Mittwoch, 30. November 2011

Das X markiert den Punkt – hl. Apostel Andreas

Ein Kreuz steht gleich am Eingang der Adventszeit: das charakteristische Kreuz des hl. Apostels Andreas.
Wer auf einer Karte oder in einem Diagramm einen Punkt markiert, macht ein Kreuz, durch dessen Schneidepunkt ein bestimmter Punkt exakt angegeben werden kann. Genauso machte es der Herr aller Dinge, als er den Menschen zum Paradies zurückführen und ihm die Frucht des ewigen Lebens geben wollte, errichtete er das Kreuz mitten auf der Erde und sprach: Hier werde ich Dir begegnen. Aller Menschheit hat er den genauen Ort unserer Erlöser enthüllt, in dem er sprach: „Hier, am Kreuz, werde ich dir begegnen!“[1]

Für den hl. Andreas ist das in mehr als einer Beziehung wahr geworden: er ist dem Herrn, dem er schon im Leben begegnen durfte, am auch Kreuz begegnet: er starb auf dieselbe Weise wie sein Erlöser und hat ihn so hat ihn in seinem Sterben gleichsam noch einmal umfangen. Daß der Apostel dies als großes Privileg ansieht, beweisen seine Worte: Gegrüßet seist du, Kreuz, das durch den Leib des Herrn und von seinen Gliedern wie mit Perlen geschmückt ist. Ehe er an dir hing, warst du voller Grausamkeit; nun aber bist du voll göttlicher Liebe und mir willkommen. Darum komme ich sicher und fröhlich zu dir, denn ich bin ein Jünger dessen, der an dir hing.

Für den Apostel Andreas kam die Berufung ganz unmittelbar – er gehörte zu denen, die sich um die Stimme des Rufers in der Wüste, den hl. Johannes den Täufer versammelt hatten. Als sie wieder einmal bei ihm waren, deutete der Täufer auf einen, der vorüberging, und sagte: „Seht das Lamm Gottes.“ Das Johannesevangelium berichtet, daß er Jesus augenblicklich folgte. Fasziniert von dieser Begegnung führte Andreas am Tag darauf seinen Bruder Simon zu Jesus. Wir wissen nicht, ob Andreas jünger oder älter war als Simon, den Jesus später den Felsen nennen wird. Was mag Jesus dazu bewogen haben, dem Petrus, dessen Schwächen wir besser kennen als die seines Bruders, die Kirche anzuvertrauen, und wie mag das für Andreas gewesen sein? Wir wissen es nicht; Jesus, der die Herzen der Menschen kennt, hatte sicherlich einen guten Grund. Sicher ist, daß wir dem Apostel Andreas die Berufung des Petrus verdanken – er, der Erstberufene, führte seinen Bruder selbst zu Christus. So ist der hl. Andreas der erste Menschenfischer, und die griechische Kirche nennt ihn als den Erstberufenen den „Protoklithos“.

Andreas folgte dem Herrn, als er durch das heilige Land zog, predigte und Wunder tat. Er war bei der Speisung der fünftausend dabei und beim letzten Abendmahl. Nach den Ereignissen am Tage der Himmelfahrt auf dem Ölberg erwähnen ihn die Evangelisten nicht mehr. Aus den Schriften der Kirchenväter ist uns überliefert, daß er nach dem Apostelkonzil zu den Skythen und von dort aus predigend durch Bithynien, Thrakien und Griechenland zog. Im Alter wurde er Bischof von Patras, wo ihm entweder im Jahre 60 oder 62 unter der Regierung des Kaisers Nero durch den Prokonsul Ageas der Prozeß gemacht wurde. Man verurteilte ihn dazu, gegeißelt und gekreuzigt zu werden, wie sein Meister. Vom Kreuz herab, an das man ihn mit Stricken band und obwohl er große Qualen gelitten haben muß, predigte er noch mehrere Tage lang. Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten – der Apostel hat dies auch mit seinem eigenen Leib getan.
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[1] aus der Predigt eines unbekannten orthodoxen Einsiedlers, in meiner Übersetzung.
Bilder: Mosaik des Martyriums des Heiligen, Schädelreliquie des heiligen Apostels in Patras, wohin sie, nachdem sie seit 1460 in Rom gewesen war, 1964 an den Ort des Martyriums des Apostels zurückkehrte.

Andreasherzen

Katholische Rezepte mal wieder: Andreasherzen (mnjam! – reicht für 24 Herzen)

Andreasherzen

250 Mehl
1 Eßlöffel Zucker
1 Prise Salz
4 Eßlöffel Weißwein
350 ml Sahne (bäckt man die Waffeln in einem Eisen, das zuvor mit Öl eingepinselt werden muß, nur halb soviel Sahne nehmen oder den Rest einfach essen)[1]
2 kleine Eier
etwas Puderzucker


Bis auf den Puderzucker alle trockenen Zutaten vermengen. Die flüssigen Zutaten mit einem Rührgerät vermengen und die Eier dazugeben. Dann mit der trockenen Mischung sorgfältig verrühren. Im Waffeleisen goldbraun backen und vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben. Guten Appetit!

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[1] Ausspruch eines hiesigen Priesters: „Wo ein Gloria drinsteckt, wird nicht gefastet!“ Ich bin nicht sicher, daß er damit ganz richtig liegt, aber es klingt gut.

Dienstag, 29. November 2011

Gottesdienste wie dieser…

Ein Schmankerl noch aus den letzten Zügen des alten Kirchenjahrs (also, sehr friedevoll war das grade nicht): vor der Heiligen Messe – der Zelebrant kommt aus dem Beichtstuhl und bittet mich, noch eine eigene Fürbitte für einen Herrn Sowieso Sowieso zu machen. Ob Herr Sowieso verstorben sei? Ja, aber schon lang. .oO(?) Kein Problem, gesagt, getan.

Während ich mir eine passende Fürbitte auf ein Post-it schreibe, kommt der vertretende Orgelschläger und Kantor von oben herabgeschwebt (vom Himmel hoch, da komm ich her…), nimmt den Liedzettel entgegen und offenbart, er könne heute gesundheitsbedingt höchstens krächzen. Das trifft sich günstig, denn der Zelebrant kann auch nicht singen. Aber ich könnte ja das Kyrie singen „und auch alles andere!“ Na bravo! Ich meine, kann er das nicht etwas früher sagen als gerade zwei Minuten vor der Messe? Berittene Boten, Brieftauben und Telegramme sind sämtlich abgeschafft, aber Telefone und E-Mail existieren noch.

Das Kyrie und das meiste von „allem anderen“ entpuppt sich übrigens als die von mir persönlich als scheußlich empfundene Florian-Messe (daß wir sie selten singen, macht es nicht besser). Während ich mir buchstäblich im Kopf einen Vers auf den Kirchenton für Antwortpsalm und Hallelujaruf zu machen versuche – sowas wie „Luja sog i“ gibts hier erfreulicherweise gar nicht – textet mich der Zelebrant über die Kelchkommunion zweier Kommunikanten zu. Also, da soll doch… .oO(Herr Pfarrer, das ist hochinformativ, tangiert mich aber grade wirklich nur peripher). Die Lesung hab ich mir auch noch nicht nochmal vorher angeschaut.

Wenigstens sind die Wege kurz, ich muß nur drauf achten, daß ich das richtige Buch und die Lesebrille jeweils dabeihabe. (Daß ich auch beim Agnus Dei vorsingen muß, fällt mir zur rechten Zeit ein – während der Predigt.) Dafür, mich innerlich vorher noch einmal ordentlich aufzuspulen, fehlt ebenfalls die Zeit, das ist wenigstens ein Vorteil! Draußen auf der Bank sitzt, wie sich später herausstellen wird, ein potentieller Lektor, in der Sakristei amtet der Küster seines Waltes, und während ich die Altarsäule umkurve wie ein Satellit, denkt mancher aus der Gemeinde vielleicht, schaut, wie sie alles an sich reißt! Zelebrieren werd ich jedenfalls nicht, da könnt ihr lange warten.

Ausgerechnet das einzige, was ich bei dieser Messe übrigens wirklich gern und vor allem angstfrei[1] gesungen hätte, krächzt der Zelebrant dann leidenschaftlich (und viel zu tief) selber: die Litanei zu Christus dem König. Schade, eine solche Gelegenheit ergibt sich bestimmt nicht so schnell wieder[2]. Macht nichts, kann ich mich zur Litanei hinknien und einfach nur lobpreisen.

Nach der Messe findet der Zelebrant: „Ging doch ganz gut“. Es ging übrigens wirklich ganz gut, wenn ich es nächstens vorher einmal durchsingen könnte, ginge es allerdings noch etwas besser. Solche Aktionen, bei denen mich Antwortpsalm und Vers zum Halleluja dann erstmalig auf dem Ambo angrinsen, werden mir nochmal zum Sargnagel. Andererseits, solange ich nicht auch noch die Orgel spielen soll – es gäbe beim Stoff, aus dem Panikattacken gemacht sind, sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten…

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[1] Sänge ich daneben, hinge mir kein Schild um den Hals „Ich kann überhaupt nichts dafür, aber es war zur höheren Ehre Gottes!“ Der, den ich vertreten habe, hat die Ruhe weg. Er singt einfach daneben, wenn ihm danach ist. Womöglich erwirbt man sich auch ein dickes Fell durch Übung.

