Mittwoch, 31. August 2011

Frauen und Kirche

Mir war grad danach – einfach, weil ichs wunderschön finde.
(Das ist eine feierliche Profeß)

Mantillen… – bitte sehr, bitte gleich


Nachdem in Elsas Kommentarbereich mehr über Mantillen und ihre Trägerinnen gewünscht wurde, bitte sehr – es handelt sich hierbei übrigens um ein Werbeplakat. Heutzutage fragt man sich doch glatt, ob für Orangen oder Mantillen? Ich mag beides gern.

Dienstag, 30. August 2011

Bewegung, Steine, Glieder am Leib – die Kirche


In der ikonographischen Darstellung bildet das Kreuz die Achse der Welt. Zugleich sieht man, wenn man genau hinschaut, daß es mit dem unteren Querbalken auch das Gebäude stützt – die Kirche.

Elsa schreibt hier über Frauen, die die Kirche bewegen, und ich bekomme Blumen (zunächst einmal nochmals vielen Dank, ich dachte schon, woher kommen all die vielen Leute ;*).

Zunächst muß ich sagen, daß ich mich mit diesem Bild von der bewegten oder sich bewegenden Kirche etwas schwer tue (jedoch ist dies eine Idee des ZdK) – denke ich an die Kirche, fällt mir eher der Bau aus lebendigen Steinen ein, der von Christus als dem Eckstein zusammengehalten wird, oder der Leib Christi, an dem jeder einzelne von uns ein Glied ist. Nun möchte ich den von Luisa Hölzl verfaßten Text nicht gänzlich zerpflücken, es gibt immer verschiedene Ansätze und nicht immer kann man mit allem etwas anfangen. Eher frage ich mich schon, wieso das ZdK glaubt, daß dies ein beispielhaftes Zeugnis sei, denn von Christus lesen wir darin nichts. Wirklich gerieben habe ich mich in dem Text von Frau Hölzl allerdings an einer kurzen Passage:
Aus der Erfahrung als Vorsteherin meiner Hauskirche fühlte ich mich fähig, auch über die Familie hinaus mich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Dennoch stellte ich fest, daß dies nur bis zu einem gewissen Punkt erwünscht war. Auch merkte ich, daß Kirchenleitungen in ihrem Handeln und ihren Verlautbarungen wenig bis gar nicht auf diesen Schatz der Hauskirchen, auf das dort Erlebte und Erprobte, zurückgreifen. Es ist übrigens lächerlich, wenn z.B. ein junger 30jähriger Kaplan glaubt, mir als erfahrener Mutter, die diakonisch und priesterlich in ihrer Hauskirche wirkt, etwas vorschreiben zu müssen.
Ich finde das in mehr als einer Hinsicht etwas befremdlich. Zum einen störe ich mich an der Verwendung des Wortes „priesterlich“. Seit wann wirken Mütter in ihren Familien priesterlich?[1] Auch „diakonal“ ist meines Erachtens noch zumindest eigenartig zu nennen. Der Diakonat ist die Beauftragung zum Dienst am Tisch des Herrn und an den Armen. Ist der eigene Tisch der des Herrn und die eigene Familie bedürftig? Oder sind Ehemann und Kinder nicht eher die eigene Familie und man selbst eine Mutter? Kann man als Mutter nicht einfach mütterlich sein (oder von mir aus auch „wirken“)? Wozu braucht es die etwas bombastisch daherkommende geistliche Überkleidung, als sei das schlichte „Mutter“ nicht gut genug? Fragen über Fragen. Als Frau wäre mir zudem eher ein weibliches Rollenvorbild näher, wie etwa Maria, die Mutter des Herrn.

Auch die Folgerung, ein dreißigjähriger Kaplan habe einem nicht viel zu sagen, finde ich einigermaßen gewagt. Ob Frau Hölzl das wohl auch von einem dreißigjährigen Arzt gesagt hätte? (Ich weiß, beides ist nur eingeschränkt vergleichbar.) Nun ist der Kaplan halt etwas, was ich selbst nicht bin, nämlich Priester und als solcher hat er mir unter Umständen sehr viel zu sagen, etwa bei der Beichte. Bei einer solch verschobenen Wahrnehmung fällt mir dann schon des Apostels Bild von der Kirche als dem Leib Christi ein: Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör?[2]

Aus dem Bild der Mutter, die der Hauskirche „prälatig“ vorsteht, wie das Echo Romeo so treffend ausgedrückt hat, spricht jedenfalls eine gewisse Selbstgenügsamkeit, die mancherorts wohl kennzeichnend ist und die ich bedrückend finde, wo sie mir begegnet. Ohne Priester gibt es keine Sakramente und ohne Sakramente keine Kirche, auch keine Hauskirche, die, wenn ich mir entsprechende Texte dazu anschaue, ja in die Ekklesia selbst führen soll, also gewissermaßen eine Art Vorhalle darstellt. (Müßig zu sagen, daß es ohne Eltern wiederum keine Priester gibt, denn auch diese wachsen ja nicht auf dem Felde oder fallen vom Baum.)

Auch spricht aus der abschätzigen Haltung, mit der der arme und vielleicht imaginäre dreißigjährige Kaplan abgeurteilt wird, eine gewisse Geringschätzung des ehelosen Lebens. Auch das ist schade. Die zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen berufen sind und die Eheleute sollen sich mit gegenseitigem Wohlwollen betrachten. Obwohl sie die Würde des Ehebundes, den du gesegnet hast, erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück einer Ehe, denn sie suchen einzig, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche, heißt es im Weihegebet der Kirche über die Jungfrauen. Obwohl sie die Würde … erkennen, verzichten sie – eine solche Aussage kann man, bezogen auf die Eheleute, auch andersherum lesen: Obwohl sie die Würde des zölibatären Lebens erkennen, verzichten sie dennoch auf das Glück, sich einzig und allein an Christus zu binden. C what I mean? Jeder Stand hat seine Aufgaben und besonderen Freuden, zuweilen aber auch seine besonderen Kümmernisse. Man soll jedoch die Berufung und das Lebenszeugnis der je anderen mit Hochschätzung betrachten und nicht so tun, als könnte man alles aus sich selbst heraus. Weder können dies die Priester und das geweihte Leben, noch können es die Eheleute.

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[1] Der Begriff des allgemeinen Priestertums ist mir natürlich bekannt, dennoch glaube ich nicht, daß das gemeint war, denn es trifft auf jeden anderen Laien ja auch zu und immerhin erfolgt die Verwendung des Wortes priesterlich in einem Atemzug mit der Feststellung, daß ein dreißigjähriger Kaplan ihr nichts vorzuschreiben hätte.

[2] Aber anderen mit Paulus zu kommen, ist ja auch pfui-bäh, wie ich vor einiger Zeit im geistlichen Gespräch (allerdings mit einem Augenzwinkern) hören mußte. :)

Montag, 29. August 2011

Unter allen Menschen ist keiner größer als Johannes – Enthauptung des Täufers

Auf dem Bildnis Rembrandts ist Johannes der Täufer, der den Menschen
 in der Wüste predigt, umgeben von Licht, denn er ist gekommen,
um Zeugnis für das Licht abzulegen.
Gott hat den hl. Johannes den Täufer dazu berufen, der Vorläufer seines geliebten Sohnes zu sein. Davon gibt schon die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth Zeugnis, denn es heißt: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib.

Da Johannes der Vorläufer war, führte er auf Eingebung des Geistes ein jungfräuliches, entbehrungsreiches Leben in der Einsamkeit, geprägt von Einkehr, Fasten und Werken der Buße. Wie der, von dem er Zeugnis ablegen sollte, begann er sein öffentliches Wirken im Alter von 30 Jahren.

Der Tetrarch Herodes Antipas (der Sohn des Herodes, der auf das Wort der Sterndeuter hin den neugeborenen Jesus verfolgen ließ), hatte die Frau seines Bruders Philippus geheiratet, obwohl dieser noch am Leben war, und seine eigene Frau verstoßen – eine Verletzung aller moralischen und religiösen Gesetze. Johannes ermahnt Herodes in deutlichen Worten: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.

Der Fortgang ist bekannt: Herodes Antipas läßt in seiner Verärgerung Johannes ins Gefängnis werfen. Etwa ein Jahr nach dessen Einkerkerung gibt der Tetrarch ein Festmahl zu seinem eigenen Geburtstag. Von Herodias und ihrer Tochter Salome aufgestachelt, läßt Herodes Salome als Gunstbeweis für ihren Tanz das Haupt des Johannes in einer Schüssel übergeben. Zwar wird verschiedentlich erwähnt, daß Herodes Antipas den Johannes halb gegen seinen Willen hat hinrichten lassen, ganz so ist es aber wohl doch nicht, im Evangelium heißt es, er fürchtete sich vor ihm, deshalb schützte er ihn. Nun ergab sich eine Gelegenheit, den Mißliebigen loszuwerden und damit Furcht und schlechtes Gewissen. Scheinbar drei Fliegen mit einer Klappe. Warum Salome, ein junges Mädchen, sich etwas so Groteskes und Scheußliches als Belohnung ausbittet, erfragt er nicht.

