Sonntag, 31. Juli 2011

Gebt ihr ihnen zu essen!

Vor der Hungerkatastrophe in Ostafrika ist das Evangelium des 18. Sonntags von der wunderbaren Brotvermehrung besonders bewegend. Es fällt auf, daß Jesus angesichts der Menschen nicht etwa ein Wunder der Art tut wie Gott beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und einfach Manna vom Himmel regnen läßt. Er sieht die Menschen, die er, dem Vorschlag der Jünger folgend, wegschicken könnte, er sieht, was sie wirklich brauchen, und es heißt: Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!

Manchmal hört man freie Fürbitten wie „beseitige den Hunger in der Welt“. Ich bete hier lieber um Gottes Beistand, auch für die Helfer. Gott handelt durch einfache Menschen, wie er uns auch sein Antlitz im Gesicht des Menschen zeigt.

Diese schöne lllustration aus einem Stundenbuch verdeutlicht dies: die wunderbare Brotvermehrung findet am Tisch des Herrn statt, um den sich nicht nur die Jünger scharen. Auch der Hunger der vielen, die geradezu hinzudrängen, wird gestillt werden.

Gebt ihr ihnen zu essen – das gilt für die hungernden Menschen am Horn von Afrika wie für die Priester bei der Feier der Heiligen Messe: die Jünger sollen etwas tun: den Menschen zu essen zu geben, mit Gottes Hilfe. Wir alle sind aufgerufen, das was wir haben, mit denen zu teilen, die wenig oder gar nichts haben – wie oft kann man durch persönliche Anspruchslosigkeit auch Wege dafür finden.

Von dem, was den Hunger unserer Seele stillen kann, spricht auch die erste Lesung: es ist Gott selbst in den Sakramenten. Vor und nach der heiligen Messe ging mir die schöne Antiphon aus dem Stundengebet im Kopf herum: Ihr die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf! Im ganzen heißt der Psalmvers: Schaut her, ihr Gebeugten, und freut euch; ihr, die ihr Gott sucht: euer Herz lebe auf! Denn der Herr hört auf die Armen, er verachtet die Gefangenen nicht.

So ging es mir in der gestrigen Messe mit dem Weihbischof em., der uns eine bewegende Predigt gehalten hat. Auch sonst ist er einer, der die Messe so feiert, daß es wirklich zutrifft, was im Evangelium steht: alle aßen und wurden satt.

Freitag, 29. Juli 2011

Der Engel des Herrn…

Die Ikone ist eine Schutzengelikone. Von solchen Engeln spricht der Psalmist im Psalm 91, den wir zur Komplet singen: Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Das Kind in Windeln, das der Schutzengel trägt, ist ein Sinnbild für die einzelne Seele, die der Engel bewacht.

Ein Satz aus dem Antwortpsalm, der sich aus dem Munde eines bestimmten Kantors (auch wenn ich nicht drauf warte) immer so anhört wie: Der Engel des Herrn umschwirrt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie. Ich bin überzeugt, daß der Kantor umschirmt singt, trotzdem mußte ich heute ziemlich breit lächeln.

Der mich umschwirrende Engel hat in letzer Zeit übrigens ziemlich gut zu tun und es ging wundersamerweise irgendwie immer gut: der Glassplitter, der mir neulich auf die Nase geflogen ist, als jemand auf der Treppe zur U-Bahn stürzte, hat nur einen mittelmäßig blutenden Kratzer verursacht, den ich überhaupt erst bemerkt habe, als ein anderer feststellte, daß ich blute. Der stürzende Mann ist übrigens ebenfalls weitgehend unverletzt geblieben. Ich bin zweimal nicht die steile Marmortreppe runtergefallen, obwohl ich schon drauf und dran war, ich hab mir bei dem Sturz neulich im Regen auf glitschigen Stufen in einen Laden hinein nur ein Band überdehnt (in der Tat hatte dieser Auftritt ziemlich viel von Slapstick), und ich hab mir grade auch nicht das Auge an meinem eigendynamisch agierenden Klappschirm ausgestochen, obwohl auch daran nicht viel gefehlt hat. Um den Engel nicht überzustrapazieren, sollte ich diesen Schirm vielleicht aussortieren. Ich sag jetzt einfach mal, danke, lieber Gott!

Nöte kann man sowas nicht nennen, da gibt es anderes (das leider zur Zeit auch). Aber auch an solche Zeiten denke ich später manchmal zurück, wenn wir im Gottesdienst das Lied Lobe den Herrn singen: In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.

Heilige Madln – B-Mannschaft

unbekannter Maler, um 1440, Diözesanmuseum von Sandomierz in Polen
Noch eine Gruppe heiliger Madln, für uns etwas ungewohnt: die heiligen Jungfrauen – von links nach rechts – Martha, Agnes und Klara (das „kleine Pferd“ soll ein Lamm sein. Mit der Schafzucht hatte der Maler wohl nichts am Hut…). Mit dem Merkspruch wird es etwas schwierig: Klara mit dem Buch, Martha mit dem Tuch…

Donnerstag, 28. Juli 2011

Kometen im Evangelium – Gedenktag der hl. Martha, Jungfrau

Ein Prediger hat das Erscheinen Marthas und Marias im Evangelium kometenhaft genannt. Ich denke, das trifft es ziemlich gut. Die Gestalten Marthas und Marias erscheinen in der Tat wie Kometen, die über den Himmel des Evangeliums ziehen, eine helleuchtende Spur hinterlassen und wieder verschwinden.

Die beiden tauchen im Lukasevangelium später nicht mehr auf. Die Tradition sieht sie als Martha und Maria von Bethanien, deren Bruder Lazarus von den Toten auferweckt wurde. Später wurde aus Maria die Frau, die Jesu Füße salbte, und noch später verschmolz diese Maria mit der Gestalt der Maria Magdalena (weshalb wir keinen eigenen Feiertag für Maria von Bethanien haben).

