Dienstag, 31. Mai 2011

Gottheit tief verborgen – der Marienmonat geht zu Ende


Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir.
Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.
Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin,
weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Ein wunderschöner Abschluß des Marienmonats – eine Maiandacht mit sakramentaler Aussetzung. Da ich dabei zu tun hatte, hatte ich die schöne Möglichkeit, auf der Altarstufe zu knien. Beim Adoro te und dem Aufgehen darin, daß ich vor solchem Wunder wirklich nur Armut bin, ist mir auch dieses Bild der Begegnung von Maria und Elisabeth wieder in den Sinn gekommen, auf dem Johannes der Täufer die Gestalt eines Ungeborenen hat, Jesus Christus aber die Gestalt einer Monstranz. In vielen Ländern feiert die Kirche das Fest Mariä Heimsuchung heute, am 31. Mai (in Deutschland dagegen nach alter Tradition am 2. Juli). Der Leib der Jungfrau war die denkbar tiefste Verborgenheit des Gottmenschen. Salve Regina!

Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen, bitte für uns!

Montag, 30. Mai 2011

Missionare und Lilien auf dem Felde

Die heutige Fürbitte aus dem 40tägigen Gebet um geistliche Berufe lautet: Schenke auch unserer Zeit Missionare, die dich bei uns und in aller Welt mit ihrem Wort und ihrem Leben verkündigen.

Unter Missionaren darf man sich dabei nicht nur solche vorstellen, die sich mit Tropenhelm in abgelegene Gebiete aufmachen (das auch). Von vielen dieser Missionare und ihrer Arbeit wüßte man kaum etwas, hätte die Kirche sie nicht ins Verzeichnis der Heiligen und Seligen aufgenommen.

Wie solche Missionare auch aussehen und auf welch unterschiedliche Weise sie ihre Gaben in den Dienst Christi stellen können, sehen wir an der heiligen Karmelitin Maria Maravillas de Jesús. Obwohl sie fast ihr ganzes Leben – über 50 Jahre – in der Verborgenheit des eremitischen Lebens der unbeschuhten Karmelitinnen verbrachte, waren ihr Herz und ihr Werk zutiefst missionarisch.
Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.
haben wir gestern in der Lesung aus dem Petrusbrief gehört. Das stille Leben eines Beters ist die denkbar wörtliche Umsetzung dieses Wunsches des Apostels: der Beter läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen – er ist einfach nur da. Sein ganzes Sein spricht von der Hoffnung, die uns erfüllt.

Maria Maravillas Pidal y Chico de Guzman, die Tochter eines Botschafters, trat im Alter von dreiundzwanzig Jahren 1919 in den Karmel vom hl. Lorenz in El Escorial ein, wo sie zur Einkleidung den Namen Maria Maravillas de Jesús annahm. Schon sehr früh hatte sie sich Christus für immer geweiht – bereits im Alter von fünf Jahren legte sie das Gelübde ab, ein jungfräuliches Leben zu führen, 1896, ein Jahr darauf empfing sie das Sakrament der Firmung. Später weihte sie, von ihrem Beichtvater angeleitet, ihr Leben dem Dienst an den Menschen und den Werken der Nächstenliebe.

Der Anblick eines Bildnisses des Erlösers mit dem heiligsten Herzen, das der spanische König Alfonso bei dem halb verfallenen Karmel von Cerro de los Angeles in der Nähe von Madrid hatte errichten lassen, weckte in ihr den Wunsch, diesen altehrwürdigen Karmel aus dem 14. Jahrhundert wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Dem Bischof von Madrid gefiel dieser Gedanke, und mit seiner Zustimmung wurde der Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln in Cerro de los Angeles durch Sr. Maravillas de Jesús und drei weitere Schwestern wiedererrichtet – mit nichts als schieren Gottvertrauen, den Stundenbüchern der Schwestern und einigen Wolldecken. Diese völlige Hingabe an das, was man als den Willen Gottes erkannt hat und das Vertrauen auf auf ihn, der auch die Vögel unter dem Himmel ernährt und die Lilien auf dem Feld blühen läßt, sind wirklich außerordentlich.

Am 30. Mai 1924 legte Sr. M. Maravillas de Jesús im Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln ihre feierlichen Gelübde ab; bereits zwei Jahre danach wählten die Schwestern sie zur Priorin. Unter ihrer Leitung gab es so viele Neueintritte, daß man sie mit der Hälfte der Schwestern zu einer Neugründung nach Kottayam in Indien entsandte. Von dieser Neugründung gingen wiederum zahlreiche Gründungen aus, fünf allein in Indien.

1936 kehrte Sr. Maravillas nach Spanien zurück, wo sie und ihre Mitschwestern infolge der Unruhen des spanischen Bürgerkriegs verhaftet und nach Getafe gebracht wurden. Dort stellte man sie unter Hausarrest – bei einer Karmelitin nun einigermaßen blödsinnig! –, allerdings waren die Schwestern ständigen Schikanen ausgesetzt. Im Herbst 1937 siedelte der Konvent nach Las Butaecas in der Provinz Salamanca über. 1939 ging Sr. Maravillas mit einigen Schwestern wiederum nach Cerro de los Angeles, das in den Wirren des spanischen Bürgerkriegs mittlerweile fast völlig in Schutt und Asche gelegt worden war. Dabei war auch die Herz-Jesu-Statue zerstört worden, die einst Anlaß zu dieser Neugründung gewesen war.

Vom Karmel unserer Lieben Frau von den Engeln gingen unter Sr. M. Maravillas de Jesús im Laufe der Jahre dreizehn Gründungen in Spanien aus, darunter die Wiedererrichtung des Karmels von der Menschwerdung in Avila – der Karmel, in den einst die große hl. Theresa eingetreten war.

Sr. Maravillas de Jesús zeichnete sich neben der völligen Hingabe durch eine kindliche Liebe zur Jungfrau Maria aus. Die allerseligste Jungfrau wird im Karmel besonders verehrt, sie ist nicht nur Mutter des Karmels und Vorbild in allen Tugenden, sondern auch Mutter der Karmelitinnen. So gibt es im Karmel keine Äbtissin, sondern eine Priorin, die erste der Schwestern – den obersten Platz hat die Gottesmutter. Deren Patronat sind auch alle Karmelitinnenklöster unterstellt, die Sr. Maravillas gründete. Sich selbst bezeichnete die Heilige zeitlebens als „sündiges Nichts“, sie war sich allerdings sehr bewußt, auf wen sie vertraut hatte: als sie 1971 im Alter von dreiundachtzig Jahren starb, sagte sie: „Ich fühle, wie sehr mich der Herr geliebt hat. Welche Glückseligkeit, als Karmelitin zu sterben!“

Samstag, 28. Mai 2011

6. Sonntag der Osterzeit – Parakletos, der Beistand


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Joh 14, 15-21)

Das Evangelium des 6. Sonntags führt uns zurück in der Zeit – anders als an den vergangenen Sonntagen, deren Evangelien von den Begegnungen mit dem Auferstandenen berichten, ist dies eine Rede des irdischen Jesus – eine, die die Jünger verwirrt haben muß: Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. Jesus sprach diese Worte im Obergemach des Hauses, am Abend vor seinem Leiden. Obwohl Jesus die Eucharistie einsetzt, in der er selbst auf wunderbare Weise gegenwärtig ist, wird zumindest deutlich, daß diese Gegenwart seines Leibes anders sein wird.

