Dienstag, 31. Januar 2012

Ginge es eigentlich noch schottischer?

(Nicht, daß mich das störte, im Gegeneil, ich frag mich
nur grad… ein Schaf vielleicht…?
Ja, doch.

Sakramentalien – das Rundum-Sorglos-Paket


Ecce sponsus venit schreibt über die Vorabspendung des Blasiussegens und Lichtmeß im Januar. Ganz so arg ist es bei uns nicht (eine Kerzenweihe im Januar hab ich wirklich noch nie erlebt), in der Tat hab ich mich aber seit einigen Jahren auch schon über dieses Rundum-Sorglos-Paket gewundert, bei dem der Blasiussegen nicht nur am Tag des Heiligen selbst, sondern ganz selbstverständlich auch an Lichtmeß und in allen Sonntagsmessen danach gespendet wird. Ähnliches gilt auch für das Aschenkreuz, das gibts ebenfalls am Sonntag danach in allen Sonntagsmessen.

Man verstehe mich recht, es kann immer einmal vorkommen, daß jemand am Tag, der eigentlich für die Spendung vorgesehen ist, nicht kann, und wer in diesem Fall darum bittet, sollte sicherlich die Möglichkeit haben, Segnung oder Asche noch zu empfangen. Ob nun aber der Ansatz, dies standardmäßig in möglichst vielen Messen vorher und nachher anzubieten und damit den Tag seines eigentlichen Besonderen zu entkleiden, so glücklich ist, das bezweifle ich.

Mancher, der es ohne weiteres könnte, macht sich gar nicht mehr die Mühe, am Aschermittwoch in die Kirche zu kommen[1] – Asche, wenn er denn will, bekommt er ja auch noch am ersten Fastensonntag. Daß er die Feier des Aschermittwochsgottesdienstes (und damit den eigentlichen Beginn der Fastenzeit), zu der die Aschenweihe und die Spendung des Aschenkreuzes unter dem Gesang des wunderschönen Attende Domine ja integral gehört, dabei versäumt, scheint den Gläubigen aus dem Bewußtsein zu schwinden. Andere wiederum gehen viermal zur Spendung des Blasiussegens oder des Aschenkreuzes und man hat das Gefühl, auch der hat etwas Wesentliches nicht verstanden.

Was ich sagen will: man sollte die Spendung eines besonderen Segens oder Zeichens wenn irgend möglich an dem Tag lassen, zu dem sie gehört – und den Gläubigen den Empfang dieser Sakramentalien dann auch ermöglichen – denn diese besonderen Blüten gehören zum Kranz des Kirchenjahres dazu und zeichnen diese Tage aus.

Erfreulicherweise zeichnet sich hierzukirch gerade in Bezug auf die Kerzenweihe an Lichtmeß eine Trendwende ab: es wird dieses Jahr nur die Kerzenweihe am Fest der Darstellung des Herrn geben, wohin sie eigentlich gehört. Weiter so! :)

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[1] Für Aschermittwoch gilt zudem eigentlich zudem: Schüler und Arbeitnehmer können für den Besuch eines Aschermittwochsgottesdienstes von der Schule bzw. Arbeit freigestellt werden. Daß manche in Zeiten zunehmenden Drucks auf die Arbeitnehmer zögerlich sind, solche Befreiungen in Anspruch zu nehmen, ist eine andere Sache. Grundsätzlich ist es aber möglich. Auch gibt es an Aschermittwoch vielfach Abendgottesdienste.

Montag, 30. Januar 2012

Kröte des Tages

Aus Die Nacht des Jägers, der ersten und einzigen Regiearbeit Charles Laughtons (leider viel zu selten gezeigt). Als es diesen Film einmal bei einer Retrospektive gab, hab ich einen Freund mitgenommen, der nicht glauben wollte, daß man Robert Mitchum auch als geradezu dämonisch erleben könne (nachher war er diesbezüglich konvertiert). In der Tat hat der Film sehr viel von Grimms Märchen – hier ist die Szene mit dem Boot im Zusammenhang, die Märchenkröte taucht (mit anderen Tieren) ungefähr bei 1:12 auf.

Und wieso mir grade Kröten durch den Sinn gehen, ist die Preisfrage des Tages…

Sonntag, 29. Januar 2012

Papst Benedikt und die Tauben

Der tierliebe Papst und die papstliebenden Tauben, die nicht wegwollten – eine kleine Galerie vom heutigen Angelusgebet.

Was – ich soll weg?
Na gut!
Nö, doch nicht!
I'm not in love, no no, just because…
Ich will einfach nur hier sitzen…

Endlich Winter…!

Gestern abend ging ich – nachdem ich allerhand Berichte über die heimische Tierwelt gesehen und gelesen hatte, in denen davon die Rede war, die Störche seien bereits zurück und die Kraniche noch gar nicht aufgebrochen – in den Vororten in ein Haus hinein und als ich wieder herauskam, hatte sich die Welt in eine Winterlandschaft verwandelt.

Da ich nicht sicher sein konnte, wie lange das so bleibt, habe ich die Gelegenheit gleich genutzt, um mich bei der ersten Möglichkeit dazu huiii! längelang hinzulegen. (Wenn ich ausrutsche oder Treppen hinunterfalle, sieht es zwar immer einigermaßen cartoon-mäßig aus, es passiert mir aber, ähnlich wie im Cartoon, eigentlich kaum je was. Das muß eine besondere Gabe sein.)

Der Schnee jedenfalls bleibt erstmal liegen, insofern hätte es das Hinlegen nicht gebraucht. Die Störche und Kraniche verlegen sich, da ein sehr kalter Februar vorausgesagt ist, der irgendeinen letzt- oder vorletztjährigen Dezemberrekord noch toppen kann, am besten aufs Eisfischen. Hier ist ein hübscher Eisvogel.

Samstag, 28. Januar 2012

O res mirabilis! – Fest des hl. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

Das Geheimnis laßt uns künden, das uns Gott im Zeichen bot, Jesu Leib, für unsere Sünden, hingegeben in den Tod. Jesu Blut, in dem wir finden Heil und Rettung aus der Not.
(Hymnus Pange lingua des hl. Thomas)

Der hl. Thomas von Aquin hat der Kirche viele gelehrte Werke und Predigten geschenkt. Am wunderbarsten sind wahrscheinlich seine Hymnen, die er für das Fronleichnamsfest schrieb.