[2] Ich wette, ich finde auch keine Andacht, in der ich die Litanei unterbringe, so daß ich doch einmal dazu komme.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all’ ihr’ Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm tröst uns hier im Jammertal.

O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn, geh auf, ohn’ deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

Das schöne alte Adventslied[1] O Heiland reiß die Himmel auf ist auch eine Paraphrasierung der wunderbaren Antiphon der Roratemessen Rorate coeli desuper et nubes pluant justum (Tauet Himmel, den Gerechten, ihr Wolken, regnet ihn herab) und bringt wunderbar die Freude und das Drängen zum Ausdruck, mit dem die Kirche die erste Ankunft des Herrn erwartet (ehrlich gesagt, empfinde ich im Hinblick auf die Wiederkunft manchmal genauso) – wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?

Ein schöner Brauch, der anscheinend vor allem in Polen verbreitet ist – wo man wiederum offenbar keinen Adventskranz hat –, ist der, mit der Aufstellung der Krippe bereits im Advent zu beginnen: zuerst kommt der noch leere Stall, in den dann Ochs und Esel gestellt werden, dann treffen schon einzelne Hirten und Tiere ein, schließlich kommen Maria und Josef an, am 24. wird das Kind in die Krippe gelegt. In den Tagen zwischen Weihnachten und Epiphanie sieht man von den Königen zuerst die Nasenspitze der Kamele, dann werden sie immer näher an die Krippe gerückt, bis sie schließlich am Fest der Erscheinung dort eintreffen. So führt uns die leere Krippe im Advent bildlich vor Augen, worauf wir warten und vollzieht auch die Liturgie gleichsam mit.

Von im Kloster verbrachten Weihnachtsfesten kenne ich wiederum den Brauch, daß zur Mitternachtsmesse beim Einzug von der Priorin die Figur des Jesuskindes herbeigebracht und in die Krippe gelegt wird. Vor Jahren haben wir das in der Akademiekirche auch einmal gemacht (ohne Priorin allerdings), mit gleich anschließender Inzens der Krippe. Ich fand das einfach wunderschön und freue mich, wenn solches Brauchtum weiterlebt oder vielleicht auch wiederbelebt wird. Das mit der leeren Krippe habe ich in diesem Jahr jedenfalls bei mir begonnen.


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[1] Von dem am ersten Adventssonntag auf Betreiben einer einzelnen Jungfrau übrigens alle Strophen gesungen wurden. Der Organist war allerdings durchaus willens (halb zog sie ihn, halb sank er hin…)

Sonntag, 27. November 2011

1. Adventssonntag – wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer

Etwas was mich am heutigen ersten Adventssonntag angerührt hat: die Zeitlosigkeit des Flehens des Propheten Jesaja
Du, Herr, bist unser Vater, „Unser Erlöser von jeher“ wirst du genannt. Warum läßt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so daß wir dich nicht mehr fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind. ... Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir.
und zugleich sein tiefes Vertrauen auf Gott. Der Prophet beginnt und endet sein Flehen mit dem tiefen Vertrauen auf den Vater, den Erlöser von jeher:
Und doch bist du, Herr, unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.
Das ist ein Bild unseres ganzen Lebens als Christen: wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer. Solchen Händen kann man sich getrost einfach überlassen, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, wenn da an einem herumgeknetet wird.Ich weiß nicht, was bei mir einmal für ein Geschirr herauskommen wird, es mag schon ein recht armseliges Schüsselchen sein, das bestoßen und vielleicht auch schon einmal geklebt ist (solche halten oft am längsten). Gleichviel, es ist das Werk seiner Hände.

Gott der Legenden?

Schön und ganz ungruselig –
das Reliquar der hl. Hedwig
auf dem Altar der Oberkirche
(Aufnahme von Florian Streibelt)
Der Vorschlag, die hl. Katharina von Alexandria [1] zur Schutzpatronin der katholischen Blogger zu erklären, stieß teils auf Gegenliebe, teils auch nicht. Oh mei – allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

Aus der eigenen Erfahrung beigesteuert: die Zelebranten, die zwar ein rotes Gewand tragen, aber den Tagesheiligen noch vor der Predigt ins Reich der Fabelwesen und rosa Einhörner verweisen oder aber, wie auch schon passiert, von frommer Folklore sprechen, vergrätzen die Gemeinde ohne Not.

Einige der Heiligen, die bei der Kalenderreform aus dem römischen Generalkalender hinausgeflogen sind, nahm man später übrigens wieder auf, wegen der hohen Verehrung, die diese Heiligen seit Jahrhunderten im Volk genossen. So erging es auch der hl. Katharina, die 2002 wieder in den Generalkalender aufgenommen wurde. Der in dieser Hinsicht bestimmt nicht überschwenglich zu nennende Schott verweist übrigens nicht die hl. Katharina ins Reich der Legenden, sondern nur die Ausschmückung ihres Martyriums. Zu so etwas braucht man in der Tat keine Beziehung zu haben, man braucht sie denjenigen, die womöglich eine haben, aber auch nicht ausreden zu wollen.

Aus der Schar der Heiligen gibt es immer einige, zu denen man eine engere Beziehung hat als zu anderen. Manche sprechen einen ganz unmittelbar an, zu anderen entwickelt man erst allmählich eine Beziehung, bei dritten geht einem ein Licht auf, wenn man sich mit ihrem Leben oder etwas beschäftigt, das sie geschrieben haben; wieder andere bleiben mir vielleicht immer fremd. Das ist ganz natürlich, und so ist es zu erklären, wieso ein Blogger vielleicht in einem Jahr drei Beiträge zu einem bestimmten Heiligenfest schreibt.

In den Heiligen schenkst du der Kirche leuchtende Zeichen deiner Liebe, heißt es in einer der Präfationen von den Heiligen. Zur Verehrung eines bestimmten Heiligen ist kein Katholik verpflichtet. Man muß auch nicht glauben, daß der hl. Agnes bei ihrem Martyrium die Haare schlagartig so lang und dicht gewachsen sind, daß sie ihre Blöße bedeckten oder daß mehrere Versuche des Henkers, jemanden zu Tode zu bringen, keinen Erfolg hatten, bis der Henker ein Schwert[2] nahm und… All das gehört nicht zur Lehre der Kirche. Was wichtig ist, ist doch die Essenz, der Nachhall, der bleibt – er gab sein Leben für Christus:
Im Jubel, Herr, wir dich erheben,
ob deiner Zeugen Herrlichkeit,
die sich mit ihrem ganzen Leben,
dir treu bis in den Tod geweiht.
Du warst ihr Glaube, Jesu Christ,
du warst ihr Glaube und ihr ganzes Gut
um deinetwillen gaben sie ihr Blut. (GL 611)
Mir tut es halt immer ein wenig leid, wenn da eine hl. Cäcilia, Barbara oder Katharina in Bausch und Bogen verworfen wird, ungeachtet der Tradition der Kirche (die auch die Ostkirchen einschließt).

Daß einer eine Armreliquie „gruselig“ findet und nennt, finde ich wiederum nicht schlimm. Man darf Arm- wie auch sonstige Körperreliquien befremdlich finden. So ist man von der Sitte, Heilige in ihre Körperteile zu zerlegen, inzwischen wohl weitgehend abgekommen (weshalb vielleicht das Herz des sel. Johannes Paul II. nicht in Krakau ruht), ohne daß die Kirche die Frömmigkeitsformen früherer Jahrhunderte deshalb jedoch verurteilt – jegliches hat seine Zeit, ein jedes Ding unter der Sonne. (Neulich hatte ich eine längere, angeregte Diskussion mit dem besten Freund von allen, erklärter Agnostiker, der vorgeschlagen hat, alle derartigen Reliquien zu bestatten.)

Allerdings sind Heiligen- und Reliquienverehrung nicht deckungsgleich – so kann man das eine tun und das andere lassen –, sie gehören aber trotzdem zusammen. Aus der Verehrung der Heiligen geht der Wunsch hervor, etwas zu berühren, was (zu) dem Heiligen gehört hat.

Zu den schönen Dingen an der katholischen Kirche gehört, daß sie den Sinnen so viel Beachtung schenkt: dem Auge durch Farbe, Gold und Silber, Edelsteine und Spitzen, der Nase durch Weihrauch, dem Geruch des brennenden Osterfeuers und sein Gegenstück, die verbrennenden Palmzweige des Vorjahres am Aschermittwoch; dem Gehör durch die ganze Schönheit der Liturgie. Und eben auch dem Tastsinn durch das Berühren oder Berührtwerden, etwa beim Segen, der unter Handauflegung gespendet wird, bei der Salbung mit den heiligen Ölen. Ich habe dies immer als ungeheure Möglichkeit empfunden, und es ist eben dies, weshalb es – wie es einmal ein Beichtvater formuliert hat – einen ungeheuren Unterschied ausmacht, ob ich mir einen Fernsehgottesdienst ansehe oder meinen sterblichen Leib noch in die letzte Reihe einer überfüllten Kirche quetsche.

