Freitag, 30. September 2011

Die Blumen der Felder und Wiesen – hl. Therese von Lisieux


Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.

Im Jahr 1895 begann eine zweiundzwanzigjährige Karmelitin in der Normandie, ihre Kindheitserinnerungen in ein Heft einzutragen. Auf das Vorsatzblatt schrieb sie in ihrer kindlichen Art Frühlinghafte Geschichte einer kleinen weißen Blume. In einem Jahr beschrieb sie in der wenigen Zeit, die eine Karmelitin zum Schreiben hat, 84 Seiten, ohne einen Rand zu lassen, und übergab das Heft am 20. Januar 1896 ihrer Priorin.

Vier Monate vor ihrem Tod begann sie, wiederum auf Wunsch der Priorin, ein zweites Heft mit Aufzeichnungen zu füllen, so gut es einer an Tuberkulose Erkrankten eben möglich war. In diesem zweiten Heft sind 37 Seiten beschrieben, die letzten Eintragungen stammen aus dem Juli 1897. Am 30. September gab Therese vom Kinde Jesus und vom hl. Antlitz ihre Seele Gott zurück.




Bereits das Vorwort ihrer Aufzeichnungen wirft ein Licht darauf, was die Berufung dieser Heiligen war und warum die Kirche sie später zur Kirchenlehrerin erhoben hat: man nennt Therese Doctor amoris, Lehrerin der Liebe. Die Liebe erträgt alles, hofft, alles, glaubt alles. Die Liebe hört niemals auf.


Dann öffnete ich die Heilige Schrift, und mein Blick fiel auf folgende Worte: „Jesus stieg auf einen Berg, und er berief zu sich, die er wollte.“ Diese Worte waren das Geheimnis meines Berufes, meines ganzen Lebens und der Schlüssel zu allen Gnadenerweisungen, die Jesus über meine Seele ausgoß. Er beruft nicht die, welche würdig sind, sondern diejenigen, welche er berufen will. So schreibt auch der heilige Paulus: „Ich erbarme mich, wessen ich mich erbarmen will, und ich erzeige Barmherzigkeit, wem ich Barmherzigkeit erzeigen will; also liegt es nicht an dem Wollen und Laufen des Einzelnen, sondern an Gottes Erbarmen.“

Lange habe ich mich gefragt, warum Gott einzelne bevorzuge, warum er nicht allen Seelen das gleiche Maß von Gnaden erteile. Ich war überrascht, daß er selbst großen Sündern außergewöhnliche Gunstbeweise zuteil werden ließ, wie einem heiligen Paulus und Augustinus, einer Maria Magdalena, die er, man möchte sagen, nötigte, seine Gnaden anzunehmen. Im Leben der Heiligen schien es mir unerklärlich, daß unser Herr und Heiland gewisse bevorzugte Seelen von der Wiege bis zum Grabe liebend behütet hat, damit sich ihnen auf ihrem Lebensweg kein Hindernis entgegenstelle, welches ihren Flug hemmen könnte, wie er auch nicht zuließ, daß die Sünde das strahlende weiße Gewand ihrer Taufunschuld befleckte. Ich fragte mich ferner, warum wohl so viele arme Wilde in den heidnischen Ländern in großer Zahl dahinsterben, ohne auch nur einmal den Namen Gottes vernommen zu haben.

Jesus würdigte sich, mich hierüber zu belehren. Er zeigte mir das aufgeschlagene Buch der Natur und machte mich darauf aufmerksam, daß alle von ihm geschaffenen Blumen schön seien und daß die königliche Pracht der Rose und die blendende Reinheit der weißen Lilie in keiner Weise den Wohlgeruch des kleinen Veilchens und die Armut des reizenden, bescheidenen Maßliebchens beeinträchtigen. Ich erkannte, daß, wenn alle Blumen duftende Rosen sein wollten, die Natur ihre Frühlingspracht verlieren würde und die Auen nicht mehr mit niedlichen Blümchen besät wären.

Ebenso ist es in der Welt der Seelen, diesem lebendigen Gottesgarten. Der Herr hat es für gut befunden, jene großen Heiligen zu erwecken, die sich füglich mit den Rosen und Lilien vergleichen lassen, er hat aber auch die kleineren und unscheinbareren geschaffen, die sich begnügen sollen, Maßliebchen und kleine Veilchen zu sein, die aber immerhin auch die erhabene Bestimmung haben, das Auge Gottes zu erfreuen, wenn er es herniedersenkt zur Erde, dem Schemel seiner Füße. Je freudiger und bereitwilliger die Blumen alle seinem Willen entsprechen, desto vollkommener sind sie auch.

Noch etwas anderes habe ich verstehen gelernt; ich erkannte, daß die Liebe unseres Heilandes sich ebenso gut in der einfältigsten Seele offenbart, welche niemals seiner Gnade widersteht, als in dem erhabensten und erleuchtetsten Geiste. Da es in der Tat der Liebe eigen ist, sich herniederzuneigen und herabzulassen, so hätte es den Anschein, als wäre der liebe Gott nicht tief genug herabgestiegen zu den Seelen, die er gebildet, wenn diese alle jenen heiligen Lehrern zu vergleichen wären, die der Kirche Gottes zu so großem Ruhme gereichen. Aber Gott schuf auch das Kind, welches noch nichts von sich weiß und nur leises Weinen hören läßt. Er schuf den armen Wilden, den nur das Naturgesetz leitet, und er läßt sich zu allen seinen Geschöpfen herab, um in Liebe zu ihrem Herzen zu reden.