In der christlichen Ikonographie, vor allem in den Fresken des Dominikaners Beato Angelico, wird der Heilige zuweilen als Zaungast bei der Geburt oder der Kreuzigung Christi dargestellt, in Betrachtung versunken und mit einer Schreibfeder in der Hand: ein schönes Bild dafür, daß die Hymnen des hl. Thomas von dem Wunderbaren sprechen, daß Gott Mensch geworden ist, Fleisch angenommen und sich in diesem Fleisch für uns hingegeben hat, ja, daß er seinen Leib uns selbst zur Speise reicht, uns zum Heil. O res mirabilis! Manducat Dominum pauper servus et humilis – O Wunderbarliches! Es verspeist den Herrn der arme und niedrige Knecht.

Am unvergleichlichsten ist dieses Bild des sich hingebenden und zur Speise darreichenden Herrn ausgedrückt in dem Vers des Hymnus' Gottheit, tief verborgen, der Christus – den menschgewordenen wie den eucharistischen – mit einem Pelikan vergleicht, der sich die Brust aufreißt, um die eigenen Jungen zu nähren, der sein Blut verströmt um der Kinder willen:

Pie pellicane, Iesu Domine,
me immundum munda tuo sanguine.
cuius una stilla salvum facere
totum mundum quit ab omni scelere.

Iesu, quem velatum nunc aspicio,
oro fiat illud quod tam sitio;
ut te revelata cernens facie
visu sim beatus tuae gloriae.

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein;
wasch in deinem Blute mich von Sünden rein.
Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld,
bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld.

Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:
laß die Schleier fallen einst in deinem Licht,
daß ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.

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Bilder: Kreuzigung aus der Zelle 37 im Convento di San Marco – unter dem Kreuz die Gottesmutter und die hll. Dominikus und Thomas (kniend).
The pelican in her piety Ausschnitt eines Glasfensters in Brampton.
Da wir an der Akademiekirche St. Thomas von Aquin morgen das Patrozinium feiern, kommt der Beitrag übrigens just in thyme.

Mehr gesehen…

Freitag, 27. Januar 2012

Ich bin bei euch alle Tage… – die gefangenen Priester in Dachau

(Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus schreiben einige Blogs etwas. Hier mein Beitrag:)
Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. (Joh. 10, 11-16)

„Dieser Klerus war wirklich europäisch: hundertachtunddreißig Diözesen und ich glaube fünfundzwanzig Ordenskongregationen waren vertreten … Die ganze kirchliche Hierarchie befand sich dort, vom Bischof (von Clermont-Ferrand) bis zum jüngsten Seminaristen. Es waren dort alle christlichen Konfessionen vertreten: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Altkatholiken… (Erinnerung an das Leben im Konzentrationslager Dachau, P. León de Conninck SJ)

Im Konzentrationslager Dachau wurden in den Jahren seit 1940 2720 Kleriker gefangengehalten, darunter 2579 Priester der römisch-katholischen Kirche. Diese, wie auch die 109 evangelischen Pfarrer, die zweiundzwanzig Orthodoxen und die Altkatholiken sperrte man in einem eigenen Barackenkomplex zusammen, dem Block Nr. 26, auch bekannt als Priesterblock. Etwa die Hälfte von ihnen sollte dies nicht überleben, viele hofften bis zum Schluß: „Wenn nur einmal die Freiheitsnachricht käme“, schrieb Pfr. Georg Häfner am 9. August 1942. Zwölf Tage später starb er an den Folgen von Folter und Auszehrung durch Hunger und Krankheit.

Von den mehr als 2700 inhaftierten Geistlichen wurden 132 wurden in andere Lager verlegt oder evakuiert, 314 entlassen, Über tausend aber ließen ihr Leben als treue Hirten, die ihr Leben hingaben für die Schafe.

Geblieben ist vom Priesterblock ein ganz schlichter und unauffälliger Stein an dessen Stelle, die Statue unserer lieben Frau von Dachau und die Paramente und Vasa sacra, die von den Karmelitinnen des Karmels Heilig Blut verwahrt werden. Nach außen hin gab es im Block 26 eine Vorzeigekapelle (aus Spenden der umliegenden Gemeinden finanziert und mit Tapetenresten verziert). Im Lager selbst jedoch wurde die Messe unter armseligsten Bedingungen gefeiert; doch waren die Gefangenen zutiefst dankbar, daß mitten in Terror und Elend eines Konzentrationslagers die Begegnung mit dem sakramentalen Christus und die Spendung der Sakramente gelang. Unter den verwahrten Gegenständen und Paramenten sind anrührende, etwa eine Pyxis und eine Altarschelle aus Weißblech, Bursen und Vela aus verblichenem schwarzen Leinen und eine Dalmatik aus weißer Baumwolle, deren Besatz aus geblümtem Kleiderstoff gefertigt ist.

Die meisten der Geistlichen wurden zur Arbeit auf der sogenannten Plantage gepreßt, unter anderem hatten sie sich um den Anbau von Gemüse, Tee und etwa fünf Hektar Schwertlilien zu kümmern, die wegen ihre Vitamingehalts angebaut wurden. Bei der Anlage dieser Anbaufläche und ihrer Bewässerung auf dem sumpfigen Grund des Dachauer Umlandes ließen hunderte Häftlinge ihr Leben. Man spannte die gefangenen Priester, immer sechs auf einmal, vor Pflüge wie Vieh.

Schon bald erlaubte man den polnischen Priestern die Mitfeier der Heiligen Messen nicht mehr – sogar die Fenster der Kapelle im Block 26 wurden mit weißer Farbe zugetüncht, um jeden Blick zu verunmöglichen. Man verbot ihnen jede Ausübung ihres Glaubens und nahm ihnen ihre Breviere und Rosenkränze weg. Als Folge dessen ließen die deutschen Priester den Polen heimlich Wein und Hostien zukommen, damit sie die Heilige Messe im Geheimen feiern konnten. Sie knieten dabei auf dem Ackerboden und gaben vor, mit Pflanzen oder Ernten beschäftigt zu sein, während sie an einem winzigen tragbaren Altar die hl. Messe feierten und kommunizierten.

In einem Jahr unterhielten sich die Lagerwachen am Karfreitag damit, sechzig Priester zu foltern. In einem anderen Jahr mußten die Geistlichen an eben demselben Tag im Schneeregen auf dem Hof „exerzieren“. Sicher ist, daß sie sich im Geiste und mit dem Körper, im Leben wie im Sterben mit dem vereinten, dem sie so treu nachgefolgt sind, und daß dieser ihnen in Dunkel und Verfolgung selbst zum Trost gegenwärtig geworden ist. Auf den Blechtüren des armseligen hölzernen Tabernakels dieser Priester steht, mit einem Werkzeug eingeprägt, zu lesen: Ich bin bei euch alle Tage (…bis ans Ende der Welt).

