Donnerstag, 31. Mai 2012

Ave Regina − der Marienmonat geht zu Ende

Mit dieser auch für Musiker nicht uninteressanten Gottesmutter (wer findet die meisten Instrumente?) geht der Marienmonat zu Ende. Morgen beginnt der Monat, der die Feste der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens birgt − eine schöne Verbindung.
Salve, Regina,
mater misericordiae;
Vita, dulcedo et spes nostra, salve.
Ad te clamamus, exules filii Hevae.
Ad te suspiramus, gementes et flentes
in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
Illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
Nobis post hoc exilium ostende.
O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria.
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Bild: Geertgen tot Sint Jans, 1480. Das Jesuskind spielt mit Glöckchen, und in der Aureole drumherum gibt es noch viel mehr zu entdecken. Ein Suchbild mal wieder.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Der Zauber des Alltäglichen

Mehrfach hatte ich Bilder von Linden Frederick ins Blog gestellt. Dieser ist ein amerikanischer Realist, dessen Bilder von den Motiven her etwas an Edward Hopper erinnern (ich weiß nicht, ob Frederick den Vergleich vielleicht schon satt hat). Wie Hopper malt Frederick das Alltägliche Nordamerikas – Stadtbrachen, Motels, Kleinstadtschulhäuser und ländliche Radiostationen, Mobile Homes. Auf Fredericks Bilder sind sogar noch weniger Menschen als auf Hoppers (die, wo überhaupt, einzelne Menschen stilisiert darstellen, was sie um so isolierter erscheinen läßt).

Wo der Betrachter bei Hopper eine tiefinnerliche Einsamkeit verspürt, selbst wenn er „nur“ drei Zapfsäulen an einer Landstraße oder eine Frau im Automatenrestaurant gemalt hat, ist es bei Frederick ganz anders. Ob das Bild ein abgelegenes Haus in der Dunkelheit zeigt, eine Ladenfront oder eine Auffahrt, auf die die Scheinwerfer eines Autos einbiegen: stets hat der Betrachter das Gefühl, es sei jemand zu Hause, der den Heimkommenden erwartet, den späten Kunden, der noch ein Pfund Mehl braucht, oder den Durchreisenden, der vom Highway ins Motel einkehrt – und dieses Motel wird nicht von Norman Bates geführt, noch liegt es in Gallup, New Mexico.

Halloween

Grange

Yield

Wedding night

Late night

Big Henry
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kleine Bilder: links Wong's (Linden Frederick) rechts Gas (Edward Hopper)

Johanna, die Jungfrau


Hingerichtet, weil sie die Wahrheit sprach – auf Eingebung des Erzengels Michael und der heiligen Jungfrauen Katharina und Margareta verschaffte die erst siebzehnjährige Johanna, genannt die Jungfrau von Orleans, dem Dauphin von Frankreich den Thron, indem sie siegreich eine kleine Armee in die Schlacht von Orleans führte – nicht nur für die damalige Zeit für eine Frau eine Ungeheuerlichkeit. Von Amazonen und kriegerischen Göttinnen hatte in Domrémy wohl kaum jemand etwas gehört, und wenn, dann war es heidnisches Zeugs.

Nach der Krönung des Königs in Reims geriet Johanna in Gefangenschaft, man verschacherte sie als Kriegsgefangene an die Engländer, wo sie unter unwürdigsten Bedingungen eingekerkert wurde – Charles VII., der König, der ihr seinen Thron verdankte, hob nicht den kleinen Finger, um irgendetwas für sie zu tun. Als man ihr den Tod auf den Scheiterhaufen vor Augen stellte, schwor Johanna zunächst ab. Sie wurde exkommuniziert und zum Kerker verurteilt – ein vor allem für die Engländer unbefriedigender Ausgang des Prozesses. Statt sie in ein kirchliches Gefängnis zu schaffen, wie man es eigentlich hätte tun müssen, wurde die Jungfrau mißhandelt, es ist mindestens ein Mißbrauchsversuch überliefert, schließlich man nahm ihr ihre eigenen Kleider weg und legte stattdessen Männerkleidung hin, die nicht mehr zu tragen sie in den Verhandlungen gegen sie versprochen hatte. Unter dieser Anklage machte man ihr erneut den Prozeß. Da Johanna diesmal nicht öffentlich ihrer Behauptung, sie hätte auf Eingebung der Heiligen Gottes gehandelt, abschwören wollte, wurde sie am 30. Mai 1431 im Alter von nur 19 Jahren als Häretikerin, Apostatin und Hexe am Pfahl verbrannt. Dreißig Jahre später sprach man sie von jeglicher Anklage frei; 1909 sprach Papst Pius X. Johanna selig; heute ist ihr Gedenktag. Eine Heilige, die an die Theodizee-Frage rührt: warum läßt Gott so etwas zu, durch die Hand seiner Diener?

Kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Kirche, außer für Johanna, die nicht öffentlich verkünden wollte, daß das, woran sie geglaubt hatte, erlogen wäre, sondern für die Wahrhaftigkeit einen schrecklichen Tod auf sich nahm.