Mal ein ganz unkirchliches Beispiel: vor Jahren habe ich, wie Millionen, Noah Gordons Roman Der Medicus gelesen, in dem ausführlich von dem persischen Universalgelehrten Avicenna und seinem Kanon der Medizin berichtet wird. Nicht lange darauf hatte ich die Möglichkeit, an einer Führung im kleinen Kreis durch die vatikanischen Bibliotheken teilzunehmen. Der uns führende Kardinal ließ eben jenen Kanon herbeibringen, was ein völlig irres Gefühl bei mir verursacht hat: es war, als sei mitten im Laufe der Geschichte der Menschheit jemand aufgestanden und hätte mir die Hand geschüttelt. So mag es den Leuten mit Reliquien gegangen sein und noch gehen – es ist etwas, das man berühren kann: er war da, er hat gelebt, und für einen kurzen Moment gibt es eine körperliche Verbindung zwischen uns.

Gott ist ein Gott der Lebenden und derer, die vor uns gelebt haben, ein Gott des Himmels und der Erde.

Man könnte als Lösung aus dem Dilemma natürlich auch die hl. Katharina von Siena erwählen, die war berühmt wegen ihrer Lehre zur Kirche, die das Tagesgebet ein loderndes Feuer nennt und für ihre daher feurigen Briefe an den Papst.

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[1] Katharina mit dem Radl – nicht zu verwechseln mit der Kirchenlehrerin Katharina von Siena, obwohl sich das wirklich zuweilen „anbietet“: beide waren heilige Jungfrauen und werden daher in der christlichen Ikonographie oft in der mystischen Vermählung mit Christus dargestellt. Katharina von Alexandria war allerdings auch Märtyrin. Falls sie ihr bekanntestes Attribut, das Rad, grad mal nicht dabeihat, ist ein Mittel, die beiden zu unterscheiden, der dominikanische Habit, in dem Catharina von Siena steckt.

[2] Eine Sache, die fatal an bestimmte Horrorfilme erinnert, aber wahrscheinlich ist es genau anders herum.

Samstag, 26. November 2011

Gott, heilger Schöpfer aller Stern


Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
daß wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.

Denn es ging dir zu Herzen sehr,
da wir gefangen waren schwer
und sollten gar des Todes sein;
drum nahm er auf sich Schuld und Pein.

Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräut'gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.

Gezeigt hat er sein groß Gewalt,
daß es in aller Welt erschallt,
sich beugen müssen alle Knie
im Himmel und auf Erden hie.

Wir bitten dich, o heilger Christ,
der du zukünftig Richter bist,
lehr uns zuvor dein' Willen tun
und an dem Glauben nehmen zu.

Lob, Preis sei, Vater, deiner Kraft
und deinem Sohn, der all Ding schafft,
dem heilgen Tröster auch zugleich
so hier wie dort im Himmelreich.

Der allererste Hymnus im Antiphonale, der Vesperhymnus Conditor alme siderum, den uns die Adventszeit schenkt, ist so wunderbar, daß mich in jedem Jahr die schiere Schönheit des Textes anrührt. Er gibt zugleich Programm und Ziel der ganzen Adventszeit vor: erleucht uns, die wir sind so fern. Die lateinische Orginalfassung nennt Christus das ewige Licht der Glaubenden – aeterna lux credentium – und den Erlöser aller, zu dem unsere Bitten flehentlich aufsteigen und der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist am Abend dieser Welt. In der Vesper singen wir den Hymnus meist in der deutschen Fassung des römischen Stundenbuches. Am liebsten ist mir glaube ich, der Vers[1]
Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräut'gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.
Der Hymnus nennt Gott den Schöpfer aller Stern, zugleich folge ich durch die Adventszeit hindurch dem Stern, der nach Bethlehem führt, zu Christus, der selbst Stern meines Lebens und Sterbens ist.

In seiner Enzyklika Spe salvi schreibt Papst Benedikt über die Suche nach dem Stern (unter Berufung auf den hl. Gregor von Nazianz):
In dem Augenblick, in dem die vom Stern geführten Magier den neuen König Christus anbeteten, war das Ende der Astrologie gekommen, da die Sterne jetzt die von Christus bestimmte Bahn laufen. In der Tat ist in dieser Szene das Weltbild von damals umgekehrt, das auf andere Weise auch heute wieder bestimmend ist. Nicht die Elemente des Kosmos, die Gesetze der Materie, herrschen letztlich über die Welt und über den Menschen, sondern ein persönlicher Gott herrscht über die Sterne, das heißt über das All; nicht die Gesetze der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz, sondern Verstand, Wille, Liebe – eine Person. Und wenn wir diese Person kennen, sie uns kennt, dann ist wirklich die unerbittliche Macht der materiellen Ordnungen nicht mehr das Letzte; dann sind wir nicht Sklaven des Alls und seiner Gesetze, dann sind wir frei. Ein solches Bewußtsein hat die suchenden und lauteren Geister der Antike bestimmt. Der Himmel ist nicht leer. Das Leben ist nicht bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie, sondern in allem und zugleich über allem steht ein persönlicher Wille, steht Geist, der sich in Jesus als Liebe gezeigt hat.

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[1] Die gereimte deutsche Übersetzung dieses Verses gefällt mir mit dem „klaren Schein“ sehr gut. Noch Thomas Müntzer, auf den die deutsche Übersetzung im wesentlichen zurückgeht, dichtete allerdings getreu dem Original:
…auß seyner Mutter Kemerleyn, die Junckfraw blieb ganz zart und reyn.

Freitag, 25. November 2011

Zuletzt…


Die Lesungen der letzten Wochen im Kirchenjahr kreisen um die Endzeit und die letzten Dinge, und die Kirche mahnt uns, wachsam die Wiederkunft des Herrn zu erwarten. Die allerletzten längeren Lesungen, die der Matutin des Samstags der 34. Woche, finde ich besonders anrührend, denn sie sprechen uns von dem, was das ganze Kirchenjahr trägt und durchdringt, von dem was unseren Durst stillt, von dem wir immer wieder trinken und essen dürfen, auch wenn wir wissen, daß wir irgend wann wieder Durst und wieder Hunger haben werden, dem Quell des Lebens und der Speise die uns nährt, Christus selbst. Der hl. Hilarius von Poitiers schreibt in einer Auslegung zu Psalm 64, eines Flusses Arme erquicken die Gottesstadt:
Der Fluß Gottes ist mit Wasser gefüllt, du schaffst ihnen Speise; du ordnest alles. Über diesen Fluß gibt es keine Zweifel, denn der Prophet sagt: Die Wasser eines Stromes erquicken die Gottesstadt. Und der Herr selbst sagt in den Evangelien: Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt, und wiederum: Wer an mich glaubt, von dem sagt die Schrift: aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollen, die an ihn glauben. Dieser Fluß ist also mit Wasser gefüllt. Wir werden getränkt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und der Fluß Gottes aus der Quelle des Lebens, von Wasser gefüllt, strömt in uns ein. Auch die Speise ist für uns bereit.

Welches ist diese Speise? Jene, die uns darauf vorbereitet, Anteil an Gott zu haben, um uns durch den Genuß des heiligen Leibes dann in die Gemeinschaft des heiligen Leibes zu versetzen. Das meint der vorliegende Psalm, wenn er sagt: Du schaffst ihnen Speise, so ordnest du alles. Denn durch diese Speise werden wir für die Gegenwart gerettet und für die Zukunft bereitet.
Das letzte Tagesgebet des alten Kirchenjahres ist friedvoll und wirft schon einen Blick auf den neuen Beginn:
Gott, unser Vater,
erwecke deine Gläubigen zu neuem Eifer,
damit das Werk deines Erbarmens
in unserem Leben reiche Frucht trägt
und wir einst die Fülle des Heils empfangen.
Da mich im vergangenen Jahr jemand gefragt hat, wann genau das alte Kirchenjahr denn ende und das neue beginnt: das mag von der Uhrzeit her für jeden von uns unterschiedlich sein, aber es ist eigentlich ein ganz bestimmter Augenblick: in dem Moment, in dem wir das Kreuzzeichen schlagen und das Deus in adiutorium der ersten Vesper des ersten Adventssonntages anstimmen, beginnt das neue Kirchenjahr und das alte ist gerade zu Ende gegangen. Wie bei einem Staffellauf, bei dem einer dem anderen die Flamme weitergibt, wird das Licht des Glaubens und des Gebetes weitergetragen in ein neues Kirchenjahr. Ein Tag sagt es dem anderen, eine Nacht ruft es der anderen zu.

In alten Antiphonalen sieht man manchmal am Ende des Kirchenjahres einen Engel mit einer Schriftrolle, auf der Deo gratias steht. Da ich davon ausgehe, daß dies mein letzter Beitrag im alten Kirchenjahr sein wird – Deo gratias!

Laßt uns besingen die gotterfüllte Katharina

Laßt uns besingen die gotterfüllte Katharina, die überglückliche Braut Christi, die den Sinai beschirmt, uns aber beisteht und hilft.
Denn glänzend hat sie zum Schweigen gebracht durch das Schwert des Geistes die gewundenen Reden der Frevler. Nun aber, da sie trägt die Krone des Martyriums, erbittet sie uns das große Erbarmen. 
(Apolytikion)

„Kathrein stellt den Tanz ein“ – ein Merkspruch, der früher darauf verwies, daß der Advent eine der beiden Bußzeiten der Kirche ist, man nannte das auch „geschlossene Zeit“. Nach dem Fest der hl. Katharina gab es keine Tanzveranstaltungen und ähnliches mehr, um den eigentlich stillen Charakter der Adventszeit nicht zu stören.