In diesem Evangelium haben wiederum ein Beispiel der Dreifaltigkeit: der Sohn bittet den Vater, den Geist zu senden. Im vergangenen Jahr habe ich aus der Predigt unseres Pfarrers erfahren, daß das griechische Wort für den Beistand, den der Vater geben wird, Parakletos heißt, dasselbe Wort, das auch für den Begriff Anwalt verwendet wird. Ein guter Anwalt ist nicht nur der, der uns guten Rat gibt, sondern auch der, der sich bei Gericht für uns verwendet, eine Art Verteidiger. Der Parakletos, den der Vater sendet, tut sogar noch mehr: er weiß, was wir wirklich brauchen und bittet Gott darum, daß er das Rechte tut. So schreibt der Apostel: Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen. Der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Ich finde das eine wunderbare Vorstellung, daß der Geist selbst nicht nur für mich betet, wenn ich nicht weiß, worum ich in einer bestimmten Situation bitten soll, was das Rechte wäre, und auch, wenn ich mich nicht sammeln kann. Der Geist tritt unablässig auch für die ein, die nicht beten können, denen die Worte fehlen.

Zugleich geht aus Jesu Worten hervor, daß es eine große Vertrautheit mit diesem Beistand, dem Geist der Wahrheit gibt: Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Jesus macht sich keine Illusionen um uns, er weiß, wie schwach wir sein können. In älteren Übersetzungen heißt es: „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“. Gemeint ist nicht nur die Schwäche, bei der ich mich verfehle, sondern auch die, bei der ich der Hilfe bedarf – tröste den, der trostlos weint, bitten wir in der Pfingstsequenz.

Wie man Parakletos auch übersetzt – ob mit dem Wort Tröster, Berater, Helfer oder Führer – wichtig ist, was er tut: er ist unser Gefährte bis ans Ende aller Zeiten. Der heilige Geist verleiht verschiedene Charismen und in unterschiedlichem Maße (manchmal denke ich, wenn man sich das immer wieder einmal bewußt macht, kann man sich selbst und der Kirche einiges an innerer und äußerer Unruhe ersparen). Der Beistand ist der, der uns selbst, wenn wir es wollen oder auch nur zulassen, beim Streben nach der Heiligkeit helfen kann, jedem auf die Weise, die genau er braucht – zuweilen wirklich ein schwieriges Geschäft. Er jedoch nimmt sich unserer Schwachheit an.

Donnerstag, 26. Mai 2011

You have questions? – Youcat trailer



Das ist der Trailer für den Youcat – und hier sind sie wieder, die netten Strichmännchen! Ich finde, man muß sie – und den Youcat – einfach gern haben. Sie erwecken soviel Sympathie, und es ist ein bißchen wie mit diesen Suchbildern, man entdeckt immer noch etwas: ein fliegendes Herz, einen eingeschlafenen Beter bei der sakramentalen Anbetung oder den römischen Soldaten bei der 6. Kreuzwegstation, der sich offensichtlich fragt, was zum Geier Veronika jetzt mit dem Schweißtuch will? Die Abbildung bei der Anbetung zeigt nicht nur, warum schon die Wüstenväter das Gebet zuweilen als herben Kampf ansahen oder daß sie Trockenheit verspürten, sondern, worum es bei der Anbetung eigentlich geht. Wirklich schön.

Der Katechismus enthält erfreulicherweise eigentlich alles, was man erst mal braucht oder wissen muß. Es ist auch ohne weiteres möglich, anhand dieses Buches jemandem in einfacher Weise zu erklären, was Katholiken glauben oder eben nicht glauben. Ich hab ihn grad meiner (protestantischen) Nichte geschenkt.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Spaß mit Youcat


Grade geschenkt bekommen, schon hab ich Spaß damit. Ich find zwar den Namen immer noch leicht bescheuert, aber bitte… eigentlich gehöre ich ja auch nicht direkt zur Zielgruppe. Im Moment lese ich hier und da und finde den Katechismus spontan sehr gelungen. Bräsiges geht ihm völlig ab. Mir gefällt die Nutzung der Randspalten für Zitate, Fragen und ein kleines Daumenkino (wer spielt nicht gern?) – und ich mag die Strichmännchen. Bei den Kreuzwegstationen (Nr. 277 Was ist eine Kreuzwegandacht?) hab ich zwar schon einen Augenblick gedacht, geht das: kann man die Passion in Strichmännchen darstellen? Andererseits – warum eigentlich nicht? Auch die Strichmännchen-Passion verläßt nicht den Boden des Respekts und im Unterschied zu manch moderner Kreuzwegstation ist sogar eindeutig erkennbar, welche Station jeweils dargestellt ist.

Oben eine der Seiten zum Bußsakrament. Man kann mit Strichmännchen schon ziemlich viel aussagen – so ist es.

Dienstag, 24. Mai 2011

Neues von der Mantilla-Front

Neulich hatten wirs davon, ob hier eine Mantilla wohl das Haarherumgewoge verdeckt hätte – meiner Ansicht nach hätte es, die Mantilla wäre meiner unfachlichen Meinung nach vor dem Haar herumgeflattert…).

Grade gelesen: Die Frage, Kommunionschleier ja oder nein? wurde jüngst von einer Frau direkt an Raymond Kardinal Burke von der apostolischen Signatur gerichtet – sie hat ihm einfach geschrieben. Kardinal Burke antwortete wie folgt (zitiert auf Defining beauty und hier bei In the light of the law, einem Kirchenrechtler. Dieser Artikel ist wegen der zusätzlichen Verweise besonders lesenswert):

Thank you for your letter … The wearing of a chapel veil for women is not required when women assist at the Holy Mass according to Ordinary Form of the Roman Rite. It is, however, the expectation that women who assist at the Mass according to the Extraordinary Form cover their heads, as was the practice at the time that the 1962 Missale Romanum was in force. It is not, however a sin to participate in the Holy Mass according to the Extraordinary Form without a veil.

(Vielen Dank für Ihr Schreiben … Das Tragen eines Kommunionschleiers ist für Frauen nicht erforderlich, wenn sie die Heilige Messe in der ordentlichen Form des römischen Ritus mitfeiern. Jedoch geht man davon aus, daß Frauen, die Messe in der außerordentlichen Form mitfeiern, ihr Haupt bedecken, wie es zu der Zeit der Gültigkeit des Meßbuches von 1962 üblich war. Es ist jedoch keine Sünde, an der hl. Messe in der außerordentlichen Form ohne Schleier teilzunehmen.)

In anderen Worten kurz zusammengefaßt: in der außerordentlichen Form ist es äußerst erstrebenswert, in der ordentlichen kann es jede machen wie sie möchte. Und das würden viele gern.

