Montag, 28. Februar 2011

Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen?

Diese Lesung hat mich gestern sehr berührt:
Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht – Spruch des Herrn. (Jes 49, 14-15)
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen? fragt der Prophet Jesaja rhetorisch. Ja, das kann sie. Es gibt Geschichten von Müttern, die – wie in einem Fall vor Jahren berichtet wurde – ihr neugeborenes Kind in den Keller getragen und dort, wohl in einem psychischen Ausnahmezustand, buchstäblich vergessen hat. Es gibt Eltern, die den ihnen geschenkten Kindern Entsetzliches antun. Für sie alle gilt die unmittelbar erfolgende Antwort Gottes: Selbst wenn die Eltern ihre Kinder nicht so lieben, wie diese es gebraucht oder sich ersehnt hätten – Gott vergißt sie nicht.

Eine anrührende Predigt über die Vergebung der Kinder gegenüber den eigenen Eltern hat uns an Allerseelen unser Pfarrer gehalten. Ein lesenswerter Beitrag zu der Lesung aus Jesaja ist hier bei den fünf Broten und den zwei Fischen.


Bild: Madonna mit Kind (Detail), Filippino Lippi (via Father Z.)

Berufungsgeschichten – Sr. Marie Jacinthe vom unbefleckten Herzen


Die Frauen kommen zum Gebet zusammen. An der Kapellentür taucht die erste zwei Fingerspitzen in das Weihwasserbecken und gibt es den Fingerspitzen der nächsten Schwester weiter. Die dritte Schwester taucht die Finger in das Becken und gibt den Tropfen der vierten weiter Die fünfte gibt der sechsten. Zu zweien betreten sie den heiligen Raum, knien synchron vor dem Altar, küssen die Holzdielen des Bodens, stehen auf, verbeugen sich gegeneinander. Ihre Bewegungen sind langsam und fließend. Ein Attribut kommt ihnen zu, welches das Französische in eine einzige Vokabel faßt: „grace“. Die deutsche Sprache differenziert hier: Dank und Anmut und Gnade.

Alle diese Frauen sind Töchter und Geschwister, waren Freundinnen und Schülerinnen. Einige haben studiert, andere arbeiteten in Büros, manche sind Lehrerinnen gewesen oder haben auf dem elterlichen Hof mitgeholfen. Nun sind sie nichts mehr von alledem; sie sind Bräute Jesu Christi, dem sie sich täglich unterwerfen. „Ich bitte dich um Verzeihung, ich bete dich an, ich liebe Dich“. Sie beten auf den Knien, die geschlossenen Augen dem Altar zugewandt, die Hände gefaltet. Bis sie aufstehen, um sich auf das herunterklappbare Holzbrett ihres Gebetstuhls zu setzen. Die Priorin nimmt ein Stundenglas und dreht es um: Sand rieselt. Die nächste Viertelstunde verharren die Frauen in regungsloser Meditation.

Gegen Ende der vierzehn Tage, die ich hier verbrachte, war es mir möglich, Interviews mit einigen der Frauen zu führen. Diese Gespräche waren vorbereitet und fanden in Anwesenheit der Priorin und Sr. Véroniques statt.

Sr. Marie Jacinthe du Cœr Immaculé ist die Jüngste. Wer sie samstags sieht, wenn sie mit der hohen Leiter auf den Altar steigt und von dort, auf den Zehenspitzen balancierend, mit dem Wedel die Schnitzereien des hölzernen Baldachins abstaubt, der ahnt, warum es praktisch ist, wenn die jungen Nonnen gleich nach dem Noviziat in der Sakristei helfen. Sr. Jacinthe ist 28 Jahre alt; seit vier Jahren lebt sie den strengen Alltag eines Opfers. Ihre „vocation“, die göttliche Berufung in den Stand der Nonnen, war ihr nicht spektakulär vorgekommen. Etwas wachse in einem. Sie habe lange nicht gewußt, ob Gott wirklich wolle, daß sie in ein Kloster käme. Sie sei sehr lebhaft gewesen, ein junges Mädchen in Marseille, wie andere auch. Aber wenn Gott einen rufe, ändere man sich, wie dann im Kloster übrigens auch, sehr schnell.

Als sie 16 oder 17 Jahre alt war, habe sie etwas in sich gespürt, das sei so schön gewesen und ihr so kostbar erschienen, daß sie es um keinen Preis habe verlieren wollen. In der Welt – das ahnte sie – würde sie sich diese Liebe nicht bewahren können. Sie wußte nicht, wohin sie gehen solle. Ein Priester nannte ihr die Adresse der Opfer. Ihre Tante, Schwester in einem moderneren Orden, riet ab: „Willst du in einer Tracht herumlaufen wie im Mittelalter? Das dort ist die Religiosität des 19. Jahrhunderts, das hat mit unserer Wirklichkeit nichts zu tun.“
Sie kaufte sich einen Stadtplan von Marseille und suchte die Rue Levat. Am Sprechgitter hörte sie das Lachen der Priorin und die sanfte Stimme Sr. Véroniques. Durch die Winde nahm sie Bücher entgegen. Sie informierte sich über andere Orden, erwog eine missionarische Gemeinschaft. Als einmal unvermittelt die Stimme der Priorin am Gitter fragte: „Wo willst du nun eintreten?“, habe sie „hier“ geantwortet. Zu Hause sagte die Mutter kein Wort, der Vater weinte.