Zu den Visionen oder Stimmen der Heiligen hatte ich mich früher immer gefragt, wieso jetzt grad der hl. Michael und die hll. Katharina und Margaretha? Ein Grund dafür mag sein, daß jeder dieser Heiligen auf seine Weise als Bezwinger des Bösen gilt. Der Erzengel Michael ist zudem oberster Anführer der himmlischen Heerscharen, die beiden Jungfrauen gehören zu den Virgines capitales, den großen heiligen Jungfrauen. Wie einsam muß die Heilige gewesen sein! Vielleicht ist sie eine ausgezeichnete Schutzpatronin für die ungerecht Gefangenen, solche, die verleumdet werden, die von der Todesstrafe bedroht sind und die Opfer von Mißbrauch.

Das einzige Bild, für das Johanna Modell saß, ging in den Wirren der Zeit verloren. Unter allen Johanna-Verfilmungen gefällt mir besonders die unprätentiöse und unkitschige mit Sandrine Bonnaire, Johanna die Jungfrau.

Dienstag, 29. Mai 2012

Maria mit dem Kinde lieb…


Auf diesem Bildnis von Pinturicchio aus dem 15. Jahrhundert bringt die hl. Jungfrau Christus das Lesen bei. Sie benutzt dazu ein liturgisches Buch, ein Stundenbuch oder ein Meßbuch, das sie dem Kind, das segnend die Arme ausbreitet, für das Gebet hält: vielleicht das Tagesgebet der Matutin oder die Oration der Komplet, dem Licht nach zu urteilen – die hl. Jungfrau als Ministrantin.

33 Tage für das Leben – von Heimsuchung zu Heimsuchung

Eine traurige Geschichte, wie sie wohl hierzulande gar nicht so selten ist:

Eine Frau, die mit einem geschiedenen Mann seit Jahren in einer festen Beziehung lebt, wird schwanger. Als sie dies ihrem Partner erzählt, dringt dieser auf Abtreibung (nur nennt er es natürlich anders). Er hat bereits von seiner ersten Frau eine Tochter im Teenageralter, das reiche ihm eigentlich, man müsse auch an die Finanzen denken, außerdem sei er auch etwas depressiv und fühle sich schon daher nicht in der Lage, nochmals Vater zu werden. Die Alimente für die Ex-Frau und die Tochter werden bereits jetzt aus dem Doppelverdienst bezahlt, oder auch aus ihrem allein, wenn er zwischendurch eine Auftragsflaute hat. Die Frau entschließt sich in dieser Lage zum Schwangerschaftsabbruch. Ihre eigene Haltung zum Kinderwunsch ist irgendwie indifferenziert, schwebt als ein „Kann man ja immer mal machen“ am Horizont.

Nicht lange danach geht die Beziehung der beiden Knall auf Fall in die Brüche. Der Grund: Der Mann hatte hintenherum seit einiger Zeit ein Verhältnis mit einer Frau, die ihm nun eröffnet, sie sei schwanger mit Zwillingen. In dieser Lage meint er, er müsse jetzt Verantwortung übernehmen und für seine neue Familie (die dritte, btw) sorgen, außerdem freue er sich auf die Kinder. Seine bisherige Partnerin wiederum hat neben aller berechtigten Bitterkeit keine Lust, weiterhin finanziell als Goldesel ausgenutzt zu werden, was er ihr allen Ernstes angetragen hat (nur nennt er es natürlich anders).

Wiederum einige Zeit später werden bei der Frau Myome festgestellt. Der behandelnde Frauenarzt dringt auf die Entfernung der Gebärmutter, schon weil er an der Operation mehr Geld verdient als an einer Patientin, die an alternative Behandlungsmethoden denkt oder einfach weiterhin mit den Myomen lebt. Sie ist in dieser Situation ohnehin seit einiger Zeit überfordert und läßt den Eingriff vornehmen. Einige Zeit danach beginnt ihre biologische Uhr nun doch nachdrücklich zu ticken – indes ist es jetzt wirklich zu spät. Die Frau quält sich künftig mit Selbstvorwürfen und dem Gedanken, tatsächlich etwas Unwiederbringliches verloren zu haben. Eine schwere Wunde, für die es kaum eine Heilung gibt. Wie gesagt, es ist eine traurige Geschichte.

Diese Geschichte ist meines Erachtens kein Einzelfall, sondern kommt so oder in Varianten immer wieder vor. Sie ist auch ein Indiz dafür, daß viele Frauen tragischerweise heute schon fast gut daran tun, ihre Schwangerschaft bis zum Beginn der 15. Woche zu verschweigen.

Eigentlich sollte der Beginn eines neuen Lebens ein Grund zur Freude und Hoffnung sein, und es ist ein schönes Zeichen, daß die amerikanischen Bischöfe kürzlich einen Ritus zur Segnung eines Ungeborenen und seiner Mutter herausgegeben haben. Der Segen kann ggf. auch die ganze Familie umfassen, die zur Feier gekommen ist, und enthält auch eine Erweiterung für den werdenden Vater, der dem hl. Josef empfohlen wird.

