Samstag, 30. Juni 2012

Das Blut, das mächtiger ruft als das Blut Abels – kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus

Im Buch Genesis steht geschrieben, daß das Blut Abels, der von seinem Bruder Kain erschlagen worden war, vom Ackerboden zu Gott schreit. Und leider ist – heute wie gestern – dieser Schrei nicht verstummt, da weiterhin aufgrund von Gewalt, Ungerechtigkeit und Haß menschliches Blut fließt. Wann werden die Menschen lernen, daß das Leben unantastbar ist und allein Gott gehört? Wann werden sie verstehen, daß wir alle Brüder sind? Auf den Schrei aufgrund des vergossenen Blutes, der sich aus so vielen Teilen der Erde erhebt, antwortet Gott mit dem Blut seines Sohnes, der das Leben für uns hingegeben hat. Christus hat nicht das Böse mit Bösem vergolten, sondern mit dem Guten, mit seiner unendlichen Liebe. Das Blut Christi ist Unterpfand der treuen Liebe Gottes zur Menschheit. (Papst Benedikt am Fest des kostbaren Blutes 2009)

Nach alter Tradition nimmt die katholische Kirche in ihren Andachtsformen im Juli besonders das kostbare Blut unseres Herrn Jesus Christus in den Blick, das er für uns vergossen hat. Der Juli folgt auf den Herz-Jesu-Monat; in der Präfation dieses Hochfestes heißt es: Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche.

Der Verehrung des kostbaren Blutes war ein eigenes Fest am ersten Sonntag im Juli gewidmet. Auch gibt es eine eigene Litanei vom kostbaren Blut, die von dem sel. Johannes XXIII. vor 52 Jahren, am 30. Juni 1960, approbiert wurde. Die Litanei preist das kostbare Blut unter anderem als Lebensquell der Jungfrauen. So gibt es auch hier eine ganz unmittelbare Verbindung zu Christus und den Jungfrauen, die dem Lamm folgen, die das Lied singen, das kein anderer singen kann.

Wunderbare Stellen finden wir in der Heiligen Schrift über das Blut: es ist Zeichen des Bundesschlusses des alten wie des neuen Bundes. Mose besprengt das Volk Israel mit dem Blut der Opfertiere: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat. Und der Apostel hinterließ uns über das Blut des neuen Bundes die mitreißenden Worte:
Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind … Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.

Bei der Feier des letzten Abendmahls bezieht sich Jesus unmittelbar auf die Worte des Mose und die Besprengung als Zeichen des Bundes mit Gott: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden wegnehmen, hören wir vom Apostel im Hebräerbrief. Das Blut Jesu Christi konnte es – das Lamm Gottes hat die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen – und kann es immer noch. Der Empfang der hl. Kommunion hat auch sündenvergebende Wirkung, der Leib des Herrn bringt uns Heil und führt uns einmal zum ewigen Leben.

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Bild: Lawrence Lew OP

30. Juni – Sterbetag unseres Alterzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky

Das ist eine der nettesten Erinnerungen, die ich an Georg Kardinal Sterzinsky habe – bei der Übergabe des Schleiers bei meiner Weihe nahm er ihn vom Tablett, auf dem er angereicht wurde, und erkundigte sich einigermaßen vernehmlich nach der genauen Handhabung. Auf dem nächsten Bild sieht man dann die zu Hilfe eilende Begleiterin und lauter heitere Gesichter.

Heute haben wir das Jahresamt zu seinem Sterbetag gefeiert und gestern abend auch noch einmal an seinem Grab gebetet. Vielleicht bittet er auch für uns. Herr, gib ihm die ewige Ruhe und vergilt ihm all das Gute, das er für uns getan hat. Hier unten oder dort oben sind wir einander verbunden, es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Wo das Pallium hergekommen ist…


Wo das Pallium hergekommen ist…


…und wo es hinkam.
Gewonnen wird die Wolle am Gedenktag einer heiligen Jungfrau (Agnes), gewebt wird es in einem Kloster, das unter dem Patrozinium einer anderen heiligen Jungfrau steht (Cäcilia), aufbewahrt wird es bei den Reliquien des hl. Petrus – mithin wird es zu einer Kontaktreliquie des Apostels und zum Zeichen der Bindung. Gestern, am Hochfest Peter und Paul, wurde es auch unserem Erzbischof verliehen, Rainer Maria Kardinal Woelki. Am Gedenktag der heiligen Agnes segnet der Papst Lämmer, deren Wolle zum Weben der erzbischöflichen Pallien verwendet wird – ein sehr schöner Brauch, wie ich finde, bringt er doch die enge Verbundenheit zwischen Hirten und Herde bildlich zum Ausdruck.

Freitag, 29. Juni 2012

Planke, die uns rettet – Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus

Die Lesungen, die wir unterm Kirchenjahr werktags oftmals hören, geben uns einen Einblick, wie die äußerlichen Umstände des Lebens der Apostel gewesen sein müssen. Sie lebten oft in ärmlichen Quartieren, zogen umher und predigten, arbeiteten auch für ihr Auskommen. An einer Stelle betont Paulus, der Zeltmacher war, daß für seinen Lebensunterhalt „stets diese Hände hier gearbeitet haben“.

Um Christi willen erduldeten sie Ablehnung, Auspeitschung, Hunger und Durst, Einkerkerung, Verfolgung und Steinigung, auch den Versuch, sie als griechische Götter zu verehren (der Paulus ziemlich schockiert haben muß), Härten und Mühsal des Reisens. Paulus erlitt auf seinen ausgedehnten Reisen gleich mehrere Male Schiffbruch.

