Samstag, 31. März 2012

Der Pfau – Christussymbole (9)


Eine neue Schöpfung zeigte uns der Schöpfer,
erscheinend uns, den durch ihn Gewordenen,
aufblühend aus unbesätem Mutterschoße,
und denselben unversehrt, wie er war, bewahrend;
auf daß wir, das Wunder sehend
sie besingen mögen, indem wir rufen:
Freue dich, du Blume der Unverweslichkeit. (aus dem Hymnos Akathistos)

Beim Denken an Christus, wie er morgen, am Palmsonntag arm und demütig auf einem Esel einreitet, ist mir der Pfau in den Sinn gekommen – ein weißer vorzugsweise, weil er so rein und unschuldig aussieht (Pfauen können übrigens überraschend laut und durchdringend rufen).

Der Pfau ist ein sehr altes Christussymbol, da er für die Auferstehung und das ewige Leben steht. Dies wiederum geht zum einen auf die Beobachtung des römischen Naturforschers Polinius des Älteren zurück, daß Pfauen im Herbst ihre prächtigen Schwanzfedern abwerfen, im Frühjahr erneuert sich das Federkleid und der Vogel ist so wunderschön wie zuvor. Zudem hielt man in der Antike das Fleisch des Pfaus für unverweslich.

Daß es auch seltsam anmutende Pfauen gibt, hab ich kürzlich bemerkt: wie es verschiedenäugige Tiere mit einem braunen und einem blauen Auge gibt (sogenannte Teilalbinos), so kommen auch Pfauen vor, bei denen sich die Anlage für Farbe nur teilweise im Gefiederkleid zeigt – ausgesprochen merkwürdige Vögel.

Auf der Darstellung der Anbetung Christi durch die Könige sitzt ein Pfau auf dem Dach des Stalles von Bethlehem – Sinnbild für Leiden und Auferstehung des neugeborenen Königs. Und auf der Verkündigung von Fra Filippo Lippi hat der die Botschaft Gottes überbringende Erzengel Pfauenfedern.




Suchbild zur Heiligen Woche


Die Heilige Woche auf einem Bild Hans Memlings aus dem Jahre 1470, das man als Suchbild bezeichnen könnte, auf jeden Fall aber als eine Art Vorläufer des Comics. Die Turiner Passion stellt nicht weniger als dreiundzwanzig Geschehnisse des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi dar.

Freitag, 30. März 2012

Was von Anfang an war – 5. Fastenwoche

Amen, amen, ich sage euch: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen.
Da sagten die Juden zu ihm: Jetzt wissen wir, daß du von einem Dämon besessen bist. Abraham und die Propheten sind gestorben, du aber sagst: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht erleiden. Bist du etwa größer als unser Vater Abraham? Er ist gestorben, und die Propheten sind gestorben. Für wen gibst du dich aus?
Jesus antwortete: Wenn ich mich selbst ehre, so gilt meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der mich ehrt, er, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott. Doch ihr habt ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn, und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte an seinem Wort fest. Euer Vater Abraham jubelte, weil er meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich.
Die Juden entgegneten: Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?
Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich.
Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Die Evangelien des Donnerstags und Freitags der 5. Fastenwoche (Joh 8 und 10) stellen uns die wachsende Ablehnung und Spannung vor Augen, der Jesus begegnet, und wie ungeheuerlich Jesus teilweise auf die Menschen gewirkt haben muß. In einer der letzten Lesungen hieß es noch, sie wagten nicht, Hand an ihn zu legen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Nun das ungeheuerliche Wort im Tempel: Noch ehe Abraham wurde, bin ich. Das ist zuviel. Die schon vorher planten, ihn zu töten, wollen es jetzt tatsächlich tun, den, der sich als Sohn Gottes bezeichnet, steinigen.