Quelle: A. Overath: Stilles Glück

Aus einer zeitlichen Distanz von mehr als zwanzig Jahren betrachtet, finde ich die Entschiedenheit und Stärke dieser jungen Schwester bemerkenswert. Gegen den Rat ihrer Tante hat sie gerade dieses Leben gewählt, zu einer Zeit, in der die Entscheidung für einen solchen Orden noch wesentlich „unpopulärer“ war (den siebziger und achziger Jahren). Sr. Gemma Hinricher OCD hat dazu einmal angemerkt, daß junge Leute „oft lieber etwas Radikales tun“.

Sonntag, 27. Februar 2011

Seigneur, le silence est votre louange (5)

Das Kloster ist ein Haus voller Glockenschläge. Glockenzeichen erinnern an die Stunde des Gebets. Andere geben Alarm, wenn ein Lieferant oder ein Handwerker die Klosteranlage betritt. Dann greifen die Nonnen zu einem zweiten Schleier und bedecken ihr Gesicht. Jede Nonne kennt Zahl und Rhythmus der Schläge, mit denen sie selbst gerufen werden kann. Im Flur notiert eine Tafel ein Glocken-Morsealphabet für die Bewohnerinnen des weitläufigen Hauses. Untereinander kommunizieren sie mit einer etwa drei Dutzend Gesten umfassenden Zeichensprache, dem „faire signe“. Die Fingerspitzen auf den Kopf gelegt heißt: Ich suche Notre Mère; auf ein Auge gelegt: Ich suche die stellvertretende Priorin; faßt sich die Nonne an den Schleier, sucht sie die Mère Maitresse, die Novizenmeisterin; faltet sie die Hände, geht sie zur Anbetung in die Kapelle; kreuzt sie die Finger, ist sie auf dem Weg zum Parloir. Sie gibt auch ein Zeichen, wenn sie die Toilette aufsucht, dann faßt sie sich an die Stirn.

Das „faire signe“ überzieht die Gemeinschaft der Nonnen mit einem lautlosen Netz ständiger gegenseitiger Aufmerksamkeit, die jedoch nicht Gefahr läuft, in die Eigendynamik eines Gespräches zu geraten. Die gesprochene Sprache des Klosters ist das im Brevier fixierte Gebet, das Psalmodieren auf einer Note oder die laute Lektüre geistlicher Texte etwa während des Mittagessens. Was nach den Mahlzeiten, und den kurzen Erholphasen, der „Récréation“ gesprochen wird, ist ein von der Priorin angeleitetes Sprechen in der Gruppe. Das Klosterleben ist so durchstrukturiert, daß in ihm Sprache als Ausdruck eines Individuums keine – zumindest keine wichtige – Funktion haben soll. Eine Schrifttafel sagt: „Die stille Seele hört Gott.“ Höflich, um Gott nicht zu unterbrechen, schweigen die Nonnen.

Ich war ohne Aufnahmegerät gekommen und hatte mir vorgenommen, zu Beginn meines Aufenthalts nicht mitzuschreiben, um die Lebensform der Frauen nicht zu stören. Aber Notre Mère befand durchaus, daß eine Journalistin mitschreiben solle. Ihre Geduld mir gegenüber habe ich als eine ihrer Bußübungen verstanden.


Tag für Tag unterwerfe ich mich dem Ritual des Einlasses in den Konvent. Von der Besucherzelle bei Madeleine, der weltlichen Gehilfin der Schwestern, die mit dem Hausmeisterehepaar Nougier im alten Mönchsflügel wohnt, komme ich herüber an die hohe Tür, die in den inneren Bereich des Frauenklosters führt. Hier muß die Glücke gezogen werden. nach Minuten des Wartens öffnet sich durch Kettenzug die etwas abseits liegende Tür ins Parloir. Vor dem eigentlichen Gitter ist eine schwarzer Winde in die Wand eingelassen. Sie dient, mit Sichtschutz, als Durchreiche für die Post und die Geschenke der Gläubigen aus der Nachbarschaft – ein Brot, eine Flasche Öl, ein gebrauchtes Paar Schuhe gegen ein Gebet.

Ich gewöhne mir an, laut in das runde Schwarz zu sprechen, jedesmal erleichtert, wenn tatsächlich Sr. Marie Ange de Gethsémané antwortet. Sie ist die innerklösterliche Pförtnerin und für die Kontakte am Parloir zuständig. Ich bitte um Einlaß: Gelobt sei Jesus Christus. Ainsi soil-il! In Ewigkeit, Amen. Ich verlasse den dunklen Raum um draußen vor der Konventstür wiederum zu warten, bis schließlich nach einigen Minuten das Geräusch von vier sich öffnenden Schlössern die Priorin und Schwester Véronique ankündigt. Der schwarze Schleier der Priorin führt, der schwarze Schleier Sr. Véroniques folgt: Ich habe im Kloster keinen Schritt ohne Aufsicht getan.
Quelle: A. Overath: Stilles Glück

Stilles Glück

Für die Miniserie Seigneur, le silence est votre louange haben sich Leser auf der ganzen Welt interessiert. Da Veröffentlichungen über die Religieuses Victimes du Sacré-Cœur de Jésus naturgemäß sehr selten sind (wie das kroatische Blog Splendor Domini völlig zu Recht festgestellt hat) und GEO den Verkauf derart „antiker“ Hefte anscheinend eingestellt hat, habe ich mich entschlossen, die Reportage Stilles Glück von Angelika Overath aus dem Jahr 1992 zugänglich zu machen.