Als Petrus ablehnte, die Mission auch auf die Heiden auszudehnen, trat Paulus ihm in Antiochia offen entgegen. Insofern gefallen mir unter den Ikonen, die die beiden Apostel zeigen, die besser, auf denen die Apostel zusammen die Kirche halten, als die, die sie Wange an Wange zeigen. So harmonisch mag das nicht immer gewesen sein, bei den beiden Temperamenten. Und doch stand bei aller Verschiedenheit immer das eine im Mittelpunkt: die gemeinsame Sorge um die anvertraute Herde Christi.

Alter Tradition zufolge erlitten die beiden Märtyrer am gleichen Tag den Tod: Petrus durch das Kreuz, Paulus durch das Schwert. Sie starben auch in derselben Stadt, Rom, die der Hymnus zu den Laudes daher seligpreist. O Roma felix! Rom wird für den Purpur des Blutes der Apostel seliggepriesen und Haupt der Welt genannt, nicht für den Purpur der weltlichen Machthaber.
Die zwei Apostel haben an ein und demselben Tag gelitten. Aber auch diese beiden waren eins. Hätten sie auch an verschiedenen Tagen gelitten, wären sie dennoch eins gewesen. Petrus ging voraus, Paulus folgte. Wir feiern das Fest der Apostel, es ist uns heilig durch ihr Blut. Laßt uns ihren Glauben lieben, ihr Leben, ihre Mühen, ihre Leiden, ihr Bekenntnis, ihre Verkündigung.
schreibt der hl. Augustinus zu ihrem Fest.

Blick über den Tiber (eigene Aufnahme 2001)
Das nicht ganz so vollkommene Leben der Apostel mit all seinen Brüchen und Sprüngen, aber auch den Neuanfängen und den Versuchen, es besser zu machen, bringt uns – wie auch der Schluß des Evangeliums der Messe vom Vorabend – zu unserem eigenen Leben: manchesmal steht man auf einem Weg, den man selber nicht gewählt hätte oder an einen Ort oder zu etwas geführt, das man so nicht gewollt haben mag.

Beide Apostel müssen sich irgendwann einmal auch gedacht haben: warum mach ich das eigentlich? Bis es ihnen dann wieder eingefallen ist: wegen Christus. Um Christi Beispiel willen erdulden Christen Verfolgung, Ablehnung, Verspottung Bedrängnis und in unserer Zeit auch wieder das Martyrium. Wir sind Narren um Christi willen, faßt es der Apostel Paulus in kurze Worte und: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. – Der Gedenktag der hll. Apostel Petrus und Paulus ist nicht vor allem einer der triumphierenden Kirche, sondern der leidenden Kirche, der Kirche als Braut Christi und der, die leidet in ihren geringsten Gliedern.

Bei Pauli Schiffbrüchen ist mir immer auch eingefallen, daß er sich dabei, da antike Schiffe keine Rettungsboote hatten, im Meer treibend, wahrscheinlich an eine Planke geklammert haben muß. Den hl. Petrus hat der Herr selbst aus dem Wasser gezogen. Unsere Planke, die uns rettet, wie es der Hymnus besingt, aus dem Schiffbruch dieser Welt, ist das Kreuz Christi.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Siebenschläfer in Literatur und Rezeptur


Bild des Tages: der Siebenschläfer (zum Beitrag über den entsprechenden Heiligengedenktag bitte hier entlang). Diese reizenden Tierchen heißen wohl deshalb Siebenschläfer, weil sie im Juli noch eine Art Sommerschlaf halten. In Alice im Wunderland taucht ein Tier auf, das zwischendurch immer wieder plötzlich eindöst – das ist ein Siebenschläfer, denn die Handlung des Buches spielt im Juli. Auf englisch heißt das gute Tier übrigens edible dormouse.[1] Dazu sag ich jetzt lieber nix. Auch aus dem antiken Rom sind Rezeptvorschläge überliefert, wie man Siebenschläfer mit Mohnblumensamen und Honig zu einem schmackhaften Snack zubereitet. Kids, don't try this at home!

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[1] Trotz des auf -mouse endenden Namens (Schlafmaus) sind die Tiere eher mit den Hörnchen verwandt.

Dienstag, 26. Juni 2012

Jurassic Park liegt offenbar in weiter Ferne

Die Pintaschildkröte George konnte einem schon wegen des Namens leid tun –, der Spitzname „lonesome George“ deutete schon auf sein Schicksal hin: das männliche Exemplar einer Chelonoidis nigra abingdoni war das letzte seiner Art, die seit 1912 als ausgestorben bzw. wohl eher ausgerottet galt.

Von den fünfzehn Riesenschildkrötenarten der Galapagosinseln sind heute bereits vier ausgerottet, entweder weil man die Tiere zum Fressen gern hatte, weil man Schildpatt wollte oder den Schildkröten das Grünzeug nicht gönnte, was sie fressen. Solche Beispiele des schlechten Umgangs des Menschen mit der Schöpfung finde ich immer etwas bedrückend – so war es nicht gemeint mit der Schöpfung. Nun starb das einsame Männchen gestern im Alter von über 105 Jahren, was für solche Arten offenbar recht früh ist (es sollen auch Riesenschildkröten 250 Jahre alt geworden sein) – vielleicht wollte er auch einfach nicht mehr leben. Einundvierzig Jahre Gefangenschaft ist mehr, als man den meisten Menschen zumutet. Einen wunderschönen und abenteuerlich erscheinenden Film über die Befreiung von Schildkröten – allerdings Meeresschildkröten, die riesige Strecken zurücklegen – aus allzulanger Gefangenschaft in einem Aquarium hat Harold Pinter gedreht, Turtle Diary[1], nach einem Roman von Russell Hoban.