Der Kirchenvater Ambrosius hebt die seelische Grausamkeit der Umstände bei der Hinrichtung des Johannes hervor, da der Tetrarch an diesem Tag seinen Geburtstag feierte:
Wer hätte nicht, da er ein Gelaufe vom Festmahl zum Kerker sah, vermutet, es sei die Freilassung des Propheten angeordnet worden? Wer hätte nicht, sage ich, an eine Abordnung zur Entlassung des Johannes geglaubt, nachdem er vernommen, es sei der Namenstag des Herodes, ein festliches Gelage, einem Mädchen sei die Wahl anheimgegeben worden, eine Gnade sich auszubitten?
Der Kirchenvater Hieronymus berichtet, daß die wütende Herodias die Zunge, die einst Zeugnis für die Wahrheit ablegte, mit einer Ahle durchbohren ließ. Die irdische Stimme des Rufers in der Wüste schien für immer verstummt, und doch hören wir sie noch heute.

So starb der Vorläufer des Herrn nach etwa zwei Jahren öffentlichen Wirkens auf grausame, erniedrigende Weise, wie der, von dem er kündete und nur etwa ein Jahr vor ihm. Wegen seiner harten Gefangenschaft und seines gewaltsamen Todes ist der hl. Johannes der Täufer der Schutzpatron all jener, die ungerecht verurteilt Gefangenschaft oder Tod erleiden oder wegen ihres Glaubens verfolgt werden – ein mächtiger Fürsprecher, den wir für die verfolgten Christen anrufen sollten.

Es ist höchst angemessen, daß wir unter allen Heiligen (die Gottesmutter ausgenommen) einzig bei Johannes dem Täufer neben dem Todestag auch den Tag seiner Geburt feiern und dieser Tag eine eigene Vigil hat: Jesus Christus selbst sagt von ihm: Unter allen Menschen ist keiner größer als Johannes.

Sonntag, 28. August 2011

Blitzlichter zum 22. Sonntag im Jahreskreis

Heute ist mir wieder einmal aufgefallen, um wievieles innerlich ruhiger eine Meßfeier schon ist, wenn der Zelebrant die Gebete singt. Sicherlich liegt das auch daran, daß man eben anders singt als man spricht. Die Gläubigen haben, wenn der Zelebrant das Tagesgebet, die Präfation und das Hochgebet singt, viel mehr Zeit, deren Worte in sich aufzunehmen (mir jedenfalls geht es so).

Daß bei uns der Antwortpsalm so gesungen wird, wie es die liturgische Ordnung vorsieht (und zwar zwischen beiden Lesungen), genieße ich sehr, denn der Psalm ist einer meiner Ruhepunkte in der Messe. Man kann die Augen schließen, auf die Worte des Psalmisten hören und in aller Ruhe die Antiphon singen. Das ganze hat auch etwas vom Vorgang des Atemholens an sich.

Singt der Zelebrant (und auch der Kantor) auch noch einigermaßen schön, ist das an sich schon ein sinnlicher Genuß. Meiner natürlich völlig unmaßgeblichen Meinung nach gibt es eigentlich keinen Grund, beim Singen sparsam zu sein, es sei denn, man könnte kaum einen Ton richtig herausbringen. Solche gibts auch, aber eher weniger.* Das Prinzip der sogenannten abgestuften Feierlichkeit ist eher nicht meins, auch entgeht mir seine Logik weitgehend: warum sprechen, wenn man singen kann? Wenn es ganz besonders feierlich werden soll, hat man immer noch eine Sequenz oder eine Coda als Trumpfkarte im Ärmel).

Das heutige Tagesgebet enthält einen sehr schönen Gedanken
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Der Name Jesu, wie man ihn auch immer liest, bedeutet Rettung: Gott rettet, Jesus Heiland, Seligmacher, Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Die Liebe zum Namen Jesu ist die Liebe zu dem, der uns rettet.

Die Heilige Messe hat ein sehr netter polnischer Priester gefeiert, der zur deutsch-polnischen Ferienakademie gekommen ist. Gefragt nach dem Namen des Bischofs mußte ich mich einen Moment sortieren, ums Haar hätte ich „Georg“ geantwortet. Da ist mir innerhalb von 24 Stunden ein weiteres Mal bewußt geworden, daß ich es immer noch nicht ganz verarbeitet hab, daß er nicht mehr da ist. Er fehlt mir.

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*zur Zeit wird die Gemeinde in der Werktagsmesse am anderen Ort allerdings von irgendwelchen Brüllaffen direkt aus der Hölle übernommen. Auch nicht schön.

Bild: El Greco: Anbetung und Verherrlichung des Namens Jesu.

Noch ein Gesternbild…

…auf dem Bebelplatz mit meinem Bildchenkorb kurz nach der Begegnung mit einigen der wohl aggressivsten Rentner ever, die mit beiden Händen in den Korb griffen und gleich 30 oder 40 Bildchen auf einmal in ihren Pratzen davontragen wollten. Nun, daraus wurde nichts.

Samstag, 27. August 2011

Amtseinführung des neuen Erzbischofs

Die Krümme des Stabes unseres neuen Erzbischofs finde ich auch schön, er ist in der Predigt auf das Bild eingegangen:
Am Übergang vom Holz des Stabes zur Krümme sind die Hl. Drei Könige zu sehen. Sie entwachsen ihm gewissermaßen. Ihre Köpfe, ihre Augen, der suchende Blick – alles an ihnen ist ausgerichtet auf den Stern in der Höhe, der über ihnen steht und auf das Kind verweist, das in der Mitte des Bogens zu sehen ist. Diese drei – sie stehen im Grunde stellvertretend für einen jeden von uns, diese drei, die auf der Suche sind nach dem, was ihr Leben ausmacht. Auch wir suchen danach. Welchen Sinn hat mein Leben? Was soll aus mir und meinem Leben werden – ich meine: endgültig werden? Wo finde ich mein Glück, mein Lebensglück? Wo die Wahrheit meines Lebens? Wir Christen sind überzeugt, dies alles gefunden zu haben in dem, zu dem hin sich damals die drei Weisen aus dem Morgenland aufmachten: in Jesus Christus.

Vom entscheidenden Augenblick, der Besitzergreifung der Kathedra, hab ich trotz eines sonst guten Platzes so gut nichts gesehen, weil ich genau hinter selbiger stand (und kiebitzen hinter der Bande vor wollte ich nicht). Für solche Fälle gibts aber (hoffentlich) zum Glück das Internet.

Ganz wunderschön war die Verlesung der Ernennungsurkunde vorher, wegen der schönen Worte, die der heilige Vater gefunden hat:
Dir, verehrter Bruder, stehe nun zur Seite die selige Jungfrau Maria, deren unbefleckten Herzens wir heute gedenken. Mögest du – durch deren Patronat noch zusätzlich gestärkt – die deiner Sorge anvertrauten Gläubigen so weiden, daß diese fortfahren, täglich in den christlichen Tugenden zu wachsen, eifrig im Hören auf das Wort Gottes, im Ausüben von Werken der Barmherzigkeit und im würdigen Empfang der Sakramente, zumal der Eucharistie, des vom Himmel zum Heil der Menschen gegebenen Lebensbrotes Ebenso seien Freude und Friede des Tröstergeistes mit dir, dem Weihbischof und den dir anvertrauten Gläubigen, die Uns sämtlich lieb und teuer sind.
Das Gloria war mal wieder so ellenlang, daß ich Zeit hatte, zu memorieren, was eine alterwürdige $Aufsichtsperson gesagt hat, als ich meinte, es fiele mir bei konzertanten Messen irgendwann schwer, mir noch die Engel im Himmel zu vergegenwärtigen: „Da ham Se recht. So langarschig singen die det nich.“

Die abschließenden Grußworte waren noch viel länger, darunter aber als Highlight die des Archimandriten Emmanuel Sfiatkos und die humorvolle Einladung an den Archimandriten zu einem Kölsch mit ihm und Bischof Dröge. .oO(Lieber Bruder Dröge…)

Der grade verblichene Loriot war momentweise auch irgendwie sehr gegenwärtig: Für alle die gefragt haben, ja wo laufen Sie denn, wir haben Sie beim Auszug gar nicht gesehen: da hunderte Gläubige auf dem Bebelplatz mitgefeiert haben, waren auch dort Dienste zu versehen. Das war wie mit dem Jodeldiplom: da hatte ich was eigenes. Ich hab den Ausflug an die frische Luft bei Kollekte, Kommunion- und Andachtsbildchenspendung aber eher genossen. Da gestern ein sehr heißer Tag war, erlebte der neue Erzbischof die Kathedrale leider im leicht vorgeglühten Zustand.

Highlights danach: gute Gespräche und schöne Begegnungen bei dem anschließenden kleinen Fest auf dem Hof. Einige Karmelitinnen waren exklaustriert, ein Seminarist in Soutane machte auch optisch was her (Grüße aus Wigratzbad!) und auch die Frage, wie man einen Archimandriten am allerbesten anspricht, konnte einigermaßen geklärt werden.

Freitag, 26. August 2011

Die Lampen und das Öl – Gleichnis von den Jungfrauen

Im Tagesevangelium hören wir heute das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen. Was ist das mit dieser Lampe und dem Öl? Der Aquinate und die Kirchenväter haben sich dran abgearbeitet.

Sicher ist: ohne Öl nützt einem in der Nacht die beste und schönste Lampe nichts. Mir ist in den Sinn gekommen, die Lampe sei die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe, das Geschenk des Glaubens. Wenn ich für diese Lampe kein oder zu wenig Öl habe, weil ich nicht bete und die Sakramente nicht empfange, habe ich zwar noch die Lampe, aber sie leuchtet mir nicht.