Von Katharina von Alexandrien heißt es, daß sie „so hohe Geistesgaben und Kenntnisse hatte, daß sie daß sie selbst die weisesten Philosophen, denen der Richter sie gegenüberstellte, zum Glauben an Christus bewog". In der Ostkirche wird sie als Großmartyrin Katharina hoch verehrt.

Das Tagesgebet im alten Schott hebt vor allem auf den Ort ab, wohin Engel ihren Leichnam nach ihrem Tod brachten, den Berg Sinai.
O Gott, du übergabst dem Mose auf dem Gipfel des Berges Sinai das Gesetz
und ließet eben dort den Leib deiner heiligen Jungfrau und Märtyrin Katharina
wunderbar durch deine heiligen Engel bergen.
Wir bitten dich: gib daß wir um ihrer Verdienste und um ihrer Fürsprache willen
den Berg, der Christus ist, zu erreichen vermögen.
Das heutige Tagesgebet ist vielleicht etwas weniger gebirgig, aber auch weniger poetisch:
Herr, unser Gott,
du offenbarst uns in der Bedrängnis
die Macht deines Erbarmens.
Von dir empfing die heilige Katharina die Gnade,
das Martyrium zu bestehen.
Von dir komme auch uns die Kraft,
in aller Not auf deine Hilfe zu vertrauen.
Die Engel haben der Überlieferung zufolge den Leichnam dort hingebracht, damit kein Mann ihren Leichnam ansehen oder berühren möge. Viele Jahre waren ihre Reliquien tatsächlich verschollen. (Das Mönchskloster, das sich seit Jahrhunderten an diesem Ort erhebt und das dem Patronat der hl. Katharina unterstellt ist, war ursprünglich der Verklärung des Herrn und dem brennenden Dornbusch geweiht).

Hier eine kleine Bildergalerie – das Bild oben rechts stammt von Cenni di Francesco di Ser Cenni und zeigt die Heilige beim berühmtgewordenen Disput. Daß die Zuhörer bereits Heiligenscheine tragen, ist auf die Überzeugungskraft der Argumente Katharinas zurückzuführen.


Illumination in einem alten Psalter. Sie zeigt eines der Attribute, mit denen die Heilige meist zu sehen ist, das Rad. Hier ist es, wie die Überlieferung berichtet, zerbrochen. Da Katharina daraufhin enthauptet wurde, wird sie oft auch mit einem Schwert dargestellt. Die kleine Gestalt, die man zu Füßen der hl. Katharina sieht, ist der Kaiser Maxentius, der eigentliche Verlierer in dieser Geschichte.


Ikone der hl. Katharina mit weiteren Attributen der Heiligen, dem Kreuz, der Märtyrerpalme und Gegenständen, die von ihrer Weisheit und Gelehrsamkeit künden. Das Buch ruht auf einem kirchenartigen Buchstütze und zeigt an, wo der Platz der Heiligen im mystischen Bau der Kirche ist – bei den heiligen Jungfrauen. Um die Darstellung angeordnet sieht der Betrachter Szenen aus dem Leben der Heiligen, unten mittig das Katharinenkloster.


Die hll. Katharina und Maria Magdalena
(am Salbgefäß erkennbar)
Fresko in der (heute evangelischen) Kirche von Hude
Die heilige Familie mit den hll. Anna und
Katharina
Die hll. Jungfrauen Katharina von Alexandria, Barbara
und Margareta. Eine Darstellung mit vier heiligen Madln
löste vielleicht die Schwierigkeit mit dem Bildstock
bliebe immer noch die, einen Merkspruch zu finden,
der sich reimt.
Reliquar der hl. Katharina aus dem
frühen 15. Jahrhundert mit ebenfalls kostbar
verziertem Rad. Das Reliquar stammt
aus einem Kloster in Frankreich.
Bild eines flämischen Malers aus dem
16. Jahrhundert. Die Begeisterung für das
(zeitgemäß ziemlich rundlich geratene)
Christuskind ist augenfällig.
Ein Bild wie für einen liturgischen Kalender –
links die hl. Cäcilia, deren Fest wenige Tage
vor dem Fest der hl. Katharina gefeiert wird.

Einladung zum Bloggertreffen 2012 in Freiburg

Schön ist es, wenn das erste deutschsprachige Bloggertreffen ins Jahr des Glaubens fällt, denn Papst Benedikt hat in seiner Botschaft zum 45. Mediensonntag gesagt: Auch in diesem Bereich sind wir aufgerufen, unseren Glauben zu verkünden, daß Christus Gott ist, der Erlöser des Menschen und der Geschichte, in dem alle Dinge ihre Erfüllung finden.

Auf Einladung der Erzdiözese Freiburg in Gemeinschaft mit katholisch.de und der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) findet das erste (offizielle) deutsche Bloggertreffen vom 8. bis 10. Juni 2012 in Freiburg statt – zentrale Themen werden die Neuevangelisierung und das Jahr des Glaubens sein. Dieses PDF bietet alle wichtigen Informationen und das Programm auf einen Blick.

Hier gehts zum entsprechenden Beitrag beim Sende-Zeit-Blog. Auf diesen Beitrag führt dauerhaft auch von hier aus ein Klick auf das Logo des Bloggertreffens in der rechten Spalte. Ich finde es prima, daß ein solches Zusammentreffen zustandekommt, immerhin wird auch Erzbischof Zollitsch dasein. Wofür den Organisatoren ebenfalls Lob und Dank gebührt, ist, daß sie die Kosten für die Teilnahme so überschau- und bezahlbar gehalten haben. Wenn ich jetzt noch eine bezahlbare Anfahrtsmöglichkeit finde (wovon ich ausgehe) bin ich jedenfalls dabei und freue mich drauf. Freiburg ist übrigens eine wunderschöne Stadt – mir schwätzet au schwäbisch.

Donnerstag, 24. November 2011

Das ist keine Orange!



Für Thysus' fotorealistische Stilleben kann ich mich auch begeistern, zumal wenn man bei manchen Bildern schon Wiedersehensfreude feiert, wie ich zum Beispiel mit der Orange in dem Einwickelpapierchen. (Thysus zufolge ist das zwar nicht dieselbe, sondern die gleiche, aber wie wir von Magritte wissen: das ist keine Orange!)

Heute gibts Äpfel, schaut mal vorbei. Die besten Dinge im Leben kosten überhaupt kein Geld.

Daniel und die Löwen


„Mein Gott hat seinen Engel gesandt
und den Rachen der Löwen verschlossen.“

Zwei Bilder zur heutigen Tageslesung. Beide sind von dem englischen Maler Briton Rivière (Daniel in the lions’ den, 1872 und Daniel's answer to the king, 1890).
Daraufhin schrieb König Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen auf der ganzen Erde: Friede sei mit euch in Fülle! Hiermit ordne ich an: Im ganzen Gebiet meines Reiches soll man vor dem Gott Daniels zittern und sich vor ihm fürchten. Denn er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit. Sein Reich geht niemals unter; seine Herrschaft hat kein Ende. Er rettet und befreit; er wirkt Zeichen und Wunder am Himmel und auf der Erde; er hat Daniel aus den Tatzen der Löwen errettet. (Dan 6, 27-28)

Katholisches Spielzeug

Also, das ist wahrscheinlich der kuschligste Adventskranz, den ich bisher gesehen habe – für Familien mit kleinen Kindern, zum Anfassen. Mir gefällt gut, daß er so echt der katholischen Tradition entspricht, mit einer rosa Kerze[1] für Gaudete drin.

Selbst habe ich die Schwierigkeit, ein passendes Viererset Kerzen aufzutreiben, noch nicht wirklich elegant gelöst. Meist habe ich die Variante eines Kranzes mit einer einzigen dicken violetten Kirchenadventskerze in der Mitte; zu Gaudete nehme ich dann die rosa Kerze und zu Weihnachten eine weiße. Alternativ müßte ich Kerzen zusammenstellen, wie man sie für Tischdekorationen nimmt – hier gefallen mir meist die Farbtöne nicht. Warum gibts eigentlich hierzulande kein Kerzenset ganz normaler Adventskranzkerzen (das Wort mit den vier Z), das aus drei violetten und einer rosa Kerze besteht? Das würde meiner Ansicht nach eine echte Marktlücke füllen. Kerzen in einem tiefen Rotton oder Honigkerzen sind natürlich auch schön, aber weniger liturgisch. Der amerikanische Hersteller des Baby-Adventskranzes, Christian Book, hilft aber offenbar auch hier weiter.

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[1] Ein Freund von mir, mittlerweile evangelischer Pfarrer, fand in seiner Vikariatszeit die Idee so schön, daß er vor Ort zu Gaudete unverzüglich eine rosa Kerze aufgestellt hat, mit einer passenden Erklärung in der Predigt.