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Bilder: Kreuze in Dachau – das Kreuz im Chor der Klosterkirche des Karmels Heilig Blut Dachau, Kreuz aus Stacheldraht auf dem Lagergelände, wie es die Häftlinge oftmals vor sich gesehen haben müssen. Statue unserer lieben Frau von Dachau aus der Kapelle des Priesterblocks, heute in der Klosterkirche Heilig Blut.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Im Herzen der Kirche (eine kleine Liebeserklärung)

Nach der Messe zum Gedenktag des hl. Franz von Sales habe ich mich mit dem Weihbischof em. über die Ausgestaltung der Hugenottenkirche auf dem Gendarmenmarkt ausgetauscht, da der Herr Weihbischof in der Predigt die Calvinisten gestreift hatte. In dieser Kirche gibt es weder Kruzifix noch Kreuz, Bild oder Leuchter, und der Tisch, der dort steht, erinnert mich doch stark an einen Schreibtisch. Als wir vor einiger Zeit darin waren, waren wir einigermaßen getollschockt. Ich finde diese Betsäle in all ihrer Entkleidung – und vor allem ohne das Herz, das jede katholische Kirche mit Leben erfüllt, den Tabernakel –, ziemlich niederdrückend.

Das Fehlen des Herzes führt auch jedesmal, wenn ich einen solchen Raum betrete, zu einer direkt körperlichen Irritation, weil man nicht recht weiß, wohin soll ich mich wenden? Am Karfreitag und Karsamstag ist bei uns wenigstens klar, wieso die Tabernakeltüren offenstehen, und man ist darauf vorbereitet; trotzdem ist es erschreckend.

In der mittelalterlichen Dorfkirche, mit der ich aufgewachsen bin, hat die Reformatoren nichts Schönes und Farbiges überdauert, nichts, worauf das Auge ruhen kann, außer: zum Altar und zum Taufbecken hin führten je ein tiefroter Sisalläufer – das war das einzig „Prächtige“. In der Weihnachtszeit bekam die Kirche durch den Baum, der mit Honigkerzen, Strohsternen und roten Äpfeln geschmückt war, noch zusätzlich wenigstens etwas Farbe (Baumschmuck wie Läufer mochte ich gern). „Komm, daß du hörest“, steht über dem Portal. Alle anderen Sinne kommen darin tatsächlich zu kurz.

Im Gespräch kamen wir überein: wie schön und weitherzig ist doch unser katholischer Glaube – er spricht Leib und Seele gleichermaßen an. Man verstehe mich recht: die Calvinisten meinen es gut (obwohl ich es eigentlich ziemlich unbarmherzig finde, daß sie den Leuten die schöne Liturgie weggenommen, die wunderbaren Bilder, Gefäße und Statuen der Kirche zerstört haben) und sicherlich sind es fromme Menschen. Diese völlige Entkleidung von allem, was schön ist und das Herz erfreuen könnte, begreife ich allerdings nicht, buchstäblich. Mir ist das eindeutig zu verkopft. Und was kann denn gegen ein Kreuz einzuwenden sein? Unser Herr Jesus Christus selbst hat an einem solchen gehangen.

Im Zusammenhang mit dem Weihetag der Lateranbasilika Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? hatte Fr. Longenecker in seinem Beitrag Are you a beautiful temple? im letzten Herbst die einigermaßen kreative Idee, die Leser zu fragen, als was für eine Art Kirchbau sie sich selbst vorstellen könnten. Dabei ging es, wohlgemerkt, nicht um den Baustil, den man selbst bevorzugt (womöglich ist das aber auch gar nicht völlig zu trennen). Mir ging eines dieser Dorfkirchlein wie das unsere oben durch den Kopf (schlicht, aber zweckdienlich), dann wurde es doch eine irgendwie ostkirchliche: I think I'd be one of these old and churches where it is rather dark inside but with some golden highlights, red and blue lamps and icons. And I'd be happy because Christ dwells inside of me.

Ich brauche sie jedenfalls, diese roten und blauen Votivlampen, die sich im Halbdunkel verzehren, die Monstranzen, die goldenen und silbernen Akzente, Bilder, Kreuzwege, den Weihrauch und – selbst wenn alles andere fehlen würde – den sakramentalen Christus mittendrin. Für eine solche Kirche kann man dankbar sein.

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Bilder: ich glaub, die sind sämtlich von Dom Mark von
Vultus Christi entlehnt, der mit seinem Kloster nach Irland gehen wird – die Mönche kommen dorthin zurück, woher sie einmal gekommen sind. Dazu später mehr; ich finde es wunderbar und es hat ebenfalls mit dem Herzen der Kirche zu tun.

Kühe!


Alle haben Kühe im Programm, da fielen mir diese ein: Beruflich hab ich oft mit sehr schönen Bildern zu tun, vor allem aus dem Bereich mathematischer Modelle. Der Stoff, aus dem die Träume sind, sind manchmal anscheinend Dreiecke. Hier ein Foto, das zeigt, wie man aus ganz vielen Dreiecken eine Kuh baut.

Solche Modelle finden ihren Weg dann in Filme wie Harry Potter oder Titanic – dort wäre sogar das Wasser besser magrittemäßig untertitelt mit „Das ist kein Wasser!“ – und zeigen, daß das, was man mit Algorithmen machen kann, durchaus nicht langweilig sein muß.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Nungazing am Mittwoch

Still und ganz und gar passend zum verregneten Winter: eines der schönsten und anrührendsten Bilder aus Geschichte einer Nonne.

Die Schauspielerin links, die im Film Mutter Emmanuel darstellt, ist eine der beiden Mitwirkenden, die den Titel Dame trugen: Dame Edith Evans, die im Film auch eine überragende Synchronsprecherin hatte, und Dame Margaret (Peggy) Ashcroft.

Komm herab, o heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt – Pauli Bekehrung und Berufung

Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht daß ich es schon erreicht hätte oder daß ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, daß ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.
Zwischen dem Mann, der bei der Steinigung des Stephanus zusieht und der später von sich sagen wird Ihr wißt, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte, und dem Mann, der diese Zeilen an die Gemeinde in Philippi schrieb, liegt etwas in menschlichen Augen Unerklärliches: eine direkte Offenbarung Jesu Christi: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Der hl. Kirchenvater Hieronymus sagt von diesem Erlebnis:
Er, der die Welt mit Licht erfüllt hat, ist zur Zeit seiner Berufung selbst blind geworden, aber seine Blindheit diente der Welt zu ihrer Erleuchtung.
„Du sollst wieder sehen!“, spricht Hananias bei der Heilung des Apostels von dieser Blindheit. Die Sicht auf die Welt, die er dann jedoch erlangt, ist eine gänzlich andere, denn es ist die Sicht, die er durch den Geist gewonnen hat: Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, flehen wir in der Pfingstsequenz. Hier ist es ganz unmittelbar wahr geworden. –

Gott hat den hl. Petrus berufen, der Fels zu sein, auf dem seine Kirche steht. Der hl. Paulus führte die Heiden – uns – dieser Kirche zu. Simon Petrus und Paulus ergänzen sich in wunderbarer Weise, und manchmal finde ich es tröstlich, daß Christus seine Kirche auf solche gegründet hat, die durchaus Schwächen und Versagen zeigten, deren Leben, vor allem im Falle des hl. Paulus, deutliche Brüche aufwies. Paulus sind die eigenen Grenzen nur allzu deutlich bewußt. Nicht daß ich es schon ergriffen hätte, aber ich strebe danach, es zu ergreifen. Und genau darauf kommt es an: daß man es versucht. Wenn aus Paulus noch etwas werden konnte, kann ich es auch versuchen: Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.