Diverse Versuche, das Erbgut der Chelonoidis nigra abingdoni mit Eiern verwandter Riesenschildkrötenarten zu erhalten, sind leider gescheitert. In Filmen wird die Gewinnung von Erbgut aus Fossilien bzw. konservierten Körpern und die Erzeugung neuen Lebens daraus ja gern mal ziemlich flockig und einfach dargestellt, ganz so einfach ist es nicht. Ersteres kann der Mensch, Leben auf diese Weise erschaffen kann er (noch) nicht. Was die interessante Frage berührt, was passiert, wenn er es kann? Erhebt sich dann der Mensch an die Seite Gottes, indem er Schöpfer wird? Herr, wie zahlreich sind deine Werke, in Weisheit hast du sie alle erschaffen, besingt der Psalmist die Schöpfung. Wird der Mensch das je verstehen und entsprechend handeln?
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[1] Auf deutsch auch Ozeanische Gefühle, von 1985

Montag, 25. Juni 2012

Unser Leben und unsere Hoffnung, sei gegrüßt – Salve regina

Quasi zu einem ganz kurzen, gleichwohl sehr schönen Minigottesdienst haben wir, das heißt, drei seiner früheren Meßdiener, uns gestern abend am Grab Kardinal Sterzinskys zusammengefunden, dessen Sterbetag sich ja am Samstag jährt: wir haben kurz vor Kirchenschluß dort das Salve Regina zusammen gesungen. Als wir wieder gegangen sind, standen überraschenderweise auch vor der Grablege andächtige Menschen.

Das schöne und so schlichte Salve Regina liebe ich sehr, auch in der Melodieführung, wie sie die Dominikaner singen. Wenn die geprägten Zeiten des Kirchenjahres zu Ende gehen, freue ich mich immer schon auf Salve Regina. Das kindliche Vertrauen, das Katholiken zur Muttergottes in allen Lebenslagen haben, kommt, glaub ich, in den schönen alten Anrufungen mit ihrem langgezogenen greogrianischen O, o clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria vollendet zum Ausdruck.


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Bild: Madonna del libro, Sandro Botticelli, 1483 (nicht Lippi, wie man meinen könnte. Lippi war allerdings ein Schüler Botticellis). Das ist eine Madonna, die, glaub ich, dem bücherliebenden Kardinal gefallen hätte.

Samstag, 23. Juni 2012

Viele werden sich über seine Geburt freuen – Geburt des Täufers


Johannes wird groß sein vor Gott, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein; viele werden sich über seine Geburt freuen. (Introitus)

Mit der Vesper beginnt das Fest der Geburt des Täufers, ein Fest, das unmittelbar auf das Fest der Geburt Christi verweist. Auf dem Zifferblatt der Uhr des Kirchenjahres liegt es diesem gleichsam gegenüber, auf sechs Uhr, sechs Monate vor der Geburt des Erlösers, dessen Vorläufer er war. Sein Name ist Johannes, sagt der kündende Engel dem Zacharias: auch der Geburt des Vorläufers ging die Erscheinung eines Engels voraus.

Johannes der Täufer ist einer der größten Heiligen, er verweist auf das Kommen des Lammes Gottes, er ist die Stimme des Rufers in der Wüste, er predigt, berät Machthaber, lebt jungfräulich und enthaltsam in der Wüste – seine bloße Art des Lebens dort war manchen ein Stachel. Schon damals war das Wort vielen ein Ärgernis, manchen eine Torheit, uns aber Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Jesus Christus empfing von Johannes die Taufe, das Ereignis, von dem jener seinen Beinamen hat. In den Schriften über Johannes gefällt mir besonders die Begegnung Mariens mit Elisabeth, wie Johannes schon vor seiner Geburt im Mutterleib geheiligt wurde, durch die Begegnung mit dem ungeborenen Erlöser. Wie wunderbar spricht diese Begegnung auch vom Wert des ungeborenen Lebens, das Gott erwählt hat.

Unter allen Menschen ist keiner größer als Johannes, sagt Christus selbst über den Heiligen. Heute feiern wir seine Geburt. Freuen wir uns, denn das Fest kündet auch von der Geburt unseres Erlösers.
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Bild: Illumination der Geburt des hl. Johannes des Täufers mit der Antiphon zur zweiten Nokturn der Matutin Ne timeas a facie eorum, quia ego tecum sum, dicit Dominus (Fürchte dich nicht vor jenen, denn ich bin mit dir, dich zu retten). Ich finde sie wunderschön.

Freitag, 22. Juni 2012

Dürer, der Marsch für das Leben und die Tagesheiligen – ein Potpourri zum Thema Billigtickets der DB


Anläßlich des diesjährigen Marsches für das Leben im September bietet die Deutsche Bahn ein verbilligtes Zugticket an. Die Bahn hat viele solche Aktionen. So hat sie, wie ich auf der Heimreise von Freiburg mit Interesse gesehen habe, ein günstiges Angebot zur Dürer-Ausstellung in Nürnberg. Die Ausstellung Der frühe Dürer wiederum wirbt mit der Haller Madonna[1] – der Sohn Gottes mit seiner Mutter. Dafür treten wir mit dem Marsch für das Leben ein: für Kinder und ihre Mütter. (Für ihre Väter natürlich auch.)

Die Bahn bietet zu allen möglichen Veranstaltungen verbilligte Bahnfahrkarten an, ohne diese Angebote zugleich inhaltlich zu bewerten (was nebenbei bemerkt, auch gar nicht ihre Aufgabe wäre; die Bahn ist schließlich ein Unternehmen). Bietet sie sie allerdings Lebensschützern an, dann ist aber was gefällig.