Die Lebensweise der Schwestern ist so zeitlos, daß sich seit der Gründung kaum etwas verändert hat, auch nicht seit 1992. Die Kaninchen, von denen auch berichtet wird, haben sie wohl inzwischen nicht mehr.

Im Text habe ich mir erlaubt, kleinere Übertragungsfehler aus dem Französischen zu korrigieren. Vertrautheit mit katholischen Gebeten oder dem klösterlichen Binnenslang kann man bei keinem Menschen einfach so voraussetzen. Sehr gut gefällt mir die eingefangene Stimmung, besonders deutlich wird dies in den Gesprächen mit einzelnen Schwestern darüber, was sie zum Eintritt in das Kloster bewogen hat. Erfreulicherweise kommt die Autorin völlig ohne jene platten Fragen aus, ohne die es heute manchmal ja nicht mehr zu gehen scheint.

Ich setze die Reihe also fort. (Wenn man mich ganz lieb anschaute, brächte ich die Texte auch in ein vernünftiges Englisch. Google Translator ist oft so grausam.)

Samstag, 26. Februar 2011

Seigneur, le silence est votre louange (4)

Paris, 13. September 1969. Dominique Chiron, Studentin der Rechte, 22 Jahre alt, wird von ihrem Vater an den Bahnhof gebracht. Beide verabschieden sich nur noch kurz. Dominique Chiron wird nicht zurückkommen. Sie reist ohne Gepäck. In Marseille wird sie von einer Frau empfangen, in deren Wohnung sie die Nacht verbringen kann. Am nächsten Morgen nimmt sie den Stadtbus Richtung Belle de Mai in das Viertel der Marseiller Tabakarbeiter. Die letzten 200 Meer geht sie zu Fuß. Sie zieht an der Glocke der unauffälligen Holztür Rue Levat Nr. 28, die in einer gewaltigen Natursteinmauer Verschwindet. Dominique Chiron wird erwartet.

Der 15. September 1969, ein Sonntag, ist für die 44jährige Schwester Véronique de la St. Face ein Datum, das ihr geläufiger ist, als der Tag ihrer Geburt: Sie ist in das Kloster der Opfer des Heiligsten Herzens Jesu eingetreten. Am Morgen dieses Tages hat die heutige stellvertretende Priorin sich im Garderobenspiegel zum letzten Mal ins Gesicht gesehen. Die Regel des Klosters verbietet Spiegel. „Dieu seul“, Gott allein, zu leben, bedeutet Verzicht auf sich selbst, auch auf das eigene Bild – und Verzicht auf die Welt. Die in der Klostergemeinschaft der „Opfer“ versammelten Frauen sind Mystikerinnen, die ihr Dasein nach wie vor den strengen Regeln unterwerfen, welche Die Ordensgründer vor 150 Jahren erlassen haben. Nur in Ausnahmefällen und in Anwesenheit der Priorin dürfen sie in einem dunklen Raum, dem Parloir, durch ein Sprechgitter mit gläubigen Verwandten und Freunden reden. Wenn nicht ein schwerer Krankheitsfall es erzwingt, verlassen sie das Kloster nie.

Es kam einem Wunder gleich, daß der französische Fotograf Olivier Martel nach jahrelangem Bemühen das Vertrauen der Priorin gewinnen konnte und die Erlaubnis erhielt, im Konvent zu fotografieren. Die Frauen haben ihn ihm wohl ein Werkzeug Gottes gesehen, durch das sie einer breiten Öffentlichkeit ein Signal von ihrem verborgenen Leben, ihrer Hingabe und ihrer religiösen Leidenschaft geben sollten,

Um den Ordensschwestern auf der Stelle zeigen zu können, was er tat, arbeitete Olivier Martel zunächst mit einer Polaroidkamera. Mit seinen Bildern begegneten die Frauen nach Jahrzehnten, manche nach einem halben Jahrhundert, zum erstenmal wieder ihrem eigenen Gesicht. Alle waren sehr erstaunt, gealtert zu sein. Nicht alle erkannten sich wieder. Sie versicherten, ihnen sei, als wären sie gestern erst eingetreten.

Die Bilder bewiesen ihnen etwas, das sie selbst nicht erlebt hatten: Zeit war vergangen. Diese verlorene Wahrnehmung erklärten sie bescheiden mit ihrem gleichförmigen, genau festgelegten Tagesablauf. Aber dann lachten sie. Der Augenblick den das Polaroidfoto festhielt, war Fiktion: Die Wahrheit ist, daß Jahrzehnte ihres Lebens im Nu verfliegen, weil sie nichts anders sind als ein kurzer Moment in Gottes Ewigkeit.


Ein schwarzer Schleier fällt über eine jutebraune Tunika und führt durch einen langen Gang; ein schwarzer Schleier folgt. Der Boden ist mit roten Steinen ausgelegt, von der Art, die Spaziergänger noch heute auf den Plätzen des alten Marseille finden können. Die hohen weißen Wände sind mit den Schrifttafeln versehen. So kommt das Betreten des Klosters dem Beginn einer Lektüre gleich: „Dies ist das Haus des Herrn und die Pforte zum Himmel“. Schritte weiter: „Sühne: Rettung der Seelen, Tröstung des Herzens Jesu“: Die beschriebenen Wände sind Textseiten, die einführen in das Lebensbuch der Klostergemeinschaft.

