Montag, 30. April 2012

Icecream, icecream, everybody wants icecream…

Weil grad so schön sommerliches Wetter ist (via Pithless thoughts). Warum auch nicht?

Papst Benedikt zum Weltgebetstag für geistliche Berufe


Wieder einmal wunderschön in Wort gefaßt – aus der Botschaft Papst Benedikts zum 49. Weltgebetstag für geistliche Berufe:
Angesichts des Werkes der Vorsehung Gottes von großem Staunen ergriffen, ruft der Psalmist aus: Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Hände, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Die tiefe Wahrheit unserer Existenz ist also in diesem erstaunlichen Geheimnis geborgen: Jedes Geschöpf, insbesondere jede menschliche Person, ist Frucht eines Gedankens und einer Tat der Liebe Gottes, einer unendlichen, treuen, ewigen Liebe. Die Entdeckung dieser Wirklichkeit ist es, was unser Leben tatsächlich zutiefst verändert. …

Es handelt sich um eine vorbehaltlose Liebe, die uns vorausgeht, uns das ganze Leben hindurch stützt und ruft und die ihre Wurzel in der absolut ungeschuldeten Gnade Gottes hat. Mit Bezug besonders auf das Priesteramt sagte mein Vorgänger, der sel. Johannes Paul II.: „Alles Handeln des Priesters zielt dahin, die Kirche zu lieben und ihr zu dienen, und ist gleichzeitig darauf ausgerichtet, immer mehr zu reifen in der Liebe zu und im Dienst für Jesus Christus, der Haupt, Hirte und Bräutigam der Kirche ist. Es handelt sich um eine Liebe, die sich stets nur als Antwort auf die zuvorkommende, freie und unverdiente Liebe Gottes in Christus gestaltet. Jede besondere Berufung entsteht in der Tat aus der Initiative Gotte heraus; sie ist Geschenk der Liebe Gottes! Er macht den „ersten Schritt", und zwar nicht, weil er in uns etwas besonders Gutes vorgefunden hätte, sondern kraft der Gegenwart seiner Liebe, die „ausgegossen [ist] in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“.

In allen Zeiten steht am Ursprung des göttlichen Rufs die Initiative der unendlichen Liebe Gottes, die in Jesus Christus in Fülle offenbar wird. In meiner ersten Enzyklika Deus caritas est habe ich geschrieben: In der Tat gibt es eine vielfältige Sichtbarkeit Gottes. In der Geschichte der Liebe, die uns die Bibel erzählt, geht er uns entgegen, wirbt um uns – bis hin zum Letzten Abendmahl, bis hin zu dem am Kreuz durchbohrten Herzen, bis hin zu den Erscheinungen des Auferstandenen und seinen Großtaten, mit denen er durch das Wirken der Apostel die entstehende Kirche auf ihrem Weg geführt hat. Und in der weiteren Geschichte der Kirche ist der Herr nicht abwesend geblieben: Immer neu geht er auf uns zu – durch Menschen, in denen er durchscheint; durch sein Wort, in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie.

Die Liebe Gottes besteht für immer, er ist sich selbst treu, dem „Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter“. Besonders den neuen Generationen muß daher die einladende Schönheit dieser göttlichen Liebe, die vorausgeht und begleitet, neu verkündet werden: Sie ist der verborgene Antrieb, der Beweggrund, der nicht weniger wird, selbst unter schwierigsten Umständen.

Sonntag, 29. April 2012

Die eigene Berufung erkennen und Frucht bringen

Das Evangelium des heutigen Tages, nach dem man den Sonntag Guthirtensonntag nennt, verbindet uns mit dem weltweiten Gebet um geistliche Berufe.

Berufung kommt von Ruf, rufen. Der Ruf, den man hört und der, dem man antwortet. Meine Schafe hören auf meine Stimme, sie kennen mich und sie folgen mir. Das ist das unmittelbare Hören auf den Ruf des Hirten, der in der Taufgnade an uns erging. Aus dieser Taufgnade heraus wachsen wir in die Kirche hinein, sind Glieder am Leib Christi, dessen Haupt Christus selbst ist.

Man kann die Kirche auch einem Baum vergleichen und die Entfaltung der eigenen Berufung im Leben der einer Frucht, die dieser Baum hervorbringt. Der Baum wurzelt in Christus und ist ihm begründet. Die Berufung in die Kirche durch die Taufe ist der Stamm, die weit verzweigten Äste die verschiedenen Berufungen, denen wir folgen können. Versinnbildlicht ist dies etwa im „Vocation tree“ (der ein katechetisches Projekt ist, das von Raymond Kardinal Burke empfohlen wird). Leider ist es mir nicht gelungen, eine Abbildung zu finden, auf der man die Schrift (vor allem oben in der Krone des Baums) gut lesen kann, aber der Sinn ist klar – dieser Baum der Kirche hat viele Zweige und bringt eine Fülle verschiedener Früchte hervor, die alle auf Christus zurückgehen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet…

Am an diesem Welttag beten wir besonders um Berufungen zum geistlichen Leben. Ein wenig schade finde ich, daß das mancherorts – obwohl vom Heiligen Stuhl nicht so ausgedrückt – auf das Gebet um Priester- und Ordensberufe verkürzt wird. Der Heilige Stuhl wählt die Bezeichnung Vita consecrata (bzw. consecrated life). Tatsächlich bitten wir dabei um Berufungen zum geweihten Leben, wie sie etwa der sel. Johannes Paul II. in seinem gleichnamigen apostolischen Schreiben Vita consecrata nennt. Wenn man sich etwa den Vocation tree – dessen Hauptäste die Stände „Ordained“, „Consecrated“ und „Laity“ bilden – anschaut, sieht man, daß sich der Ast „Consecrated“ noch ziemlich weit verzweigt und viele verschiedene Früchte trägt (ich glaub, die geweihten Jungfrauen sind die Mirabellen oder Aprikosen…).

Leider sind die Informationen für solche, die sich mit einer Berufungsfrage beschäftigen, auf diözesaner Ebene hierzulande oft erstaunlich mager, so daß man sich wirklich fragen muß, warum macht ihr es eigentlich Leuten, die sich vielleicht nur mal informieren möchten, in einem Zeitalter, das immerhin Informationszeitalter genannt wird, so unnötig schwer? Ein schönes Beispiel, wie man es anders aufziehen kann, ist die Website des Office of Vocations der nordamerikanischen Diözese von Sioux Falls, mit Infos zum Thema Berufung, Bildern und einem danebenstehenden Gebet. Besonders gut gefällt mir die Seite Meet our seminarians – theoretisch und praktisch können die Gläubigen so einen bestimmten Priesteramtskandidaten im Hinblick aufs Gebet „adoptieren“. Darüber hinaus bietet die Diözese auch Informationen für Eltern, deren Kinder einer Berufung folgen wollen, mit einer Art Zusammenstellung von Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) und inklusive kurzem Video. Sehr nachahmenswert!

Ich glaube, die Kirche braucht alle diese Berufungen und deren besondere Gaben, wenngleich uns das Gebet um priesterliche Berufungen besonders am Herzen liegt, denn die Priester spenden uns die Sakramente. Unter den Fürbitten im Rahmen der Gebetsstunde um geistliche Berufungen, die wir seinerzeit im Rahmen der Aktion Vierzig Tage in unserer Gemeinde gehalten haben, war eine, die mich nachdenklich gemacht hat:
Laß uns so leben, daß aus unseren Familien ein Priester hervorgehen kann.
Ergänzt man diese Fürbitte vielleicht noch um den Freundeskreis, so scheint sie nur allzu angebracht. Leben, sprechen und handeln wir so authentisch, daß es in unserer Mitte möglich wäre? Ich glaube, hier wird tatsächlich eine wichtige Aussage gemacht. Wir müssen um Berufungen beten, wir müssen ihre Entstehung und ihr Heranwachsen aber auch fördern, durch Zeugnis, durch guten Zuspruch, durch Ratschlag, durch Mittragen einer solchen Entscheidung und eben zuerst und zuletzt durch unser Gebet.

