Montag, 31. Oktober 2011

Was wir sein werden… – Allerheiligen


An Selig- und Heiligsprechungen der jüngeren Zeit, aber auch aus dem Faktum, daß das schöne Fest Allerheiligen auch den unabsehbar vielen gilt, die Gott geheiligt hat, ohne daß wir von ihnen namentlich wissen, wird unter anderem etwas sehr Wichtiges offenbar: wir alle haben die Möglichkeit, einem Seligen oder Heiligen zu begegnen, denn sie sind mitten unter uns. Ein Heiliger kann bereits zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit gestanden, er kann aber auch völlig unerkannt unter uns gelebt haben, ja auch verachtet, verspottet oder um seines Glaubens willen ermordet worden sein.

Mehr noch, wir haben die Möglichkeit, selbst danach zu trachten, heilig zu werden. Diese konnten es und jene, warum nicht auch ich?, stellt der hl. Augustinus den Gläubigen als ernsthafte Frage an jeden einzelnen vor Augen. Die erste Antwort auf die Frage, was man tun kann, um ein Heiliger zu werden, ist wohl, es wirklich zu wollen. Nicht als Leistungssport, sondern indem man sich ganz der Gnade Gottes und dem Wirken seines Geistes überläßt. Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden, heißt es in der zweiten Lesung des Festes, aber: wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.


Die Gemeinschaft der Heiligen ist nicht etwas Abstraktes, das irgendwie über uns schwebt, sie ist etwas, das in unsere Zeit, in unseren Alltag hineinragt, ein Ort, an dem Himmel und Erde eins sind. Sehr schön kommt dieser Gedanke in dem Lied der Benediktinerin Silja Walter zum Ausdruck:
Eine große Stadt ersteht,
die vom Himmel niedergeht
in die Erdenzeit.
Mond und Sonne braucht sie nicht,
Jesus Christus ist ihr Licht,
ihre Herrlichkeit.
Eigentlich sind die Feste der Heiligen alle auch Feste des Herrn, denn in seinen Heiligen wird Christus verherrlicht. Das Bild Fra Angelicos ist Teil einer Altarretabel des Jüngsten Gerichts, deren linke Seite den freudevollen Zug der Heiligen und ihren Eingang in den Himmel zeigt. Die Freude ist fast greifbar. Diese Freude ist der Ansporn für uns: dorthin will ich eines Tages auch.

Die Heiligen mögen uns auf dem Weg dorthin helfen: Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und schenke uns dein Erbarmen, betet die Kirche im Tagesgebet. Allerheiligen ist nicht nur das eigentliche Erntedankfest der Kirche, es ist auch ein Fest der ganzen Kirche, der irdischen wie der himmlischen.

In der Klausur


Kreuzgang des Klosters der Franziskanerinnen von der Immakulata in Lanherne in Cornwall. Wenn ausnahmsweise Fremde – in der Regel Handwerker, Ärzte, Geistliche oder Lehrer – die Klausur betreten, warnt die Glocke der Pförtnerin die anderen Schwestern, außer Sicht zu bleiben.

Freitag, 28. Oktober 2011

Bild des Tages

(Tut mir leid, ich konnte einfach nicht anders – zu einem, den man „Simon, den Eiferer“ nennt, will mir einfach nur Spielkram einfallen.)

Ein etwas ungewöhnlicher Jahrestag…

Ein etwas ungewöhnlicher Jahrestag muß neulich von mir unbemerkt dahingegangen sein: seit mehr als einem Jahr habe ich die hl. Kommunion ausschließlich in der Form der Mundkommunion empfangen. Das war schön! Deo Gratias!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Allerheiligen, Allerseelen (…und Halloween)

In jedem Jahr lese ich es wieder und in jedem Jahr tut es mir ein wenig leid um die Heiligen und eines der wunderbarsten Feste, die wir im Kirchenjahr haben: Allerheiligen. An Allerheiligen gedächten die Katholiken ihrer Toten, heißt es. Möööp! An Allerheiligen gedenken wir, wie der Name schon sagt, aller Heiligen, von denen wir glauben, daß sie sich in der ewigen Anschauung Gottes befinden. Derer, deren Namen wir kennen und der möglicherweise noch viel größeren Zahl derer, die wir nicht kennen.

Dieses Gedächtnis ist jedoch untrennbar mit dem Gedächtnis der uns vorangegangenen Gläubigen, aller Seelen, verbunden. Auch dieser Gedenktag ist eigentlich ein freudiger, denn wir glauben an die Auferstehung. Die Lesungen des Allerseelentages sind voll des gläubigen Vertrauens, daß Christus unser Erlöser ist und daß auch wir zu dieser Anschauung Gottes gelangen werden. Der Gedenktag Allerseelen hat trotz seiner schwarzen Paramente und seines würdevollen Ernstes im Grunde nichts Düsteres an sich: eigentlich ist er eine Verlängerung dessen, was wir im Hochgebet der hl. Messe erbitten: Gedenke auch deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorangegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, und die nun ruhen in Frieden.