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo sich sein Weg vollenden wird – der Weg ans Kreuz. Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloß sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. (Lk 9, 51-53)

Irgendwann auf dem Weg nach Jerusalem muß sich Jesus von den Jüngern getrennt haben, denn er ist allein, als ihn Martha und Maria aufnehmen und bewirten, mit dem bekannten Verlauf: Maria setzt sich zu seinen Füßen und überläßt Martha die Gastgeberpflichten. Martha ärgert sich und fängt sich einen Tadel des Herrn ein. Jeder weiß: Tadel von Menschen, die man verehrt oder hochschätzt, sind schmerzlich. Jedoch muß man, um sich damit auseinandersetzen und vielleicht etwas daraus lernen zu können, auch wissen, worum es eigentlich geht. Die Übersetzung Luthers bleibt an dieser Stelle etwas ungenau: Der Herr antwortete: Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. In einer wortgetreueren Übersetzung heißt es allerdings: Martha, Martha, du sorgst dich und schaffst Unruhe um vieles.

Es geht also nicht darum, daß Martha gearbeitet hat, sondern daß es im Geist und Gefühl des Unfriedens geschehen ist. Man kann arbeiten oder zuhören und betrachten, es ist Gott beides wohlgefällig. Man kann Gott zwischen den Kochtöpfen finden oder Seelen retten, indem man auch nur eine Nadel vom Boden aufhebt (wie es die beiden Theresen, die große und die kleine, formuliert haben) aber es muß eben aus Liebe geschehen.

Wenn ich mir einige Darstellungen der hl. Martha so ansehe, wer wäre da nicht lieber die hübsche, schlanke Maria, die zu Füßen des Herrn sitzt, als Martha, die das Brot bäckt und vom Illustrator des Stundenbuches gleich die entsprechende Figur dazu mitbekommen hat? Jedoch wird auch Brot gebraucht und vom Zuhören allein wird es nicht fertig.

Mary Francis Aschmann PCC hat den Gedanken formuliert, daß Maria und Martha gewissermaßen zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind. Es gilt, neben all der Unrast und dem Getriebensein des Alltags immer wieder der Maria, dem Hören und Schauen auf Christus, dem etwas Lernenwollen und dem Gebet in uns Raum zu geben. Tun wir es nicht, so verkümmert und verdorrt unser inneres Leben. Aber auch Martha darf nicht geringgeschätzt oder mit einem schrägen Blick bedacht werden, denn sie ist nicht nur die Unruheschafferin, sondern auch die, die etwas zuwege bringt und wegschafft – es kommt darauf an, mit welcher Absicht und ob man es im Geist der Liebe tut, so daß man dabei den göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi nicht aus den Augen verliert.

Daß Marthas Geschäftigkeit sie nicht daran hinderte, Christus wahrhaft zu erkennen, ist uns ebenfalls überliefert: Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Das Tagesgebet des morgigen Festes der hl. Martha weist darauf hin, daß diese den Herrn selbst in ihrem Haus aufnehmen und bewirten durfte. Eigentlich dürfen wir das alle immer wieder – der Kirchenvater Augustinus schreibt dazu:
Martha und Maria waren Schwestern, verwandt nicht nur im Blute, sondern auch durch geistliches Streben. Sie waren dem Herrn eng verbunden und dienten ihm eines Sinnes, als er bei ihnen weilte. Martha nahm ihn auf, wie man Reisende aufnahm. Aber in ihrem Falle empfing die Magd ihren Herrn, das Geschöpf seinen Schöpfer, um ihm irdische Nahrung zu reichen, während sie die Nahrung des Geistes aufnahm. Keiner von euch sollte sagen, „Gepriesen seien die, die würdig waren, Christus in ihrem Heim aufzunehmen“. Betrübt euch nicht und klagt nicht, daß ihr zu einer Zeit geboren wurdet, in der ihr Gott nicht mehr in seinem Leibe schauen könnt. Tatsächlich hat er euch dieses Vorrecht nicht genommen. Wie er sagt: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Leute, bei denen man froh ist, wenn sie im Kino nicht vor einem sitzen…




Nachtrag zum Gedenktag der hll. Anna und Joachim

Etwas spät, aber ich kam gestern nicht mehr dazu, diesen Beitrag zu veröffentlichen:

Sehr aufmerksame Leser des Blogs haben vielleicht bemerkt, daß die hier erwähnte Gründerin der Society of the Helpers of Mary, Sr. Anna Huberta Roggendorf, eine von drei Schwestern war, die alle den Ordensnamen Anna trugen. Diese Namensgebung mag damit zusammenhängen, daß die drei auch leibliche Schwestern gewesen sind. In jedem Fall hatte sie wie auch ihre Schwestern Sr. Anna Xaveria und Sr. Anna Maria gestern Namenstag.

Die hl. Anna ist für mich eine eher „apokryphe“ Heilige (das heißt, wir wissen eigentlich nur aus apokryphen Schriften von ihr, in diesem Fall dem Protoevangelium des Jakobus. Wiederum erscheint die Logik, warum eine Schrift von der Kirche letztlich zu den kanonischen gerechnet oder als apokryph bezeichnet wurde, manchmal nicht recht durchschaubar).

Mit der Darstellung des alten Schotts, die im wesentlichen darauf hinauslief, die Charaktereigenschaften Marias auf ihre Mutter Anna zu übertragen, kann ich nicht so viel anfangen. Wie oft unterscheidet sich ein Kind doch sehr von seinen Eltern oder auch nur von einem Elternteil (womit ich nichts gegen die hl. Anna gesagt haben will). Die Geburt einer Tochter, die von allem Anfang vom Makel der Erbsünde bewahrt blieb, mag auch Anna geheiligt haben. Wie dem auch sei: sie war die Großmutter Jesu. Bei der Reform des liturgischen Kalenders legte man den Gedenktag der hl. Anna mit dem des hl. Joachim zusammen, der vorher im August gefeiert wurde.

Interessant finde ich einen bestimmten Typus Bild wegen seines altertümlichen Namens: Anna selbdritt. Das heißt, das Bild ist eine Darstellung der hl. Anna mit ihrer Tochter und dem Jesuskind. Zuweilen sind auch noch andere Heilige dabei, wie oben etwa die hl. Ursula, gut erkennbar an den Pfeilen, die sie trägt. Manchmal ist Maria auch als junges Mädchen oder etwas kleiner dargestellt – ein Generationenbild also.