In dieser Deutung erscheint auch die mangelnde Bereitschaft, das vorhandene Öl zu teilen, nicht als Unfreundlichkeit derjenigen, die noch Öl haben, sondern es geht einfach nicht: wir können zwar für andere beten (im Sinne der Fürbitte), aber nicht für andere die Sakramente empfangen. Öl gibt es bei den Händlern, Sakramente bei den Priestern. Der Ratschlag, zu den Händlern auf dem Marktplatz unseres Lebens zu gehen, ist daher ein guter Rat.

Die Tür, die zum Bräutigam, zum Mahl des Lammes, führt, ist der Tod. Im Gleichnis heißt es, daß der Bräutigam wiederkehrte, während die Jungfrauen, die kein Öl hatten, noch unterwegs waren. Ob sie in der Zwischenzeit noch Öl aufgetrieben haben, wird nicht berichtet, vermutlich nicht. Jedenfalls waren sie nicht rechtzeitig zurück. Dieses Gleichnis wird uns nicht erzählt, damit uns die verschlossene Tür und das endgültige – endgültiger geht es nicht mehr – „Ich kenne euch nicht“ des Herrn schrecken soll, sondern um uns zu zeigen, was hinter dieser Tür liegt und wie wir es erlangen können.

Mittwoch, 24. August 2011

Lala…

(ohne Worte – strahlt einfach gute Laune aus)

Dienstag, 23. August 2011

Allein für den leben, der mit großer Liebe an sich zieht – hl. Rosa von Lima, Jungfrau



Gott, du Sehnsucht der Menschen,
du hast die heilige Rosa von Lima
mit solcher Liebe an dich gezogen,
daß sie die Welt verließ  und in harter Buße für dich allein lebte.
Hilf uns auf ihre Fürsprache,
unseren Weg durch diese Welt so zu gehen,
daß wir dich,  den unversiegbaren Quell der Freude, finden. (Tagesgebet)

Du hast die heilige Rosa mit solcher Liebe an dich gezogen, daß sie in harter Buße für dich allein lebte. – Ein Leben, wie es die hl. Rosa geführt hat, ist sicherlich nicht leicht zu verstehen, wie manchem heute überhaupt der Gedanke der Sühne oder des freiwilligen Aufsichnehmens von Leiden oder Opfern für andere unverständlich erscheint. Im letzten verstanden werden kann solches nur von Christus her – Christus braucht unsere Leiden und Entbehrungen nicht, manche nehmen aber freiwillig Werke der Buße auf sich, um Christus immer ähnlicher zu werden. Der schwer eingängige Satz des Apostels: Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt, erhält von dorther seinen Sinn. Für andere nehmen manche, je nach ihren Gaben, Opfer auf sich, legen sich Entbehrungen auf, wachen und beten stellvertretend für andere, die das nie tun.

Zu Rosa von Lima habe ich eine besondere Beziehung, nicht nur, weil sie zu den heiligen Jungfrauen gehört, sondern weil die Lebensform einer geweihten Jungfrau zumindest hier herum wahrscheinlich manchmal ähnlich wenig verstanden wird. Schließlich „bekommt“ diejenige ja nichts dafür oder „macht“ nichts. Es liegt mir fern, mich mit einer Heiligen vergleichen zu wollen und es heißt auch nicht, daß mich das besonders niederdrückt, manchmal ist Unverständnis oder auch Geringschätzung dessen, was eine Jungfrau im Propositum verspricht, allerdings schon Teil meines eigenen Kreuzes, das ich mir jedoch nicht ausgesucht habe. Ich bin zu diesem Leben berufen, wenn jemand das nicht versteht, kann ich es auch nicht ändern. Es muß aber vielleicht auch nicht jeder immer alles verstehen.

Der schöne Satz aus dem Tagesgebet über Christus, der mit solcher Liebe an sich zieht, hat auch Eingang in die Darstellungen der hl. Rosa von Lima gefunden. Die Heilige, die den Kranz aus Rosen nicht nur deshalb trägt, weil er zu ihrem Kosenamen (eigentlich hieß sie Isabel, wurde aber wegen ihres hübschen Gesichts Rosa genannt), sondern weil er ein Symbol der Jungfräulichkeit ist, wird vom kindlichen Christus umarmt, an sich gezogen.

Den Fürbitten habe ich heute eine für die geweihten Jungfrauen hinzugefügt. Die hl. Rosa ist die Patronin des ganzen amerikanischen Kontinents. Es ist ein schönes Zeichen, und vielleicht eine geistliche Frucht des Lebens der hl. Rosa, daß der Ordo Virginum gerade in Lateinamerika außerordentlich blüht und ihm so viele geweihte Jungfrauen angehören, daß einige Diözesen sogar ein eigenes Direktorium für sie herausgeben. Mögen die, die Christus mit so großer Liebe an sich zieht, zu jeder Zeit bereit sein, diese Umarmung in großer Liebe und Freiheit zu erwidern.

Montag, 22. August 2011

Und noch ein Bild zum Tag…


Mariä Krönung im Himmel – mir gefällt hier besonders das kleine apokalyptische Lamm da unten, das sich auf die Hinterbeine stellt, weil es unbedingt an das Buch mit den sieben Siegeln ran will… (wahrscheinlich will es wiedermal einfach nur drauf liegen).

Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat – Maria auxilia

Eine freundliche spanische Dame kam am Wochenende in die Kathedrale, plauderte ein wenig auf Spanisch (ich liebe es!) und entschwand wieder, unter Hinterlassung einiger Bildchen. Zwar sammle ich Andachtsbildchen nicht eigentlich, aber ich mag sie sehr gern und finde es schön, daß sich am hiesigen Hause die althergebrachte Sitte des Osterbildchens erhalten hat. Ein wunderschönes Bildchen habe ich noch vom 25. Weihetag unseres Weihbischofs Weider. Bildchen, die mir etwas bedeuten, lege ich ins Stundenbuch oder ins Antiphonale und denke an denjenigen im Gebet, wenn mir sein Bildchen begegnet.

Auf einem der gestern geschenkten Bildchen ist diese Marienfigur, die gut zum heutigen Fest Maria Königin paßt[1]. Dreht man es um, um den Andachtstext zu lesen, findet man keinen solchen, sondern einen Taschenkalender. Was mich auf den ersten Blick so verblüfft hat, daß ich erst einmal lachen mußte, erscheint auf den zweiten gar nicht so seltsam: die gekrönte Gottesmutter, bei der mir unwillkürlich die Clausula …der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat… einfiel, heißt Maria auxilia – mit Marias Hilfe durch das Jahr.

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[1] Daß ich mich gestern kalendarisch geirrt hatte, weil ich dachte, wir hätten schon den 22., beweist nur, daß ich meiner Zeit voraus bin… ;)

Sonntag, 21. August 2011

Maria Regina – Maria Königin


Der Oktavtag des Festes Mariä Himmelfahrt ist das Fest Maria Königin. Maria Königin ist das Patrozinium der Kirche Maria Regina Martyrum und vor allem auch des Karmels Regina Martyrum (Maria, Königin der Märtyrer).

Als ich vor vielen Jahren über dieses Kloster erstmals etwas gelesen habe, war es in der Fernsehzeitung, die einen Film von Ingrid Oppermann über den Karmel ankündigte. Ob man den Film Oppermanns noch irgendwo bekommt, weiß ich gar nicht, der Film ist jedoch sehr feinsinnig und zeichnet ein schönes Bild vom stillen Leben der Karmelitinnen hier mitten in der Großstadt. Die Ankündigung in der Fernsehzeitung – die ich noch habe – enthielt seinerzeit einen Druckfehler: „Seit fast dreißig Jahren leben Karmelitinnen mitten in Berlin. Getrennt von ihren Familien begreifen sie ihr Dasein als Dienst am Menschen…“ Richtig heißen hätte es müssen „Seit fast drei Jahren…“

In nicht allzulanger Zeit wird dieser Druckfehler allerdings vom Laufe der Zeit eingeholt: 1982 kamen Karmelitinnen aus dem Karmel Heilig Blut in Dachau nach Berlin, hier sieht man die erste Priorin, die unvergleichliche Sr. Gemma Hinricher OCD, auf dem Altar der Krypta im Beisein von Joachim Kardinal Meisner die Gründungsurkunde unterzeichnen. 1984 war das Klostergebäude soweit fertiggestellt, daß die Schwestern dorthin übersiedeln konnten (zunächst wohnten sie in Hermsdorf und bauten fleißig am neuen Kloster mit).

Auf manchen mag der viele Sichtbeton und das sonstige Ambiente etwas niederdrückend wirken, es ist aber nicht so. Daß die Kirche und vor allem der Feierhof karg und düster daherkommen – die Kapellen schmücken je eine goldene Wand – ist der Tatsache geschuldet, daß es sich bei der Maria Regina Martyrum um die „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken für die Blutzeugen der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933 bis 1945“ (so die genaue Bezeichnung) und damit auch um ein Mahnmal handelt. Als man entschied, an der Gedenkkirche ein Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen zu errichten, wurde das frühere Gemeindehaus zum Pfortengebäude, in dem auch Gäste Aufnahme finden – die Sichtlamellen aus Beton sind also nicht etwa die Idee der Schwestern, sondern waren schon vorher da. Das Kloster und die Kirche sind durch einen unterirdischen Gang, an dem sich auch die Grablege der Schwestern befindet, miteinander verbunden.

