Kinderzeichnung der arme Wolf nicht im nächsten Moment den Stecken zu spüren bekommt, aber der Sinn ist klar: komm meinen Schafen nicht zu nahe!

Unter den vielen Bildern, uns Jesus Christus als den vor Augen stellen, der die Worte des Propheten Ezechiel erfüllt, ist das des guten Hirten eines eines der eindringlichsten und zärtlichsten.

Samstag, 21. Juli 2012

Wenn Pfanne, dann Pfanne…

Im Zuge der Robusta-Nominierungen kam ich bei Glaubenssache vorbei, die über einen vermeintlichen Text der großen hl. Teresa von Avila reflektiert, der unter dieser Zuschreibung auch schon unter anderem von Margot Käßmann, von Ameleo und in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendungen zitiert wurde.

Dazu fällt mir erstmal ein: Nö jetzt, oder? Aus dem Grab der Heiligen, zu deren Attributen die Taube des Geistes, die Feder (die ikonographisch manchmal sogar eine flammende Feder ist) und das Birett der Kirchenlehrer gehört, hört man erste Rotationsgeräusche.

Glaubenssache kann kaum glauben – ha! was für ein Wortspiel! – daß dies wirklich der Feder der hl. Teresa von Avila entflossen sein soll, und ich muß sagen, ich kann es auch nicht. Zwar bin ich nicht die große Teresa-Expertin, hab aber unter anderem doch etliche Zeit damit zugebracht, sie ins Englische oder Deutsche zu übertragen bzw. im Rahmen anderer Arbeiten Werke Teresas zitiert. Weder ist das der Sprachfluß Teresas, noch etwas, was Teresa gesagt haben könnte, es klingt einfach überhaupt nicht nach ihr. In welchem ihrer Werke soll das denn bitte stehen?

Durch die Zuschreibung dieses Gebets – meines Erachtens ein übrigens reichlich mäßiges – wird der Heiligen geradezu ein Tort angetan. Das soll die Mystikerin sein, die Papst Benedikt gerade eine „äußerst erleuchtete, erhabene und eloquente Tochter der Diözese von Avila“ genannt hat, die zugleich kein Blatt vor den Mund genommen habe, diese abgehetzte, melodramatische Hausfrauenmeditation? .oO(„Herr der Bratpfannen, am Ende des Tages komme ich zu dir…“)
Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie
hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen
und ach, so abscheulich!
Jeder, der schon mal mit dicker Bratensoße vollgekleisterte Pfannen und Töpfe am Stück abgewaschen hat, mag letzteres nachvollziehen. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, daß Teresa sich nicht damit aufgehalten hätte, sich über die „abscheuliche“ Pfanne auszulassen. Die Pfanne ist halt grad da, man nimmt es, wie es kommt.

Was mich daran, glaub ich, wirklich etwas ärgert, ist, daß die Betrachtung über die unselige Bratpfanne eine Trennung vornimmt, wo für Teresa überhaupt keine ist. Man kann Bratpfannen abwaschen und beten. Man kann den Abwasch als Gebet auffassen oder die widerwärtig erscheinende Arbeit als Opfer darbringen. Um eine andere der karmelitischen heiligen Theresen sinngemäß zu bemühen (in diesem Falle die kleine, von Lisieux): „Verweigern wir nicht das geringste Opfer…, aus Liebe eine Bratpfanne abzuwaschen, kann eine Seele bekehren. Welches Geheimnis!“

Richtig ist, und da kommen vielleicht die Töpfe und Pfannen her, daß Teresa angemerkt hat, Gott wäre auch zwischen ihnen zu finden. Und das stimmt ja auch. Teresa faßte die manuelle Arbeit, die womöglich in der Stille der Zelle verrichtet wurde, ebenso als Möglichkeit des Gesprächs und der Begegnung mit Gott auf wie die Gebetszeit. Deshalb soll bei der Arbeit Stillschweigen bewahrt werden. Alle meditieren und alle arbeiten jeweils nahezu zur selben Zeit (diejenigen, die mit Kaffeekochen oder Wecken dran sind, stehen früher auf. Aber auch bei diesem Amt wechseln sich die Schwestern ab). Teresa hätte also viel eher gesagt „Wenn Gebet, dann Gebet, wenn Pfannen, dann Pfannen“. Und da haben wir es auch schon:
Wenn euch der Gehorsam Beschäftigung mit äußeren Dingen aufträgt, dann versteht, daß der Herr zwischen den Kochtöpfen weilt, falls es in der Küche ist, und euch innerlich und äußerlich hilft. (Buch der Gründungen 5,8)
Das Interessante ist, daß Teresa dies unmittelbar nach einem Exkurs über die innere Freiheit des Menschen im geistlichen Leben schreibt, die er dadurch gewinnt, daß er die Dinge im Gehorsam tut, die ihm jeweils gerade aufgetragen sind. In diesem Sinne gibt es für Teresa kein „Ich habe keine Zeit…“, sondern es ist tatsächlich wie im Buch Kohelet: Jegliches hat seine Zeit, ein jedes Ding unter der Sonne.