Diese Seelen gleichen den Blumen der Felder und Wiesen, deren Einfachheit ihn entzückt, und eben dadurch, daß er so tief zu ihnen herabsteigt, bekundet er seine unermeßliche Größe. Wie die Sonne mit ihren Strahlen sowohl die hochragende Zeder als das kleinste Blümchen am Wegesrand vergoldet, so erleuchtet die göttliche Sonne jede Menschenseele, mag sie groß und reich begabt oder klein und einfältig sein. Alles ist bestimmt, ihr Bestes zu fördern, gerade wie in der Natur die Jahreszeit festgesetzt ist, in welcher an dem dazu bestimmten Tage das kleinste Maßliebchen auf der Wiese erblüht.

Wenn ein kleines Blümlein die Gabe der Rede besäße, so würde es, wie mir scheint, ganz einfach erzählen, was alles der Schöpfer in Güte und Liebe an ihm getan, ohne seine Vorzüge verbergen zu wollen. Die Blume würde nicht unter dem Vorwand der Demut sagen, daß sie reizlos und ohne Duft sei, daß die glühenden Sonnenstrahlen ihr durftiges Gewand versengt, die Gewitterstürme ihren Stengel geknickt, wenn sie doch gerade das Gegenteil erkennte.
(Die ehrwürdige Theresia vom Kinde Jesus, Geschichte einer Seele, von ihr selbst geschrieben, 1922)[1]

Wer den Text oberflächlich liest, bleibt vielleicht an Rosen, Tulpen, Nelken hängen. In Wirklichkeit spricht das Bild der einfachen Blumen der Felder und Wiesen von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, der gekommen ist, jede einzelne Seele zu suchen.
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[1] Die etwas altertümliche Übersetzung ist dem Jahr der Herausgabe geschuldet, 1922. Der aufmerksame Leser bemerkt, daß Therese als ehrwürdig[e Dienerin Gottes] bezeichnet wird, da ihre Seligsprechung noch ein Jahr in der Zukunft lag.

Bilder: Therese im Juli 1896 (ein Jahr vor ihrem Tod) im Kreise der ihr als Meisterin anvertrauten Novizinnen und bei der Arbeit. Die Novizin rechts neben ihr ist ihre leibliche Schwester Céline.

Fundstück des Tages

Die kleine heilige Therese. Jedenfalls sieht sie schön weich aus.

Donnerstag, 29. September 2011

Die Erschaffung der Engel


Wenn ich über Beiträge wie diesen stolpere, bin ich fasziniert, worüber sich Leute schon Gedanken gemacht haben und was mir einfach noch nie in den Sinn gekommen ist (weshalb wahrscheinlich diese Leute Kirchenväter und Philosophen sind und ich nicht).

Taylor Marshall gibt unter Hernahme des hl. Augustinus ein paar kurze Antworten zur Erschaffung der Engel. Die Fragen lauten: wann wurden die Engel erschaffen und wann wurde Luzifer gestürzt?

Die Schöpfungsberichte nennen die Erschaffung des Lichtes, des Wassers, der Erde und was auf ihr wächst, der Gestirne, Fische und Vögel, der Kriechtiere und der Tiere des Feldes und der Menschen. Am siebten Tag ruhte Gott. Wie passen also da jetzt die Engel hinein? Wie gesagt, solche Gedankengänge können ganz interessant sein und man kann ja mal überlegen. Offenbar ist die Frage nicht neu, denn der hl. Augustinus[1] hat dazu ausgeführt:
Da also mit Himmel und Erde der Anfang gemacht wurde und die Erde, wie die Heilige Schrift weiter erzählt, zunächst nach ihrer Erschaffung unsichtbar und ungeordnet war und vor Erschaffung des Lichtes natürlich „Finsternis schwebte über dem Abgrund“, das ist über einer Art unausgeschiedener Vermengung von Erde und Wasser [wo kein Licht ist, muß Finsternis herrschen] und danach alles durch Schöpfungsakte geordnet wurde, was nach dem Bericht in einer Folge von sechs Tagen zum Abschluß kam, wie sollten da die Engel unerwähnt geblieben sein, als gehörten sie nicht zu den Werken Gottes, von denen er am siebenten Tage ruhte?
Darauf gibt Augustinus die folgende Antwort:
Indem nämlich Gott sprach: „Es werde Licht“ und das Licht entstand, sind die Engel, wofern man mit Recht bei diesem Licht an ihre Erschaffung denkt, in der Tat des ewigen Lichtes teilhaftig geworden, das nichts anderes ist als die unwandelbare Weisheit Gottes, durch die alles erschaffen worden ist und die wir den eingeborenen Sohn Gottes nennen; sie sind also, erleuchtet durch dasselbe Licht, durch das sie erschaffen worden, Licht geworden und werden als Tag bezeichnet auf Grund der Teilnahme am unwandelbaren Licht und Tag, das ist am Worte Gottes, durch das sie selbst und alle übrigen Wesen erschaffen sind.
Mit den Worten Es werde Licht! wurden also die Engel ins Dasein gerufen, was eine Antwort auf den Einwand, wie es vor der Erschaffung der Gestirne Licht hätte geben können, darstellt – das Licht ging von den Engeln aus.

Und wann verloren Luzifer und seine Engel die göttliche Gnade? Hierauf antwortet der hl. Augustinus damit, daß auch dies am ersten Tag geschah. Dies ist es, was das Wort Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht bedeutet.

Später im Kapitel 19 schreibt der hl. Augustinus:
Zwischen jenem Licht dagegen, das die heilige Genossenschaft der Engel vorstellt, die da leuchtet im Lichte der Wahrheit auf eine nur dem Geistesauge erkennbare Weise, und der ihr entgegengesetzten Finsternis, das ist den umdüsterten Geistern der vom Licht der Gerechtigkeit abgewandten bösen Engel, konnte nur der die Scheidung vornehmen, dem auch das künftige, nicht in der Natur, sondern im Willen begründete Böse nicht verborgen oder ungewiß sein konnte.
Also erfolgte die Erschaffung der Engel (Licht) und der Sturz Luzifers (Scheidung des Lichtes von der Finsternis) am ersten Schöpfungstag.

