Donnerstag, 30. Juni 2011

Gott ist immer größer – zum Tode unseres Alterzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky

Gott ist immer größer – das war das Motto, unter den Georg Kardinal Sterzinsky sein Wirken als Bischof gestellt hat. Nun durfte er heute in den frühen Morgenstunden heimgehen. Eigentlich hätten wir ihm noch eine Zeit des irdischen Ruhestands gewünscht, aber es ist nicht dazu gekommen. Mit der Trauer um unseren Alterzbischof verbindet sich die Gewißheit, daß er nun in der ewigen Freude sein darf und dort die ersehnte Ruhe findet.

Was bleibt mir von Alterzbischof Kardinal Sterzinsky? Viele kleine Momentaufnahmen; andere mögen Bedeutenderes schreiben. Die Gespräche, die er mit mir in der Vorbereitung auf die Weihe geführt hat und seine etwas unvermittelte Frage ganz zu Anfang: „Haben Sie Angst vor mir?“ Da konnte ich spontan antworten: „Nicht im Geringsten!“ Viele kleine Begegnungen vor dem Gottesdienst, seine Gewohnheit, mir vom Wasser zum Lavabo etwas abzugeben, indem er etwas Wasser in meine Richtung spritzte. Einmal kam er nach dem Pontifikalamt um die Kathedrale herum, strahlte mich an und fragte, was ich heute noch vorhätte, er müsse nämlich „in den Knast!“ Ein andermal dieselbe Frage, worauf ich zur Antwort gab, „Ich geh nach Hause und seh Sie mir im Fernsehen an!“ (er war Gast in einer Talkshow). Das hat ihn schneeköniglich amüsiert. – Ein Kardinal, der, wenn es nur irgend ging, zu jeder Vesper kam, die in der Kathedrale gesungen wurde, und der liturgischen Minimalismus nicht liebte. Der Moment in der Liturgie meiner Weihe, als ich meine gefalteten Hände in die seinen legen und ihn mit „Du“ und „Hochwürdiger Vater“ anreden durfte. Herr Kardinal hat mich als Bischof auf dem Weg zur Weihe begleitet und geweiht; auch deswegen wird er immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Als wir vorhin die Abendmesse in schwarzen Paramenten feierten und der Zelebrant das Wirken des heiligen Bischofs Otto, einem Mitpatron unseres Bistums, mit dem Wirken Kardinal Sterzinskys verband, dachte ich zum Sanctus, daß der Herr Kardinal uns nun vom Himmel aus zuschaut und das Sanctus mitsingt.

Dies ist das alte Sterbegebet der Kirche für die scheidende Seele:
Mache dich auf den Weg, Bruder in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist.

Heute noch sei dir im Frieden deine Stätte bereitet, deine Wohnung bei Gott im heiligen Zion, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit dem heiligen Josef und mit allen Engeln und Heiligen Gottes.

Kehre heim zu deinem Schöpfer, der dich aus dem Staub der Erde gebildet hat. Wenn du aus diesem Leben scheidest, eile Maria dir entgegen mit allen Engeln und Heiligen. Mögest du heute schon auf den lieblich grünenden Auen des Paradieses sein. Deinen Erlöser sollst du sehen von Angesicht zu Angesicht.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Tu es sacerdos in aeternum – diamantenes Priesterjubiläum Papst Benedikts

Sechzig Priesterjahre liegen zwischen diesen beiden Fotos: der hl. Vater am Tag seiner Priesterweihe und dem heutigen Hochfest Peter und Paul, an dem er und sein Bruder Georg auf sechzig Jahre priesterlichen Dienst zurückblicken dürfen. Deo Gratias!

Hier eine kleine Bildergalerie von der Weihe und ein Bild, das die Primizianten in ihrem Heimatort zeigt.

In der Abtei Heiligenkreuz gibt es einen Priester mit demselben Weihejubiläum, überall auf der Welt vielleicht noch andere Priester, von denen wir nichts wissen. Allen Priestern, die heute ihren Weihetag feiern und allen Neugeweihten Gottes Segen. Wir brauchen euch und beten für euch.





Ein Papst zum Zwitschern


Ein besseres Datum, das Internetportal news.va zu eröffnen, als das Hochfest der Apostel Peter und Paul hätte man wohl kaum finden können. Das Fest des Felsens der Kirche und des Völkerapostels. Mit den rührenden Worten

Dear Friends, I just launched News.va. Praised be our Lord Jesus Christ! With my prayers and blessings, Benedictus XVI.

hat der heilige Vater gestern, am Vorabend des Festes, das Portal eröffnet; wie Sende-Zeit treffend beobachtet hat, sieht er dabei tatsächlich aus wie vor einer Spielzeugeisenbahn, Elsa merkt an, man hätte vielleicht noch eine Katzen-App auf dem iPad gebraucht, um das Herz des hl. Vaters zu erfreuen. Vielleicht gibt es eine, wer weiß? Jedenfalls ist Papst Benedikt XVI. der erste Papst, der einen Tweet gesendet hat.