Dienstag, 24. Januar 2012

Sternguckerei des Tages

Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in
ein  Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. (Ps. 104, 1)




Das La-Silla-Observatorium in 2400 m Höhe auf dem La Silla in Chile. Ein so irrsinniges Bild vom Band der Milchstraße bekommt man in der Lichtglocke der Städte natürlich nie zu sehen.

Montag, 23. Januar 2012

Nachtrag zur Segnung der Agneslämmer

Weils gar so nett ist, hier noch der Hinweis auf ein ganz kurzes Video der diesjährigen Segnung der Lämmer am Fest der hl. Agnes. Da dieses im Originalton ist (jedenfalls ohne Kommentar), kommen neben dem Heiligen Vater auch die Lämmer zu Wort. Mäh! Ebenfalls im Bild: die Buchstaben S A M, mit denen das rotbekränzte Lamm geschmückt ist – Sancta Agnes martyr.

Berufungen und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen


Ein schönes Video über die priesterliche Berufung aus der Erzdiözese Brooklyn – nach einer völlig vergurkten und resignativen Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis über Berufungen (Sind wir nicht alle irgendwie…?!), die das Priestertum (und den Zölibat sowieso) für eher entbehrlich darstellte, ist mir jetzt einfach danach. Si tacuisses…

Die Aussage, daß man auch ohne Priester sehr schöne Gottesdienste feiern kann, ist sicher richtig – ich denke da vor allem an das Stundengebet der Kirche. Mir scheint jedoch, das konstituierende Element, daß wir ohne Priester keine Sakramente und ohne Sakramente keine Kirche haben würden, ist bei dieser Betrachtung weitestgehend ausgeblendet worden, wie auch die Tatsache, daß das Aufgeben des zölibatären Lebens um Christi willen das Aufgeben einer mehr als zweitausendjährigen Tradition der Kirche bedeuten würde, die auf den Herrn Jesus Christus selbst zurückgeht. Ja, eigentlich lebte sogar der, der auf ihn verwies, der hl. Johannes der Täufer, schon so.

In seinem apostolischen Schreiben Vita consecrata bemerkt der sel. Johannes Paul II. dazu:
Tatsächlich ist die Vorzüglichkeit der vollkommenen Keuschheit um des Himmelreiches willen, die zu Recht als das „Tor“ zum ganzen geweihten Leben gilt, Thema der feststehenden Lehre der Kirche.
Ein Begriff, der scheints vielfach mißverstanden wird – Jungfräulichkeit oder ehelose Keuschheit „um des Himmelreiches willen“ bedeutet nicht: damit man später bestimmt reinkommt, sondern weil es außer diesem Leben noch ein anderes gibt:
Das geweihte Leben[1] kündigt die künftige Zeit an und nimmt sie gewissermaßen vorweg, wenn jenes Himmelreich, das schon jetzt im Keim und im Geheimnis gegenwärtig ist, zur Vollendung gelangt ist, und die Kinder der Auferstehung nicht mehr heiraten, sondern sein werden wie die Engel Gottes.
In dem Sinne ist meiner Ansicht nach auch die zweite Lesung des Sonntags unmittelbar zu verstehen: …denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

Schade, das war eine versäumte Gelegenheit. Vielleicht bin ich naiv, aber ich würde mir wünschen, wenn jemand über Berufungen predigt, daß er anderen dann von der Schönheit seiner Berufung spricht.
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[1] Um einem möglichen Einwand zuvorzukommen: diese Aussagen lassen sich meiner Meinung nach eins zu eins auf den Zölibat der Priester übertragen.
Bild: Die Heimsuchung aus dem Straßburger Antepedium. Ein besonders schönes Detail, das man gelegentlich auch auf anderen Heimsuchungsdarstellungen findet, ist, daß der ungeborene hl. Johannes eine kniende Haltung einnimmt.

Samstag, 21. Januar 2012

Agnes meet agnus – Segnung der Lämmer am Fest der hl. Agnes

Nach altem Brauch segnet der Papst am Fest der hl. Agnes, die eine der Schutzheiligen der Stadt Rom ist, zwei weiße Lämmer, deren Wolle zur Herstellung des Palliums der Erzbischöfe dient. Dieses Zeichen, das auch der Papst selbst trägt, ist zugleich eine Berührungsreliquie vom Grab des hl. Apostels Petrus. Hier eine kleine Bildergalerie von der Segnung der Lämmer. Ein wirklich wunderbarer Brauch – besonders reizend finde ich, wie nett der Heilige Vater die Lämmer noch streichelt. Hier kann man sich das selbst ansehen.

Wie bei früheren Bildern angemerkt, ist eines der Lämmer mit roten Blumen geschmückt, die für das Blutzeugnis der Heiligen stehen. Die weißen Blumen, mit denen das andere Lämmchen geschmückt ist, symbolisieren die jungfräuliche Reinheit. Die Buchstaben S A V stehen für Sancta Agnes, Virgo – heilige Agnes, Jungfrau.














Das Lied, das kein anderer singen kann – zum Fest der hl. Agnes

Mit einem Ring hat mich Christus, mein Herr, zur Treue verpflichtet und mich als Braut geschmückt mit einem Kranz. (erste Antiphon zu den Laudes)
Die hl. Agnes ist die Ikone der Jungfrauen schlechthin. Viele der Antiphonen des Festes der Heiligen haben Eingang in den Ritus der Consecratio virginum gefunden; eine davon steht hier im Blog in der rechten Spalte:
Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Eine andere singt die Neugeweihte unmittelbar nach der Übergabe der Zeichen, die sie als Braut Christi kennzeichnen:
Ich bin mit ihm vermählt, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.
Diese wunderbare Antiphon ist so freudig und faßt das eben Geschehene so gut zusammen, daß sie für mich ganz leicht und wie von selbst zu singen war (schönerweise konnte ich dabei noch knien, obwohl das Pontifikale eigentlich die Rückkehr zum Platz und den Gesang im Stehen vorsieht. Ich fand es sehr angemessen).