Vor einer halbgeöffneten Tür halten Schleier und Tunika inne und umschreiben die Figur der Verneigung. Es öffnet sich der Raum zu einer weißen Kapelle. Drei Frauen knien in Gebeten versunken vor dem weißen Marmoraltar, In einer Wandnische zeigt ein silberner Schrein hinter Glas die Hostie. An der Tür vorbei steigt eine kleine Treppe hinauf zu der mit Holdielen belegten Vorhalle. Es riecht nach Weihrauch, Kerzenwachs und einem Rest von Salmiak.

Die Wände sagen: „Das Einhalten der Stille ist eine Frage von Leben und Tod für die Gemeinschaft“. Und weiter: „Seien wir nicht mittelmäßig. Niemand hat das Recht, in diesem Augenblick zu leben.“ Über der Bibliothekstür hängt ein dunkles Kreuz in den Farben der aufgemalten Wandsockel, mit den Worten: „Immer lieben, immer leiden“.

Die Tür wird geöffnet. Der Raum ist groß, hölzern und spärlich möbliert. Hinter Glas und Spanngardinen bleiben die Bücher in den wandhohen Schränken verborgen. Von der Stirnseite blicken Portraits der Ordensgründer herab. Man setzt sich.

Ein goldenes Nachmittagslicht malt Streifen auf die blankgewachsten Holzdielen. Die 68jährige Priorin, Notre Mère, Sr. Marie du Sacré Cœr beginnt: „Wir sind Jungfrauen. Wir streben danach, rein und heilig zu sein. Denn wir sind die Bräute des Herrn“. Schwester Véronique, die stellvertretende Priorin, lächelt. Die Hände der Frauen liegen unter dem braunen Skapulier, das wie ein schmales Schild vom weißen Kragen über die Tunika zu den schweren Schuhen fällt. Die „Guimpe“, die weiße Haube, die sie unter dem Schleier tragen, nimmt Hals, Ohren, einen Teil der Wangen und die Stirn samt Haaransatz weg, so daß die Gesichter streng eingefaßt sind, in ein klares Oval. Um den weißen Hals tragen sie den Strick mit Knoten, an dem der Gekreuzigte hängt.

Vor dem Fenster draußen bringt eine junge Nonne zwei Ziegen von der Weide zurück bei der alten Platane im Hof halten sie an. Während die Ziegen an ihrem Schleier schnuppern, bricht sie die lockere Rinde des Baumes ab und hält sie ihnen hin. Die Tiere greifen mit den Lippen zu, und sie streichelt ihre Nasen, während sie die holzigen Plättchen beißen.

„Wir haben“, spricht die Priorin weiter „unser Leben Gott geschenkt. Von dem Tag an, da wir ins Kloster eingetreten sind, gehört es nicht mehr uns.“ Ich blättere im Wörterbuch. „L'oblation" sagt sie, „ist ein altes Wort. nehmen sie L'offrande“. Opfergabe repetiere ich und taste ein Wortfeld ab, sich opfern, sich hingeben. Die christliche Ehe sehe für die Frau eine demütige Rolle vor. Einem Mann gegenüber sei sie dazu nicht bereit gewesen. Wenn schon, wollte sie die perfekte Hingabe, und das sei die für Gott. „Die völlige Selbstaufgabe, ganz und gar. Voilà!“

Quelle: A. Overath: Stilles Glück (kleinere Übersetzungsfehler habe ich korrigiert)

Freitag, 25. Februar 2011

Herde ohne Hirt


Der gute Hirt (William Dyce)
Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist. (Ez 34, 15-16)

Neben einem Gefühl der Dankbarkeit, daß jemand nun ausruhen darf von seinem schweren Amt, wurde in der Abendmesse gestern vielfach deutlich, was wir nun sind: eine Herde ohne (menschlichen) Hirten. „Wenige Meter über uns befindet sich die Kathedra, der Stuhl des Bischofs, – und er ist leer“, darauf wies der sichtlich bewegte Zelebrant in der kurzen Ansprache nach dem Publikandum hin. Auch im Hochgebet fehlte das so vertraute „mit unserem Bischof Georg“, was wohl nicht nur mir einen schmerzlichen Stich versetzt hat.

Wir haben unseres kranken Altbischofs nichtsdestotrotz intensiv im Gebet gedacht, und in die Fürbitten das Domkapitel und besonders auch Weihbischof Heinrich eingeschlossen, der ja am gestrigen Fest des Apostels Matthias seines Namenstag hatte.

Irgendwie hätte ich ja auf der Homepage des Erzbistums so etwas wie einen geschlossenen Schirm oder ein anders Zeichen der Sedisvakanz erwartet, aber nein. Ich oute mich mal als Bildungslückenträger: macht man „das mit dem Schirm“ nicht eigentlich an jeder Basilika?

Donnerstag, 24. Februar 2011

Seigneur, le silence est votre louange (3)





Da ich die Bilder von den Religieuses Victimes du Sacré-Cœur de Jésus in zwei Blogbeiträge verpackt hatte, hier noch eine kleine Gegenüberstellung Vorher-Nachher bei der Ablegung der ewigen Profeß. Auch wenn man berücksichtigt, daß das feierliche Schwarz einen anderen Anstrich gibt, glaube ich, das ist es nicht allein. Auf dem ersten Bild sieht die Novizin aus wie ein unschuldiges Kind, im zweiten Bild ist etwas anders (das gleiche habe ich schon in Wirklichkeit sehen dürfen).

Das dritte Bild zeigt in Nahaufnahme ein Profeßkreuz, wie es nach vielen Jahren des Tragens aussieht – der Korpus des Kruzifixes wird mit den Jahren so glatt wie ein Kiesel.