Dienstag, 28. Juni 2011

Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten – hll. Apostel Petrus und Paulus

Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. (1 Kor 1, 23-24)

Es gibt Ikonen, auf denen Petrus und Paulus zusammen die Kirche halten – und es ist so. Petrus, der Fels, auf den sie gegründet ist, und Paulus, der sich an die Heiden gewandt hat und dem wir es durch das Erbarmen Gottes zu verdanken haben, daß wir zum Glauben gekommen sind. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel singen wir jeden Abend in der Komplet. Diese Heiden, das waren wir einmal, Gottes Volk sind wir. Bis ans Ende der Zeit versammelst du dir ein Volk, damit in deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Daß wir das im Hochgebet gläubig und vertrauensvoll beten können, gründet sich auf das Wirken und auch Martyrium der hll. Petrus und Paulus.

Welche Wandlung diese beiden durchmachten, um Christus und der Kirche willen, und doch nehmen sie wie wir alle auch in ihre Berufung sich selbst, ihre Fehler und Schwächen mit.

Petrus, ein einfacher, schlichter Mensch, anrührend auch in seinen Schwächen, zugleich der, der den Herrn verrät wie auch der, der durch den See Tiberias auf ihn zuschwimmt, weil ihm gesagt wird: Es ist der Herr! Er wird der Fels, auf dem die Kirche steht, die die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden. Er wird der Hirt, der die Lämmer weidet und der nicht feige flieht vor den Wölfen. An einem Kohlenfeuer verrät er den Herrn, an einem anderen erneuert er seine Liebe zu ihm.

Paulus erscheint dagegen vielschichtiger und komplizierter. Wie seltsam, daß ein gläubiger Pharisäer, der Sohn von Pharisäern, berufen wurde, die Heiden zu Christus zu führen. In Demut spricht er von sich selbst als dem Unerwarteten, der Mißgeburt, betont, wie maßlos er die Kirche Gottes zuerst verfolgt hat – und doch: durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Diese Gnade befähigt ihn, Christus in unermüdlichen Reisen zu den Menschen zu tragen, sie gibt ihm Kraft im Leiden, ohne dabei bitter zu werden. Fast lakonisch zählt er auf, was ihm alles widerfahren ist – geschlagen, gesteinigt, ausgepeitscht, eingekerkert, schiffbrüchig geworden, Kälte, Hunger, Durst, Verrat, durchwachte Nächste, Sorge um die Gemeinden.

Das Martyrium dieser beiden Säulen der Kirche stellt uns auch vor Augen, daß bis auf den heutigen Tag Christen überall auf der Welt den Tod erleiden, in unserer Zeit sind Christen die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft auf dem Erdkreis. Der Glaube, den die Apostel weitergegeben haben gibt Menschen die Kraft und die Stärke, Christus im Martyrium gleichförmig zu werden. Nos autem praedicamus Christum crucifixum, wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten – die Märtyrer bezeugen das mit ihrem eigenen Leib. In der scheinbaren Schwäche offenbart das Kreuz die Kraft Gottes. „Wie gut ist Gott, daß er mir alle Furcht nimmt und mir Freude und Sehnsucht schenkt“, schrieb Johannes Prassek, einer der Märtyrer aus Lübeck, die am vergangenen Samstag seliggesprochen wurden, vor seiner Hinrichtung in der Zelle.



Einer der ergreifendsten Momente bei einer Priesterweihe ist die Handauflegung, die in vollkommener Stille geschieht. Durch die ununterbrochene Folge von Handauflegungen ist die Vollmacht, die Sakramente zu spenden, von den ersten Aposteln zu den Priestern gelangt, die uns heute die Sakramente spenden. Die Sakramente, die uns Freude und Kraft geben, uns neues Leben schenken, auch in schweren Zeiten. Wie schön und angemessen, daß wir heute in den Fürbitten für Papst Benedikt, unsere Bischöfe und Priester gebetet haben.

In das Fest Peter und Paul mischt sich in diesem Jahr bei mir auch Traurigkeit. Oft mußte ich in den vergangenen Monaten im Gedanken an unseren kranken Alterzbischof an das Wort des Herrn an Petrus denken: Wenn du aber alt geworden bist, wird ein anderer dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Auch das mutet der Herr denen zu, die ihm nachfolgen, und auch das zu ertragen schenkt er uns die Kraft.

Osterlamm hats vorerklärt

Woran ich bei der Fronleichnamsprozession (leider) immer bildlich denken muß… (beim Lied Deinem Heiland, deinem Lehrer):

Seht, dies ist der Engel Speise,
heilges Brot, das auf der Reise
nur die Gotteskinder nährt!
Isaaks Opfer war ein Zeichen,
und das
Mannabrot desgleichen,
Osterlamm hats vorerklärt.

Natürlich ist das gemeint…

Montag, 27. Juni 2011

Theotokos


Sei uns gegrüßt, Maria, Gottesgebärerin, ehrwürdiges Kleinod des ganzen Erdkreises, nie erlöschende Lampe, Zepter der Rechtgläubigkeit, unzerstörbarer Tempel, Gefäß des Unfaßbaren: Mutter und Jungfrau!
(vom heutigen Tagesheiligen, dem hl. Kirchenlehrer Cyrill von Alexandrien)

Bild des Tages – Siebenschläfer


Fast vergessen – heute ist ja Siebenschläfer. Da das Wetter durchaus schön ist und nicht zu heiß, wäre es durchaus erstrebenswert, wenn es anhält.