Das Hören auf den Ruf Gottes in der Stille des Gebets ist auch das, was jemand, der darüber nachdenkt, wie er seine Berufung im Leben finden kann, unmittelbar und zuerst tun sollte. Zwei Punkte, die ich beim Entwurf eines Beitrags, wie man eigentlich geweihte Jungfrau wird (den ich dann doch nicht ganz fertiggeschrieben habe), formuliert habe, treffen eigentlich auf jedwede geistliche Berufung zu:
  • Zunächst bete und frag dich, ob Gott das von dir will – diese Frage mag durchaus später immer wieder einmal auftauchen.

  • Sprich mit einem Priester darüber – das ist immer eine gute Idee. In diesem besonderen Fall wäre es allerdings wünschenswert, daß es einer ist, bei dem man das Gefühl hat, daß er zu Themen wie Berufung, Gebet, Keuschheit eine Beziehung und ein gewisses Gespür für den Umgang mit suchenden Menschen hat.
Das Erkennen und vor allem das Folgen der eigenen Berufung kann, wie es der hl. Benedikt ausdrückt, auch „Hartes und Schweres“ mit sich bringen – jede Berufung im Leben tut das. Sie kann einen auch ganz und gar erfüllen, beglücken und so wirklich reiche Frucht tragen, für das eigene Leben und das der vielen, ja eigentlich für das Heil der Welt. Dazu paßt gut etwas, das die heutige Tagesheilige, die hl. Katharina von Siena, niedergeschrieben hat:
O ewiger Gott, nimm das Opfer meines Lebens in diesem mystischen Leib der heiligen Kirche. Ich kann nichts anderes geben, als was du mir schenktest. Nimm mein Herz und drücke es in die heilige Kirche.

Und weils einfach nur Staunen macht…

…noch diese kleine Sternguckerei in einen Sternhaufen, der ziemlich weit weg ist (NGC1977 im Sternbild Orion). Gute Nacht!

Guthirtensonntag

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere,
Tu nos pasce, nos tuere,
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Tu qui cuncta scis et vales,
Qui nos pascis hic mortales,
Tuos ibi commensales,
Cohæredes et sodales
Fac sanctorum civium.

Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise.
Nähre uns auf deinen Auen,
laß uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich,

Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
laß an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich.

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aus der Sequenz Lauda Sion des hl. Thomas von Aquin, Bild: Lawrence Lew OP

Freitag, 27. April 2012

Schönheit


Etwas Schönes brauche ich heute noch (es war bisher ein ziemlich trauriger Tag): Audrey Hepburn mit kurzen Haaren – eher ungewöhnlich – und einer dreifarbigen Katze.

Was fliegt denn da? Marienkäfer!


Grad vorhin war ich draußen unterwegs, da bromselte mir ein Insekt ans Ohr und ließ sich darauf nieder. Als ich das Tierchen vorsichtig auf die Hand nahm und nachschaute, wer das wohl sei, wars ein Marienkäfer. Bald ist wieder Mai, Marienmonat.

Neulich fand ich Sacerdos' Viennensis Wintergäste hinter der Sakristeitür so nett. Beim Betrachten dieses Marienkäferkongresses – soviele hab ich überhaupt noch nie zusammen gesehen – fiel mir auf, daß ich gar nicht wußte, warum man diese überaus beliebten Tierchen Marienkäfer heißt, schließlich sind sie nicht einmal blau? Die Antwort ist: wegen ihrer großen Nützlichkeit[1] hielt man sie für eine Gabe der Gottesmutter an die Bauern. Was ich bis dahin auch noch nicht wußte: es gibt auch gelbe[2] und orange Marienkäfer und sogar solche ganz ohne Punkte.

Am bekanntesten hier herum sind sicherlich der Marienkäfer mit zwei Punkten und der mit sieben, dessen lateinischer Name mich schon zum Lächeln bringt, weil er so drollig klingt: Coccinella septempunctata. (Es klingt, als käme dieses winzige Tier, das wahrscheinlich ein jeder gern mag, mit einem gewissen Aplomb daher).
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[1] Sie fressen Blattläuse, weshalb sie heutzutage auch nach Bestellung übers Internet direkt ins Haus kommen. Das mit dem Blattlausfraß wußte ich, denn ich habe von der Möglichkeit eines solchen Hausbesuchs Gebrauch gemacht, das mit der Gabe der Gottesmutter jedoch nicht.
[2] Der gelbe hat zum Ausgleich dafür ganz viele Punkte, zweiundzwanzig.

Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist

Wie manchmal paßten die Lesungen des Tages am Dienstag auch zum liturgischen Gedenktag (Fidelis von Sigmaringen). – Jedes Jahr fällt mir auf, daß uns nicht nur der zweite Weihnachtsfeiertag (Stephanus), sondern auch der Dienstag der dritten Woche in der Osterzeit liturgisch mit dem Karfreitag und der Antiphon zum Antwortpsalm verbindet. Im Grunde ist das sogar mit jedem Fest eines Märtyrers so: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.

In der Komplet singen wir diese Worte täglich: In manus tuas, Domine, commendo spiritum meum. Wollte Gott, daß man in der Sterbestunde, der Komplet eines ganzen Lebens, dieses Wort noch einmal sagen könnte. Aber wenn es auch nur das Herz ist, das sich Gott in diesem Augenblick zuwendet, ich bin überzeugt, er hört es.

Dienstag, 24. April 2012

Rosemary's Baby


Zu den Filmen, die ich mir immer wieder einmal anschaue, gehört Rosemary's Baby (gestern auf Arte). Das mag für eine Katholikin vielleicht seltsam anmuten, erscheint doch Rosemary trotz ihres Namens als eine Art Anti-Maria: sie soll nicht den Sohn Gottes, sondern den des Teufels zur Welt bringen. Interessanterweise heißt der Film vollständig eigentlich Pray for Rosemary's Baby.

Der Grund, warum ich mir den Film vor allem gern anschaue, ist, daß er eine einzige Sechziger-Jahre-Augenweide ist, von den Kleidern, Ballerinas, Morgenmänteln und Mützen Mia Farrows über die Stoff- und Tapetenmuster bis hin zu den Kissenbezügen der neuen Wohnung. Auch mag ich Mia Farrows Haar (nachdem sie es von Vidal Sassoon hat schneiden lassen) und Sommersprossen gern.

Ein Hingucker ist auch das in der Eingangssequenz in der Draufsicht gezeigte Dakota, im Film Bramfordhaus genannt, das ich gar nicht mal so düster (wie verschiedentlich geschrieben[1]) finde, sondern eher romantisch. Wer hat schon einen solchen Springbrunnen mit metallenen Lilien im Innenhof? Dasselbe gilt für die Wohnung der alten Ms. Gardenia, die mir besser gefällt, bevor die Woodhouses sie renovieren – eine Omawohnung halt. Witzigerweise weist meine eigene Wohnung eine gewisse Ähnlichkeit damit auf. Irgendjemand hatte diese Wohnung als „incredible creepy place“ beschrieben. Hmm. Vorher hatte die Wohnung Charakter, nachher sieht sie aus wie etwas, das direkt „Schöner Wohnen“ entsprungen ist. Auch die Möbel der alten Dame, die ja laut Hausverwalter zumindest teilweise den Woodhouses überlassen werden sollten, werden nie mehr gesehen, stattdessen gibt es weißgestrichene Regalbretter zwischen weißgestrichenen Ytongsteinen als Betthaupt. Das ist nun wirklich gruselig.