Heiliger Michael und alle Engel, bittet für uns.

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[1] Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat. 11. Buch
Bild: russische Ikone der Erschaffung der Welt. Wer zweimal klickt, sieht viel mehr.

Unüberwindlich starker Held – hl. Michael

Hier eine kleine Bildergalerie zum Erzengelfest (vormals das Fest des hl. Michael und aller Engel).

Den hl. Michael nennt man den Fürsten der Seraphim. Seraphim sind Engel, die in der beständigen Schau Gottes leben. Sie glühen vor Liebe und Freude. Der schiere Name Michaels – von hebräisch Mikha El, wer ist wie Gott? – verweist auf die Größe und Herrlichkeit Gottes.

Obwohl Seraphim eigentlich sechs Flügel haben, sind die hl. Erzengel doch meist mit nur zweien dargestellt (alternativ sind offenbar mehrere Flügelpaare unter der Kleidung verborgen).

Michael begegnet uns in der Offenbarung als derjenige, der den Satan bezwingt und ihn vom Himmel hinabstürzt. Er ist als der Wächter der ganzen Kirche bestellt und wird angerufen, um die Seele vor der Versuchung des Bösen zu bewahren. Ebenfalls mit dem Bild der einzelnen menschlichen Seele in Verbindung bringt ihn die Darstellung als Seelenwäger beim jüngsten Gericht. Im Requiem bringt die Kirche die Hoffnung zum Ausdruck, daß der Erzengel die Seele zu Gott geleiten möge: Signifer sanctus Michael repraesentet in lucem sanctam – der Bannerträger Michael geleite sie ins heilige Licht.

Die Verehrung des hl. Michael ist sehr alt, sie geht bis auf das vierte Jahrhundert zurück, ein eigenes Fest ist ab dem 5. Jahrhundert für die Westkirche belegt. Im Michaelslied, das ich vor allem deshalb gleich gelernt habe, weil es seinerzeit der alte Mann neben mir so begeistert geschmettert hat, heißt es:

Beschütz mit deinem Schild und Schwert
die Kirch, den Hirten und die Herd.









Mittwoch, 28. September 2011

Ein wunderschönes Bild


Papst Benedikt im Gebet in unserer kleinen Akademiekirche St. Thomas von Aquin am vergangenen Donnerstag. Hinter dem Heiligen Vater der scheidende Rektor Christoph Karlson, der neuer Regens im Priesterseminar in Erfurt wird. Für uns ist das natürlich traurig – die von ihm gefeierte Liturgie in der Akademiekirche in den letzten Jahren war außerordentlich schön und hat mir viel gegeben –, für die Kandidaten der ostdeutschen Bistümer aber ein großer Vorzug, zu Beginn des neuen Semesters am 1. Oktober einen so qualifizierten Leiter zu erhalten.

Fürbitten am Gedenktag des hl. Vinzenz

Die Fürbitten in den Gemeindemessen sind ein dankbares Thema, mir fällt dazu jedenfalls immer viel ein, vielleicht, weil mir die Fürbitten am Herzen liegen. Ein paar Überlegungen möchte ich sukzessive einstellen.

In den Abendmessen verwenden wir die Fürbitten, die das Schott-Meßbuch vorschlägt und ergänzen auch durch aktuelle Anliegen. Wenn ich sie selbst vorlese, versuche ich, das möglichst würdig und ohne viele Schnörkel zu tun, wenn ein anderer vorliest, höre ich gut zu und freue mich an Augenblicken der Stille, die die Fürbitten zwischen der vorgetragenen Bitte und der Antwort der Gemeinde ja auch vorsehen. Aus der Kindheit habe ich den wöchentlich wiederkehrenden Moment, in dem der Pfarrer vor dem Vaterunser die Worte sprach: „Alle Anliegen, die wir sonst noch in unserem Herzen haben, tragen wir in der Stille vor Gott“ noch gut in Erinnerung. Die Stille, die folgte, war wirklich einigermaßen lang und gut dazu geeignet, das zu bedenken, was man im Herzen trägt. Ich habe diesen Moment immer als sehr friedvoll empfunden.

Die Entscheidung für die Bitten aus dem Schott halte ich für eine gute Wahl; wirklich schön finde ich die Fürbitten aus dem römischen Stundenbuch, auch die nimmt mancher Zelebrant gelegentlich, jubilate.

Etwas erstaunt bin ich über die Schott-Fürbitten zwischendurch immer mal wieder an Gedenktagen Heiliger, die man assoziativ mit bestimmten Berufungen in Verbindung bringt (etwa, weil sie dieser Berufung selbst gefolgt sind); vor allem an Gedenktagen heiliger Ordensstifter, so wie etwa gestern. Der hl. Vinzenz und die hl. Louise von Marillac haben eine der größten Ordensgemeinschaften für Frauen gestiftet, die Vinzentinerinnen (eigentlich: Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul). Gerade für diese sieht das Meßbuch am Gedenktag des hl. Vinzenz aber keine eigene Fürbitte vor. Da wir von den Schott-Fürbitten eine ältere und eine etwas neuere Ausgabe haben: ich habe mir beide Versionen angesehen. Es wird – sehr schön – für die Priester gebetet, für die Seelsorger und die Armen und Kranken. Die neuere Version setzt sinngemäß „alle, die in der Krankenpflege tätig sind“ als erste Fürbitte ein. Für die vielen Ordensfrauen, die überall auf der Welt in den Gemeinschaften des hl. Vinzenz dienen, beten wir dagegen eher nicht, jedenfalls nicht laut und als Gemeinschaft der Gläubigen.