Das Gedächtnis der Siebenschläfer – den sieben heiligen Schläfern – geht auf eine Überlieferung (unter anderem in der Legenda aurea) zurück, über sieben junge Männer, die Maximilian, Iamblicus, Martinian, John, Dionysius, Exacustodianus (Konstantin) und Antoninus hießen. Sie lebten Mitte des dritten Jahrhunderts, während der Herrschaft des Decius. Als dieser Ephesus besuchte, erging ein Erlaß an alle Bürger, entweder den Göttern zu opfern oder den Tod zu erleiden. Die sieben jungen Männer, Christen, flohen aus der Stadt und verbargen sich in einer Höhle auf dem Berg Ochlon, wo sie fasteten, beteten und sich auf das Martyrium vorbereiteten. Kaiser Decius, als er davon erfuhr, ordnete an, daß der Eingang zur Höhle mit Felsbrocken verschlossen werde, um die Eingeschlossenen verdursten und verhungern zu lassen.

Die Überlieferung berichtet weiterhin, daß es unter der Herrschaft Theodosius des jüngeren, als die Christen nicht mehr verfolgt wurden, zu einem theologischen Disput über die Auferstehung der Toten gekommen sei. Da der Landbesitzer, dem der Grund gehörte, auf dem die Höhle lag, diese in einen Viehstall umbauen wollte, öffnete man das Grab und fand die jungen Männer nur schlafend vor.

Erwacht, wurden sie dessen, daß über 184 Jahre vergangen waren, erst gewahr, als Iamblicus, einer der jungen Männer, in die Stadt ging und etwas Brot kaufen wollte. Dort hörte er, wie die Bürger der Stadt den Namen Jesus frei und offen aussprachen; auch waren überall Kreuze zu sehen. Man brachte den verwirrten Iamblicus zum Bischof, der sich im Gespräch mit allen sieben Männern von dem Wunder überzeugte. Auch Kaiser Theodosius, der ebenfalls an der Auferstehung zweifelte, fuhr nach Ephesus, um das Wunder zu sehen. Den jungen Männern erlaubte man, in die Höhle zurückzukehren, wo sie wiederum einschliefen, diesmal für immer. Über der Höhle ließ Kaiser Theodosius eine Kirche errichten.

Die Küchenmadonna

Einen unbezahlbaren Beitrag, Sentimentalism and subjectivity, hat Fr. Longenecker auf Standing on my head veröffentlicht. Der Beitrag ist Teil einer Reihe von Artikeln, die sich aus dem Thema Kunst und Künstlichkeit ergeben haben.
I'm happy to belong to a religion with tacky souvenir shops selling plastic rosaries and holy water bottles shaped like the Blessed Virgin and her crown unscrews to splash the holy water about. I'm happy to belong to such a religion because it is the religion of the unwashed, the unschooled and the holy poor. I love the Kings College Choir, but if I have to choose give me a fat Italian woman muttering her plastic beads faithfully before an image of the Infant of Prague. There's real religion. The other (in my experience) is all form and no content.
Sentiment in religion is only wrong when it becomes sentimentality. In other words, when all there is, is sentiment. When all there is, is subjective emotionalism. Yes, we have sentimentality and high emotion in Catholicism, but underneath it all is the solid dogma, discipline and devotion of 2000 year of the Catholic faith. Within Protestantism, however, all that remains is subjective sentimentalism.
Genau. Ich finde übrigens auch, daß auch Kitsch – oder das, was wir dafür halten – eine gewisse Daseinsberechtigung hat und nicht verlacht werden sollte, wie Fr. Longenecker schreibt: There's real religion. Rumer Godden hat eine sehr schöne Geschichte genau darüber geschrieben: die Küchenmadonna. (Hier hat Waltzing Mathilda übrigens für Goddens Küchenmadonna sogar eine Schablone gemacht, damit könnte man sich eine eigene basteln. Wer nicht weiß, wie, lese das Buch. Es macht Spaß.)

Der Jesuit Henry Nouwen, der bei den Trappisten von Genesee ein Jahr zu Gast war, berichtete von einer superkitschigen Madonna, die dort am Arbeitsplatz des Bruders hing, der die Küche zu besorgen hatte. Darunter ein Schild: Bless this mess.

Sonntag, 26. Juni 2011

Führe uns, wohin wir streben, zum Licht – Fronleichnamsprozession in der Akademie

Eine richtig nette kleine Prozession zum Fronleichnamsfest hatten wir heute mittag in der Akademiekirche, komplett sogar mit Bläsern (wir werden immer besser!).

Wie wunderbar sind die Hymnen, die der hl. Thomas von Aquin – seinem Patrozinium ist die Akademiekirche geweiht – zu diesem Fest geschrieben hat, manchen könnte man lange betrachten:

Panis angelicus fit panis hominum
dat panis cælicus figuris terminum:
O res mirabilis!
Manducat Dominum
pauper servus et humilis.

Das Engelsbrot wird zum Brot der Menschen,
das himmlische Brot macht den Vorzeichen ein Ende.
O wunderbare Sache!
Es verspeist den Herrn
der arme und niedrige Knecht!