Brunnen im Innenhof der Klausur
Blick von der Klosterpforte auf den Dachgarten und das
Klostergebäude mit den Zellen. Vor jeder Zelle ist eine Art
kleiner Garten. Die Geländer davor sind immer voller Vögel
(manchmal sitzt im Trog auch die passende Katze dazu).
Unten links und rechts die Fenster des großen Kreuzgangs.
Blick in der Oberkirche – vom Dunkel zum Licht
Der Eingang zum Feierhof mit Campanile

Von innen erscheint der Karmel übrigens sehr warm: längst ist aus dem kleinen Dachgarten, der hier noch sehr kahl aussieht, viel mehr Grün geworden, die Böden sind entweder rot gefliest (in der Versiegelung einer der Platten prangt noch der Sohlenabdruck einer der Gründerschwestern, die ein klein wenig zu früh über den Boden marschiert sein muß) oder mit Hirnholz gepflastert. Im Meditationsraum der Schwestern – ein wunderbarer Ort – liegt ein unregelmäßig geflochtener Sisalboden, der einem das Gefühl gibt, in der Wüste zu sein. In diesem Meditationsraum, dem Herzen des Hauses, ist der Herr im Allerheiligsten gegenwärtig. Deshalb ist es ein wunderbarer Ort – es ist sogar nachts möglich, sich buchstäblich in Anbetung vor ihm niederzuwerfen oder zu ihm sich zu flüchten.

Das Bild oben links zeigt die spätgotische Madonna in der Oberkirche von Maria Regina Martyrum. Im Karmel selbst gibt es noch eine Madonna, die auf einem Treppenabsatz steht, der zum Dormitorium der Schwestern und in den Dachgarten führt. Zu dieser Madonna gibt es eine rührende Geschichte. Eine Gläubige hat sie dem Kloster geschenkt. Der Künstler, der die Madonna aus einem Baumstamm schuf, war mit seiner Schöpfung vielleicht nicht recht zufrieden, jedenfalls stellte er die Holzfigur in seinem Hof ab, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt war und zusehends litt. Diese Madonna dauerte die fromme Dame so, daß sie sie kaufte und den Schwestern schenkte. Durch die Witterungseinflüsse ist das Gesicht gespalten, was den Eindruck tiefen Schmerzes und des Mitleidens mit aller Welt erweckt.

Ob man nun Kirchen aus Sichtbeton oder eine pompöse Barockkirche hat, wichtiger ist, daß dort eine Gemeinschaft von Menschen in dem Bemühen zusammenlebt, Gott zu dienen und recht schwesterlich zusammenzuleben, in aller Schlichtheit, den kleinen Dingen und Opfern, die niemand sieht und getrieben von gutem Eifer, wie es uns die karmelitanischen Heiligen vorgelebt haben. – Maria, Königin des Himmels, Königin der Märtyrer und der Jungfrauen, bitte für uns.

Schlüssel und Türen

Bild des Tages – die Kuppel des Petersdoms, um die herum sich im Innern als Spruchband die Worte des Herrn aus dem heutigen Tagesevangelium an Petrus ziehen: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum – Du bist der Fels, und über diesem Felsen will ich meine Kirche errichten und dir gebe ich die Schlüssel des Himmelreiches. Jeder dieser Buchstaben ist im übrigen zwei Meter hoch, sonst könnte man sie vom Boden des Domes aus gar nicht lesen.

In der ersten Lesung des heutigen Tages haben wir eine kurze Begegnung mit dem Advent und der Antiphon O Schlüssel Davids, die ich sehr liebe und die in sehr engem Verhältnis dazu steht.

Der Schlüssel Davids ist ein uraltes messianisches Symbol, was er vermag, drückt die erste Lesung aus dem Buch Jesaja [1], aus der die Worte der adventlichen Antiphon O Schlüssel Davids stammen, auf wundervolle Weise aus: Du öffnest und niemand kann schließen, du schließest und niemand vermag wieder zu öffnen. Den Schüssel übergab zu Zeiten König Davids der König seinem höchsten Würdenträger – wer die Schüssel führte, hatte Vollmacht.


Der Fels, der Eckstein, auf dem sich der ganze Bau gründet, durch den er, wie es heißt, zusammengehalten wird, ist Christus selbst, wie er auch der Schlüssel zum Himmelreich selbst ist. Als Zeichen seiner Vollmacht überträgt Christus dem Stellvertreter die Gewalt, zu binden und zu lösen. Auf diesem Fresko, ebenfalls im Vatikan, nimmt Petrus die Schlüssel mit großer Demut entgegen, was ich gut verstehen kann. Daß Christus selbst, einem Menschen ein solches Amt zutraut, es ihm übergibt, obwohl er um die Schwäche desjenigen weiß, der die Schlüssel erhält und sie führt, die Kirche schützen und leiten soll – das kann Simon Petrus und jeder seiner Nachfolger, das kann jeder Bischof und Priester eigentlich nur mit Demut annehmen.

Vielleicht spiegelt die Haltung Petri auch etwas von der jetzt schon aufdämmernden Erkenntnis, wie schwer und fordernd ein solches Amt auch ist. Beten wir für unseren Schlüsselinhaber, Papst Benedikt, daß er nicht müde wird und er auch Stärkung erfährt in seinem Amt.


Koinzidenzen: Gekreuzte Schlüssel sind auch im Wappen unseres neuen Erzbischofs Rainer Maria (weil sie zum Wappen des Erzbistums Berlins gehören), und wir hatten heute in der hl. Messe einen kleinen Täufling namens Benedikt, der bei der Eröffnung im Kirchenportal gleich mal energisch nach dem Rituale gegrapscht hat – was Anzeichen einer künftigen Berufung sein könnte. Die Eröffnung im Kirchenportal, bei dem dem Täufling die Tür zur Kirche aufgetan wird, fand ich dabei trotzdem sehr anrührend.

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[1] Lektorenpanne der gestrigen Vorabendmesse bei der zweiten Lesung: „O Tiefe des Weistums!“ (Mist!) Immerhin habe ich die gute Gabe, meiner vorhandenen Lachlust an solchen Stellen zu widersagen und einfach stoisch weiterzulesen.

Samstag, 20. August 2011

Inflatable church wanted – Einführung des neuen Erzbischofs von Berlin

Der Countdown läuft – die Einführung des neuen Bischofs in genau einer Woche wirft ihre Schatten voraus. An großen Begängnissen gibt es in diesem Jahr außerordentlich viele: vom Requiem für Kardinal Sterzinsky über die Ernennung und Einführung eines neuen Erzbischofs, den Besuch des Heiligen Vaters im Herbst bis zum – last not least – Europäischen Jugendtreffen mit den Brüdern von Taizé in Berlin am Jahresende.

In den nächsten Tagen jedenfalls wird die Kathedrale wieder einmal multimedial aufgerüstet, sodaß trotz des fehlenden räumlichen Angebots in der Kathedrale selbst möglichst viele Gläubige die Einführung mitverfolgen können – über Großbildschirme auf dem Bebelplatz oder über die Übertragung des Domradios.

Die Kathedrale müssen wir nun einmal so verbrauchen wie sie ist (das Schwippertsche Loch zu schließen, würde schon helfen. Auch stelle ich mir vor, daß, trachtete man, den ursprünglichen Zustand des Baus innen wiederherzustellen, man wahrscheinlich Fördermittel bekäme – beides ist aber wahrscheinlich eine Fata morgana). In verrückten Momenten erscheint es wirklich bedauerlich, daß die Kathedrale nicht aufblasbar ist. Wir könnten dann bei Bedarf noch einige dieser Kuppelbauten als Anhängsel aufblasen und uns äußerlich vom Pantheon wegbewegen in Richtung Markusdom.


Die Amtseinführung des neuen Erzbischofs von Berlin, Rainer Maria Woelki, ist nächsten Samstag, den 27. August um 10 Uhr in der Hedwigskathedrale. Anschließend feiern wir um die Kathedrale herum.

Freitag, 19. August 2011

Was zieh ich an? Ordenstrachten abseits vom Einheitsschwarz

Durch einen Kommentars U.s hier ist mir Bernsteins Zitat über Ordenstrachten wieder in den Sinn gekommen. An anderer Stelle desselben Buches kommen andere Stimmen zu Wort und auch sie haben recht: es gibt Ordenstrachten, die man bereits zu der Zeit, als sie erstmals getragen wurden, als eigenartig empfand. Für uns ist es leicht, das heutzutage als „kultig“ einzusortieren. Es gibt auch Ordensschwestern, bei denen das Tragen des Habits zu gesundheitlichen Problemen geführt hat. So berichtet eine Schwester, daß ihr der lastende Aufbau ihrer Kopfbedeckung täglich Kopfschmerzen verursacht hat.

Als der Heilige Stuhl die Orden 1965 in dem Dekret Perfectae caritatis aufforderte, falls erforderlich, ihre Tracht zu ändern [1], waren die Ergebnisse dann teils sehr zeitgeistig. Das rechts ist das definitiv seltsamste Beispiel, das mir aus dieser Zeit untergekommen ist. Räusper. Ich finde, man sollte einer gottgeweihten Frau, wenn sie sich hinsetzt, nicht unter den Rock schauen können (und sonst auch nicht).

