Donnerstag, 29. Dezember 2011

Sein ist die Zeit und die Ewigkeit – Hl. Messe in der Hedwigskathedrale zum Jahresschluß


Sehr schön finde ich, daß es in diesem Jahr in der Kathedrale statt der traditionellen Andacht zum Jahresschluß eine Heilige Messe geben wird. Am 31. Dezember um 18 Uhr wird unser Herr Erzbischof Rainer Woelki in der Hedwigskathedrale mit uns das Ende des bürgerlichen Jahres auf die bestmögliche Weise begehen, indem er mit uns ein Pontifikalamt feiert, bei dem sicherlich auch der sakramentale Segen gespendet wird.

Am Jahresende zurückblicken, für das Empfangene danken, derer gedenken, die in diesem Jahr von uns gegangen sind, das alte Jahr mit dem Guten und dem Schlechten, das uns widerfahren ist, in Gottes Hände zurücklegen und angesichts des Leibes Christi im Sakrament das zu empfinden, was wir bei der Lichtfeier in der Osternacht hören:

Christus, gestern und heute,
Anfang und Ende, Alpha und Omega.
Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.
Sein ist die Macht und die Herrlichkeit
in alle Ewigkeit.

Maybe baby (Siri gibt nicht die gewünschte Auskunft)

Dies gehört thematisch irgendwie ebenfalls noch zum gestrigen Fest der unschuldigen Kinder:

Als ich neulich morgens auf dem U-Bahnhof ein Werbeplakat gesehen habe, bei dem bei dem Wort MAYBE das May rot durchgestrichen ist, dachte ich, das müsse eines sein, die sich für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzt (war es aber nicht, das Plakat ist Teil einer Kampagne gegen das Rauchen). In der Tat hätte ich mir den Schriftzug eher unter dem Bild eines Ungeborenen vorstellen können, so daß aus dem „Vielleicht“ ein „Sei“ wird.

Dabei ist mir die Anfang Dezember öffentlich geäußerte Empörung über Apples neuen iPhone-Assistenten Siri – das ist eine stimmgesteuerte Softwareerweiterung, die Apple im November eingeführt hat und die sich noch in der Betaphase befindet – wieder in den Sinn gekommen, der auf die Frage nach einer Abtreibungsklinik sinngemäß antwortet, „Tut mir leid, ich kann keine finden“ (in New York) oder statt der Adresse einer solchen Klinik die von Krisenzentren für Schwangere heraussucht (in Washington) – letzteres eine sehr gute Idee, wie ich finde.

Andere sehen das offenbar ganz anders. So findet Lena Jakat von der Süddeutschen Zeitung dieses Verhalten Siris „unsouverän“: wer auf der Suche nach dem schnellen Genuß (so oder so) sei, eine Leiche entsorgen will (warum auch immer) oder, horribile dictu, sogar eine Kirche bzw. einen Priester sucht, um sich zu bekehren, dem helfe Siri schließlich auch weiter. Äh, der Unterschied zwischen dem Kauf eines Joints, dem Wunsch nach einem geistlichen Gespräch oder einer Beichte und dem nach einer Abtreibung ganz in der Nähe wird nicht gesehen? Oder ist das alles eine Soße? Muß es wohl sein, denn alle diese Beispiele werden von der Journalistin als „pikante Anliegen“ bezeichnet.

Zur angeblichen Unsouveränität, wer schon einmal mit ungewollt schwanger gewordenen Frauen zu tun hatte, weiß, daß es dabei manchmal regelrechte Kurzschlußreaktionen gibt, die zum einen natürlich auch etwas mit der Hormonachterbahn in einer schwangeren Frau zu tun haben, zum anderen damit, daß solche Frauen manchmal wirklich in extrem belastenden Situationen stehen. Umso wichtiger, daß sie sich für die Entscheidung, was sie tun wollen, ausreichend Zeit lassen und dabei kompetent beraten werden. Zumindest der Washingtoner Siri reagiert also gerade sehr souverän, zumal für eine Maschine. Vielleicht sollte man Siri noch dahingehend programmieren, daß sie auf die etwaige Anfrage nach der zu entsorgenden Leiche ersatzweise den Weg zum nächstgelegenen Priester ausspuckt.

Die Sache berührt nicht zuletzt auch den äußerst diffizilen Bereich, ob man jemanden per Verordnung dazu zwingen können sollte, etwas anzubieten, was dieser nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, wie etwa durch Ratschlag Beihilfe zu einer Sünde bzw. einem Unrecht zu leisten.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU warf Siri daraufhin vor, „gegen Abtreibung zu sein“. (Was für ein Vorwurf! Und wem gegenüber! Einer Maschine.) Die Vorsitzende der amerikanischen Organisation NARAL Pro-Choice America[1], Nancy Kennan, schrieb hingegen gleich einen offenen Brief an Apples neuen Firmenchef Tim Cook selbst: Siri habe bei seiner Antwort auf diese Frage „das Ziel verfehlt“. Das Ziel war nach Keenans eigenen Worten übrigens „abortion care“. Weiter im Text:
Although Siri is not the principal resource for women’s health care, I hope you agree that it is important that the women who are using this application not be misled about their pregnancy-related options.
Ihre Optionen, also wirklich – manchmal frage ich mich, ob ein Teil der Welt einfach verrückt geworden ist?

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[1] Unter den vier Antworten auf die Frage
What is choice? listet NARAL übrigens erst an vierter Stelle Healthy pregnancies auf. Die erste Wahl ist offenbar Abortion.

Zwischen den Jahren

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Es ist ein Ros entsprungen


Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß,
mit seinem hellen Scheine
vertreibts die Finsternis:
Wahr' Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide
rettet von Sünd und Tod.

Da wir mitten in der Weihnachtsoktav sind und ich eine Vorliebe für alte Bildchen habe: hier ein Motiv von Hans Töpper, das wahrscheinlich ein Fleißbildchen war.

Gefährten Christi – hl. unschuldige Kinder

Die unschuldigen Kinder erlitten für Christus den Tod. Nun folgen sie dem Lamm und singen sein Lob. (Eröffnungsvers)

Vor einigen Wochen habe ich an einem einzigen Tag allein in den lokalen Nachrichten drei gehört, bei denen Kinder gewaltsam zu Tode gekommen sind, in einem Fall hat ein Vater, der sich umgebracht hat, sich und die kleine Tochter auf der Straße zu Tode gefahren. Fälle, bei denen ich an das Gedenken der unschuldigen Kinder in Bethlehem in der Weihnachtsoktav denken muß.

Tagtäglich widerfahren Kindern grausame Dinge, sie werden getötet – auch um ihres Glaubens willen, wenn man an die Anschläge auf Kirchen denkt –, ausgebeutet, erniedrigt, mißbraucht, verhungern oder verdursten. Sie werden in Keller getragen und dort einfach vergessen, sie werden in Mülltonnen, aus Hochhäusern oder Eisenbahnzügen geworfen. Oder sie schauen gar nicht erst das Licht, weil sie schon vorher im Mutterleib getötet werden –, ein Massaker das sich tagtäglich und in aller Stille vollzieht, weitgehend unbeachtet von aller Welt.

Es ist sicherlich gut und recht, daß die Kirche in ihren Fürbitten auch all dieser Kinder gedenkt und dem Glauben Ausdruck gibt, daß Gott denen bei sich einen Platz schafft, die hier vielleicht niemand wollte, nicht einmal die eigenen Eltern, die ein Kind zuallererst lieben sollten und es doch nicht tun, vielleicht, weil sie es einfach nicht können. Vielleicht sieht die Liturgie des Tages deshalb die Lesung des tröstlichen Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm aus dem Johannesbrief vor.

Bitten wir doch an diesem Gedenktag auch besonders für die, die sich für den Schutz des ungeborenen Lebens und für die Achtung der Würde der Kinder überall auf der Welt einsetzen.

Die ermordeten Kinder zu Bethlehem, deren Fest das dritte in der Reihe der Gefährten Christi ist, haben Christus durch ihr Sterben verherrlicht, denn sie sind, ohne es allerdings wollen zu können, für ihn, an seiner Statt gestorben. Die Kirche gedenkt ihrer seit dem 5. Jahrhundert und betrachtet sie als heilige Märtyrer. Insofern erscheint es sehr angemessen, daß die liturgische Ordnung nunmehr für sie die rote Farbe des Blutes vorsieht.