Einer der schönsten Momente ist für mich immer die gesungene Litanei vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, zumal, wenn der Zelebrant schön singt. Bei der Prozession mit einem Leuchter direkt neben dem allerheiligsten Sakrament einherzugehen, ist auch ein wunderbarer Dienst. In der Kathedrale haben wir aufgrund der besonderen baulichen Situation in jeder heiligen Messe in der Oberkirche diesen Dienst – den ich eben darum auch sehr gerne verrichte – bei einer festlichen Prozession mit Bläsern und Gesang hat man aber einfach noch mehr Zeit und Ruhe: Christus, du Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Erleuchte unser Herz mit dem Licht des Glaubens und entzünde es mit dem Feuer deiner Liebe.


Ein Gedanke, der die Sakramentsprozessionen auf der ganzen Welt verbindet, unabhängig davon, wie klein oder wie pompös sie sein mögen, sie sind alle bedeutend und wichtig. Dasselbe gilt für den Segen – in jeder heiligen Messe erteilt der Zelebrant den Segen. Wenn er es aber wie beim sakramentalen Segen über den Ort und die Stadt tut, auf daß der Segen Christi auf uns herabkommen und uns begleiten möge, ist es wirklich ergreifend, genau davor zu knien.

Segne unsere Felder und Wälder, die Stätten der Arbeit, des Denkens und des Lernens und verleihe Wachstum, Gedeihen und eine gute Ernte. – Alles Wünschen, Trachten und Hoffen in den Fürbitten ist in dem schönen Satz aus dem Hymnus Sacris solemniis des hl. Thomas zusammengefaßt:
Te, trina Deitas unaque, poscimus:
Sic nos tu visita, sicut te colimus;
per tuas semitas duc nos, quo tendimus,
ad lucem, quam inhabitas.

Dich, dreifache und eine Gottheit, bitten wir:
Besuche du uns so, wie wir dich verehren,
auf deinen Wegen führe uns, wohin wir streben,
zum Licht, in dem du wohnst.

Samstag, 25. Juni 2011

Nostalgia – die Berliner Fronleichnamsprozession 1928

Die Hedwigskirche, zwei Jahre vor der Erhebung zur Kathedrale,
wie sie 1928 einmal ausgesehen hat. Damals war sie noch Basilica minor.
Die Prozession zieht die Behrenstraße hinunter.
Im Zug der Reichskanzler und mehrere Minister.
(Das würde ich heute einmal gern sehen…)
Ein Steinwurf von der Kathedrale entfernt, in der Behrenstraße
 (das muß einer der Außenaltäre gewesen sein).
Der Weihbischof in Berlin spendet den sakramentalen Segen.
Das Allerheiligste zieht über den Opernplatz  an der StaatsoperUnter den Linden vorbei.
Wieso das Bundesarchiv die Monstranz eine „geheiligte Reliquie“ nennt, bleibt sein
Geheimnis.  (Wir verzeihen ihm aber gern, da es die schönen Fotos aufgehoben hat.)
der Prozessionszug vor den Stufen der Kathedrale
der Zug der Ordensbrüder (oh, so viele!)…
…und die Schwestern beim Segen (oh, so viele!!)
Und so hat die zu Allerheiligen 1773 geweihte Kathedrale
damals von innen ausgesehen, vor den Verheerungen des
zweiten Weltkriegs. Am 1. März 1943 war alles in einer
einzigen  Nacht dahin. Meine Güte, wenn wir das noch hätten,
wär das wunderschön…

Freitag, 24. Juni 2011

Advent im Juni – Geburt des hl. Johannes des Täufers

Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht
und das Volk dem Herrn zu bereiten
(Ruf vor dem Evangelium)
Das Hochfest der Geburt Johannes' des Täufers ist eines der ältesten Feste im römischen Kalender. Es ist zugleich eines der wenigen, die eine eigene Vorabendmesse haben. Mit dem lichtvollen Fest der Geburt des Vorläufers ging im Brauchtum einher, Johannisfeuer anzuzünden, ein Brauch, der sicherlich auch mit der Sommersonnwende zusammenhängt. An dem Ort, aus dem ich stamme, zündet man nach uraltem Brauch solche sogenannten Fackelfeuer übrigens am Heiligabend an, zur Geburt Christi.

Zur Vigil des Festes des Vorläufers – die in diesem Jahr vom Hochfest Fronleichnam verdrängt wurde – gehört eine der schönsten Lesungen überhaupt, wie ich finde:
Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil. Nach diesem Heil haben die Propheten gesucht und geforscht, und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist. Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte. Den Propheten wurde offenbart, daß sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel.
Vier Verse aus dem Brief des Apostels Petrus, die Ende Juni ein verweisendes Licht auf den Advent werfen – sechs Monate vor der Geburt des Erlösers.

In einer Predigt über die Geburt des hl. Johannes geht der hl. Augustinus auf die, wie er sagt, „heiligen Umstände“ bei der Geburt des Täufers ein: Bedenke, was alles geschehen ist, weil es im Bild die wahre Wirklichkeit darstellte.

Die wahre Wirklichkeit ist: Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, als Rufer in der Wüste für Gottes ewiges Wort.
Johannes wird geboren von einer unfruchtbaren Greisin, Christus von einer Jungfrau im Jugendalter. Der Vater glaubt nicht an die Geburt des Johannes und wird stumm. Maria glaubt an Christus und empfängt ihn im Glauben. Was untersucht und erörtert werden soll, ist damit gesagt.