Die dritte Antiphon der Vesper
Ich preise dich, Vater meines Herrn Jesus Christus, denn durch ihn, deinen Sohn, hast du deiner Magd den Sieg verliehen
erinnert an das Matthäusevangelium, in dem Jesus sich mit denselben Worten an den Vater wendet: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. (Mt 11, 25-26) Diesen Gedanken finden wir auch in der ersten Lesung vom Fest der hl. Agnes: sie spricht vom Törichten, Schwachen, Niedrigen und Verachteten in der Welt, das Gott erwählt hat. Ich finde das einen wunderbaren Gedanken.

Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn – in der Tat mag es in den Augen der Welt, der Weisen im irdischen Sinn, kaum etwas Törichteres, in manchen Augen auch Verachtenswerteres geben, als daß jemand auf irdische Freuden verzichtet um Christi willen, ja sogar sein Leben dafür hingibt. Die Jungfrauen wissen jedoch, auf wen sie vertraut haben.

Von den jungfräulichen Menschen heißt es in der Offenbarung, daß sie dem Lamm folgen und ein Lied singen, das kein anderer singen kann. Was mag das für ein Lied sein? Einst werden wir es wissen. Vielleicht ist es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebte, wahrscheinlich aber ist es ein unvorstellbar schöner Gesang.

Freitag, 20. Januar 2012

Der hl. Sebastian und die Wunden

Der hl. Sebastian ist besonders bekannt durch die Darstellung, die ihn als von zahlreichen Pfeilen Durchbohrter zeigen. Weniger bekannt ist, daß er der Überlieferung zufolge an diesen Wunden nicht starb, sondern sein Leben zu einem späteren Zeitpunkt als Märtyrer gab. Nachdem man die Pfeile auf ihn abgeschossen hatte, ließ man ihn blutend und zum Sterben auf der Erde liegen.

In seinem heutigen wunderschönen Beitrag Emerging from the shadows schreibt Dom Mark Kirby OSB auf seinem Blog Vultus Christi über die Wunden des hl. Sebastian und vergleicht diese mit anderen Wunden, die Menschen geschlagen wurden, an denen diese zwar nicht sterben, die aber bluten und kaum je verheilen: die eines sexuell mißbrauchten Kindes, einer mißhandelten Ehefrau oder eines Priesters, der nach einem Leben des Dienstes für die Kirche wegen einer Schwachheit, einer Sünde oder auch eines begangenen Verbrechens als Ausgestoßener gilt.
These are but three examples of innumerable the soul-killing aggressions from which the perpetrators walk away, leaving their victims for dead. But the victims do not die. They suffer. They bleed. Their wounds become infected and even putrid, but they do not die.
Den verwundeten Sebastian hat die hl. Irene gepflegt, die Ehefrau des hl. Castulus, Sinnbild und Fürsprecherin derer, die sich für jene einsetzen, denen im Leben solche Wunden geschlagen wurden. Irene, ist mir eingefallen, weil ich eine Ordensschwester dieses Namens kannte, bedeutet Frieden. Das ist eine gute Fürbitte, die man sowohl für jene sprechen kann, die im Leben solche Wunden tragen, als auch für die, die sie verursacht haben: für die einen, daß es ihnen auf irgendeine Weise möglich ist, das Geschehnis soweit loszulassen, daß sie Frieden finden. Für die anderen, daß sie – auch ihr Opfer – um Vergebung bitten können und so zum Frieden der Versöhnung finden, mit Gott und den Menschen.
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Bild: Der hl. Sebastian wird von Irene gepflegt. Um 1630, Georges de Latour zugeschrieben.

Bloggen – das Unaussprechliche

Als Reaktion auf den Beitrag Der Ablaß und die Auferstehung, auf den auch Mitblogger netterweise verlinkt haben, hat sich eine angeregte Diskussion ergeben.

Zunächst: ich freue mich, daß der Beitrag offenbar zur Auseinandersetzung damit einlädt. Im Zusammenhang damit und mit dem Bloggen im allgemeinen ist mir noch einiges eingefallen.

Zum ersten: meines Erachtens ist in dem Beitrag der Brückenschlag von den Makkabäern zu Christus durchaus deutlich erkennbar gewesen, immerhin ist der Beitrag auch mit einem Bild des Auferstandenen (von Dieric Bouts, btw). versehen. Wie schon im Kommentarbereich kurz erwähnt, hatte ich allerdings gar keine apologetische Streitschrift Wider die Ablaßgegner verfassen wollen, sondern eine Anmerkung in direkter Reaktion auf die verlinkte Diskussion bei Elsa unter Was ist ein Ablaß?, in der in Bezug auf Ablässe und Gnaden der Ausdruck „verdienen“ gefallen ist. Daraufhin habe ich aus dem Stegreif einen einigermaßen kurzen Beitrag verfaßt. Was im Rahmen eines Blogs durchaus legitim ist – ein solches ist nämlich weder eine theologische Doktorarbeit noch ein Sachbuch (dem sich der Autor im übrigen auch leichter vollumfänglich widmen könnte. Ich hingegen verbringe einen nicht unerheblichen Teil meiner Zeit damit, die Werke anderer Autoren zu redigieren).

Auch gibt es verschiedene Ansätze (wie es auch verschiedene Vorlieben der Leser gibt): manche veröffentlichen selten etwas, dafür ist es aber stets sehr fundiert, manche beschränken sich auf schiere Materialsammlungen, andere verbloggen fröhlich mehr oder weniger alles, was ihnen in den Sinn kommt und lassen dies allenfalls noch durch interne Filter laufen. Selbst finde ich die Blogs am interessantesten, die etwas von der Persönlichkeit des Bloggers erkennen lassen, was dieser so tut und treibt, was ihm in den Sinn kommt und überhaupt. (Nicht zuletzt heißt es ja auch Web-log, also eine Art Tagebuch, wie das von J. T. Kirk, das immer mit der Sternzeit beginnt. Vielleicht sollte ich das hier auch einführen.) Aber das ist, wie gesagt, meine persönliche Vorliebe, andere mögen ihre eigenen haben.

Wer etwas veröffentlicht, muß mit Kritik dazu leben können, keine Frage. Wer das nicht aushalten kann, muß es wieder aufgeben. Was nicht heißen soll, daß er nicht gleichermaßen oder sogar überwiegend schöne und ermutigende Erfahrungen mit dem Schreiben machen kann. Auch bringt es ihn innerlich selbst weiter (wieso nur fällt mir jetzt das Wort „frommen“ ein?)