Wie kann das sein, daß Christus ist, bevor Abraham überhaupt wurde? Ich denke dabei an den Beginn des Johannesevangeliums: Christus ist das Wort, das von Ewigkeiten her beim Vater war, vor Beginn aller Schöpfung, also auch vor Abraham.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Ich weiß nicht, ob die Menschen, denen Jesus predigte, es eher einfacher oder schwerer hatten als viele Menschen heute, ihm einfach zu glauben. Zwar kennen wir die Evangelien und die Schriften der Apostel, sie wiederum haben Jesus selbst gesehen: Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.

Die Annahme dieser so ungeheuerlich erscheinenden Aussage Jesu: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen, hat die Kraft, ein ganzes Leben (und Sterben) zu verändern. Zu allen Zeiten kann sie tatsächlich nur aus reinem Glauben und Vertrauen heraus geschehen.

Vor der Heiligen Woche

Wenn Magnettafeln für die Palmweihe (an denen der Ruf Hosanna, dem Sohne Davids und der wunderbare Prozessionshymnus Ruhm und Preis ausgewiesen ist), Osterleuchter und Tenebraeleuchter in der Sakristei auftauchen, dann ist es soweit – die Heilige Woche steht unmittelbar bevor.

Für die alle, die hier danach suchen (und das sind ziemlich viele):

Die Chrisammesse, die der Herr Erzbischof in Konzelebration mit seinen Priestern feiert, findet am Dienstag der Karwoche um 10 Uhr in der Hedwigskathedrale statt; die Karmetten am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag werden jeweils um 8.30 Uhr in der Unterkirche gesungen.

Am Gründonnerstag halten wir nach der Messe vom Letzten Abendmahl Anbetung in Stille – die sogenannte Ölbergwache – ebenfalls in der Unterkirche, wohin das Allerheiligste nach dem Gottesdienst in Prozession übertragen wird. Und, um mit dem Anfang zu beginnen, am Palmsonntag, den 1. April, ist um 10 Uhr im Hof der Hedwigskathedrale die Palmweihe mit anschließender Prozession. Palmzweige kann man auch zuvor in der Vorhalle der Kathedrale von freundlichen Damen aus der Gemeinde erstehen. Ich bin gespannt, welchen Weg die Prozession diesmal nimmt – am Bauzaun der Staatsoper vorbei oder andersherum, dem Wagenmeister des Hotels de Rome zur Freude. Wie auch immer, es ist unsere Palmprozession, ich liebe sie sehr, kommt und seht!
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Bild: die etwas floral anmutende Halterung unseres bronzenen Osterleuchters von Werner Gallis, der unter anderem die apokalyptischen Reiter darstellt. Unten hat er auch apokalytpische Tatzfüße, zwischen denen sich die Symbole für die Evangelisten befinden. Darüber erhebt sich das himmlische Jerusalem.

Neues Blog – Neues aus der Sakristei

Hat eigentlich jemand schon den Mesner begrüßt? Er schreibt seit kurzem dies und das, Anrührendes und Wissenswertes aus der Sakristei und drumherum, etwa, was ein Sakrarium ist und wozu man es braucht.

Ein Sakrarium ist eine Öffnung, die direkt ins Erdreich führt. Unseres ist keine Vertiefung hinter dem Hochaltar, sondern ein tinzigwinziges Becken in der unteren Sakristei, das man in ein Pult eingebaut hat, auf dem Gesangbücher liegen – da ist manch einer ganz erstaunt, wenn wir es benutzen, was unter dem Pultdeckel liegt. Ich finde den Gedanken sehr schön, daß das, was für den gottesdienstlichen Gebrauch gesegnet worden ist, nicht achtlos entsorgt wird, sondern zur Erde zurückkehrt (für ölgetränkte Watte bleibt dann noch das Osterfeuer).
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Bild: Das Sakrarium der Lady Chapel von St. Edmund in Norfolk

Christus mitten unter den Menschen

Gott tritt nicht erst in dein Leben ein, denn er ist immer schon dort. So zu tun, als sei er nicht da, hindert ihn nicht daran, da zu sein. (Madeleine Delbrel)

Jesus, Heiland, Seligmacher – das Christusmonogamm an ungewohntem Ort: eine Treppe mitten in der Stadt, am Fehrbelliner Platz. Grad dran vorbeigekommen, natürlich nicht draufgetreten und extra nochmal zurückgegangen. Wundersamerweise war auch grad kein Mensch da. Momente der Stille gibts manchmal auch im ärgsten Getriebe.