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Bild: Kindermord zu Bethlehem, Guido Reni um 1611. Oben in den Wolken des Himmels halten kindliche Engel schon die Palmen des Martyriums bereit.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm – hl. Johannes, Apostel und Evangelist


Inmitten der Kirche ließ ihn der Herr seinen Mund auftun; er erfüllte ihn mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes; er kleidete ihn mit dem Gewande der Ehre. (Introitus zum Fest des hl. Johannes' des Evangelisten)
Am Tag nach dem Fest des Erzmärtyrers Stephanus stellt uns die Liturgie den hl. Johannes vor Augen. Der hl. Johannes gehört wie jener zu den (liturgischen) Comites, den Gefährten Christi; ein Hinweis darauf, daß neben dem Blutzeugnis des Martyriums auch das jungfräuliche Leben um Christi willen ein Zeugnis und eine Frucht der Gnade ist, die daraus fließt, daß Christus für uns Mensch geworden ist, unsere Natur angenommen hat. Die Kirche schätzte die Jungfräulichkeit um Christi willen hoch und bezeichnete sie sogar lange Zeit hindurch als „unblutiges Martyrium“.

Zu den Comites Christi – Heilige, die in der Weihnachtsoktav gefeiert werden – gehören auch die unschuldigen Kinder, deren Fest wir morgen begehen; der Zelebrant nannte diese Gefährten in seiner Predigt gestern drolligerweise eine Karawane oder Prozession „bartloser Gesellen“.

Die Tradition der Kirche setzt von Anfang an den Evangelisten Johannes mit dem Jünger gleich, dem Jesus besonders zugetan war – so vertraute er ihm unter dem Kreuz seine Mutter an und dieser den Johannes als Ziehsohn.

Umgekehrt hat sicher auch der hl. Johannes Jesus sehr geliebt, denn im Tagesevangelium heißt es über die Ereignisse nach der Grablegung Christi: sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Der andere Jünger, Johannes, war nicht schneller, weil er etwa kleiner, leichter oder kräftiger gewesen wäre als der hl. Petrus, sondern weil ihn die Liebe vorantrieb. Eine ähnliche Situation wie beim wundersamen Fischzug, als der Jünger, den Jesus liebte, dem Herrn zuerst erkennt, woraufhin Petrus einfach ins Wasser springt und auf dem kürzesten Weg zum am Ufer stehenden Herrn hinschwimmt. Hier geht es nicht um Sportlichkeit, sondern um das Maß der Liebe.

Der hl. Johannes, der auch im irdischen Leben Christi Gefährte war, hat der Kirche als Lehrer und Bischof gedient, und er hat uns die wundervollen Worte seines Evangeliums geschenkt, dessen Herrlichkeit sich dem liebenden Herzen von Jahr zu Jahr immer mehr erschließt: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

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Bild: Kreuzigung Christi mit der hl. Jungfrau und dem hl. Johannes dem Evangelisten, Naddo Ceccarelli

Montag, 26. Dezember 2011

Zwei zu eins, oder…?


Mit der Ankündigung der Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin und ihrer womöglich bevorstehenden Heiligsprechung ist es ein wenig wie mit einer Fata Morgana: sie taucht immer wieder einmal am Horizont auf und keiner weiß so recht, von woher diese Erscheinung widergespiegelt wird.

Zunächst einmal kann man sich darüber wundern, wieso die Erhebung zur Kirchenlehrerin meist in einem Atemzug mit einer etwa noch ausstehenden Kanonisation erwähnt wird. Wozu bitte sollte das letzere denn gut sein? Es ist ja nicht so, daß, wie es der Pfarrer in einer Predigt einmal bildlich so nett ausedrückt hat, als wenn die Kirche, indem sie jemanden seligspricht, einen Schlüssel herausholt, und dann wird derjenige in den Himmel eingelassen.

Die Kirche bringt durch den Akt der Kanonisation nur ihren Glauben daran zum Ausdruck, was bereits ist, daß der oder die Heilige sich in der ewigen Vollendung bei Gott befindet. Bei Hildegard gibt die Kirche ihrem Glauben daran, daß es so ist, schon erheblich lange Zeit Ausdruck und verehrt die Heilige deshalb in der Liturgie: so steht Hildegard im Martyrologium Romanum wie auch im Meßbuch und im Stundenbuch der Kirche am 17. September. Was sollte an diesen Tatsachen eine „formelle“ Heiligsprechung also ändern?



Von Hildegards umfassendem Werk spricht mich die wunderbare Musik am meisten an. Hier kann man etwa in O dulcis divinitas aus dem Ordo virtutum hineinhören (bitte nicht auf die Waldfee achten, es geht nur um die Musik). Ob man die Heilige wegen ihres vielseitigen und umfassenden Werkes auch zur Kirchenlehrerin erheben möchte, würde ich allerdings viel lieber von der Kirche hören als aus anderen Kanälen, die scheints das Wasser nicht halten können. Vor allem kann ich es in aller Ruhe abwarten.

Das einzige was mir dazu spontan eingefallen ist, ist, daß unter den dann vier Kirchenlehrerinnen mit der Erhebung Hildegards ein gewisser Gleichstand herrschte, denn bisher liegt die Mannschaft der Karmelitinnen ja mit zwei zu eins vorn.

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Die Bilder im Artikel stammen aus ihrem Werk Scivias (Meister des Hildegardis-Codex), von denen ein Exemplar aus dem Jahr 1165, dem Gründungsjahr des Klosters Eibingen, stammt. Leider ist das Original seit den 30er Jahren, als man die Nonnen im Weltkrieg aus dem Kloster vertrieben hatte, verschollen; es nur noch in einer detailgetreuen Kopie vorhanden. Das Bild oben in der Ecke stellt das Weltall dar (erster Teil der dritten Vision), die anderen die Niederschrift der Visionen und die Erschaffung der Welt.

O hai Mary…


Engel Gabriel bringt Maria die Info der Schwangerschaft: Kind ist Gottes Sohn. Auch Elisabeth wird schwanger. Gott kann alles. Maria glaubt ihm. (Lk 1,26-38)

Quelle: Und Gott chillte. Die Bibel in Kurznachrichten, Edition Chrismon

Ein Zufallsfund. Also, manchmal frage ich mich schon, ob Versuche, immer neue und scheinbar zeitgemäßere Formen der Verkündigung zu finden, immer so ganz glücklich geraten sind? Soll man sich das jetzt als SMS zutexten oder wie ist das gedacht?[1] Ich hoffe, irgendjemand kann damit etwas anfangen, denn ich jedenfalls kann es nicht. Das Problem mit diesen ganzen niederschwelligen Angeboten ist, glaub, ich, daß vor lauter Niederschwelligkeit dann irgendwann das Niveau doch sehr flach ist… Hier das Bild, das mir dazu spontan in den Sinn kam.
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[1] Eine kurze Recherche ergab grade: ja so ist es gedacht. Auch Luther sei ja ein Anliegen gewesen, den Menschen die Bibel in einer zeitgemäßen, leicht verständlichen Sprache näherzubringen. Mag sein – auf die Schönheit und den Glanz der Sprache hat er trotzdem Rücksicht genommen. Man lese sich nur einmal den Anfang des Weihnachtsevangeliums in seiner Übersetzung durch.

Die Waffe der Liebe – Martyrium des hl. Stephanus


Gestern wurde der Herr auf Erden geboren, damit Stephanus heute für den Himmel geboren wird. (Responsorium zum Fest des hl. Stephanus)

Gestern weiß, heute blutrot. Gestern Inzens der Krippe, heute der gefühlte Karfreitag, wenn wir genau dieselbe klagende Antiphon zum Antwortpsalm singen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!

Schaut man auf die Nachrichten aus Nigeria, so möchte man sagen: und noch immer steinigen sie einander.

Christus ist Mensch geworden, und durch Christus fällt auf den Menschen etwas vom göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi. Dieser göttlichen Glanz offenbart sich dem hl. Stephanus ein weiteres Mal bei seinem Martyrium, wenn er ausruft: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

In dem Bericht des Martyriums des hl. Diakons Stephanus in der Apostelgeschichte heißt es, daß die Zeugen ihre Kleider zu Füßen eines Mannes niederlegten, der Saulus hieß. Diesen kennen wir gut: als Paulus kann er zwar niemals ganz vergessen, was er einmal war, aber auch nicht, was die Gnade Gottes aus ihm gemacht hat.