Über den Konvent, der so verborgen in Marseille lebt, hat die Journalistin Angelika Overrath eine zartfühlende Reportage geschrieben, die 1992 erschienen ist. Die Gemeinschaft hat offenbar reichlich Nachwuchs, wie dies bei solchen Gemeinschaften kontemplativer Orden ja nicht selten ist.

Nun läßt du, Herr, deinen Knecht…


Papst Benedikt XVI. hat den Amtsverzicht von Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky mit sofortiger Wirkung angenommen. Dies wurde heute im Vatikan bekannt gegeben. Kardinal Sterzinsky liegt nach wie vor im Krankenhaus, sein gesundheitlicher Zustand ist unverändert ernst.

Obwohl das natürlich vor einem sehr ernsten Hintergrund, eben der Krankheit, steht, ist dem Heiligen Vater dafür zu danken; der Kardinal hatte sich das auch gewünscht. Herr Kardinal hat mich als Bischof auf dem Weg zur Weihe begleitet und geweiht; auch deswegen werde ich ihm immer in besonderer Weise verbunden bleiben.

Weiterhin beten wir für den Herrn Kardinal, daß Gott ihm beistehe in seiner Krankheit. Weihbischof Heinrich erneuerte den Dank der Gläubigen für den treuen Dienst des Herrn Kardinals an seiner Diözese in mehr als einundzwanzig Jahren und bittet darüber hinaus auch um das Gebet für das ganze Erzbistum.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Kathedra Petri – ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt


(oder: warum ich nicht unterschrieben habe)

Von dem sich immer schneller drehenden Karussell an offenen Briefen und deren Kommentierung habe ich mich auf meinem Blog weitgehend ferngehalten. Aufmerksame Leser haben womöglich trotzdem zwischen den Zeilen gelesen, vor allem im Hinblick auf das, worüber ich nicht geschrieben habe.

Zum einen: mein Blog ist meine Party, wie es so schön heißt, zum anderen – viel wichtiger – stand ganz zu Anfang parallel zu den aktuellen Entwicklungen eine Predigt unseres Herrn Pfarrers, in der dieser die Frage anriß, ob man sich mit dem Schreiben offener Briefe manchmal wirklich einen Gefallen täte, weil diese an Dinge rührten, an die man nicht rühren darf. Später dann: Man sollte auch bei Dingen, für die es sich lohnt, mit ganzer Hingabe einzutreten, einen kühlen Kopf bewahren. Genau.

Auf Aufforderungen im Stile von (wenn ich mich recht erinnere) „Noch nicht unterschrieben? Jetzt aber hin!“ mag ich sowieso nicht reagieren, wahrscheinlich ist das der etwas rebellische, typisch württembergische Zug in mir. Ich möchte etwas aus Einsicht heraus tun, und nicht, weil viele es tun.

Zum Fest der Kathedra Petri paßt es allerdings wirklich gut, etwas darüber zu schreiben. Der Dienst, den wir am Fest Kathedra Petri besonders betrachten, ist das Lehramt des Petrus und das Hirtenamt der Kirche. Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes wird den Bischöfen in der ersten Lesung des Festes aufgetragen. Im Evangelium hören wir dann ein Versprechen des Herrn selbst, auf das wir uns getrost und vertrauensvoll verlassen können: Du bist Petrus – der Fels –, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Offene Briefe und immer neue Mahnungen an die, die zum Hirtenamt in der Kirche bestellt sind, helfen uns nicht weiter, sie schaffen nur Unfrieden und verhärten die Herzen. Im Grunde tut auch die Petition nichts anderes. Ich meine, es ist ein Unterschied, ob ich an einen Bischof oder an einen Priester schreibe, um ihn zu bestärken: „Ich finde es wunderbar, daß Sie … gern möchte ich Ihnen an dieser Stelle einmal dafür danken“ oder ob ich von Rechten schreibe und von dem, was ich meine, das mir zusteht: „Sorgen Sie dafür, daß…“, „Wir haben ein Recht darauf, daß…“

Bei all dem Hin- und Herschreiben und Unterzeichnen ist mir diese Stelle aus den Briefen des Apostels an die Gemeinde in Korinth in den Sinn gekommen:
Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloë berichtet, daß es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, daß jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt? (1 Kor 1, 11-13)
Mir klingt das im Moment oft ähnlich: Ich halte zum Memorandum – ich zur Petition – ich zu Papst Benedikt – ich zu Christus. Das wunderbare daran, zu einer Weltkirche zu gehören und auch eine der wichtigen Aufgaben des Papstamtes ist, uns jeweils die richtige Perspektive bzw. Relation aufzuzeigen und so manches vielleicht temporär wichtig erscheinende wieder etwas geradezurücken.

In der gestrigen Predigt unseres Weihbischofs em. zum Fest der Kathedra Petri bezog er sich auf die Lukaspassion, in der es heißt: Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt.

Das ist ein Gebet für den Nachfolger Petri, das wir sprechen sollten: Wir haben für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. In der Tat tun wir es bei jeder Heiligen Messe, um den Papst zu stärken bei seinem schweren Amt.

Dienstag, 22. Februar 2011

Seigneur, le silence est votre louange (2)

Wie im Beitrag über den Konvent der Religieuses Victimes du Sacré-Coeur de Jésus versprochen, hier noch einige Bilder (ich habe noch mehr, leider ist aber die Qualität mäßig, da die Vorlage am Zerfallen ist). Die Fotos wurden 1992 von Olivier Martel aufgenommen, der sich zuvor zehn Jahre lang um diese Möglichkeit, einen flüchtigen Einblick in das Leben der Schwestern in der Klausur zu schaffen, bemüht hatte. Ich habe oft an die Schwester auf den wunderschönen Profeßfotos gedacht, sie sieht so hübsch und fromm aus.