Das verrufene Bramford House

Allerdings ist die Renovierung Teil des 60erJahre-Konstrukts, in dem der Mann arbeiten geht (auch wenn es brotlose Kunst ist) und die Frau zu Hause bleibt, Tapeten klebt und Möbelbezüge näht. Was ihm im Gegenzug offenbar das Recht einräumt, seine Frau wie ein Kind zu behandeln, indem er bestimmt, was sie ißt, bzw. wieviel davon, und von welchem Frauenarzt sie sich behandeln lassen darf. So ist es anscheinend nur möglich, Rosemary, wenn auch unvollständig, zu betäuben, weil ihr Ehemann – gäbe es wohl anderswo einen noch unsympathischeren? – darauf besteht, daß sie einen geschenkten Nachtisch auch dann aufzuessen hat, wenn er ihr nicht schmeckt. Diese Szene hat wie das Dessert selbst „einen kalkigen Beigeschmack“.

„Tannis gefällig?“
Der Name ist ein Anagramm
und die Szene gut für eine Gänsehaut…
Die Sixties in Reinkultur

Der Film schweigt sich darüber aus, warum die Untermieterin der Castevets, die ursprünglich als Mutter des Kindes vorgesehen war, verworfen und daher dazu gebracht wurde, aus dem Fenster zu springen, und, was das betrifft, auch, warum die alte Ms. Gardenia so plötzlich verblich, nachdem sie zuvor noch ganz allein ein schweres Vertiko vor den Wandschrank geschoben hatte, der die Verbindung zur Nachbarwohnung darstellt. Ich weiß nicht mehr, ob Ira Levins Roman das irgendwie erklärt, es ist zu lange her, daß ich ihn gelesen habe.

Wie die ausgezeichnet umgesetzte Traumszene am Beginn der Schwangerschaft gleich einen Blick auf deren Ende wirft, in dem sie Klauen und vor allem die Augen des Erzeugers zeigt („Das ist kein Traum, das passiert in Wirklichkeit!“), deutet schon die Eröffnungssequenz des Filmes, in dem eine Frau – Farrow selbst übrigens – ein Wiegenlied singt, das ein echter Ohrwurm ist, auf das Ende: Mutterliebe kann stärker sein als alles andere, kann sich selbst darüber hinwegsetzen, daß man ein ungeheuer fremdartiges Kind geboren hat, das nicht notwendigerweise ein Ungeheuer sein oder werden muß.[2] Wenn man Rosemary, die ja offenbar irgendwann auch genug davon hat, sich wie eine Schachfigur herumschieben zu lassen, das Kind erziehen ließe, müßte es nicht unbedingt böse werden. Vor diesem Hintergrund hätte auch der Titel Pray for Rosemary's Baby irgendwie Sinn.
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[1] „Düster“ bezieht sich vielleicht auf die Vorgeschichte des Hauses. Dieses Konstrukt eines vom Bösen geprägten Hauses ist ja ein Klassiker, wenn man an The haunting of Hill House, The house next door, The shining oder Rose red denkt.

[2] Was einen wiederum zu interessanten Überlegungen bringt, wie der, ob jemand, der so fremdartig aussieht wie dieses Baby ja offenbar („Es hat die Augen seines Vaters“) in größerer Gefahr ist, böse zu werden, einfach weil alle außer seiner Mutter mit Furcht und Ablehnung auf ihn reagieren – siehe etwa Frankensteins Monster?

Der Film ist übrigens farbig, aber ich fand Schwarzweißbilder mal wieder edler.

Guck mal, meine Mama!

Diese Gottesmutter von Stefano di Giovanni Sassetta finde ich ganz reizend, wegen des Patschehändchens auf dem Hals der Gottesmutter und dem zum Betrachter gewandten Blick, der zu besagen scheint, „Guck mal, meine Mama!“ (Das hat mir mal in der U-Bahn ein auf seine Mutter sichtlich stolzes kleines Mädchen zugeflüstert).

Montag, 23. April 2012

Lichterscheinungen

Ein Fundstück. Ja, es gibt solche, die schon zu Lebzeiten
einen Heiligenschein tragen, wenn sie auch selten sind.

Der große Tiergarten des lieben Gottes. Heute: das Chamäleon


Vergangene Woche erschien beim Herrn Alipius der Beitrag Kommunionempfang als Freestyle. Dazu: Ich achte seltenst drauf, wie andere Menschen kommunizieren (es sei denn, es geschehen dabei vorher oder nachher eigenartige Dinge). Die Antwort „Danke!“ an der Kommunionbank ist allerdings eine, die auch den danksagenden Ministranten die Augen vom Gebet erheben läßt.

Es gibt auch manches, was ein Kommunionspender – sei er Priester oder Kommunionhelfer – unschön machen kann, wobei für den Gläubigen an dieser Stelle schon die Frage aufkommen kann, wieso es gerade hier manchmal zu Eiertänzen kommen muß und der Kommunikant sich nicht in das Wunder der heiligen Kommunion und der Danksagung danach einfach hineinfallen lassen kann?

Man kann als Spender etwa den knienden Kommunikanten anschauen wie ein Schlangenbeschwörer, ob er nicht doch noch aufsteht und die Hände ausstreckt, oder ihm den Leib Christi auf die Zunge knallen oder senkrecht gegen die Oberlippe donnern. Bei einem, der das immer so macht, kann ich leider nicht mehr kommunizieren. Da ich es aber vorher weiß, muß ich den betreffenden Tag halt anders planen.

Alternativ kann man als Kommunionspender den knienden Ministranten ignorieren und so indirekt darauf bestehen, daß er sich erhebt und sich anderswohin begibt, weil er anderenfalls auf die Kommunion verzichten müßte. Im Nachhinein betrachtet wäre letzteres in einem solchen Falle eigentlich der Andacht meist womöglich sogar zuträglicher, indes komme ich ja wegen der heiligen Kommunion zur Messe.

Versucht man, in einem solchen Konstrukt ohne innerliches Murren zu kommunizieren, kann es mit der Andacht schon einmal etwas schwierig werden. Gestern nun: ein Spender der Marke „Du wirst doch bei mir nicht etwa im Knien kommunizieren wollen?“ hat mir, als ich schließlich halbresigniert zu ihm hintreckte und vor ihm stand (!) den Leib Christi soweit vorn auf die Zunge plaziert, daß ich dachte, gleich passierts und der liebe Herrgott gerät ins Trudeln. Von einer Hostienschale unterm Kinn natürlich keine Spur, wiewohl dies wenige tun (warum eigentlich nicht?). Hier half wirklich nur noch eine schnelle Bewegung. Bin ich ein Chamäleon?

Eher drollig, wenn auch etwas ablenkend ist der Priester, der mir den Leib des Herrn zeigt und ihn mit den Worten „Der Leib Christi“ wieder etwas zu sich hinzieht. Ich glaube, er vergißt, daß an der Stelle, an der wir knien, keine Kommunionbank ist, die den Körper gegebenenfalls abstützen könnte. Eines Tages breche ich mir vielleicht beim Kommunionempfang die Nase (weil ich draufgefallen bin), während alle anderen denken werden, ich hätte mich in Anbetung niedergeworfen.

Als vor Jahren Papst Benedikt äußerte, er wünsche, daß die Kommunion kniend und mit dem Mund empfangen werde, habe ich einen von mir sehr geschätzten Priester nach seiner Ansicht dazu gefragt. Er stimmte Papst Benedikt im Hinblick auf die Gefahr des ehrfurchtslosen Empfangs zu, und äußerte zusätzlich, mit Bezug auf den hierzulande geltenden Indult, der Mensch müsse in seiner Entscheidung frei sein. Und so ist es ja auch; der Indult besteht weiterhin.