Man verstehe mich recht, natürlich ist es würdig und recht, für die Priester, Seelsorger und die zu beten, für die ihnen anvertraut sind. Warum aber hier nicht auch für die Ordensleute, zu denen der Tagesheilige in so hervorragender Weise in Beziehung steht? (Am Gedenktag der hl. Teresa erhielt ich von einem, der um jede Silbe einzeln gefragt werden muß, auf die Frage, ob wir nicht für die Karmelitinnen beten könnten – für die Karmeliten hätte ich selbstverständlich auch gebetet –, die Antwort: „Nein, die sollen für uns beten!“, eine Antwort, die ich wirklich als dumm empfunden habe, tut mir leid). Wieviele Gläubige mögen Grund haben, in Dankbarkeit an das zu denken, was Ordensfrauen für ihn selbst oder für seine Angehörigen getan haben?

Zum anderen: Was sagt das aus, wenn die Kirche selbst ihrer Stände und Gemeinschaften im Gebet nicht mehr gedenkt bzw. sie in den Fürbitten nicht mehr aufzutauchen scheinen? Kommt das Thema Berufung in unseren Gottesdiensten noch vor? Auch gepredigt wird darüber denkbar selten; gestern aber doch, der Weihbischof em. hält sehr schöne und ausführliche Predigten über Heilige.

Zu einer frei formulierten Fürbitte sind die Vinzentinerinnen gestern doch gekommen: daß Gott sie und ihr Wirken segnen möge und immer wieder Frauen freudig dem Ruf zur Nachfolge in diesen Orden folgen.
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Bild: Fürbitte vor dem Kreuz in der Stille – Karmelitin im Gebet

Dienstag, 27. September 2011

Die Herzen Jesu und Mariens – zur Predigt in Etzelsbach

Wirklich schade fände ich es, wenn die wunderbare Betrachtung, die der hl. Vater bei der marianischen Vesper in Etzelsbach gehalten hat, in der Reminiszenz untergehen würde, zumal sogar Fr. Mark von Vultus Christi sie in voller Länge wiedergegeben hat.

Ich zögere, einen Teil dieser Betrachtung herauszugreifen, sie ist eine Gesamtkomposition. Mir hat vor allem das gefallen, was Papst Benedikt bei der unmittelbaren Betrachtung des Etzelsbacher Gnadenbildes über die Herzen Mariens und Christi gesagt hat. Dieses Gnadenbild hat ein Bauer beim Pflügen auf seinem Feld gefunden, der der Überlieferung zufolge seit dem Bauernkrieg 1525 dort vergraben war, um es vor Plünderungen zu schützen. Beim Auftreten einer Pferdeseuche erinnerte man sich an die Wallfahrt vom das Gnadenbild, und führte die erkrankten Tiere dorthin. Die Heilung der Pferde ist die erste, die vom wundertätigen Gnadenbild berichtet wird.

Ungewöhnlich für eine Pietá ist, daß die Muttergottes den Blick direkt auf den Betrachter zur richten scheint. Ihr alle, die ihr vorübergeht, gebt acht, und schaut, ob ein Schmerz dem meinen gleicht.

Schauen wir ihr Bildnis an! Eine Frau mittleren Alters mit schweren Augenlidern vom vielen Weinen, den Blick zugleich versonnen in die Ferne gerichtet, als bewegte sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Auf ihrem Schoß liegt der Leichnam des Sohnes, sie faßt ihn behutsam und liebevoll, wie eine kostbare Gabe. Wir sehen die Spuren der Kreuzigung auf seinem entblößten Leib. Der linke Arm des Toten weist senkrecht nach unten. Vielleicht war die Skulptur der Pietà, wie oft üblich, ursprünglich über einem Altar aufgestellt. Der Gekreuzigte weist so mit seinem ausgestreckten Arm auf das Geschehen auf dem Altar hin, wo das heilige Opfer, das er vollbracht hat, in der Eucharistie Gegenwart wird.

Eine Besonderheit des Gnadenbilds von Etzelsbach ist die Lage des Gekreuzigten. Bei den meisten Pietà-Darstellungen liegt der tote Jesus mit dem Kopf nach links. Der Betrachter kann so die Seitenwunde des Gekreuzigten sehen. Hier in Etzelsbach jedoch ist die Seitenwunde verdeckt, weil der Leichnam gerade nach der anderen Seite ausgerichtet ist. Mir scheint, daß sich in dieser Darstellung eine tiefe Bedeutung verbirgt, die sich erst in ruhiger Betrachtung erschließt: Im Etzelsbacher Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt; die Herzen kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, daß das Herz auch das Organ der tiefsten Sensibilität für den anderen wie des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.

Die Marienverehrung konzentriert sich auf die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. Die Gläubigen haben betend, leidend, dankend und freudig immer wieder neue Aspekte und Attribute gefunden, die uns dieses Geheimnis besser erschließen können, zum Beispiel im Bild des Unbefleckten Herzens Marias als Symbol der tiefen und der vorbehaltlosen Einheit der Liebe mit Christus. Nicht die Selbstverwirklichung, das sich selber Haben- und Machen-Wollen schafft die wahre Entfaltung des Menschen, wie es heute als Leitbild modernen Lebens propagiert wird, das leicht zu einem verfeinerten Egoismus umschlägt. Vielmehr ist es die Haltung der Hingabe, des sich Weggebens, die auf das Herz Marias und damit auf das Herz Christi ausgerichtet ist und auf den Nächsten ausgerichtet ist und so uns erst uns selber finden läßt.
(aus der Ansprache Papst Benedikts am Pilgerfeld in Etzelsbach, in voller Länge nachzulesen hier)

Skurrile Bilder beim Papstbesuch

Weil grad alles so ernst ist: hier noch einige leicht skurrile Bilder am Rande des Papstbesuches:

Was du schwarz auf weiß rot und weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen.