Dieser Brauch, der uns verbundenen Dahingeschiedenen an einem eigenen Fest besonders zu gedenken, findet sich in der Kirche ebenfalls schon früh. So haben einige Ordensgemeinschaften sowohl ein eigenes Allerheiligen- als auch ein eigenes Allerseelenfest des Ordens. Ausgehend von diesem Brauch wurde das Allerseelenfest in der ganzen lateinischen Kirche eingeführt. Bereits in der Frühzeit der Kirche verlegte man das Fest Allerheiligen, das zuvor in der freudigen Osterzeit gefeiert wurde, in den Herbst. Dieser strahlende Beginn des Monats verleiht den meist etwas dunklen Tagen im November Licht, Leben und Festlichkeit.

Durch die enge Verbindung zwischen den beiden Festen Allerheiligen und Allerseelen (Allerseelen hat einen sehr hohen liturgischen Rang) ist der Vorabend von Allerheiligen eigentlich eine Vigil für beide Tage.

Halloween ist eine Verballhornung des Wortes All hallows eve (der Tag vor Allerheiligen, ähnlich Christmas eve, dem Tag vor Weihnachten). In einem lesenswerten Beitrag How Halloween can be redeemed verbindet die amerikanische Autorin Page McKean Zyromski Gedanken zur Entstehung der kirchlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen mit einigen Überlegungen zu dem Bestreben, die Feier des Vorabends wieder vor ihren eigentlich christlichen Hintergrund zu stellen. Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Liebe der Katholiken zu ihren Heiligen und der Gemeinschaft der Heiligen.

Allerheiligen, Allerseelen, Kürbisse, Verkleidungen und ähnliches halloween-typisches Zeugs sind jedenfalls nicht unvereinbar. Besonders gefallen hat mir der Bezug zu den christlichen Heiligen und der daraus abgeleiteten Anregung, beim Umzug eine Verkleidung als solcher zu wählen – kleine Mädchen gehen vielleicht gern als kleine hl. Therese und für die Gruselfans darfs vielleicht ein hl. Dionysius sein, der den Kopf unterm Arm trägt. Das Ganze hat auch etwas von der Vorstellung des hl. Augustinus, daß die Märtyrer die Male ihres Leidens noch im Himmel tragen werden, als eine Art Siegeszeichen.

Und auch Totenköpfe und Skelette sind eigentlich nichts als ein Hinweis darauf, daß wir alle einmal so aussehen werden (auch wenn ich davon ausgehe, daß mein Skelett nicht im Dunkeln leuchten wird).

Nur vor dem Kontext des jeweiligen christlichen Festes hat ein solcher Vorabend seinen Sinn, denken wir an den Heiligabend oder an die Vigil der Osternacht, ansonsten wäre der All hallows eve eher hollow als hallow zu nennen:
Halloween is like our Mardi Gras before a very serious Lent. We should be able to laugh at the dark side and dress up in costumes and have parties. Let's reclaim our heritage with all the story power, creativity and joyous good fun that we can. Let's use it to help us become the saints we are each called to be. Halloween is a victory celebration, after all!
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Bild: die karmelitanischen Heiligen in der Anschauung Gottes und das Purgatorium. Über den Heiligen Christus und unsere liebe Frau vom Berge Karmel, die sich für die armen Seelen verwendet. Im Fegefeuer selbst und nach links aufsteigend sieht man Engel, die Seelen in den Himmel tragen. (Hier herrscht mal wieder Spruchbandalarm: in denen, die ich entzifffern kann, werden Gebete und Anrufungen hinaufgesandt. In den gedrehten Bändern über den Heiligen des Karmels schwebt wohl der Hymnus Flos Carmeli.)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Nungazing de luxe


Franziskanerinnen von der Immakulata (das sind die Zebragängerinnen hier). Die Gemeinschaft ist eigentlich apostolisch, hat aber einen klausurierten Zweig. Schleierfans bemerken auf dem Bild aus dem Refektorium und vor dem Chorgitter, daß man diesen Schleier vorn herunterlassen kann. Alternativ wird über den eigentlichen Schleier des Habits ein längerer Schleier aus durchsichtigerem Gewebe gelegt. Diese Sitte ist – wie das Chorgitter – eigentlich ein Teil der der Klausur und dazu schreibe ich demnächst etwas. Heute findet man diese schönen alten Brauch eigentlich nur noch in manchen Konventen der Karmelitinnen und der Klarissen.

Refektorium der Schwestern
Verehrung des heiligen Kreuzes
am Chorgitter

Darfs etwas mehr sein?

„…unsere liebe Frau von Guadalupe wäre grade im Angebot!“
(diese Horde Gottesmütter verdanken wir Saint Kitsch).

Sonntag, 23. Oktober 2011

Beten ist gut! (Kurze Begegnung am Weltmissionssonntag)

Als ich vorhin mit der Bahn unterwegs war, gabs zwischendurch einen sehr schönen, längeren Aufenthalt auf einer sonnenüberfluteten Bank. Mir zur Linken saß ein mittelalterlicher Ausländer mit einer Gebetsschnur (mit sehr hübschen grünen Perlen), ich daneben mit einem hölzernen Rosenkranz Marke „Betet für das heilige Land!“ Der Moslem, sichtlich erfreut auf meinen Rosenkranz (der eindeutig als solcher erkennbar war) deutend: „Beten ist gut!“ – ich zurück: „Ja, find ich auch!“. Dann haben wir uns beide an der Herbstsonne und dem jeweiligen Gebet erfreut. Als mein Zug schließlich kam, haben wir uns noch freundlich zugelächelt und gewinkt. Wie gesagt, der Rosenkranz und der Frieden der Völker… Wie schön wäre es, wenn es überall auf der Welt so sein könnte!