Wenn der Mensch diesbezüglich frei sein und seinem Gewissen folgen soll, dann hat aber er auch die Freiheit, die Kommunion kniend und mit dem Mund zu empfangen. (Den Kommunikanten genau diese Freiheit auch zuzugestehen, damit scheint sich mancher etwas schwer zu tun.) Die Kirche tut sogar noch ein übriges: sie nennt diese Freiheit ein Recht. In Redemptionis Sacramentum heißt es, jeder Gläubige hat immer das Recht [sic!], nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen. Wenn ich selbst von Rechten spreche, fühle ich mich meist eher unwohl, indes tut dies ja die Kirche, indem sie von den Rechten der Gläubigen spricht.

Ich bin mir nicht sicher, was ein adäquater oder auch nur ein gangbarer Weg ist, mit solchen Situationen umzugehen? Schließlich habe ich es nicht immer in der Hand, wer mir die Kommunion spendet bzw. manchmal kennt man den Priester halt vorher nicht. Es klingt vielleicht etwas harsch, aber von einem Priester oder außerordentlichen Kommunionhelfer sollte man schon erwarten können, daß er etwaige Gefühle der Abwehr, die er in Bezug auf die Mundkommunion vielleicht hat, überwindet oder hintenanstellt, es geht bei der Kommunion ja nicht um ihn, sondern um den Leib des Herrn.

Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: viele vor allem der jüngeren Priester spenden die Kommunion in wunderschöner Weise (worüber ich ja auch schon mehrmals geschrieben hatte) und bei solchen, bei denen ich das ebenfalls vorher weiß, gehe ich besonders gern zur Messe. Wie ich mit solchen Erlebnissen wie dem oben beschriebenen am besten umgehe, ist mir halt noch nicht so ganz klar. Ist wegbleiben da wirklich die einzige oder beste Option?

Sonntag, 22. April 2012

Sternguckerei zur Nacht


Zum Thema Finsternis und Licht noch diese kleine Sternguckerei: eine Aufnahme des Hubble-Teleskops vom Kugelsternhaufen Messier 69 (zweimal klicken zieht einem fast die Schuhe aus). Herr, wie zahlreich sind deine Werke, mit Weisheit hast du sie alle gemacht!

Die Finsternis wäre wie Licht

Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge – du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?
Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.
Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer,
auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen.
Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, statt Licht soll Nacht mich umgeben»,
auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie Licht. (Ps. 139)

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Bild: Rembrandt van Rijn, Frau, warum weinst du? (#3), 1651

Freitag, 20. April 2012

Stolpersteine


In den Aufarbeitungen der Wende hörte ich in irgendeiner Doku die Antwort einer Anwohnerin auf die Frage, ob sie denn nicht gewußt habe, daß ganz in der Nähe ihres Wohnhauses das Gefängnis Hohenschönhausen gewesen sei? Nein, sie sei die Straße immer in die andere Richtung hinuntergegangen. Damals hielt ich das für eine reichlich blöde Ausrede, vielleicht ist es das auch, immerhin hat sie einen Punkt gemacht: der Mensch neigt dazu, tatsächlich immer wieder denselben Weg zu wählen, schon weil der Körper das oft unwillkürlich tut. So habe ich diese gleich vier Stolpersteine auch erst heute gesehen, weil ich sonst eigentlich immer die andere Seite der Straße benutze (weiter oben an der Straße sind noch viel mehr, auf der „richtigen“ Seite übrigens, aber da gehe ich nie. Siehst du wohl!)

Auch auf dem Gelände des Arbeitsplatzes gibt es seit einigen Jahren Stolpersteine, die an ermordete Wissenschaftler erinnern.

Der Name „Stolperstein“ ist gut gewählt, wie ich finde: man gerät, wenn man ihn erstmals wahrnimmt, tatsächlich aus dem gewohnten Tritt. Auch achte ich drauf, eben nicht auf sie zu treten. Sie sind Mahnmale, eine Art Grabsteine eigentlich, für die vielen, die kein Grab haben, denen es verweigert wurde.

Kunst am Freitag

Im Schatten der Lindenbäume, Apollinari Vatsnetsov, 1907

Selbst Unter den Linden gibts ja neuerdings immer weniger Linden, da dürfen sie wenigstens hier auf dem Blog ihre Blätter ausbreiten. (Hieß es doch heuer schon: „Der März ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“)

Donnerstag, 19. April 2012

7 Jahre Pontifikat Papst Benedikts XVI. – Deo Gratias!


Zur Feier des Tages hab ich das Banner für heute geändert. Sieben Jahre Pontifikat Papst Benedikts XVI. – Deo Gratias! – Ich freue mich sehr über dieses Pontifikat, warum, kann man hier nachlesen.

Mittwoch, 18. April 2012

Bloggen, Geburtstagswünsche (und Kettenhunde)

Zum Thema katholische Blogger gabs in den letzten Tagen wieder einiges zu lesen, so unter anderem in einer Kirchenzeitung. Gar zu gern läse ich den Artikel Die Sprache der Blogger selbst einmal, weniger, weil er mich so brennend interessierte, sondern weil ich immer viel lieber lese, was einer wirklich gesagt hat als das, was andere aus dem Gesagten extrahieren. So bleibt mir vom Artikel in dieser Kirchenzeitung, der im Netz nicht erschienen ist (was ist passiert, fürchtete man zu hohe Zugriffsraten?), nur die lapidare Frage: wer ist eigentlich Daniel Gerber und warum muß er seine offenbar höchstpersönlichen Vorlieben mit gutem und interessantem Bloggen verwechseln?

Dann haben wir noch explizit.net, womöglich etwas differenzierter (indes, man weiß es ja nicht so genau, siehe oben). Vorweg: daß in katholischen Blogs manchmal tatsächlich eine einigermaßen drastische Sprache verwendet wird, ist etwas, das mich auch zuweilen stört, ich finde, das muß nicht sein und man sollte sich jeweils fragen, ob man seinem Anliegen – vom Leben aus dem Glauben zu berichten – oder auch dem Stand, dem man angehört, damit einen guten Dienst erweist. Indes, wer bin ich, darüber zu richten oder rechten, ich muß es natürlich auch nicht lesen und noch weniger muß ich drauf verlinken. Der einzige Kettenhund seiner Heiligkeit, mit dem ich seinerzeit etwas anzufangen wußte, war dieser hier (Thysus' Werk), der tut nichts, der will nur Rosenkranz beten. Ich schriebe lieber auch wie der hl. Paulus, leider gelingt es mir nicht immer.

Das explizit.net allerdings seine Kritik an den Bloggern in einen Geburtstagsglückwunsch an den Heiligen Vater kleidet, zeugt meiner Ansicht nach in mehr als einer Hinsicht nicht so sehr von gutem Stil, wie auch die Haltung, in der nun schon zum wiederholten Mal zwischen den Zeilen vermittelt werden soll, daß es ohne sie nicht ginge. Daß man unter der Vielzahl katholischer Blogs offenbar nichts Positives zu hervorzuheben weiß, ist wohl eher ein Beispiel dafür, daß man im Leben oftmals das findet, was man darin sucht. Sollte bei mittlerweile mehr als 250 deutschsprachigen und katholischen Blogs (vom Bischof bis zum Priesteramtskandidaten finde ich selbst da sehr Schönes) – wirklich nichts dabei gewesen sein, was explizit.nets Herz erfreut?