Gegenpäpste?
Nein, halt, das war die Generalprobe…

Das Lenorgewissen? („Halt! Nicht alle Weichspüler sind genau gleich…“)

Tralala, tralala, heut ist wieder Regen da…

Also bei dieser Montage des Heiligen Vaters vor der „Fetten Henne“ hab ich mich schon gefragt, ob die zuständige Redaktion eigentlich noch recht bei Trost ist.

Montag, 26. September 2011

Der Weinstock und die Reben – zur Predigt im Olympiastadion

Auf dieser ikonographischen Darstellung sitzt Christus auf dem Altar, der zugleich ein Symbol seiner selbst ist. Christi Leib ist gezeichnet von seinem Leiden, umgeben und gekrönt ist er mit den Symbolen seines Leidens und Sterbens. Aus seiner Seitenwunde entwindet sich der Weinstock, trägt Frucht; und es ist wiederum Christus selbst, der die reife Frucht erntet, mit der er den Meßkelch bereitet. Das Kreuz hinter dem Herrn bietet den Reben Halt.


Johannes greift hier meinen gestrigen Beitrag mit Wordles zweier Predigten des Heiligen Vaters bei seiner Deutschlandreise. Bei Wordle ist die Größe eines Wortes in der Graphik abhängig von der Häufigkeit, mit der es verwendet wurde (das hatte ich gestern nicht dazugeschrieben). Auf einen Blick erschließt sich, was wirklich das Thema der Rede war, und ich finde das wirklich frappierend.

Es ist mir nach der Predigt im Olympiastadion, die ich wirklich wunderbar fand, aufgefallen, wie manche Leute da vor allem das vom Dürren und Toten gehört haben. In der Tat verwendet Papst Benedikt an vier Stellen das Wort vom Dürren. Man achte aber genau, wie das geschieht, voll Vertrauen und Hoffnung:
und er führt aus, daß der Winzer zum Messer greift, die dürren Reben abschneidet und die fruchttragenden reinigt, so daß sie mehr Frucht bringen. Gott will – um es mit dem Bild des Propheten Ezechiel zu sagen, das wir in der ersten Lesung gehört haben – das tote, steinerne Herz aus unserer Brust nehmen, um uns ein lebendiges Herz aus Fleisch zu geben. Er will uns neues, kraftvolles Leben schenken. Christus ist gekommen, die Sünder zu rufen.

In aller Not und Dürre
ist er die Quelle, die das Wasser des Lebens schenkt, die uns nährt und stärkt.

Wo den Rebzweigen Dürre und Tod drohen, da ist in Christus Zukunft, Leben und Freude.

Denn Gott will nicht das Dürre, das Tote, das Gemachte, das am Ende weggeworfen wird,
sondern das Fruchtbare und Lebendige, das Leben in Fülle.
Dieses Wort vom Leben in Fülle hat Papst Benedikt in seinem letzten Wort an uns beim Abflug noch einmal aufgegriffen:
Ich ermutige die Kirche in Deutschland, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren. Es wird kleine Gemeinschaften von Glaubenden geben – und es gibt sie schon –, die in die pluralistische Gesellschaft mit ihrer Begeisterung hineinstrahlen und andere neugierig machen, nach dem Licht zu suchen, das Leben in Fülle schenkt.
Also, ich finde da nichts Dürres und Totes, ich höre von Glauben, Liebe und Hoffnung.

Sonntag, 25. September 2011

Deo Gratias!

Vielfach könnte man einige Äußerungen in den Medien beim Besuch Papst Benedikts in den letzten Tagen kommentieren, aber ich lasse es, glaub ich, ganz. Zum einen sprechen die wunderbaren Ansprachen des heiligen Vaters, und was er damit bei den Menschen bewegt, für sich. Auch sagt manches Bild mehr als viele Worte, etwa das der kurzen Umarmung im Anschluß an die Ansprache Papst Benedikts im Augustinerkloster Erfurt.

Hier zwei Wordles der Predigten im Berliner Olympiastadion und bei der Marienvesper am Etzelsbacher Gnadenbild. Die eine Predigt wurde vor 61.000 bewegten Menschen gehalten, die andere vor 90.000. Auch diese aus den Predigten entstandenen Graphiken sind sehr aussagekräftig, denn man ersieht aus ihnen, wie Benedikt den Blick auf das Wesentliche lenkt, auf das, was uns im Leben trägt und hält.




Auf dem Etzelsbacher Pilgerfeld

So möchte ich an dieser Stelle dem Heiligen Vater danken, daß er tatsächlich die Brüder unendlich gestärkt hat, und natürlich Gott, daß dieser Besuch möglich wurde und so schön und festlich verlaufen ist. Deo Gratias! Vergelts Gott, Heiliger Vater, und auf Wiedersehen!

Samstag, 24. September 2011

Der Himmel über Berlin – Papst Benedikt im Olympiastadion

(Ich komme nicht so zum Bloggen, weil ich mir natürlich lieber die Stationen des Besuchs des Heiligen Vaters live bzw. im Fernsehen anschaue und auch das schöne Herbstwetter verlockt natürlich. Bevor die Eindrücke sich allerdings gegenseitig überlagern, verblogge ich sie sukzessive lieber doch.)