An der Klausurtür
Während die Schwestern auf ihre Priorin warten,
nutzen sie die Zeit.
Schwestern bitten die Priorin um eine Erlaubnis
Bei der feierlichen Profeß erhält Sr. M. Jacinthe vom unbefleckten Herzen Mariens
statt des weißen Schleiers einen schwarzen und das Kruzifix der Professen.
Im Refektorium
Schweigend nehmen die Schwestern ihre Mahlzeit ein,
während eine von ihnen aus einem erbaulichen Buch vorliest
Im Treibhaus des Klosters
Zweimal jährlich haben die Schwestern die Erlaubnis,
mit ihren Angehörigen am Klausurgitter zu sprechen,
dabei ist die Priorin anwesend. Den Klausurschleier
tragen sie bei Besuchen ihrer Verwandten nicht.

Der Konvent zu Mariä Lichtmeß

Sr. Jeanne d'Arc und eine Mitschwester versorgen die Kuh des Klosters

Kommt her, ihr Kreaturen all – PC at its best


En passant erzählte man mir gestern, daß auf ein Memorandum  eine Beschwerde eine Anregung eines einzelnen Gläubigen hin das Lied Kommt her, ihr Kreaturen all nicht mehr gesungen wird, bei der Fronleichnamsprozession nicht und auch sonst am hiesigen Hause nicht. Mir war das noch gar nicht aufgefallen, meiner Erinnerung zufolge haben wirs im letzten Jahr noch gesungen. Aber nein! Was an dem Wort Kreaturen so schlimm sein soll, entzieht sich meiner Wahrnehmung føllig. Zur Erinnerung: Kreatur heißt Erschaffenes, Schöpfung oder auch Geschöpf.

Wundervolle Lobgesänge weiß die Schöpfung an den Erschaffer zu richten, etwa im Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen oder in den Psalmen, allen voran Psalm 103: Lobet den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. (Sagte jemand zu mir, „Ich weiß nicht, was ich beten soll“, fiele mir immer dieser Psalm ein).

Die erste Strophe des verbannten Liedes ging übrigens so:
Kommt her ihr Kreaturen all, komm was erschaffen ist,
kommt her und sehet allzumal, wer hier zugegen ist:
es ist der Herr im Sakrament,
ihn sollt ihr loben ohne End.
O wäre doch mein Mund,
voll Preis zu jeder Stund!

Die Unaussprechliche weiß zu sagen
Eine Kreatur (lat. creatura = Schöpfung, creare = erschaffen) ist eine andere Bezeichnung für die Schöpfung oder für ein Geschöpf. Die Bezeichnung hat Ähnlichkeit mit Natur oder Lebewesen, welche bereits da gewesen waren, jetzt existieren und auch dann noch da sein werden, wenn wir längst vergangen sein werden. Der Begriff wird mit einem Schöpfergott verbunden, der mit allen Geschöpfen (aller Zeiten) in Wechselbeziehung steht.
und fährt fort, daß wo dieser Zusammenhang fehle, man auch außergewöhnliche oder erdachte Kreaturen darunter verstehen könne. Zum einen fehlt dieser Zusammenhang hier ja aber gerade nicht, zum anderen sind auch außergewöhnliche Kreaturen, wie wir alle, Gottes Geschöpfe.

Das ostkirchliche Kontakion für die Märtyrer nennt Gott (den Kreator) den „Pflanzer der Schöpfung“: Als die Erstlingsfrüchte der Natur bringt dir, dem Pflanzer der Schöpfung, das Weltall die gotttragenden Märtyrer dar.

Zu guter Letzt sei noch darauf verwiesen, daß auch unser Erzbischof seinerzeit vom Heiligen Vater als Kardinal kreiert wurde.

.oO(tock-tock-tock) Die spinnen, die Kreaturen! (Jedenfalls manche[1] von ihnen. Da war nämlich auch noch jene Dame, die sich über das Marienlied Die Schönste von allen empört hat, genauer gesagt über die Strophe
Wohlan denn, o Jungfrau, der Jungfrauen Bild,
von Tugenden strahlend, mit Gnaden erfüllt,
mit Sternen geschmücket,
die Sonne dich kleidt,
die Engel, den Himmel dein Anblick erfreut.
Das sei doch heute nicht mehr zeitgemäß! Nein, damit war nicht das Kleid aus Sonne und Sternen gemeint, sondern die Jungfrauen, deren Vorbild die Jungfrau Maria ist. Das Lied singen wir aber immer noch, zerspring, süßes Kind!

Montag, 21. Februar 2011

Seigneur, le silence est votre louange


Seigneur, le silence est votre louange – Herr, die Stille ist dein Lob
(Wandspruch im Kloster der Religieuses Victimes du Sacré Coer de Jésus)

Dieses wunderbaren Bilder stammen aus einem Kloster in Marseille. Dort leben, so völlig verborgen, daß man auch in Marseille kaum etwas von ihnen weiß, Nonnen – die Religieuses Victimes du Sacré-Coeur de Jésus (Opfer des heiligsten Herzens Jesu).