Wenn man durchaus den Papstgeburtstag mit einer Synopse der deutschsprachigen Blogozese verbinden will, warum dann nicht lieber über die vielen Glückwünsche der Blogger schreiben, die den Heiligen Vater sogar in Form eines Videos erreicht haben, als über „Kettenhunde seiner Heiligkeit“? (Das erstere hätte auch den Vorteil, daß beides etwas miteinander zu tun hätte.) Darüber hinaus gabs ja nicht nur Kettenhunde, sondern auch Blogger in der Kirche, falls da jemand auf der Suche nach Bildern war. So klingt es jedenfalls wirklich ein wenig wie „Herr, ich danke dir, daß ich nicht so bin wie jene“.

Das Ganze ist ein wenig schade und die etwas lieblose Art, die katholischen Blogger pauschal abzuqualifizieren, meines Erachtens eine verpaßte Chance in Bezug auf dieses Medium. Auch ist es vielleicht nicht unbedingt geeignet, solchen Lesern, die ins Auge fassen, selbst etwas aus ihrem Glaubens- und sonstigen Leben (idealerweise ist das sogar eine Einheit) zu verbloggen, Mut dazu zu machen. Schon Anfang des Monats, in der Karwoche etwas untergegangen, äußerte sich Bischof Fürst – meines Dafürhaltens ganz in der Linie des Heiligen Vaters – in einem beim Predigtpreis veröffentlichten Interview (Die Kirche kämpft um das Netz) zum Thema katholisches Bloggen:
Predigtpreis: Die Kirche verkündigt. Tun das auch Blogger?
Fürst: Wenn der Blogger von seinem Glauben plausibel Zeugnis ablegt, liegt darin ein Element der Verkündigung.
Predigtpreis: Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich von problematischen Internetseiten wie kreuz.net distanziert. Wo ziehen Sie die Grenze bei autonomen katholischen Akteuren im Internet?
Fürst: Ich erwarte, daß jemand im Netz, besonders wenn er sich zu Personen äußert, es genau so tut wie in der persönlichen Begegnung. Manchen verleitet die Anonymität im Netz zu einer eher rohen Sprache, die nicht immer die Würde der anderen respektiert. Ich kämpfe für eine gute Sprache, die Menschen nicht denunziert und für Worte, die Wahrheitsgehalt haben und keine bloßen Gerüchte in die Welt setzen. Auf manchen Seiten findet aber leider das Gegenteil eines solchen Kampfes statt. Diese Gefahr muß man sehen. Nicht nur, weil die Kirche dabei Schaden nimmt, sondern weil das die Humanität unserer Kultur, Sprache und Kommunikation beeinträchtigt.
Ja, genau.

Hier, für alle die es interessiert, noch einige lesenswerte Ratschläge von Shameless Popery für katholisches und interessantes Bloggen: 10 Tips for sucessful catholic blogging.
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Bilder: Echo Romeo, Thysus – katholische Blogger mit Humor.

In de stille Linde


Zwischendurch möchte ich auf den Blog In de stille Linde von Barbara Beeckmans hinweisen. Die zartfarbigen Bilder der Belgierin, vorwiegend wohl Kupferstiche und Aquarelle, sind wirklich wunderschön und vor allem die großäugigen Tiere erinnern mich ein wenig an Chagall. Christliche Kunst, wie sie auch aussehen kann – manchmal denkt man ja, die figürliche Darstellung wäre neuerdings abgeschafft. Links: Detail des Bildes Her green cloak – Haar groene mantel.

Dienstag, 17. April 2012

Sonntag, 15. April 2012

Hoppla! (Bild des Tages)

Anläßlich des Pictoplasma-Festivals, das gerade in Berlin stattfindet, ein osterfestgerechter Beitrag des Niederländers Florentijn Hofman – vom selben Künstler dürfte wohl auch der Welt größtes Badeentchen stammen, das zuvor in Osaka herumschwamm. (Ob es auch quietschen kann, ist nicht bekannt).

Thomas über Thomas

Kann ich nicht wie Thomas
schaun die Wunden rot,
bet ich dennoch gläubig:
„Du mein Herr und Gott!“
Tief und tiefer werde
dieser Glaube mein,
fester laß die Hoffnung,
treu die Liebe sein.

(Hymnus Adoro te devote des hl. Thomas von Aquin)

Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind die nicht sehen und doch glauben. – An den Begegnungen des Auferstandenen berührt mich besonders, wie Jesus sich bemüht, ihnen, den eigentlich Schuldbewußten, die Angst und Scheu vor ihm zu nehmen. Einer seiner Jünger hat ihn verraten, ein anderer verleugnet. Einer, der mit ihm in Gethesemane ist, läßt sogar sein Tuch fahren und läuft nackt davon, nur um wegzukommen. Unterm Kreuz steht überhaupt nur einer seiner Jünger. Und doch!

Die Jünger dürfen Jesus sogar anfassen, und um sie endgültig darüber zu beruhigen, daß er es wirklich selbst ist, ißt er sogar ein wenig Fisch, tut so etwas ganz Alltägliches, was er schon oft mit ihnen getan hat, bevor er ihnen die Schrift auslegt – ebenfalls Zeichen der Vertrautheit. Eigens wegen Thomas, dem Rationalisten, kommt er sogar noch ein zweites Mal, um dessen Wunsch zu erfüllen. Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite! Ein Zeichen, das für so wichtig erachtet wurde, daß es aufgeschrieben wurde, im Gegensatz zu den vielen anderen, von denen der Evangelist sagt, daß Jesus sie auch getan habe.

Wir selbst sind die, die Jesu Angesicht nicht selbst sehen und dennoch glauben. Mein Herr und mein Gott! kann man jedes Mal innerlich ausrufen, wenn man den Leib des Herrn sieht. Der Aquinate dichtet zu Recht, daß wir die Wunden des Herrn weder sehen, noch unsere Hände in sie legen können, dennoch glauben wir, daß wir jetzt sehen wie in einem dunklen Spiegel, dann aber einmal von Angesicht zu Angesicht. Und noch etwas Interessantes: gleich dem Thomas kommt uns der Herr entgegen – zwar können wir unsere Hände nicht in seine Wunden legen, aber wir können es zulassen, daß er seine Hände in unsere
Wunden legt, daß er uns sieht, wie wir sind und die Wunden, die wir uns oft selbst zugefügt, aber auch die, die uns andere geschlagen haben, heilt, durch die Berührung mit ihm im Sakrament.
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Bild: Illumination aus dem Codex aureus Epternacensis (Echternacher Evangeliar)

Paradrop bibles

Heißluftballons, bei denen es eigentlich schade wäre,
wenn sie explodieren würden
Was ich von der salafistischen Aktion, Gratiskorane unter die Leute zu bringen, halte, darüber bin ich mir noch nicht recht schlüssig geworden, muß ich vielleicht auch nicht. In Berlin war dies heute, nicht wie angekündigt, nur in Mitte, sondern an gleich vier Orten, darunter auch dem Kuh-Damm, der Fall. Mir ist in den Sinn gekommen, man könnte einfach einen annehmen, dann wäre jedenfalls einer weniger im Umlauf. Für etwas, das im Befehlston und mit Befehlsbalken („Lies!“), daherkommt, bin ich aber wohl ohnehin der falsche Typ. Das läßt doch sehr auf den Geber schließen.

Giovannis Vorschlag, dem eventuellen Geber ein christliches Gegengeschenk zu offerieren, hat was, mir ist das auch schon mal in den Sinn gekommen, als mir jemand erzählt hat, er habe einen Koran geschenkt bekommen und bewahre ihn im oberen Fach des Bücherregals auf. Wider den Stachel zu löcken und zu fragen, ob er im Gegenzug eine Ikone oder ein Kruzifix verschenkt hat und auf deren adäquaten Aufbewahrungsort im Heim des solcherart Beschenkten achtet, hab ich mir versagt.