In der obigen Wiedergabe zeigt sich eindrücklich, welches Unheil hier über das nie geborene Kind und seine Mutter gekommen ist. Aus der Vernichtung von Leben kann nichts Gutes erwachsen. Hier ist Leben buchstäblich verschwendet worden. Ich denke unwillkürlich an die Worte: Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. (Dtn 30, 19)

Zum anderen wird deutlich, wie wichtig neben qualifizierter Beratung und Unterstützung der werdenden Mütter das Gebet für die Ungeborenen ist. Die Mitbloggerin Michaela Voss hat die Aktion 33 Tage für das Leben – von Heimsuchung zu Heimsuchung initiiert, (mit „von Heimsuchung zu Heimsuchung“ ist das Fest Mariä Heimsuchung gemeint, das in Deutschland nach alter Tradition am 2. Juli gefeiert wird, in der Weltkirche zum Abschluß des Marienmonats am 31. Mai. Die Gebetsaktion findet also vom 31. Mai bis zum 2. Juli statt). Weihbischof Laun aus Salzburg, der auch schon den Berliner Marsch für das Leben begleitet hat, hat sich mit einem bischöflichen Geleit- und Segenswort an die Betenden gewandt:
Der Gedanke, mit dem Fest Maria Heimsuchung das große Anliegen zu verbinden, es mögen für das Heil der Ungeborenen um den Heiligen Geist gebetet, die ungeborenen Kinder wieder geschützt und ihre Unantastbarkeit geachtet werden, halte ich für ausgezeichnet und für sinnvoll: Maria und Elisabeth, beide gesegneten Leibes, begegnen einander! … Ich wünsche dieser Initiative von ganzem Herzen Erfolg und Erfüllung mit der Hilfe Gottes!

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Bild: Heimsuchung, Bridget Marlin

Montag, 28. Mai 2012

Ein letzter Blick…

Entflamme Sinne und Gemüt,
daß Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

…aufs Pfingstfest, bevor es morgen mit dem grünen Stundenbuch weitergeht. Der Brauch, am Pfingstsonntag durch das Auge der Kuppel des Pantheons Rosenblätter zu werfen, ist eine Erinnerung an die Feuerzungen bei der Herabkunft des Heiligen Geistes. Die Blätter fallen beim Gesang des Hymnus Veni creator spiritus durch das neun Meter breite Auge mehr als vierzig Meter auf die versammelte Gemeinde. Aus dieser Perspektive sehen die Blütenblätter sogar ein wenig aus, als wenn sie glühen. In der Tat kann man nur beten: Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Seit dem 7. Jahrhundert ist das Pantheon der Gottesmutter geweiht. Wegen der vielen Reliquien heiliger Märtyrer, die bei der Weihe der Kirche dorthin gebracht wurden, wurde sie dem Patronat Sancta Maria ad Martyres (Hl. Maria zu den Märtyrern) unterstellt – auch dazu passen die Farbe rot und der wunderschöne alte Brauch sehr gut. Von solcher Liebe waren die Gottesmutter und die Märtyrer durchdrungen.

Sonntag, 27. Mai 2012

Lobe den Herrn, meine Seele – Pfingsten

Heiliggeistfenster in Sant'Andrea al Quirinale
Mit dem Fest Pfingsten endet die freudevolle Osterzeit: sieben mal sieben Tage, entsprechend der Zahl eines Jubeljahres des alten Bundes, hat die Kirche das Fest der Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Am fünfzigsten Tag feiert sie die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die ersten Jünger – eine Kette, die durch die Spendung der Sakramente reicht bis in unsere Tage. Einen besonders berührenden Moment finde ich, wenn wir beim Ruf vor dem Evangelium zu dem Vers
Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!
niederknien, aus schierem Dank und reiner Anbetung heraus.

Mit dem Himmelfahrtstag ist die Verheißung aus dem Buch Jesaja über Christus, der das ewige Wort des Vaters ist, erfüllt: es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.

Der wunderschöne Antwortpsalm des Pfingsttages ist derselbe, wie der der ersten Lesung in der Osternacht: Lobe den Herrn, meine Seele, Herr mein Gott, wie groß bist du. Der Psalmist besingt die Wunder der Schöpfung, und er tut gut daran, ihre Herrlichkeit zu preisen, denn die ganze Schöpfung ist ins Leben gerufen durch den Hauch und Geist Gottes, er durchdringt und erhält alles. Die Herabkunft des Beistands, den der Vater sendet, ist die Neuordnung der Schöpfung in Christus, dessen Kommen die Liturgie den Zenit der Zeiten nennt. Zugleich ist sie der Beginn der Kirche, denn im Johannesevangelium hören wir von der Einsetzung des Bußsakraments.

Der Psalmist schließt angesichts der Herrlichkeit der Schöpfung mit dem inbrünstigen Ausruf: Möge ihm mein Dichten gefallen, ich will mich freuen am Herrn. Er besingt nicht nur die Freude des Herrn an seiner Schöpfung, sondern auch die des Menschen an Gott selbst


Du läßt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.
Du läßt Gras wachsen für das Vieh,
auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut.
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Lobe den Herrn, meine Seele!

Samstag, 26. Mai 2012

Sende aus deinen Geist… – Vigil von Pfingsten

Stilleben mit Schleier, Rosenkranz und Ballerinas

Gott in den Straßen von Berlin


Einen faszinierenden Clip, der zugleich eine Einladung zur zentralen Fronleichnamsprozession in Berlin darstellt, hat Tiberius gemacht. – Herr, zu wem sollen wir gehen? (Du hast Worte ewigen Lebens.)

Wann, wo? Am Donnerstag, den 7. Juni 2012, um 18 Uhr auf dem Gendarmenmarkt.

Freitag, 25. Mai 2012

Bild des Tages

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt. (aus der Pfingstsequenz)
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesegnetes Pfingstfest.

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Bild: Edouard Boubat, 1955

Zwischendurch: Shakespeare im Praxistest

„A chrysanthemum by any other name would be easier to spell.“

Pfingsten und Berufungen


In den nächsten Tagen werden in vielen Diözesen Priester geweiht; Pfingsten, das Fest an dem wir das Kommen des Beistands feiern, den der Vater sendet, ist natürlich ein auch sehr schöner Termin dafür.