Johannes scheint so etwas wie eine Grenzlinie zwischen den beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen zu sein. Der Herr selbst bezeugt, daß Johannes gleichsam eine Grenze ist, denn er sagt: „Das Gesetz und alle Propheten bis hin zu Johannes dem Täufer.“ Johannes stellt in seiner Person das Alte dar und verkündet doch das Neue. Weil er das Alte darstellen sollte, wurde er von einer Greisin geboren, weil er das Neue vertritt, wird er noch im Schoß der Mutter zum Propheten erklärt. Als er noch nicht geboren war, jubelte er im Mutterschoß bei der Ankunft Mariens. Schon dort hatte er seine Bestimmung, eine Bestimmung vor der Geburt; wessen Vorläufer er sein sollte, wurde angezeigt, bevor er von ihm gesehen wurde. Diese Zusammenhänge sind heilig, sie sprengen das Maß menschlicher Gebrechlichkeit. Schließlich kommt Johannes zur Welt, erhält den Namen, und die Zunge des Vaters wird gelöst. Bedenke, was alles geschehen ist, weil es im Bild die wahre Wirklichkeit darstellte.

Zacharias schweigt und verliert die Stimme, bis Johannes, der Vorläufer des Herrn geboren ist und ihm die Stimme wiedergibt. Was ist das Schweigen des Zacharias anderes als eine verborgene Weissagung, die gleichsam geheim und verschlossen war , bevor der Herr verkündigt wurde? Sie wird aufgeschlossen bei der Ankunft des Johannes, sie wird deutlich, wenn der kommt, der durch Weissagung angekündigt ist. Daß bei der Geburt des Johannes die Stimme des Zacharias freigeben wird, bedeutet das gleiche wie das Zerreißen des Vorhangs, als Christus am Kreuz hing. Verkündete Johannes sich selbst, könnte er den Mund des Zacharias nicht öffnen. Die Zunge wird gelöst, weil die Stimme geboren ist. Denn als Johannes den Herrn vorausverkündigte, wurde er gefragt: „Wer bist du?“ Er antwortete, „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste“. Johannes ist die Stimme, der Herr aber ist „im Anfang das Wort“. Johannes ist Stimme auf Zeit, Christus im Anfang das ewige Wort.

Und freitags etwas Fisch…

Über die Meldung, daß italienische Kinder dem Papst zu seinem bevorstehenden diamantenen Priesterjubiläum sechzig Goldfische – für jedes Jahr als Priester einen – geschenkt haben, mußte ich schmunzeln:
Zu seinem bevorstehenden 60. Priesterjubiläum haben italienische Kinder dem Papst 60 Goldfische geschenkt. Am Rande der gestrigen Generalaudienz überreichten sie dem überraschten Benedikt XVI. ein Gefäß mit einer Auswahl der Tiere … Die Goldfische werden in den Brunnen der vatikanischen Gärten ihre neue Heimat finden, hieß es. (via Zenit und Radio Vatikan)


Die Idee, dem obersten Menschenfischer einige Goldfische zu schenken, ist natürlich sehr nett. Vielleicht war Papst Benedikt aber auch deshalb ein wenig überrascht, weil er bekanntermaßen ein ausgesprochener Katzenliebhaber ist. „Ich gehe fischen!“ – „Wir kommen auch mit!“ –, ein Dialog zwischen einem vatikanischen Kater namens Simone Pietro und seinen Kumpanen?


Ich weiß, das ist ein Löwe…

Donnerstag, 23. Juni 2011

Fest des Leibes und Blutes Christi – Fest des Lebens


Corpus Domini nostri Iesu Christi custodiat animam tuam in vitam aeternam, Amen (der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum ewigen Leben, Amen), heißt es in der mittelalterlichen Spendeformel der heiligen Kommunion. Der Leib Christi bewahre dich zum ewigen Leben – der Leib Christi ist das ewige Leben.

Fronleichnam, das Fest des Leibes und Blutes Christi ist tatsächlich ein Fest des Lebens:
Aus dem Schoß der heiligsten Dreifaltigkeit tritt der Sohn Gottes durch die Menschwerdung in den Schoß des Menschengeschlechts ein, und die Menschwerdung lebensbringend gleichsam erweiternd, durch die heiligste Eucharistie als Speise in die Seele des einzelnen. So gelangt das Leben Gottes aus Gott in den Menschen hinein.
lehrt die Kirche.

Das ist es, was der Herr im Evangelium dieses Tages selbst sagt:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
Jedes Mal, wenn wir die Kommunion empfangen, bekennen wir es aufs neue: „Der Leib Christi“ oder „das Blut Christi“ sagt der spendende Priester und „Amen“ – ja, das glaube ich –, antwortet der Gläubige. Im Grunde ist die Fronleichnamsprozession eine festliche und farbenprächtige Erweiterung dieses so kurzen und doch so umfassenden Bekenntnisses: Der Leib Christi, das, was mir Leben gibt und es erhält, was mein Leben wahrhaft nährt und mir das ewige Leben bringt – das glaube ich.