Vergleiche der Koranverschenkaktion mit den Schriften irgendwelcher Hare Krishnas oder Hubbards Dianetik, die ja immerhin auch in Fußgängerzonen angeboten werden (allerdings soll man hier im Austausch „spenden“), führen vielleicht in die Irre. Es geht hier wie dort wohl auch weniger um das Buch als den Missionierungsversuch, der damit einhergeht. Indes hab ich den Koran schon gelesen[1] und trotzdem nicht im Traum daran gedacht, Moslem zu werden.

Bei Mirjam vom hörenden Herzen fragt unter einem Beitrag über die Aktion eine Kommentatorin, wann eigentlich die katholische Kirche zuletzt Bibeln verteilt habe? Hier eine Variante, wie das Wort, das bei Gott war und das Gott ist, zu Menschen kommt, die oft sehnlich darauf hoffen:
Neulich hatten wirs von Paradop churches. In extremeren politischen Systemen, in denen sogar der Besitz bzw. die Einfuhr von Bibeln oder Stundenbüchern verboten ist (einige der islamischen Länder oder auch Nordkorea), läßt sich ein ähnliches Prinzip auf solch begehrte Bücher anwenden: paradrop bibles. Zehntausend davon wurden kürzlich über Nordkorea abgeworfen.
Nordkorea gehört zu den Ländern, zu denen es keinen Zugang gibt und in denen die Verfolgung am schrecklichsten ist. Die Kirche muß dafür kämpfen, daß sie das Evangelium verkünden darf, der Besitz einer Bibel kann mit der Haft in einem Konzentrationslager bestraft werden, heißt es in dem Bericht. Jeweils 1.000 Bibeln werden mit einem Heißluftballon auf den Weg gebracht, die in unterschiedlichen Zeitabständen explodieren.
berichtete dazu Ende 2011 Zenit über eine Aktion der ökumenischen ICC (International Christian Concern), unfreiwillig nach „interessanten Zeiten“ klingend. Explodieren soll ja der Heißluftballon, nicht die Bibeln.

Das ist jedenfalls eine Aktion, von der ich genau weiß, wie ich sie finde. Bitte weiter so!
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[1] Vielleicht, weil kein Ausrufezeichen dran hing.

Donnerstag, 12. April 2012

Olé!

Mitunter ergeben sich, wenn Pilger in die Kathedrale kommen, bewegende Begegnungen, etwa als unser Weihbischof em. einem portugiesischen Ehepaar einen Segen spendete und dafür eigens eine kleine Feier in der Kapelle und den beiden eine ganz rührende Ansprache hielt, auch mir zu frommen. (Die Portugiesen konnten kein Deutsch, der Herr Weihbischof wiederum kein Portugiesisch, also fand die Feier polyglott statt, hierbei durfte ich den Portugiesen übersetzen).

Manchmal ist auch etwas zum Wundern dabei, wie etwa vorgestern, als eine Pilgergruppe aus Salamanca nach der Heiligen Messe unversehens noch eine eigene solche begehrte. Vielleicht hätte ich sie einfach weiter mit dem Herrn Kannitverstan vor Ort gestikulieren lassen sollen: die Auskunft, daß man sich, wenn man eine Heilige Messe in der Kathedrale zelebrieren will, vorher ankündigen muß, wollte man indes nicht von ihm und auch nicht von mir als hinzugezogenem Dolmetsch hören, dazu braucht es schon die gesamte Amtsgewalt eines ausgewachsenen Bischofs. Spanier nehmen das – und rationale Einwendungen, wie etwa, daß sie doch eben grad in der Messe gewesen wären und um diese Abendzeit kein Küster mehr zur Verfügung steht – nicht einfach so hin, auch nicht, wenn es von einem Bischof kommt. Spanische Priester haben Feuer, olé!

Mich wundert neben dem Auftritt, bei der man hörbar durchs Kirchenschiff wieder entweicht, halt diese Servicementalität. Hätten sie vorher eine E-Mail geschickt, hätten sie in der Heiligen Messe sogar mit dem Bischof konzelebrieren können, und die meisten Zelebranten bieten auch an, eine lateinische Messe zu feiern (das kommt hierzukirch auch gut an). Ist das so, daß man in Salamanca jederzeit einfach so vorbeischneien kann und schon ist alles bereit?

Darüber hinaus: Heilige Messe ist Heilige Messe, auch wenn ich sie in einer Sprache mitfeiere, die nicht meine eigene ist. Das ist ja das schöne an der Heiligen Messe, sie ist immer und überall gleich aufgebaut (sollte es jedenfalls ausdrücklich sein…). Sehr schöne Messen mitgefeiert hab ich, als ich einmal einige Zeit auf Madeira war, dort gabs reizende Kirchen. Portugiesisch ist mir nur auf dem Umweg übers Spanische stückweise vertraut, macht aber gar nichts. Ich fands schön. Und der Herr im Sakrament ist auch immer derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.

Mittwoch, 11. April 2012

Bild des Tages


Blickt man über die Schulter dieser Magd, sieht man durch die Durchreiche in den angrenzenden Raum und bemerkt, daß einer der beiden Männer einen feinen Heiligenschein trägt – Emmaus. (Wir haben das Evangelium heute ein weiteres Mal gehört.) Schön ist das erleuchtete Gesicht der Magd, denn das Leuchten geht vom Antlitz Jesu aus und wird von dem kupfernen Gefäß reflektiert. Ein Sinnbild des Dienstes: das Licht Christi zu den Menschen tragen.

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Bild: Diego Velazquez, 1620

Berufung – der Stimme Gottes sein Ohr leihen


Man wählt eine Berufung nicht selbst, man empfängt sie, und man muß sich anstrengen, sie zu erkennen. Man muß der Stimme Gottes sein Ohr leihen, um die Zeichen seines Willens zu erspähen. Und ist einmal sein Wille erkannt, so muß man ihn tun, wie immer er sei, koste es, was es wolle. (sel. Charles de Foucauld)

Aus aktuellem Anlaß – ich glaub, der sel. Karl hat sich mit dieser Frage stark auseinandersetzen müssen. Zuerst verkrachter und verschuldeter Offizier, Forschungsreisender, dann Trappist, mit einundvierzig Jahren – spät für damalige Verhältnisse – Priester und schließlich Einsiedler in der algerischen Wüste. Spätestens, als er die Trappisten der Abtei Unserer lieben Frau vom heiligsten Herzen verlassen hat, hat sich manch einer bestimmt gefragt, was soll das jetzt wieder? Während seines Lebens unter den Tuareg hat er letztlich „nur“ zwei Taufen zuwege gebracht: ein ganz kleines Kind und eine arme und blinde alte Frau. Was aus seinem Werk geworden ist, hat er nicht mehr erlebt. Unbeirrt, fast wie dem Polarstern, folgte er dem, was er als seine Berufung erkannt hat, einfach unter den Menschen zu leben, die hl. Messe zu feiern, in der Stille zu beten.

Aus diesem Grund nähte er auf das weiße Gewand, das er trug, eine Darstellung des Herzens Jesu. Daß Charles de Foucauld, obwohl mit einundvierzig Jahren zum Priester geweiht wurde, fast immer Bruder Karl genannt wird, liegt daran, daß er sich selbst wünschte, als Bruder aller Menschen zu gelten. Ein sinnloses Leben in den Augen der Welt. So lebte er, unbeachtet von der Welt in Beni Abbès, bis ihn vorbeikommende französische Offiziere ermordet vorfanden, unweit von ihm, halb im Sand, eine denkbar schlichte Monstranz mit dem Allerheiligsten.