Der Gottesdienst mit dem Heiligen Vater im Olympiastadion war wirklich wunderbar und bewegend. Nicht ganz hindernisfrei war der Einlaß, weil meine Brotdose und die Getränkeflasche bei der Taschenkontrolle beanstandet und an die Garderobe verbannt wurden. (Nicht, daß man das nicht vorher hätte vermuten können – aber ich mußte ja unbedingt mit dem Kopf durch die Wand). Immerhin durfte ich im Gegensatz zu anderen meinen Minirucksack behalten. Das war auch gut so, wenn ich an die lange Schlange und einige Szenen an der Garderobe bei der Wiederabholung der Habseligkeiten denke. Jedenfalls waren die Helfer vor Ort ausgesprochen freundliche Menschen. Warum ein Metalldetektor am Eingang sich partout nicht davon abbringen ließ, die Kastanie in meiner linken Jackentasche müsse aus Metall sein, bleibt ein Mysterium. (Nein, der Reißverschluß der Jacke wars nicht und auch nichts anderes kam in Frage. Die eiserne Jungfrau wahrscheinlich…) Aber das war alles überhaupt nichts im Hinblick auf die große Freude, Papst Benedikt bei uns haben und mit ihm die Heilige Messe feiern zu dürfen.

Das Leuchtzeichen am Frankfurter Tor kündet es von fern
Berlin im Zeichen des Kreuzes – abgeklebte Deckel…
…und das Kreuz der Altarinsel im Gegenlicht
Nach dem Ankommen hatten wir noch Zeit, ein wenig zu bedauern, daß wir so früh dran waren (ich hatte die Situation auf der U-Bahn dramatischer eingeschätzt), denn das Vorprogramm war eher nicht unser Geschmack, jedenfalls, was die Musik betrifft. Dafür hatten wir ausgiebig Zeit, hier und dort auf dem nahen Feld Interessantes zu erspähen, zum Beispiel diese drei Karmelitinnen (woher?). Lustig der Moment, als das Feld – inklusive Karmelitinnen – blitzschnell unter Regencapes verschwand. Interessant auch das Geräusch, das das Stadion macht, wenn viele Menschen zugleich aufstehen. Wiederum war in anderen Momenten erstaunlich und berührend, wie still es in einem Stadion mit so vielen Menschen werden konnte.




Vor allem war die Stimmung rund um den Gottesdienst einfach so schön: man hat gemerkt, mit welch großer Freude die Menschen dabei waren. Morgens hat mir schon meine Bäckerin viel Vergnügen gewünscht; spät in der Nacht, auf der Heimfahrt von der Anbetung, hat man in Berlin noch überall Pilger getroffen, sogar an meiner Haltestelle mitten in Rixdorf ist eine Schulklasse mit den roten Bändern für die Eintrittskarten ausgestiegen. Pünktlich zur Landung des Papstes haben die Glocken des nahegelegenen St. Clara übrigens fast eine Viertelstunde geläutet, das war schon toll.

Einer der wunderbarsten Momente war sicherlich die Rundfahrt auf der blauen Laufbahn mit dem Papamobil. War das eine Freude! Ich glaube, daß viele auch Freudentränen in den Augen hatten. Daß sich die Menschen dazu wie ein Mann erhoben haben und die Stimmung, die dabei herrschte, hat sogar die säkulare Presse beeindruckt. Wegen der vielen Blitzlichter im Stadionrund hatte die Rundfahrt auch etwas leicht Weihnachtliches. Hier beim Video des Domradios hat man einen Eindruck).

Immer wieder wurden dem Heiligen Vaters Babies durchs Fenster gereicht, damit er sie segnen möge. Die liebevolle Art, wie er das macht und die Freude, die ihm das sichtlich bereitet, ist sehr berührend.

Papst Benedikt segnet ein etwas verdutzt dreinschauendes Baby
„Der Blick in das weite Rund des Olympiastadions, das ihr
 in so großer Zahl heute füllt, weckt in mir große Freude und Zuversicht.“
(Papst Benedikt an die Gläubigen)
Bewegend: Erzbischof Woelki begrüßt den Heiligen Vater
und heißt ihn herzlich willkommen: „Heiliger Vater, Sie sind
gekommen als guter Hirte, als Zeuge der Liebe Gottes,  aber auch
auch als Botschafter der Wahrheit, die Jesus Christus selber ist.
Was Jesus einst zu Petrus gesagt hat, das erbitten wir jetzt auch
 in dieser Stunde von Ihnen: Du aber stärke deine Brüder; denn
nur wo Gott ist, da ist Zukunft – und eine andere haben wir nicht.“
Der zweite Höhepunkt war für mich die Predigt des Heiligen Vaters mit dem schönen Bild des Weinstocks und den Reben. In Christus bleiben heißt, auch in der Kirche bleiben. Schon den Heiligen Vater in seiner ruhigen und verinnerlichten Art predigen zu hören, macht mich ruhig und geduldig.

Das mit dem Knien zur Konsekration haben wir auch geschafft, alles schön. Etwas schwierig wurde es dann beim Kommunionempfang, aber da ich mir das an solchem Ort schon entsprechend vorgestellt hatte, wars nicht weiter überraschend. Es ist mir immerhin gelungen, nach einer Danksagung, zu der ich mich völlig ungestört in eine der leeren Reihen knien konnte, wieder zu meinem Platz und vor allem meinen Freunden zurückzukommen. Nachdem es zuerst schwierig war, überhaupt einen Kommunionspender zu erreichen, hätte ich auf dem Rückweg gleich noch mindestens fünfmal kommunizieren können (Verzeihung!).