Der hl. Bischof Fulgentius von Ruspe schlägt in der Matutin den Bogen vom Weihnachtsfest zum ersten Märtyrer Stephanus – es ist die Erwiderung der Liebe, die Gott uns erwiesen hat, indem er Mensch wurde, lebte und litt wie wir, und die den Menschen zur Teilnahme an der göttlichen Natur führt.
Die Liebe, die Christus den Herrn vom Himmel auf die Erde geführt hat, hob den Stephanus von der Erde zum Himmel empor. Die Liebe, die zuerst im König erschien, leuchtete danach auf in seinem Streiter.

Um den Kranz zu gewinnen, von dem er den Namen trug, nahm Stephanus die Liebe als Waffe und siegte durch sie überall. Aus Liebe zu Gott wich er nicht vor den wütenden Juden, aus Liebe zum Nächsten betete er für sie, als sie ihn steinigten. Aus Liebe stritt er mit den Irrenden, um sie zur Wahrheit zu führen, aus Liebe betete er für die, welche ihn steinigten, damit sie der Strafe entgingen.

In der Kraft der Liebe besiegte er den grausam wütenden Saulus, und der ihn auf Erden verfolgte, durfte im Himmel sein Freund werden. Siehe, nun freut sich Paulus mit Stephanus, genießt mit ihm die Herrlichkeit Christi, jubelt und herrscht mit ihm. Getötet durch die Steine des Paulus schritt Stephanus zum Himmel voraus; Paulus folgte, sein Helfer war das Gebet des Stephanus.

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Bild: Steinigung des hl. Stephanus, Detail des Bayernfensters im Kölner Dom

Sonntag, 25. Dezember 2011

Ehre sei Gott in der Höhe


Diese Adoratio stammt aus der sogenannten (künstlerischen) Schule von Cuzco. Ein nettes Detail ist dabei der Esel, der noch mehr Blumen dabei hat, die er dem Jesuskind zu Füßen legen will. Einen Engel mit solch rasanten blauen Stiefeln hab ich auch noch nicht gesehen.

Samstag, 24. Dezember 2011

Ecce completa sunt – Vigil von Weihnachten

Ecce completa sunt *
omnia, quae dicta sunt per angelum de Virgine Maria –

Nun hat sich alles erfüllt,
was der Engel der Jungfrau Maria gesagt hat.
(Antiphon zum Benedictus am 24. Dezember)


Was ich besonders schön finde, ist, mich vor Beginn der Christmette – vor der bei uns traditionell das Martyrologium gesungen wird – nochmal ganz in die Stille des Gebets in der anbrechenden Nacht zurückzuziehen, und dann zur Christmette zu gehen.

Eigentlich ist das Martyrologium selbst auch eine ganz wunderbare Hinführung zum Wunder der Menschwerdung:

Milliarden Jahre waren vergangen, seit Gott im Anfang Himmel und Erde geschaffen,
Millionen Jahre, seit er den Menschen gebildet,
Jahrtausende seit der großen Flut.

Zweitausend Jahre waren vergangen seit der Berufung Abrahams,
Eintausendfünfhundert Jahre, seit Mose das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt,
tausend Jahre seit der Salbung Davids zum König.

In der 65. Jahrwoche nach der Weissagung Daniels,
in der 194. Olympiade,
752 Jahre nach Gründung der Stadt Rom,
im 42. Regierungsjahr des Kaisers Octavianus Augustus,
als auf dem ganzen Erdkreis Friede war,
im sechsten Zeitalter der Welt,
vor zweitausend Jahren:

Da wollte Jesus Christus, ewiger Gott und Sohn des ewigen Vaters,
Gott von Gott und Licht vom Licht,
die Welt heiligen durch seine liebevolle Ankunft.

Durch den Heiligen Geist empfangen
und nach neun Monaten von Maria der Jungfrau
zu Bethlehem in Juda geboren, wird er Mensch.

Er, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Heute feiern wir den Tag seiner Geburt, das hochheilige Weihnachtsfest.
Heute singen wir mit allen, die glauben:
Christus ist uns geboren: Kommt, wir beten ihn an.

Allen Lesern dieses Blogs und allen, die vielleicht zufällig vorbeikommen, wünsche ich ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest.

Freitag, 23. Dezember 2011

O Immanuel


O Immanuel,
unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes. 7, 14)
Die Antiphon O Immanuel nennt den Messias den Fürsten und Lehrer Israels, und doch kommt mir dabei in jedem Jahr das Bild des neugeborenen Kindes in der Krippe vor Augen, dem die Könige, die einen so weiten Weg zurücklegen, huldigen werden. Vielleicht, weil die Antiphon am Tag vor der Vigil des Weihnachtsfestes dem Ruf Komm noch das drängende eile hinzufügt – Maria und Josef sind schon fast in Bethlehem – wahrscheinlich aber wegen der wunderbaren Gegensätzlichkeit, die in diesem Bild liegt und die in dem fleischgewordenen Wort offenbar wird.

Brehms Tierleben mal wieder…

Beim Ansehen von Bildern findet man immer wieder mal nette Details, wie etwa hier auf dieser Darstellung der Geburt Christi aus dem Alban-Psalter.

Nachts, irgendwo unter den Dächern von Bethlehem…

…im Detail – es ist einfach zu schön. Das Jesuskind
wirkt allerdings etwas verdutzt  (wie auch die Geste,
mit der sich der hl. Josef den Bart krault…)

Donnerstag, 22. Dezember 2011

O König aller Völker


O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlußstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. (Jes. 9, 5-6)

Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. (Ps. 118,22)

Die Antiphon O König stellt uns Christus als den Ersehnten vor Augen, dessen Kommen die Menschen durch die Zeiten hindurch voll Hoffnung erwartet haben: ihre Erwartung und Sehnsucht. Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet – eine Reminiszenz daran, wie lange diese tiefe Sehnsucht schon ihrer Erfüllung harrt.

Aus allen Völkern ist die Kirche gebildet, deren Schlußstein Christus ist. Ein seltsamer König mag das sein, der mitten in der Nacht in einem windigen Stall geboren wird, ein seltsamer König, der auf einem Esel in Jerusalem einzieht, der eines Tages vor Pilatus stehen wird und sagt: du sagst es, ich bin ein König. Das aber ist die genau die verdrehte Logik des Himmels, das göttliche und so wunderbare Paradoxon: die letzten, die die ersten sein werden, der Herr der Welt, der in eine armselige Futterkrippe gelegt wird, das Kreuz, das ein Thron ist, von dem Gott, wie es im Hymnus heißt, alle Nation regiert. Ein König, den man in Wahrheit und zu Recht Fürst des Friedens nennt.

Die adventliche kleine hl. Therese

Ich brauche ein Herz
das in zärtlicher Liebe brennt,
das mir Halt verleiht
und nie zurückweicht.
Und das alles in mir liebt,
ja selbst meine Schwächen
und weder bei Tag
noch in der Nacht mich verläßt.
Kein sterbliches Geschöpf
das immer mich liebt,
konnte ich finden.
So brauche ich einen Gott,
der Mensch wird, mein Bruder wird
und leiden kann.

(Therese von Lisieux, Gedichte 23,4)

Therese hat als erstes Prädikat ihres Ordensnamens vom Kinde Jesus gewählt, später fügte sie diesem noch und vom heiligen Antlitz hinzu – beide beziehen sich ganz unmittelbar auf die Menschwerdung Christi.

Die Adventszeit dauert jetzt nur mehr dreieinhalb Wochen…

Manchmal weiß man einfach nicht, was man sagen soll – daß um uns herum der Weihnachtswahnsinn um sich greift, ist eine Sache, daß es in der eigenen Kathedralkirche nun auch zu passieren scheint, eine andere. Es ist schon klar, daß man an bestimmte Umstände Konzessionen machen muß und daß man mit einer dünnen Personaldecke nicht alles bis zur letzten Minute lassen kann, ist halt auch so. Andererseits, früher ging es doch auch und es gibt auch noch die Ehrenamtlichen, die sicher gern mit anfassen, wenn man sie recht freundlich darum bittet. (Wer allerdings nicht bittet, dem wird unter Umständen auch nicht geholfen.)

Daß in vergangenen Jahren unser großer Adventskranz schon am Tag vor Heiligabend heruntergeholt wurde, obwohl die Kathedrale am Heiligen Abend eigens eine Zeitlang geschlossen wird, habe ich wie andere mit einem schlichten Grumpf! quittiert. Manches, wie der Weihnachtsbaum und die Krippe, kommt schon Tage vorher (siehe oben, am Heiligen Abend haben sicher alle viel zu tun).