Davon, daß der vermeintliche Teresatext auch historische Fehlleistungen wie etwa „die schwarzen Schuhe“ enthält, noch ganz zu schweigen, davon hatten wirs ja grade (die Schuhe der Unbeschuhten). Nachdem Teresa zu der Ansicht kam, es würden Schuhe gebraucht, trug man bei den Unbeschuhten bis in die jüngste Zeit hinein, also über vierhundert Jahre lang, leichte, aus Stroh und Stoffstreifen hergestellte Schuhe, sogenannte Alpargatas.

Und noch was: es gehört mehr dazu, aus einem frommen Gesäusel wirklich erleuchtete Rede zu machen. Solches Zeug führt eigentlich nur dazu, mir solche Gebetssammlungen „von Frauen für Frauen“ noch suspekter zu machen als sie es ohnehin schon sind. Außerdem halte ich es für unfein, grenzwertige Dichtkunst den Heiligen Gottes unterzuschieben. Bis jetzt ist es mir jedenfalls nicht gelungen, eine Quellenangabe für dieses angebliche Gebet der großen Mystikerin zu finden[1]. Da lese ich doch lieber das Original.

____
[1] Eine Sache, die fatal an diese Zusammenstellung von angeblichen Kirchenväter- und -lehrerzitaten über die Minderwertigkeit der Frau erinnert, die seit Jahren durchs Internet geistert. Die sind sämtlich ohne genaue Quellenangabe (Jahr, Werk, Seitenzahl). Wer hat schon die ganze Summa Theologica im Kopf – oder Lust, die an einem lauen Samstagabend mal eben in toto durchzusehen? – und weiß daher, daß der hl. Thomas von Aquin das nicht gesagt hat? Und schwups! wurde einem Kirchenlehrer was untergeschoben. Nicht schön.

Bild des Tages


Foto: Edouard Boubat

Freitag, 20. Juli 2012

Resplendens stella – ein Stern von großem Glanz

O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche, du hast Gottes Weisung geliebt. Heilige Theresia, bitte für uns bei Gottes Sohn.
(Antiphon zum Magnificat am Fest der hl. Teresa von Avila)

Im August, am 24. um genau zu sein, jährt sich zum 450. Mal die Errichtung des Karmels vom hl. Josef in Avila und damit die teresianische Reform (das heißt, das Gründungsdatum der unbeschuhten Karmelitinnen und Karmeliten).

Aus diesem freudigen Anlaß für die ganze Kirche hat Papst Benedikt vor wenigen Tagen, am Hochfest unser lieben Frau vom Berge Karmel, den Karmeliten, insbesondere denen der Diözese von Avila, einen wunderschönen, fast hymnischen Brief geschrieben, der es wohl wert ist, gelesen zu werden, denn er hat unendlich viel Bedeutung für die Kirche überall auf der Welt: all unser Streben muß auf Christus gegründet sein, zu ihm hin streben und in ihm seine Erfüllung finden, und unsere erste Sorge muß das Gebet sein, vor allem das Gebet um Berufungen. Es ist unendlich wichtig, daß die, die ihr Leben ganz dem Gebet geweiht haben mit ihrem Gebet die stützen, die apostolisch wirken (nicht, daß das Gebet kein Apostolat wäre, aber es trägt und stützt diejenigen, die „in der Welt“ für den Herrn arbeiten, vor allem aber die Priester).

Das Beispiel der hl. Kirchenlehrerin Teresa führt uns vor Augen, daß die Zeit, die wir im fürbittenden Gebet verbringen, niemals sinnlos verbrachte Zeit ist.

Der Brief ist natürlich auf Spanisch herausgekommen und mittlerweile auch auf Englisch. Ich bin zunächst über Vultus Christi auf dieses schöne Dokument aufmerksam geworden, der superschnell reagiert hat (noch am Tage des Erscheinens) und einzelne Absätze des Schreibens kommentiert. In deutschsprachigen Medien ist leider nur eine äußerst knappe Zusammenfassung erschienen und ich fürchte fast, da kommt auch keine deutsche Fassung mehr, zumal nicht mitten im Sommer. Papst Benedikt ist es aber wohl wert, im Ganzen gelesen und übersetzt zu werden – darum habe ich zur Tastatur gegriffen und zugeschlagen. Sowas macht wirklich viel Freude.