Mittwoch, 28. März 2012

Donnerschlag…

Daß Katzen vorher mit der Beute spielen[1], ist bekannt. Aber so…?!

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[1] Was der Maus übrigens eine einigermaßen gute Chance verschafft, zu entkommen, insbesondere dann, wenn sie beim Flüchten auf die Katze zuläuft. Katzen irritiert das völlig. – Foto: Edouard Boubat. Mir ist das Bild grade wieder eingefallen, weil mir vorher mitten im Hechtgraben eine Ratte begegnet ist, die war auch gar nicht weiter scheu.

Confiteor


Zenit hat vor kurzem eine Antwort des Liturgikers P. Edward McNamara LC auf die Frage nach dem an die Brust schlagen beim Schuldbekenntnis veröffentlicht. Eine Geste, die mancherorts ganz verschwunden scheint. Bei uns hat sie scheints durch das Beispiel der Ministranten seit einigen Jahren ein Revival erlebt.

Ein Freund, der katholisch ist, aber eher selten zur Kirche geht, erwähnte mir gegenüber vor einiger Zeit en passant, daß er diese Geste quasi als das Non-plus-Ultra des demonstrativen Holier-than-thou empfinde. Was mich wiederum einigermaßen erstaunt hat: es steht in den Rubriken, also mach ichs einfach und denk dabei nicht an meine Umwelt. An sich ist es auch eine einigermaßen schlichte Geste. In manchen Konventen ist es auch üblich, sich bei den Worten „…und euch, Schwestern“ (wahlweise: Brüder) gegenseitig zuzunicken: ihr seid gemeint.

Es ist nicht so, daß ich vor dem Gottesdienst in der AEM jeweils nachschlage, was man tun soll (obwohl dieses „Ist das wohl so richtig, könnte man es noch etwas richtiger machen?“ manchmal tatsächlich eine meiner Eigenarten ist). Ich kann mich aber erinnern, daß ich, als ich seinerzeit anfing, regelmäßig zur Heiligen Messe zu gehen, im Gotteslob nachgelesen habe, was man denn wann so tut. Und da stand es auch schon drin, wie im übrigen immer noch: Alle schlagen an die Brust.

P. McNamara behandelt indes gar nicht einmal die Frage, ob oder ob nicht, sondern nur, wie oft? Mancher ist offenbar der Auffassung, in der ordentlichen Form des römischen Ritus seien bestimmte Gesten oder Kreuzzeichen abgeschafft bzw., um beim Confiteor zu bleiben, man hätte sich jetzt bitte schön nur noch einmal gegen die Brust zu schlagen, alles andere wäre von Übel. Dazu führt P. McNamara aus, daß schon der Sprachfluß Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld… auch die dreimalige Wiederholung dieses Gestus' nahelegt. Genauso hab ich das auch immer empfunden.
Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil „unnötige Wiederholungen“ abschaffen wollte, muß gesagt werden, daß nicht jede Wiederholung unnötig ist. Einige Formen der Kommunikation nutzen notwendigerweise sogenannte „Redundanzen“, was bedeutet, sie verstärken das Signal, das eine Botschaft vermittelt, mehr als eigentlich unbedingt notwendig wäre, um die äußere Beeinflussung zu überwinden und die Wichtigkeit hervorzuheben … Die dreifache Wiederholung hebt aber ihre Bedeutung hervor und hilft uns, uns auf die innere Bedeutung dessen, was wir tun und sagen, zu konzentrieren.
Das Bild oben gibt die lange Fassung des Schuldbekenntnisses wieder. Da ich diese auf Latein zuerst gelernt habe, verwirrt mich im lateinischen Hochamt die kurze Fassung immer mal aufs neue.