Etwas entgeistert war ich hingegen, als andernorts in Bezug auf den Beitrag und auf das Blog im allgemeinen der Vorwurf kam, es ginge mir wohl eher um Quantität als um Qualität, also eher darum, beliebig viele Beiträge zu verfassen – auf Kosten der Recherche, natürlich, denn für diese bliebe mir angesichts der Zahl der Beiträge ja nicht viel Zeit. Aha. Das erinnert mich an ein Interview mit Maximilian Schell, das ich vor längerer Zeit mal gesehen habe, in dem sich ein Journalist in Bausch und Bogen zu der Art geäußert hat, in der Schell seine Rollen spiele. Dieser, sichtlich etwas in Harnisch, gab daraufhin zurück: „Ja, was haben Sie denn bisher überhaupt von mir gesehen?“ So gings mir in diesem Zusammenhang auch: mir lag auf der Zunge, „Ja, was haben Sie denn bisher überhaupt von mir gelesen?“

Über manchem Beitrag brütet man lange, andere wieder schreibt man flott dahin, wie es einem gerade in den Sinn kommt. Mit beidem gleichermaßen kann man hinterher übrigens dauerhaft zufrieden sein oder auch nicht. Allein aus der Artikelfrequenz jedoch Rückschlüsse auf die mit der Recherche verbrachten Zeit ableiten zu wollen, ist allerdings wirklich etwas gewagt und wird auch in der Wiederholung nicht besser.

Gerade die Buntheit und Verschiedenheit der Blogs macht diese ja so interessant. Der Schreiber ist weder an Vorgaben eines Verlages noch an Auflagenzahlen noch auch an irgendein Thema gebunden. Er kann – im Rahmen der Legalität – schlichtweg veröffentlichen, was immer ihm Spaß macht.

Das Interessante beim Schreiben, zu dem es einen wirklich drängt, ist wiederum, daß man es auch täte, wenn man keinen Leser hätte, einfach, weil es einen dazu drängt. Daß dieses Blog offenbar so viele Leser interessiert, ist mir selbst die meiste Zeit einigermaßen unbegreiflich. Dazu und weil wirs vor einiger Zeit (nach dem Bloggertreffen im Vatikan, um genau zu sein) davon hatten, ob man wohl auch ein Blog führen könne, ohne eine Spur seiner Persönlichkeit darin zu hinterlassen:
Ja: – wer soll denn lesen, was ich in diese Hefte schreibe! Und doch, glaube ich, gibt es kein Schreiben ohne die Vorstellung, daß es jemand lese, und wäre dieser jemand nur der Schreiber selbst. Dann frage ich mich auch: kann man schreiben, ohne eine Rolle zu spielen? Man will sich selbst ein Fremder sein. Nicht in der Rolle, wohl aber in der unbewußten Entscheidung, welche Art von Rolle ich mir zuschreibe, liegt meine Wirklichkeit. Zuweilen habe ich das Gefühl, man gehe aus dem Geschriebenen hervor, wie eine Schlange aus ihrer Haut. Das ist es, man kann es nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten. Aber wen soll diese tote Haut noch interessieren! Die immer wieder einmal auftauchende Frage, ob denn der Leser jemals etwas anderes zu lesen vermöge als sich selbst, erübrigt sich: Schreiben ist nicht Kommunikation mit dem Leser, auch nicht mit sich selbst, sondern Kommunikation mit dem Unaussprechlichen. Je genauer man sich auszusprechen vermöchte, um so reiner erschiene das Unaussprechliche, das heißt die Wirklichkeit, die den Schreiber bedrängt und bewegt. Wir haben die Sprache, um stumm zu werden. Wer schweigt, ist nicht stumm. Wer schweigt, hat nicht einmal eine Ahnung, wer er nicht ist.[1]

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[1] Max Frisch in seinen Tagebüchern. Die darin veröffentlichten Fragebögen wie auch die Tagebücher haben wir im Religionsunterricht der Oberstufe gestreift. Daraufhin hab ich erstmal das Gesamtwerk Frischs verschlungen. Ich mag ihn immer noch sehr gern.
Bilder: die hl. Katharina von Siena beim Schreiben, Wordle aus einer Studie über das Bloggen (Daten aus dreißig Interviews mit Bloggern)

Donnerstag, 19. Januar 2012

Nungazing am Mittwoch

scheint eine dominikanische Fotoserie mit Bewegung drin zu sein. So ein Habit
macht zwar nicht den Mönch (bzw. die Nonne), aber definitiv was her.

Dienstag, 17. Januar 2012

Der Ablaß und die Auferstehung


Elsa hat (unter anderem) über die Entscheidung des zuständigen Bischofs berichtet, die diesjährige Wallfahrt zum heiligen Rock nicht mit einem Ablaß zu verbinden, „um die ökumenischen Beziehungen nicht zu konterkarieren“ (eine Entscheidung, die ich persönlich sehr unglücklich finde, wie auch die Verwendung eines Wortes wie „konterkarieren“. Just my 2 cents.)

Hier entspinnt sich unter Was ist ein Ablaß? eine Diskussion. Werte Ablaßgegner: beim Ablaß geht es nicht ums Verdienen, da geht es um Erbarmen. Ich hab mich zu Allerseelen sehr gefreut, unserem verstorbenen Erzbischof einen Ablaß gewinnen und zuwenden zu können – das ist etwas, was die Lebenden für die Toten tun können. Sie selbst können es nicht mehr. Wer sollte für sie eintreten, wenn nicht wir Lebenden? Ich finde es wunderbar.

Auch ist es ein Trost für die Trauernden. Im zweiten Makkabäerbuch, aus dem wir in einer der Messen zu Allerseelen hören, wird uns über Judas Makkabäus berichtet:
Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, daß die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.
Um einem möglichen Mißverständnis vorzubeugen: der zentrale Gedanke ist nicht der herrliche Lohn – obwohl man sich den durchaus vor Augen halten darf –, sondern: …denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht an die Auferstehung geglaubt, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten und sie zu entsündigen (ihnen Ablässe zuzuwenden). Da wir aber an die Auferstehung glauben, wie es auch der Makkabäer tat, ist es eben nicht überflüssig und sinnlos. Es ist der Glaube der Kirche.

Der hl. Antonius und die Wüste der Stadt (Besuch aus Erfurt)


Der Gerechte gedeiht wie die Palme. Er wächst wie die Zedern des Libanon.
Gepflanzt im Hause des Herrn,
gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes. (Eröffnungsvers)
Manchmal gibt es nette Konizidenzen: heute morgen schrub ich über den Heiligen als Schutzpatron derer, deren Wüste die Stadt ist, heute abend hatten wir Besuch von dreißig Priestern aus Erfurt, die an einer Werkwoche über Säkularisation teilnehmen, und der Weihbischof hat genau darüber gepredigt.