Samstag, 22. Oktober 2011

Same procedure as last year: Kürbisse!

Da der 31. Oktober nahe ist und neulich sogar in der Sonntagspredigt auf Kürbisse angespielt wurde (ohne daß jedoch solche in der Kirche vorhanden waren, wir sind unschuldig!), das obligatorische Kürbisposting des Jahres.

Wie man weiß, mag ich Kürbisse, einen winzigklein gezüchteten Jack-o-lantern – das ist der typische gelbe, der einen auf dem zweiten Bild unten angrinst – besorge ich mir jedes Jahr und lege ihn auf meinen Monitor, den Kollegen und mir zur Freude. Dieselbe Sorte kann einigermaßen groß werden; so habe ich mit einigem Erstaunen zur Kenntnis genommen, daß es in Wisconsin Anfang Oktober eine Regatta gibt, auf der man statt im Kanu im ausgehöhlten Riesenkürbis paddelt. (Essen kann man Kürbisse in dieser Größe meines Wissens sowieso nicht mehr, wer also einen solchen hat, macht sich vielleicht wirklich besser ein Paddelboot draus…)



Manche dieser Kürbisse sollen ja wahre Monster sein…
Hier findet man die wahrscheinlich schrägsten Kürbisse und ziemlich viele Möglichkeiten, was man mit ihnen anfangen kann, bis hin zu ausgesprochenen Kunstobjekten.

Freitag, 21. Oktober 2011

Ave, virgo Ursula

Zum Fest der hl. Ursula mal wieder ein wenig Sternguckerei. Ursula heißt ja kleine Bärin.

Diese spektakuläre Aufnahme des Hubble-Teleskops von vor drei Jahren zeigt das sogenannte Lichtecho um den Stern V838 Monocerotis.

Da das Lichtecho ähnlich wie andere Wellen konzentrisch nach außen wandert, ist dies ein sehr flüchtiges Bild. Der Lichtimpuls geht von dem roten Riesen in der Mitte aus, die Farbeffekte entstehen wiederum durch den interstellaren Staub. Ähnlich wie Schallwellen pflanzt sich dieser Effekt fort, wobei die Lichtwellen in unterschiedlicher Weise vom umgebenden Staub reflektiert werden; zunächst von Objekten, die dichter an der Lichtquelle liegen, später von entfernteren. Das Ganze ist vergleichbar dem Aufleuchten einer Glühbirne in einem dunklen Raum. – Das Bild hat mich an die heiligen Jungfrauen erinnert, die wie Sterne am Himmel aufleuchten.

Auf dieser Großaufnahme sieht man, wie es im Sternbild des kleinen Bären (Ursa minor) aussieht.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Diese Tiefe nun, die mich umhüllt – Hugo Ball in der Katholischen Akademie

Einen sehr schönen Abend hatten wir gestern als Vortragsveranstaltung über Hugo Ball in der Katholischen Akademie, zugleich war es die letzte Veranstaltung des früheren geistlichen Rektors, Christoph Karlson.

Dada ist eigentlich nicht so meins, mich haben aber die Biographie Balls, der sich, ursprünglich katholisch, der katholischen Kirche später wieder zuwandte, und sein Bezug zum Mystizismus interessiert. In der Zeit bis zu seinem frühen Tod mit nur einundvierzig Jahren schrieb er Werke mit mystischen Anklängen, darunter ein Triptychon über drei frühe Heilige (Johannes Klimakus, Dionysos der Aeropagit und Simeon, der Stylit [der Säulenheilige]).

Besonders anrührend fand ich dieses Sonett Balls, das von der dunklen Nacht spricht, in die die Seele geraten kann:
Wie bin ich, Herr, im Innern doch betrübt,
daß nur noch Chiffern meiner Hand entfallen,
Daß meine Worte irr im Raum verhallen.
Wie hat sich meine Sehnsucht überliebt.

In welcher Wüste hast du mich geübt,
es nicht zu achten, wenn man mich verstieße!
Ein Loblied wollt ich singen im Verliese
verriegelnd jeden Zugang, den es gibt.

Doch diese Tiefe nun, die mich umhüllt,
hat keinen Namen mehr, das ich es sage,
und ein Verlorensein, das mich erfüllt.

Strömt eine Trauer aus, vor der ich zage,
gleich einer Eule vor der Sonne Schild
starr ich geblendet in die wehen Tage.
Dionysos, der Aeropagit, eben einer der Heiligen, von denen Hugo Ball in seinem Triptychon geschrieben hat, nennt das göttliche Licht und die mystische Schau desselben einen „Strahl der Finsternis“, eine dunkle und allgemeine Erkenntnis, die allein dem unfaßbaren Wesen Gottes entspricht, der den Verstand blendet und ihm zugleich als Finsternis erscheint. Der hl. Johannes vom Kreuz greift dieses Bild vom Strahl der Finsternis in seinen Schriften über die dunkle Nacht der Seele später wieder auf.
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Bild: tunc suerdas

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Die Wolke der Zeugen – Fest der hll. Märtyrer Nordamerikas

In der Predigt zum Gedenktag des hl. Ignatius von Antiochien fand der Predigende das Streben des Heiligen nach dem Martyrium, um Christus ähnlicher zu werden, unverständlich. (Ich wiederum finde diese Sehnsucht gar nicht schwer verständlich, was nur beweist, daß man es offenbar sehr verschieden sehen und wahrnehmen kann.)