Wißt ihr, es geht mir nicht darum, anderen zuzureden, wie sie es selbst halten sollen. Daß der Mantilla-Button die 50er-Jahre-Ikonographie auf die Schippe nimmt, hatten wir ja schon festgehalten. Es wäre aber schon schön, wenn die Frauen, die eine Mantilla oder einen Schleier zum Gottesdienst tragen wollen, dies unbehelligt und ohne Gewese – das sie selbst davon ja auch nicht machen – tun könnten. Man muß etwa als Priester die Kommunikantin bei der Spendung der hl. Kommunion nicht merken lassen, daß einem ihr Schleier irgendwie persönlich mißliebig ist, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ratschläge, wie man mit jenen GemeindegliederInnen umgehen kann, die einem ihr Mißfallen nun unbedingt explizit kundtun müssen, bietet The catholic knight – Lächeln ist sowieso immer die erste Wahl.
  • Smile
  • Then say: "You know, I would never try to force my own personal views on another parishioner."
  • Then tell her: "And it's really none of your business how I choose to reverence the Lord."
  • End with; "God bless you."
  • Then walk away.
Hier einige schöne Bilder von Kommunionschleiern. Oben in der Ecke mein Lieblingsschleierbild von Vermeer.







Irgendwie ist es schon eigenartig. Mancherorts kann man in den indezentesten Outfits zur Kirche kommen und keiner sagt was – wir schlagen einfach die Augen nieder. Entschließt sich aber eine Frau, einen Kommunionschleier zu tragen, wissen sich manche gar nicht zu fassen. Liebe Güte! Ich finde Mantillen und Kommunionschleier sehr weiblich (Surprise!) und in manchen Momenten werde ich das Gefühl nicht los, daß es einigen bei ihrer Mantillenaversion genau darum geht. Man findet übrigens kaum Darstellungen der Jungfrau Maria, auf denen sie keinen Schleier trägt.

Catholic Knight berichtet über seine Kindheit und führt sehr treffend aus:
My grandmother was Swedish, but she was raised in Cuba – go figure! She spoke fluent Spanish, and didn't know a word of Scandinavian. She was also a Roman Catholic. Growing up in Southern California, with my Spanish-speaking white grandma, got me in pretty close with the Hispanic-Catholic culture of the area. The older women of those parishes were staunchly conservative in their religious practices, and to be quite honest, I've never seen a more modest and classy group. These women knew how to be Catholic, Spanish, classy and at the same time absolutely beautiful. Their Spanish shawls served a double purpose. Inside the Church they frequently used them as a type of mantilla, while outside, they dropped them down over their shoulders to create a elegant wrap, useful for social gatherings in the cool outdoors. In all my years since childhood, I've never seen a more impressive and stunning display of feminine Catholic beauty.

Montag, 23. Mai 2011

Die Wohnung


Im gestrigen Tagesevangelium hieß es:
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. (Joh 14, 1-3)
Das ist unser endgültiges Ziel, etwas, woran ich schon einmal im Angesicht des Todes denken durfte und dabei ganz ruhig blieb. (Da war übrigens nichts mit „das Leben noch einmal an sich vorüberziehen sehen“. Nur die Gewißheit, daß dies das Ende meines Lebens sein würde und der Einzug in eine dieser Wohnungen. Heutzutage hätte gern wenigstens vorher noch einen Priester bei mir gehabt, was in mir inzwischen auch das Bedürfnis verstärkt hat, einigermaßen „versehen“ zu sein.) Wie die Wohnung, die für mich – und für die vielen – vorbereitet ist, wohl einmal aussehen wird?

Im heutigen Evangelium nun:
Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. (Joh 14, 23)
Dieses Bild finde ich mindestens genauso schön. Wie sieht die Wohnung aus, die ich Jesus und dem Vater bereite? Es wär schon gut, wenn es eine schöne wäre, aber wenn sie auch armselig ist, er kommt trotzdem und wohnt darin, das ist eigentlich die größte Gnade überhaupt. Sehr anschaulich hat das Bach in seinem Weihnachtsoratorium ausgedrückt:
Zwar ist solche Herzensstube
wohl kein schöner Fürstensaal,
sondern eine finstre Grube;
doch sobald dein Gnadenstrahl
in denselben nur wird blinken,
wird es voller Sonnen dünken.
In den Sakramenten scheut sich Jesus Christus selbst nicht, diese finstere Grube zu betreten – wenn wir wollen, täglich.

Sonntag, 22. Mai 2011

5. Sonntag der Osterzeit – Ich bin der Weg

Wenn man als Lektor oder auch sonst liturgische Texte liest, spricht einen immer wieder einmal etwas anderes an, und so tritt je nachdem bei der Betonung oder Auslegung etwas anderes in den Vordergrund.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. (Joh 14, 1-6)
Als ich dieses Evangelium bei einer Prozession einmal laut vorgelesen habe, wurde für mich in diesem Augenblick besonders deutlich, daß Jesus da nicht nur gesagt hat, was er ist – Weg, Wahrheit und Leben –, sondern daß er – und nur er – es ist. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Johannes hat sein ganzes Evangelium damit begonnen, was Jesus ist:
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt.
Dieses Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Im Johannesevangelium haben wir eine Vielzahl von Bildern dessen gehört, was Jesus ist: fleischgewordenes Wort, Licht der Welt, das die Finsternis erleuchtet, das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, die Auferstehung und das Leben in Fülle, die Tür zu den Schafen, der gute Hirte, Weg, Wahrheit Leben, der wahre Weinstock. Die Worte Jesu der Evangelien der letzten Sonntage sind Abschiedsreden und zugleich auch wieder nicht.

Indem Jesus sagt, daß er all das ist, wird offenbar, daß er nicht nur den Weg zum Vater weist oder zum Vater vorangeht (den Gedanken, daß es dort viele Wohnungen gibt, finde ich überaus tröstlich, nicht nur für mich selbst). Er selbst ist zugleich dieser Weg.

Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Das ist ein Versprechen. Der Kirchenvater Chrysostomus meint: Dadurch zeigt er ihnen, daß sie ihm voll und ganz vertrauen sollen. Das ist der Weg.

Samstag, 21. Mai 2011

Das bleiche Licht unserer Nächte und unserer Träume


Um nochmal auf die Päpste und die Weltraumfahrt zurückzukommen: in der Ansprache Papst Pauls VI. an die Astronauten bei der ersten Mondlandung 1969 fand ich neben dem Echo der Stimme des Verkündigungsengels die Worte Ehre, Gruß und Segen euch, die ihr den Mond erobert habt, das bleiche Licht unserer Nächte und unserer Träume auch besonders schön.

Dazu muß man sagen: Papst Paul war der Papst meiner Kindheit. Obwohl ich damals noch nicht katholisch war, erinnere ich mich seiner recht gut als eines gütig, aber auch asketisch schmal aussehenden Mannes. Es hat mich daher überrascht und bewegt, solche geradezu hymnischen Worte von ihm zu lesen und zu erfahren, daß er sich dann zur Zeit hat wecken lassen und sich bis tief in die Nacht hinein die Mondlandung angeschaut hat.