Der Gedanke das obige Zitat Bruder Karls kam mir in den Sinn, als ich vor einigen Tagen mittelbar von jemandem die Einschätzung hören durfte, das Leben als Virgo consecrata sei so eine Art „Berufung light“ für Leute, die nicht den Mut aufbrächten, in ein Kloster einzutreten. Die Aussage als solche fand ich eher zum Augenbrauenzucken – derjenige redet letztlich wie ein Blinder von der Farbe und hat, glaub ich, auch keine Vorstellung, was Mut erfordert oder auch nicht. Der gemeine Schwabe sagt in solchen Fällen gleichmütig „Schwätz du no!“ oder – wenn er weniger gleichmütig ist – auch „Ach schwätz doch net daher!“ Die Einschätzung als solche ist einfach ein Beispiel dafür, daß man sich manchmal im Leben halt auch gequirlten Unsinn anhören muß. Schade eigentlich, aber leider typisch für das geistliche Klima, in dem sich hierzulande Berufungen oft erst einmal durchsetzen müssen.

Der Gedanke des sel. Bruders Karl, daß man sich eine Berufung im Leben nicht einfach so aussucht, ist dagegen der des Evangeliums: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Wozu er einen erwählt und in welche Wüste er einen unter Umständen führt, das muß man Christus, glaub ich, schon überlassen, letztlich überläßt man sich ja ihm.

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Bild: die Wüste im Hoggar, in die Gott Charles de Foucauld gerufen hat. Gedanke zum Meditieren: wie sieht die Wüste aus, in die Gott mich führen will?

Nungazing am Mittwoch

In der Osteroktav etwas Nostalgia-Nungazing. Das ist übrigens in Jerusalem.

Dienstag, 10. April 2012

Easter bunny asylum

Wer sich übrigens fragt, wo all die armen heimatlosen Osterhasen
hingekommen sind, die osterhasenfreien Zonen weichen mußten:
 hier ist war es, das Osterhasenasyl. (*knurps*)

I now declare this bazaar open!

Zur Schlagzeile „Papst eröffnet die Ostermesse“, die sich in verschiedenen Medien niederschlug, ist mir zugegebenermaßen ein ähnliches Bild durch den Sinn gegangen wie Marcus (dem mit dem C) – der Heilige Vater, wie er mit einer übergroßen Schere das rote Band am Eingang durchschneidet und dabei vielleicht den obigen Satz aus Dinner for one von sich gibt.

Eine weitere stilistische Eigenart – wahrscheinlich, damit man Videotextseiten später nicht mehr zu ändern braucht – sind grammatikalische Stilblüten wie „Im Laufe der Feier wollte Papst Benedikt auch acht Erwachsenen die Taufe spenden“.[1] Ja wie jetzt, wollte er und hat es dann gelassen, wollte er es mittendrin auf einmal nicht mehr oder sind die Täuflinge noch vor der Feier ausgerissen? Ist etwas über den Ausgang der Sache bekannt? Fragen über Fragen.

Früher einmal gehörte zu gutem Journalismus ein gewisses Maß an Allgemeinbildung (etwa in Bezug auf die verwendete Terminologie) und sprachlicher Sicherheit, indes, das war wohl einmal. Man sagt heute auch nicht mehr dumm, man sagt „anders gebildet“. Immerhin, freuen wir uns, daß das höchste Fest der Christenheit Pro7 & Co. eine Nachricht wert ist und daß sie dieses Jahr lobenswerterweise darauf verzichtet haben, Stirb langsam am Karfreitag auszustrahlen. Das wiederum meine ich durchaus ernst.
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[1] Am Gründonnerstag hingegen: „wollte er … die Füße waschen“

Montag, 9. April 2012

Frohlocket, ihr himmlischen Haarscheren!

mittelalterliche Exsultetrolle
Grad (mehr oder weniger) komm ich aus der Heiligen Messe zum Ostermontag und hab währenddessen festgestellt, daß dieser aufgrund verschiedener Umstände der schönste und würdigste dieses Osterfestes war, zumal der Zelebrant schönerweise angeordnet hatte, daß die Sequenz ein weiteres Mal gesungen wurde (das Lektionar sieht in den Rubriken die Möglichkeit, die Sequenz auch am Oster- bzw. Pfingstmontag zu singen, ausdrücklich vor). Auch hielt er uns eine schöne Predigt über das Emmausereignis und daß man gut täte, sich Gefährten zu suchen, mit denen man auf dem Weg redet.

Ob ein Gottesdienst mich innerlich erhebt und nährt, hat nichts mit Bombastik oder Aufwand zu tun, soviel ist mir schon lange klar. Man kann auch in ganz schlichtem Rahmen wunderschöne Liturgien feiern − oft liegt es an der Haltung des Zelebranten, an dem, was ich einmal seine Verinnerlichtheit nennen möchte: man spürt, ob das, was er vollzieht, ihn selbst innerlich berührt. Von einer solchen Haltung, auch der Mitfeiernden, kann eine hohe Authenzität und Anziehungskraft ausgehen.

Noch kurz vor dem Fest kam mir ein Artikel von Fr. McNamara LC unter: Who should sing the Exsultet? Ich weiß gar nicht mehr, warum ich den Beitrag gelesen habe, denn das Prinzip ist eigentlich klar: man nehme einen Diakon, eine Osterkerze auf ihrem Leuchter, gebe das Ganze bei mittlerer Temperatur in einen Sakralbau und erhalte (hoffentlich) einen erhebenden Gesang. Soweit, so gut. Wir haben in den letzten Jahren mangels Diakon immer einen Priester genommen und das Ergebnis war wirklich wunderbar − etwas, bei dem man als Leuchterträger vom Ambo wegtritt, irgendwo zwischen seligem Lächeln und „Boah, ey!“ und etwas, woran sich die betreffenden Ministranten in diesem Jahr noch voller Dankbarkeit erinnert haben.

Fr. McNamara führt in seinen Zeilen aus, daß es zuallererst am Diakon sei, das Exsultet zu singen und fügt hinzu:
It is always possible, however, that a particular deacon (or priest) overestimates his singing ability, and a musically literate priest realizes that a relatively difficult piece such as the Exsultet is really beyond him. He may therefore decide to sing it himself out of respect for the dignity of the most solemn celebration of the liturgical year, and also so as to save the deacon a moment of embarrassment before the entire parish community.
Den Artikel hätte bei uns besser auch jemand gelesen oder sich etwas ähnliches gedacht. Wie schön wärs jedenfalls gewesen, wenn jemand soviel Fürsorge aufgebracht hätte, denn es fällt mir wirklich keine Erklärung ein, wieso einer, von dem man vorher schon wußte, daß er in etwa so musikalisch ist wie ein Schellfisch (was sich zuletzt am Karfreitag zu den großen Fürbitten eindrücklich gezeigt hat) in der Osternacht das Exsultet singt?

Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen; ich meine, es kann doch nicht der Sinn des wohl wunderbarsten Lobgesangs der ganzen Kirche sein, daß man dabei unwillkürlich Grimassen schneidet und hofft, es möge vorübergehen, damit die Qual etwas abebbt? Jeder kann sich mal versingen, auch hängt die Authenzität der Liturgie nicht am glockenreinen Ton, schließlich ist eine Kirche kein Konzertsaal. Ein gewisses Ausmaß an Gesamtschrägheit des Gesangs könnte meines Erachtens allerdings nur ein erstklassiger Heiliger (oder eben ein Fisch) überhören − beides bin ich nicht. Ich jedenfalls hab mich verzweifelt gefragt, hat er das denn nicht vorher mal jemandem vorgesungen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, was hat derjenige gesagt? Am Karfreitag konnte ich mich zu den großen Fürbitten leider nur mit Mühe bezähmen, das Beuget die Knie in der rechten Tonart mitzusummen (über sowas kann man aber angesichts des Ernstes der Situation hinwegkommen).