Die jesuitischen Märtyrer, die wir heute feiern, haben das Martyrium sicherlich zumindest billigend in Kauf genommen: P. Isaak Jogues kehrte nach seinem ersten Aufenthalt in der Mission aus Frankreich wieder in die Mission zurück, obwohl er um die Gefahren wohl wußte, da er bereits Folter und Verstümmelung erlitten hatte. P. Noël Chabanell konnte die Sprache der Algonquin und der Huronen nicht erlernen und litt außer unter den körperlichen Entbehrungen – viel schlimmer noch – unter dem, was der hl. Johannes vom Kreuz die dunkle Nacht der Seele nennt. Trotzdem tat er das Gelübde, in der Mission zu leben und zu sterben. Johannes de Brébeuf gab man die Schuld an einem Pockenausbruch, er lebte unter ständiger Bedrohung, trotzdem blieb er.

„Welches Werk könnte Gott wohlgefälliger sein?“, fragt im Film der Darsteller des P. Isaak Jogues seinen Ministranten, der seinem Beispiel später folgt und nach der Priesterweihe ebenfalls in die Huronenmission aufbricht. Tragischerweise brachte die Bekehrung zum Christentum dem Stamm der Huronen zugleich den Niedergang – sie wurden von ihren Feinden, den Irokesen, vernichtend geschlagen. Zuvor wurden Katechumenen und Neugetaufte ermordet, um die Missionare in Angst und Schrecken zu versetzen: Märtyrer für Christus auch sie.

Welches Werk könnte Gott wohlgefälliger sein? – Das Werk war nicht nur, unter Entbehrungen zu leben, die uns heute kaum vorstellbar erscheinen und unter den denkbar entsetzlichsten Umständen Christus ähnlicher zu werden, sondern Menschen, die noch nichts von Christus wissen konnten, das Evangelium zu bringen und buchstäblich das Weizenkorn zu werden, das in die Erde fällt und stirbt und so reiche Frucht bringt. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr reiche Frucht bringt. Ich glaube, das gilt auch für das Martyrium, es zu erleiden kann eine Gnade sein.

Die Gedenkstätte der hl. Märtyrer Nordamerikas in Auriesville im Staat New York, wo auch die sel. Kateri Tekakwitha begraben ist. 1640 hieß dieser Ort Ossernenon und lag mitten im Stammesgebiet der Irokesen.

Der Schrein der Märtyrer, der unserer lieben Frau von den Märtyrern
geweiht ist, vom nahegelegenen Strom, dem Mohawk River, aus gesehen

Der Weg in den Wäldern, auf dem
der hl. Jean de Lalande  den hl. Isaak Jogues erschlagen auffand.
Bei dem Versuch, seinen Leichnam zu bestatten,
geriet auch de Lalande in Gefangenschaft
und erlitt am Tag darauf das Martyrium.

Der Wallfahrtsschrein mit den Kreuzen für die jesuitischen Märtyrer
Die Ufer des Mohawk –
heiliger Boden, da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt.

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Weitere Bilder: Statue des hl. Johannes de Brébeuf; Karte des Missionsgebiets. Der Maßstab verdeutlicht die ungeheure Ausdehnung des Gebiets, das sich an den Ufern des Mohawk und des Sankt-Lorenz-Stroms bis in die kanadische Provinz Quebec erstreckte.

Montag, 17. Oktober 2011

Kyrie eleison – Trauermarsch mit den Kopten in Berlin am 16. Oktober

Hier einige Bilder vom gestrigen Trauermarsch für die ermordeten koptischen Christen in Kairo. Die Demonstration begann am Berliner Dom und zog in etwas mehr als zweieinhalb Stunden zum Brandenburger Tor, wo eine abschließende Kundgebung mit Ansprachen vor allem der Bischöfe stattfand.

Zu der Demonstration, für deren Organisation die koptische Gemeinde sich sehr eingesetzt hat, waren neben dem koptischen Bischof Damian auch unser Weihbischof Matthias Heinrich, Vertreter der syrischen Kirche und des ökumenischen Rates, und vor allem etwa 500 Menschen gekommen. Einerseits hat es mich sehr gefreut, daß es überhaupt 500 Leute waren, andererseits fragt man sich irgendwann doch unwillkürlich: wieso stehen in einer so großen Stadt eigentlich nur 500 Leute gegen das Unrecht und die Verfolgung, die man unseren Glaubensgeschwistern in Ägypten antut, auf? Und selbst wenn es sich nicht um Christen handelte, denen man sich im gemeinsamen Glauben verbunden fühlt: Unrecht bleibt Unrecht. Ich nehme selten an Demonstrationen teil, aber selten ist es mir auch so wichtig und sinnvoll erschienen. Es ist wichtig, das Augenmerk der Öffentlichkeit und der Politik immer wieder darauf zu lenken, daß überall auf der Welt unschuldige Christen, die nichts anderes wollen, als in Frieden leben und beten, nur wegen ihres Glaubens verfolgt und ermordet werden. Das Wort Kopte bedeutet übrigens einfach Ägypter und erinnert uns daran, daß Ägypten ungefähr 600 Jahre ein christliches Land war – eine lange Zeit. Die koptischen Christen gehören zu unseren ältesten Glaubensgeschwistern.