In den Tagen um Himmelfahrt bittet die Kirche um die Gaben des Heiligen Geistes, aber auch besonders um den Segen Gottes für die Aussaat, die Frucht der Erde und unserer Hände. Innerlich verbindet sich das sehr schön mit der Bitte um Berufungen zum Priestertum, und in diesem Sinne hab ich die Fürbitten der letzten Tage erweitert, der Gemeinde zur Freude. – Beten wir für alle, die in den nächsten Tagen geweiht werden und für die, die sich bei einer Priesterweihe vielleicht fragen, könnte das auch etwas für mich sein?

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Ein schönes Lesezeichen, jedenfalls aber ein sehr sinnvolles, wie ich finde. Man kann es sich ins Stundenbuch oder Gotteslob legen und für unsere Priester beten, wann immer es wieder „vorbeikommt“.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Mittelalterliche Comicstrips

Eine nette Zusammenschau der österlichen Zeit in einer Illustration aus dem Gebetbuch von Waldburg – irgendwie hat das schon fast Mangacharakter.



Auferstanden!



(einen neuen Aufbruch wagen)
Jetzt seht ihr mich noch, gleich seht ihr mich nicht mehr…



…weil ich mich zur Rechten des Vaters gesetzt habe (auf einen Regenbogen, bitte schön!)



and here cometh: der Beistand, den der Vater senden wird. (Die Taube sieht mir etwas ähnlich.)

Mittwoch, 23. Mai 2012

Tradition und der Hihi-Faktor (oder auch nicht)

Bei Ameleo entspinnt sich eine Diskussion unter einem Beitrag über soutanentragende Priester bei der Erstkommunion. Quintessenz: ein Priester, der Soutane trägt, hat offenbar einen hohen Hihi-Faktor. Schade eigentlich. Damit meine ich weniger die Kinder, die sind fast immer exkulpiert, indes kann man mit Kindern natürlich auch wunderbar reden, wenn man sie ernst nimmt.

Versteht mich recht, mir ist es eigentlich egal, ob ein Priester Soutane, einen Anzug mit Kollar oder auch Jeans mit einem Kollarhemd trägt, das muß er selbst wissen (und es bleibt ihm auch meist selbst überlassen), wichtig ist doch, daß er als Kleriker deutlich erkennbar ist. Festtagskleidung für Kleriker ist eben die Soutane, mancherorts ist sie auch Alltagskleidung, das ist unsere Tradition. Vielleicht könnte man das den Kindern freundlich nahebringen, anstatt darüber zu spotten. Wenn man natürlich selbst findet, daß es auf den Punkt trifft…

Mir sind all die Assoziationen zu einem Kleid nie gekommen, weder als Kind noch später, eher denk ich ans Altertum oder, wie bei der Anrede „Monsignore“ auch, an Fernandel als Don Camillo – den Soutanenträger schlechthin. An Sonn- und Festtagen stand unser heimischer Pfarrer in Soutane und Zingulum an der Kirchentür und gab den Gläubigen ein gutes Wort mit auf den Weg. Sonntagsfeeling halt. (Das prächtige violette Zingulum hat mich seinerzeit eher an Zigarren mit Bauchbinden erinnert.) Wenn Regisseure übrigens einem Film den Anstrich des Katholischen geben wollen, lassen sie immer einen Priester in Soutane (oder Chorkleidung) und Birett oder eine Schar Vinzentinerinnen mit Cornette durchs Bild gehen, wahrscheinlich eben wegen des hohen Erkennungswerts. Traditionell – was die Cornettes anbelangt, auch ein wenig skurril –, aber eben deswegen liebenswert.

„Die Welt“, nebenbei bemerkt, stört sich meist gar nicht daran, sie begegnet solchen äußerlichen Zeichen der Zugehörigkeit zu Christus mit Gleichmut oder findet es sogar eher interessant. Selbst ein „Guck mal, Pinguine!“ fällt da noch rein. Schwieriger wird es, so empfinde ich es manchmal, wenn bei Katholiken die eigene Identifikation mit der Kirche ein wenig fehlt. Dann meint man, sich für andere genieren zu müssen. Derjenige, der vor Jahren meinte, zu meinem Schleier eine, wenn auch unreflektierte, Meinung haben zu müssen – hinter meinem Rücken allerdings, sonst hätten wir nämlich drüber sprechen können – ist interessanterweise einer, der selbst meist einen zerknitterten Anzug mit einem Kreuzchen dran trägt. Da schau her. Wie gesagt, Kindern kann man sowas erklären. Manchen Erwachsenen auch.

Überliefertes von meiner Konfirmation: als der Pfarrer die Kanzel erklomm und mit der Predigt anhub, meinte meine kleine Schwester über den Schalldeckel – an dem eine Taube hing, die aussah, als wenn sie mal die Motten gehabt hätte –: „Wenn jetzt der Deckel runterfällt, dann sitzt der Pfarrer in der Dose!“ Danach wollte es bei meiner Oma mit der Andacht nicht mehr so recht klappen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Montag, 21. Mai 2012

God's grandeur


The world is charged with the grandeur of God.
It will flame out, like shining from shook foil;
It gathers to a greatness, like the ooze of oil
Crushed. Why do men then now not reck his rod?
Generations have trod, have trod, have trod;
And all is seared with trade; bleared, smeared with toil;
And wears man’s smudge and shares man’s smell: the soil
Is bare now, nor can foot feel, being shod.