Wie so oft, liegt das rechte Maß irgendwo in der Mitte. Witzigerweise waren die Ordenstrachten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung einfach die mehr oder minder schlichte Variante dessen, was man damals eben so trug – das kleine Bild zeigt den armen Habit des hl. Franziskus von Assisi, mittlerweile natürlich eine kostbare Reliquie. Durch die Verselbständigung als Ordenstracht wirken diese Gewänder aber in der Regel gerade sehr zeitlos – ein schlichtes geradegeschnittenes und bodenlanges Gewand, wie es die Tunika ist, steht jedem und ist im Unterhalt konkurrenzlos günstig. Ich kenne Nonnen, die überhaupt nur eine Tunika haben. Das kann man zwar auch als Kreuz ansehen, auch wird es interessant, wenn diesem Habit etwas zustößt, etwa, weil seine Bewohnerin beim Frühstück im Refektorium ein Schüsselchen Quark darübergekippt hat, aber ärmlich ist es in jedem Fall.


antiquarisches Blatt, das den Unterschied
zwischen Augustinerinnen, Dominikanerinnen,
Benediktinerinnen und anderen Nonnentrachten
erläutert
Birgittin
Wo die Orden ihre Tracht nicht gleich ganz ablegten (etwas, das der Heilige Stuhl mit dem Dekret sicherlich weder beabsicht hatte noch vorhersehen konnte), brachte deren Änderung oder Vereinfachung leider oftmals mit sich, daß eben das Charakteristikum ihres Habits verlorenging. Früher einmal gab es soviele Ordenstrachten wie Kongregationen, deren es wiederum soviele gab, daß, wie man witzelte, nur der Heilige Geist noch einen Überblick hatte. Wunderliche Schautafeln gab es, die solchen aus der Flora oder Fauna ähnelten. Das farbenprächtigste Beispiel, das mir in den Sinn kommt, sind die Redemptoristinnen: rote Tunika mit leuchtendblauem Skapulier und Chormantel und schwarzem Schleier mit weißem Unterschleier.

Erfreulicherweise kommen gerade die neueren Gemeinschaften wieder weg vom Einheitsschwarz mit halblangem Rock und Wollweste. Wunderschön, nur weiter so! Wer so durch die Straßen geht, legt sicherlich ein starkes Zeugnis für Christus und die Bindung an ihn ab. Einen rührenden und sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Habit und wie wichtig es sein kann, überhaupt einen zu tragen findet man hier: Dirty habits.



keine Ahnung, was das für Schwestern sind, aber sogar,
wenn sie nur die Straße überqueren, sehen sie einfach großartig aus
(Nachtrag: es sind die Franziskanerinnen von der Immakulata)
Petites Sœurs de la Consolation du Sacre Cœur
et de la Sainte Face
Servants of the Lord and the Virgin of Matara (eine
Ordensgemeinschaft, die um 1980 in Argentinien gegründet
wurde und rasant wächst.  Woran das wohl liegt?)
____
[1] Perfectae caritatis – über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens: „Das Ordensgewand als Zeichen der Weihe sei einfach und schlicht, arm und zugleich schicklich, dazu den gesundheitlichen Erfordernissen, den Umständen von Zeit und Ort sowie den Erfordernissen des Dienstes angepaßt. Ein Gewand, das diesen Richtlinien nicht entspricht, muß geändert werden. Das gilt sowohl für Männer wie für Frauen.“

[2] Das ganz oben links ist natürlich keine Ordensschwester, sondern die wohl bekannteste Filmnonne. Eine Szene, die es nicht in den Film Geschichte einer Nonne geschafft hat – vielleicht war der Vogel einfach zuviel.

Donnerstag, 18. August 2011

Nach meinem Tod werde ich Rosen vom Himmel regnen lassen



„Nach meinem Tod werde ich Rosen vom Himmel regnen lassen.“ Ein Wort der kleinen heiligen Therese, vielfach hat es sich bewahrheitet. Bildlich umgesetzt ist es in diesem Rosenkranz, den ich sehr ansprechend finde – dabei kostet er vergleichsweise wenig. (Leider ist die Herstellerin in den Vereinigten Staaten und scheint nicht nach Europa zu versenden. Hübsch ist der Rosenkranz trotzdem.)

Mittwoch, 17. August 2011

An der Kommunionbank

An sich zögere ich noch herum, ob ein Beitrag zur Frage Mund- oder Handkommunion hier auf dem Blog gefragt ist (wahrscheinlich nicht, es wurde schon so viel darüber geschrieben, was könnte ich sagen, das noch nicht gesagt worden wäre?). Ich habe das Glück, die hl. Kommunion an Orten empfangen zu dürfen, an denen beide Formen des Kommunionempfangs – eigentlich sind es ja vier: kniend und in den Mund, kniend in die Hände, stehend in den Mund und stehend in die Hände – gut nebeneinander möglich sind.

Etwas drollige Momente gibt es an dem einen Ort manchmal, da bei uns die Kommunionbänke dankenswerterweise erhalten geblieben sind. Sie werden weiterhin genutzt, was auch ganz natürlich ist. Die Gläubigen treten zu den Kommunionbänken hinzu, viele nutzen die Möglichheit, die Kommunion kniend zu empfangen, und der Priester schreitet die Reihe der Kommunikanten ab.

Immer einmal wieder kommt es dabei vor, daß ein durchreisender Priester konzelebriert und dann auch die Kommunion spendet. Nun könnte man, da es zwei Kommunionbänke sind, ja einfach schauen, wie macht es der Mitbruder (der in der Regel der Hauptzelebrant ist), sich vorher erkundigen oder einfach darauf achten, wo knien die Gläubigen? Es geschieht aber, daß ein Zelebrant sich mit der Hostienschale einfach irgendwo aufbaut und den bereits an der Bank Knienden damit die Möglichkeit nimmt, da wo sie knien und wo die Spendung vorgesehen ist, auch zu kommunizieren. Entweder bequemen sich die Kommunikanten dann zu einer Säule im Kirchenschiff hin, oder sie umrunden den Altar wie ein Satellit und kommunizieren an der anderen Bank, vorausgesetzt, dort ist noch ein Priester oder Diakon.

Als vor einiger Zeit ein Gastzelebrant mit der zweiten Hostienschale regelrecht abgedüst ist, hat ihn ein Ordensbruder einfach wieder zurück auf die Altarstufe an die Kommunionbank gescheucht. War das cool, wenn auch nicht ohne Situationskomik! Als neulich wiederum ein Kommunionspender – diesmal auf der Seite, an der ich als Meßdiener kniete – den Altarraum verlassen wollte und dabei fast über mich gefallen wäre, hab ich ihm nach Empfang der Kommunion ein dezentes Handzeichen gegeben, worauf er sehr artig wieder zur Kommunionbank und die Altarstufe hinaufschritt und dort gespendet hat. Geht doch… ;)

Nun wieder so ein Fall: eine Gruppe aus einem anderen Bistum, die ihren Priester mitgebracht hatte, kam zur Abendmesse. Da gleichzeitig noch drei slowenische und ein deutscher Priester auf Reisen konzelebrierten, hatten wir heute die wundersame Priestervermehrung. Mir fiel dann die dankbare Aufgabe zu, für die vielleicht einmal ein Lasso angeschafft werden sollte: einen Kommunionspender wieder einfangen, bevor er verschwindet, und ihn an den Ort des Geschehens zurückbugsieren (dazu bin ich angewiesen). Ich spreche den Priester in dieser Situation nicht gern an, und unsere Kommunionbank sieht vielleicht auch nicht sehr kommunionbankig aus, ich finde es aber offen gestanden auch nicht richtig, daß sich jemand gar nicht – auch in anderer Hinsicht nicht – nach den Gepflogenheiten vor Ort richtet (es gibt Priester, die sich mit rührender Genauigkeit vorher erkundigen, was üblich sei). Es sind ja nicht nur die Gläubigen seiner Gruppe da, sondern es ist unsere Abendmesse, und Menschen, die auf Knien kommunizieren möchten, würde diese schöne Möglichkeit genommen.

Es gibt aber auch ganz wunderschöne Erlebnisse, vor allem mit ausländischen Priestern auf Reisen, von denen es vor allem im Sommer viele gibt. Ich genieße das sehr, weil es uns – übrigens auch oft unterm Jahr – bei den Gottesdiensten auch vor Augen stellt, daß wir zu einer Weltkirche gehören. Und das bei uns daheim. Wenn da für unsere Augen exotisch gewandete Patriarchen, goldglitzernde Bischöfe, Priester oder Äbte die Abendmesse mitfeiern oder wie einmal geschehen, sechzig italienische Priester in Konzelebration in der Unterkirche feiern, also, das ist schon toll. Bei den sechzig konzelebrierenden Priestern gab es übrigens den köstlichen Moment, als der Hauptzelebrant, ein Bischof, uns beiden Meßdienerinnen den Friedensgruß in derselben Manier spendete wie man das halt am Altar so macht und freudestrahlend mit ausgebreiteten Armen auf uns zukam.

Wunderschön ist es, wenn mir dann spontan ein Priester mit der hl. Kommunion vorher noch den sakramentalen Segen erteilt, die Hostienschale als Speisepatene verwendet oder mir den Leib des Herrn mit den Worten reicht: Corpus Domini nostri Iesu Christi custodiat animam tuam in vitam aeternam, Amen (der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum ewigen Leben, Amen. Täglich kommunizieren zu dürfen ist ohnehin schon eine große Gnade, aber solchen kleinen Dinge, die vielleicht niemand sonst bemerkt, sind mir als Kommunikantin manchmal ein großes Geschenk.

Zunahme an Erkenntnis und Weisheit oder schöne Grüße vom Unterbewußtsein?