Dieses Motiv verdeutlicht, worum es bei der Verehrung dieser Heiligen auch geht: in Jesus, der für uns Mensch geworden ist, ist ein Stück von seiner menschlichen Großmutter „drin“, er hatte Großeltern wie wir. Die meisten Kinder lieben gerade ihre Großeltern sehr (als Kind habe ich viel mehr Zeit mit meiner Oma verbracht als mit meinen Eltern).

Eine kleine Randbemerkung: In den Fürbitten der gestrigen Abendmesse wurde eigentlich für alle Generationen gebetet, die auf einer solchen Selbdrittdarstellung abgebildet sind: für die Großeltern, die Mütter (und auch die Väter). Blieben im Fürbittbuch übrig: „die ungewollt Alleinstehenden, daß sie ihren Stand als Aufgabe erkennen und meistern“. Heiliger Bimbam! Was ist denn mit dem, der da auch auf dem Bild ist, und dem einige von uns sehr gewollt in der Ehelosigkeit nachstreben? Gedacht, getan: „Für alle, die im Stand der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen leben: daß sie Christus freudig nachfolgen.“

Dienstag, 26. Juli 2011

Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen? Flüchtlinge in Ostafrika

Viele fragen sich angesichts der Hungerkatastrophe in Ostafrika, was man – außer die Menschen und Helfer vor Ort durch das fürbittende Gebet zu unterstützen und zu tragen – tun kann.

Es gibt soviel Gutes in der Welt, von dem man manchmal nur eher zufällig erfährt (weshalb mir die Idee, täglich eine Nachrichtensendung zu bringen, die vom Guten in der Welt berichtet, eigentlich immer gefallen hat).

Vor kurzem bin ich auf den von einem hiesigen Priester gegründete Bartholomäusgesellschaft (ein eingetragener Verein) aufmerksam geworden, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Arbeit der Schwestern der Society of the Helpers of Mary in Äthiopien in Afrika zu unterstützen. Das heißt, jede Hilfe, die dem Verein – und damit den Schwestern – zuteil wird, erreicht die Menschen in Äthiopien unmittelbar.

Die Society der Helpers of Mary hat eine deutsche Ordensschwester, Sr. Anna Huberta Roggendorf, mitten im zweiten Weltkrieg in Indien gegründet. Sie war eine von drei leiblichen Schwestern, die alle bei den Töchtern vom Heiligen Kreuz eingetreten und in die Mission gegangen sind: Sr. Anna Huberta nach Indien, Sr. Anna Xaveria nach Pakistan, und Sr. Anna Maria Roggendorf nach Brasilien, wo sie im Alter von 94 Jahren immer noch wirkt.


Die von Sr. Anna Huberta gegründeten Schwestern, kurz Marys genannt, haben mittlerweile in Indien achtundvierzig Niederlassungen und in Äthiopien drei Stationen, in denen sie die Menschen in der Bekämpfung der schrecklichen Elephantiasiskrankheit, beim Brunnen- und Hausbau, in der Arbeit in Kindergärten und Schulen und bei der Versorgung von Flüchtlingen unterstützen. Gerade kommen unser Pfarrer und Pfr. Ernst Pulsfort, der den Verein gegründet hat, aus Äthiopien zurück, wo sie mehrere Wochen beim Aufbau des Lagers Lagaloumi geholfen haben.

Diese Stadt soll 6000 Menschen, die wegen der katastrophalen Dürre zwangsumgesiedelt und dort völlig sich selbst überlassen wurden, Aufnahme bieten. Dazu werden in einem ersten Schritt Häuser errichtet. Ein einziges solches Haus, das eine ganze Familie aufnehmen kann, kostet etwa 250 Euro. Herr Pfarrer Pulsfort hat es geschafft, für dieses Projekt bereits 120.000 Euro aufzutreiben – eine gewaltige Leistung; es fehlen den Menschen indes noch weitere 80.000 Euro. Mittlerweile unterstützt auch die Regierung das Projekt so gut wie möglich durch Hilfe beim Straßen- und Pumpenbau.



Die äthiopischen Christen gehören zu unseren ältesten Brüdern, die Schwestern helfen aber unterschiedslos jedem, der ihre Hilfe benötigt. Bei den Flüchtlingen in Lagaloumi etwa handelt es sich mehrheitlich um Moslems, die in den christlichen Westen des Landes vertrieben wurden. Wer etwas spenden kann und möchte und wissen will, was damit getan wird, überlege sich, ob er nicht einige Euro, und seien es noch so wenige, entbehren kann. Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Hier steht, wie, und hier kann man sich direkt bei der Bartholomäusgesellschaft informieren. Bitte schließt auch die Schwestern und Helfer vor Ort in euer Gebet ein.

Sonntag, 24. Juli 2011

Laß uns den Haß, das bittere Leid, fortlieben aus der dunklen Zeit

Vor den Anschlägen von Oslo und auf der Insel Utøya steht man fassungslos und auch davor, daß so etwas menschenmöglich ist.

Daß einige Medien sich in der Berichterstattung nun geradezu in der Verwendung des Ausdruckes „christlicher Fundamentalist“ für den Attentäter ergehen, ist einfach Unfug. Der christliche Glaube mag die Heiligen unter uns erklären, nicht aber, daß jemand schlicht gesagt, verrückt geworden ist, einem Wahn erliegt oder vielleicht auch unter einem chemischen Ungleichgewicht in seinem Gehirn leidet.

Die Sichtweise mit dem Fundamentalisten wird selbst dann nicht richtiger, wenn man miteinfließen läßt, daß „Fundamentalist“ heutzutage oft als Synonym für „konservativ“ herhalten muß. Denn was sollte denn das Fundament sein, auf das ein solch vermeintlicher christlicher Fundamentalist beruft, das Konservative, was er bewahren will? Der christliche Glaube ist es jedenfalls nicht. Das Christentum ist eine Religion des Lebens, Gott ist ein Gott des Trostes und des Erbarmens, einer, der die Menschen auffordert: Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.