Warum tut ihr uns das an? Das kann man fragen, man wird aber keine rechte Antwort darauf finden. Vielleicht weil Kujonieren und Drangsalieren zum Bösen in der menschlichen Natur gehören, das es immer wieder zu überwinden gilt. Nichtsdestoweniger darf man es nicht einfach schweigend hinnehmen.

Der mit den Gewändern der koptischen und syrischen Priester und mit von orthodoxen Gläubigen in großer Zahl mitgebrachten koptischen und äthiopischen Kreuzen würdige und beeindruckende Zug erweckte bei den Vorübergehenden Unter den Linden und im Regierungsviertel durchaus Interesse (Tiberius, der dabei gedreht und Interviews aufgezeichnet hat, wird hierzu sicherlich noch berichten). Besonders berührend war, als während des Trauermarsches einer der Priester aus dem Korintherbrief vortrug:
Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.
Die beim Marsch zwischendurch angestimmten koptischen Gesänge konnten wir natürlich nicht mitsingen, aber einen doch, und selten ist mir die Kirche so universal und weltumspannend vorgekommen: Kyrie eleison.

Samstag, 15. Oktober 2011

O doctrix optima – hl. Teresa von Avila

Die Darstellung Teresas bringt wie die
Antiphon zum Ausdruck, wieso jede Reform
nur in Übereinstimmung mit dem Glauben
und der Lehre der Kirche fruchtbar sein kann:
O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche
du hast Gottes Weisung geliebt. Auf dem
Ölbild trägt die herabkommende Taube
über dem Köpfchen den zarten Glorienschein
des Heiligen Geistes
O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche, du hast Gottes Weisung geliebt. Heilige Theresia, bitte für uns bei Gottes Sohn.
(Antiphon zum Magnificat am Fest der hl. Teresa von Avila)

Teresa von Avila ist eine der drei Kirchenlehrerinnen, für die das Antiphonale eigens O Lehrer(in) des Glaubens vorgibt (ob man im Lateinischen O doctrix optima singt, entzieht sich meiner Kenntnis).

Teresa ist eine der bekanntesten und ausdrucksvollsten Heiligen der katholischen Kirche. Geboren 1515 in Avila als Teresa de Cepeda y Ahumada, wählte sie sich das schlichte Teresa von Jesus als Ordensnamen. In einer Überlieferung begegnete ihr auf ihren zahlreichen Reisen beim Verlassen des Klosters ein Kind, das sie fragte: „Wer bist du?“ – „Teresa von Jesus“. Das Kind erwiderte: „Und ich bin der Jesus von Teresa“.

Als ihre Mutter 1529 starb, bat Teresa die Jungfrau Maria, an ihr Mutterstelle zu vertreten. Mit achtzehn trat Teresa in den Karmel von der Menschwerdung ein und legte dort am 3. November 1537 im Alter von zweiundzwanzig Jahren ihre Profeß ab. Mehr als zwanzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie im Kloster von der Menschwerdung, zu dem sehr viele Schwestern gehörten, und in dem die Schwestern ein vergleichsweise einigermaßen „lockeres“ Leben führten (im Sprechzimmer war immer viel los) in Zwiespalt, Zerstreuung beim Gebet und innerer Zerrissenheit. 1554 schließlich berührte sie die Betrachtung des Bildnisses eines Schmerzensmannes so tief, daß sich ihr Leben völlig veränderte.


Aus der Erkenntnis, Wir sollen oft zu Gott sprechen, vertrauensvoll wie mit einem Freund, kam der hl. Teresa der Wunsch, andere diese Art des Betens zu lehren: Teresa war der Ansicht, daß viele Seelen bei ihrem Aufstieg zu Gott darin beschwert würden, daß sie Gott nicht recht kennen und durch verschiedene äußere Umstände an der völligen Hingabe ihrer selbst gehindert werden. Daher gründete Teresa von Jesus mit Erlaubnis ihrer Oberen und zunächst vier Schwestern eine kleine Gemeinschaft, den Karmel vom hl. Josef, in dem die Schwestern versuchen wollten, in der Klausur ein Leben zu führen, in dem möglichst wenig sie am Dienst des Gebetes hindern sollte.

In der Folge führte Teresa, in dem Bemühen, weiterzugeben, was sie selbst an Einsicht gewonnen hatte, ein Leben zwischen Betrachtung und großer Aktivität: sie gründete Klöster, lehrte, schrieb, reiste herum, um weitere Gründungen vorzunehmen. Dabei hatte Teresa durchaus bestimmte und teilweise für ihre Zeit sehr unkonventionelle Vorstellungen – Dinge, die die Kirche später als richtungsweisend erkannt und Teresa zur Kirchenlehrerin erhoben hat.