Daß wir es zusammen tun, als gemeinschaftliches Bekenntnis, hängt mit den Worten des Apostels über die Teilhabe an Leib und Blut Christi zusammen, die wir in der heutigen zweiten Lesung gehört haben: Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. Wir, die vielen, bilden den Leib Christi, der die Kirche ist. Deshalb tragen wir Christus hinaus durch die Straßen, deshalb erteilt der Priester dem Ort, in dem wir wohnen, in alle vier Himmelsrichtungen den sakramentalen Segen, damit die Welt das Antlitz Christi sehe, das das Antlitz der Liebe ist.

Mittwoch, 22. Juni 2011

In te domine speravi – hl. Thomas Morus

Auf dich, Herr, hab ich vertraut. Ich werde in Ewigkeit nicht zuschanden. 
 Die Zelle des hl. Thomas Morus im Tower von London. Hier war er von
 April 1534 bis Juli 1535 eingekerkert. Die winzigen Scharten in der Wand
haben die Form eines Kreuzes, so daß der Heilige bis zuletzt das Zeichen
dessen vor Augen hatte, dem er im Martyrium gleichförmig geworden ist
 und den er über alles geliebt hat.
Durch eine Reihe von Verfilmungen in den letzten Jahrzehnten, zuletzt die aufwendig produzierten und farbenprächtigen Tudors, ist das Schicksal und der Gewissenskonflikt der hll. Thomas Morus und John Fisher ausführlich behandelt worden. Was Thomas Mores Handlungsweise heiligmäßig macht, ist nicht nur die Weigerung, seinem Gewissen zuwider zu handeln, sondern die Bereitschaft, seinem Verfolger zu verzeihen, ja er glaubt bis zuletzt an das Gute in ihm. In dem Brief, den er an seine Tochter Margaret aus dem Kerker im Tower schreibt, fällt mir auf, wie frei der Heilige von den sehr menschlichen Qualen der Verbitterung ist, von dem fallengelassen worden zu sein, dem er so lange und treu gedient hat. In seinem Tod tritt eine größere und tiefere Wahrheit hervor: „Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber als Gottes Diener zuerst.“

Thomas More und seine Tochter Margaret
beobachten von einem Fenster des Towers aus
das Martyrium der englischen Kartäuser.
Ich bin mir zwar bewußt, daß mein bisheriges Leben reichlich schlecht war und daß ich vollauf verdient hätte, von Gott verlassen zu werden. Dennoch werde ich nicht aufhören, stets auf seine grenzenlose Güte zu vertrauen und bester Hoffnung zu sein. Wie mir bis jetzt durch seine heilige Gnade die Kraft gegeben hat, eher alles herzlich zu verachten, Besitz, Einkommen, ja das Leben selbst, als daß ich gegen mein Gewissen schwöre, so hat er in seiner gütigen Absicht dem König eingegeben, mich bis jetzt nur der Freiheit zu berauben. Durch diese Maßnahme hat mir seine Majestät eine größere Wohltat erwiesen als durch alle Ehrungen und Güter, die er mir verliehen hat., denn davon verspreche ich mir seelischen Fortschritt. Dieselbe Gnade wird das Herz des Königs bewegen, mir nicht etwas aufzuerlegen, das noch schwerer wird, oder sie wird mir die Kraft geben, alles noch so Schwere geduldig, tapfer und willig zu ertragen.

Mit unserem Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden – es übertrifft mein ganzes Dulden an Art und Wert um ein Unendliches – mit ihm verbunden, wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren.

Liebe Margarita, ich will Gottes Güte nicht mißtrauen, so sehr ich fühle, wie schwach und zerbrechlich ich bin. Wenn ich in Schrecken und Verwirrung sehen sollte, daß ich vor dem Fallen stehe, werde ich an den hl. Petrus denken, der bei einem einzigen Windstoß aus Mangel an Glauben zu sinken begann und dann werde ich tun wie er. Ich werde rufen: Herr, rette mich! Denn ich hoffe, er wird seine Hand ausstrecken, mich ergreifen und nicht untergehen lassen.

Sollte er es aber zulassen, daß ich noch darüber hinaus die Rolle des Petrus spiele, daß ich ganz und gar falle, schwöre und leugne – Gott wende es in seinem Erbarmen von mir ab; ein solcher Fall soll mir eher Schaden als Nutzen bringen – dann hoffe ich dennoch, daß er mich mit dem vollen Blick seine Auges anschaut wie den Petrus und mich wieder aufrichtet, damit ich aufs neue die Wahrheit bekenne und mein Gewissen entlaste. Die Strafe und die Beschämung der früheren Verleugnung will ich dann tapfer ertragen.

Liebe Margarita, schließlich habe ich die Erfahrung, daß Gott mich ohne meine Schuld nicht verläßt. So überlasse ich mich ihm in aller Hoffnung und mit vollem Vertrauen. Wenn er mich wegen meiner Sünden untergehen läßt, dann wird wenigstens seine Gerechtigkeit in mir gepriesen. Ich hoffe, aber, ich hoffe es ganz fest daß seine Milde und Güte mich bewahren wird. Er wird es fügen , daß den Menschen durch mich mehr sein Erbarmen als seine Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, liebe Tochter, und sorge dich nicht so sehr um mich, was mir auch immer in dieser Welt zustößt, es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft das Beste.

Dienstag, 21. Juni 2011

Gott lieben und seine Gebote erfüllen – hl. Aloysius Gonzaga

Wir erkennen, daß wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. (Joh 5,2)
An mehreren Stellen betonen die Texte des Meßbuches die Reinheit und Unschuld des jungen Heiligen: das Tages- und das Schlußgebet sprechen von seiner Unschuld, das Gabengebet sieht ihn stets im hochzeitlichen Gewand der Gnade.