Mittwoch, 23. November 2011

Schuhe…

Bei Orbis catholicus secundus gibts ein Foto aus einer Kirche in Ottawa, das ein Gestell mit Schuhen für die Ministranten zeigt. Sursum Corda spricht daraufhin die Hoffnung aus, daß es sich um die mitgebrachten Schuhe der Ministranten und nicht etwa um gemeinschaftliche Fußbekleidung handelt. Also in ein passendes Paar „Gemeinschaftsschuhe“, die dann wohl die Kirche nie verlassen, mit meinen eigenen sauberen Socken hineinzuschlüpfen, fände ich persönlich hygienisch jetzt nicht so erschröcklich.

Es ist schon klar, daß man heutzutage um jeden Ministranten froh sein muß, der zum Dienen kommt, schon deswegen sollte man wohl aus der Schuhfrage keinen Fetisch machen; zumal Kindern und Jugendlichen in dem Alter, in dem die Ministranten meist sind, erfahrungsgemäß schwer zu vermitteln ist, inwiefern ein schwarzer Halbschuh „schöner“ sein soll als einer dieser Panzer, die man heutzutage als Turnschuh trägt. Noch dazu, wenn letzterer auf glatten Marmorböden besseren Halt verspricht. Sagt man ihnen dagegen, daß er „schwärzer“ ist, so kommen sie unfehlbar mit irgendeiner neuen Variante daher, wie etwa schwarzen Flip-flops oder Schuhen mit Blinkern in den Absätzen, die – in der Osternacht! – bei jedem Schritt kundtun, auf welchen Pfaden der junge Diener Gottes grade wandelt.

Ich kann mich aus meiner Anfangszeit als Lektorin gut daran erinnern, daß es mir ein Graus war, ich könnte ausgleiten und lang hinschlagen (der Lektor pflegte, wie wohl meist üblich, zur entsprechenden Zeit feierlich herfürzutreten und der Boden war wirklich extrem glatt gebohnert). Kardinal Meisners kreativen Ausweg aus dieser Situation – „Liegenbleiben!!!“– hab ich erst etwas später kennengelernt. Wenn ich heute an meine damaligen kleinen Ängste denke, muß ich lächeln. Arme Lektorin! (Ich hab mich nicht selbst gemeldet, es war des Pfarrers Idee. Er traute mir immer mehr zu als ich mir selbst.)

Was einem im Altarraum (auch bei Menschen, die aus dem Kindesalter hinaus sind) manchmal für Monströsitäten an Schuhwerk begegnen, ist allerdings wirklich einigermaßen abenteuerlich: Botten in der Größe von Kindersärgen, die ich allenfalls beim Gartenumstechen tragen würde, High Heels, Daisy-Duck-Schuhe und solche mit kleinen Totenköpfen drauf – auch nett. Auf das, was ein paar gute Ministrantenschuhe aus schwarzem Leder unter allen anderen Schuhen auszeichnet und adelt, den Knick, der sich vorn durch das Knien allmählich bildet, muß man dann aber leider verzichten.

Ein Argument für unauffälliges Schuhwerk, das eigentlich jedem einleuchten müßte ist, daß – da der Altarraum zudem oft etwas erhöht ist – sehr augenfällige Schuhe vor allem der Ministranten beim Dienen einen Quell der Ablenkung darstellen: unwillkürlich fällt der Blick der Gläubigen dann doch auf das grellrote Paar Fußballschuhe oder die neongrünen Ballerinas, die auf der Altarinsel hin- und hereilen. Von dem Ohrenschmaus, den ein Paar Flip-flops auf Marmorboden darstellen, noch ganz zu schweigen. Insofern find ich das Schuhgestell zumindest als Notnagel eine kreative Lösung.

Oh…?!

Fundstück des Tages – the sacred laser show…

Dienstag, 22. November 2011

Weiß wie Schnee, rot wie Blut (Cäcilia, nicht Schneewittchen)


Bilder von der hl. Cäcilia mit Musikinstrumenten und Engeln gibts natürlich viele. Aber, um es mit Mary Clancy zu sagen: Ich finde, das ist ein fabelhaft rasanter Engel!

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Carlo Saraceni, ca. 1610, hängt in der Galleria Nazionale d'Arte Antica in Rom

Der Rufer in der Wüste

In einer Artikelserie über die Berufung der geweihten Jungfrauen hat eine amerikanische Eremitin die Art der Berufung der Jungfrauen mit der der Mitglieder eines Säkularinstitutes verglichen, die verborgen in der Welt wirken. Es ist dies ein gewisses Mißverständnis, das man zuweilen einmal antrifft (vielleicht auch, weil die geweihten Jungfrauen durch ihre Kleidung meist nicht erkennbar sind).

In Wirklichkeit jedoch sind diese beiden Berufungen sehr unterschiedlich; ja, es besteht sogar eine größere Ähnlichkeit zwischen der Berufung zum eremitischen Leben und dem einer geweihten Jungfrau als zwischen der Berufung zum Leben in einem Säkularinstitut und dem der Virgo consecrata [1]. Ich wage einmal zu behaupten, wenn die Kirche so etwas im Sinn gehabt hätte, so hätte sie dem auch durch konkludentes Handeln den entsprechenden Weg gebahnt. In der Tat jedoch hat sie durch die Rückkehr zu der weitaus älteren Praxis der Kirche, die Jungfrauenweihe Frauen, die in der Welt leben, zu spenden, klar zum Ausdruck gebracht, daß die Berufung einer Braut Christi eine andere ist als die eines Sauerteigs, der in einem großen Trog Mehl verborgen ist –, sie ist ein leuchtendes Zeichen für die Liebe zwischen Christus und seiner Kirche. Ein Licht stellt man aber nicht unter einen Scheffel oder auch einen Trog.[2]

An außerordentlich vielen Stellen betont die Kirche den Zeugnischarakter und die Zeichenhaftigkeit des Lebens einer geweihten Jungfrau, etwa, wenn der Bischof die Kandidatin vor der Weihe fragt, ob sie bereit sei, ihr Leben als Zeugnis der Liebe und als Zeichen des kommenden Reiches Gottes zu leben.

In den kirchlichen Dokumenten zum Ordo consecrationis virginum heißt es, daß durch diesen feierlichen Ritus die Jungfrau zu einer gottgeweihten Person wird, zu einem Zeichen, das auf die Liebe der Kirche zu Christus hinweist, und zu einem Bild für die endzeitliche himmlische Braut und für das künftige Leben.

Was bedeutet es nun, aus dem profanen Bereich ausgesondert und ganz für Gott und den Gottesdienst geweiht zu sein? Für mich selbst habe ich den Ritus der Weihe immer auch ein wenig mit der Konsekration und Salbung eines Meßkelches verglichen. Dieser war zuvor ein goldener Becher. Durch die Handlung der Kirche wird er zu einem Meßkelch, das heißt, seine Gestalt (die zuvor auch schön war, keine Frage) erhält eine neue Bedeutung und einen neuen Daseinszweck. Was einmal ein Meßkelch ist, bleibt es, es sei denn, man zerstörte seine äußere Gestalt. Etwas ähnliches gilt von den Gestalten der Eucharistie, sie sind und bleiben Leib des Herrn, solange sie in ihrer äußeren Gestalt erhalten sind.

Im Ritus der Weihe kniet die Jungfrau vor dem Bischof, legt ihre gefalteten Hände in die seinen und spricht:
Angesichts des Volkes Gottes lege ich meinen Entschluß in deine Hände, Hochwürdiger Vater. Ich verspreche, Christus im Stand der Jungfräulichkeit mit Gottes Hilfe nachzufolgen.
Der Ritus der Weihe ist eng an den der Ordination angelehnt, obwohl die Consecratio virginum und die Priesterweihe ihrem Wesen nach verschieden sind. Die Kandidatinnen werden namentlich aufgerufen und treten mit der Antwort, Hier bin ich, denn Gott hat mich gerufen, vor den Bischof.[3]

Durch die rituellen Fragen des Bischofs, die dem sogenannten Propositum (von lat. Plan, Vorsatz) vorausgehen, vergewissert sich der Bischof als derjenige, durch den die Kirche handelt, daß das Propositum freiwillig gemacht wird und diejenige es sich gut überlegt hat – rein praktisch wäre dies der letzte Moment, nein zu sagen, gesetzt den Fall, die Kandidatin wollte die Weihe nicht empfangen, denn hinter die Weihehandlung gibt es kein Zurück. Man kann einen Menschen, der öffentlich versprochen hat, bis ans Lebensende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten und der daraufhin dem Dienst Christi und der Kirche geweiht wurde, nicht „entweihen“; man kann ihn nur aus dem Stand entlassen, bzw., er selbst kann um Dispens[4] bitten. Beides kann nur aus aus schwerwiegenden Gründen geschehen. Aus diesem Grund soll der Bischof die Weihe nicht spenden, bevor er überzeugt ist, daß die Consecranda dem gefaßten Entschluß treu bleiben kann.

Schau gütig auf unsere Schwestern. Das Versprechen der
Jungfräulichkeit legen sie in deine Hand und weihen dir
ihr ganzes Leben; denn du selbst hast dazu ihr Herz bewegt.
Ohne dich kann kein Sterblicher dem Gesetz der Natur
entgehen, die Freiheit zum Bösen bewältigen, die Macht
der Gewohnheit brechen, die Leidenschaft der Sinne überwinden.