Vorgestern in der hl. Messe am Fest Mariä Aufnahme in den Himmel ist mir bei der Präfation aufgefallen, daß sie einen Satz enthält, den ich tags zuvor so fast wörtlich in meinem Beitrag zum Fest geschrieben hatte, einfach, weil mir die Erkenntnis so logisch erschien: Der Leib, der Gott geboren hatte, sollte die Verwesung nicht schauen. In der Präfation des Festes heißt es: Denn ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, sollte die Verwesung nicht schauen. Nun hatte ich mir aber die Präfation vor dem Schreiben nicht angeschaut (und auch nicht im Ohr). Es gibt mehrere Möglichkeiten: ich habe den Satz früher einmal gehört und so gründlich vergessen, daß er mir beim Schreiben so vorkam als wäre es mein eigener Gedanke. Immerhin wäre er dann aber auf dem Grunde meines Unterbewußtseins gelandet und von dort aus beim richtigen Anlaß wieder hervorgekommen. Oder aber ich habe Erkenntnisse im Glauben, wie sie die Kirche in Präfationen ausdrückt. Das wäre ja sehr schön. :)

Dienstag, 16. August 2011

Brot, Wein, Fisch & Blogger

Ein kleines, aber feines Bloggertreffen gab es gestern am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel nach dem Hochamt in St. Afra mit Tiberius (dem wir das Zustandekommen verdanken), Josef Bordat, Ultramontan, St. Dymphnas Gedankenwelt und mir. Schade eigentlich, daß keiner Fotos gemacht hat, denn die Atmosphäre im kerzenerleuchteten Kreuzgang mit dem ausgesprochen leckeren Steckerlfisch, Wein und Wasser und Brot war sehr gemütlich. Man bittet um baldige Wiederholung. Das Bild links zeigt die Ansicht eines Marienchormantels der Kirche St. Afra.

Ein wenig werben möchte ich an dieser Stelle für Tiberius' Aktion Herzlich willkommen, Heiliger Vater! Ich finde die Idee wirklich schön und fände es klasse, wenn noch möglichst viele dabei mitmachen würden – einfach freundlich in die Kamera lächeln und Benedikt XVI. in Deutschland und Berlin herzlich willkommen heißen. Wer selten nach St. Afra kommt oder für wen es Sonntag vormittags schlecht möglich ist: Tiberius wird zum Beispiel auch zur Einführung des neuen Erzbischofs in St. Hedwig am 27. August vor Ort sein; also auch dort wird aller Voraussicht nach die Möglichkeit bestehen, sich an dem Projekt zu beteiligen und zu seinem Gelingen beizutragen.

Sonntag, 14. August 2011

Bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen – Aufnahme Mariens in den Himmel


Bei deiner Niederkunft hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes. Du bist zurückgekehrt zum Quell des Lebens, die du den lebendigen Gott empfingst und durch deine Gebete unsere Seelen vom Tod befreien wirst.
(Troparion aus der byzantinischen Liturgie zum Fest der Entschlafung)


Die volkstümliche Bezeichnung Mariä Himmelfahrt ist sprachlich vielleicht ein wenig unglücklich, das Lateinische und andere Sprachen unterscheiden klar zwischen Auffahrt (Ascensio) und Aufnahme (Assumptio). In den liturgischen Büchern der lateinischen Kirche heißt das Fest daher Mariä Aufnahme in den Himmel. Dieses Fest mitten im Sommer ist eines jener seltenen und hohen, die eine Vorabendmesse mit eigenen Texten haben.

Die Ostkirche nennt das Fest Mariä Entschlafung (Dormitio), lehrt aber, daß das auf den Festikonen dargestellte Kind, das der neben dem Totenbett der Gottesmutter stehende Christus hält, die reine Seele Mariens und ihren Leib versinnbildlicht, die so direkt in das Himmelreich und Paradies Gottes gehoben werden.

Vorstellungen, wie das anatomisch genau vor sich ging, helfen bei der Assumptio wahrscheinlich genauso viel oder wenig wie bei der Ascensio. Es ist und bleibt ein Mysterium, im Falle der Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel ein sehr schönes.

Die Überlieferung berichtet, daß Maria nach der Auffahrt des Herrn im Haus des Apostels Johannes lebte, der mit ihr unter dem Kreuz gestanden hatte. Von diesem Haus ging sie oft auf den Ölberg hinaus und betete dort in der Einsamkeit, sie zog aber auch mit den Aposteln umher und predigte. Man weiß nicht, wie alt Maria geworden ist, es wird angenommen, daß sie ein höheres Alter erreichte. Drei Tage vor ihrem Tod kündigte ihr der Erzengel Gabriel ihren Heimgang an. Der Kirchenvater Johannes von Damaskus berichtet, daß sich in der Zeit bis zum Hinübergang die Apostel am Sterbebett der Gottesmutter versammelten.
Am dritten Tag, in der dritten Stunde, erfüllte ein göttliches Licht das Zimmer, in dem die allheilige Gottesgebärerin auf ihren Heimgang wartete. In diesem Licht kam der Herr Jesus Christus selbst mit einer Vielzahl von Engeln und Erzengeln herab. Maria übergab ihre Seele in die Hände des Sohnes, der die Seele seiner Mutter in den Himmel entrückte.
Als der Apostel Thomas später das Grab Mariens öffnen ließ, war es leer. Anstelle des Geruches eines Grabes entströmte ihm ein aromatischer Duft von Blumen und Kräutern (was der Ursprung des Brauches der Kräuterweihe am Fest sein dürfte). In einem anderen Bericht vom Hinübergang der Gottesmutter heißt es:
Und nachdem sie das Amen gesprochen hatte, legte sie sich auf das Ruhebett. Und siehe, plötzlich verbreitete sich ein starker Duft am ganzen Ort und ein helles Licht erschien im Haus, und Christus trat mit einer großen Schar von Engeln zu ihr – und er sprach zu uns: „Friede sei mit euch. Freue dich, o Maria, meine Mutter. Friede sei deinem Abschied aus dieser Zeit, in ein anderes wunderbares Licht. Friede sei mit euch, meine gesegneten Apostel.“ Danach wandte er sich an Maria, seine Mutter, und sprach: „O Maria, meine Mutter, keine Macht der Finsternis wird zu dir kommen können. (Denn) ich bin das Leben der ganzen Welt.“
Alle Glaubensgeheimnisse und Lehren der Kirche über Maria fließen aus dem Glauben daran, daß Maria die Mutter Gottes war, daß sie Gott getragen hat, wie es in dem griechischen Marientitel Theotokos unmittelbar zum Ausdruck kommt. Daraus kommt alles andere: der Glaube an die Bewahrung Mariens vor der Erbsünde, daß sie Jungfrau war und blieb, die besondere Verehrung, die sie unter den Heiligen genießt, und ihre Aufnahme in den Himmel. Der Leib, der Gott geboren hatte, sollte die Verwesung nicht schauen.

Maria ist die Mutter des Erlösers, aber sie ist auch unsere, wir nennen sie sogar Mutter der Kirche. Bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes – mit Recht nennen wir Maria unsere liebe Frau, denn sie ist es.

20. Sonntag im Jahreskreis – Frau, dein Glaube ist groß

Da im Direktorium die Möglichkeit besteht, heute das Fest Mariä Himmelfahrt vorzuziehen, hatte ich vage mit dieser Möglichkeit gerechnet (andererseits hätte ich es auf diese Weise zweimal gefeiert). So hatten wir heute mittag noch den 20. Sonntag im Jahreskreis, der in diesem Jahr leider das Heiligenfest des hl. Maximilian Kolbe verdrängt.

Das Tagesevangelium ist einigermaßen schockierend. Wie unser Herr Pfarrer bei anderer Gelegenheit sagte: Selten einmal erlebt man einen so harschen Jesus. Ich bin gedanklich aber nicht an Jesus „hängengeblieben“, dessen ausgesprochen abweisendes Verhalten vielleicht kulturell bedingt war. Andererseits: gerade Jesus hat sich oft – und mit gutem Grund – über Dinge hinweggesetzt. Als ich mich eine Zeitlang sehr mit dem chassidischen Judentum (den Lubawitschern) beschäftigt habe, ist mir zu Bewußtsein gekommen, wie ungeheuerlich Jesus teilweise auf seine Glaubensbrüder gewirkt haben muß.

Mich hat beim heutigen Evangelium vor allem die Demut dieser Frau berührt. Ihrer Beharrlichkeit – die von den Jüngern schon als Lästigkeit wahrgenommen wird – verdankt sie, daß sie ihr Ziel erreicht. Die Demut aber, mit der sie den Vergleich nicht nur ihrer selbst, sondern ihres ganzen Volkes mit den Hunden entgegennimmt und wie sie darauf antwortet, das scheint es zu sein, was Jesus umstimmt. Ein stolzer oder auch ein empfindlicher Mensch wäre verletzt weggegangen, ein aufbrausender hätte vielleicht sinngemäß zum Ausdruck gebracht, du mich auch. Sie aber sagt: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Der Kirchenvater Chrysostomus schreibt dazu:
Er hatte sie einen Hund genannt, und sie setzt hinzu, was ein Hund tut, so als wollte sie sagen: Und wenn ich ein Hund bin, so gehöre ich doch zu dir. Du nennst mich einen Hund, also füttere mich, so wie du deinen Hund fütterst; ich kann den Tisch meines Herrn nicht verlassen.
Auf wundersame Weise findet sich diese Haltung des gläubigen Zutrauens der Kanaaniterin in einer der Lesungen zur Matutin des Tagesheiligen Maximilian Maria Kolbe – der wiederum auf wunderbare Weise mit der Gottesmutter verbunden ist – wieder. Er schreibt nämlich:

Die Immaculata sagte in der Stunde der Verkündigung: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du es gesagt hast.“ Wie Gott es will, so soll es geschehen. In diesen Worten ist die ganze Glückseligkeit, aber auch unsere Aufgabe hier auf Erden eingeschlossen. Gott hat uns erschaffen, daß wir seine Werkzeuge seien. Bitten wir die heilige Mutter, daß sie uns lehrt, wie die Seele einer Magd des Herrn beschaffen sein soll.