Tatsächlich ist der hl. Aloysius einer der männlichen Heiligen, die Schutzpatrone der jungfräulichen Menschen sind. Dies hat sicher auch damit zu tun, daß er früh vollendet wurde: schon mit dreiundzwanzig starb Aloysius von Gonzaga an einer epidemischen Krankheit, wahrscheinlich der Pest, die er sich bei der unermüdlichen Pflege Seuchenkranker zugezogen hatte und starb nach dreimonatigem Ringen mit dem Tode. Es waren ihm nur sechs kurze Jahre im Priesterseminar der Jesuiten vergönnt und doch sticht er unter der Zahl an intelligenten und reichbegabten jungen Männer von Adel heraus, die in der Zeit der italienischen Renaissance in den Jesuitenorden eintraten – Aloysius war ein Heiliger.

Aloysius Gonzaga war der älteste Sohn des Grafen von Mantua. Sein Vater setzte ehrgeizige Hoffnungen ihn ihn, er wollte daß sein Sohn eine politische oder militärische Laufbahn einschlage, dieser interessierte sich jedoch nur für geistliche Dinge und fiel schon in jungen Jahren durch seine Frömmigkeit auf. Bereits im Alter von elf Jahren brachte er armem Kindern den Katechismus bei, fastete dreimal in der Woche und legte sich weitere Entsagungen auf. Mit dreizehn begleitete er seine Eltern an den Hof Philips II., wo er Page wurde. Je mehr er vom Leben des Hofes mitbekam, desto mehr Bücher über das Leben der Heiligen las er. Als ihm die Lebensbeschreibung eines Jesuiten in der indischen Mission in die Hände kam, wählte er den Jesuitenorden, obwohl er eigentlich bei den unbeschuhten Karmeliten hatte eintreten wollen. Nachdem er den Entschluß einmal gefaßt hatte, mußte er vier lange Jahre auf das Einverständnis seines Vaters warten.

Eigentlich von heftiger Gemütsart, war Aloysius im Noviziat von großer Gleichmut und von tiefem innerem Frieden erfüllt. Als man ihn fragte, was er tun würde, wenn er wüßte, er müsse in einer halben Stunde sterben, antwortete er, er würde einfach mit dem weitermachen, was er gerade täte.

Als 1590 eine Hungernot in Italien herrschte und anschließend eine Seuche ausbrach, richteten die Jesuiten in Rom ein Hospital ein. Da Aloysius die Patienten zu waschen und deren Betten zu machen hatte, steckte er sich an. Trotz hohen Fiebers versuchte er so lange wie möglich, sein Gebetsleben aufrechtzuerhalten. Er starb 1591 in der Oktav des Hochfests Fronleichnam.

Wir erkennen, daß wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. Seine Gebote sind nicht schwer, heißt es im heutigen Tagesevangelium. Es stimmt: Gottes Gebote sind eigentlich nicht schwer, und doch, wie schwer tun wir uns manchmal, sie zu halten. Für den heiligen Aloisius Gonzaga waren sie tatsächlich nicht schwer. Er machte einfach mit dem weiter, was er gerade tat – Gott zu lieben und seine Gebote zu erfüllen.
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Bild: unbekannter Maler des 17. Jahrhunderts. (Ein unkitschiges Bild dieses schlichten Heiligen zu finden, ist tatsächlich nicht so leicht) Die weiße Lilie ist ein Symbol der Jungfräulichkeit. Zu den anderen ikonographischen Heiligenattributen des hl. Aloysius gehören das Kruzifix, und der Totenschädel (das Sinnbild seines frühen Todes). Auf einigen Darstellungen halten Engel die Krone des Sieges für ihn bereit. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist?

Montag, 20. Juni 2011

Unter ihrem Schutz hast du nichts zu fürchten – die Gottesmutter


Die schnuckeligste Gottesmutter (ich brauch jetzt definitiv ein eigenes Label für sie), die mir heute begegnet ist, ist dieses Bildnis des flämischen Malers Jan Gossaert. Es hat zugleich auch noch die Kraft, mich zu erheitern, man beachte, wie das Jesuskind da unter dem Schleier vorguckt.

Beim Schreiben des Beitrags über die Maria lactans und den hl. Bernhard ist mir mal wieder aufgefallen, daß mir in einem gefühlsmäßigen Holterdipolter und dem unbestimmten Gefühl von Ratlosigkeit nicht nur das Gebet und die Sakramente, sondern sogar das Denken und Schreiben an die Gottesmutter Ruhe verschaffen können. Dazu kam mir diese äußerst zutreffende Aussage aus einer Predigt aus einer Predigt zum Lob der jungfräulichen Gottesmutter eben dieses hl. Bernhard wieder in den Sinn:
Denkst du an sie, bleibst du dem falschen Weg fern. Solange sie dich an der Hand hält, kannst du nicht fallen. Unter ihrem Schutz hast du nichts zu fürchten. Führt sie dich, ermüdest du nicht. Durch ihre Gunst kommst du sicher ans Ziel.
PS: Um mich nicht allzuweit von der Lebenswirklichkeit der Menschen zu entfernen: den Rest haben wahrscheinlich ein Pfund Erdbeeren (ein Mariensymbol!) mit Zucker vollbracht.