Die Ablegung des Propositums an der Kathedra und dessen Annahme durch den Bischof sind zugleich Zeugnis einer Berufung, die die Kirche öffentlich annimmt, ein Zeichen der endgültigen Bindung des ganzen Lebens, des ganzen Seins an Christus und die Kirche. In der ganzen Feier der Weihe, vor allem aber in dem wunderbaren Weihegebet, ruft die Kirche die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes auf die Kandidatin herab und betet inständig darum, daß die Jungfrau dem einmal gefaßten Vorsatz treu bleiben kann. Den Gedanken, daß das ein Mensch nicht selbst „machen“ kann, faßt das Weihegebet, das reiner Lobpreis Gottes ist, in die Worte: Deine Liebe allein kann das Feuer der Liebe entfachen, deine Gnade allein das gute Wollen erhalten und allein deine Macht die Beharrlichkeit schenken.

Nicht umsonst nennt die Kirche die Jungfrau ein eschatologisches Zeichen, das heißt, eines, das auf das Ende aller Zeiten verweist, in denen wir alle sein werden wie Engel: Denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel. Zugleich ist die Jungfrau als Braut Christi ein Zeichen der Verbindung Christi mit seiner Kirche:
Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe; denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche. Die Jungfräulichkeit um Christi willen erkennt in dir, o Gott, ihren Ursprung, sie verlangt nach dem Leben, das den Engeln eigen ist, und sehnt sich nach der Vermählung mit Christus. Er ist der Sohn der jungfräulichen Mutter und der Bräutigam derer, die im Stand der Jungfräulichkeit leben.
Als Zeichen der Bindung an dieses Leben erhält die Consecranda Schleier[5] und Ring aus den Händen des Bischofs.

Ausgesondert – als Braut Christi – und ganz für Gott und für den Gottesdienst geweiht zu sein ist eine wesenhaft kontemplative Berufung. Sie bedeutet, auf die Stimme des Rufers in der Wüste zu hören, die ruft: Bereitet dem Herrn den Weg. Sie bedeutet, die Sorgen und Nöte der Menschen wie Maria in ihrem Herzen zu bewegen und im Gebet vor Gott hin zu tragen, mit Jesus in der Wüste zu fasten, am Ölberg zu wachen und selbst am Fuß des Kreuzes zu stehen. Sie bedeutet, selbst jederzeit das Kommen des Herrn zu erwarten und inständig im Gebet darum zu flehen – der Geist und die Braut aber sagen, komm!

In diesem Beitrag ist nun viel von Zeichenhaftigkeit die Rede gewesen. Das bedeutet nun nicht, daß wir im Gedanken „Seht her, ich bin ein Zeichen!“ einhergehen sollten (das wäre fatal). In mindestens einem Punkt hat die Eremitin allerdings recht, man darf den Stand der geweihten Jungfrau nicht ständig dadurch zu definieren versuchen, in dem man ausführt, was er nicht ist. Wir definieren lieber, was er ist. Das zu tun, darum habe ich mich in diesem Beitrag ein wenig bemüht.


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[1] Der Kirche scheint dies durchaus bewußt gewesen zu sein, denn es ist möglich, als geweihte Jungfrau auch eremitisch zu leben, jedoch ist es meines Wissens für Mitglieder der Säkularinstitute nicht möglich, die Jungfrauenweihe zu empfangen. Dessen ungeachtet sind die Berufung zum Eremiten und zur geweihten Jungfrau zunächst einmal ebenfalls verschiedene Berufungen. Ohne nun die Eremiten über das Wesen ihres Standes belehren zu wollen, würde ich davon ausgehen, daß der Eremit dem fastenden und betenden Christus in der Wüste gleicht.

[2] Das folgende Zitat Kardinal Burkes habe ich erst nach dem Schreiben dieses Beitrags gefunden, ich freue mich aber, ihm zu entnehmen, daß der Kardinal dies offenbar genauso sieht (Hervorhebung von mir):
Diejenigen, die zu einem geweihten Leben in einem säkularen Umfeld berufen sind, gehören den sogenannten Säkularinstituten an. Sie bleiben in der Welt, legen aber die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab, die sie in Übereinstimmung mit ihren säkularen Rahmenbedingungen leben. Mit den geweihten Jungfrauen, die in der Welt leben, ist ihnen gemeinsam, daß sie einer Form des geweihten Lebens angehören, das in der Welt gelebt wird. Sie bekennen sich zu den evangelischen Räten, gehören zu einer Gemeinschaft und leben unter der Autorität eines Vorgesetzten, tragen aber keinen Habit und verwenden auch keinen besonderen Titel. Sie wirken in der Welt als Sauerteig, der in einem großen Trog Mehl verborgen ist. Dagegen sind die geweihten Jungfrauen auf Grund des öffentlichen Charakters ihrer Weihe und durch ihren Status in der Kirche als Personen des geweihten Lebens in der Öffentlichkeit bzw. Gemeinde bekannt und geben dort öffentlich Zeugnis für ein jungfräuliches Leben.

[3] vgl. auch R. Metz La consécration des vierges, hier, aujourd'hui, demain und R. L. Burke, Lex orandi, lex credendi.

[4] In analoger Anwendung der Canones 701 und 729 des CIC. Dies wiederum stellt einen bedeutenden Unterschied zu im privaten abgelegten Gelübden dar, die zwar gegebenenfalls auch von der Kirche angenommen werden (durch den Priester, in dessen Gegenwart sie abgelegt werden), von denen der- oder diejenige aber auch ohne weiteres wieder entbunden werden kann, wenn er diesen Wunsch äußert.

[5] Die Stelle im Pontifikale, an der es heißt:
Wenn keine Überreichung des Schleiers erfolgt… bezieht sich nach übereinstimmender theologischer Auffassung auf solche Frauen, die den Schleier in einer früheren Zeremonie (etwa bei der Aufnahme in ein Noviziat) bereits erhalten haben.

Samstag, 19. November 2011

Weiß wie Schnee, rot wie Blut – zum Fest der hl. Cäcilia

Der Name der hl. Cäcilia hat die Kirche viele Jahrhunderte hindurch begleitet; sie ist eine der heiligen Jungfrauen, deren Name in jeder Meßfeier im Kanon des Hochgebets genannt wurde. Als jungfräuliche Märtyrin trägt die zweifache Krone des Sieges über das Fleisch und die Welt.

Jungfrauenfeste bedeuten den geweihten Jungfrauen natürlich besonders viel. In dieser Predigt[1], der ersten, die er als neu kreierter Kardinal im Vorjahr in seiner Titularkirche Sant'Agata dei Goti gehalten hat, legt Raymond Leo Kardinal Burke einige sehr schöne Gedanken zum Fest der Heiligen dar:
Die hl. Cäcilia, deren Gedächtnis wir heute feiern, war eine kluge Jungfrau, die sorgfältig Öl für ihre Lampe bereithielt, so daß, als der Herr kam, er sie wachend und mit einer hell brennenden Lampe in Händen vorfand, bereit, ihm zu begegnen.

Wir wissen wenig über ihr Leben, es ist uns aber aus der Überlieferung die Wesenhaftigkeit ihrer heroischen Tugend bekannt. Cäcilia war eine römische Jungfrau, die im christlichen Glauben erzogen wurde. Tatsächlich wuchs in ihr durch Gebet und Buße die Liebe zum Herrn so stark heran, daß sie den Entschluß faßte, ihre Jungfräulichkeit auf ewig dem Herrn zu weihen, das heißt, sich dem Herrn als ihrem Bräutigam auf immer anzuverloben. Entgegen diesem Entschluß bestand ihr Vater darauf, daß sie einen bestimmten Heiden namens Valerian heiraten sollte, jedoch hören wir, daß sie an ihrem Hochzeitstag inmitten der Musik und dem Jubel der Gäste abseits dasaß und in ihrem Herzen ein Lied für Christus sang, ihren wahren Bräutigam. In ihrer mißlichen Lage rief sie Gott um Hilfe an. Man stellt sich unwillkürlich vor, daß sie die Worte der Psalmen wählte, da diese das überlieferte Gebet der Kirche sind, eines, das sich ganz natürlich aus den Gesängen des Judentums entwickelt hat und bis heute in einzigartiger Weise unseren Geist und unser Herz zu Gott erhebt. Gott hörte ihr Gebet, das umso reiner und schöner war, da es ihm als Gesang dargebracht wurde. Durch einen Engel bekehrte sich der ihr gerade vermählte Mann zum Glauben und empfing die Taufe durch den Bischof von Rom, Papst Urban.

Nachdem er durch die Taufe zum Leben gekommen war, achtete Valerian Cäcilias Weihe als Jungfrau in jeder Weise. Mit der hl. Cäcilia wuchs er schnell in der reinen und selbstlosen Liebe, und bald legte er, zusammen mit ihr, das äußerste Zeugnis völliger und treuer Liebe zum Herrn ab, indem er willig das grausame Martyrium für den Glauben auf sich nahm.