Das muß unser ganzes Bestreben sein, Gott dem Herrn die höchste Ehre zu erweisen. Wir müssen darum bemüht sein, Jesus so zu lieben, wie ihn seine heilige Mutter geliebt hat. Sie steht Gott am nächsten. Wenn wir uns ihr nähern, nähern wir uns damit Gott selbst.

Mitunter ist es wirklich schwierig im Leben, man meint, es gäbe keinen Ausweg mehr. Weil wir nicht alles wissen können, sehen wir den Zusammenhang nicht zwischen unserem eigentlichen Glück und den widrigen Umständen, die uns quälen. Was sollen wir also tun? Gott vertrauen. Durch solches Vertrauen – auch ohne letzte Einsicht in die Dinge – erweisen wir gleichzeitig Gott eine große Ehre, denn wir erkennen seine Weisheit, Güte und Macht an.

Vergessen wir nicht, immer wieder mit Jesus auf dem Ölberg zu sprechen: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Wenn Gott es für richtig und gut findet, daß es sei wie auf dem Ölberg, daß unsere Bitte keinen Erfolg haben soll und wir den Kelch bis zur Neige trinken müssen, dann wollen wir nicht vergessen, daß Jesus nicht nur gelitten hat, sondern danach in Herrlichkeit auferstanden ist. So müssen auch wir durch Leiden zur Auferstehung kommen.

Die Kanaaniterin vertraut darauf, daß Jesus Gott ist, denn sie nennt ihn den Sohn Davids. Ich glaube, wenn Jesus die Kanaaniterin wirklich weggeschickt hätte, dann hätte sie das mit derselben Demut hingenommen, obwohl uns das Eintreten für jemanden, den wir lieben, ungeahnten Mut und große Beharrlichkeit verleihen kann. Sie aber vertraut darauf, daß Gott denen, die ihn lieben, alles zum Besten wendet, auch wenn wir es nicht immer gleich verstehen.

Ich denke, die Frau vertraut auch auf die Beharrlichkeit ihres Flehens. Sie schreit hinter dir her, sagen ihm die Jünger und Herr, darum schreie ich zu dir, heißt es im Psalm 88. Man darf auch hinter Gott her oder zu ihm hinschreien, braucht sich bei Gott nicht davor zu scheuen, ihm lästig zu werden.

Samstag, 13. August 2011

Samstag vor Mariä Himmelfahrt

Bei herrlichstem Wetter [1] habe ich heute Kräuter und Blumen für die Kräuterweihe gesammelt. Das macht wirklich total viel Spaß, außerdem kann man dabei ikonographischen Spielereien frönen, wie etwa, die Sträuße mit einem lapislazuliblauen Band zusammenzubinden. Seit der Kräuterweihe im vergangenen Jahr habe ich übrigens den wohl einzigen gesegneten und mit Weihwasser besprengten Marktkorb Berlins… :) – Dann hat auch noch die Angelusglocke darüber hingeläutet, es paßte alles.

Irgendwie zehre ich auch noch von der gestrigen Abendmesse. Der Zelebrant, ein kleiner agiler Priester im Ruhestand, strahlt immer soviel wirkliche Freude, Heiterkeit und Hingabe aus; immer wenn ich ihn sehe, denke ich, das ist ein wirklicher Priester Gottes! Auch feiert er, seit Krankheit und Sterben des Herrn Kardinals, die Messe immer in der Intention für ihn, das freut mich auch. Zur Messe radelt er todesmutig durch halb Berlin auf dem Drahtesel. (Ich glaub, er könnte auch in Grunzlauten sprechen, ich würde ihn immer noch ganz reizend finden.) Gestern hielt der Pfarrer nun im Hinblick auf das Evangelium Matthäus 19,11-12 eine Predigt über die Treue in der Berufung, jedes schlichte Wort glaubhaft und überzeugend, auch die Freude, die er daran hat.

____
[1] Aber davon schweige ich lieber, mit der Aussage, daß mir dieser Sommer im großen und ganzen eigentlich gut gefällt, habe ich mich schon hinreichend unbeliebt gemacht. Ich mag wirklich jedes Wetter gern, leide aber in großer Hitze, deshalb bin ich froh, wenn es nicht so brüllheiß ist.

Freitag, 12. August 2011

Donnerstag, 11. August 2011

Herr, sei gelobt, weil du mich erschaffen hast – hl. Klara von Assisi, Jungfrau

Der schönste Versprecher in der heutigen Messe zum Gedenktag der hl. Klara: „Franzisi“. Ich glaube, Franziskus und Klara hätten sich gefreut, denn die hl. Klara ist ohne den heiligen Franziskus nicht zu denken – und umgekehrt.

Es ist auffällig, daß der hl. Franziskus als zweiten Orden einen klausurierten Orden des Gebets gegründet hat, den man auch den seraphischen Orden nennt. Seraphim sind Engel, die in der beständigen Schau Gottes leben. Sie glühen vor Liebe und Freude. Zugleich ist der seraphische Orden untrennbar mit der charakteristischen Armut und dem Begriff Buße verbunden. Möglicherweise hätte der hl. Franziskus, hätten die Franziskaner ohne das Gebet der Klarissen nicht all das vollbringen können, was sie an Gutem getan haben.

In dem Kirchlein Portiuncula wurde mitten in der Nacht des Palmsonntags 1212 die heilige Klara eingekleidet. Am Morgen noch war sie in ihren schönen und prächtigen Gewändern bei der Palmprozession gewesen. In Sta. Maria von den Engeln warteten Franziskus und seine Mitbrüder mit brennenden Kerzen in der Hand. Während die Brüder das Veni creator spiritus sangen, gab Franziskus Klara ein schlichtes Gewand, schnitt ihr die langen blonden Haare ab – die von den Klarissen in Assisi als Reliquie bewahrt werden –, und nannte sie „die erste meiner armen Frauen“.

Als Franziskus von einem Kreuz in San Damiano die Stimme des Herrn hörte, der ihn aufforderte, sein Haus wiederherzustellen, „das wie du siehst, ganz verfallen ist“, war Klara gerade einmal zwölf Jahre alt. Sechs Jahre später stahl sie sich in der Nacht aus ihrem vornehmen Elternhaus davon, nachdem sie in der Fastenzeit eine Predigt des heiligen Franziskus über die Loslösung von der Welt gehört hatte, und folgte in der Lebensweise vertrauensvoll einem nach, der kaum wußte, wo und wie er sie unterbringen sollte. Dieser wiederum berief sich auf den Herrn selbst: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Tatsächlich besteht die Regel der hl. Klara einfach darin, „das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu beachten.“ Später wandte sich Klara mit der Bitte an Papst Innozenz III., ihr ein besonderes Vorrecht zu gewähren: das Vorrecht der heiligen Armut. Der Papst fand dieses Anliegen offenbar verwirrend, nicht zuletzt wohl deshalb, weil man ihn meist eher um gegenteilige Privilegien bat. Innozenz IV. gewährte den Klarissen dieses einzigartige Vorrecht und bestätigte in einer Bulle, daß niemand sie zwingen könne, Besitztümer über das absolut Notwendige hinaus anzunehmen:
„Der Apostolische Stuhl pflegt sich frommem Begehren zu neigen und geziemendem Ersuchen der Bittenden wohlwollende Förderung zu erteilen. Es liegt Uns nunmehr von eurer Seite die demütige Bitte vor, Wir möchten mit apostolischer Autorität die Lebensweise bestätigen, nach der ihr gemeinsam in der Eintracht des Geistes und dem Gelübde der höchsten Armut leben müßt. … Wir sind darum euren ehrfurchtsvollen Bitten geneigt.“
Dieses Schreiben erreichte Assisi zwei Tage vor Klaras Tod 1253. Zugleich kam Papst Innozenz von Rom an ihr Sterbebett in San Damiano, um ihre Beichte zu hören. „Wollte Gott, ich selbst bedürfte dessen so wenig“ bemerkte er später.

Die letzten Worte der heiligen Klara – nicht Selbsterhöhung, sondern Ausdruck tiefsten Dankes an ihren Schöpfer: Herr, sei gelobt, weil du mich erschaffen hast.

Mittwoch, 10. August 2011

Wird hier etwa gegrillt?

Ich hoffe, das findet am Fest des hl. Laurentius jetzt niemand despektierlich…


Gegrillter Fisch St. Laurentius*

4 mittelgroße Zwiebeln
4 mittelgroße Kartoffeln
65 g Mehl
1 Teelöffel zerstoßenen, getrockneten Rosmarin
1 Teelöffel frischen Dill
400 g Schinkenspeck in Scheiben
4 Fischfilets a 150 g
Butter
125 g Cheddarkäse
(reicht für vier Personen)

Die Enden der Zwiebeln entfernen, die Zwiebeln jedoch nicht schälen. Kartoffeln waschen und mit einer Gabel einstechen. Zwiebeln und Kartoffeln einzeln in Alufolie verpacken und bei 200 °C 20-30 Minuten backen.

Etwa zehn Minuten vor dem Servieren das Mehl und die Kräuter auf einer Platte vermengen. Speck in in einer schweren Bratpfanne knusprig anbraten. Die Filets in der Kräuter-Mehl-Mischung wälzen. In die heiße Pfanne geben und auf jeder Seite zwei bis drei Minuten lang goldbraun backen und mit dem Speck ummanteln.