Nachdem die Bahn wegen der verbilligten Fahrkarten nach Berlin – die sie deshalb anbietet, weil zu der Veranstaltung besonders viele Teilnehmer erwartet werden, diese also eine Großveranstaltung ist – harsch kritisiert wurde, stellte sie klar: Das ist ein völlig normales Angebot. Ja genau. Es ist ja auch völlig normal. (Der Beobachtung Phils, daß die Bahn unter Umständen in letzter Zeit womöglich längst nicht genügend positives Feedback bekäme, kann ich mich nur anschließen.)

Liest man dagegen die Statements der vereinigten Kritikasterinnen – nein, kein Binnen-i! – der Bahn, kommt man allerdings zu dem Eindruck, die Deutsche Bahn sollte es lieber völlig normal finden, nur Leute billiger zu transportieren, die selbigen persönlich oder moralisch in den Kram passen, etwa solchen, „die auf feministische Demos fahren und für Abtreibungs­rechte kämpfen“. Hier kommt offenbar der Autorinnen allgemeiner Neid darüber, daß sie selbst keine verbilligten Tickets für die Demonstration ihrer kruden Ideen erhalten, im Mäntelchen der Sorge um die freiheitlich-demokratische Grundordnung daher und erscheint doch kaum verhüllt. Mir scheint fast, darum geht es letztlich eigentlich: „Wir haben keinen verbilligten Fahrpreis bekommen. Heul.“ Dem läßt sich ganz einfach abhelfen: kauft euch doch einfach für 39 Euronen eine Fahrkarte zu Albrecht Dürer und alles wird schön.

Wir leben übrigens in einer Demokratie. Da darf man demonstrieren (ich tue es ja auch, wie man sieht). Man darf auch für das Leben demonstrieren. Und wenn es eine Großveranstaltung ist, darf man auch Vergünstigungen in Anspruch nehmen.

Das Recht, wenn wir schon von Rechten sprechen, auf Demonstrationsfreiheit wird in einer Demokratie stets auch Leuten zugestanden, mit deren Ansichten man nicht übereinstimmt, auch den Gegendemonstranten. Und weil gerade so schön von Rechten die Rede ist: eigene Rechte enden übrigens unter Umständen dort oder sind zumindest eingeschränkt, wo sie die Rechte eines anderen tangieren, in diesem Falle die eines ungeborenen Kindes, das ein natürliches Recht auf Leben hat.

In der Lesung des Tages und der Predigt zum Gedenktag der hll. Thomas Morus und John Fisher haben wir viel über Gewissensfreiheit gehört. Die Märtyrer sind ihrem Gewissen gefolgt, ja, sie sind deswegen gestorben, getreu dem Wort des Apostels: Wenn einer von euch leiden muß, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Man beachte übrigens, wie der Apostel das Einmischen in fremde Angelegenheiten in eine Reihe mit schweren Verletzungen anderer auflistet. Um einem Mißverständnis vorzubeugen: wer für den Lebensschutz demonstriert, mischt sich nicht in fremde Angelegenheiten, das tut derjenige, der anderen absprechen will, sich für den Schutz des Lebens – jeglichen Lebens – einzusetzen.

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[1] Den rechten Arm des Jesuskindes finde ich anatomisch übrigens etwas merkwürdig, btw. Theologisch ist die Geste sehr schön.


Nachtrag: Josef Bordat hat hierzu inzwischen einen offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn geschrieben: Lassen Sie sich nicht aus der Bahn werfen! Der Brief ist, wie immer, lesenswert.

Freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt – hll. Thomas Morus und John Fisher

Wenn ich an Thomas Morus denke, fällt mir immer auch der Kupferstich ein, auf den man ihn mit seiner Tochter an einem Fenster im Tower stehen sieht – er blickt auf das Martyrium der englischen Kartäuser. Heinrich VIII. in seinem Wahn und seiner Gier nach Besitzungen und Geld ließ die englischen Kartausen auflösen und achtzehn Mönche hinrichten, weil die Priore der englischen Kartausen sich weigerten, den Suprematseid auf den König als Oberhaupt der Kirche zu schwören – ebenso wie es Thomas Morus und der Bischof John Fisher getan hatten, deren Gedenktag wir heute feiern.

Diese Hinrichtung fand auf die denkbar grausigste Weise statt: die Kombination aus Hängen, Strecken, Ausdärmen und Enthauptung. Das Kapitelhaus der Kartause vom hl. Hugo von Parkminster ist mit Darstellungen dieses Martyriums ausgemalt – der Künstler fügte diesen Darstellungen Engel hinzu, die die Seelen der Märtyrer empfangen und in den Himmel geleiten.

Hält man sich vor Augen, daß der hl. Thomas Morus solches mitansehen mußte – ohne einen Blick auf die Engel – im Bewußtsein, daß ihm ein solcher Tod ebenfalls drohte, kann man seinen Mut und seine Treue zur Kirche nur bewundern. An sich macht einen schon der Anblick des Towers schaudern. Ich mußte an Dante denken: Ihr, die ihr hier eintretet, laßt alle Hoffnung fahren.


Vielleicht haben sich diese heiligen Märtyrer vor Augen gehalten, was wir heute in der Lesung hören: Freut euch, daß ihr Anteil an den Leiden Christi habt, denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Die Aufforderung, sich zum Namen Christi zu bekennen, hat der hl. Thomas Morus unmittelbar verwirklicht – „Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber als Gottes Diener zuerst“ – aber zugleich auf die eindeutigste und unwiderruflichste Weise des Bekenntnisses zu Christus, die es gibt.

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Bilder: Sir Thomas More and his daughter, John Rogers Herbert, 1844; das Martyrium der englischen Kartäusermärtyrer im Kapitelhaus von St. Hugh's Charterhouse, Hier sieht man mehr davon.