Awesomeness

Wonderful! Just wonderful!
 So much for instilling them
with a sense of awe!
Grad wiedergefunden – einer meiner liebsten Comicstrips. Sollte ich vielleicht gelegentlich als Untertitel für diesen Blog aufnehmen. (Ging mir gestern auch flüchtig durch den Sinn, als während der Heiligen Messe just zu Beginn der ersten Lesung durch eine Erschütterung die Alarmanlage der Domschatzkammer ausgelöst wurde und während Lesung und Antwortpsalm fröhlich weiter vor sich hin lalüte.)

Dienstag, 27. März 2012

Hach!


Ein Bild aus der Zeit, als die Postulantinnen mancher Orden zur Einkleidung noch Brautschleier getragen haben (inwieweit das theologisch sinnvoll war, darüber könnte man etliches schreiben, jedenfalls gabs viele Postulantinnen.)

Just shameless popery… ;)

Du aber stärke deine Brüder – Papst Benedikt bei seinem Hirtenbesuch in Mexiko und Kuba.

Montag, 26. März 2012

Wurzel, der das Heil entsprossen

Ave Regina caelorum,
ave Domina Angelorum.
Salve radix, salve porta,
ex qua mundo lux est orta.
Gaude Virgo gloriosa,
super omnes speciosa.
Vale o valde decora,
et pro nobis Christum exora.

Zum Ausklang des heutigen Hochfests der Verkündigung noch eines meiner allerliebsten Verkündigungsbilder. Dem Maler, John Collier, ist es gelungen, ein wenig von dem Unfaßlichen einzufangen, was uns das heutige Tagesevangelium berichtet: da kommt ein Engel zu einem ganz jungen Mädchen und verkündet ihr, daß sie den Sohn des Allerhöchsten zur Welt bringen wird – ohne Zutun eines Mannes. Trotz weniger ornamentaler Schnörkel könnte dies genausogut in irgendeiner unserer heutigen Vorortsiedlungen sein. Wer wissen will, was in dem Buch steht, es ist das Buch Jesaja: Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben.
Wurzel, der das Heil entsprossen, Tür, die uns das Licht erschlossen – salve Regina!

Sonntag, 25. März 2012

O Sproß aus Isais Wurzel – Verkündigung des Herrn



Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria.
In unversehrter Jungfräulichkeit
bist du des Heilands Mutter geworden.
Jungfrau, Gottesgebärerin!
Er, den die ganze Welt nicht faßt,
er schloß bei seiner Menschwerdung
sich ein in deinen Schoß.

Dieses Graduale drückt in wunderbarer Weise aus, was in der Verkündigung beginnt: die Menschwerdung Gottes in Maria, der Jungfrau. In der Tat ist das etwas Unfaßbares, so unfaßbar, daß Maria, ein junges Mädchen, den Engel – dessen Kommen allein unfaßlich genug ist – zu fragen wagt: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

Dem Geheimnis der Menschwerdung gedenken wir im Angelus mehrmals täglich voll Dankbarkeit, an Weihnachten wie auch am Hochfest der Verkündigung knien die Gläubigen nieder bei den Worten: hat Fleisch angenommen aus Maria, der Jungfrau. Weihnachten ist die Vollendung der Menschwerdung, das Eintreten des Engels bei Maria ihr Beginn. In jedem Jahr erhebt die ganze Kirche in den adventlichen O-Antiphonen ihre Stimme zu einem einzigen flehentlichen: Komm!