Im Leben der hl. Cäcilia sehen wir in höchst eindringlicher Weise die Verheißung der unermeßlichen und niemals endenden Liebe des Herrn zu allen Menschen – ohne Ausnahme – verwirklicht, jene reine Liebe, die wir in vollendeter Weise in diesem heiligen Meßopfer feiern. Der Herr verheißt seinem heiligen Volk: Ich traue dich mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.

Der Herr hat die hl. Cäcilia dazu berufen, sich ihm in Liebe anzuverloben, ihm ihre Jungfräulichkeit hinzugeben, ihr ganzes Sein. Die hl. Cäcilia antwortete darauf mit ihrem ganzen Herzen und barg ihr Herz im verherrlichten und durchbohrten Herzen des Herrn. Im heiligsten Herzen Jesu wurde die Liebe der Heiligen gereinigt und gestärkt, so daß das Zeugnis ihrer jungfräulichen Liebe in der Krone des Martyriums zur Vollendung kam. Das reine Weiß ihrer jungfräulichen Liebe fand seine Vollendung im beherzten Scharlach ihrer Liebe als Märtyrin für den Glauben.

Das Leben und das Martyrium der hl. Cäcilia stellen uns durch die wenigen Einzelheiten, die uns überliefert sind, wie das Leben jeder geweihten Jungfrau die unmittelbare Gegenwart der Liebe Christi in unserem Leben vor Augen, eine Liebe, die uns einlädt, sich ihm anzuverloben, eines Herzens mit ihm zu sein, indem wir einander lieben, so wie er uns geliebt hat, rein und selbstlos.
Die hl. Cäcilia lehrt uns alle den Weg, auf dem der Herr uns einlädt, uns an ihn und seinen mystischen Leib, die Kirche, zu verschenken und an alle Menschen. In Liebe – ob wir zu einem Leben in treuer und fruchtbringender Liebe in der Ehe, als ehelos Lebender, im geweihten Leben oder im Priestertum berufen sind. An ihrem Festtag bitten wir die hl. Cäcilia, für uns einzutreten, daß jeder von uns standhaft in der Antwort auf den Ruf unseres Lebens bleibt, daß wir niemals Mangel an Öl für unsere Lampen haben, daß der Herr jeden von uns an jedem Tag wachend vorfindet und bereit, ihn willkommen zu heißen, mit hell brennender Lampe. Wir beten, daß der Herr uns auf die Fürsprache der hl. Cäcilia jederzeit bereit findet, unser Herz ganz ihm zu übergeben.

In der Folge führte der Kardinal unter anderem aus, daß zwischen einem Kardinal und den jungfräulichen Märtyrinnen ein besonderes Band besteht. Sie sind ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, in welcher Weise er Christus und die Kirche lieben soll, während jene zugleich machtvoll für ihn eintreten, daß er für die Gläubigen ein Beispiel der unendlichen und unermeßlichen Liebe des Herrn sein möge, bis zum Ende, dem Verströmen seines Lebens für uns auf dem Kalvarienberg, dem Geheimnis, das uns in der Heiligen Messe täglich neu offenbar wird.

Die Farbe des Gewandes eines Kardinals ist das Rot des Blutes der Märtyrer, ein Zeichen, daß auch er bereit ist, äußerstenfalls sein Blut für Christus hinzugeben.

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[1] In meiner Übersetzung (das heißt, die Rechte an der Übersetzung liegen bei mir)

Christkönig – Anbetung des Lammes, Anbetung des Königs

Die Präfation des Festes breitet die Schönheit und Fülle des Königtums Christi vor uns aus:

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken. Du hast deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, mit dem Öl der Freude gesalbt zum ewigen Priester und zum König der ganzen Schöpfung. Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen. Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde, Engel und Menschen und singen das Lob deiner Herrlichkeit.

Mit dem Fest Christkönig geht das Kirchenjahr glanzvoll zu Ende. Es gewährt uns hier auf Erden einen Blick auf die himmlische Herrlichkeit und bereitet uns für den Advent, in dem wir das Kommen des Erlösers ersehnen und erwarten. Dieser Advent wiederum mündet nach der Verehrung durch die Hirten auf dem Felde in die wunderschöne Adoratio, in der weltliche Herrscher – alle Knie im Himmel und auf Erden – sich beugen vor dem Kind, das zu ihrer Erlösung gekommen ist, und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes, des Vaters.

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Bild: Die Anbetung der Hirten von Angelo Bronzino

Christkönig

Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, Macht zu empfangen,
Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre.
Ihm sei die Herrlichkeit und die Herrschermacht in Ewigkeit. (Introitus)

Freitag, 18. November 2011

Du unser Osterlamm (na ja…)!

Thomas mit seinem Abendland und Alipius haben jeder ein Gästemalbuch. Wie schon bemerkt, male ich mit einer Maus womöglich auch nicht viel schlechter als sonst auch. Daß man anscheinend nicht radieren kann, macht die Sache irgendwie nicht besser. Nun ja, man kann nicht alles gut können… Dieses Lamm sieht aus, als wenn es die Fahne als Hexenbesen reitet. Ist das nur der Winkel oder was hab ich falsch gemacht? (Von Kommentaren wie „Überhaupt anzufangen!“ bitte ich abzusehen. Danke! :})

Zwischendurch…

(zuviel Star Trek, eindeutig…)

Donnerstag, 17. November 2011

In corde Gertrudis invenietis me


Gott, du Sehnsucht deiner Geschöpfe,
es hat dir gefallen,
im Herzen der heiligen Gertrud Wohnung zu nehmen. (Tagesgebet)
Gertrud von Helfta, auch „die Große“ genannt, war neben Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn eine von drei großen Mystikerinnen, die das Kloster Helfta hervorgebracht hat. Die drei Fenster in der Stirnwand des Chores werden nicht nur als Sinnbild für die Dreifaltigkeit gesehen, sondern erinnern auch an diese Zisterzienserinnen des Mittelalters.

Über Gertruds Herkunft wissen wir nichts, daß in den Aufzeichnungen des Klosters nichts über ihre Familie verzeichnet ist, darf als ungewöhnlich bezeichnet werden. Im Alter von ungefähr fünf Jahren kam sie als Schülerin ins Helftaer Kloster. Obwohl dieses nicht offiziell dem Zisterzienserorden angegliedert war, folgte es dessen Regeln und war stark von der Spiritualität Bernhards von Clairvaux geprägt.

Im entsprechenden Alter – wahrscheinlich mit etwa fünfzehn bis siebzehn Jahren – trat Gertrud als Novizin in Helfta ein. Zunächst beschäftigte sie sich mit dem Studium der philosophischen Disziplin der Rhetorik und des Lateinischen. Im Advent 1281, mit etwa fünfundzwanzig, wandte sie sich nach einer mystischen Erfahrung ausschließlich dem Studium der hl. Schrift und der Kirchenväter zu. Als ich mich am Abend zum Gebet niederkniete, dachte ich plötzlich an die Worte des Evangeliums: Wer mich liebt, der hält sich an mein Wort; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Da fühlte mein Herz, daß du angekommen und in mir gegenwärtig warst.

Für den Konvent von Helfta und dessen Schülerinnen verfaßte Gertrud vereinfachte Zusammenfassungen schwieriger Abschnitte aus den Kommentaren der Kirchenväter und gab Niederschriften Heiliger heraus. Daneben ernannte man sie zur geistlichen Begleiterin der Novizinnen, dann wählte man sie zur Äbtissin. Über Briefe erteilte sie auch Menschen, die nicht im Kloster lebten, geistlichen Rat. Ihre Schriften sind sowohl auf Deutsch als auch auf Lateinisch verfaßt, darunter die beiden Hauptwerke Legatus divinae pietatis (Gesandter der göttlichen Liebe), ein mehrbändiges Werk, aus dem die Zeilen unten stammen, und Exercitia spiritualia (geistliche Übungen). Am 13. November 1302 starb Gertrud nach längerem Leiden, das sie nach einem Schlaganfall über ein Vierteljahr ans Bett fesselte, im Alter von nur sechsundvierzig Jahren und wegen ihrer außerordentlichen Güte bereits im Ruf der Heiligkeit.



Im Jahre 1999 haben unter der Führung der Äbtissin M. Assumpta Schenkl (gest. 2009), die damals fünfundsiebzig Jahre alt war, Zisterzienserinnen aus der Abtei Seligenthal bei Landshut das Kloster Helfta, das man einst die Krone der deutschen Frauenklöster nannte, wiederbesiedelt. Helfta liegt im Mansfelder Land nahe bei Eisleben, dem Geburtsort Luthers, wurde darum 1542 säkularisiert und fiel zunächst an die preußische Staatsdomäne. Das Kloster, das über viele Jahrzehnte hinweg völlig verfallen war, wurde durch großen Einsatz eines Eislebeners vor dem völligen Abriß bewahrt – in der DDR benutzte man die Gebäude teils zur Landwirtschaft, teils ließ man sie völlig verkommen. Erhalten blieben große Teile der Mauern der ehrwürdigen Klosterkirche und die Wand des Chores mit den drei großen Fensterbögen. 1994 kehrte das Gut in den kirchlichen Besitz zurück, schon 1999 feierte man das Richtfest der Klosterkirche St. Maria. Heute blüht es in Helfta wieder, was auch daran liegt, daß die Zisterzienserinnen dort Lavendel anbauen.