Den Brief heute einzustellen, paßt auch irgendwie, denn heute ist auch der Gedenktag des Propheten Elija, auf den sich der Karmel ja auch als Gründervater beruft und der mit großem Eifer für den Herrn eingetreten ist. Sein Ausspruch Zelo zelatus sum pro Domino Deo exercitum umrahmt das Ordenswappen mit dem Berg Karmel und den drei Sternen, von denen einer für Elija steht.

Das Dokument des Heiligen Vaters trägt den wunderschönen Titel Resplendens stella – ein Stern, der großen Glanz ausstrahlt –, der den Werken der hl. Teresa (Vida 32,11) entlehnt ist. Die hl. Teresa meint an dieser Stelle den Konvent zum hl. Josef in Avila, den sie auf die unmittelbare Eingebung Christi errichtete und der, wie er selbst verheißen hat, ein Stern werden solle, der großen Glanz ausstrahlt. Der Heilige Vater schließt mit der schönen Analogie, daß der ganze teresianische Karmel ein solch heller Stern am Himmel der Kirche sei.

Wie ihr seht, bin ich zur Zeit grad „voll des Karmels“ – dazu zu gegebener Zeit mehr, Deo volente.

An meinen ehrwürdigen Bruder, den Bischof Jesús García Burillo
von Avila,

1. Resplendens stella: „ein Stern, der großen Glanz ausstrahlt“. Mit diesen Worten ermutigte der Herr die hl. Teresa von Jesus, in Avila den Konvent vom hl. Joseph zu gründen und damit die Reform des Karmels zu beginnen, deren 450. Jahresgedächtnis wir am 24. August begehen. Aus diesem glücklichen Anlaß möchte ich mich mit der Freude der geliebten Diözese von Avila vereinigen, der des Ordens der unbeschuhten Karmeliten, des Volkes Gottes, das sich auf Pilgerfahrt in Spanien befindet, und mit all jenen in der ganzen Kirche, die in der teresianischen Spiritualität ein verläßliches Licht auf jenem Weg der Erkenntnis gefunden haben, daß der Mensch die wahre Erneuerung seines Lebens durch Christus gewinnt. Entbrannt von der Liebe zum Herrn, wünschte diese erhabene Frau nichts anderes, als ihm in allem zu gefallen. In der Tat sind nicht jene heilig zu nennen, die aufgrund ihrer menschlichen Qualitäten große Dinge vollbringen, sondern im Gegenteil jene, die in Demut Christus ihre Seele durchdringen und ihn durch sich handeln lassen, ihm wahrhaft erlauben, jedes Werk zu beginnen und jedes Stillschweigen zu tragen.
2. Sich von Christus in dieser Weise führen zu lassen, ist nur für den möglich, der ein intensives Gebetsleben hat. In den Worten der Heiligen von Avila besteht es darin, „bei einem Freund zu verweilen, mit dem wir oft allein zusammenkommen, weil wir sicher wissen, daß er uns liebt“. Die Reform des Karmels, deren Jahrestag uns mit innerer Freude erfüllt, wurde aus dem Gebet geboren und strebt zum Gebet hin. Durch die Abkehr von der abgeschwächten Regel und die radikale Hinwendung zur ursprünglichen Regel wünschte die hl. Teresa eine Lebensweise zu fördern, die eine persönliche Begegnung mit Gott begünstigte. Dazu war es erforderlich, „in der Einsamkeit in das eigene Innere zu blicken und sich nicht fremd zu stellen gegen einen so guten Gast“.

3. Die hl. Teresa strebte eine neue Art des karmelitischen Lebens in einer gleichfalls neuen Welt an. Die Zeiten waren schwer und in jenen Zeiten, wie diese Lehrerin des geistlichen Lebens sagte, „sollten die Freunde Gottes stark sein, damit sie die Schwachen stützen können.“ Und sie fügt beredt hinzu: „Die Welt brennt auf allen Seiten, man will gleichsam Christus aufs Neue verurteilen, weil man gegen ihn so viele falsche Zeugnisse vorbringt, man will seine Kirche zu Boden werfen und umstürzen. Nein, meine Schwestern, es ist jetzt nicht die Zeit, daß wir mit Gott von Geschäften handeln, an denen wenig gelegen ist! “[1] Erscheint uns nicht diese mehr als vierhundert Jahre zurückliegende, äußerst erleuchtete und herausfordernde Betrachtung der heiligen Mystikerin vertraut, angesichts der Zeiten, in denen wir leben?
Der äußerste Ziel der teresianischen Reform und der Errichtung neuer Klöster inmitten einer von geistlichen Werten entkleideten Welt bestand darin, die apostolischen Werke durch das Gebet beschirmen und ein Leben nach dem Evangelium zu ermöglichen, das jenen als Vorbild dienen könnte, die sich aufmachten, den Weg der Vollkommenheit zu suchen. Dem lag die Überzeugung zugrunde, daß jede wahrhafte eigene und kirchliche Erneuerung durch die Weise durch die um so treuere Weitergabe dessen bestimmt wird, wie Christus in uns Gestalt annimmt.