O Sproß aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker –
vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!
lautet die O-Antiphon, die am 19. Dezember gesungen wird. Isai (Jesse) war der Vater König Davids, dessen Geschlecht Maria und somit Christus entstammen. Vielfach vergleicht man Maria daher einem Reis, einer geheimnisvollen Rose, die diese Wurzel hervorgebracht hat und gleich mehrmals verweist daher die Liturgie des Stundengebets zum Fest Verkündigung des Herrn auf die Wurzel Jesse: Aus Isais Wurzel sproßt ein Reis hervor, und eine Blume geht auf aus seinem Wurzelstock, und darauf ruht der Geist des Herrn.

Den Augenblick der Verkündigung des Kommens des Erlösers nennt die Kirche den Angelpunkt der ganzen Menschheitsgeschichte.

Samstag, 24. März 2012

Die Verhüllung von Kreuzen und Standbildern in der Passionszeit

Mit der ersten Vesper des Sonntags Judica tritt die Kirche in die zwei Wochen der Passionszeit ein, von der dieser Sonntag seinen Namen hat – Passionssonntag. Das lateinische Meßbuch nennt ihn Dominica I de Passione, den darauffolgenden Palmsonntag dann Dominica II. Die Passionszeit besteht somit aus der Passionswoche und der Heiligen Woche, die jeweils mit dem ersten und dem zweiten Passionssonntag beginnen.

Gegen Ende seines öffentlichen Wirkens wendet Jesus seinen Blick nach Jerusalem:
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten übergeben werden. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überliefern. Man wird ihn verspotten, anspeien, geißeln und töten. Nach drei Tagen aber wird er wieder auferstehen.
Diesen Weg gehen wir gleichsam mit Jesus in der Passionszeit. In den Lesungen hören wir zugleich von der wachsenden Ablehnung der Juden, die Jesus bei seinem Wirken entgegengebracht wird: Ist das nicht der, den sie töten wollen? Und doch redet er in aller Öffentlichkeit, und man läßt ihn gewähren und: Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Er aber verbarg sich – ein sichtbares und eindringliches Zeichen der Passionszeit ist die Verhüllung der Kreuze, mancherorts auch der Standbilder, mit schmucklosen violetten oder schwarzen Tüchern zur ersten Vesper des Passionssonntags.

Diese alte Sitte der Kirche, die Kreuze zu verhüllen, stammt wahrscheinlich von dem deutschen Brauchtum ab, ein sogenanntes Hungertuch aufzuhängen, das den Altar – ein Christussymbol – verbarg und das am Mittwoch der Karwoche bei den Worten, da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei, wieder abgenommen wurde.

Ursprünglich umfaßte der Brauch nur die Verhüllung besonders prunkvoller Kreuze (etwa solcher, die mit Edelsteinen besetzt waren), er wurde aber später auf alle Kreuze, Kruzifixe und Standbilder ausgedehnt, mit Ausnahme der Kreuzwegstationen und des Schmerzensmannes. Zuhause verhüllen wir ebenfalls Kreuz und Ikonen. Auf dem Altar von St. Thomas von Aquin ist auch das kleine orthodoxe Kreuz, auf das der Zelebrant seinen Blick richtet, in ein violettes Tuch eingeschlagen.

Die Liturgie des Karfreitags umschließt die feierliche Enthüllung eines einzigen dieser Kreuze mit dem eindringlichen Ausruf des Priesters: Seht das Holz des Kreuzes. Hier geht es ebenfalls um das Sehen: was zuvor verborgen war, tritt nun umso machtvoller hervor, das Kreuz, an dem das Heil der Welt gehangen hat.


Nach altem Brauch bleibt – von der Verehrung des Heiligen Kreuzes abgesehen – die Verhüllung[1] bis zur Osternacht, wenn es mit dem Entzünden der Osterkerze heißt:
Christus ist glorreich auferstanden von den Toten, sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.

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[1] am Gründonnerstag und zur Chrisammesse werden die violetten Tücher durch schlichte weiße ersetzt, die der liturgischen Farbe dieser beiden heiligen Messen entsprechen.