Die Messen des Weihbischofs em. sind eigentlich immer sehr schön, und ich hab mich gefreut, daß gerade er heute den Antonius hatte (so langsam wird der Dienstag zum liturgischen Höhepunkt der Woche). Da der Weihbischof die Eigenlesungen des Heiligen nahm, haben wir das schöne Evangelium Wenn du vollkommen sein willst… gehört (dem hl. Antonius ist es anders gegangen als seinerzeit dem reichen Jüngling – eben dieses Evangelium hat ihn bewegt, dem Rat des Herrn zu folgen): Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.

Leider haben die Priester nicht alle konzelebriert, wie seinerzeit die sechzig Italiener, es war aber mit mehreren Konzelebranten trotzdem sehr schön und feierlich, und später haben sie noch ein Salve Regina am Grab Kardinal Sterzinskys gesungen.

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Bild: die Wüstenväter hll. Antonius und Paulus mit Taube als Kommunionspenderin. Das tinzig-winzige Löwenpärchen hat offensichtlich zum hl. Paulus die engere Beziehung.

Jeden Morgen sage ich zu mir, heute fange ich an – hl. Antonius, Anachoret


Für viele ist es noch nicht ausgemacht, wer sich vor allen anderen in der Wüste niedergelassen und ein Mönchsleben geführt hat. Einige, die in allzu frühe Zeiten zurückgreifen, wollen mit Elias und Johannes beginnen. Freilich scheint Elias mehr als ein Mönch gewesen zu sein, und Johannes war ein Prophet schon vor seiner Geburt. Nach anderen — und sie vertreten die landläufige Meinung — hat Antonius als erster diesen Lebensstand ergriffen, was aber nur zum Teil seine Richtigkeit hat. Er ist nämlich nicht selbst der erste von allen gewesen, wohl aber sind die anderen durch ihn zu ihrem Eifer angeregt worden. (hl. Hieronymus, im Leben des hl. Paulus, des ersten Einsiedlers, Hervorhebung von mir)

Den heiligen Wüstenvater Antonius findet man zuweilen in der bildenden Kunst im Kampf gegen Dämonen dargestellt. Auf dem Bild schweben sie über ihm, während der Heilige seinen Blick auf das richtet, was ihn in der Versuchung stärken soll, das ihm sagt, warum er dieses Leben auf sich nimmt – das Kreuz Christi. Wenn man sich die Dämonen nicht als Gestalten aus einem Horrorfilm vorstellt, sondern als Versuchungen, denen Stimmen man in der Wüste der Stille und Einsamkeit manchmal umso stärker ausgesetzt ist, wird eher ein Schuh draus. Da gibt es etwa den kleinen roten Teufel, der findet, es schade doch nicht, diese und jene Gebetszeit oder Heilige Messe einmal auszulassen, in der Wüste – die auch die Wüste der Stadt sein kann – merkt es ja keiner.

Als ich anfing, mich auf die Weihe vorzubereiten, hat mich der betreuende Geistliche darauf hingewiesen, daß der Böse manchmal gerade versuche, einen Menschen, der zur einer höheren Tugend entschlossen ist, in diesem Entschluß wankend zu machen und zu Fall zu bringen, weil er es einfach nicht ertragen könne, daß jemand jungfräulich lebe. Mit dieser Warnung hatte ich zwar nicht gerechnet, es ist aber sicher etwas daran.

Ein solcher Kampf ist wahrscheinlich auch niemals wirklich vorüber, solange man lebt. Spricht man mit alten Mönchen, hört man Aussagen wie, er sei schon sechzig Jahre Trappist, aber immer noch falle ihm das nächtliche Aufstehen unsäglich schwer. Oder zur Frage des Einschlafens oder Abschweifens beim Gebet: „Das passiert mir altem Esel auch noch.“ Es gibt keinen Ruhepunkt vor Anfechtungen, niemals. Es hat ihn auch für Christus nicht gegeben, der ohne Sünde war, wenn wir an die Stunden am Ölberg oder die vierzig Tage in der Wüste denken denken. Kein Wunder, daß der heutige Tagesheilige seinen Vorsatz täglich erneuerte: Jeden Morgen sage ich zu mir, heute fange ich an. – Der Heilige scheint mir nicht nur für die Anachoreten, sondern für das geweihte und geistliche Leben insgesamt ein guter Schutzpatron, vor allem für solche, die wie der Heilige lange Zeit, allein und ohne die Stütze einer Gemeinschaft leben.

Montag, 16. Januar 2012

Weils heut so schön geschneit hat…


(Ich mag Schnee sehr – das Licht ist dann auch gleich ganz anders.)

Statt Silly hats…

…zur Abwechslung mal Silly arts. Ich suchte ein bestimmtes Bild von Vermeer (nicht das Mädchen mit dem Perlohrring).

Ich frag mich zwar, wie derjenige darauf gekommen sein mag, allerdings fühle ich mich grade so, denn gestern abend hat jemand das Kunststück fertiggebracht, mir meine Winterjacke zu stehlen. Zwar habe ich sie jetzt mehrere Winter getragen, und die Wolle war an einer Stelle papierdünn, trotzdem hab ich diese Jacke sehr geliebt, sie war gut und zeitlos geschnitten (man konnte im Prinzip beliebig viele Wollpullover drunter tragen) und aus guter schwarzer Schurwolle. Sowas find erst mal wieder.

Was für Menschen tun sowas? In einer bitterkalten Nacht einem anderen die Jacke stehlen? Und hätte er sie nicht lieber jemandem stehlen können, der wenigstens eine Winterjacke mehr hat als ich? Daß er sie keinem Reichen gestohlen hat, wußte der Dieb. Wir haben die, die später einzig als Diebe in Frage kamen, gesehen. Zwei Afrikaner, einer hat mich sogar angesprochen, weil er mich um Zigaretten angeschnorrt hat. Ich hatte schon so ein komisches Gefühl, weil er sich hinter mir herumgedrückt hat. Als ich mich daraufhin umgedreht hab, kam die Frage nach Zigaretten. Eine „klassische“ Situation: eine Frage zur Ablenkung stellen und vorher oder hinterher zuschlagen, er oder sein Kumpel. Was will man dagegen tun? Niemandem mehr eine Frage beantworten?

Das ist jetzt das zweite Mal innerhalb der letzten Jahre, daß man mich in eben demselben Kiez bestohlen hat. Das letzte Mal wars mein Hello-Kitty-Rucksack (der kam allerdings nach Entnahme der Wertsachen zu mir zurück, also Glück im Unglück. Außerdem hatte die Sache wegen des hübschen Polizisten einen gewissen Unterhaltungswert, der mir diesmal vollkommen fehlt. Es sei denn, ich ginge zur Polizei und der Polizist wäre immer noch da. Die Wache ist gleich um die Ecke, da gehört sie ja offenbar auch hin).