Die Heilige und ihre Töchter streckten sich genau danach aus und auch ihre karmelitanischen Söhne strebten einzig danach, in der Tugend voranzuschreiten. Hierzu schrieb Teresa: „Er schätzt eine Seele, die wir durch seine Barmherzigkeit mit unserem Bemühen und Beten für ihn gewinnen, höher als alle Dienste, die wir für ihn verrichten könnten.“ Angesichts von Gottvergessenheit ermutigte die heilige Kirchenlehrerin Gemeinschaften des Gebets, mit Eifer für jene einzutreten, die Christi Namen überall verkündigen, die für die Bedürfnisse der Kirche beten und die Nöte aller Völker zum Herzen des Erlösers bringen mögen.

4. Auch heute inmitten rasanter Veränderungen, muß wie im 16. Jahrhundert vertrauensvolles Gebet die Seele des Apostolates sein, so daß die erlösende Botschaft Jesu Christi mit tiefer Klarheit und großer Kraft erklinge. Es ist von großer Wichtigkeit, daß das Wort des Lebens harmonisch in den Seelen widerhallt, in kraftvollen Klängen, die die Herzen heranziehen.

Teresa von Avilas Beispiel ist uns bei dieser Herausforderung eine große Hilfe. Wir können feststellen, daß die Heilige zu ihrer Zeit bei der Verkündigung kein Blatt vor den Mund nahm und mit mit unerschöpflicher Leidenschaft wirkte, auf eine Weise, der Trägheit fremd war und von erleuchtetem Ausdruck. Ihr Vorbild erscheint an den Kreuzwegen unserer Zeit immer frisch und neu. In dieser Hinsicht erscheint uns von großer Wichtigkeit, daß die Getauften ihre Herzen durch das persönliche Gebet erneuern, das nach der Lehre der Mystikerin von Avila auch auf der Betrachtung der allerheiligsten Menschennatur Christi gründet, als dem einzigen Weg, Gottes Herrlichkeit zu finden. So werden sie wahrhaft Familien sein, die im Evangelium die Glut seiner Heimstatt finden, Gemeinschaften, die eines Herzens sind. Sie sind in Christus als ihrem Eckstein gegründet und dürsten nach hochherzigem und brüderlichem Dienst. Es ist ebenfalls erstrebenswert, daß das unablässige Gebet dem um Berufungen den Vorrang gibt und besonders die Schönheit des geweihten Lebens vor Augen stellt, das als ein Schatz der Kirche betrachtet werden muß, ein Gnadenstrom, in seiner aktiven wie in seiner kontemplativen Ausprägung.

Die Kraft Christi wird gleichermaßen die Anstregungen vervielfältigen, daß das Volk Gottes seine Stärke auf die einzig mögliche Weise wiedergewinne: der Gesinnung Christi in uns Raum zu geben und und sich in jeder Lebenlage radikal am Evangelium auszurichten. Dies heißt vor allem, den Heiligen Geist zu erlauben, in uns zu wirken, auf daß wir Freunde des Herrn und ihm ähnlich werden. Es bedeutet auch, seine Gebote in allen Dingen zu achten und Maßstäbe in uns heranzubilden, wie demütig aufzutreten, dem Überfluß zu widersagen, anderen kein Ärgernis zu geben und mit Einfachheit und Herzensfreundlichkeit voranzuschreiten. Jene um uns herum werden so die Freude erfahren, die unserer Nähe zum Herrn entspringt und erkennen, daß wir dieser Liebe nichts vorziehen, daß wir stets bereit sind, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt, wie Teresa von Jesus in töchterlichem Gehorsam gegenüber unserer heiligen Mutter, der Kirche.