Dinge, die der hl. Teresa bei ihren Neugründungen hauptsächlich am Herzen lagen, waren die Übung des inneren Gebets, das Maßhalten und Klugheit bei den körperlichen Bußen (nicht jede Schwester braucht körperliche Abtötungen in gleichem Maße, nicht jede kann sie alle durchhalten. Es sollen daher für die Gemeinschaft als solche nur Bußübungen vorgeschrieben werden, die jede Schwester leicht erfüllen kann), die zweimalige Rekreation am Tag, den schwesterlichen und freundlichen Umgang miteinander in einer kleinen Gemeinschaft, das Leben unter einer Priorin und die freie Wahl eines Beichtvaters. Auch sollten sich Visitatoren nicht übermäßig in das Leben der Schwestern einmischen. Teresa fand, es genüge vollauf, wenn einmal im Jahr ein Visitator komme, um die Schwestern in Liebe zurechtzuweisen und ihre Fehler nach und nach zu verbessern.

Die Schwestern sollen in Gemeinschaften von nicht mehr als einundzwanzig Schwestern miteinander unter einer Priorin leben, die für die ganze Gemeinschaft die Mutter verkörpert. Die Priorin soll zugleich mütterlich und geistliche Lehrmeisterin sein, aber nicht hart oder übermäßig streng (Sie sorge dafür, daß man sie liebe, damit man ihr gehorche).

Für alle diese Neuerungen versicherte sich Teresa päpstlicher Hilfe (durch einen Brief); während ihrer Gründungstätigkeit gab es aber durchaus auch Widrigkeiten. So verboten ihr die Ordensoberen einmal volle zwei Jahre lang, den Konvent, in dem sie sich gerade aufhielt, wieder zu verlassen.

Teresa ist von bemerkenswerter Nüchternheit und Klarheit, sie hat nichts von Schwärmertum, wohl aber von der Glut der mystischen Erfahrung. In diesem kurzen Text scheint die gesamte Erkenntnis Teresas zusammengefaßt. Andere Darstellungen zeigen die Heilige neben der Taube auch mit einem Spruchband[1], das aus ihrem Munde kommt oder über ihr schwebt: Misericordias Domini in aeternum cantabo – das Erbarmen des Herrn will ich in Ewigkeit singen.
Obwohl er der Herr über allem ist und alle Freiheit hat, paßt er sich unserer Größe an, weil er uns liebt.
Einer kleinen Seele, die am Anfang steht, gibt er sich nicht gleich zu erkennen, damit sie nicht in Unruhe gerät, wenn sie sieht, welche Größe sie in sich beherbergen darf. Nach und nach weitet er sie, damit sie aufnehmen kann, was er in sie hineinlegen will.
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[1] ein Vorläufer der Sprechblase. Das Bild mit dem Spruchband ist das einzige nach dem Leben gemalte Bild der Heiligen und stammt von dem Karmeliten Fr. Juan de la Miseria.
kleines Bild: Ableger der hl. Teresa heute – ein Konvent im Gebet vor der Statue unserer lieben Frau vom Berge Karmel

Freitag, 14. Oktober 2011

Heiligenbildchen des Tages

„Das wird jetzt etwas wehtun!“
(erste Vesper des Hochfests der hl. Teresa von Avila)

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Fundstück des Tages


Den Lacher hab ich gebraucht.

Warum tut ihr uns das an? – Aufruf


In Ägypten werden Christen wegen ihres Glaubens ermordet, aber die Welt als solche scheint es nicht zu kümmern*. Wir haben es in der Hand, das zu ändern und den denkbar schlichten Wunsch der koptischen Christen, in Frieden leben zu dürfen, auf die Straßen unserer Hauptstadt zu tragen.

Auch hier daher ein Aufruf, sich am kommenden Sonntag, den 16. Oktober, dem Trauermarsch der Kopten anzuschließen, der mit dem koptischen Bischof Anba Damian vom Berliner Dom zum Brandenburger Tor zieht. Jeder, der öffentlich ein Zeichen gegen Gewalt, Unterdrückung und Unfrieden setzen möchte, ist eingeladen, sich anzuschließen.
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*siehe dazu auch den Beitrag vom Mai:
49 koptische Märtyrer seit Januar 2011. Mittlerweile hat sich diese Zahl noch einmal deutlich erhöht.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Dienstag im Jahreskreis – Votivmesse von den hll. Engeln


Das Fest der hll. Schutzengel ist in diesem Jahr vom Sonntag im Jahreskreis verdrängt worden. Gestern aber hat der Weihbischof em. die Abendmesse als Votivmesse der hll. Engel gefeiert und mit den Lesungen der Schutzengel – ein schöner Gedanke. Wir haben in dieser Messe auch besonders für die armen Kopten in Kairo gebetet.

Vielleicht dem regnerischen Wetter[1] geschuldet war die Messe sehr still und andächtig. Zwar ist des Herrn Weihbischofs Art, die Messe zu feiern, jederzeit geeignet, die Andacht zu fördern, indes sind die Hinein- und schon-wieder-weg-Besucher der Kathedrale manchmal ein rechtes Hindernis. Sehr schön war der Moment der Erhebung des Leibes Christi, der sehr lang dauerte, wie eine kleine Aussetzung des Allerheiligsten, was sie ja auch ist – mein Herr und mein Gott.