Mad hatters – the story goes on…


Über Prinzessin Beatrices, äh, äußerst interessanten Hut hatte ich ja schon anläßlich seines Auftritts bei der englischen Hochzeit gebloggt. Der Ansichten und Assoziationen gab es viele. So empörte sich eine amerikanische Bloggerin über das unzweckmäßige Gebilde, mit dem die Prinzessin im Auto nicht einmal vernünftig sitzen konnte. (Daß das Teil ein Mann kreiert hat, war eh wieder mal klar, andererseits hat sie ja niemand gezwungen, es zu kaufen).


Die Einfälle dazu, an was einen das Teil erinnert, reichten von der Brezel über die Klobrille bis hin zum fliegenden Spaghettimonster. Während ich eigentlich nur dachte, „Schau an, wie vollendet der Hut das Muster des schmiedeeisernen Gitters hinter ihm nachbildet!“, hatten andere scheints ganz andere Assoziationen:



Nun ja. Im folgenden wurde dann nur noch von „Innereien“ geredet, was auch nichts besser machte.

Lange Rede, überhaupt kein Sinn, der Hut hat nach wie vor seine eigene Facebookseite und wird nunmehr versteigert. Aktuell liegt das Gebot bei eBay bei über 75,000 Pfund (die Auktion läuft heute aus, falls jemand noch soviele britische Pfunde und eine Verwendung für den Hut hätte). Der Grund, weshalb ich es noch einmal erwähne: der bei der Versteigerung dieser Kreatur Kreation erzielte Gewinn* fließt an die wohltätigen Organisationen Unicef und Children in Crisis. Das wiederum finde ich wirklich edel.

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*Update auf besondere Nachfrage: der Hut ging schließlich für 81,100 £ (ca, 93 000 Euro) weg.

Eine wunderbare Gelegenheit… Papst Benedikt spricht mit der ISS

Lust auf eine neue Frisur? Flieg mit der ISS!
In einem historischen Ferngespräch zur Raumstation ISS hat Papst Benedikt XVI. rund zwanzig Minuten mit den Astronauten gesprochen: „Dear astronauts, I am very happy to have this extraordinary opportunity to converse with you during your mission and especially grateful to be able to speak to so many of you as both crews are present on the space station at this time.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erkundigte sich der Papst unter anderem auch nach der Gesundheit des Kongreßabgeordneten Giffords, der Frau des Kommandanten der Endeavour. Während des Gesprächs legte die Raumstation einen Weg von über 8000 Kilometern zurück.


Obwohl „wir“ Papst sind, hat sich meines Wissens kein deutscher Sender dazu herbeigelassen, das Interview auszustrahlen oder wenigstens kurz darauf hinzuweisen. Aber eigens für gute – und manchmal völlig andere Nachrichten – empfange ich ja gottseidank die BBC und habe noch zugleich den Vorteil, daß keiner über den Originalton drüberspricht. Hier der Beitrag der BBC zum historischen Ferngespräch, dort ein Video der gesamten Übertragung bei Youtube.

Bei aller Rührung hatte ich den Titelsong des Musicals Hair im Kopf, wer das Foto sieht, weiß warum.

Freitag, 20. Mai 2011

Das Echo der Stimme der Engel


Ursprünglich für Anfang Mai vorgesehen, wird Papst Benedikt XVI. nun morgen (gegen ein Uhr mittags MESZ) mit den Astronauten auf der Raumstation ISS sprechen. 1969 hat Papst Paul VI. an die Astronauten des ersten Mondflugs diese bewegende Botschaft gerichtet:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind! Wir, demütiger Stellvertreter jenes Christus, der aus der Tiefe der Göttlichkeit zu uns kommend diese selige Stimme am Firmament hat erschallen lassen, machen Uns heute zum Echo dieser Stimme und wiederholen sie als festlichen Hymnus unserer ganzen Weltkugel, die nicht mehr unüberschreitbare Grenze der menschlichen Existenz, sondern offene Schwelle zur Weite des grenzenlosen Raumes und zu neuen Bestimmungen ist. Ehre sei Gott! Und Ehre den Menschen, die dieses große Raumfahrtunternehmen bewerkstelligt haben! Ehre den Verantwortlichen, den Wissenschaftlern, den Erdenkern, den Organisatoren, den Arbeitern! Ehre allen, die diesen so kühnen Flug ermöglicht haben! Ehre allen, die in irgendeiner Weise damit zu tun haben! Ehre allen, die vor ihren wunderbaren Apparaten sitzend das Unternehmen leiten, und allen, die der Welt das Werk und die Stunde bekannt geben, die die wissende und mutige Herrschaft des Menschen auf die himmlischen Tiefen ausdehnt. Hier spricht zu Euch, von seiner Sternwarte in Castel Gandolfo in der Nähe von Rom aus, Papst Paul VI. Ehre, Gruß und Segen Euch, die ihr den Mond erobert habt, das bleiche Licht unserer Nächte und unserer Träume. Bringt dem Mond mit unserer lebhaften Teilnahme die Stimme des Geistes, den Hymnus für Gott, unseren Schöpfer und Vater. Wir sind Euch nahe mit Unseren Wünschen und mit Unseren Gebeten. Mit der ganzen katholischen Kirche grüßt Euch Papst Paul VI.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Ein bißchen tütü…

Zwischendurch: wenn ich – auf konkrete Nachfrage – zur Seligsprechung Johannes Pauls II. in der Teeküche erkläre, daß ich a) tatsächlich an Wunder glaube und b) mir die Heiligen viel bedeuten, dann bin ich ein bißchen tütü.

Wenn zwei Leute sich in meinem Büro ellenlang und ungefragt über Seelenwanderung, Chakren und Auren austauschen, sind die nicht tütü, sondern ich gehe irgendwann raus und lasse die verdunkelten Auren mit den schlechten Chakren alleine.

Außerdem dürfen in meinem Büro keine Kakteen mit Stacheln stehen (wegen der schlechten Auren. Gliederkakteen ohne Stacheln sind dagegen aurenmäßig OK). Aber das ist auch nicht tütü…

Dienstag, 17. Mai 2011

Der gute Hirt als Wächter (mit schönem Haar oder auch ohne dasselbe)


Als Geburtstagsgeschenk gabs die Hl. Messe mit dem Weihbischof em. und das Evangelium, an das mir im Kopf herumgeht:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
Ich und der Vater sind eins.
In seiner Predigt am Sonntag des guten Hirten sprach unser Pfarrer vom wachenden Hirten, bei dem es weniger wichtig ist, ob er schöne Haare hat, sondern daß er mutig ist. Der Herr Weihbischof em. ging in seiner heutigen Predigt auf die Aussage Christi ein: Niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.