5. Zu dieser Entschlossenheit und Ergebenheit lädt uns die äußerst erhabene Tochter der Diözese von Avila heute ein. In der Annahme ihres schönen Vermächtnisses in diesem Augenblick der Geschichte ruft der Papst alle Glieder dieser Teilkirche und besonders die Jugend auf, die allgemeine Berufung zur Heiligkeit ernst zu nehmen. Den Fußspuren Teresas von Jesus folgend, möchte ich allen, die ihre Zukunft noch vor sich haben, sagen: Mögt auch ihr danach streben, ganz Jesus zu gehören, nur Jesus und immer Jesus. Fürchtet euch nicht davor, so wie sie unserem Herrn zu sagen, „Dein bin ich. Was begehrst du, Herr, von mir?“ Und ich bitte ihn, daß ihr fähig sein mögt, seinem Ruf zu folgen, erleuchtet durch die göttliche Gnade, mit „entschlossener Entschlossenheit“ eure „ kleine Aufmerksamkeit“ darzubieten und darauf zu vertrauen, daß Gott niemals die verläßt, die alles hinter sich lassen, um seine Herrlichkeit zu gewinnen.

6. Die hl. Teresa verehrte mit tiefer Hingabe die allerseligste Jungfrau Maria, die sie unter dem süßen Namen des Karmels anrief. Ich stelle die apostolischen Bedürfnisse der Kirche von Avila unter ihren mütterlichen Schutz, auf daß diese, durch den Heiligen Geist erneuert, geeignete Wege finden möge, das Evangelium mit Begeisterung und Mut zu verkünden. Mögen Maria, der Stern der Evangelisierung, und ihr keuscher Bräutigam, der hl. Josef, dafür eintreten, daß die Kirche, der helle „Stern“, den der Herr durch die teresianische Reform ans Firmament gesetzt hat, weiterhin mit dem großem Glanz der Liebe und Wahrheit Christi die Menschheit erleuchte. Mit diesem Wunsch, verehrter Bruder im Bischofsamt, sende ich Dir diese Botschaft. Ich bitte Dich, sie der Herde, die deiner Fürsorge anvertraut ist, und besonders den geliebten unbeschuhten Karmelitinnen des Karmels vom Hl. Josef in Avila kund zu machen, so daß sie im Geist ihrer Gründerin in der Zeit voranschreiten. Ich bin ihnen stets für ihr inständiges Gebet für den Nachfolger des hl. Petrus dankbar. Ihnen, Dir, und allen Gläubigen in Avila erteile ich den apostolischen Segen als Unterpfand der himmlischen Gnaden.
Benediktus PP. XVI.

___
[1] Anm. der Übers.: Ganz zitiert läßt dieser Satz aus dem Weg der Vollkommenheit fast noch tiefer blicken: „
sie wollen seine Kirche zu Boden werfen und umstürzen; und wir sollen unsere Zeit aufbringen mit Bitten für Dinge, die, wenn Gott sie verleihen würde, vielleicht eine Ursache wären, daß wir eine Seele weniger im Himmel haben?“

Bild oben: einziges nach dem Leben gemaltes Bildnis, das noch von der Heiligen erhalten ist (Fr. Juan de la Miseria)

Zum Fest der hl. Margareta von Antiochia


Mnjam!

Nachdem LinkWithin diesen Beitrag optisch wahlweise mit Pferden oder Seepferdchen in Verbindung bringt (das ist ein Marzipandrache… ), nicht aber mit der hl. Margareta von Antiochia, hier vielleicht doch ein Link.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Mantillencontent

Zwischendurch: ein Fundstück zum Thema „dekorativer Mantillencontent“. (Womöglich allerdings sähe auch eine Vogelscheuche mit Mantilla gleich viel besser aus…) Die Mantilla ist aber auch besonders hübsch.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Fashionbeitrag: die Schuhe der Unbeschuhten

Da es grad so schön karmelitanisch hergeht auf dem Blog: neulich fragte mich jemand, wieso man die Unbeschuhten eigentlich „die Unbeschuhten“ nenne, wo sie doch Schuhe trügen. Eine berechtigte Frage.[1]

Als Teresa ihre Reform[2] begann, haben die ersten Karmelitinnen des Karmels vom hl. Josef in Avila tatsächlich ihre Schuhe entsorgt, da sie sich dem einfachen Leben nach der ursprünglichen Regel wieder annähern wollten[3]. Als die Gründungen der Klöster der Reform zunahmen, erkannte man vor dem Hintergrund auch des spanischen Klimas (von solchen Bedingungen wie etwa in Nordengland noch gar nicht zu reden), daß man doch Schuhe brauchte, um die Gesundheit der Schwestern zu gewährleisten. In der Folge trugen die Karmelitinnen schon zu Lebzeiten Teresas bis vor nicht gar nicht allzulanger Zeit – und an mindestens einem Ort auch noch heute – sogenannte Alpargatas. Das sind Schuhe, die aus Stroh geflochten und dann eingekocht wurden, so daß sie eine Form hatten, die in etwa paßte.