Von der kleinen hl. Therese ist überliefert, daß sie im Chor oft gegen die Versuchung ankämpfte, sich über die Schwester zu ärgern, die hinter ihr „mit den Perlen des Rosenkranzes klapperte“. Die Perlen des Rosenkranzes kamen über die Zensoren des Ordens da hinein, mittlerweile wissen wir: es war das Gebiß der Mitschwester, das Therese von der Andacht abzog. Was ersehen wir daraus? Auch Heilige können der Versuchung des Zorns erliegen, es kommt wahrscheinlich drauf an, was man im Umgang mit diesem Zorn unternimmt.

Das Evangelium der Messe von den Schutzengeln stellt uns – genau wie im übrigen das der kleinen hl. Therese – vor Augen:
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.
Das war eine gnadenvolle Fügung, denn der Gedanke, wieso die Kirche bzw. bemerkenswert viele ihrer Glieder mit solchen, die so klein sind wie dieses Kind, oft so ausgesprochen unschön, zuweilen geradezu gehässig – umgeht, beschäftigt mich in letzter Zeit. Manchmal werden wirklich gute Menschen – und damit meine ich nicht mich –, die sich aus naheliegenden Gründen (sie nehmen ihren Glauben ernst) dagegen nicht zu Wehr setzen wollen und die das wirklich nicht verdienen, von anderen geradezu genüßlich gedemütigt. Warum, und warum ist sowas gerade in manchen Kirchengemeinden so verbreitet? Man kann das auch nicht mit „es menschelt halt überall“ abtun. Ist es ein Weg zur Heiligung des einzelnen, wenn der- oder diejenige es in diesem Glauben annimmt? Oder ist es einfach ein Weg, unter Umständen einen psychischen Defekt davonzutragen? Die Antwort darauf kenne ich leider auch nicht.

Von Therese wissen wir, daß sie sich auch dann nicht verteidigte, als sie zu Unrecht beschuldigt wurde, eine Vase zerbrochen zu haben und die Konsequenz auf sich nahm. Ein anderer, der, dem wir nachfolgen, ist noch viel weiter gegangen: er hat es bis ans Kreuz getragen. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.

Der Antwortpsalm der hl. Messe von den Schutzengeln ist einer, den wir in der Komplet beten und wahrscheinlich ein Fingerzeig für solche Fragen:
Wer im Schutz des Höchsten wohnt
und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: Du bist für mich Zuflucht und Burg,
mein Gott, dem ich vertraue.
Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers
und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln,
unter seinen Schwingen findest du Zuflucht,
Schild und Schutz ist dir seine Treue.
Das Vertrauen darauf ist vielleicht das, was der Apostel Petrus mit seine Sache dem gerechten Richter überlassen meint. Wir wissen auch nicht, auf welche Weise wir aus der Schlinge des Jägers gerettet werden oder wie der Stein aussieht, über den uns die Engel tragen, damit wir unseren Fuß nicht daran stoßen. Es bleibt das Vertrauen darauf, daß uns Gott das widerfahren läßt, was uns widerfahren soll, zu unserem Besten.

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[1] Wie die Polizei heute mitteilt, ist diesem für Berlin seltenen Dauerregen wahrscheinlich zu verdanken, daß die vielen Brandsätze an Berliner Bahnstrecken nicht gezündet haben.

Es wird Herbst…

Zwischendurch: Leute, es wird endgültig Herbst. Hier fliegen zuhauf Kraniche ab. (Der Arbeitsplatz liegt an einer beliebten Zugroute, im Frühjahr sehe ich sie dann auf derselben Strecke zurückkommen.) Mit etwas Glück kann ich nachmittags manchmal im Gras liegen und mir das ansehen bzw. anhören – ich find die so charakteristischen Rufe der Vögel so schön. Witzigerweise heißt das Tier in der Terminologie Grus grus – da scheint der Ruf Pate gestanden zu haben.

In dem französischen Tierfilm Zug der Vögel, der fast ohne Kommentar auskommt, gibt es eine ganz rührende Szene, in der eine alte Frau irgendwo im Osten einem Kranich unterwegs etwas Futter hinstreut.

Eines der Bilder, die bei mir zuhause hängen, ist ein Ölbild von einem verträumten See (der sehr an die Nebel von Avalon erinnert) mit badenden Kranichen.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Il papa buono – sel. Johannes XXIII. (Angelo Roncalli)

Eine der nettesten Geschichten, die vom seligen Johannes XXIII. überliefert ist, ist die, wie er ein Waisenhaus besuchte und dort ein Kind nach seinem Namen fragte. „Angelo“, sagte der kleine Junge. Darauf der Papst: „Ich hieß auch einmal Angelo, aber dann haben sie mir diesen anderen Namen gegeben“.

Johannes XXIII. muß ein sehr einfacher und gütiger Mensch gewesen sein, womöglich hat ihn gerade das der Heiligkeit nahegebracht. Sieht man sich die Fotografien aus seiner Amtszeit an, fällt ins Auge, daß viele diese Bilder ihn in der unmittelbaren Begegnung mit Christus selbst zeigen: er hat die Gefangenen besucht, die Waisen, die Heimatlosen, die Kranken. Il papa buono – der gute Papst. Wie schön, wenn das nach seinem Tode von jemandem gesagt werden kann: der Gute. Diese glückliche Gabe drückt sich auch in seiner grundsätzlichen Haltung aus: Ich traue meinen Augen, ich lege alles gut aus und erfreue mich eher des Guten, als mich unnötig durch den Anblick des Schlechten zu zerstreuen, und schließlich schaue ich in die Zukunft.