Dieser Konvent, der weltweit einzige seiner Art, hat mich fasziniert, seit ich in einem GEO-Artikel darüber gelesen habe. Die Ordensgemeinschaft wurde 1938 von Julie-Adèle de Gérin-Ricard, später M. Maria von Jesus, dem Gekreuzigten, gegründet. Die Schwestern verschreiben sich ganz einem Leben der Sühne und der ewigen Anbetung; natürlich leben sie in der Klausur. Bei ihnen findet man Dinge, von denen sich manche der klausurierten Konvente hierzulande leider getrennt haben: Klausurgitter und Winden, Holzläden, Klausurschleier. Außer der Priorin, die mit Besuchern am Gitter im Sprechzimmer spricht, sieht man die Schwestern überhaupt nicht. Das ist ein Konzept, das mich immer sehr fasziniert hat. Es ist die Idee der Klausur als Wüste, konsequent bis zum Ende gedacht.

Die Fotos oben entstanden seinerzeit beim Besuch einer Journalistin und eines Fotografen denen ausnahmsweise Zutritt zur Klausur gewährt wurde, die beiden oberen Bilder zeigen die feierliche Profeß einer Schwester, Sr. M. Jacinthe vom unbefleckten Herzen Mariens. Man sieht auch, daß das Ordensgewand ganz grob und einfach ist (trotz der Kordel besteht meines Wissens keine Beziehung zu den franziskanischen Orden).

Die Berufung zu einem solchen Leben ist eine Berufung in die Stille, und eine, die ganz auf Liebe gegründet ist. Zur Zeit leben etwas über 20 Schwestern mit mehreren Novizinnen im Kloster. Die hl. Messe wird offenbar vorwiegend in der außerordentlichen Form gefeiert.

Ich stelle demnächst weitere Fotos ein (offenbar ist mal wieder jemand eifrig darum bemüht, Rechte aufzukaufen…)

Sonntag, 20. Februar 2011

Vorfastenzeit – die stimmungsvolle Vorhalle


Septuagesima – siebzigster Tag vor Ostern. Nach der früheren liturgischen Ordnung begann an diesem Sonntag die sogenannte Vorfastenzeit.

Der Schott nennt den kurzen Abschnitt des Kirchenjahres von Septuagesima bis zum Beginn der großen Fastenzeit „sozusagen die stimmungsvolle, schöngegliederte Vorhalle, die in Rom dem Heiligtum der Quadragesima vor dem Tode Gregors des Großen vorgebaut worden ist.“

Selbst habe ich diese Vorhalle nie erlebt, mir ist aber dieses Jahr so deutlich wie nie ins Bewußtsein gekommen, daß man sie vermissen kann oder aber gern eine solche stimmungsvolle, schöngegliederte Vorhalle hätte.

Schön erklärt der alte Schott die Herkunft der Bezeichnung Septuagesima:
Der Zeitabschnitt bis Ostern, in den wir jetzt eintreten, umschließt reiche und tiefe Geheimnisse. Es gibt zwei Zeiten, sagt der hl. Augustinus zu Psalm 148, die eine, die jetzt in den Wirren und Versuchungen dieses Lebens abläuft, die andere, die in Ruhe und ewiger Freude verbracht werden soll. Und beide Zeiten feiern wir hinieden: die eine vor Ostern, die andere nach Ostern. Die Zeit vor Ostern bedeutet die Kümmernisse des Lebens, die Zeit nach Ostern die himmlische Seligkeit, die wir einst genießen sollen. Deshalb verbringen wir die erste dieser Zeiten in Fasten und Gebet, die andere in Freudengesängen, und während ihrer Dauer wird nicht gefastet.

In der Sprache der Kirche stehen in diesen zwei Zeiten zwei Orte zueinander in Beziehung: Babylon und Jerusalem. Babylon, das Bild der in Sünde zerfallenen Welt, wo der Christ die Zeit der Prüfung verbringen muß: Jerusalem, das Bild des himmlischen Vaterlandes, wo er von allen Kämpfen ruht. Das gefallene israelitische Volk (Symbol der ganzen Menschheit) wurde aus Jerusalem verbannt und siebzig Jahre zu Babylon in Gefangenschaft gehalten. Daran erinnert die Zahl Siebzig (Septuagesima). Wir sind Verbannte, Gefangene, eine Beute aller Gefahren, die die böse Welt, Babylon, in sich bringt. Wir schauen nach der Heimat aus und brechen mit den sündhaften Freuden und Genüssen des Erdenlebens. In den Lesungen der Matutin werden wir an die großen Tatsachen der Schöpfung, des Sündenfalles, der Sintflut und des Gerichts über Sodom und Gomorrha erinnert. So leben wir in der heiligen Vorfastenzeit in einer Zeit ernster Besinnung und mutiger Abkehr von der Welt mit ihren Fastnachtsbelustigungen.

Ob es sinnvoll ist, sich persönlich auf eine Vorfastenzeit einzurichten, wenn sie zugleich liturgisch in der ordentlichen Form nicht begangen wird, weiß ich auch nicht zu sagen. (In der Liturgie war die liturgische Farbe Violett, man sang in Stundengebet und Messe schon ab diesem Sonntag kein Alleluja mehr und auch kein Gloria, statt Ite Missa est hieß es Benedicamus Domino). Seit alter Zeit wurden am Sonntag Septuagesima auch die Katechumenen benannt, die in der Osternacht die Taufe empfangen sollten. Dies, wie auch nahezu alles andere aufgezählte, hat sich zur ersten Vesper des ersten Fastensonntags hinverlagert.