Norwegen widersteht dem Haß ist auch eine Schlagzeile, eine, die ungleich viel mehr aussagt. Dem Haß widerstehen, sich nicht von ihm anstecken zu lassen, das ist etwas, was die Menschen verbindet. Das Lied Herz Jesu Gottes Opferbrand endet:
Herz Jesu, Trost der ganzen Welt, mach unser Herz zu deinem.
Nimm unsre Herzen ungezählt und mache sie zu einem.
Laß uns den Haß, das bittere Leid, fortlieben aus der dunklen Zeit
laß uns dein Reich erscheinen.
Es bleibt, für die vielen Opfer, für deren Angehörige, die Helfer vor Ort und, ja, auch für den Täter zu beten. Das ist christliches Fundament.

Sr. Maria-Martha in Aktion…

…wir brauchten nämlich dringend noch mehr Lampenschirme.

Samstag, 23. Juli 2011

Lilien auf dem Felde…

Benediktinerinnen

…derweil bei den Karmelitinnen…

Freitag, 22. Juli 2011

Oh, shiny…!


Extra für die einzelne Dame, die meinen Beitrag über die Patene neulich so überaus häßlich fand, borge ich mir ein Bild The Crescat. Oh, shiny…! – in der Tat. Wenn mir noch jemand den Sinn des Körbchens mit den zwei Bögen drüber dahinten links erklären könnte, das wär nett. Wahrscheinlich ist das was Orthodoxes?

Nunsense…


Eine eigene Reihe Nonnengucken[1] wollte ich schon lange und da ich die meisten meiner Daten mittlerweile wiederhabe, mache ich vor dem Wochenende mal den Anfang mit diesem reizenden Bild. Auch die Pingu-Fans wie Cornelia wird es freuen.

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[1] Das englische Nun-gazing ist als Wort irgendwie besser, weil es auch einen gewissen Anstarr-Faktor zum Ausdruck bringt.

Da ja grad erst Skapulierfest war…

Da ja grad erst Skapulierfest war, hier das Fundstück des Tages. Dies dürfte wohl einer der bekanntesten Träger des braunen Skapuliers sein: Karol Wojtyła.

Das Skapulier Johannes' Pauls II., durch ständiges Tragen verblichen (er trug es sogar bei der Operation, die auf das Attentat folgte), wurde 2007 als Reliquie einem italienischen Karmelitenkonvent übergeben.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Wie man einen Drachen bändigt – Margareta, Jungfrau und Märtyrin

Die heutige Tagesheilige, Margareta von Antiochia, auch Margareta, die Jungfrau genannt, erscheint in der christlichen Ikonographie zuweilen als eine in einer Vierergruppe, die man Virgines capitales nennt: große Jungfrauen. Wer sich angesichts des Merkspruchs mit dem Turm, dem Wurm und dem Rad nur auf drei besinnen kann: die vierte ist die hl. Dorothea, die einen Blumenkorb dabeihat.

Unten eine kleine Bildergalerie zur hl. Margareta. Darstellungen der Ostkirchen, wo sie als Marina verehrt wird, kommen übrigens manchmal auch ohne den Drachen aus.

Wie man mit dem Drachen fertig wird, steht im verlinkten Beitrag vom Vorjahr: man trage ein Kreuz, es kitzelt den Bösen im Hals oder in den Eingeweiden. Was in der Legenda aurea nicht ganz ohne Situationskomik daherkommt, ist trotzdem eine gute Idee: sich angesichts des Bösen mit dem Kreuz Christi zu waffnen.
Herr, unser Gott,
du offenbarst uns in der Bedrängnis
die Macht deines Erbarmens.
Von dir empfing die heilige Margareta die Gnade,
das Martyrium zu bestehen.
Stärke auch uns mit deiner Kraft
und laß uns in aller Not auf deine Hilfe vertrauen. (Tagesgebet)







Auf dieser Darstellung der hl. Marina nimmt die Heilige
 anscheinend statt des Kreuzes ersatzweise einen Hammer her.
Was mir zu dieser Darstellung
der Virgines Capitales eingefallen ist…
Diese Art Heiligenbildchen mag ich
im allgemeinen nicht so gern.
Das Bild ist aber gar so herrlich harry-potterig
(Margareta und die Kammer des Schreckens).

Dienstag, 19. Juli 2011

Juli – Gedächtnis des kostbares Blutes unseres Herrn Jesus Christus

Seit alters her nimmt die Kirche in den meisten Monaten des Jahres bestimmte Glaubensgeheimnisse oder Andachtsformen besonders in den Blick.

Auf den Juni, der besonders der Herz-Jesu-Verehrung gilt, folgt mit dem Juli der Monat der Verehrung des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus. Das Fest des kostbaren Blutes am 1. Juli fiel dabei in diesem Jahr mit dem Fest des heiligsten Herzens zusammen.

Löst man sich einmal von dem Gedanken, daß diese Verehrung irgendwie zum Ziel hätte, Christus in einzelne Körperteile zu zerlegen und denkt eingehender darüber nach, kommt man zu der Erkenntnis, daß diese Formen der Betrachtung sämtlich Ausdruck der Verehrung des tiefsten Geheimnisses sind: der Menschwerdung Jesu Christi. Wir verehren das Herz des Erlösers, aus dem die Kirche und ihre Sakramente entspringen, weil er Mensch geworden ist und uns zuerst geliebt hat.

Wir verehren die heiligen Wunden Jesu, denn er hat am Kreuz für uns gelitten und diese Wunden für uns getragen. So verehren wir auch das kostbare Blut unseres Erlösers, denn er hat es zu unserem Heil vergossen. Unser Erlöser hat unsere Menschennatur angenommen, er hat wie wir geweint, gelitten und Schmerz empfunden – er ist kein ferner, abstrakter Gott, sondern uns in seiner Menschwerdung gleichgeworden, bis zum Äußersten, dem menschlichen Leben und Sterben.

Diese menschliche Natur Christi verbindet uns mit Gott. Im athanasischen Glaubensbekenntnis heißt es über Christus, der beides ist, wahrer Gott und wahrer Mensch: Einer, aber nicht dadurch, daß die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre, sondern dadurch, daß Gott die Menschheit angenommen hat. Das ist in der Tat ein ehrfurchteinflößender Gedanke.