Begegnung der hll. Teresa, Klara und Catalina
 (hier ist nur die hl. Klara barfuß)
Leider etwas verschwommen, aber ganz echte Alpargatas
 (im Karmel von Kirk Edge)
Handelsübliche Alpargatas heute (ganz hübsch,
wäre leider allenfalls zum Gartenhabit tragbar)

Bernstein zitiert in Nonnen [4] eine walisische Schwester über ihre Freude, als sie zur Einkleidung auch Alpargatas erhielt: „Ich erinnere mich, wie ungeheuer privilegiert ich mir vorkam, als ich meine ersten Alpargatas bekam. Endlich eine echte Karmelitin zu sein, war wunderbar, was immer es auch mit sich brachte.“

Das ist eine Äußerung, die ich sehr gut verstehe. Mit sich gebracht haben jedoch diese Alpargatas, so bequem und pittoresk sie aussehen mögen, wegen des „in etwa“ zuweilen und vor allem im höheren Alter Fußdeformationen. Allerdings war das meines Wissens nicht der alleinige Grund, zum Tragen von Ledersandalen überzugehen: die Anfertigung von Alpargatas war nicht nur mit Zeitaufwand verbunden (das läßt sich in einem Kloster leichter verschmerzen) –, sondern mit mittlerweile einigermaßen hohen Beschaffungskosten: welches Stadtkloster hat mal eben zum Flechten geeignetes Stroh da? Was einstmals das billigste war und deshalb genommen wurde, mutierte nun zum Kostenfaktor und stand daher eigentlich dem Geist der Armut entgegen. Zudem verschleißen Alpargatas einigermaßen schnell. Gut gefertigte Ledersandalen, die ohne weiteres ein Vierteljahrhundert und länger halten können, sind die entsprechende Alternative unserer Zeit. An sich ist gegen Sandalen auch nichts einzuwenden, selbst Jesus Christus ja hat welche getragen.

____
[1] Besagte Fragerin könnte sich wegen fortwährend kalter Füße übrigens nicht vorstellen, bei den armen Klarissen einzutreten, die im Haus barfuß gehen bzw. Holzpantinen tragen. Beim Verlassen des Klosters oder zu entsprechenden Gelegenheiten tragen jedoch auch die Klarissen Ledersandalen. Wer gern viel barfuß geht, dürfte sich dort jedenfalls wohlfühlen.

[2] Der Teil des Karmels, der der Reform nicht gefolgt ist, wird übrigens nicht etwa „die Beschuhten“ genannt. Das Ordenskürzel ist OCarm. für Karmeliten. Die Unbeschuhten sind OCD, die Discalceaten, also die „Entschuhten“.

[3] Wiewohl die Regel des hl. Alberts über Schuhe oder auch nur Kleidung nichts aussagt – was nur beweist, daß man um Detailfragen keinen unnötigen Fetisch machen sollte. Allenfalls ist es eine Frage der Tradition und inwieweit es sinnvoll scheint, eine solche jeweils aufrechtzuerhalten.

[4] Marcelle Bernstein, Kindler, 1982

Dienstag, 17. Juli 2012

Lobet den Herrn, alle Völker – Gedenktag der sel. Märtyrinnen von Compiègne

Beim Lesen des Zettels, den eine der früheren Priorinnen der Karmelitinnen von Compiègne, Mutter Henriette von Jesus, schrieb, fällt auf, daß es ein Schriftstück von großer Klarheit, fast dichterischer Eleganz und zugleich ein völlig zeitloses Zeugnis ist. Sie reichte diesen Zettel den revolutionären Wachen durchs Klausurgitter und ließ ihn noch dort laut verlesen:
Wie falsch sind die Urteile,
die die Welt über uns fällt!
Ihre abgrundtiefe Ignoranz
mißbilligt unsere Gelübde.
Alles, womit sie sich schmückt,
ist schiere Eitelkeit.
Ihre einzige Wirklichkeit
ist die Sorge, die sie verschlingen wird.

Ich verachte ihren Stolz.
Ich sehe ihre Schmähungen als Ehre an
und gebe meinen Ketten den Vorzug
vor ihrer falschen Freiheit.

O freudenreicher, o stets heiliger Tag,
an dem ich, als ich mich dem Karmel versprach,
das Herz Gottes gewann.

O geliebte und teure Bande,
ich stärke euch an jedem Tag.
Alles, was mir die Welt zu bieten hätte,
erscheint in meinen Augen wertlos.
Euer Sarkasmus, Weltleute,
ist, verglichen mit meiner Glückseligkeit,
ein verräterisches Zeichen:
daß Freude alle Sorgen aufwiegt,
denen eure Seelen zum Opfer fallen.