Pontifikalamt und Jahresgedächtnis

Grabplatte Georg Kardinal Sterzinskys
in der Unterkirche der St. Hedwigskathedrale
Im Dezember des letzten Jahres wollte ich anläßlich des Pontifikalamts für die verstorbenen Berliner Bischöfe schreiben, daß wir, da der Tag eines solchen Requiems jeweils zum Sterbetag des letzten im Amt verstorbenen Berliner Bischofs wandert, so daß wir in diesem Kirchenjahr also zwei solcher Ämter feiern werden. Nun, das ist nicht so. Das Pontifikalamt für die verstorbenen Berliner Bischöfe feiern wir weiterhin am 13. Dezember, am 30. Juni 2012 gibt es ein Jahresamt. Bei den Begründungen dafür – Sommer, heiß, schwarze Gewänder, Ferien, Otto! – fühlte ich mich zwischenzeitlich kurz an Sr. Gemma Hinricher OCD erinnert, die weiland einen Temperamentsausbruch[1] anläßlich der gutgemeinten Frage der Schwester, die die Küche zu versorgen hatte, wie jede ihr Eisandwich wolle, mit dem Ausruf abschloß: „Hier ist doch kein Sanatorium!“ Ich weiß nicht mehr genau, ob sie dabei auch auf den Tisch gehauen hat (die Erinnerung verklärt ja), aber ich glaube.

Eigentlich finde ich es schade, daß mit dem „wandernden Pontifikalamt“ eine Tradition aufgegeben wurde, auch wenn diese noch nicht lange zurückreicht, da das Bistum noch jung ist (errichtet im August 1930) und nicht jeder Diözesanbischof auch in diesem Amt stirbt. Andererseits hat mir das Pontifikalamt mit seinem greogorianischen Choral im Dezember, kurz nach Allerseelen, Lichtenberg, Kirchweih und den Märtyrern des Bistums immer gut gefallen.

Am 30. Juni, dem Sterbetag unseres lieben Alterzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky, feiern wir um 11 Uhr in der Hedwigskathedrale das Jahresamt zu seinem Gedenken.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Kreisch!


Demnächst feiern wir ja die Geburt des hl. Johannes' des Täufers. Neulich kommentierte Saint Kitsch „I'm way too easily amused“ – ich auch, was ich eigentlich immer als Gottesgabe empfunden habe. Hier hab ich gerade erst einmal eine ganze Weile vor mich hingegackert, keine Ahnung, warum. Also, das hätte ich auch mit dem Label „unfortunate“ versehen. (via The squishy Jesus taxonomy, das ist überhaupt ein ikonographisch herrlich schräger Blog. Btw, gibts eigentlich eine deutsche Entsprechung zu „holy infants“?)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Was Spannendes, was zum Spielen…

…aber wo ist eigentlich die Schokolade?
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Bild: Anbetung der Könige, Herri met de Bles, um 1500

Dienstag, 19. Juni 2012

Camaldoli

Vor etwas mehr als tausend Jahren ließ sich ein ehemaliger Benediktiner aus Ravenna in der Landschaft des Casentino, im Wald um die Stadt Camaldoli nieder, von der der Orden der Kamaldulenser seinen Namen hat. Mit fünf anderen errichtete Romuald dort eine Reihe von Einsiedeleien, ähnlich einer Kartause: Eremiten, die an einem Ort wohnen und sich zum gemeinsamen Gebet versammeln.

Tausend Jahre einsiedlerischen Lebens in Camaldoli – der Orden war nie groß, zur Zeit gehören ihm etwa einhundert Männer weltweit an. Und doch, wer weiß, was ihre Gebete bewirken, wessen Lebenswege sich ändern, weil ein Mönch in der Stille der Nacht für ihn gebetet hat? Die Mönche stehen nachts zum Gebet auf, um 3.30 Uhr in der Frühe, eine Zeit, in der viele Menschen dem Tode nahe sind, die Schwermütigen und Kranken vielleicht keine Ruhe finden.

Die Kraft eines solchen Lebens hat auch in unserer Zeit Anziehung, in Thomas Mertons Berg der sieben Stufen lesen wir, daß, als er seine Berufung schon verloren glaubte, ein Bildband aus Camaldoli ihn so anrührte, daß sich in seinem Herzen etwas auftat „wie eine breite Wunde“. Er trat dann bei den Trappisten ein, die Sehnsucht nach dem Leben in der Einsiedelei verließ ihn jedoch zeitlebens nicht.




Heute feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Romuald. In der Heiligen Messe habe ich die Fürbitte angefügt, Gott möge dem Orden immer wieder Männer zuführen, die zu einem solch verborgenen Leben in der Stille berufen sind.

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Bilder: die Wälder um Camaldoli, in der die Eremo di Camaldoli liegt. Gegenwärtig leben dort achtzehn Mönche.

Nungazing für Detailverliebte

Grüne Zeiten

seidenes Kelchvelum für „grüne Zeiten“
Gestern in der Heiligen Messe hätte ich zwischendurch gern meine Kamera zur Hand gehabt: als es mittendrin auf einmal so dunkel wurde, daß man das Gefühl hatte, es wäre schon viel später im Jahr, und beim Hochgebet ein ordentlicher Platzregen über der Kathedrale niederging. (Unter der Kuppel hört sich das immer sagenhaft an.) In dem Licht strahlten Tabernakel und Gefäße besonders schön, die grünen Paramente haben vorher in der drückenden Luft schon für etwas optische Frische gesorgt.