Das kostbare Blut des Erlösers hat einen sehr engen Bezug zur Schrift: nicht weniger als fünfundsiebzig Mal wird es allein im Neuen Testament erwähnt. Im Bericht von der Kreuzigung heißt es, daß ein Soldat mit der Lanze in die Seite Jesu stach und sogleich flossen Blut und Wasser heraus. Kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus – wasche mich von meinen Sünden rein ist ein altes Stoßgebet. In der Lesung der heutigen Messe haben wir eine kurze Begegnung mit der Osternacht: Die lange Lesung vom Durchzug durch das Rote Meer – vom Dunkel zum Licht – darf im Wortgottesdienst der Osternacht niemals fehlen, denn sie ist ein Bild der Taufe. Wohin dieses Wasser kommt, dort bleibt alles am Leben.

Eine der sechs von der Kirche zugelassenen Litaneien ist die Litanei vom kostbaren Blut Jesu Christi. Wir beten sie in diesen Tagen besonders für all jene, die in den Ländern Ostafrikas von Vertreibung und Hunger bedroht sind (unser Pfarrer ist gerade dort und hilft vor Ort; zur Gebetswache hier bei Oremus), für die Ungeborenen, und für die, deswegen in Gefahr sind, daß ihr eigenes Blut vergossen wird, weil sie die Taufe empfangen haben, wie Pastor Youcef Nadarkhani (siehe dazu den Artikel bei Kalliopevorleserin). Besonders angemessen ist dabei die Anrufung des kostbaren Blutes Jesu, dem Zeichen des neuen Bundes, von dem es im Hebräerbrief heißt, daß es mächtiger ruft als das Blut Abels.

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Bild: Kreuzigung mit Heiligen von John Collier. Unter dem Kreuz Abraham und Isaak, Jesaja, Johannes (der Jünger, den Jesus liebte), die Gottesmutter Maria, der hl. Franziskus, die kleine hl. Therese, Maria Magdalena und P. Maximilian Kolbe: Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen.

Montag, 18. Juli 2011

Die Patene


Einen interessanten Gedanken habe ich des Landpfarrers Blog zu verdanken: Die Patene symbolisiert in der Messe die Jungfrau Maria. Sie allein war würdig, als die Immaculata den Heiland aufzunehmen. Das wußte ich bisher nicht, es ist aber ein schöner Gedanke. Bei uns ist die Patene übrigens nicht verschwunden, wir verwenden sie immer.

Die Patene oben stammt aus dem frühen fünften oder sechsten Jahrhundert (die Zeit der Merowinger) und war lange Zeit verschollen, erst 1845 wurde sie mit dem Schatz von Gourdon in Aquitanien wiedergefunden. Vermutlich hat sie dem Burgunderkönig Sigmund gehört. Für unsere Augen heute scheinen die Form und Größe dieser Patene ungewohnt – im Verhältnis zum etwas später geschaffenen Kelch (der ungewohnterweise Henkel hat und nur etwas über sieben Zentimeter hoch ist) ist die Patene recht groß, weshalb sie auch als Reisealtar gedient haben mag.

Ein Tablett, ein Königreich für ein Tablett!


Während ich in letzter Zeit zunehmend Beiträge lese und Nachrichten bekomme, die von irgendwelchen Tabletts kommen („vom Samsung-Tablett gesendet“) und ich dabei den Gedanken in meinem Herzen bewege: „Ich will auch mal was von einem Tablett senden!“ und noch überlege, wie sich das mit dem einzigen Tablett, von dem von mir wahrscheinlich etwas kommen könnte, bewerkstelligen ließe, erreicht mich (ganz ohne Tablett):
„Während es unschuldig neben mir auf dem Tisch liegt, versenke ich es gerade in Gedanken in die Spree – ob das wohl auch so schöne Glucksgeräusche macht wie einst mein Wecker, der nicht ausgehen wollte, im Wassereimer?)“
Vielen Dank dafür – jetzt ist die Welt wieder in Ordnung. :P

Sonntag, 17. Juli 2011

Auf dem Weg zur Stazione Termini…

Die heutige zweite Lesung liebe ich sehr, zugleich erscheint sie mir fundamental wichtig. Wenn ich, was auch vorkommt, im Gebet eine Trockenheit erlebe, wenn ich mich einfach nicht sammeln kann, mir beim Gebet der Kopf nach vorne fällt oder ich einfach nicht weiß, was das rechte ist – der Geist selbst weiß es. Und das schöne ist: Der Geist, der Fürsprecher, tritt, so wie Gott es will, für die Heiligen ein. Auch hat da einer Worte, wo sie mir nicht zu Gebote stehen, ja mehr noch: ein unaussprechliches Seufzen. Ich finde das, was in diesen beiden kurzen Versen des Römerbriefes betrachtet und gelehrt wird, wunderbar tröstlich:
Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.
Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.
Dieses schöne Fundstück über den Geist Gottes verdanken wir P. Willibrord Driever OSB, der es in Rom auf dem Weg zur Stazione Termini in einer Kirche entdeckt und dankenswerterweise für uns übersetzt hat. Ich habe stellenweise etwas anders übersetzt – die Freiheit des Übersetzers – finde die Gegenüberstellung aber auch sehr ansprechend (das italienische Original findet man bei P. Willibrord)
Ohne den Heiligen Geist
ist Gott fern,
Christus irgendwo, weit weg,
das Evangelium toter Buchstabe,
die Kirche nur eine Organisation,
die Autorität Herrschaft
die Mission Propaganda,
die Liturgie einfache Beschwörung,
die christliche Lebensführung Sklavenmoral.

aber in ihm
wird die Schöpfung verklärt und stöhnt unter der noch ausstehenden Vollendung des Gottesreiches,
ist der auferstandene Christus uns nahe,
wird das Evangelium zu einer lebendigen Kraft,
bezeichnet die Kirche die dreifaltige Gemeinschaft,
wird die Autorität zu einem Dienst der Befreiung,
die Mission zu einem Pfingsten,
die Liturgie zu einer Gedächtnisfeier und zu einer Vorwegnahme der Vollendung,
das Handeln des Menschen geheiligt.