Etwas jemandem entreißen zu wollen erfordert wesentlich mehr Gewalt, als es ihm nur wegzunehmen. Trotzdem, wie groß die Aggression des Angreifers oder wie dunkel seine Absichten auch sein mögen, ist die Aussage völlig eindeutig: Niemand kann es tun. Das meint meiner Ansicht nach auch der Apostel, wenn er schreibt: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Sonntag, 15. Mai 2011

Meine Schafe hören auf meine Stimme – Guthirtensonntag

Verirrte Schafe, William Holman Hunt, 1852

Wenn Pfarrer in der Predigt die rhetorische Frage stellen, wer sich im Gleichnis vom guten Hirten wohl gern als Schaf sähe, möchte ich immer am liebsten aufzeigen: „Ich!“ Mir gefällt das Bild vom guten Hirten und auch die Rolle, die die Schafe darin einnehmen. So heißt es im heutigen Evangelium: … die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.

Wie das funktioniert, habe ich schon in meiner Kindheit erlebt, zwar nicht mit Schafen, aber mit Kühen: wenn ich zum Milchholen geschickt wurde und in den Kuhstall kam (ich kannte die Milchproduzentinnen persönlich) konnte ich erleben, daß die Kühe, ruft ein Vertrauter sie beim Namen, diesen erkennen und auf den Zuruf hin muhen.
Wer durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
Dieses persönlich vom Herrn beim Namen gerufen und geführt werden, das Hören auf seine Stimme und die Geborgenheit, die darin liegt, ist das, was mir an dem Bild vom guten Hirten so gefällt. Wieviele haben in schwerer Bedrängnis oder gar in der letzten Stunde ihres Lebens Trost gefunden im 23. Psalm, dem Antwortpsalm der heutigen Messe: Der Herr ist mein Hirte.
Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Etwas später spricht der Evangelist Johannes noch einmal von der Stimme des Hirten und seiner Verheißung für sie:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.
Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
Ich und der Vater sind eins.
Das Tal, durch das man wandert, kann trocken oder finster sein, neblig, so daß man den Hirten nicht mehr zu sehen meint, vielleicht hat man ihn auch aus den Augen verloren oder sich verirrt. Es kann das Tal der Krankheit sein oder das des Todes. Und doch ist er da. In den Sakramenten befreit uns der Hirt aus dem Dornengestrüpp, in dem wir uns möglicherweise verfangen haben und wir finden die Weide. Im Tod sind wir die, denen er ewiges Leben gibt.

Schönheit in der Liturgie

Noch mehr wunderschöne Bilder von P. Ulrichs Priesterweihe im Stift Admont gibt es hier zu sehen, mittlerweile ist sogar noch ein Video dazugekommen.

Neben allem anderen finde ich die dabei getragenen Gewänder und die liturgischen Gefäße bzw. Geräte meist außerordentlich schön – ich oute mich hier mal als Fan von Spitzenalben, schweren Leuchtern und bestickten Paramenten, weshalb mir auch die Veränderungen, die Papst Benedikt bzw. dessen neuer Zeremoniar Marini vorgenommen haben, sehr gut gefallen. Schade eigentlich, daß solche Dinge, auch wo man sie hätte, manchmal irgendwo unter sehr schlechten Bedingungen lagern und dabei nicht besser werden…)

Zelatus hat vor einigen Jahren Fotos gemacht, die Gewänder und Geräte der Salvatorianer in Steinfeld zeigen. Wenn man denkt, wieviel Arbeit und Liebe in solchen Dingen steckt und wie schön sie sind! Beeindruckend finde ich gegenüber heutigem sakralen Gerät, bei dem der Künstler mitunter so reduziert ist, daß er sogar noch die Gesetze der Zweckmäßigkeit grob vernachlässigt und Dinge wegläßt, die unbedingt gebraucht werden – wie etwa bei einem Leuchter den Fuß (merke: etwas Unzweckmäßiges ist per se niemals gutes Design) –, daß die Künstler, die früher sakrale Bauwerke und Geräte schufen, oft auch Stellen schön gestalteten, die man gar nicht sieht oder sehen kann. Es gibt Sakramentsnischen, die wie die zugehörige Kirche eine fein gemeißelte gotische Decke haben. Man sieht sie nicht – sie wäre nur zu ertasten, falls jemand so etwas täte –, aber sie ist da, zur Ehre Gottes.


Weihrauchfaß


Schiffchen


Chorhemd


Dalmatik

Donnerstag, 12. Mai 2011

Die Fensterrosette und das Licht der Offenbarung


So sehr wir auch Kirche der Sünder sind, so ist die Gnade Gottes auch jetzt schon siegreich. Siegreich in Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, wie es gerade in der Feier der österlichen Geheimnisse aufleuchtet und in seiner Auferstehung zum Hoffnungszeichen wird. Das Sieghafte an dieser Gnade und dem Erbarmen unseres Gottes ist aber auch schon erkennbar im Leben so vieler Menschen, die wir als heilige Frauen und Männer verehren, die mit uns gewöhnlichen Sündern zur Gemeinschaft dieser Kirche gehören. Das ist verwunderlich und tröstlich zugleich. Ich muß mir nicht für die Zukunft eine ideale Kirche erst erträumen. Ich kann getrost in der realen Kirche bleiben, die eine Kirche von Sündern ist, denn der Herr ist nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder, und Er hat bereits unübersehbar viele geheiligt, die treu geblieben sind. Uns allen zum Trost. –

Er hält Selig- und Heiligsprechungen für mittelalterlich, inflationär vollzogen und spricht angesichts von etwa 300.000 Euro Kosten für das Bistum Würzburg von Geldverschwendung. „Das sind unzeitgemäße Formen, die gerade die Leute heute nicht mehr ansprechen.“ Die Menschen suchten sich ihre Vorbilder selber.


Zwei Zitate – das erste ist das Schlußwort des letzten Hirtenbriefs unseres lieben Herrn Kardinals Warum ich in der Kirche bleibe, das zweite stammt von Magnus Lux, dem Sprecher von WisiKi (zitiert in der Mainpost) und bezieht sich auf die Seligsprechung Pfr. Georg Häfners am kommenden Sonntag. [1]

Lese ich diese beiden Zitate, muß ich gar nicht überlegen, welche Gedanken mir mehr sagen, nicht nur, weil sie ungleich schöner, erhabener, und – ja, tröstlicher – sind. Ich will mich auch gar nicht über Magnus Lux erheben und man muß eine Äußerung wie die seine nicht überbewerten. Bestürzend jedoch ist, daß er, ein Katholik, so gar nicht verstanden hat, worum es bei einer Seligsprechung eigentlich geht.

Die Kirche, die die Heiligen und Seligen hervorbringt, ist die Kirche Jesu Christi. Die Menschen, die die Kirche in das Verzeichnis der Heiligen und Seligen aufnimmt, sind Christus in besonderer Weise nachgefolgt. Etwas von dem göttlichen Glanz des Antlitzes Christi ist auch auf die Gesichter dieser heiligen Menschen gefallen und hat sie und ihre Herzen erleuchtet. Wenn wir in der Osternacht das Feuer von der Osterkerze weitergeben und der Priester gleich darauf im Exsultet singt:
Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.
steht mir oft dieses Bild vor Augen, denn die Osterkerze ist ein Symbol für den menschlichen Leib Christi, die Flamme für seine göttliche Natur. Wie die Osterkerze mit dem Leib Christi und dessen menschlicher Natur verglichen wird, die sich für uns verzehrt, so wird das Licht, das sich in die Runde verteilt hat, verglichen mit der einzelnen Seele, die sich Gott geweiht hat und deren Licht nichts von der Kraft des Glanzes Christi verloren hat.