Kalmar des Tages

Freitag, 23. März 2012

Schon mal ein kurzer Blick aufs Exsultet


Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat,
so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes.
Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs,
das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.
Heute morgen unter einem Baum hier in der Nähe, auf dem sich regelmäßig ein Bienenschwarm niederläßt (ich glaub, der ist herrenlos, jedenfalls wird sein Signalverhalten hier erforscht). Das Summen unter dem Baum ist wunderbar.

In der Detailvergrößerung eine der fleißigen Produzentinnen des „köstlichen Wachses“, das die Kirche in der Osternacht in Form der Osterkerze darbringt.

Wochentagsmesse


Legende:
Zuspätkommer
Zufrühgeher
Gesangbuchholer
Nachträglich-Hostieneinleger
Gabenträger
Kommunikant, der prinzipell nur in der Oberkirche Platz nimmt
Nach-der-Kommunion-schnell-zum-Bahnhof-Müsser
Sponti
Bei langweiligen Predigten extrahiere (nicht nur) ich manchmal Modelle, nach denen eines Tages unweigerlich die Zufrühgeher mit den Zuspätkommern zusammenstoßen werden.

Donnerstag, 22. März 2012

Prinzessinnencontent


Hier Katzencontent, den ich euch einfach nicht vorenthalten kann, schon weil ich es völlig faszinierend finde, wenn eine Katze so chinateetassenblaue Augen hat (da ist nichts nachbearbeitet, die Katze wurde von selber so). Es ist eine sehr verschmuste dreifarbige Birma chocolate-tortie-point, die als Kätzchen unbegreiflicherweise niemand wollte, weshalb sie herumgeschubst wurde[1], bis sie dann zu mir kam. Die Nase und die vier verschieden gemusterten Pfoten sind wiederum einfach nur ein Gutelaunefaktor. – Voilà: Prinzessin Souraya, die schönste Katze der Welt (natürlich!)
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[1] Wenn manche schwanger werden, ticken sie gleich völlig aus.

Mittwoch, 21. März 2012

Mittwoch der 4. Woche der Fastenzeit

So spricht der Herr: Zur Zeit der Gnade will ich dich erhören, am Tag der Rettung dir helfen. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund zu sein für das Volk, aufzuhelfen dem Land und das verödete Erbe neu zu verteilen, den Gefangenen zu sagen: Kommt heraus!, und denen, die in der Finsternis sind: Kommt ans Licht! (Jes. 49, 8-9)
Bei den Worten des Propheten über die Gefangenen und die, die in der Finsternis sind, muß ich auch an den Abstieg Christi in die Unterwelt denken. Manche dieser Darstellungen, vor allem die der Ostkirche, zeigen zu Christi Füßen den gefesselten Adam, der in den Ketten der Erbsünde liegt, oft (manchmal neben einer Vielzahl anderer spiralförmiger oder dietrich-artiger Gegenstände) auch ein Schloß und einen Schlüssel, der dazu paßt. Dieser Schlüssel ist Christus selbst. O Schlüssel Davids, und Zepter des Hauses Israel – Du öffnest, und niemand kann schließen. Du schließest, und keine Macht vermag wieder zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!

Nungazing am Mittwoch

To boldly go where no saint has gone before


Wußtet ihr eigentlich, daß die heiligen Jungfrauen auch Außenstellen auf dem Mond haben? Hier ein Kartenausschnitt, der unter anderem den nach Katharina von Alexandria benannten Krater zeigt (Katharina unten, mit dem kleinen Krater dran). Gleich nebenan liegen Cyrillus und Theophilus neben dem Mare nectaris. Auch schön.

Dienstag, 20. März 2012

Ein Papst und der Reflexbogen

Zum Tode des Patriarchen Shenouda III. – dessen Heimgangs auch Kardinal Woelki in seinem Dankgottesdienst sehr freundlich gedacht hat; allerdings grüble ich seither darüber nach, wieso eigentlich der hl. Markus einen eigenen Stuhl hatte? Ich weiß wirklich immer noch viel zu wenig – ist mir in den Sinn gekommen, wie faszinierend ich bei der koptischen Liturgie beim Katholikentag in Aachen die Erkenntnis fand, daß es auf der Welt noch andere Päpste als „unseren“ gibt (die Kopten hatten Bildchen verteilt).