Mitte Juli 1794, gegen Ende der Schreckensherrschaft der französischen Revolution und nur einen Tag nach dem Hochfest unserer lieben Frau vom Berge Karmel, wurden sechzehn Karmelitinnen in Paris enthauptet, da man sie der Verschwörung gegen den Staat beschuldigte. Diese „Verschwörung“ bestand darin, daß sie heimlich miteinander lebten und beteten, in der Tat hatten sie in einem gemeinschaftlichen Akt ihr Sterben als Opfergabe für den Frieden, für die Kirche und die Rettung Frankreichs dargebracht. Die Priorin, Mutter Therese vom hl. Augustin, nannte das Kreuz die einzige Waffe, die die Karmelitinnen jemals in ihrem Haus gehabt hätten. Wahrscheinlich war das sogar so – wie machtvoll ist das Kreuz!

Eine Handvoll Nonnen, wie tausende anderer Opfer, die im selben Massengrab ruhen – wieso hinterlassen gerade sie einen solch tiefen Eindruck?

Vielfach wurde das Schicksal der Karmelitinnen von Compiègne künstlerisch umgesetzt. Ihr Sterben, das sie wie ihr ganzes Leben nicht zuletzt auch der Kirche geweiht hatten, hatte aber auch Einfluß auf diese selbst: Von der kleinen hl. Therese weiß man, daß sie die Märtyrinnen von Compiègne verehrt hat: sie bewahrte mehrere Bildnisse dieser Märtyrinnen ihres Ordens auf und nahm mit großer innerer Beteiligung an dem Jahrhundertbegängnis des Martyriums teil. Ein Jahr später weihte sie ihr Leben in einem ähnlichen Akt der göttlichen Barmherzigkeit und fügte ihrem Ordensnamen noch das Attribut „vom heiligen Antlitz“ bei. Das Antlitz des Erlösers ist auch das Antlitz des leidenden Christus, etwas das von seiner Menschwerdung Zeugnis gibt, davon, daß er sein Blut für uns vergossen hat.

Eine andere selige Karmelitin, Sr. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit, lebte zu der Zeit, als die Karmelitinnen von Compiègne seliggesprochen wurden und starb nicht lange darauf, am 9. November. 1906 schrieb sie in einem Brief:
Wie wunderschön die Feier unserer Seligen gewesen sein muß und wie sehr du Gott gedankt haben mußt, der mich auf diesen Berg Karmel berufen hat, in den Orden, zu dessen Ruhm so viele Heilige und Märtyrer beigetragen haben. Oh! Wie glücklich wäre ich, wenn mein Herr auch von mir verlangte, mein Blut für ihn zu vergießen! Worum ich ihn jedoch im besonderen bitte, ist das Martyrium der Liebe, in dem die heilige Mutter Teresa sich verzehrt hat, die die Kirche ein Opfer der Liebe nennt.
Zur selben Zeit wie die Karmelitinnen von Compiègne waren im Kerker auch englische Benediktinerinnen in Haft, die in Cambrai in Flandern eine Gründung vorgenommen hatten. Diese waren von den Karmelitinnen tief beeindruckt, sie sahen den Akt der Hingabe der Karmelitinnen und deren Haltung im Kerker als heiligmäßig an, noch bevor sie das Martyrium erlitten. Durch einen glücklichen Zufall – die Gewänder der Karmelitinnen waren gewaschen worden und kamen nicht vor der Hinrichtung in den Kerker zurück (so daß die Karmelitinnen andere Kleidung zur Hinrichtung trugen) –, gelangten die Benediktinerinnen an Besitztümer der Märtyrinnen. Sie nahmen sie später, am 2. Mai 1795, mit nach England, wo die Benediktinerinnen von Cambrai die Abtei von Stanbrook errichteten. Eine dieser Gründerinnen war Dame Gertrude More, die Ur-urenkelin des hl. Thomas More.

Einhundert Jahre später schrieb die damalige Äbtissin von Stanbrook an die Priorin des wiedererrichteten Karmels von Compiègne:
Wir halten diese Dinge in hohen Ehren, als zwiefältige Reliquien: Reliquien der Märtyrinnen und solche unserer eigenen Mütter, die das Martyrium fast erlangt hätten. Wie glücklich wir sind, daß wir diese Sandale so viele Jahre aufgehoben haben! Sie scheint uns einzuladen, den Fußspuren jener zu folgen, die uns in Gestalt unserer karmelitanischen Mütter so sanft Lebwohl sagten, bevor sie den Karren nach Paris und zur Guillotine bestiegen, um jenen Thron der Herrlichkeit zu erlangen.
Mir bedeuten die heiligen Märtyrinnen von Compiègne ebenfalls sehr viel, zum einen, weil ich den Karmel und die Heiligen liebe, die er hervorgebracht hat. Zum anderen: schaut man auf das Sterben dieser Märtyrinnen – ich möchte auch so sterben, mit einem Wort auf den Lippen wie diese: Komm, heiliger Geist, der Leben schafft. Sr. Constance von Jesus, die jüngste Novizin, die den anderen voranging, sang, als sie hinaufstieg, den 117. Psalm:

Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen! Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.