Jeweils eine Kartoffel, eine Zwiebel und ein gebratenes Fischfilet mit etwas Speck servieren. Dazu Butter und geriebenen Cheddarkäse reichen.
_____
* das Rezept stammt aus Kanada, wo man die Fische direkt aus des Heiligen eigenem Fluß, dem Sankt-Lorenz-Strom, angeln kann.

Dienstag, 9. August 2011

Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi rühmen – Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), Jungfrau, Märtyrin

Als Edith Stein in den Karmel eintrat, wählte sie sich den Ordensnamen Teresia Benedicta a cruce. Man kann diesen lateinischen Ordensnamen so deuten, daß Edith Stein den Namen Teresa zu Ehren der Heiligen wählte, die sie nicht nur in den Karmel, sondern zum Christentum geführt hatte, und Benedicta zu Ehren des heiligen Benedikt: viel Zeit für die geistliche Einkehr verbrachte Edith Stein in der Erzabtei St. Martin in Beuron, deren Abt, Raphael Walzer, ihr geistlicher Begleiter war. In der zweiten Lesart wird allerdings etwas ganz anderes daraus: Teresia Benedicta a cruce: Teresia, die vom Kreuz Gesegnete. „Nicht die menschliche Tätigkeit kann uns helfen, sondern das Leiden Christi. Daran Anteil zu haben, ist mein Verlangen“, sagte Edith Stein der Priorin des Karmels vor ihrem Eintritt. Dieser Wunsch, der sicherlich der vieler Karmelitinnen ist, sollte sich tatsächlich erfüllen.

Kann der Tod in der Gaskammer, ja der Märtyrertod im allgemeinen, eine Segnung des Kreuzes sein? Ja, denn die das Kreuz auf sich nehmen, tun es in der Nachfolge dessen, der es für uns getragen hat. Nur vor diesem Hintergrund ist das Martyrium, ist der Tod Sr. Teresia Benedictas zu verstehen. Ihr Kreuz enthüllte sich ihr in der Verborgenheit des Karmels dabei allmählich. Später einmal schrieb sie:
Unter dem Kreuz verstand ich das Schicksal des Volkes Gottes, das sich damals schon anzukündigen begann. Ich dachte, die es verstünden, daß es das Kreuz Christi sei, die müßten es im Namen aller auf sich nehmen. Gewiß weiß ich heute mehr davon, was es heißt, dem Herrn im Zeichen des Kreuzes vermählt zu sein. Begreifen freilich wird man es niemals, weil es ein Geheimnis ist.
Unter den Biographien Edith Steins sind mir übrigens am liebsten die Aufzeichnungen ihrer damaligen Mitschwestern und ihrer Novizenmeisterin, Sr. Teresia Renata a Spiritu Sancto, die ein ganz einfaches und unprätentiöses Bild der Heiligen zeigen und davon, wie schwer sie sich in der Anfangszeit im Karmel auch getan hat. Es ist eine Geschichte von Sr. Teresia Benedicta überliefert, bei der ihr die Aufgabe zufiel, in der Prozession eine Heiligenstatuette zu tragen. Mit der großen Ernsthaftigkeit und Andacht, die ihr eigen war, führte sie die Aufgabe aus und stieß, da sie nicht an die Höhe der Statuette gedacht hatte, damit an eine Lampe und begoß sich über und über mit Öl. Es ist dabei offenbar nichts weiter passiert, die Sache wurde aber als typisch Sr. Benedicta angesehen.

Ihre Novizenmeisterin beschrieb Edith Steins Eintritt in den Karmel als ein Herabsteigen von der Höhe der Ruhmeslaufbahn in die Tiefe der Bedeutungslosigkeit. Daß Edith Stein das selbst so gesehen hat, bezweifle ich; wohl aber war sie sich ihrer eigenen Grenzen sehr bewußt, die im Noviziat schwierig für sie und die Kommunität gewesen sein müssen: „Sie war in allen häuslichen Arbeiten so umständlich und so ungeschickt, daß es ein Jammer war, ihr dabei zuzusehen“ – ebenfalls eine Äußerung der Novizenmeisterin. Man darf diesen Ausspruch in seiner Bedeutung nicht unterschätzen: Jeder, der einmal in einem Konvent beschaulicher Schwestern gelebt hat, weiß, daß dort zuweilen Auseinandersetzungen über die richtige Art, einen Spüllappen aufzuhängen, geführt werden. Einundzwanzig Schwestern sind etwa zwanzig Hausfrauen zuviel. Sr. Teresia Benedicta hat in Briefen diese Zeit als gute Schule der Demut bezeichnet, was sehr für sie spricht. Es muß eine Erleichterung für alle gewesen sein, daß man sie nach der Profeß vorwiegend mit der Fortführung ihrer Studien und anderen schriftlichen Arbeiten betraute.

Am 2. August 1942 verhaftete man in der Folge eines Hirtenbriefes der niederländischen Bischöfe, der Ende Juli in den Kirchen verlesen worden war, in den Niederlanden auch die Katholiken, die vom Judentum konvertiert waren und verschleppte sie nach Auschwitz. Sofort nach ihrer Ankunft am 9. August führte man diese, mehrere hundert Menschen, in die Gaskammern. Unter ihnen Sr. Theresia Benedicta a cruce, die vom Kreuz Gesegnete. In Auschwitz-Birkenau erlosch scheinbar das Licht ihres Lebens in der Dunkelheit der Gaskammer. Tatsächlich ist es nicht erloschen, denn die Begegnung mit der hl. Teresia Benedicta hat die Kraft, ein Leben zu verändern. Im Hinblick auf das Kreuz, dem Edith Stein so treulich nachfolgte, predigte der sel. Papst Johannes Paul II. bei ihrer Heiligsprechung 1998:
Es ist das Kreuz Christi! Der Baum des Kreuzes trägt in ewiger Blüte immer wieder neue Früchte des Heils. Deshalb schauen die Gläubigen vertrauensvoll auf das Kreuz. Aus seinem Geheimnis der Liebe schöpfen sie Mut und Kraft, um dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn in Treue nachzufolgen. So hat sich die Botschaft vom Kreuz in das Herz vieler Männer und Frauen eingesenkt und ihr Leben verändert.

Sonntag, 7. August 2011

O Erlöser der Welt, sei gegrüßt – der heilige Dominikus in San Marco

Vor Jahren hatte ich das Glück, eine längere Reise nach Florenz machen zu können. Genau genommen bin ich wegen der Fresken Beato Angelicos – eigentlich Fra Giovanni di Pietro – nach Florenz gefahren, weshalb ich mich dann auch recht schnell nach San Marco begeben habe. San Marco ist ein Dominikanerkonvent, der seit 1436 an dieser Stelle bestanden hat. Das heutige Museo di San Marco war nicht als Museum, sondern als Ort des Gebets gedacht, und dies teilt sich dem Besucher sehr intensiv mit.

Das schöne ist, daß man stundenlang völlig frei darin herumlaufen kann (ich jedenfalls konnte und wollte). Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Fresken, die Beato Angelico an die Wand der Zellen im Dormitorium der Mönche gemalt hat – eine frühe Form des Andachtsbildes, dem Bewohner der Zelle zur Verehrung, Kontemplation und Belehrung gedacht. Der Umriß vieler dieser Bilder ahmt dabei den Umriß des Zellenfensters nach. Das eine ist ein Fenster nach draußen, das andere eines nach innen.

Auf der überwiegenden Zahl dieser Andachtsbilder in den Zellen erkennt der faszinierte, katholische und aufmerksame Betrachter, daß der Maler der Szene aus dem Leben und Sterben Christi den heiligen Dominikus hinzugefügt hat: so findet man ihn bei der Geburt, der Darstellung im Tempel, bei der Verklärung Christi, bei der Krönung der Jungfrau, bei der Kreuzigung und bei der Beweinung Christi am Grabe.

Dem heiligen Dominikus gab der Maler dabei den Stern über der Stirn als ikonographisches Heiligenattribut mit. Dies geht auf eine Überlieferung zurück, derzufolge die Patin des Dominikus nach der Taufe einen Stern auf seiner Stirn erblickte, der auch später noch von vielen als Glanz wahrgenommen wurde, der sein Haupt umstrahlte.


Die Fresken im Kloster sind alle wunderbar. Am eindrücklichsten ist der Heilige vielleicht auf dieser Verspottung Christi dargestellt: Vor einer ikonenhaften Darstellung Christi mit den Leidenswerkzeugen sitzen auf einer Stufe die Jungfrau Maria und der hl. Dominikus. Beide sind zum Betrachter hingewandt, in Kontemplation versunken. Die Haltung Mariens spricht von Trauer und Ergebung in den Willen Gottes. Dominikus schaut in das Buch vor ihm und scheint über dessen Worte und die Bedeutung des Geschehnisses für uns und die ganze Welt nachzusinnen. – Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.


In gleich mehreren Zellen – die für die Novizen bestimmten – ist der Kreuzestod des Herrn dargestellt und der heilige Dominikus zu Füßen des Kreuzes. Der Heilige steht oder kniet vor dem Kreuz und umfaßt den Kreuzesstamm, an dem das Blut des Erlösers herabfließt. Das Kreuz Christi ist der Stern, dem der Heilige zeitlebens gefolgt ist. Unter einer dieser Darstellungen finden wir die Inschrift:
O Erlöser der Welt, sei gegrüßt! O lieber Jesus, ich möchte dein Kreuz auf mich nehmen und weiß, warum. Gib mir die Kraft, es zu vollbringen.
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