Nach dem Gottesdienst gab es dann noch sehr fröhliche Begegnungen um das Stadion herum und auf der U-Bahn. Der unbekannte Heiligenkreuzer Mönch, mit dem ich mich so nett unterhalten habe, sei hiermit gegrüßt. Ein kleines Bloggertreffen gab es am Stand des Domradios (Thomas hatte dazu sogar eigens [s]einen Miniaturdrachen mitgebracht.) Einige Blogger, die nur mal ein Crêpe essen gehen wollten, haben wir irgendwie leider nicht wiedergefunden und uns stattdessen in das Abenteuer der Garderobenriesenschlange gestürzt.

In mehreren Kirchen wurde nachts noch angebetet, das war ein guter und ruhiger Ausklang dieses aufregenden Tages. Mit dem sakramentalen Segen zu Bett entlassen werden, ist denkbar schön. Spät bzw. früh am nächsten Tag fuhr mein Bus am Südstern vorbei, wo ich einen kurzen Blick auf die apostolische Nuntiatur werfen konnte – gesegnete Ruhe ringsum – und dachte, da schläft er jetzt hoffentlich in Frieden. Dafür haben Berliner überall in der Stadt in dieser Nacht gebetet.

Hups?!

Zwischendurch: Beim Betrachten dieser Bilder vom Empfang am Schloß Bellevue beim Besuch Benedikts XVI. in Berlin komme ich nicht umhin zu fragen, ob Mozetten wirklich so praktisch sind?

Guten Taag! Huch, wo sind Sie denn?*
Gemeinerweise dürfen die, glaub ich,
nicht zurücklächeln…
Erinnert irgendwie an eine Pralinenschachtel…
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*Da hab ich mich allerdings über die Frau Kanzlerin gewundert, daß sie dem Staatsgast nicht mit einem schnellen Handgriff beigestanden und ihn ent-wickelt hat. Oder macht man das nicht?

Mittwoch, 21. September 2011

Bald ist es soweit – letzte Blitzlichter vor dem Papstbesuch

Dieses nette Winke-winke ist der letzte Beitrag vor dem Besuch des hl. Vaters in Berlin. Morgen, wenn er um halb elf ankommt, werden auf Wunsch unseres Erzbischofs alle Glocken läuten. Das wird sicher schon ein erster sehr freudiger Moment, wenn wir wissen, Papst Benedikt ist jetzt da.

Übrigens wird der Papst auch in die Akademiekirche kommen, um dort eine kurze Adoratio vor dem Tabernakel zu halten. Eine Kniebank gibt es dann, von der wir wissen, das ist die „Papstkniebank“. Der Gedanke, daß Papst Benedikt an einen Ort kommt, an dem ich selbst so oft bete, ist schön.

Rund um die Staffelwallfahrt, die heute aus Köln ankam und von Erzbischof Woelki am Potsdamer Platz empfangen wurde (ich bin bei der letzten Etappe mitgegangen), war schon eine so freudige Stimmung, es war einfach nur schön. Herzlich wilkommen, Heiliger Vater!

Moderne Kunst an der Nuntiatur


Dem Papstplakat an der apostolischen Nuntiatur wollte durchaus jemand einen eigenen farblichen Akzent beifügen. (Ähm, ein rosa Papst im Andy-Warhol-Stil, wessen Idee war das denn?) Das dezente Blau paßt eigentlich ganz gut dazu. Falls es etwa weiter oben hätte angesetzt werden sollen: nächstes Mal mehr Zielwasser trinken![1] Falls es etwa so etwas wie rechts hätte werden sollen, müssen wir an der Formgebung noch etwas üben, liebe Kinder.

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[1] Medienberichten zufolge wurden Plakat und Johannesbasilika „beworfen“. Ich bin sicher, hätte es sich um eine Synagoge oder Moschee gehandelt, sprächen die ewig Betroffenen von „einem Anschlag“. Honi soit…

Dienstag, 20. September 2011

Ihr Männer, was steht ihr da und schaut zum Himmel?

Das Papstplakat am Axel-Springer-Haus wird entrollt.

Herzlich willkommen, Heiliger Vater!



Was viel schöneres: Tiberius hat ein total nettes Begrüßungsvideo (in eigener Arbeit und großem Engagement, wohlbemerkt) fertiggestellt. Danke dafür, vor allem die Kinder sind ja sehr herzig. Der Botschaft kann man sich nur anschließen. Herzlich willkommen, Heiliger Vater, in Berlin und in Deutschland!

Plasberg und der Winter des Mißvergnügens

Eigentlich bin ich kein großer Gucker von Talkshows – meist schlafe ich dabei ein, worüber das was aussagt, lasse ich dahingestellt – und zudem hatte ich mir vorgenommen, dem Winter meines Mißvergnügens nicht noch dadurch Vorschub zu leisten, daß ich mir die Kommentare der Mainstreammedien zum Papstbesuch antue. Wozu? Ich will mich über den Besuch des Heiligen Vaters freuen. Das möchte man überhaupt manchem chronischen Beschwerdeführer nahelegen: Mensch, nun freut euch doch mal (und wenn das nicht möglich ist, laßt uns doch wenigstens dabei zufrieden).

Gestern habe ich mir dann aber aller guter Vorsätze zum Trotz den Plasberg gegeben, obwohl ich beim Anblick Schmidt-Salomons schon drauf und dran war, von diesem Vorhaben gleich wieder abzulassen. Bruder Paulus dagegen sollte wirklich man öfter einladen, er wirkte kompetent, sicher und in sich ruhend.

Mit den aufgebrachten Diskussionsthemen war von vornherein zu rechnen, die werden bei kaum einem der in den nächsten Tagen gezeigten Beiträge anders sein.