Josef übertitelt einen lesenswerten Beitrag über einen Beitrag der Tagesschau zum Tode Patriarch Shenoudas III. mit Wenn Reflexe zu schnell einsetzen. Dazu möchte ich anmerken, daß es das Wesen eines Reflexes ist, daß er keinen Umweg über das Gehirn nimmt, sondern vom Rückenmark direkt ans Nervensystem weiterleitet wird. Das Denken setzt also gar nicht erst ein (das würde zu lange dauern). Ich glaub, so wars.

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[1] Wenn ich in der WELT lese: „Der Leichnam des Patriarchen Schenuda III. ward in ein Meßgewand gekleidet und mit goldener Krone auf dem Kopf ausgestellt“ frage ich mich, wer macht da das Lektorat? Das nennt man aufgebahrt, nicht „ausgestellt“.

Montag, 19. März 2012

In dieser Nacht



In dieser Nacht sei du mir Schirm und Wacht;
o Gott, durch deine Macht wollst mich bewahren
vor Sünd und Leid, vor Satans List und Neid.
Hilf mir im letzten Streit, in Todsgefahren.

O Jesu mein, die heilgen Wunden dein
mir sollen Ruhstatt sein für meine Seele.
In dieser Ruh schließ mir die Augen zu;
den Leib und alles Gut ich dir befehle.

O große Frau, Maria, auf mich schau;
mein Herz ich dir vertrau in meinem Schlafen.
Auch schütze mich, Sankt Josef, väterlich,
Schutzengel, streit für mich mit deinen Waffen.

Dem Heiligen Vater zu Josefi

Zum Namenstag des Heiligen Vaters brauche ich hier auf dem Blog ganz dringend etwas Papstcontent. Gleich gehe ich zur Heiligen Messe und zünde ein Opferlicht für ihn an. Allen Josefen und Sr. Josefas einen gesegneten Namenstag.

Das muß eines der nettesten Papstfotos ever sein

letztes Jahr in Venedig – atmet einfach nur Grandezza

wegen des netten „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh“-Effekts

…und natürlich: Papst Benedikt bei uns™

Hl. Josef, Schutzpatron der Sterbenden

Der Tod des hl. Josef Giuseppe Maria Crespi (Lo Spagnolo), um 1712

Daß man den hl. Josef für die Sterbenden und um eine gute Sterbestunde anruft, geht vor allem darauf zurück, daß er der Ziehvater Jesu war und wir mit dem hl. Josef hoffen können, daß Christus seinem Ziehvater keine Bitte abschlagen wird, seiner Güte wegen. Der Heilige ist der Patron der Sterbenden, da man annimmt, daß ihm sein Ziehsohn und die Gottesmutter bei seinem eigenen Tod zur Seite gestanden haben und er daher gestorben ist, wie kein anderer Heiliger – in den Armen Jesu und Mariens. Auf dem Bild Lo Spagnolos sind noch Engel anwesend, die fast mit der Dunkelheit des Raumes zu verschmelzen scheinen – ein friedvoller Hinübergang.

Heiliger Josef, du Nährvater unseres Herrn Jesus Christus und wahrer Bräutigam der seligen Jungfrau Maria, bitte für uns und für alle, die du heute vor dein Angesicht rufst.

Samstag, 17. März 2012

Laetare – Halbzeit und Bergfest

Weiter unten bei den fastentauglichen Stilleben hat mich eine Kommentatorin gefragt, wie es mir ums Mittfasten herum denn mit dem Fasten gehe? Die Antwort darauf, ebenfalls in den Kommentaren: wegen eines Infekts in der zweiten Fastenwoche hab ich wenig Sinn darin gesehen, den Körper durch Fasten und Abstinenz noch zusätzlich zu schwächen (das verlangt die Kirche ja auch gar nicht, indem sie unter anderem Kranke vom Fasten ausnimmt) und einige Tage ausgesetzt. (Im Frust Chips essen ist allerdings schon etwas schwieriger als krankheitsbedingt zu erläutern.)