And for all this, nature is never spent;
There lives the dearest freshness deep down things;
And though the last lights off the black West went
Oh, morning, at the brown brink eastward, springs —
Because the Holy Ghost over the bent
World broods with warm breast and with ah! bright wings.
(Gerard Manley Hopkins)

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Bild: Brakeman, Linden Frederick

Sonntag, 20. Mai 2012

Hauch, der Leben uns verleiht… – Pfingstnovene


Den schönen Hymnus Komm, o Tröster, heilger Geist (GL 250), den wir in der Pfingstnovene jetzt öfter singen, nehme ich auch unterm Kirchenjahr gern als Hymnus für die Sext, vielleicht wegen des Verses:
Komm und lindre unsre Last,
komm, gib in der Mühsal Rast,
komm, sei bei uns Armen Gast.
Es tut gut, vor allem an heißen Tagen, wie sie jetzt wieder kommen, mitten am Tag, wenn die Sonne am höchsten steht, innezuhalten, sich vom Gebet erfrischen zu lassen und ein Stück weit zur Ruhe zu kommen – komm, gib in der Mühsal Rast. Oft geht es danach ganz anders weiter.

Der Hymnus selbst mit seiner schönen, beschwingten Melodie und den dreizeiligen Versen ist ein solches Stück Quelle und Rast. Bis auf die Glut des Herzens atmen alle seine Bilder Ruhe und Kühle. Besonders schön finde ich den letzten Vers, er verweist uns darauf, wohin wir unterwegs sind:
Hauch, der Leben uns verleiht,
lenk uns in der Erdenzeit,
führ uns hin zur Seligkeit.


Komm, o Tröster, Heilger Geist
Licht, das uns den Tag verheißt,
Quell, der uns mit Gaben speist.

Komm und lindre unsre Last,
komm, gib in der Mühsal Rast,
komm, sei bei uns Armen Gast.

Glut, die unser Herz durchdringt,
Beistand, der zum Ziel uns bringt,
ohne den uns nichts gelingt.

Halt uns, wo wir haltlos gehn,
rate, wo wir ratlos stehn,
sprich du, wo wir sprachlos flehn.

Hauch, der Leben uns verleiht,
lenk uns in der Erdenzeit,
führ uns hin zur Seligkeit.
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Bild: Santa Sabina in Rom, Lawrence Lew OP

Samstag, 19. Mai 2012

Ad completorium


Immer wieder schön: der Moment, in dem das Responsorium der Komplet für mich genau das ausdrückt, was mein Leben trägt und den Tag zur Ruhe bringt: Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.

Böhmische Dörfer

Alt-Rixdorf wie es auch ist: auf dieser ehemaligen Stadtbrache am Böhmischen Dorf stand früher eine der verrufensten Mietskasernen des Stadtviertels. Seit Mitte der neunziger Jahre ist sie ein nach einem Bischof der Böhmischen Brüder benannter Garten, in dem, der ihn betritt, Lebensstationen und das pädagogische Konzept des früheren Oberhaupts der Brüdergemeine, Johann Amos Comenius, nachvollziehen kann, wenn er mag – oder sich einfach nur erfreuen.




So sieht eine Wiese hier in der Gegend aus, wenn man sie zufrieden läßt –
es wachsen neben Flieder und Schwertlilien auch wilde Narzissen.


…und Monstermohnblumen…

Außer Heilpflanzen und Gemüse gibt noch es ziemlich viele wildwachsende Rosenarten
und die Osterkerzenproduzentinnen sind schon wieder am Werk…



…der Adler ist gelandet.

Außer den Bienen gabs noch Molche zu bestaunen, die aber wollten nicht posieren, der Wasserlauf ist ziemlich verschilft, da haben sie sich lieber versteckt.

RiP, Kurt Felix




Unvergeßlich – Kurt Felix fällt in die Grube, die er Paola gegraben hat, und mutiert zum HB-Männchen: „Und jetzt kommt sie mit diesem elenden Fischerboot daher!!“ Vielen Dank dafür. – Am Mittwoch ist der nette Schweizer nach schwerer Krankheit gestorben. Menschen, die andere zum Lachen bringen können, machen die Welt ein ganzes Stück besser.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Die höllische Torte

Gibt man in die Googlesuche „Mit Macht sprengst du der Hölle Tor“ ein , so bietet die die automatische Vervollständigung an: „Mit Macht sprengst du der Hölle Torte“. Logo, das hat doch wirklich Sinn! Wenn die Hölle schon eine Torte liefert, sollte diese wenigstens vom Himmel gesprengt werden. – Lieber Gott, ich bevorzuge Torten, die nicht direkt aus der Hölle kommen, es liegt also kein Grund für eine Sprengung vor.

Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten – Christi Himmelfahrt

Ich bin ausgegangen vom Vater und in die Welt gekommen. Ich verlasse nun wieder die Welt und gehe zum Vater. (Antiphon zur ersten Vesper)
Das schöne an den Festen des Kirchenjahres ist, daß einem in jedem Jahr ein anderer Aspekt deutlicher vor Augen treten mag. Christus fährt zum Vater auf, nachdem er sich volle vierzig Tage seinen Jüngern immer wieder gezeigt hat. Es ist ein Abschied, aber er geht zum Vater. Sie sahen das Ende des Auferstehungsgeschehens, nicht jedoch den Anfang. Sie sahen den Anfang der Himmelfahrt, nicht jedoch das Ende, schreibt der Kirchenvater Chrysostomus. Das Ende ist Christus zur Rechten des Vaters, in Herrlichkeit und Glorie. Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe– nun ist es vollendet.