Freitag, 15. Juli 2011

Die kleine Wolke – Fest unserer lieben Frau vom Berge Karmel

Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria. In unversehrter Jungfräulichkeit bist du des Heilands Mutter geworden. Jungfrau, Gottesgebärerin! Er, den die ganze Welt nicht faßt, er schloß bei seiner Menschwerdung sich ein in deinen Schoß. (Graduale des Hochfestes unserer lieben Frau vom Berge Karmel)


So wahr der Herr lebt, vor dessen Angesicht ich stehe – der kontemplative Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel beruft sich auf den Propheten Elija. (Elija ist darum übrigens im Karmel ein verbreiteter Ordensname auch für Karmelitinnen). Teresa von Avila bezeichnet sich mehrmals als Schwester unserer lieben Frau vom Berge Karmel. Der hl. Johannes vom Kreuz, ebenfalls einer der großen Mystiker des Ordens, hat eines seiner Werke den Aufstieg zum Berge Karmel genannt. Im Karmel hat sich der mittelalterliche Brauch erhalten, die Ordensgelübde nicht nur vor Gott, sondern auch vor der allerseligsten Jungfrau abzulegen.

Der Überlieferung zufolge ließen sich schon in frühester Zeit Einsiedler, die einst Schüler Johannes' des Täufers gewesen waren, an einem Pfingstfest am Berge Karmel nieder. Sie errichteten an der Stelle, an der Elija der Überlieferung nach die Wolke erblickte, eine Kirche.


Sie deuteten die kleine Wolke, die nach der langen Dürre in der Zeit des Propheten Elija vom Meer aufstieg und den rettenden Regen ankündigte, als ein Bild des alten Bundes von der Muttergottes. Wie die Wolke, die über dem Meer aufstieg, nichts von der Salzigkeit des Wassers hatte und in ihrem Aufsteigen nicht von seinem Gewicht gehindert wurde, so ging Maria ohne den Makel der Erbsünde aus dem menschlichen Geschlecht hervor. Die Wolke ist von derselben Natur wie das Wasser und hat doch nichts von seiner Bitterkeit. Ihr Regen tränkt das ausgedörrte Land und spendet Fruchtbarkeit. Der Regen, der sich aus dieser kleinen Wolke über dem Meer ergießt, bringt den Menschen den Erlöser: Tauet Himmel, den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab.

Kirchenväter haben aus diesem Bild auch die Jungfrauengeburt abgeleitet. Wie der Regen ohne menschliches Zutun vom Himmel fällt und Segen spendet, so ist es auch mit der Gottesmutter und der Geburt des Erlösers.

In späterer Zeit gründeten Kreuzfahrer und Pilger unter der Leitung eines Pilgers aus dem französischen Limoges, Berthold, an dieser Stelle eine Gemeinschaft. Berthold von Limoges, der später seliggesprochen wurde, sammelte Pilger und Kreuzfahrer, die im heiligen Land versprengt waren, um sich und begründete so die Brüder des Ordens von der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel. 1210 gab ihnen Albert, der Patriarch von Jerusalem, eine Regel. 1324 tauchen der Orden und sein Bezug zur Jungfrau Maria zum ersten Mal in einem kirchlichen Dokument auf, der Rubrica prima, die eine Anlage zu den ersten Konstitutionen des Ordens war. Dort heißt es: Sie erbauten auf dem Berg Karmel eine kleine Kirche zu Ehren der seligsten Jungfrau, sie wählten Maria zur Schutzherrin und Patronin, sie nannten sich „Brüder der seligen Maria“.

Im 13. Jahrhundert schloß sich ihnen der aus Kent stammende Simon Stock an. Dieser lebte sechs Jahre im Heiligen Land. Als viele der Mönche vor den Sarazeneneinfällen flohen, kehrte er nach England zurück und gründete dort das erste Kloster des Ordens. Am Sonntag, dem 16. Juli 1251, rief er die Jungfrau Maria mit den Worten Flos carmeli… um Schutz für seine verfolgten Brüder an und hatte eine Vision der heiligen Jungfrau. Sie trug auf einem Arm ihr Kind, mit der anderen Hand reichte sie ihm das Skapulier mit den Worten Hoc erit tibi et cunctis Carmelitis privilegium, in hoc habitu moriens salvabitur. (In Visionen, die von Chronisten aufgezeichnet werden, sprechen offenbar alle Lateinisch.) Daher nennt man das Fest am 16. Juni auch Skapulierfest.

Durch den hl. Simon Stock fand der Orden der Karmeliten in Europa große Verbreitung, während er im Heiligen Land auszusterben drohte. 1291 fiel die Kreuzfahrerfeste Akkon, und die letzten Brüder im Heiligen Land starben von der Hand der Sarazenen. Während sie das Martyrium erlitten und hinter ihnen ihr Kloster verbrannte, sangen sie das Salve Regina.


Fast vierhundert Jahre war das karmelitanische Leben auf dem Berge Karmel erloschen, bis mit der Reform des Ordens durch die große hl. Teresa und den hl. Johannes vom Kreuz auch wieder Gründungen ins heilige Land zurückkehrten. Mit der Hilfe der Franziskaner konnten spanische Karmeliten am 29. November 1631 zum Fuße des Berges zurückkehren, von dem der Orden ausgegangen war.

Maria ist die kleine Wolke, die der Diener des Propheten Elija einst heranziehen sah. Ihr Regen hat sich auch über den Berg Karmel ergossen: der Orden der unbeschuhten Karmelitinnen, den die hl. Teresa reformiert hat, hat reiche Frucht getragen – es ist der größte beschauliche Frauenorden.

Wir wollen unsere Liebe Frau vom Berge Karmel auch im besonderen um Fürsprache für die verfolgten Christen anrufen:
Flos Carmeli,
vitis florigera,
splendor caeli,
Virgo puerpera
singularis.
Mater mitis,
sed viri nescia,
carmelitis
esto propitia,
stella maris.

Blume des Karmel, fruchtbarer Weinstock, Zierde des Himmelreichs, jungfräuliche Gottesmutter, gute Mutter, Jungfrau auf ewig, nur vom Geist erkannt, gewähre deinen Kindern deinen Schutz, o Stern des Meeres.