Prompt hatte ich das Gefühl, irgendwie noch nicht viel „geschafft“ zu haben, zugleich war mir klar, daß die Fastenzeit kein Hindernislauf ist, bei dem man einzelne Hindernisse womöglich reißt oder gleich drumrumgaloppiert und dafür Fehlerpunkte abgezogen kriegt. Es geht um den Geist der Liebe, mit dem man das Fasten auf sich nimmt.

Im letztjährigen Beitrag zu Laetare hatte ich ausgeführt, daß Laetare gleichsam auf der Schwelle zwischen dem ersten Teil der Fastenzeit steht, in der es vor allem um die Gesinnung der Buße geht, während wir in der Passionszeit unseren Blick verstärkt auf das Leiden des Herrn richten. Zugleich preisen die liturgischen Gesänge den Herrn für die Gnaden, die uns vom Kreuz fließen: Wer kann genug dich loben, da du all Gut umschlossen, das je uns zugeflossen.

Laetare mit seinen rosa Paramenten und Blumen ist unser kleines Bergfest, wir können innehalten, den Blick übers Tal und den bisher zurückgelegten Weg der Fastenzeit schweifen lassen und nach vorn schauen, zum Gipfelkreuz nach Ostern hin. Laetare ist liturgisch ein erstes kurzes Erstrahlen des Glanzes des Osterfests. Das Tagesgebet ermutigt uns, mit froher Hingabe dem Osterfest entgegenzueilen. Diese Formulierung mit ihrer Beschwingtheit gefällt mir immer wieder.

Bis zum Osterfest bleibt also immer noch Zeit, und selbst, wenn einer fällt oder wenn er zur sechsten, neunten oder noch in der elften Stunde käme, wie es beim hl. Chrysostomos heißt, soll er nicht zögern und sich nicht wegen seines späten Kommens fürchten, denn der Herr ist großzügig, er empfängt den letzten wie den ersten.

Eine kurze Anmerkung zu genau dieser Großzügigkeit und Nachsicht Gottes habe ich dazu kürzlich von Bischof Fulton Sheen gelesen:
When you fail to measure up to your Christian privilege, be not discouraged, for discouragement is a form of pride. The reason you are sad is because you looked to yourself and not to God; to your failings, not to his love. You will shake off your faults more readily when you love God than when you criticize yourself. God is more lenient than you because he is perfectly good and therefore loves you more. Be bold enough, then, to believe that God is on your side, even when you forget to be on his.

Freitag, 16. März 2012

Strawberries, cherries (and an angel's kiss in spring)








Weil grad so schön Fastenzeit und übermorgen Laetare ist, hier weitere Details aus der (fast) vollständigen Fastenküche nach Osias Beert dem Älteren, der in seinem ganzen Leben offenbar nichts anderes gemalt hat, als Früchte und Blumen – unter Einbeziehung kostbarer Kristallpokale und chinesischen Porzellans. Dazu gelegentlich ein paar Austern, Wein, Brot und etwas Konfekt. So läßt es sich leben. Voila!

Wenn ich solche Bilder sehe, bin ich anschließend immer froh, wenn noch genug Obst im Haus ist (seltsamerweise hab ich derzeit Heißhunger auf Wassermelonen, die gar nirgendwo drauf sind). Hier noch der passende Gute-Laune-Song von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood.

Mittwoch, 14. März 2012

Lieber was Schönes…!



Zwei Stilleben mit Walderdbeeren, Kirschen und Himbeeren von den flämischen Malern Osias Beert dem Älteren und Osias Beert dem Jüngeren – sogar fastenzeitauglich!
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