Du ehrfurchtsvolle Weisheit Gottes!
Wie machtvoll, wie strahlend ist deine Stimme!
Du rufst ohne Ausnahme alle, die begehren und ersehnen, zu dir.
Du wohnst in den Menschen der Demut.
Du liebst, die dich lieben,
Du richtest die Sache der Armen.
Du wendest dich voll Huld und Güte allen Menschen zu.
Du verabscheust nichts von dem, was du geschaffen hast.
Du läßt der Menschen Sünde unbeachtet.
Du wartest voll Sanftmut, daß sie umkehren.

O, Weisheit!
Du trägst in deiner rechten Hand das Banner der Ewigkeit.
Dir gedeiht alles glücklich.
Du allein – und nur du – vermagst alles.
Du bleibst stets in dir und doch machst du alles neu.
Ja, erneuere mich und mache mich heil in dir,
damit du in meiner Seele wohnen kannst.
Du berufst die Gottesfreude.
Ja, erwirb mir die Freundschaft Gottes.
Bereite mich, daß ich in der Frühe des Tages auf dich hoffe und harre,
damit ich dich wirklich und wahrhaft finde.
Nimm mich! Ergreif Besitz von mir,
damit ich Dich uneingeschränkt begehre.

___
Bilder: eine Herz-Jesu-Darstellung einmal anders. Auf dem Spruchband steht: In corde Gertrudis invenietis me im Herzen Gertruds werdet ihr mich finden.
Die Klosterkirche im Licht des anbrechenden Tages, Blick auf Kirche und Konventsgebäude.

Mittwoch, 16. November 2011

Die makkabäischen Märtyrer und die Auferstehung

Seit Montag hören wir in der Bahnlesung Abschnitte aus dem zweiten Buch der Makkabäer gestern das Schicksal von Eleasar, heute das der sieben makkabäischen Brüder. Worum geht es? Zu einer Zeit in der der König Antiochus Epiphanes die Verehrung fremder Götter (genauer gesagt, der griechischen) und die Einführung der entsprechenden Sitten anordnet, weigern sich einige vorbildliche Juden, von den Geboten ihres Glaubens abzuweichen.

Sterben wegen eines Mundvoll Schweinefleisches? Gott verlangt dies nicht, jedoch verlangt er, daß wir unserem Gewissen folgen. Daß er zu jeder Zeit einigen die Stärke verleiht, dafür im Martyrium ihr Leben zu geben, ist eigentlich eine Gnade, so haben dies viele der heiligen Märtyrer empfunden.

Die Lesung von den sieben makkabäischen Brüdern hören wir nur noch an einer weiteren Stelle des Kirchenjahrs, am Gedenktag des hl. Karl Lwanga, der einst in einer ganz ähnlichen Situation vor einem anderen König stand. Am Gedenktag des hl. Karl hören wir sie allerdings mit den Sätzen, die den Schlüssel dazu in die Hand geben, wieso uns diese Schicksale vor Augen gestellt werden und warum gerade zu dieser Zeit im Kirchenjahr. Einer der makkabäischen Brüder richtet angesichts eines schrecklichen Todes ein letztes Wort an den König:
Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.
Die Makkabäer sind als Märtyrer für den Glauben gestorben. Eleasar hätte sich retten können, wenn er sich auf den faulen Handel eingelassen hätte, der ihm angeboten wurde. Stattdessen wählte er das Martyrium – man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Diese Märtyrer werden uns als Vorbilder im Glauben, als Gerechte vor Augen gestellt. In der christlichen Ikonographie finden wir Darstellungen, in denen Christus nach der Kreuzigung diese Gerechten, die noch nichts von ihm wissen konnten und dennoch voll gläubigem Vertrauen gestorben sind, aus der Unterwelt befreit und in den Himmel führt. Christ ist von den Toten erstanden, er hat den Tod durch den Tod niedergetreten und denen in den Gräbern Leben gewährt.

Die Worte der Makkabäer verweisen etwa 150 Jahre vor der Geburt des Erlösers auf die letzten Dinge, das Gericht am Ende aller Tage und die Auferstehung der Toten.

Kleine Freuden eines Buchministranten

Dieses Bild hatte ich neulich in der Oberkirche flüchtig im Sinn, als der Zelebrant ziemlich groß geraten war – zusätzliche Zentimeter Extrahöhe gewinnt er dadurch, daß der Priestersitz sich auf einer Stufe befindet. (Der buchstäblich noch viel höherstehende Kardinal Sterzinsky hat in diesem Falle kurzen Prozeß gemacht und mich gleich nach oben zur Kathedra gewinkt.)

Vom Fest des hl. Albertus im letzten Jahr ist mir übrigens vor allem der nette Versprecher des Zelebranten beim Tagesgebet geblieben: Gib uns die Weite seines Geistes, damit der Fortschratt der Wissenschift uns hilft… Manchmal ists wirklich von Vorteil, wenn man sich bei diesem Dienst gleich danach hinter eine Säule zurückziehen kann, um die Gesichtszüge in aller Ruhe zu entkräuseln.

Dienstag, 15. November 2011

It's a wonderful life

Mach das beste draus, dachte ich mir im nachhinein, als ich en passant davon hörte, daß es in diesem Jahr mangels liturgiebegeistertem Rektor keine Mitternachtsmesse der Akademiekirche geben wird, was ich außerordentlich schade finde, ich fand die Stimmung bei unserer nächtlichen Messe mit dem vom Pfarrer gesungenen Martyrologium immer so schön.

Allerdings gibt mir das vielleicht die Möglichkeit, wiedermal etwas zu tun, ohne das Weihnachten früher für mich irgendwie nicht komplett war: mir auf dem Sofa zusammen mit den Katzen James Stewart in It's a wonderful life anzusehen[1].

In It's a wonderful life verzweifelt George Bailey an seinem Leben und erhält durch die Intervention eines Engels – der geschickt wird, weil so viele Menschen Gott und die Jungfrau Maria im Gebet für ihn anrufen – die Möglichkeit, zu sehen, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn er nie gelebt hätte.

Zum einen ist der Film einfach schön, irgendwie ist er auch ein wenig katholisch (so begegnen wir Heiligen und Engeln), zum anderen bringt er etwas sehr Schönes zum Ausdruck: Das, was aus einem Leben ein wonderful life, was das Leben des einzelnen kostbar macht, sind nicht große Werke, Geld oder Ruhm, sondern Glauben, Hoffnung und Liebe. Der Held des Films hat wenig Glorioses an sich: statt aufs College zu gehen und dann als Abenteurer in die Welt hinauszuziehen, finanziert er seinem Bruder das Studium. Er selbst muß notgedrungen die Bausparkasse seines Vaters übernehmen – die ständig am Rande des Pleitegehens dahinkrebst, schon weil der raffgierige Henry F. Potter den Baileys das Leben sauer macht – und wohnt mit Frau und vier Kindern in einer immerwährenden Bruchbude. Und doch ist er vollkommen glücklich, was er erst erkennt, als es fast zu spät ist.

George Bailey im Kreise seiner Familie
(die ohne ihn nie existiert hätte)

Engel sehen manchmal aus wie ganz gewöhnliche
Menschen – ohne Flügel. Dieser trägt zudem noch
altertümliche Unterwäsche.
Die Hauptstraße von Bedford Falls – und was ohne
George Bailey daraus geworden wäre: Pottersville[2]

Für den Film ließ der Regisseur eigens eine Stadt bauen, einen der größten jemals gebauten Filmsets, mit 75 Läden, drei Häuserblocks und 20 Eichen an der Hauptstraße (für den künstlichen Schnee hat der Film später noch einen Sonderpreis bekommen). Eigentlich aber hätte diese Stadt jede Kleinstadt in Amerika darstellen können, und tatsächlich fühlte sich James Stewart stark an seine Heimatstadt in Indiana erinnert, als er die Hauptstraße des Sets hinunterging.

Der Film, von dem amerikanischen Katholiken Frank Capra gedreht, kam am 20. Dezember 1946 in die Kinos, wo er zunächst kein Erfolg war. Mittlerweile gilt er als Phänomen, man staunt auch oft, in wievielen anderen Filmen kurz eine Szene aus It's a wonderful life aufblitzt. James Stewart brachte es einmal sehr schön auf den Punkt:
Today I've heard the filmed called 'an American cultural phenomenon.' Well, maybe so, but it seems to me there is nothing phenomenal about the movie itself. It's simply about an ordinary man who discovers that living each ordinary day honorably, with faith in God and selfless concern for others, can make for a truly wonderful life.
_____
[1] Der Film ist auch in diesem Jahr wieder im Spätprogramm des ZDF. Einer der wenigen echten Weihnachtsfilme, obwohl Capra eigentlich gar keinen solchen hatte drehen wollen (vielleicht gerade deshalb).

[2] Mittlerweile sehen viele der Städte, in denen wir leben, Pottersville irgendwie verdächtig ähnlich. Als Capra in den siebziger Jahren ein Seminar abhielt, fragte man ihn, ob heute wohl noch ein Film gedreht werden könnte, der der die Werte und Ideale von It's a wonderful life vermittelt. „Wenn nicht“, erwiderte er, „könnten wir genausogut aufhören“. Ja.
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