Und: was hülfe es dem Ministranten, wenn er alle neuen ärmellosen Talare der ganzen Welt gewönne – vorausgesetzt, sie sind kurz genug – und sie wären sämtlich aus Plastik? Da war so ein leicht surrealer Moment in meiner Lesung, als sich Ahab aufs Bett legte und sein Gesicht zur Wand drehte, als mir durch den Sinn ging, irgendwie ist mir auch nicht gut…

Das Evangelium ist ja einigermaßen anspruchsvoll: Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die andere hin. Nach einem tagaktuellen Erlebnis mit einem Kaugummi komme ich nicht umhin zu fragen: wenn mir so ein Scherzkeks einen Kaugummi in die Haare klebt, muß ich dann wirklich eine andere Strähne hinhalten? Für alle, denen sowas schon mal passiert ist: es empfiehlt sich immer, etwas Vereisungsspray im Haus zu haben.

Montag, 18. Juni 2012

Vanitas mal wieder…


Bei dem Wetter hätte ich gern Erdbeeren (weshalb ich jetzt grade einen Schnitz Melone, ein halbes Pfund Kirschen und drei Pfirsiche käuflich erworben habe… – sin commentario!)

Die gemalten Erdbeeren sind von dem wenig bekannten Niederländer Adrian Coorte, dessen Werken unter anderem gemeinsam ist, daß sie sehr kleinformatig sind (so etwa 13 cm Höhe). Der Maler scheint zeitlebens wenig begütert gewesen zu sein – er malte auf Papier, oft sogar auf Altpapier; erst später wurden seine Werke auf Holztafeln oder auf Leinwand aufgebracht, ob von ihm selbst, weiß man nicht. Eine besondere Vorliebe scheint der Maler jedenfalls für Erdbeeren gehabt zu haben. Die drei roten Früchte unten sind übrigens Mispelfrüchte, die ebenfalls zu den Rosengewächsen gehören.



Samstag, 16. Juni 2012

Fundstück des Tages


Das ist eine Emailarbeit von Tiffany's (Foto: Lawrence Lew OP)

Freitag, 15. Juni 2012

Bring Herz und Herz zusammen


Lob sei dem Herzen Jesu, durch das uns Heil geworden.

In diesem Jahr fällt mein Weihetag auf das Fest des unbefleckten Herzens Mariens (seinerzeit, das heißt, vor drei Jahren, war er so dicht am Herz-Jesu-Fest wie nur möglich, in der Fronleichnamsoktav). Dabei ist mir eingefallen, daß das wunderschöne Weihegebet mit den Worten beginnt: Wir preisen dich, heiliger, starker, unsterblicher Gott. Denn du liebst alle Menschen und wohnst in denen, die reinen Herzens sind.

In der Herz-Jesu-Litanei rufen wir Christus an, er möge unser Herz nach seinem Herzen bilden, das heißt für mich, er möge das sicherlich armselige Streben segnen, daß mein Herz ein wenig dem seinen gleiche. Nicht, daß ich es schon ergriffen hätte, aber ich versuche es…

Das schöne Lied O Herz des Königs aller Welt liebe ich sehr (da es von Paul Gerhardt ist, hat es viel mehr Strophen als wir im Gotteslob finden).
O Herz des Königs aller Welt,
des Herrschers in dem Himmelszelt,
dich grüßt mein Herz in Freuden.
Du Träger aller Bürd und Last,
du aller Müden Ruh und Rast,
du Trost in allen Leiden!

Ach, wie bezwang und drang dich doch
dein edle Lieb, ins bittre Joch
der Schmerzen dich zu geben,
da du dich neigtest in den Tod,
zu retten aus der Todesnot
mich und mein armes Leben.

Laß deine Flamm und starke Glut
durch all mein Herze, Geist und Mut
mit allen Kräften dringen.
Laß deine Lieb und Freundlichkeit
zur Gegenlieb und Dankbarkeit
mich armen Sünder bringen.

Gerhardt dichtet noch:
Erweitre dich, mach alles voll,
sei meine Ros und riech mir wohl,
bring Herz und Herz zusammen.
entzünde mich durch dich und laß
mein Herz ohn End und alle Maß
in deiner Liebe flammen.
Die sehr schlichte, nicht im mindesten kitschverdächtige Darstellung oben stammt immerhin aus der Zeit um 1470. Auch sie paßt zu den Lesungen des Hochfestes, in denen es um die Liebe Gottes und die Sakramente der Kirche geht, die uns aus dem durchbohrten Herzen Jesu fließen. Interessant für einen Anatomen ist, daß aus dem Herzen Jesu sogleich Blut und Wasser flossen, obgleich es nicht mehr schlug. Das wirkliche Wunder ist, daß Blut und Wasser, die uns aus dem Herzen Jesu flossen, immer noch fließen, daß sie nie versiegen in den Sakramenten der Taufe und des Altares. Die Liebe Christi verströmt sich aus seinem Herzen und es ist immer noch etwas da, genug für viele, genug für alle. Lob dir Christus, König und Erlöser!
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Bild rechts: Austausch der Herzen (die hl. Katharina von Siena tauscht ihr Herz mit Christus), Guidoccio Cozzarelli

Bloggen – das Unaussprechliche (2)

Eine These bei den Vorträgen in Freiburg sorgte auch in den Diskussionen der Blogger untereinander in den Kleingruppen für regen Austausch: ob die Beschäftigung etwa mit liturgischen Detailfragen (etwa zur Mundkommunion) nicht manchmal dafür sorge, daß man weniger Menschen erreiche?

Das kann sein, allerdings: ich setze mich doch nicht hin und überlege, was möglichst viele Menschen interessiert oder frage mich, womit kann ich möglichst viele Menschen erreichen bzw. bekehren?