In vielen Worten hat Jesus seine Jünger immer wieder darauf verwiesen, von wem er stammt und wohin er geht: Er kommt vom Vater und kehrt zu ihm zurück. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und deshalb erscheint mir das Fest in diesem Jahr als ein sehr tröstliches: es birgt unmittelbar unsere Hoffnung auf den Tag, an dem wir selbst Gott schauen werden, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht, und Wohnung nehmen werden an dem Platz, den Christus für uns vorbereitet hat.

Die Antiphonen und Responsorien des Stundengebets des Tages besingen Christus als den Verherrlichten:
O König der Herrlichkeit und Herr der Scharen! Als Sieger steigst du heute empor über alle Himmel.

Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. (zweite Vesper)

Mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände. (Terz)

Frohlockend wie ein Held vollendet er den Lauf, zum höchsten Himmel kehrt der Herr zurück. (Sext)

Zugleich ist es gleichsam eine Vorwegnahme dessen, was unser eigener Lauf sein kann: Christus, in seinem menschlichen Leib, geht zu Gott ein, ist uns als Mensch vorangegangen in die Herrlichkeit des Vaters. Ich muß dabei an die Gewißheit Hiobs wie Pauli denken, Gott selbst einmal zu schauen, von Angesicht zu Angesicht: Meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Vor kurzem ist völlig unerwartet ein Mann gestorben, mit dem ich in den letzten Jahren viel über solche Fragen diskutiert habe: ob, wie und in welcher Form wir Gott eines Tages schauen werden, wie wir uns die Auferstehung des Leibes vorstellen, alles sowas, nicht zuletzt gerade am Himmelfahrtfest des vergangen Jahres. Nicht nur wegen dieser Gespräche, sondern auch wegen seiner Güte ist er mir in den Jahren sehr lieb geworden, und er fehlt mir. Ich glaube aber, ich daß er es inzwischen selbst sieht, nicht mehr fremd, in einer der Wohnungen, die der Vater bereitet hat.
Jesus, du Quelle unseres Heils
der Liebe und der Sehnsucht Ziel
du Gott und Schöpfer aller Welt
und Mensch am Abend dieser Zeit.

Wie groß muß deine Liebe sein!
Du nimmst der Sünde Last auf dich;
du lieferst dich dem Tode aus,
um uns vom Tode zu befrein.

Mit Macht sprengst du der Hölle Tor
befreist die Deinen aus der Haft.
Als Sieger thronst du jetzt im Licht
zu deines Vaters rechter Hand

Sei unsere Freude, unser Trost,
sei unseres Lebens reicher Lohn
und stille unser Sehnen, Herr,
wenn wir dein Antlitz ewig schaun.
(Hymnus zum Fest)

Bild des Tages

Erdbeeren, Kuchen und Schlagsahne (John Francis, 1854)

Mittwoch, 16. Mai 2012

Los Wochos – Maialtäre

Voilà, der Marienaltar von St. Bernhard in Dahlem, einer Kirche, in der man tagsüber wunderbar beten kann – das ist ein großer Vorzug. Wem der Schmuck jetzt etwas arg minimalistisch vorkommt: in einer expressionistischen Filialkirche kann man wohl nichts Bombastisches machen. (Selber hätte ich wahrscheinlich minimalistischerweise auf das dreibeinige Gefäß da unten verzichtet – jedenfalls auf das Gefäß… – und der Statue dafür einen Kranz spendiert. Ich glaub, ich bring der Gottesmutter nächstens ein paar Maiglöckchen mit). Immerhin ist ein Betstuhl da, und die Leuchter find ich für diesen Kunststil eigentlich auch hübsch.

Neben Außenlaternen, die von den Symbolen der vier Evangelisten getragen werden, hat die Kirche auch noch besonders nette Engeltürgriffe (Ernst Barlach läßt grüßen):

Da es grad ganz still in der Kirche war, hab ich das Salve Regina sogar singen können. :)

…und zum Schluß fehlt nie…

– tada – die kalte Sophie.

Wer in Süddeutschland wohnt, merkt sich Namen und Reihenfolge der Eisheiligen mit dem Merkspruch: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluß fehlt nie die kalte Sophie.“ Kalt wird sie hierzulande deshalb genannt, weil es zu ihrem Gedenktag, dem 15. Mai, noch einmal frieren kann. (So kalt war die kalte Sophie, hier mit Temperaturen bis zu 17 Grad tagsüber gestern übrigens nicht. Ich glaub, sämtliche Herren Bazi mit Sophie sind dieses Jahr einige Tage früher gekommen.)

Sophia von Rom (zuweilen auch von Mailand) war das, was man im Laufe der Jahrhunderte manchmal geweihte Witwe genannt hat: Nach dem Tode ihres Mannes weihte sie ihr Leben dem Dienst Christi. In den Christenverfolgungen des Kaisers Diokletian erlitt sie mit ihren Töchtern um 304 das Martyrium.

Der Überlieferung zufolge hatte sie drei Töchter, geweihte Jungfrauen, die sie Caritas, Fides und Spes nannte – Glaube, Liebe, Hoffnung, wie schön. (Im Englischen ginge das heutzutage noch: Charity, Faith und Hope. Im Lateinischen scheinen sich als Namen nur zwei gehalten zu haben – im Laufe meines Lebens sind mir zwar Ordenschwestern begegnet, die Caritas oder Fides hießen, aber eine Spes halt noch nicht.)