„Wer kennt denn den Häfner?“ fragt Lux im folgenden noch. Niemals ist es der Kirche darum gegangen, nur solche Menschen heiligzusprechen, die schon besonders bekannt oder prominent sind. Sie gedenkt ebenso derer, von deren Leben und Sterben wir bis dahin wenig gewußt haben und auch solcher, die unerkannt unter uns gelebt haben. Dafür hat sie sogar ein eigenes Hochfest geschaffen, das Hochfest Allerheiligen.

Bei der Heiligsprechung nimmt die Kirche die Namen der Heiligen und Seligen in ein Verzeichnis auf, das Martyrologium. In Klöstern ist es vielfach Brauch, das Martyrologium eines jeden Tages der Gemeinschaft vorzulesen. In Klöstern, die das feierliche Chorgebet pflegen, geschieht das an hohen Festtagen mit besonderer Feierlichkeit: zur Vortrag des Martyrologiums treten Novizen als Leuchterträger hinzu. Der Sinn des Brauches, das Martyrologium vorzutragen, das neben der Angabe des Ortes und der Umstände des Todes eines Heiligen auch eine kurze Wiedergabe seines Lebens enthält, ist eben der, daß diejenigen, die den Heiligen nicht kennen oder wenig von ihm wissen, etwas mehr von ihm erfahren und auf welche Weise die Gnade Gottes sich in seinem Leben und Sterben in besonderer Weise widergespiegelt hat.

In seiner Predigt zum Hochfest Allerheiligen verglich unser Pfarrer das Licht der Offenbarung mit einer Fensterrosette, die das Licht in Tausende von Farbtönen bricht. Dieses durch die vielen Facetten einer Rosette gebrochene Licht der Offenbarung, dessen Farben zusammen genommen doch wieder das reine Licht ergeben, will die Kirche den Menschen nahebringen, wenn sie Heilig- und Seligsprechungen vornimmt.

Unzeitgemäß? – Nein, ich möchte vielmehr mit dem Herrn Kardinal behaupten, dies hat zu allen Zeiten die Menschen angesprochen, berührt und zum Guten bewegt – nun schon über 2000 Jahre lang.

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[1] Offen gestanden kann einem schon ein wenig auf den Zeiger gehen – Elsa hatte das einmal sehr pointiert formuliert –, daß von hiesigen Medien oft diejenigen bevorzugt zu einem Thema befragt werden, die sich erkennbar am wenigsten mit einem Thema auskennen oder einen Bezug dazu haben (ein Schelm, wer arges dabei denkt). Zur Seligsprechung P. Georg Häfners gibt es soviel zu sagen, es gibt sogar eine Facebook-Seite mit Materialien des Erzbistums und Zitaten aus seinen letzten Briefen. Ich möchte einmal erleben, daß eine Zeitung bei Papst Benedikt anfragt, was er von der anstehenden Seligsprechung hält – dabei käme etwas heraus, das sich sehen lassen könnte! Wie sowas geht, haben uns die Italiener ja neulich sehr schön vorgemacht. Man könnte auch den Postulator des Seligsprechungsverfahrens fragen, der dieses 25 Jahre(!) vorangetrieben und ein Buch darüber geschrieben hat. Stattdessen holt man zum x-ten Mal einen Küng, Drewermann oder eben Lux aus der Puppenkiste mit den gruseligen Figuren. Löse ich mich von diesem leisen Überdruß, bleibt Bedauern. Eigentlich ist es schade.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien – Seligsprechung P. Georg Häfners

Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. (Joh 10, 11-13)

Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er aber erwiderte ihnen: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien! (Lk 19,3
9)


Am diesjährigen Sonntag des guten Hirten, dem 15. Mai, wird die Kirche in Würzburg den Priester und Bruder des dritten Ordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel, Aloysius vom Heiligsten Sakrament seligsprechen.

Wer war P. Aloysius? Etwas besser bekannt ist er unter seinem bürgerlichen Namen Georg Häfner. Dieser stammte aus einfachen Verhältnissen und wuchs in der Nähe eines Karmelitenkonvents auf. Früh wußte er sich zum Priestertum berufen. Ein Jahr nach der Aufnahme des Studiums der Theologie trat er in den dritten Orden der Karmeliten ein und empfing 1924 die Priesterweihe. P. Aloysius wirkte in seinem priesterlichen Leben als Kaplan und schließlich als Pfarrer der Gemeinde Oberschwarzach. Zum Märtyrer wurde er, weil er sein priesterliches Amt treu versah und weil er die Worte Christi lebte: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch mißhandeln.

Obwohl ihm die Nationalsozialisten zuwider waren, weshalb ihm das Erteilen von Religionsunterricht an der Schule verboten wurde, spendete er einem schwer erkrankten Mitglied der NSDAP, der ihn deswegen rufen ließ, die hl. Kommunion. Daß er dem Offizier zuvor eine schriftliche Erklärung abverlangt hatte, wurde Pfr. Häfner zum Verhängnis. Er wurde von einem anderen Mitglied der Partei denunziert und Anfang Oktober 1941 verhaftet. Nach dreimonatiger Haft in Würzburg schaffte man ihn ins Konzentrationslager Dachau. Dort litt er unter Mißhandlung und großen Entbehrungen, klagte aber nie, wie wir aus den Berichten Überlebender wissen. Aus der Zeit seiner Gefangenschaft sind insgesamt 21 Briefe erhalten. Am 9. Dezember 1941 schrieb er:  
Es ist vom Herrgott bestimmt, daß ich den Kreuzweg weitergehe … Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein; am 12. Juni 1942: Mit Gottes Hilfe hoffe ich durchzuhalten, gestützt auf das Gebet meiner Lieben und meiner Gemeinde, die ich Tag für Tag in mein Gebet und Opfer einschließe. … Wir haben jeden Tag Gelegenheit, die hl. Messe zu hören und zu kommunizieren.
Am 20. August 1942 erlag Pfr. Häfner einer schweren Infektionskrankheit und der Auszehrung durch beständigen Hunger. Zur Beisetzung seiner Überreste im September kamen weit über 1000 Menschen. Obwohl die Behörden die große Beteiligung an der Beisetzung kleinreden wollten, hatte der Trauerzug auch den Anstrich einer stillen Demonstration.