Um es mit Gertrude Stein zu sagen: Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog. Ich verblogge, was mir durch den Sinn geht, abzüglich dessen, was mir zwar auch durch den Sinn geht, sich aber nicht zur Veröffentlichung eignet – eher schon dazu, bei der Beichte durchs Gitter gemurmelt zu werden –, und natürlich abzüglich all dessen, was ich schon deshalb nicht verblogge, weil ich außer Bloggen dann und wann noch etwas anderes mache (kein großer Verlust). Unter anderem hier hatte ich mich zu dem Thema ja schon einmal kurz geäußert. Insofern ist das doch vom Ansatz eines Blogs her gar nicht so weit entfernt und insofern hab ich mich über das Statement in einem der Referate (sinngemäß:) „Ursprünglich waren Blogs Online-Tagebücher“ ein wenig gewundert. Eigentlich sind sie das doch immer noch. Wenn das Grundthema ein vorwiegend geistliches ist, mag das daran liegen, daß der Blogger versucht, ein geistliches Leben zu führen. Wenn einer eine reine Materialsammlung ohne ein einziges persönliches Wort zusammenträgt oder die Erfahrungen mehrerer Jahre scheibchenweise hintereinanderweg veröffentlicht, so führt er ganz strenggenommen eigentlich kein Blog, sondern nutzt meines Erachtens nur die Architektur und die gestalterischen Möglichkeiten eines solchen. (Wogegen ich nichts gesagt haben will. Vielleicht ist es auch der Nerd in mir, der zu solchen Unterscheidungen neigt.)

In der Vorstellungsrunde kamen vielfältige Begründungen zum Thema „Warum blogge ich bzw. was hat mich dahin gebracht?“ zur Sprache – vielfältig wie die anwesenden Blogger selbst. Dabei kam Berührendes zutage. Interessante Antworten aus Historie und Film wären auch denkbar gewesen: „Weil wir es können!“ (Die Frauen von Stepford) oder „Weil er da ist!“ (George Mallory über den Everest). Ins Schwarze trifft aber wahrscheinlich: weil es Spaß macht. Bei wohl keinem anderen Medium hab ich überdies derartige Möglichkeiten in Bezug auf Form, Gestaltung und Inhalt. Zu bestimmten Themen findet man sehr wenig bis gar nichts im Netz und ich hab die Möglichkeit, was drüber zu schreiben.

Also, ich setze mich hin und dresche auf meine Tastatur ein, weil ich Lust dazu habe, weil mich etwas umtreibt oder mir in den Sinn kommt. Wenn ich damit einen Menschen erreiche, wenn ihm das Geschriebene gefällt, wenn es jemandem hilft, freue ich mich. Es ist allerdings, um es ehrlich zu sagen, nicht der Grund, warum ich mich hingesetzt habe. Eigentlich wollte ich nur schreiben.

Ich kann mir vorstellen, daß eben die Tatsache, daß man sieht, hier schreibt jemand, was das Leben aus dem Glauben für ihn oder sie konkret bedeutet, was ihn dabei umtreibt, womit er vielleicht auch ringt und nicht zuletzt, was er schön findet, was ihn beglückt und erfüllt, was seine Sehnsucht ist, tatsächlich hohen Zeugnischarakter haben kann – ganz nebenbei.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Wieder da! (2)

Hier, wen's freut, noch einige Bilder rund um das Freiburger Bloggertreffen. Ausgerechnet zum Bloggertreffen nicht ins Netz zu können, ist für einen Blogger zwar schon irgendwie…, andererseits waren wir aber zum Kennenlernen und Austausch da und mittlerweile haben ja auch schon viele Blogger berichtet.

(Hin und zurück gings mit dem Ice-train: Brr, also na ja. Früher mit dem Zug auf der guten alten Transitstrecke mußte man sich zwar hinterher von Kopf bis Fuß umziehen und die Haare waschen, es war aber nicht im mindesten so unbequem wie heutzutage in der klimatisierten Großraumröhre des Intercity Express'. Liebe Bahn, wenn ich so reisen bzw. ankommen will, kann ich auch gleich fliegen. Nächstens bring ich wenigstens eine Reisedecke mit).

Schon die ausführliche Vorstellungsrunde der Blogger am ersten Abend in Freiburg hatte hohen Zeugnischarakter (in Bezug auf mich selbst ist mir sowas ja ein Graus; ich höre lieber zu). Mit einigen Bloggern hatte ich schon ein Gesicht verbunden, mit anderen verband sich nun eins, einige Blogs kannte ich auch noch gar nicht.

Auch die schöne Dachterrasse lud im Anschluß zum Austausch untereinander ein. Essen und Zimmer waren ganz prima. (Sonst esse ich nie so viel. Beim Bedanken für die ausgezeichnete leibliche Versorgung hätte ich ums Haar noch gesagt: „Gar nicht der Schlangenfraß, den man so erwartet“; ich konnte mich grad noch bremsen… Himmel, Hilf!)

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Tagung. Zum Thema Gebet habe ich mich hier ja schon geäußert: ich fand es sehr schön, daß das gemeinsame Gebet und die Feier der Heiligen Messe den Tagungsteilnehmern sichtlich ein Bedürfnis war. Am Sonntag mittag hab ich ganz zum Schluß mit Lauda Sion in der Kapelle noch den Angelus gebetet. Fürs nächste Jahr biete ich mich übrigens freiwillig zum Anstimmen an – manches, wie etwa das O Gott, komm mir zu Hilfe oder das Responsorium zur Komplet mit dem Lobgesang des Simeon hab ich überhaupt noch nie gesprochen.

Sehr schön und unverhofft, quasi am Wegesrand, der alte Friedhof (der heißt so) in unmittelbarer Nähe des Karl-Rahner-Hauses, auf dem ich mich unter anderem mit reichlich Bildmaterial für Allerseelen und einige Heiligenfeste eingedeckt habe.