Gestern abend allerdings dachte ich, mich laust der Affe. Mitten beim Antwortpsalm hatte ich auf einmal das Gefühl, komisch, irgendwas ist ganz anders als gestern (und es ist nicht das grelle Licht, mit dem in der Oberkirche die Orchesterplätze von oben angestrahlt werden, warum eigentlich jetzt schon?). Da hat man offenbar Anfang der Woche den großen Adventskranz bereits heruntergeholt, weshalb er jetzt nimmer da ist. Zuerst wollte ich es gar nicht glauben und hab daher mehrmals hingesehen, aber der Kranz blieb verschwunden. Wir erinnern uns, Heilig Abend ist erst am Samstag und der Advent hat in diesem Jahr somit fast volle vier Wochen. Mitten in der großen Vigil vor Weihnachten, in der die Erwartung und Sehnsucht aller Völker in den täglichen drängenden Ruf Komm! mündet, schafft man den Adventskranz, der ebenfalls ein Symbol dieser freudigen Erwartung ist, still beiseite und räumt schon mal ein wenig auf.

Siehe den Beginn des Beitrags: manchmal weiß man einfach nicht, was man (noch) sagen soll. Grade überlege ich, ob es Sinn hätte, erstmals in meinem Leben einen betroffenen Brief oder eine E-Mail zu schreiben? Ich bin halt traurig über die Botschaft, die von einem solchen Zeichen ausgeht: die Liturgie der Kirche ist uns ganz egal, wir wollen hier fertig werden! Vielleicht hängen wir nächstes Jahr gleich einen Kranz mit dreieinhalb Kerzen auf, das spart dann auch Kerzenwachs.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

O Morgenstern


O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. (Jes. 9,1)

Ich frage mich ob es Zufall oder glückliche Fügung ist, daß die Antiphon O Morgenstern am dunkelsten Tag des Jahres gesungen wird, zu einem Zeitpunkt, an dem buchstäblich die Nacht des Jahres vorgedrungen und der Tag nicht mehr fern ist.

Auch das Bild des Morgensterns verbindet die sehnsüchtige Erwartung des Advents mit der Liturgie der Osternacht, in der in dem wundervollen Lobgesang auf die Osterkerze das gläubige Vertrauen auf die zweite Ankunft des Erlösers besungen wird: Geweiht zum Ruhm deines Namens leuchte die Kerze fort, um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben. Nimm sie an als lieblich duftendes Opfer, vermähle ihr Licht mit den Lichtern am Himmel. Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: dein Sohn, unser Herr Jesus Christus.

Das Erscheinen des Morgensterns am Himmel kündet davon, daß der Aufgang der Sonne unmittelbar bevorsteht; der Aufgang der Sonne ist die Geburt des Erlösers. Wie die Sonne Licht und Leben schenkt, so vertreibt Christus die Dunkelheit, auch die unseres Herzens, und schenkt uns das ewige Leben.
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Bild: Sonnenaufgang über den heimischen Dächern

Warme Füße sind was Tolles

Zwischendurch: letzten Freitag hatte ich ein echtes Aha-Erlebnis. – Irgendwann beim letzten Tragen im Frühjahr ist mir am linken Winterstiefelchen vom Reißverschluß das abgegangen, womit man den Reißverschlußschlitten (was für ein Wort!) zieht. Gottseidank hatte ich den Stiefel zu diesem Zeitpunkt schon halb ausgezogen, sonst hätte ich es wahrscheinlich nur noch unter Zuhilfenahme eines Hausmeisters oder Feuerwehrmannes zuwege gebracht.

Wer mag im Sommer schon Stiefel kaufen – obwohl man das nach übereinstimmender Aussage von Schuhverkäuferinnen, die es wissen müssen, unbedingt tun soll, im Herbst sei es viel zu spät –, also hab ich den kaputten Stiefel erstmal ins intellektuelle Nirwana abgeschoben. Außerdem wähnte ich noch ein altes Paar Reserveschuhe im Schrank. Daß sich dieses bei genauer Inaugenscheinnahme als komplett unbrauchbar herausstellte, weil beide Sohlen hinüber sind, ließ mich mit meditativen Betrachtungen darüber, für was ich es wohl sieben Jahre lang aufgehoben habe und mit Gedanken, die ansonsten zu tief sind, um ausgedrückt zu werden, zurück. Ich nehme an, dieses Paar Stiefel hat die letzten Jahre im selben intellektuellen Nirwana verbracht, in dem sich auch so Dinge wie Kleidungsstücke, die man seit Jahren sucht, und der verschollene Heilige Gral befinden müssen.

Dies alles brachte mich aber keinen Schritt weiter, denn es war kalt und ich hatte mir vermutlich wegen unzureichender Fußbekleidung schon eine überaus nette Bronchitis geholt, die mich um Gaudete herum dann doch ziemlich beeinträchtigt hat.[1] Vom Krankenbett erhoben, guckte ich zuerst mal, ob nicht vielleicht neue Stiefel das Mittel der Wahl wären, doch ach!, neue Stiefel sind teuer und zur Zeit außerdem auch noch häßlich. Vielleicht werden sie demnächst heruntergesetzt (was sie aber auch nicht schöner macht…). Wiederum sieht das alte Paar, obwohl es über sieben Jahre alt ist, eigentlich noch ganz gut und viel hübscher aus.

Also schritt ich zur Ausführung des Planes B, den Reißverschluß instandsetzen zu lassen, konnte mich aber nicht zwischen Schuster und Schlosser entscheiden[2], weshalb es schließlich das Zwischending wurde: Schlüsseldienst mit angeschlossener Schusterwerkstatt (oder andersherum). Nachdem einer der beiden netten älteren Herren dort mein Problem verstanden hatte, hat er mir für simple 2,75 Euronen einen sogenannten Zipper überreicht. Sowas gibt es fertig zu kaufen, und man kann es sogar ohne Zange anstelle des alten befestigen. Falls also nochmal jemand ein solches Problem haben sollte, das ist eine prima Lösung. Komisch, eigentlich kenn ich mich mit Handarbeiten und Kurzwaren ganz gut aus, aber daß sowas existiert, war mir ganz neu. Außerdem hab ich mir noch neue Hausschuhe bei Tchibo erstanden (mit Bommeln, das finden die Katzen toll). Jedenfalls hab ich jetzt seit Tagen warme Füße und bin einfach nur dankbar dafür.
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[1] Zu Nikolaus hatte ich dann aber doch was im Schuh. Laut Küster hat es ein türkisch aussehender Herr, wahrscheinlich ein Bischof, vorbeigebracht…


[2] Es wäre auch noch der Gold- und Silberschmied meines Vertrauens in Frage gekommen. Dem wollte ich aber nicht mit meinem gut getragenen Schuh kommen.

Die Tür des Kreuzes – die sel. Kateri Tekakwitha wird heiliggesprochen


Am 19. Dezember hat Papst Benedikt die Anerkennung eines Wunders bekanntgegeben, das der Anrufung der seligen Kateri Tekakwitha zugeschrieben wird. Damit ist mit der baldigen Heiligsprechung einer jungen Frau zu rechnen, die der Ausbreitung und Mission der Kirche in Nordamerika mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens diente.

Die sel. Kateri Tekakwitha, die man wegen ihres jungfräulichen Lebens auch „die Lilie der Mohawk“ nennt, ist ihrem Glauben unter großen Opfern und Entbehrungen gefolgt. Beschäftigt man sich mit der Geschichte ihres kurzen Lebens, kann man kaum glauben, daß sie als Folge einer Pockenerkrankung, die sie als einzige ihrer Familie überlebte, fast blind und von Narben entstellt war. Ihr Name bedeutet übersetzt so etwas wie „die überall anstößt“.

Kateri lebte als Jungfrau in der Welt, ohne je die Möglichkeit gehabt zu haben, die Weihe zu empfangen. Als sie in der Nähe des Wohnorts ihres Onkels und ihrer Tante Missionaren begegnete, die zum Orden der Jesuiten gehörten, wurde sie neugierig und begann sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Als unmittelbare Folge davon schlugen die unguten Gefühle, die ihr Onkel ihr bis dahin schon entgegengebracht hatte, in Haß um, denn er verabscheute die Christen. Zu Ostern 1676 empfing Kateri die Taufe und etwa drei Jahre später, am Fest der Verkündigung des Herrn 1679, versprach sie durch ein privates Gelübde immerwährende Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen.