Zeitlose Schönheit – zum Geburtstag Rembrandt van Rijns

Die heilige Familie (Rembrandt van Rijn, 1644)


Heute vor 405 Jahren, am 15. Juli 1606, wurde in der niederländischen Stadt Leiden der Maler Rembrandt van Rijn geboren. Zu seinem Werk gehören viele wunderbare Radierungen und Gemälde der christlichen Ikonographie, deren schiere Schönheit mich immer wieder anrührt. Besonders bewegend finde ich die wundervolle Art, wie Rembrandt auf seinen Bildern das Licht einsetzt. Auf dem Bild der heiligen Familie oben geht all das Leuchten vom Christuskind aus und zugleich von dem Buch, das die heilige Jungfrau liest. Christus ist das fleischgewordene Wort. Das Licht, das von ihm ausgeht, erhellt letztlich den ganzen Raum und erfüllt ihn mit Leben. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.

Das kleine Bild zeigt den Maler bei der Arbeit (ein Selbstbildnis). Obwohl Rembrandt van Rijn einer der größten Maler war, die je gelebt haben, ist er in tiefer Armut gestorben. Daß er überhaupt gelebt und uns diese wundervollen Bilder hinterlassen hat, daran dürfen wir uns heute immer noch freuen und dafür dankbar sein.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Der Berg der Entschiedenheit


An das Zitat des Mönchsvaters Antonius Jeden Morgen sage ich zu mir, heute fange ich an, das nicht nur für das geweihte Leben eine große Bedeutung hat, mußte ich denken, als mir der folgende Dialog mit Theophan, dem Mönch, über den Berg der Entschiedenheit wieder vor Augen kam[1]:
„Wie lange bist du schon Mönch“, wollte ich wissen?
„Ein richtiger Mönch? Noch nicht lange. Ich habe allein fünfzig Jahre gebraucht, um den Berg der Entschiedenheit zu besteigen.“
„Sollte man zuerst sehen und dann entscheiden, oder entscheidet man zuerst und sieht dann?“
„Wenn ich dir einen Rat geben darf“, sagte er, „vergiß die Fragen und nimm den Berg unter die Füße“.
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[1] Ich feiere gerade ein Wiedersehensfest mit den Daten meines dauerhaft geschrotteten Computers, an die ich seit Allerheiligen nicht herankam.

Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben

Marsch für das Leben –
das ist die die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben

Tiberius hat einen Beitrag mit einem Video der Mobilmacher gegen den Papstbesuch eingestellt, und ich gebe ihm recht: es wird mit offener und verdeckter Gewaltandrohung gearbeitet – erschreckend. Zum Ton des Videos: Vorsicht, akute Ohrenkrebsgefahr. Es steht zu vermuten, daß die „Musik“ zusätzliche Aggressionen schüren soll, falls die Bilder etwa nicht dazu ausreichten. Zu den Bildern muß man fragen: was wollt ihr eigentlich (außer auf Krawall bürsten natürlich)?

Irgendwie bedürfen die Macher solch unsäglicher Blödigkeiten vor allem unseres Bedauerns, habe ich manchmal den Eindruck. Denn um eine Aufnahme der Hedwigskathedrale mitsamt dem Bernhard-Lichtenberg-Haus mit dem Wort „Antisemitismus“ zu untertiteln, dazu muß man in der Tat schon ziemlich verblödet sein. Zur Erinnerung: Bernhard Lichtenberg, nach dem das Lichtenberg-Haus benannt ist, war jener Dompropst der Hedwigskathedrale, der öffentlich für die Juden eintrat und für sie betete, weshalb er schließlich das Martyrium erlitt. Unmittelbar vor seiner Verhaftung hatte er noch eine Kanzelvermeldung verfaßt:
In Berliner Häusern wird ein anonymes Hetzblatt gegen die Juden verbreitet. Darin wird behauptet, daß jeder Deutsche, der aus angeblicher falscher Sentimentalität die Juden irgendwie unterstützt, Verrat an seinem Volke übt.

Laßt euch durch diese unchristliche Gesinnung nicht beirren, sondern handelt nach dem strengen Gebote Jesu Christi: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Sieht so Antisemitismus aus? Wohl kaum. Sich solcherart und öffentlich als völlig ignorant zu outen, ist den Machern solcher Filme und den Teilnehmern der Gegendemonstrationen allerdings nichts Neues. Ich erinnere an den Marsch für das Leben von vor zwei Jahren, als am Bebelplatz – dem Ort der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten – jemand dem am Marsch für das Leben teilnehmenden Weihbischof Laun eine brennende Bibel vor die Füße geworfen hat.

Der Abschlußgottesdienst zum Marsch für das Leben findet in der Hedwigskathedrale statt, in deren Krypta der selige Bernhard begraben liegt. Er hat während seiner Haft niedergeschrieben: Wir sollen alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, beurteilen und danach handeln. Die Richtschnur unseres Handelns ist dabei unser Gewissen.

Rein zufällig fand ich mich nach dem Marsch 2009 später selbst im Web wieder und erfuhr dabei, daß ich an „einer Zurschaustellung christlicher Frauenfeindlichkeit“ teilgenommen hatte. Aha. Eine kleine Anmerkung zum Thema „…feindlichkeit“: ein Ausdruck wie „Religiot“ ist natürlich wunderbar unvoreingenommen, und so menschlich. Immerhin ist der Beitrag ja beim humanistischen pressedienst [sic!] erschienen. Die Teilnehmer am Marsch für das Leben gehen diesen schweigend. Währenddessen werden sie auch beschimpft, gestört, belästigt und bedroht. Trotzdem und trotz des lebensfreundlichen Anliegens des ganzen Marsches sind die Marschierer „feindlich“. Das verstehe wer will, ich jedenfalls nicht.

Lassen wir die Autorin Laura Kase vom sogenannten humanistischen pressedienst (waren die Großbuchstaben grade ausgegangen?) selbst kurz zu Wort kommen, die seinerzeit ihre „Impressionen“ schilderte (Anmerkungen und Hervorhebungen von mir):
In dunkler Trauerkleidung und mit weiß bemalten Holzkreuzen bewaffnet nutzten Sie [sic!] die weit verbreitete apolitische Haltung der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Thema Abtreibung für ihre frauenfeindliche und religiöse Agenda. …

Das erklärte Ziel der Frauenrechtler war es, den marschierenden Kreuzträgern selbige abzunehmen, um sie in der nahe liegenden Spree zu versenken. Der Erfolg dieser Aufgabe fiel aufgrund des starken Polizeischutzes für die Fundamentalisten eher dürftig aus. [Und das ist auch gut so.]