Monstra te esse matrem

Zu Elsas Reminizenz auf Monstranzen und der Auslegung des Wortes Monstranz fiel mir die Textzeile aus dem marianischen Hymnus Ave maris stella ein, in der es heißt Monstra te esse matrem (zeige dich als Mutter).

Monstra te esse Matrem,
Sumat per te preces,
Qui pro nobis natus
Tulit esse tuus.


Wer diesen Hymnus erdichtet hat, ist unbekannt, er wird Venantius Fortunatus zugeschrieben und im Stundengebet der Kirche zu den großen Marienfesten im Kirchenjahr gesungen.

Zu diesem Hymnus gibt es eine Geschichte über den hl. Bernhard von Clairvaux, einem großen Marienverehrer, der uns eine Fülle wunderbarer Predigten zu marianischen Hochfesten hinterlassen hat. Die Geschichte überliefert eine mystische Erfahrung des hl. Bernhard im Gebet vor einem Marienbildnis, dessen Typus man Maria lactans nennt. In dieser Vision fühlte sich der Heilige selbst mit der Milch Mariens genährt, als er die Zeilen Monstra te esse matrem… sang. Um seiner Predigten willen, die aus dieser Erfahrung flossen, und die so süß wie Milch schmecken, nennt man den hl. Bernhard auch Doctor mellifluus (wörtlich: der honig-süße Lehrer).

Maria-lactans-Darstellungen erscheinen uns heute vielleicht eher unvertraut, weil sie teils sehr sinnenfreudig ausfallen (und vielleicht, weil stillende Frauen, obwohl ganz natürlich, natürlicher gehts nimmer, in der Öffentlichkeit etwas Seltenes geworden sind). Eigentlich bringen sie aber nur zum Ausdruck, daß Maria eben beides war und ist: immerwährende Jungfrau und immerwährende Mutter.

unbekannter flämischer Maler des 17. Jahrhunderts. Neben Maria mit einer zeittypischen Kopfbedeckung fällt mir vor allem auf, daß das Jesuskind karottenrote Haare hat.

Carlo Crivelli, um 1470

Andrea Solario, 16. Jahrhundert. Hier ist der eigentlich nebensächliche Einrichtungsgegenstand aus dem Haushalt in Nazareth offenbar so ins Auge gesprungen, daß man das Bild auch „Madonna mit dem grünen Kissen“ nennt.

Jan van Eyck, um 1430

Bei diesem Nürnberger Bildnis ist das Jesuskind sehr energisch (wie Babies halt so sind), Maria nimmt sich beim Stillen aber anscheinend die Zeit, in aller Ruhe ein Buch zu lesen.

Jan Gossaert

Der hl. Bernhard wird mit der Milch Mariens genährt. Hier gibt es wieder Spruchbänder zu entdecken, und über den Zwerglöwen da unten in der Ecke denke ich auch noch nach.

Sonntag, 19. Juni 2011

Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit – zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit


Den Antwortgesang der heiligen Messe zum Dreifaltigkeitsfest heute liebe ich sehr, mit der Antiphon Preist den dreifaltigen Gott und den Antworten der Gemeinde gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit. Dieser Antwortgesang begegnet uns im Kirchenjahr auch in der fünften Woche der Fastenzeit, es ist der Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen. Flüchtig nur streift mich der Gedanke, wie es sein muß, in einem Feuerofen eingeschlossen und fähig zu sein, so etwas zum Lob Gottes zu singen, dann geht einfach alles auf im Betrachten dieses gewaltigen Lobgesangs an die Herrlichkeit unseres Gottes. Das Altargemälde oben stellt dar, was der Lobgesang besingt:
Gepriesen bist du, Herr, du Gott unsrer Väter,
Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit,
Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront.
Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft.
Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels.
Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit – das ist aber nicht nur der Himmel, das ist hier und jetzt, in dieser Kirche, in der ich grade sitze und „…gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit“ singe oder mich beim Sanctus mit den Engelschören vereine, es ist hier in meinem eigenen Leib, wenn er in der Kommunion Christus empfängt. Hier berühren sich Himmel und Erde.

Mad hatters, again…

Die Auflösung des gestrigen Rätels bei Mantilla meets biretta: Teresa von Avila[1], die das Birett und die Kette eines Gelehrten trägt, weil sie Kirchenlehrerin ist (Papst Paul VI. erhob sie dazu 1970). Statt des Gelehrtentalars darf sie in der Ikonographie kleidsamer- und passenderweise aber weiterhin ihren Habit tragen.

Das was die Heilige im gestrigen Beitrag und die Pomponträger auf dem Kopf haben, nennt man übrigens genaugenommen Boneta (das ist aber einfach nur eine lokale Variante der Spanier).

Da wir einmal bei Kopfbedeckungen sind – sämtliche englischen Hochzeitshüte waren überhaupt nichts gegen den neuen Osterhut von Patriarch Bartholomäus (mit Dank an Pithless Thoughts):


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[1] Gewinner des grünen Pompons ist U., der diesen aber meinen Katzen gespendet hat, die ihn wohl kaputtspielen werden (den Pompon, nicht U.)
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