Um vor den Verfolgungen und dem Haß ihrer von ihrem Onkel aufgestachelten Verwandten sicher zu sein und ihren Glauben leben zu können, nahm sie eine Flucht von mehr als 200 Meilen zu Fuß durch die Wildnis der nordamerikanischen Wälder auf sich. In der Siedlung Sault-Sainte-Marie, in der Jesuiten-Missionare wirkten, gab sie katechetischen Unterricht, pflegte Alte und Kranke und verbrachte daneben viel Zeit in der Anbetung vor dem Kreuz und dem Allerheiligsten. Da Priester in der Siedlung lebten, hatte sie die schöne Möglichkeit des täglichen Meßbesuchs.

Durch ihr entbehrungsreiches Leben, und da sie sich nicht schonte, sondern sogar etliches an Askese auferlegte, gab sie schon mit vierundzwanzig Jahren ihre Seele Gott zurück. Daß man sie als die schönste Blume, die je unter den Indianern erblühte bezeichnete, wie auf ihrem Grabmal geschrieben steht, hat sicherlich mit ihren außerordentlichen Gaben zu tun – sie wird als sehr sanft und gütig beschrieben. Es wird aber auch berichtet, daß die Pockennarben, die sie zeitlebens entstellten, in der Stunde ihres Todes vollkommen verschwanden.

Auf Kateri Tekakwitha, die eine große Liebe zum hl. Kreuz auszeichnete, trifft sicherlich das zu, was wir vor einigen Tagen in der Lesung vom hl. Johannes vom Kreuz gehört haben:

Die heiligen Lehrer und die liebenden Seelen der Kirche haben viele Geheimnisse und Wunder in diesem Leben entdeckt. Aber immer noch bleibt der größte Teil zu verkünden und vor allen Dingen zu verstehen.

Deshalb müssen wir in Christus tief schürfen wie in einem reichen Bergwerk, das viele Lager von Schätzen enthält. Wenn einer dort noch so tief gräbt, findet er niemals Ende und Grenze. Ja in der Schicht entdeckt er rechts und links immer neue Adern mit neuem Reichtum. Darum sagt der Apostel Paulus von Christus
In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. In diese Reichtümer kann keiner eindringen, und keiner vermag bis zu ihnen zu gelangen, der sich nicht zuvor durch einen Berg der Mühsale durchgearbeitet und unter inneren und äußeren Leiden eindringt, wenn er nicht zuvor von Gott die Gaben des Verstehens und Fühlens erhält und sich vorher lange im geistlichen Leben übt.

Das alles sind nur untergeordnete Voraussetzungen, um zu der geheimen und hohen Erkenntnis Christi und seiner Geheimnisse zu gelangen, der Erkenntnis, die von allem die höchste Weisheit ist, die wir in diesem Leben erreichen können. Wenn doch endlich alle Menschen erkennen wollten, daß es unmöglich ist, zur Fülle des Reichtums und der Weisheit Gottes zu gelangen, außer durch die Mühe vielfältigen Leidens, wobei die Seele ihre Sehnsucht und das Verlangen nach Trost zurückstellt. Die Seele, die nach dieser göttlichen Weisheit verlangt, begehrt ernstlich, zuerst in die Beschwernisse des Kreuzes einzutreten. …


Das Kreuz ist die Tür, durch die wir zu diesen Reichtümern der Weisheit Gottes eingehen können. Die Tür aber ist eng. Viele wünschen sich die Freude, zu der man durch diese Tür gelangt. Aber wenigen ist das Verlangen eigen, durch die Tür des Kreuzes einzutreten.
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kleines Bild: Grab der Seligen in der Kirche des hl. Franz Xaver in Kahnawake im kanadischen Quebec. Es wird auch durch die Bilder deutlich, welch große Verehrung die kleine Selige dort genießt.

Dienstag, 20. Dezember 2011

O Schlüssel Davids


O Schlüssel Davids,
und Zepter des Hauses Israel –
Du öffnest, und niemand kann schließen.
Du schließest, und keine Macht vermag wieder zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!

Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter. Wenn er öffnet, kann niemand schließen; wenn er schließt, kann niemand öffnen. Ich schlage ihn an einer festen Stelle als Pflock ein; er wird in seinem Vaterhaus den Ehrenplatz einnehmen. (Jes 22, 22-23)

Du öffnest und niemand kann schließen, du schließest und niemand vermag wieder zu öffnen – was für ein unvergleichliches Bild für Christus, den Erlöser! Es erinnert an die Schlüsselgewalt, die dem Petrus übertragen wurde – was ihr bindet, wird auch im Himmel gebunden sein – und noch viel machtvoller an das, was Christus für uns getan hat und in den Sakramenten immer noch tut, jeden Tag aufs neue: er löst die Ketten derer, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Wer schon einmal eine schwere Schuld gebeichtet hat, weiß, was das für einen Menschen bedeutet.

Das Bild zeigt das Hinabsteigen Christi in die Unterwelt nach seiner Kreuzigung. Unter dem Zeichen seines Leidens, das er wie ein Prozessionskreuz oder den Hirtenstab hält, öffnet er die Tore der Unterwelt auf immer und führt die heraus, die durch die Zeiten hindurch sehnsüchtig das Kommen des Messias erwartet haben. Der Schlüssel Davids ist ein Symbol ungeheurer Macht. Unter all den wunderbaren O-Antiphonen ist mir diese die liebste, vielleicht weil sie so wunderbar ausdrückt, was Christus für uns getan hat, indem er Mensch wurde.

Hagebutten


Mir war grad so – das Bild sieht so adventlich aus.

Montag, 19. Dezember 2011

O Sproß aus Isais Wurzel


O Sproß aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker –
vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht … Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Sproß aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. (Jes. 11, 1, 9-10)

Viele Darstellungen aus der christlichen Ikonographie zeigen am Fuße der Wurzel Jesse (Isais Wurzel) den liegenden Isai, dem ein mächtiger, weitverzweigter Baum entsprießt. Auf dem Kirchenfenster oben umfaßt er ihn und scheint über dieses Wunder nachzusinnen. Isai war der Vater König Davids, dessen Geschlecht Maria und somit Christus entstammen. Das Zeichen, das dasteht für die Nationen, zu dem Menschen aus allen Völkern und Zeiten kommen werden, ist die Menschwerdung Christi, die Geburt eines Kindes, ein Leben, das ihn zu seinem Tod am Baum des Kreuzes hinführt: Heilig Kreuz, du Baum der Treue, edler Baum, dem keiner gleicht. Vor diesem Kind, vor diesem Zeichen, verstummen die Herrscher der Erde, zu ihm flehen die Völker: komm!

Sonntag, 18. Dezember 2011

4. Adventssonntag – die Erde tue sich auf und sprosse den Heiland hervor


Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!
Die Erde tue sich auf und sprosse den Heiland hervor.

Wunderschöne Verse aus der Liturgie des heutigen Tages und zugleich wundervolle Bilder der Jungfrauengeburt. Der wunderbare Hymnus Veni redemptor gentium verwendet dieses Bild der Geburt aus einer Jungfrau und des Hervorsprossens ebenfalls:
Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.
Irgendwie verbindet uns das Bild des fallenden Regens und die Geburt des Heilandes, den die Erde hervorbringt, auch mit der Liturgie der Osternacht, in deren langen Prophetien wir alljährlich aus dem Buch Jesaja hören:
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
Dieses fleischgewordene Wort, das all das erreicht, wozu ich es ausgesandt habe, ist Christus selbst.

In seiner bemerkenswerten Predigt zum 4. Adventssonntag im letzten Jahr hat der Pfarrer die Frage aufgeworfen, warum in unserer Zeit genau der emanzipierteste Moment der Weltgeschichte, eine Frau empfängt geistig – ohne Zutun eines Mannes –, in seiner theologischen Relevanz nicht gesehen werde. Ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Zugleich verwies er zu Recht darauf, daß es sich bei der Lehre der Jungfrauengeburt nicht etwa um eine katholische Sonderlehre handle, sondern um etwas, das die überragende Mehrheit der Weltbevölkerung und auch der in dieser Stadt Berlin lebenden Menschen fest zu glauben haben. Paff! Also deutlicher kann man es nicht sagen.