Der Einspielfilm über den indischen Priester, der Pfarrer einer süddeutschen Gemeinde ist, war allerdings ein dermaßen an den Haaren herbeigezogenes „Beispiel“ (für was allerdings, darf man sich fragen? Weiht lieber alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, zum Priester, als daß ein Inder bei uns den Bayern predigt? Was für ein Unfug!), daß es einen grausen konnte. Wann wäre es in der Geschichte der Kirche je wichtig gewesen, mit welchem Akzent eine Predigt vorgetragen wird? Ich erinnere an die jesuitischen Missionare in Nordamerika, an die vielen polnischen Priester, die weltweit großen Einsatz zeigen, an ausländische Gastzelebranten wie auch solche die bei uns Urlaubsvertretungen übernehmen und uns zu Bewußtsein bringen, daß wir einer Weltkirche angehören. Nebenbei bemerkt: der Pfarrer hat inhaltlich völlig verständlich gesprochen, die Grammatik war auch korrekt, nur halt eben mit einem Akzent, in den man sich einhören kann. Wer in der letzten Reihe Schwierigkeiten hat, ihn noch zu verstehen – und schon solch maulige Leute waren ja für den Beitrag offenbar schwer aufzutreiben –, der soll sich doch einfach nächstens nach vorn setzen. Menschlich war das jedenfalls unter aller Kanone, und dafür ist der Moderator mit Recht von Br. Paulus gerügt worden. Begebenheiten wie diese machen aber deutlich, wie verlegen man offenbar auch um irgendeine Argumentation sein muß, sonst müßte man sich nicht entblöden, mit etwas derartigem anzukommen.

Auf die überaus schlichte und doch so zutreffende Idee, daß der Papst kommt, um zu tun, was seines Amtes ist, nämlich die Gläubigen zu stärken (nicht etwa, um den Ungläubigen Rechenschaft abzulegen), verfällt offenbar niemand.

Ich hoffe, mit dem Besuch wird es gehen wie bei Shakespeare:
Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens
glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.

Montag, 19. September 2011

Gegen alle Hoffnung… Kirchbau in Mejorada del Campo


Gestern im Gespräch fiel er mir wieder ein – der Mann, der seit über 50 Jahren eine Kirche erbaut, aus Schrott und dem, was andere Leute wegwerfen. Don Justo Gallego Martínez, früher einmal Trappist, tut dies auch aus Dankbarkeit für seine Heilung von der Tuberkulose, die er einem Wunder zuschreibt. Wegen der Tuberkulose hat er die Trappisten wieder verlassen müssen – trotzdem ist er dankbar, einfach nur am Leben zu sein und etwas für Gott tun zu dürfen.

Vor Jahren habe ich einen feinfühligen Bericht über ihn gesehen, wie er irgendwo an dem Bau weiterbaut, wenn gerade das entsprechende Material da ist. So klebt er etwa die Mosaiken für die Fenster aus vielen Tausenden von Altglassplittern zusammen. Was dabei herauskommt, ist zumindest erstaunlich zu nennen. Die Kirche, die Don Justo baut, ist zudem kein Kapellchen, sondern eher ein Dom: sie ist etwa fünfundfünfzig Meter lang und fünfunddreißig Meter hoch.

Bild vom Bau in Mejorada del Campo

Seinerzeit wußte er nicht zu sagen, ob und wie die Kirche jemals fertig wird, schließlich baut er schon eine Weile daran (seit 1961) und wird morgen 87 Jahre alt. Außer sonntags verbringt er jeden Tag etwa zwölf Stunden auf seinem Bau, den er übrigens ohne Baugenehmigung errichtet. – Das Gottvertrauen und die schiere Hingabe, mit der er das tut, haben mich seinerzeit bewegt und auch beschämt. Wie schnell bin ich selbst manchmal bereit, bei Schwierigkeiten lieber auszuweichen oder eine Absicht bei starkem Gegenwind auch ganz aufzugeben.

Gegen alle Hoffnung hat er geglaubt, möchte man über diesen einfachen Mann sagen, der das Geringste verwendet und tut, um etwas zum Ruhm und der höheren Ehre Gottes zu schaffen. Nun habe ich gelesen, hat er einige Helfer gefunden, so daß eine Aussicht besteht, sein Vorhaben doch zu Ende zu bringen. Wie schön wäre das.

Sonntag, 18. September 2011

…und das Wort des Tages


(wahr, aber manchmal trotzdem nicht einfach):
Gott läßt uns das widerfahren, was uns widerfahren soll, zu unserem Besten.

Das Wort zum Sonntag…

sprach der Heilige Vater, den die Sprecher nun zu ihrem Team zählen dürfen. Da ich es leider nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft habe, „mußte“ ich es als Livestream ansehen und wurde leicht nervös, als ich um 22:55 Uhr nur einen blauen Bildschirm mit der Ankündigung der nächsten Tagesschau um 1:55 Uhr hatte – .oO(ausgerechnet jetzt, wo der Heilige Vater spricht, „tut“ es nicht) – wie sich herausstellte, lag das an der viertelstündigen Verspätung der Tagesthemen. Alles wird gut.

Herzig fand ich die gewählte Ausdrucksweise „…darf ich mich mit Vertretern der evangelischen Kirche Deutschlands treffen“ und das kurze Zögern vor dem Namen des Wittenberger Mönchs.

Zu Herzen gehend, als er den Blick darauf lenkt, um wen es bei diesem Besuch eigentlich geht:
All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. Es soll darum gehen, daß Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen. …
und wo wir ihn finden können (in der Schöpfung, im Wort Gottes, in der Begegnung mit dem anderen)
Und endlich, in der Begegnung mit Menschen, die von Gott angerührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die Großen: von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Theresa; sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch, wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, daß wir wissen, da ist Gott, und daß er uns anrührt. Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, daß wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, daß wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt herein tritt, das Licht von Gott her ist und uns leben hilft.
(den ganzen Text zum Nachlesen hier.)
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