Mir ist dabei in den Sinn gekommen, daß Diebstahl irgendwie auch ein Angriff auf die eigene Unversehrtheit ist – jedenfalls hats mir jeweils einen Schock versetzt. Vielleicht, daß man ja oftmals in dem Bewußtsein lebt, daß schlimme Dinge nur den anderen zustoßen, einem selbst dagegen nicht – sonst könnte man nicht überleben und geistig gesund bleiben.

Die Rechte der Migranten achten, dafür bin ich auch. Es wäre halt schön, wenn sich Asylanten hier nicht wie undankbare Gäste verhalten. Ein scheußlicher Gedanke ist mir auch, daß der Dieb die Jacke, nachdem er bemerkt hat, daß sich nichts darin befand, was man verticken oder verrauchen kann, wahrscheinlich einfach irgendwo hingeworfen hat. Nun hab ich keine Jacke und der Dieb ist ein Schuft, indes muß er das selbst verantworten. Ich hab heut erstmal einen uralten Mantel von gefühlten fünf Pfund Katzenhaar befreit (merke: dieser Kleiderschrank bleibt künftig immer zu). Seufz.

Oben noch ein Fahndungsfoto – nicht von mir, sondern von der Jacke. Hohe Belohnung! ;7

Sonntag, 15. Januar 2012

2. Sonntag im Jahreskreis – Hier bin ich, denn du hast mich gerufen


Eigentlich dachte ich, wenn schon die Berliner Stadtreinigung wegen der Abholung der Bäume das Ende der Weihnachtszeit zu bestimmen scheint, könnte man doch die Krippe bis Lichtmeß stehen lassen. Es ging aber andersherum: die Krippe ist weg (?) und der Baum ist noch da. Auch schön, ich hab mich jedenfalls gefreut. Der Turm von weißen Weihnachtssternen zu Füßen des Kreuzes wirkt zwar liturgisch etwas unvermittelt – ich wünschte, wir hätten so was zu Fronleichnam[1] –, sieht aber zum mindesten hübsch aus.

Als die heutige erste Lesung über die Berufung Samuels im Tempel unter der Woche gelesen wurde, merkte der Zelebrant an, er höre sie sehr gern, es falle ihm auch immer wieder etwas Neues auf. So geht es mir auch. Einmal ist mir aufgefallen, daß die Worte des Samuel genau die sind, die in der Liturgie der Weihe vorkommen. Hier bin ich, denn du hast mich gerufen, habe ich seinerzeit auf den namentlichen Aufruf, vor den Bischof zu treten, gesagt.

Dieses Mal ist besonders aufgefallen, daß der Herr nach dem dritten Ruf an Samuel persönlich hingegangen ist: Da kam der Herr, trat zu ihm heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! In der Fassung, die wir am Mittwoch gehört haben, wird einführend dazugesagt: In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Wie sehr bemüht sich der Herr, wenn er beruft, er ruft unter Umständen mehrmals, er offenbart sich in diesem Fall unmittelbar –, er tritt heran, heißt es.

Manche ringen mit ihrer Berufung, manche erhalten nach einer Berufung noch eine weitere – Mutter Theresa ist mir da eingefallen, als wohl bekanntestes Beispiel, die zuerst Lehrerin bei den Loretoschwestern war, bis sie, einer Berufung folgend, den Armen und Sterbenden diente. Weniger bekannt ist etwa Sr. Maria Theresia von der gekreuzigten Liebe, die auf einen Anruf Gottes die Gründung des Karmels Heilig Blut an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau initierte und vornahm. Der Karmel Regina Martyrum in Berlin ist wiederum eine Gründung des Karmels Heilig Blut, und auch Sr. Gemma ist mit den ersten Schwestern nach Berlin gekommen, weil sie einen unmittelbaren Anruf verspürte, in der damals geteilten Stadt und an dem Ort, an dem der Karmel liegt – der Gedenkkirche für die Blutzeugen in der Zeit des Nationalsozialismus ein Zeichen der Liebe und des fürbittenden Gebets zu setzen.

Was ich meine, ist, daß man, so glaube ich, eine wirkliche Berufung erstmal nicht „verlieren“ kann. Gott ist geduldig, er ruft, wenn es sein muß, auch drei- oder viermal. Und: er zwingt uns nicht. Gleich, ob er selber kommt, einen Engel schickt oder unsere Berufung eine Gewißheit ist, die sich allmählich herausbildet, Gott will unser eigenes und freiwilliges Hier bin ich, denn du hast mich gerufen.

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[1] Aparter Satz aus einem Küsterhandbuch: „An diesem schönen Feiertag wollen wir mit Blumenschmuck nicht sparsam sein“. Das hat damals insbesondere den Pfarrer sehr erheitert – bei den drei kümmerlichen Rosenbüschen auf dem Hof auch kein Wunder.

Samstag, 14. Januar 2012

Edouard Boubat – meine Bilder gehören nicht mir

Noch einige Bilder von Edouard Boubat, der das Bild von dem spanischen Erstkommunionkind weiter unten gemacht hat. Die Bilder dieses französischen Fotografen strahlen eine tiefe Verletzlichkeit aus. Obwohl es Fotografien sind, könnte man sie sich stundenlang ansehen. Vielleicht ist es die Art und Weise, wie er das Licht einfängt, vielleicht auch, daß es sich fast ausschließlich um Schwarz-Weiß-Aufnahmen handelt, was meine Theorie bestätigt, daß man „auf Schwarz-Weiß“ irgendwie schärfer sieht (manchmal nehme ich beim Fernsehen die Farbe raus – es hat was).

Boubat, der 1923 in Montmartre geboren wurde, begann um 1945 mit dem Fotografieren. Als Antwort auf Greuel und Zerstörung des zweiten Weltkriegs strebte er danach, Bilder zu schaffen, die das Leben zum Inhalt hatten. Bilder von Frauen scheinen ihm dabei besonders gelegen zu haben, jedenfalls finde ich das. „Leben ist Verletzlichkeit“, sagte er einmal. Diese Verletzlichkeit und die Schönheit, die darin liegt, spiegelt sich in außerordentlichem Maße in seinem Schaffen wider. Boubat, der viele seiner Bilder auf Reisen aufnahm, hatte die Gewohnheit, Menschen, buchstäblich auf der Straße– oder an einem anderen Ort, an dem sie sich vertraut fühlten, anzusprechen und zu fotografieren. Ob er die Katzen auf dem Dach auch angesprochen hat, um ihr Vertrauen gewinnen, weiß ich nicht, aber es sieht fast so aus. Edouard Boubat starb 1999, einer seiner Biographen nannte ihn „einen Botschafter des Friedens“.







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