Einer der bewegendsten Momente seines Lebens muß für ihn die Eröffnung des zweiten vatikanischen Konzils gewesen sein. Als ihm seine Berater seinerzeit entgegenhielten, das Konzil könne unmöglich 1963 eröffnet werden, entgegnete er schlicht: „Gut, dann werden wir es 1962 eröffnen!“






Auch der Tod selbst gehörte für ihn zum Guten und zur unmittelbaren Zukunft. Am 23. Mai verabschiedete sich Papst Johannes XIII., sichtbar gezeichnet von seiner Krankheit, die er mit viel Geduld ertragen hatte, von den Gläubigen in aller Welt – „Meine Koffer sind gepackt, ich kann jederzeit abfahren“ –, am 3. Juni 1963 gab er seine Seele Gott zurück. Heute ist sein Gedenktag, derselbe Tag, an dem vor 49 Jahren das von ihm einberufene Konzil eröffnet wurde. – Gütiger und seliger Johannes XXIII., bitte für uns.

Montag, 10. Oktober 2011

Bild des Tages

Der Prior der Kartause di San Stefano nahe Serra di Bruno in Kalabrien bei der Begrüßung Papst Benedikts*

Bei seinem Besuch kurz nach dem Hochfest des hl. Bruno hat der Heilige Vater bei der Vesper eine Ansprache vor dem Konvent der fünfzehn Kartäuser gehalten und auch – besonders berührend – die Krankenstation des Konvents besucht. Das Bild ist von Brunonis ausgeliehen, der naturgemäß viel über gerade diesen Besuch dokumentiert hat. Ebenfalls sehr schöne, selbstgeschossene Bilder aus der Großen Kartause hatte vergangene Woche Benedicite Deus.
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*Ich brauch definitiv ein Label für das Kartusianische.

Sprechen aus dem Schweigen heraus

In wohl mancherlei Hinsicht von großer Relevanz:
Das Schweigen des hl. Bruno bringt uns zu einem „keuschen“, einem reinen Sprechen, nicht von uns selber in einer gewissen Selbstherrlichkeit erfüllt, sondern auf die Wahrheit ausgerichtet. In anderen Worten ist das Sprechen, um Applaus zu ernten, das Reden an den Menschen orientiert, das gehört werden will, das Reden in Gehorsam zu den verbreiteten Meinungen, wie eine Art der Prostitution des Wortes der Seele. Die „Keuschheit“ ist eben nicht, sich diesem Standard zu unterwerfen, Applaus zu suchen, sondern in Gehorsam die Wahrheit zu suchen.
(aus der Predigt Papst Benedikts 6. Oktober 2011, dem Fest des hl. Bruno)

Sonntag, 9. Oktober 2011

28. Sonntag im Jahreskreis – die Einladung

Wenn ich das Evangelium des heutigen Sonntags höre, berührt mich eine Stelle besonders: Sie aber wollten nicht kommen. – Die Einladung Gottes, schweigend oder durch seine Boten, galt den Menschen aller Zeiten, sie gilt auch uns. Wie oft lädt Gott uns ein, und wie oft mag es passieren, daß wir nicht kommen wollen, anderen Dingen den Vorzug geben – da sind der Acker und der Laden… Ein irdischer Gastgeber wäre verärgert gewesen oder enttäuscht oder hätte resigniert. Ungewöhnlich drängend und zugleich langmütig dagegen wiederholt Gott seine Einladung: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

Die Kirchenväter deuten die Boten und die Gäste, an die die Einladung erging, als die Propheten und die Apostel und deren Nachfolger, die als Diener schließlich zu uns gesandt sind: Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Der hl. Gregor merkt an:
Er sagt das, weil in dieser Kirche weder die Schlechten ohne die Guten, noch die Guten ohne die Schlechten sein können. Und wer sich weigert, die Schlechten zu ertragen, der kann selbst nicht gut sein.
Als sich der Saal gefüllt hat, schließlich die – ungewöhnlich anmutende – Kleiderfrage: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Wird hier etwa denjenigen das Wort geredet, die finden, man müßte zu jeder Heiligen Messe im Sonntagsstaat kommen, auch wenn man deshalb extra nochmal nach Hause muß (was einen unter Umständen um den Sinn dieses Opfers betrügen würde, weil die Messe um deretwillen man sich umziehen wollte, bis dahin vorbei wäre?) Auch zur „Gewandfrage“ weiß der hl. Gregor Erleuchtendes zu sagen:
Was sollen wir anderes unter dem Hochzeitsgewand verstehen als die Liebe? Denn sie hatte der Herr an, als er kam, um sich mit der Kirche zu vermählen. Wer also ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit kommt, ist derjenige in der Kirche, der zwar Glauben, aber keine Liebe hat.
Der Apostel nennt die drei Güter, die wir brauchen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Keine von ihnen kann oder sollte auch nur in der Kirche und vor allem in unserem Leben ohne die beiden anderen sein. Ohne die Liebe geht allerdings gar nichts, ist der Glaube tot und leer und die Hoffnung stirbt.
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