Als die Demonstration vor der St. Hedwigskathedrale ihren Abschluß fand, war die komplette Trennung der beiden Kundgebungen schließlich perfekt, da die selbst ernannten „Lebensschützer“ einem abgeschirmten Gottesdienst in der Kathedrale des Erzbistums Berlin beiwohnten [Wie absolut ungeheuerlich! Wie konnten sie nur einen Gottesdienst feiern?] während die Feministen und Humanisten jenseits der kompletten Absperrung der Kirche unermüdlich weiter lärmten, trommelten und demonstrierten. [Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. (1. Petrus 4,14)]
Der Gottesdienst war übrigens mitnichten „abgeschottet“, schließlich waren die Türen der Kathedrale offen. Eierwerfen während der Andacht haben wir allerdings nicht so gern, schon weil es der Andacht abträglich ist, und ziehen es daher unbedingt vor, Eier- und Sonstwaswerfer des Hauses zu verweisen. Aus Hühnereiern brät man ohnehin besser ein Omelette, das freut auch den Küster, der sonst den Dreck wegmachen müßte. Den Rest von Kases Machwerk (und ähnliches) erspare ich euch lieber, gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

Dem Aufruf Tiberius' schließe ich mich von Herzen an: Unser Zeugnis ist gefragt. Sammelt Euch um den Heiligen Vater. Geht mit uns den Marsch für das Leben. Kommt nach Berlin!

In einem hatte die Autorin des obigen Beitrags recht: das Kreuz ist eine machtvolle Waffe. Die Priorin der sechzehn seligen Karmelitinnen von Compiègne hielt, als man ihr vorwarf, die Karmelitinnen hätten Waffen im Karmel, ein Kreuz in die Höhe und sagte: „Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben!“ Also, in diesem Sinne: kommt nach Berlin. Wir waffnen uns mit dem Zeichen des Kreuzes und stellen uns unter seinen Schutz.

Mittwoch, 13. Juli 2011

450jähriges Bestehen der Basiliuskathedrale

Da ich über etwas Schönes bloggen möchte, schreibe ich ein wenig über die Basiliuskathedrale (die mit den ungewöhnlich bunten Türmen am Kreml) die gestern ihr 450jähriges Bestehen gefeiert hat, was sogar Google mit einem eigenen Logo honorierte.

Die Basiliuskathedrale ist eigentlich dem Schutz und der Fürbitte der Gottesmutter am Graben geweiht. Die bunten Turmhelme, die mich in ihrer Farbenfreude schon als Kind fasziniert haben, gibt es übrigens noch gar nicht so lange. Der Name Basiliuskathedrale bezieht sich auf einen der „heiligen Narren“, der an der Stelle begraben liegt, an der später die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben errichtet wurde.

Zuvor stand am selben Ort schon die Kirche der heiligsten Dreifaltigkeit. Diese ließ Iwan der Schreckliche (wer sonst?) wegen des Sieges des russischen Heeres über die Mongolen und der Eroberung Kasans errichten; der Bau wurde 1561 fertiggestellt. Bei der Überlieferung, daß Iwan die Baumeister hat blenden lassen, damit sie nirgendwo etwas annähernd Vergleichbares bauen konnten, dürfte es sich um einen sehr frühen urbanen Mythos handeln. Über das weitere Schicksal der Erbauer Barma und Postnik Yakovlev ist eigentlich nichts bekannt.[1]

Auch rätselt man bis heute an der Vision herum, die hinter dem Grundriß der Kathedrale steht. Die Baumeister Yakovlev mögen sich am Grundriß Jerusalemer Kirchen orientiert haben, vielleicht errichteten sie auch acht Kirchen um eine zentrale neunte herum. Was zunächst wie eine verrückte Kreuzung aus Sandburg und Disneyland aussieht, ist in Wirklichkeit überraschend symmetrisch: der Grundriß entspricht dem eines achtzackigen Sternes. Eine neunte Kapelle wurde von dem Zaren Fjodor Iwanowitsch 1588 über dem Grab des hl. Basilius errichtet. Als die Kathedrale errichtet wurde, war sie ursprünglich weiß, die Zwiebeltürme mit Gold bedeckt und glatt. Mittlerweile liegt all das unter architektonischen Verzierungen, Beigaben, Anbauten und Farbe. Was herausgekommen ist, ist auch schön.

Die farbigen und verzierten Turmhelme etwa stammen aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1860 scheint die Kathedrale in ihrer Gestalt weitgehend unverändert. 1929 wurde die Kathedrale geschlossen; die Glocken wurden abgenommen.

Der völligen Zerstörung durch die Sowjets – Stalin wollte natürlich genau an dieser Stelle paradieren lassen – entging die Kathedrale dank des Mutes des Architekten Piotr Baranowski. Als man ihn aufforderte, die Zerstörung der Kathedrale vorzubereiten, weigerte er sich und sandte ein recht eindeutiges und unverblümtes Telegramm an den Kreml. Die Kathedrale blieb daraufhin wie sie war, Baranowski brachte seine Weigerung fünf Jahre Gefängnis ein. 1990 fing man damit an, die Glocken wieder zusammenzusuchen und in die Kathedrale zurückzubringen. Es handelt sich dabei um insgesamt neunzehn Glocken, deren älteste aus dem Jahr 1547 stammt.


Die Ikonostase in der Basiliuskathedrale

Leider ist die Kathedrale nun nur noch ein Museum, aber auch das mag sich mit der Zeit wieder ändern. Einmal im Jahr, zum Gedenktag der Fürsprache der Gottesmutter am Graben, wird dort der Gottesdienst gefeiert.

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[1] Genau genommen steht nicht einmal fest, ob es sich um Verwandte oder nicht doch um eine einzige Person handelt und wie diese genau hieß.
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