Für einen musikalischen Menschen ist es schwer bis unmöglich, sich vorzustellen, wie es ist, wenn einer unmusikalisch ist. Womöglich ist das wie eine dieser Fähigkeiten, die man entweder hat oder nicht (wie etwa das Zungenrollen, das an eine Erbanlage gebunden ist. Hat man die nicht, kann man die Zunge zu rollen versuchen, bis man schwarz wird). Die Frage, hört er das denn nicht?, erübrigt sich womöglich: wahrscheinlich hört er es wirklich nicht. Man kann mit Übung in einem solchen Fall einiges fertigbringen, unter anderem lernen, ganz nett zu intonieren oder den Klang seiner Stimme zu verbessern. Man kann aber keine Wunder tun und sollte sich solches weder selbst zutrauen, noch sollte es einem zugemutet werden.

Sonntag, 8. April 2012

Nach dem Schneesturm gestern…

Osterlamm im Schnee – für dieses reizende Tierchen braucht man:

250 g Zucker
3 Eier
250 ml flüssige Sahne
250 g Mehl
1 Kaffeelöffel Backpulver

Alle Zutaten zu einem Teig verrühren bzw. verkneten und bei 160 °C etwa 50 Minuten backen. Guten Appetit!

Wer sich handwerklich austoben will, kann dem Osterlamm auch noch seine Siegesfahne sticken. Leider ist die Zählvorlage, die ich weiland in einer Kirche gefunden hab, mittlerweile unauffindbar, beim Klicken auf das Bild erschließen sich die einzelnen Kreuzstiche aber einigermaßen. (Am einfachsten stickt man dabei auf Aidaband, das gibts im Kaufhaus in der Kurzwarenabteilung. Das hat den Vorteil, daß das Band an den Seiten schon gesäumt ist).

Risus paschalis

Er ist nicht hier…

Jesus von Nazareth, den ihr sucht, ist auferstanden. Er ist nicht hier.


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Fresko der drei Marien am Grab (Fra Angelico). Inschrift oben:
Ich bin erstanden und immer bei dir (Ps. 138).
Allen Lesern dieses Blogs ein gesegnetes Osterfest!

Samstag, 7. April 2012

Hinabgestiegen in das Reich des Todes – Karsamstag

Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: „Die Nacht wird hell wie der Tag,
wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“ (aus dem Exsultet)

Manchmal wird der Karsamstag fälschlich als „dies aliturgicus“ oder sogar als „liturgisch tot“ bezeichnet, was natürlich nicht zutrifft, wie jeder weiß, der das Stundengebet der Kirche mitbetet. Zwar beten alle, die an der Liturgie der Osternacht teilnehmen, keine Komplet, jedoch erhebt die Kirche am Morgen des Karsamstags ihre Stimme in den Karmetten, und auch Terz, Sext, Non und Vesper werden gehalten. In der Tat aber ist der Pulsschlag der Kirche am Karsamstag auf seinen Tiefpunkt gesunken.

Der Karsamstag ist ein seltsamer Tag, vor allem wahrscheinlich für die, die es gewohnt sind, täglich zur Heiligen Messe zu gehen und die hl. Kommunion zu empfangen. Angesichts des kahlen Altars, auf dem sich weder Kreuz, Leuchter noch Altartuch befinden, des leeren Weihwasserbeckens am Eingang und vor allem der weitgeöffneten Tabernakeltüren und des gelöschten ewigen Lichts erfaßt einen beim Eintritt in die Kirche eine seltsame Orientierungslosigkeit – wohin soll ich mich wenden, da das Herz der Kirche, das Allerheiligste, fehlt, Christus weggegangen ist und sich an diesem einen Tag im Kirchenjahr auch nicht als Speise zum Trost reicht?

Die Tradition der Kirche gibt darauf die schöne Antwort: Am Karsamstag verweilt die Kirche betend und betrachtend am Grab des Herrn und betrachtet sein Leiden und seinen Tod. Wohl den Kirchen, die ein sogenanntes „Heiliges Grab“ haben, wo die Gläubigen am Kreuz Blumen niederlegen und in der Stille beten können. Gestern nach der Kreuzverehrung (die in Hedwig ja ihre Besonderheiten hat) war es sehr schön, in der Unterkirche dem Heiligen Kreuz seine Verehrung erweisen und dem gekreuzigten Herrn die Füße küssen zu können, es war die Beweinung Christi in unserem Hier und Jetzt.

Wer die Kirche schmückt, das Osterfeuer vorbereitet oder in einem Kloster in Waschküche, Refektorium oder Sakristei zu tun hat, weiß wieviel es noch zu tun gibt. Zwischen Weißwäsche mangeln, Osterlämmer backen und Kirche und Refektorium mit frischem Grün und Forsythien schmücken, ist der Karsamstag zwar ein stiller aber zugleich eigenartig fröhlicher Tag: alles wartet auf das Wunder, das sich in der Nacht vollziehen wird und ohne das unser Glaube tot und leer wäre und wir immer noch in unseren Sünden. Vielerorts ist dies auch der letzte Beichttermin vor dem hohen Fest – direkte Umsetzung dieses Glaubens.

Noch aber wartet die ganze Kirche.

Den bombastischen doppelchörigen Schlußchor der Matthäuspassion Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen dir im Grabe zu… liebe ich sehr, ich singe ihn auch gern immer wieder mit, trotzdem ist mir dabei durch den Sinn gegangen, daß er eigentlich etwas irreführend ist: Christus ruht nicht sanft im Grab, dessen Leichenstein uns ein sanftes Ruhekissen sein soll, er tut etwas. Etwas, das wir Sonntags und an Hochfesten im Credo bekennen: hinabgestiegen das Reich des Todes; descendit ad inferos, heißt es in der lateinischen Fassung. Das heißt nicht, tot sein und wieder lebendig werden, sondern es drückt eine Aktion aus: hinabsteigen und wieder heraufkommen. Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg, hören wir im Exsultet.

Hinabsteigen, zu welchem Zweck?, kann man fragen. Es gibt viele Darstellungen des Hinabstiegs Christi in die Unterwelt, aus der Christus, Kreuz und Banner als Siegesfahne vorantragend, jene herausführt, die ihn durch die Zeiten hindurch sehnlichst erwartet haben.

Auf manchen dieser Darstellungen sind Schlüssel abgebildet, die die Fesseln des Todes lösen und das Tor zur Unterwelt aufschließen – Christus, der Schlüssels Davids, der aufschließt, was niemand jemals wieder verschließen kann. Du öffnest und niemand kann schließen, du schließest und niemand vermag wieder zu öffnen. Unter dem Zeichen seines Leidens, das er wie ein Prozessionskreuz oder den Hirtenstab hält, öffnet er die Tore der Unterwelt auf immer und führt die herauf, die sehnsüchtig das Kommen des Messias erwartet haben. Auf wieder anderen Darstellungen liegt unter der geöffneten Zugbrücke zur Unterwelt der zerquetschte Widersacher, oder Christus spießt diesen mit seinem Kreuzstab auf, erhebt sich über ihm oder einem gähnenden Abgrund, entreißt die Menschen buchstäblich dem geöffneten Maul der Unterwelt und führt sie hinauf ans Licht – siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel. Allerorten ist hier sogar der tiefste Grund der Unterwelt, der Sünde und des ewigen Todes.









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