Ave stella matutina – das braune Skapulier

Braunes Skapulier unserer lieben Frau vom Berge Karmel – Mutter und Zierde des Karmels, bitte für uns. Herz Jesu, erbarme dich unser.

Da anscheinend Interesse am Skapulier unserer lieben Frau vom Berge Karmel besteht: das hier ist meines. – Obwohl auf Bildnissen unserer lieben Frau, die dem hl. Simon Stock das Skapulier übergibt, dieses meist so hübsch kompakt aussieht wie meines, mag es sich ursprünglich um einen größeren Wollstreifen gehandelt haben, wie etwa unten auf dem Bild von Pietro Novelli (man beachte, wie geschickt der Maler das Skapulier positioniert hat). Auch ist möglich, daß sich die verkleinerte Form von der Gewohnheit des Ordens ableitete, einen Nachthabit zu tragen, der meist eine Art Light-Version des guten darstellte.

Scapula bedeutet einfach Schulterblatt, das heißt, das Skapulier ist auf Brust und Rücken (über den Schultern) zu tragen. Das Skapulier ist ein Symbol für das Joch Christi – nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

In der Vision des heiligen Karmeliten Simon Stock am 16. Juli 1251 übergab ihm die Gottesmutter das Skapulier mit den Worten: „Dies sei dir und allen Karmeliten ein Vorrecht. Jeder, der in diesem Gewand stirbt, wird gerettet werden.“ Durch den hl. Simon Stock verbreitete sich das braune Skapulier in der Welt, selbst Könige trugen es. Die letzten Worte des Heiligen, der 1265 bei der Visitation eines der Klöster des Ordens in Bordeaux starb, kennen wir heute als die des englischen Grußes: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Aus dieser Form der Marienverehrung leitet sich das sogenannte Samstagsprivileg ab. Es besagt, daß jene, die das braune Skapulier tragen, Keuschheit entsprechend ihrem Stand bewahren, mittwochs und freitags auf Fleisch verzichten, das marianische Offizium beten oder ein anderes frommes Werk verrichten (wie etwa täglich den Angelus oder den Rosenkranz zu beten). Wer das braune Skapulier trägt, fühlt sich dem Karmel verbunden, er braucht aber nicht selbst Karmelit zu sein.

Darstellungen der Vision des hl. Simon zeigen Maria – oft in einer Variante des Habits oder den Farben des Karmels, manchmal auch im marianischen Blau mit braunem Mantel (oder umgekehrt) – wie sie mit ihrem Sohn geradezu freigebig Skapuliere verteilt. Ein auch theologisch sehr schönes Bild, wie ich finde: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er umkehrt und lebt. Auf anderen Darstellungen tritt unsere liebe Frau für die armen Seelen im Fegefeuer ein.






Dem Skapulier haftet nichts Magisches an; in der Tat ist es ein Akt gläubigen Zutrauens. Der Träger wird durch das Auflegen in besonderer Weise unter den Schutz der Gottesmutter gestellt. Das braune Skapulier wird beim ersten Tragen von einem Priester aufgelegt und gehört zu den Sakramentalien, den heilswirksamen Zeichen der Kirche. Ein solches Zeichen gereicht dem gläubigen Träger – und womöglich auch dem Priester, der es aufgelegt hat – zum Heil.

Außer dem Hymnus Flos carmeli hat der hl. Simon Stock einen weiteren marianischen Hymnus geschaffen, Ave stella matutina.

Ave stella matutina,
peccatorum medicina,
mundi princeps et regina,
sola virgo digna dici,
contra tela inimici
clipeum pone salutis,
tuae titulum virtutis.
O sponsa Dei electa,
esto nobis via recta
ad aeterna gaudia.


Sei gegrüßt, du Morgenstern, Arznei der Sünder,
Fürstin und Königin der Welt, einzig würdige Jungfrau.
Gegen die Speere des Feindes erhebe den Schild des Heiles, das Zeichen deiner Stärke.
O erwählte Braut Gottes, sei für uns der rechte Weg zur ewigen Freude.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...