Interessanterweise bedeutet Sophia Weisheit. Aus der Weisheit gehen Glaube, Liebe und Hoffnung hervor. Die Weisheit gehört zu den Gaben des Geistes. Der Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht, und beim Propheten Jesaja lesen wir über den Erlöser die wundervolle Aussage:
Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Dem Propheten ist diese fast hymnische Aussage über den Geist und die Gottesfurcht so wichtig, daß er sie sogar noch einmal wiederholt: Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.

Als ich neulich drüber nachdachte, kam mir in den Sinn, daß Papst Benedikt mit der Ankündigung eines Jahres des Glaubens diese schöne Trias aus Glauben, Liebe und Hoffnung eigentlich in gewisser Weise vervollständigt hat: er hat zwei Enzykliken geschrieben: Spe salvi und Caritas in veritate. Nun noch das apostolische Schreiben Porta fidei, die Tür zum Glauben. Keine Enzyklika, aber ein ganzes Jahr, das im Oktober beginnt und in dem die Kirche in besonderer Weise über diese Tür zum Glauben nachdenkt, darüber, was es bedeutet, durch sie einzutreten und wie man möglichst vielen Menschen diese Tür zeigen kann. Ich freue mich darauf. – Das Jahr des Glaubens wird auch Thema des Bloggertreffens in Freiburg Anfang Juni sein.
Wir dürfen nicht zulassen, daß das Salz schal wird und das Licht verborgenen gehalten wird. Auch der Mensch von heute kann wieder das Bedürfnis verspüren, wie die Samariterin zum Brunnen zu gehen, um Jesus zu hören, der dazu einlädt, an ihn zu glauben und aus der Quelle zu schöpfen, aus der lebendiges Wasser hervorsprudelt. Wir müssen wieder Geschmack daran finden, uns vom durch die Kirche treu überlieferten Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren – Gaben, die allen zur Stärkung angeboten werden, die seine Jünger sind. Die Lehre Jesu ertönt nämlich noch in unseren Tagen mit derselben Kraft: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“. Die Frage derer, die ihn hörten, ist die gleiche auch für uns heute: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“. Die Antwort Jesu kennen wir: „Das ist das Werk Gottes, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ . An Jesus Christus zu glauben ist also der Weg, um endgültig zum Heil zu gelangen.

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Bild: Ikone der hl. Sophia mit ihren drei Töchtern. Ikonographisch vermute ich mal von links nach rechts: Caritas (in rot), Fides und Spes (in grün).

Maiglöckchen



Und die Nachtigall sang noch weiter; sie sang von dem stillen Gottesacker, wo die weißen Rosen wachsen, wo der Flieder duftet und wo das frische Gras von den Thränen der Überlebenden befeuchtet wird. Da bekam der Tod Sehnsucht nach seinem Garten und schwebte wie ein kalter, weißer Nebel aus dem Fenster. (Hans-Christian Andersen)[1]
Gestern abend: Jahr für Jahr wächst hier an einem verschwiegenen Ort mitten in der Stadt dieses Feld wilder Maiglöckchen, schönerweise gleich neben einer Statue unseres Herrn Jesus Christus. Dafür liebe ich Berlin.

Eigentlich war ich losgezogen, den Maialtar der polnischen Gemeinde zu fotografieren. Als ich hinkam, war aber grad eine marianische Andacht mit sakramentaler Aussetzung im Gange (der Priester trug einen Chormantel mit blauem Einsatz). Da gleich im Eingang Menschen auf den Knien lagen, hab ich mich einfach dazugekniet und hatte so unverhofft vor den Maiglöckchen noch die sakramentale Anbetung.
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[1] Irgendwie war mir so, als wäre in einer älteren Fassung auch noch von Schierling die Rede gewesen, ich hab das Buch aber grad nicht zur Hand.

Dienstag, 15. Mai 2012

Catholic kitsch

Dorothea führt unter Verweis auf den Artikel von Martin Mosebach im VATiCAN Magazin hier ins Feld, daß Bildnisse unserer lieben Frau von Lourdes ein hohes Maß an katholischer Identifikation und Heimeligkeit ausmachen. (Leider, glaub ich, hat unser Pfarrer gar keinen Garten…)

Zum Thema Kitsch[1] ließe sich tatsächlich viel sagen (mache ich womöglich in den nächsten Tagen auch noch), wobei die Grenze dessen, was ein Mensch als kitschig empfindet, ja durchaus verschieden angesetzt sein kann. Indes gibt es Dinge, wie wohl wirklich, nach jedem Maßstab, kitschig sind – und wir Katholiken lieben sie trotzdem. Ein Beispiel dürfte die Statuette unser lieben Frau von Lourdes sein, die ich vor einigen Jahren aus Rom mitbrachte: aus Gips, mit roten Rosen und stellenweise mit blauem und rotem Flitter besprüht. Diese Madonnenfigur fand auch im Freundeskreis großen Anklang, weshalb ich vom nächsten Romaufenthalt gleich mehrere mitbrachte (einer meiner Freunde hat eine Wohnung, die man diesbezüglich nur als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann).

Gern stellte ich ein Bild der besagten Figur ein, leider hat sich meine eigene Kitschmadonna vor einiger Zeit zu Tode gestürzt (weil eine Katze draufsprang – „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, das muß fallen und vergehen…“). Heul. Ich muß dringendst mal wieder nach Rom.