Am Rand der Gedenkstätte Dachau, dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, auf dem soviel Leid und Unrecht geschehen ist, wurde 1964 ein Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen errichtet, der Karmel Heilig Blut. Dies geht im wesentlichen auf die Initiative der ersten Priorin, Sr. Maria Theresia von der gekreuzigten Liebe zurück, die zu dieser Gründung eine Berufung fühlte. – Der Karmel Heilig Blut ist das erste Kloster, das ich im Leben gesehen habe, als Schülerin, bei der obligatorischen Fahrt zur Gedenkstätte. Vielleicht war ich die einzige meiner Gruppe, die hineingegangen ist und einige Zeit in der Kirche verbracht hat, die Atmosphäre und der Geist des Gebets dort sind mir jedenfalls unvergeßlich geblieben.

Man betritt den stillen Vorhof des Klosters durch einen der ehemaligen Wachttürme des Lagers. Der Konvent ist vollständig ebenerdig und hat die Form eines Kreuzes, mit der Klosterkirche als Herz. Die Zellen der Schwestern sind in Form kleiner Häuschen gebaut, die Einsiedeleien gleichen und wie die Zellenhäuschen der Kartäuser am großen Kreuzgang liegen. Eine der drei Glocken im Dachreiter, die zum Stundengebet und zum Gebet für die Sterbenden zur Todesstunde Christi läuten, stammt aus dem Gefängnis Stadelheim, wo sie zu den Hinrichtungen angeschlagen wurde. Der Karmel bewahrt bis heute Gewänder und Hinterlassenschaften der fast 3000 Priester, die im sogenannten Priesterblock in Gefangenschaft waren und von denen über 1000 ihr Leben gelassen haben, als treue Hirten, die ihr Leben hingaben für die Schafe.


Eingang zum Vorhof – das rote Schild bittet
in mehreren Sprachen um Ruhe und Sammlung
an diesem Ort des Gebets
Der Karmel von der Gedenkstätte aus gesehen
Innenansicht – im Hintergrund der Dachreiter der Klosterkirche.
Die Fenster gehören nicht zu den Zellen der Schwestern;
diese blicken sämtlich auf die Gedenkstätte hinaus.

Dienstag, 10. Mai 2011

Wenn der oberste Fischer in See sticht…




Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. (Mk 1,17)

Montag, 9. Mai 2011

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche


Den letzten Beitrag Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit über die koptischen Märtyrer habe ich recht flott geschrieben und deshalb später noch über den Satz Wir jedoch wissen: das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche nachgedacht – nicht, weil er etwa nicht stimmte, sondern weil er möglicherweise von wichtigen Dingen ablenkt.

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche – das wissen wir und daran glauben wir. Daß die Hoffnung der Gerechten voll Unsterblichkeit ist, heißt jedoch nicht – und sollte es auch nicht heißen –, daß nicht auf diese Weise hier in der Sterblichkeit unendliches Leid über Menschen gebracht wird.

Ein zweites tritt hinzu: im Unterschied zu fast allen Märtyrern – die, die im Martyrologium stehen und die, deren Namen niemand kennt –, haben sich die bei Attentaten oder Pogromen Ermordeten vermutlich nicht, wenigstens in einem kurzen Augenblick, für das Martyrium entscheiden können. Bei einer Predigt, die ich kürzlich gehört habe, nannte der Prediger das Martyrium die unwiderruflichste Entscheidung für Christus und die Bindung an ihn. Das ist so wahr, daß ich es mir bisher nicht einmal wirklich bewußt gemacht habe.

Ein drittes: wenn die Christen in den arabischen Ländern systematisch verfolgt werden, wo soll der Same wachsen, den das Blut der Märtyerer hervorbringt? Antworten darauf können uns Untergrundkirchen wie die in China oder Japan geben, wo Christen in der Verfolgung und Verborgenheit überlebt haben, manchmal jahrhundertelang. Der Herr selbst sichert dem Petrus zu: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Ein Grund auch, sich in Freude und Dankbarkeit an die Gnade des eigenen Getauftseins zu erinnern und der vielen Möglichkeiten, wie wir hier haben, die verfolgten Christen jedoch nicht. Sie brauchen unsere Stimme, unser unablässiges Gebet.

Als der Erzbischof von Algier, Ghaleb Bader, mit einigen anderen Bischöfen Mitte April zur Abendmesse kam und die Predigt hielt, berichtete er über die Lage der Kirche vor Ort, das Zusammenleben von Christen und Muslimen, in dem es durchaus auch Zeichen der Hoffnung und Versöhnung gibt. Er schloß mit der Bitte um unser Gebet und versicherte uns gleichzeitig des Gebets der algerischen Christen. Das hat mich wirklich sehr bewegt: die verfolgten Christen, die in der ärgsten Diaspora leben, beten für uns.

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Bilder: Wandmalerei in der Calixtus-Katakombe aus dem 2. bis 3. Jahrhundert

Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit – 49 koptische Märtyrer seit Januar 2011


Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual kann sie berühren. In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden. In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit. (Weish 3, 1-4)

Über die eigenartige Weise wie hier in Deutschland über das Leben und Sterben der Kopten in Ägypten Bericht erstattet wird, hatte Josef Bordat in seinem Beitrag Dumme Nachricht über die die Schlagzeile der Tagesschau Neue Gewalt zwischen Kopten und Muslimen in Ägypten ja schon hingewiesen. Vielerorts, zum Beispiel auch bei Wikinews, wird getextet: „Bei Straßenschlachten zwischen Kopten und Moslems kamen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zwölf Angehörige beider Konfessionen ums Leben, 230 Menschen wurden verletzt.“ Man beachte die nivellierende Form, die unterbliebene Erwähnung, von wem die Aggression ausging und die Nennung der Kopten jeweils an erster Stelle. Erlaube, die Kopten haben gar nichts gemacht: sie sind einfach nur da – und selbst das ist offenbar zuviel.

Ein Gastbeitrag auf dem Blog Kopten ohne Grenzen berichtet über die große Unterschiedlichkeit in der Definition bzw. des Bedeutungsgehalts solch elementarer Begriffe wie Respekt, Ehre und Märtyrer in den beiden Religionen. Zenit wiederum bringt ein weiteres Mal auf den Punkt, wie es sich in Wahrheit verhält: Ägypten: Mindestens 49 Kopten sterben seit Januar 2011 wegen ihres Glaubens eines gewaltsamen Todes.

Fassen wir zusammen: In Ägypten werden Christen wegen ihres Glaubens ermordet, aber die Welt als solche kümmert es nicht. Wir jedoch wissen: das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.

Maria, Königin der Märtyrer, bitte für sie.
Ihr Märtyrer, bittet für uns.

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Bild: Martyrium des hl. Dionysius auf dem Montmartre, dem Berg der Märtyrer.