Und: einige von uns waren zum Nightfever am Samstagabend und zum Hochamt am Sonntag morgen bei den überaus netten und kompetenten Dominikanern von St. Martin. An dieser früheren Franziskanerkirche ist ein Konvent von acht Dominikanern ansässig. Beide Feiern habe ich als sehr schön und von großer Ruhe getragen empfunden. Beim Nightfever bestand auch Gelegenheit zum Empfang des Bußsakraments im Seitengang der Kirche. Am Sonntag wiederum konnte man den Dominikanern und der Gemeinde nach dem Hochamt im Kreuzgang von St. Martin begegnen. Der junge P. Markus Emmanuel Fischer OP, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin, war zum Thema Virgo consecrata voll im Bilde, da er eine Arbeit zum Thema geschrieben und an einem neuen Flyer über diese Berufung mitgewirkt hat.

Auf dem Heimweg vom Nightfever hab ich mich prompt ein wenig verfranzt (führe mich irgendwo hinein, ohne daß ich selbst hineingefunden habe, und ich verlaufe mich unter Garantie). Immerhin ist Freiburg aber nicht Venedig, auch wenn es Kanäle gibt, und so hat mich ein älterer Landsmann – id est, ein Württemberger – wieder auf den rechten Weg zurückgeführt. Spontan hat er mir sogar angeboten, mich gleich heimzukutschieren: „Mei Auto schtet da drübe, wenn Se wellet, fahr i Sie glei nå!“, Diese schiere Freundlichkeit der Menschen im Süden hatte ich schon fast vergessen. Insgesamt war ich von Freiburg – freundliche Menschen, schöne Liturgie, nette Dominikaner, deren Predigt Hand und Fuß hat, und einen Ort zum Entspannen – so angetan, daß ich glatt an einen Umzug dachte. „Grüß Gott!“ sagen auch alle.


Schleiercontent schon bei der Abfahrt: Mennonitinnen, durchs Zugfenster in Spandau erspäht

der Himmel über Freiburg – Blick durchs Zimmerfenster bei der Ankunft

gleich mal gucken, bevors losgeht, sind alle Bändel dort, wo sie hinsollen?

während der schönen Vorstellungsrunde sinkt die Nacht über Freiburg nieder


wir sind gekommen, um uns zu vernetzen

der Scherge vom Dienst

Stundenbücher in der Warteschleife (Wart kurz hier, gleich brauch ich dich wieder!)

die ganz entzückende Umgebung (Puttenalarm!)

Die schönste Rose, die ich mein, die alle Welt erfreuet…

…bist du Maria, Jungfrau rein, von Gott gebenedeiet

Nightfever bei den Dominikanern

Mittwoch, 13. Juni 2012

Das durchkreuzte Leben und die unverwesliche Zunge – der hl. Antonius von Padua

Der Zelebrant nannte in der Predigt des heutigen Gedenktages des hl. Antonius von Padua dessen Leben ein „durchkreuztes Leben“. Durchkreuzt zum ersten Mal, als der portugiesische Augustiner Fernando Martim sich durch das Martyrium von fünf Franziskanern in Marokko so sehr ergreifen ließ, daß er sich dem noch jungen Orden der Minderbrüder anschloß, wo er den Namen Antonius erhielt. Aus dem Streben, selbst ebenfalls in Marokko die Krone des Martyriums zu erringen, wurde nichts, da Antonius erkrankte und daher für den Einsatz in der marokkanischen Mission für ungeeignet befunden wurde. Geschwächt trat er die Heimreise an, die ebenfalls nicht nach Plan – jedenfalls nicht nach Plan der Menschen – verlief: wegen eines Sturmes gelangte das Schiff des Antonius nach Sizilien.

Gerade als sich Antonius schließlich als Einsiedler nahe Forli in Italien niedergelassen hatte, sandte ihn das Generalkapitel der Minderbrüder auf Reisen durch Italien und den Süden Frankreichs, da Antonius ein begnadeter Prediger war. Als solcher wirkte er zuletzt in Padua und bewegte dort viele Menschen dazu, wahrhaft ein Leben aus dem Glauben zu führen. Daß der hl. Antonius von Padua zu den Kirchenlehrern gehört, scheint kaum bekannt, auch mich überrascht es im Stundenbuch immer mal wieder. Entkräftet durch seine Lebensweise – zuletzt wohnte er auf einem Nußbaum – gab Antonius schon mit sechsunddreißig Jahren am 13. Juni 1231 seine Seele Gott zurück. Am Abend der Beisetzung am 17. ereigneten sich am Grab des Heiligen erste Wunder.

Als man nur zweiunddreißig Jahre nach dem Tod des Antonius seine Gebeine aus der kleinen Franziskanerkirche Sta. Maria in Padua erhob, fand man außer Knochen und Staub die unverweste Zunge des Heiligen. Der hl. Bonaventura, der bei der Öffnung des Grabes zugegen war und sie leitete, nahm sie mit den Worten in die Hände: „Gesegnete Zunge, die du immerfort den Herrn gepriesen und viele Menschen angeleitet hast, ihn zu preisen. Jetzt erst wird offenbar, wieviel Gnade du gefunden hast bei Gott!“

Durchkreuzt heißt zwar, daß aus dem nichts wurde, was derjenige sich vielleicht einmal für sein Leben vorgestellt hat, es heißt aber in diesem Falle auch, durch das Zeichen des Kreuzes geprägt und zur Heiligkeit geführt. Was nicht in meinem Plane lag, das hat in Gottes Plan gelegen – dieses Wort Teresia Benedictas vom Kreuz(!) scheint auch auf den hl. Antonius von Padua zu treffen. Ein Mensch, der sich ganz der Führung Gottes überlassen hat, die Durchkreuzungen seines Lebens als sein Kreuz erkannte, annahm und so zur Vollendung geführt wurde.

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Bild: Das Jesuskind erscheint dem hl. Antonius von Padua, Francisco de Zurbarán, um 1627; Reliquar mit der Zunge des hl. Antonius
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