Wir bekennen im Glaubensbekenntnis, daß Gottes Sohn Fleisch angenommen hat durch das Wirken des Heiligen Geistes in Maria, der Jungfrau. Daran gibt es nichts herumzudeuteln, auch nimmt man durch solches dem Wunder der Menschwerdung von seiner Herrlichkeit und seinem Mysterium: Darob staune, was da lebt, also will Gott werden Mensch.

O Adonai


O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. (Jes. 11, 4-5)
Die O-Antiphon des 18. Dezembers führt uns an einen Ort der unmittelbaren Gottesbegegnung, an den Ort, an dem er sich Mose gezeigt und offenbart hat: in den roten Flammen des Dornbuschs. Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mich erinnert dieses Bild an die Liebe Christi, die brennt wie eine Flamme und sich doch niemals verzehrt und die Farbe der Flammen – in igne flammae rubi apparuisti – an die des kostbaren Blutes.

Bei der Übertragung der Antiphon komm und befreie uns mit deinem starken Arm geht leider ein Bedeutungsgehalt verloren. Im Original steht da: veni ad redimendum nos in brachio extento – mit deinem ausgestreckten Arm. Ein deutlicher Bezug zu dem Ort, an dem das fleischgewordene Wort tatsächlich die mit seinen ausgestreckten Armen befreit hat, die dessen so sehr bedürfen: das Kreuz.

Samstag, 17. Dezember 2011

Rosenfarbene Gewänder

Als ich auch in diesem Jahr vor Gaudete (übrigens direkt unterm Adventskranz, „mit ohne rosa Kerze“, wie überaus passend) den Spruch von den rosa Gewändern gehört habe, die man auf keinen Fall auslegen bzw. anziehen wolle, weil sich diejenigen darin zu tuntig[1] vorkämen, hab ich mir meinen Teil gedacht und schritt von dannen.

In der christlichen Ikonographie sehen wir Christus oder auch Gottvater oftmals und ganz unbefangen in rosa bzw. altrosa Gewändern dargestellt, wie hier oder dort. Warum? Der Grund dafür ist, wie ich in einem Beitrag zum Sonntag Laetare unter Verweis auf Fr. Longenecker schon einmal ausgeführt habe, daß solche Gewänder – das heißt Gewänder, die auf diese Art gefärbt wurden – als ganz besonders kostbar galten (man brauchte ziemlich viele Murexschnecken, um diesen Farbstoff herzustellen; etwa zwölftausend für anderthalb Gramm, um genau zu sein). Aus diesem Grunde trug der Hohepriester im Jerusalemer Tempel rosenfarbene Gewänder, was einen direkten Bezug zu Christus, dem Hohenpriester des neuen Bundes, herstellt und so eben auch zum geweihten Priestertum an sich: du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.

Zwar sind rosa Gewänder nur eine Option, man kann auch Violett tragen, warum aber schöne alte Traditionen einfach fallen lassen? Es sind genau zwei Tage im Jahr, an denen man rosa Gewänder tragen kann, warum also nicht, zumal die liturgische Herleitung sehr schön ist? (Es gibt übrigens auch wunderschöne Rosatöne, falls sich da grad jemand schüttelt.) Wenn eine arme Gemeinde sich kein Meßgewand für zwei Sonntage im Kirchenjahr anschaffen möchte, kann ich das verstehen, manchmal kann man sich allerdings auch etwas borgen. Schade ist allerdings, wenn man rosa Gewänder hat und sie nicht nutzt[2]. Am hiesigen Hause ist das verbliebene rosa Gewand leider anscheinend mittlerweile buchstäblich untragbar geworden. Wirklich schade.
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[1] Tuntigkeit, soviel weiß sogar ich, macht sich übrigens nicht an rosa Gewändern fest.
[2] Als wenn das zerknitterte violette Polysonstwas-Gewand aus Ostzeiten nun soviel schöner wäre… Eigentlich müßte hinter einem Zelebranten, der dieses Gewand trägt, ständig ein Ministrant mit einem Bügeleisen herlaufen.

O Weisheit


O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –
die Welt umspannst du von einem Ende zum anderen,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. (Jes. 11,1-3)

Die Zeit des Advents und die uralte messianische Anrufung O Weisheit erinnern daran, daß einer der Ehrentitel der Gottesmutter Sedes sapientiae lautet – Sitz der Weisheit. Buchstäblich hat sie dem eine Wohnstatt, einen Sitz geboten, der gekommen ist, die Menschheit zu erlösen, der noch ganz klein, verborgen und unerkannt ist. Durch die Botschaft des Engels geht er hervor aus dem Munde des Höchsten und wird Mensch.

Auf diesem Kind wird sich eben jener Geist des Herrn niederlassen, der auch der Geist der Weisheit ist. Daß der Prophet die Gottesfurcht zweimal erwähnt, indem er bedächtig wiederholt: Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht, hat vielleicht seine Ursache darin, daß sie der Anfang der Weisheit ist.

Aus dem Reis, der aus dem Baumstumpf Isias hervorwächst, wird einmal der Baum des Kreuzes, der Frucht bringt für alle Welt.

Bild des Tages: O(h) schau mal!


Inmitten dieser Initiale O in einem alten Stundenbuch sieht man den heilgen Schöpfer aller Stern direkt bei der Arbeit. Ich nehme an, sein Gewand hat er so sterntalermäßig ausgebreitet, falls doch mal einer runterfällt. Nett ist auch der Gestus, mit dem er den Stern oben in Betrieb nimmt: Plink!

Freitag, 16. Dezember 2011

Schnee!



Spät kommt er, doch er kommt, der Schnee – bzw. seit grad eben ist er da.[1] (Letztes Jahr bin ich am Barbaratag über eine dicht verschneite Wiese gestapft. Nun ja, Barbara im Klee, Christkind im Schnee, heißt die entsprechende Bauernregel – hoffentlich stimmts. Da, wo ich herkomme, aus dem Mittelgebirge, kann man die Uhr danach stellen, daß es in jedem Jahr zwischen dem 4. und dem 14. November schneit).

Zur Feier des Tages hier zwei regelrecht artifiziell wirkende rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen von Schneeflocken. Ob man nicht doch vielleicht eines Tages zwei gleiche fände, wenn man lange genug suchte? Oder, anders gefragt, wer hat die alle miteinander verglichen?

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[1] Keine Sorge, obs schneit oder nicht, die S-Bahn fährt so und so nicht.

Heute sollt ihr wissen, daß der Herr kommt – die O-Antiphonen

Der Ursprung der O-Antiphonen, die man auch große Antiphonen nennt, ist nicht bekannt, nur daß sie bereits von dem Gelehrten Anicius Manlius Severinus Boethius, der im 5. Jahrhundert lebte, erwähnt werden. Hier bringen Engel schon mal ein O in Stellung.


Ab dem 17. Dezember tritt die Kirche, die das Fest der Geburt des Erlösers erwartet, liturgisch in eine besondere Zeit ein. Von dem Hymnus Veni redemptor gentium (O Heiland aller Völker, komm) singen wir nun auch die Strophen Glanz strahlt von der Krippe auf und die Doxologie Gott, dem Vater Ehr und Preis. Der letzte Tag dieser großen Oktav ist der Vigiltag von Weihnachten, dem der unbekannte Illustrator eines Almanaches, der die Anfangsbuchstaben der O-Antiphonen bebildert hat, hier ein H für Hodie spendiert hat – heute. Heute wird er kommen. Daß dieses Kommen unmittelbar bevorsteht, davon künden die großen Antiphonen zum Magnifikat, die wir ab morgen wieder singen werden. Auf diese Weise hat das Fest der Geburt des Erlösers zwei Oktaven – eine vor und eine nach seiner Geburt.

O sapientia
O Adonai
O radix Jesse
O clavis David
O oriens
O  rex gentium
O Emmanuel
Hodie (Christus natus est)

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Fliegende Sterne…


Diese Dekoration des Grauens bezeichnet der Urheber als „traumhaft schön“ (was nur beweist, daß wir offenbar von sehr verschiedenen Dingen träumen…). Es ist natürlich möglich, daß der Alptraum gemeint war.