Herz Jesu, Gottes Opferbrand




Herz-Jesu-Freitag in der Abendmesse. Angeschlagen ist als Dankgesang GL 858, 4, 5: Herz Jesu, Gottes Opferbrand – ein wunderbares Lied. In meinem Kopf formiert sich eine vage Denkblase: „Komisch, ich hab immer nur eins bis drei gesungen, vier und fünf kenne ich gar nicht auswendig. Macht aber nix, ich hab eh bei der Purifikation zu tun.“ Stimme des Organisten aus dem Off: „Herz Jesu, Gottes Opferbrand hat nur drei Verse. Wir beginnen beim ersten!“ (Ach?!) Die Gemeinde: blätter-blätter. Also ich hätt ja nix gesagt und a la Paulus auf Hymnen und Lieder gewartet, wie der Geist sie euch eingibt…

Die Bilder oben zeigen Herz-Jesu-Feuer. Es handelt sich dabei um einen Brauch in Tirol, am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu oder am Sonntag danach, dem sogenannten Herz-Jesu-Sonntag, solche Feuer auf Berghängen zu entzünden.
Herz Jesu, Gottes Opferbrand, der unsre Lieb entfachte!
O Herz, in Nacht zu uns gesandt, als Schuld den Tod uns brachte!
Wir stachen dich mit Spott und Wut, du tauftest uns mit deinem Blut.
Nun müssen wir dich lieben.

Wer liebt, der kehrt zu dir nach Haus und ist der Nacht entrissen.
Er sendet neu mit dir sich aus als Licht zu Finsternissen.
Du bist die Sonne, wir der Schein, wir können ohne dich nicht sein
und ohne dich nicht lieben.

Herz Jesu, Trost der ganzen Welt, mach unser Herz zu deinem!
Nimm unsre Herzen ungezählt und mache sie zu einem!
Laß uns den Haß, das bittre Leid fortlieben aus der dunklen Zeit:
Laß uns dein Reich erscheinen.

Sonntag, 8. Mai 2011

Maria, Mutter des Erlösers, Mutter der Kirche

Heilige und makellose Jungfrau Maria, ich weiß nicht,
wie ich dich loben soll. Ihn, den die Himmel nicht fassen
können, hast du in deinem Schoß getragen. (Responsorium)
Christus setzte dort zuerst das Heilmittel der Erlösung an, wo die erste Verwundung geschah: Er stieg seinem Wesen nach in den Schoß der Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen … Schon damals bewirkte Christus unser Heil in der Mitte der Erde, das ist im Schoße der Jungfrau Maria, die wegen ihrer wunderbaren Eigentümlichkeit die Mitte der Erde genannt wird.

Denn auf Maria, den Mittelpunkt, die Arche Gottes, die Ursache der Dinge, das Interesse aller Zeiten, blicken die Bewohner des Himmels und die Bewohner im Reich des Todes, unsere Vorfahren, wir und jene, die nach uns kommen, deren Kindeskinder und deren Nachkommen: jene im Himmel, damit sie durch die Auferstehung des Fleisches vollendet werden, und die im Reich des Todes, damit sie errettet werden; die Vorfahren, weil die Propheten als wahr befunden werden; die Nachkommen, damit sie zur Herrlichkeit gelangen. Ja, selig werden dich preisen alle Geschlechter, Gottesgebärerin, Herrin der Welt, Königin des Himmels! Alle Geschlechter sage ich! Es gibt nämlich Geschlechter des Himmels und der Erde. Der Vater der Geister ist es, sagt der Apostel, „nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden benannt wird“. Deshalb werden dich also selig preisen alle Geschlechter, weil du allen Geschlechtern das Leben und die Herrlichkeit geboren hast. (aus einem Sermo des hl. Bernhard von Clairvaux zum Pfingstfest)

Ich gehe fischen! (Lost in translation)



Das Evangelium vom wundersamen Fischzug ist auch das Evangelium des Freitags in der Osteroktav, darum hatte ich mir an diesem Tag schon Gedanken darüber gemacht (und dann gleich nochmal) – und hier ist noch ein Fischzugsbild von Tissot.

Über Googles teils erstaunliche Übersetzungen hatte ich mich vor einiger Zeit ja schon mal ausgelassen. Hier noch so eine Schote aus der Kategorie: wie kann denn sowas passieren? Der Unterschied zwischen Nein und Ja ist ja doch ein ziemlich großer. In der englischen Fassung hätte Jesus am Ufer jedenfalls von den Jüngern ein Frühstück bekommen und das Evangelium wäre dann vielleicht ganz anders weitergegangen. Menschen sind eben einfach nicht zu ersetzen.


Mein persönliches Übersetzerhighlight aus der Seligsprechung am letzten Sonntag war übrigens das Wort vollbrungenIch weiß genau, wie sowas passiert: irgendwann fängt man an, beim Wechsel zwischen mehreren Sprachen merkwürdige Redewendungen in der eigenen zu verwenden, wie etwa „geflochted“ oder die Verwendung des Wortes „wenn“ in der Weise wie „als“: „Wenn ich noch im Süden gewohnt habe…“)

Freitag, 6. Mai 2011

Süßes Holz, o süße Nägel – die Arma Christi

Vittorio Carpaccio, 1496
unbekannter elsässischer Meister, um 1450
Geertgen tot Sint Jans, 1486
Pietro Perugino, um 1470

Bei Dismas findet man einen schönen Beitrag über das Fest der heiligen Lanze, das in der Liturgie zu den Wegbereitern der Herz-Jesu-Verehrung gehört.
Süße Lanze, Gottes Seite
Netze dich mit ihrem Blut!
Süßer Speer, aus Gottes Herzen
Rötet dich in Gnadenflut!
Rettung finden alle Sünder
Still in Gottes Gnadenglut.
Das Eingangswort des Verses, Süße Lanze…, mag den einen oder anderen etwas seltsam anmuten; manchem ist das auch zu blumig, na also, süße Lanze, netze dich mit ihrem Blut, ob das für den Herrn jetzt so toll war? Solche Darstellungen sind jedoch meilenweit entfernt von der Verherrlichung oder Verkitschung des Leidens an sich, sie sind reiner Lobpreis Gottes und seiner unendlichen Gnade und Barmherzigkeit.


So finden sich in der christlichen Ikonographie vielfach Darstellungen des Schmerzensmannes mit den Leidenswerkzeugen, die oft umrahmt sind von vier Engeln, die diese Leidenswerkzeuge, die Arma Christi, halten. Ähnliches finden wir in dem wirklich wunderbaren Laudeshymnus der heiligen Woche und dem des Festes Kreuzerhöhung: Heilig Kreuz, du Baum der Treue:
Süßes Holz o süße Nägel,
welche süße Last an euch!
Ich denke, daß diese Betrachtung, die selbst die Leidenswerkzeuge des Herrn mit hineinnimmt in die Lobpreisung, wirklich nur vom Heil des Kreuzes und vom Licht von Ostern her gesehen und auch verstanden werden kann. So fährt der Hymnus ja unmittelbar darauf auch mit der Gnadenflut fort, die sich aus dem Herzen Christi über uns ergießt. Welche Worte findet nicht das Exsultet, um dies zu besingen?
O unfaßbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin! O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! O wahrhaft selige Nacht, dir allein war es vergönnt, die Stunde zu kennen, in der Christus erstand von den Toten. Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“ Der Glanz dieser heiligen Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld, gibt den Sündern die Unschuld, den Trauernden Freude. Weit vertreibt sie den Haß, sie einigt die Herzen und beugt die Gewalten.

Auferstandener mit Wundmalen
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