Unsere liebe Frau von Lourdes mit Grotte zum Backen hatte ich vor einiger Zeit schon mal am Gedenktag verbloggt. Im selben Beitrag kann man sich auch Anregungen zum Thema Bathtub-Madonna holen (ist im Grunde ja recht simpel: man nehme zwei Drittel einer alten Zinkbadewanne und eine Statue unser lieben Frau). Und ein Spielset mit heiliger Bernadette und ausziehbarer Grotte für kleine und große Kinder kann man sich hier bestellen.

Nebenbei bemerkt, die hl. Bernadette selbst fand die Statue, die der Künstler auftragsgemäß für die Grotte geschaffen hatte, übrigens ziemlich grauslig. Das kann allerdings auch kaum anders sein, hatte Bernadette doch die Gottesmutter selbst gesehen.

Das Bild oben heißt Ham Radio, stammt von dem Amerikaner Linden Frederick und bringt implizit zum Ausdruck, wie beliebt gerade unsere Liebe Frau von Lourdes ist. Und dabei geht es meinem Gefühl nach nicht vorwiegend um Kitsch. Die Erscheinungen der Gottesmutter in Lourdes sind ein Zeichen ihrer Nähe zu den Menschen. Kein Wunder, daß die Katholiken auch die Gottesmutter nahe bei sich haben möchten.

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[1] Unser Wort „Kitsch“ ist übrigens eines, das unverändert ins Englische eingegangen ist. Neben „Weltschmerz“ und „Kindergarten“.

Montag, 14. Mai 2012

Stella matutina – Morgenstern

Das Bild ist sozusagen zwei in eins: neben dem Morgenstern ist ja auch der Mond ein Mariensymbol.

Es gibt kein Symbol in dieser Welt der Zeichen und Sinne, das die Herrlichkeit der jenseitigen Welt besser darstellen könnte als der Morgenstern. Er ist das Zeichen des kommenden Tages, der Vorbote der aufsteigenden Sonne. Sein Erscheinen kündigt dem Kranken in den langen Winternächten den sicheren Tag an. Er ist das Versprechen, die Verheißung des Lichtes. Der Sinn der Verheißung lag schon in dem Titel „mystische Rose“, aber weil auf die Blume nicht immer die Frucht folgt, mußte er in dem Ehrennamen „Morgenstern“ ganz zur Entfaltung kommen. Denn Maria ist wesentliche Verheißung, und der Morgenstern ihr vollkommenstes Symbol.

Die Rose gehört der Erde an, die Sterne aber dem Himmel. Kein Wechsel, keine Feuersglut, keine Stürme, keine Wasserfluten berühren die Sterne – sie leuchten unbeirrt und ruhig über allen Teilen dieser wirren Erde.

Die Rose hat nur ein kurzes Leben. Ihr Zerfall ist da, sobald sie die Höhe der Entwicklung und ihren schönsten Schmuck, ihren feinsten Duft erreicht hat. Maria aber glänzt wie die Sterne, heute noch wie am Tage der Himmelfahrt, und wird in unvermindertem, unverblühtem Glänze leuchten, wenn ihr Sohn am Ende der Tage kommen wird, die Welt zu richten. Sie leuchtet ferner, wie der Morgenstern, nicht von sich und nicht für sich, sondern ist nur der Reflex des Schöpfers und Erlösers, und will nur ihn verherrlichen. Wenn sie im Dunkel erscheint, wissen wir, daß er nahe ist. (aus Der Maimonat des sel. John Henry Kardinal Newman)

Sonntag, 13. Mai 2012

Da hüpfte das Kind in ihrem Leibe…


Die amerikanischen Bischöfe haben zum Muttertag dieses Jahres – also heute – einen vom Heiligen Stuhl approbierten Segensritus für ungeborene Kinder (Rite for the blessing of a child in the womb) als Handreichung in Englisch und Spanisch herausgegeben, den ich mir auch gleich angeschaut habe, weil ich den Gedanken sehr schön und zeichenhaft finde. Ein Sakramentale ist ja auch ein heilswirksames Zeichen.

Der mit dem Segen verbundene Wortgottesdienst (falls der Segen nicht in der Heiligen Messe gespendet wird) nimmt Bezug auf die Begegnung von Maria und Elisabeth im Lukasevangelium: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Das Segensgebet für das Ungeborene und seine Mutter lauten (in meiner Übertragung):
God, author of all life,
bless, we pray, this unborn child;
give constant protection
and grant a healthy birth
that is the sign of our rebirth one day
into the eternal rejoicing of heaven.
Lord, who have brought to this woman
the wondrous joy of motherhood,
grant her comfort in all anxiety
and make her determined
to lead her child along the ways of salvation.

Gott, du Urheber allen Lebens,
wir bitten dich, segne dieses ungeborene Kind,
gewähre ihm deinen Schutz
und eine glückliche Geburt.
Möge sie uns Zeichen dessen sein,
daß wir alle einmal in in die ewige Freude des Himmels geboren werden.
Herr, du hast dieser Frau die wunderbare Freude der Mutterschaft geschenkt.
Gewähre ihr Trost in allen Nöten
und laß sie ihr Kind auf den Wegen des Heiles führen.

Was ich heute noch brauche…

…ein schönes, gemütliches Bad und diesen marienliebenden Teddy (via Saint Kitsch). Gute Nacht!
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