Die oben gezeigte ist übrigens noch nicht einmal die scheußlichste aller Farbkombinationen; die wechseln ständig, es gibt auch die Version in Komplementärfarben (grün-rot, lila-orange) und zeitweilig blinken die sechs Sterne noch im Takt zur Musik. Außenrum hängen die Arkaden voller Lichterketten (hier nur schemenhaft zu erkennen), die ebenfalls glitzern, tun und machen. Daß da noch keiner einen epileptischen Anfall hatte, wundert mich eigentlich. Liebe Leute, weniger ist manchmal unendlich viel mehr. Am besten geht man, wenn überhaupt, spät abends hin, dann hängen wenigstens die Sterne weiß, still und friedlich da und machen sonst nix. Irgendwie muß ich grad an Carpenters todkomischen Film[1] Dark Star denken, in dem sich abgehalfterte Astronauten die Zeit damit vertreiben, überflüssige Sterne einfach zu sprengen.
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[1] Der mit der sprechenden Bombe, die Phänomenologie lernen soll.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Der Aufstieg und die dunkle Nacht – Johannes vom Kreuz


Eines der wichtigsten Werke des hl. Johannes vom Kreuz, Der Aufstieg zum Berge Karmel, ist eigentlich eine Gebrauchsanweisung. Der Aufstieg zum Berge Karmel erklärt, „wie man die göttliche Vereinigung schnell erreichen kann“. Der hl. Johannes schrieb diese Anleitung, nachdem er wegen Querelen und Intrigen innerhalb des Ordens der Karmeliten neun Monate im Ordensgefängnis von Toledo gefangen war, unter unwürdigen Bedingungen. Es ist gut möglich, daß er die dunkle Nacht, von der er schreibt, gerade in dieser Zeit durchlebt hat.

Bevor Johannes vom Kreuz im Jahre 1567 die Priesterweihe empfing, war er Handwerker, Krankenpfleger und Zögling einer Jesuitenschule. Als Vierzehnjähriger pflegte er unheilbar Kranke und Geisteskranke. Inmitten dieses Leidens sehnte sich Johannes erstmals nach der Vereinigung der Seele mit Gott und dem Glück, das darin zu finden ist. 1563 trat er in den Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel ein, die ihn zum Studium nach Salamanca schickten. Durch seine Unterstützung der Reformbewegung der großen hl. Teresa – er war der erste männliche Ordensangehörige, der unter der Regel der unbeschuhten Karmeliten die Profeß ablegte, da er Teresas Überzeugung teilte, der Orden müsse zu einem Leben des Gebets zurückfinden – geriet er in Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens, die in seiner Entführung und Einkerkerung in Toledo gipfelten. Man sperrte ihn in eine Zelle, die knapp zwei mal drei Meter groß war, mit nur einem winzigen Fenster über Augenhöhe und ließ ihn dreimal in der Woche von anderen Mönchen schwer mißhandeln, bis ihm schließlich die Flucht nach Andalusien in das in der Einöde gelegene Kloster Kalvaria(!) gelang. Im Kerker von Toledo schrieb er unter anderem seine bekannte Dichtung Die dunkle Nacht, die er auf seiner Flucht (ganz klassisch, an zusammenflochtenen Decken durchs Fenster) mit sich nahm.

Vom Konvent von Kalvaria aus wurde Johannes vom Kreuz, nachdem er sich von den Folgen seiner Einkerkerung etwas erholt – und bei der Gelegenheit den Nonnen dort auf der Krankenstation seine Dichtungen vorgetragen – hatte, zu Neugründungen in Andalusien ausgesandt, zugleich diente er dem Orden als Beichtvater und geistlicher Begleiter, bis er 1591 wiederum ein Opfer der ordensinternen Auseinandersetzungen wurde, und man ihn beim Generalkapitel völlig überraschend all seiner Ämter enthob. Schwer krank starb er im selben Jahr im Kloster von Ubeda, auch nach seinem Tod noch lange als strenger Zuchtmeister verkannt. Eigentlich aber hat der hl. Johannes nur Christus allem anderen vorgezogen: A la tarde te examinarán en el amor; aprende a amar como Dios quiere ser amado y deja tu condición – Am Abend deines Lebens wirst du mit dem Maß der Liebe gemessen werden. Lerne, Gott so zu lieben, wie er geliebt werden möchte, und laß die Eigenliebe hinter dir.

André Frossard faßt den Aufstieg zum Berge Karmel des hl. Johannes vom Kreuz noch einmal in einer Zeichnung zusammen. Auf der rechten Seite des Weges sieht man die, die eine enge Vereinigung mit Gott gar nicht erst versuchen, weil sie zu sehr von anderen Dingen in Anspruch genommen sind. Links die, die sich auf den Weg machen, aber nicht ankommen – sieht man genau hin, bemerkt man auch, daß der Weg ins Nirgendwo führt, jedenfalls nicht auf den Gipfel des Berges. Da gibt es die, die auf halbem Wege stehen bleiben, solche, die nicht beständig weitergehen, sondern unterwegs ein Päuschen machen, und jene, die die schöne Aussicht genießen und alles andere darüber vergessen. Sie alle sind noch unterhalb der schwarzen Wolke, die sicherlich die dunkle Nacht der Seele symbolisieren soll. Durch diese Nacht muß aber hindurch, wer weiterkommen und den Gipfel erreichen will. In der Mitte die Seele, die unbeirrt, auch durch die dunkle Nacht hindurch, voranschreitet auf dem Weg zu Gott:
Um jene dunkle Nacht zu deuten, welche die Seele durchwandern muß, wenn sie zum Gotteslicht der vollkommenen Liebesvereinigung mit Gott gelangen will, – soweit solches natürlich hienieden überhaupt erreichbar ist, – sollte man freilich mehr Wissen und Erfahrung haben als ich… Es gibt so viele Seelen, welche den Pfad der Tugend betreten haben, die aber, sobald sie von Gott in jene dunkle Nacht eingeführt werden, durch die sie zur Vereinigung mit Gott gelangen sollen, nicht mehr weiterfinden. Die einen wollen dann nicht eingehen in jene dunkle Nacht oder sich nicht einführen lassen, die anderen finden sich nicht zurecht oder es fehlt ihnen an tüchtigen und erfahrenen Führern, die sie bis zum Gipfel des Berges leiten könnten… Es ist wohl richtig; Gott, der die Seelen führt, kann sie auch ohne ihr Zutun führen. Aber sie kommen weniger voran, da sie sich nicht führen lassen, sondern ihrem Führer widerstehen… Ja, es gibt Seelen, die anstatt sich Gott zu überlassen und sich von ihm helfen zu lassen, vielmehr ihm durch ihre unbesonnene Handlungsweise und ihr Widerstreben direkt entgegenarbeiten.
Hier führt der Heilige zudem aus, wieso es wichtig ist, sich geistlicher Führung anzuvertrauen. Der Aufstieg zum Berge Karmel wird als einzigartige Einführung ins geistliche Leben betrachtet, weil der Autor seinem eigenen Rat gefolgt ist, ihn gelebt hat. Bei dem Leben, das ihm beschieden war, hätte der hl. Johannes vom Kreuz verbittert und zynisch werden können, stattdessen wurde aus ihm ein leidenschaftlicher und gütiger Gottsucher.

In dem apostolischen Schreiben Die vicesima septima, in dem er den hl. Johannes zum Kirchenlehrer erhob, schrieb Papst Pius XI. 1926, daß die Werke des hl. Johannes vom Kreuz
…geradezu übernatürlich inspiriert scheinen, so kristallklar ist seine Kenntnis der außerordentlichen Gnadengaben Gottes, dieser Stufen auf dem Weg zur Vollkommenheit, die er den Seelen als Ziel vor Augen stellt. Und obwohl Der Aufstieg zum Berge Karmel, Die dunkle Nacht, Die lebendige Liebesflamme sowie noch manche seiner Schriften und auch seine Briefe schwerverständlich und geheimnisvoll scheinen mögen; offenbaren sie dennoch eine so wesenhafte geistliche Lehre und eine so ausgezeichnete Anpassungsfähigkeit an die Fassungskraft des Lesers, daß man sie in ihrer Gesamtheit verdientermaßen als Wegweiser und Kompaß jener gottgläubigen Seelen, die sich vornehmen, den Gipfel der Vollkommenheit zu erreichen, bezeichnen muß. Die Kanonisationsbulle erklärt also mit Recht, Johannes vom Kreuz habe „Schriften über die mystische Theologie verfaßt, die von überirdischer Weisheit zeugen“.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Lussekatter zum Luciatag

Zum Fest der hl. Lucia von Syrakus gibt es mehrere traditionelle Backwaren, die einem in Schweden (oder in schwedischstämmigen Familien) sogar ans Bett gebracht werden, wie man auf diesem Bild des schwedischen Malers Carl Larsson sieht. Über die Herkunft dieses Brauches und wie die hl. Lucia – eine sizilianische Jungfrau immerhin – nach Schweden kam, berichtet sehr schön Selma Lagerlöf in einer ihrer Erzählungen.

Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Lussekatter – wörtlich: Safrankatzen – ein Gebildenbrot, das die Augen symbolisieren soll, die der Heiligen bei ihrem Martyrium im Jahre 303 0der 304 ausgerissen wurden. Hier ein Rezept, wie man sich solche Lussekatter selber backen kann, wohl dem, der jemanden hat, der sie einem auch ans Bett bringt. ;)


Lussekatter

ca. 200 Gramm Butter
2 Tassen Vollmilch
1 Eßlöffel Safranfädchen, zerdrückt
2 Päckchen Trockenhefe
1 Prise Salz
1 dreiviertel Tasse Zucker
2 Eier, gut verrühren
ca. 8 Tassen Mehl
zum Dekorieren Rosinen und etwas Eiweiß

Das Mehl, die Hefe, Salz und den Zucker in einer großen Schüssel vermengen und mit etwas Mehl verkneten. Die Butter schmelzen, die Milch hinzugeben und lauwarm werden lassen. Den Safran in die warme Milch geben und sich über die hübsche Farbe freuen. In die Schüssel mischen und die Eier hinzugeben, mit einem Holzlöffel gut vermischen, mit einem Tuch bedecken und eine bis anderthalb Stunden gehen lassen.

Das Backblech mit Backpapier auslegen und den Ofen auf ca. 240 °C erhitzen. Den Teig auf einem mit Mehl bestäubten Tisch nochmals verkneten, dabei nicht zuviel Mehl verwenden, der Teil soll etwas klebrig sein. Teig in zwei Teile teilen, danach jede Hälfte in vier kleinere Stücke aufteilen, den Vorgang nochmals wiederholen. Jedes Teil in S-Form bringen und auf dem Backblech ausbreiten, mit Rosinen garnieren. Nochmals eine Viertelstunde unter einem Tuch ruhen lassen. Danach mit einem Pinsel die Lussekatter mit Ei bestreichen und acht Minuten auf der oberen Schiene des Ofens goldbraun backen. Unter einem Tuch abkühlen lassen. Ergibt 32 hübsche Lussekatter.

Montag, 12. Dezember 2011

Kartäuserinnen, Diakonissen und die Stola – einige Anmerkungen

Es gibt eine Besonderheit im Eigenritus der Kartäuserinnen, die einem aus irgendeinem Grund vor allem im Zusammenhang mit der Erwähnung von Diakoninnen in der Frühzeit der Kirche begegnet. Da ich mich in diesem Zusammenhang in einer Detailfrage auch einmal geirrt hatte (ich schrieb die Übergabe der Stola der Ablegung der feierlichen Profeß zu), mich daraufhin damit beschäftigte und diese Stola-und-Evangeliums-Geschichte an den unterschiedlichsten Orten immer einmal wieder herumgeistert, dachte ich, ein kurzer Blogbeitrag dazu wäre vielleicht ganz interessant.

In der Catholic Encyclopedia heißt es:
Die Kartäuserinnen haben das Privileg, die Jungfrauenweihe zu empfangen, das sie vom Konvent von Prébayon geerbt haben. Die Jungfrauenweihe, die vier Jahre[1][2] nach der Ablegung der feierlichen Profeß gespendet wird, kann nur vom Ortsbischof gespendet werden. Der Ritus weicht leicht von dem im Pontifikale ab. Der Nonne werden Krone, Ring, Stola und Manipel übergeben; der letztere wird am rechten Arm getragen. Diesen Schmuck trägt sie erst wieder am Tag ihres Profeßjubliäums und dann wieder am Tag ihres Todes bei der Aufbahrung. Die Epistel in der Heiligen Messe wird von einer geweihten Jungfrau gesungen, die jedoch den Manipel nicht trägt.
Es ist hierzu anzumerken, daß sich dieser Schmuck (these ornaments) nur auf die Krone, die Stola und den Manipel beziehen kann, denn der Ring ist eine Insigne der Konsekration und wird natürlich dauernd getragen, auch ist er kein Schmuck.

Zum einen: die Stola wird anläßlich der Jungfrauenweihe übergeben, was sich bei den Kartäuserinnen als Besonderheit im Ritus gehalten hat. Im Laufe der Jahrhunderte gab es bei der Spendung diesem altehrwürdigen Sakramentales immer wieder Varianten, die wir so heute nicht mehr im Pontifikale finden, wie etwa die Handauflegung durch den Bischof, die Übergabe einer Krone oder das Anlegen des Schleiers durch den Bischof in der Weise, daß der Schleier über die Schultern und über die Brust und bis zu den Augen herabhängen soll.

Weiterhin: die Kartäuserin trägt nicht – wie man oft liest – in der Heiligen Messe das Evangelium vor, sondern in der Matutin oder Vigil. Das ist übrigens mitnichten eine Besonderheit der Kartäuserinnen oder etwas, das sich irgendwie von dieser Stola ableitet: der Vortrag des Evangeliums bei der Matutin ist in klausurierten Klöstern meines Wissens überall eine Sache der Schwestern, da es zu deren feierlichem Chorgebet gehört. Entweder tut dies die wöchentliche Kantorin (Hebdomadarin) oder, je nach lokalem Brauch, an hohen Festen die Obere. An Festen treten zwei Novizinnen als Leuchterträgerinnen hinzu.

Im Bd. 17 der theologischen Realenzyklopädie heißt es wiederum über die Kartäuserinnen mit feierlicher Profeß:
…ihnen steht die Jungfrauenweihe zu [korrekt], und als Diakonissen [korrekt] verlesen sie im Gottesdienst [korrekt] das Evangelium [korrekt].
Warum das theologische Reallexikon dies für besonders hervorhebenswert hält, weiß ich nicht, es ist zwar in seinen Fakten richtig, aber eben, wie gesagt, keine Besonderheit. Diakonisse ist wiederum wohl ein Synonym für geweihte Jungfrau (eine, die Christus und dem Dienst der Kirche geweiht ist), nicht für Diakonin.[3]

Oben eine historische Abbildung einer Kartäuserin bei der Jungfrauenweihe. In der Hand trägt sie ihre Kerze, die in der Heiligen Messe ihrer Weihe entzündet wird, und hält das Stundenbuch. Dazu trägt sie die oben erwähnte Krone (der Jungfrauen), die Stola und den Manipel. Die Stola, sollte jemand mich drum fragen, sieht im übrigen nicht sehr diakonal aus.
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[1] Anmerkung der Übersetzerin: Die Kartäuser schreiben selbst von „einigen Jahren“ und denen, „die es wollen“. Die Jungfrauenweihe wird also nicht einfach zu „dazugespendet“.


[2] An irgendeiner Stelle im Internet sind daraus gleich fünfundzwanzig Jahre geworden. Derjenige hat das wohl mit dem Mindestalter für den Empfang der Jungfrauenweihe verwechselt.

[3] Damit wollte ich mich nicht zur Frage des Diakonats äußern, die eine ganz andere ist, sondern es ging mir um die Korrektur von Halbwahrheiten.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Advent bei Nacht


Um beleuchtungsmäßig einen Kontrapunkt zu erleben, nämlich Advent, wie er eigentlich sein sollte, muß ich nicht in die Ferne schweifen. Hier um die Ecke ist das Böhmische Dorf, das zur Herrnhuter Brüdergemeine (ohne d!) gehört. Dort sind alle Häuser im Advent nur mit einem einzigen Stern geschmückt. Zumal wenn es verschneit ist, sieht es in der Kirchgasse wunderschön aus. Auf nächtlichen Spaziergängen in Altrixdorf hab ich da schon tiefen Frieden empfunden.

Wenn ich auf die Reihe der Sterne an den Häusern der Kirchgasse entlang blicke, kommt mir das heutige Tagesgebet mit dem gläubigen Verlangen in den Sinn:
Allmächtiger Gott, sieh gütig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.

…und noch ein skurriles Bild vom Rixdorfer Advent
(ich meine, das Fuhrgeschäft wäre einzig)

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