Einleuchtend erscheint mir, dem Leib eine Möglichkeit zu geben, sich auf die Fastenzeit einzustellen, bevor es dann „so richtig losgeht“. So habe ich vor, den Fasten, die ich unter dem Jahr einzuhalten versuche (Werke der Buße und des Fastens sind den Virgines unter anderem besonders ans Herz gelegt), etwas – nur weniges – hinzufügen. Zwar ist Fasten bzw. die Buße im allgemeinen kein Hochleistungssport[1], jedoch ist eine gute Fastenzeit vielleicht wirklich mit einem Lauf zu vergleichen. Da fängt man auch nicht mit der längsten Distanz an, ohne zuvor etwas zu trainieren bzw. wenigstens ein paar Übungen zum Aufwärmen zu machen.

Ob man auf diese Weise nicht das Dach der Vorhalle ohne die Säulen hat, weiß ich wie gesagt, auch nicht, denn oben ist ja vom Ernst der Gesinnung und der geistlichen Vorbereitung die Rede, nicht von der Bereitung des Leibes. Wie so vieles, muß man es wahrscheinlich einmal ausprobieren. „Wenn es dir guttut, dann komm!“, sagt der hl. Franziskus.

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[1] Auch sind Fastenopfer nicht vom diätetischen Standpunkt zu sehen. „Gottseidank Fastenzeit/Advent (Nichtzutreffendes bitte streichen) – ich war sowieso zu dick!“

Freitag, 18. Februar 2011

Wundervoll, ganz wundervoll (4)

Wenn der Rechner uns unbedingt etwas sagen will, fragt man sich schon manchmal, was. Hier eine kleine Auswahl besonders kryptischer Ansagen:


Na, dann ist ja alles klar, daß ich darauf nicht von selbst gekommen bin…! Aus derselben Reihe auch diese interessante Mitteilung:


Well, thanks for clearing that up! Sehr schön auch diese (nicht mir passiert):

Mittwoch, 16. Februar 2011

Zeitvertreib

Verehrte Zuhörer, heute aus der Reihe Theologie zum Selberstricken (eine praktische Kurzanleitung in nur wenigen Einzelschritten):

Ich lege in einem Online-Lexikon einen Artikel „Fünffaltigkeit“ an. Fünffaltigkeit? Ja, denn ich behaupte einfach mal, daß neben Gott Vater, Sohn und dem Heiligen Geist auch die Gottesmutter und ein rosa Einhorn am Erlösungswerk beteiligt gewesen seien. Als Quelle für diese Aussage gebe ich das ölfdrölfzigste Laterankonzil von 1215 an, das dieses dogmatische Ansinnen bereits zurückgewiesen habe. Das macht sich ganz gut, denn wer weiß schon aus dem Stand, was dieses Konzil alles beraten, beschlossen oder etwa zurückgewiesen hat?

Später verwende ich den Begriff Fünffaltigkeit möglichst oft (bald findet ihn die erste Suchmaschine) und erkläre auf Nachfrage, daß bereits tausende, wenn nicht Millionen, Katholiken die Idee einer Dogmatisierung des Miterlösungswerks des rosa Einhorns ganz toll fänden und sich deshalb in einem Memorandum Schreiben wes Inhalts auch immer an wen auch immer gewandt hätten. Durch die Fünffaltigkeit würde das rosa Einhorn in den Stand einer eigenständigen Gottheit aufsteigen. Hat jedenfalls in einem Boulevardblatt gestanden, darum muß es wahr sein. Außerdem gibt es auch Bilder, auf denen unter anderem ein Einhorn mit abgebildet ist. Das ist zwar nicht rosa und es sind auch mehr als fünf Figuren auf dem Bild, macht aber nichts. – Usw.

(wer Albernheiten und Sarkasmen findet, darf sie behalten)

Dienstag, 15. Februar 2011

Da vorne kommt jetzt Jesus!

Maryse berichtet aus der Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion; mir ist bei der Kommentierung wieder „Jesu Leben einmal anders“ eingefallen, von dem ich hier schon geschrieben habe. Zwar ging es da um Firmlinge, die Effekte aber sind dieselben.

Ohne eine Jeremiade anstimmen zu wollen, fällt auf, daß es vielen Kindern am elementarsten Wissen zu fehlen scheint, so daß sich die Frage aufdrängt, was zum Geier behandelt eigentlich der Religionsunterricht?

Ich kann mich erinnern, daß mein (evangelischer) Religionsunterricht in der Mittelstufe schon eher einem Gemischtwarenladen – mit Drogen, Verhütungsmitteln und Koran drin – glich, ohne deshalb qualitativ schlecht zu sein. Jedenfalls habe ich bei der Gelegenheit auch mal den Koran gelesen (den ganzen nur, weil ich ihn mir vom Lehrer ausborgte). In der Unter- und Oberstufe ging es jedenfalls um Jesus und das Christentum. Von Ergänzungen wie der Sonntagsschule will ich gar nicht erst anfangen, obwohl gerade diese erfreulich viel Wissen aus der Bibel vermittelte (die Filztafel, an der uns die Sündenvergebung mit einem großen schwarzen, einem roten und einem weißen Papierherzen erläutert wurde, ist sowohl mir als auch meinen Geschwistern in Erinnerung geblieben, wie sich neulich herausgestellt hat).

Heutzutage geht man anscheinend anders vor. Wie, kann ich auch nicht so genau sagen. Offenbar ist Brotbacken bei der Erstkommunionvorbereitung oft ein wesentliches Element. Warum eigentlich, kann mir das einmal jemand erklären? Es ist ja nicht so, daß man sich in der Heiligen Messe den Leib des Herrn selber backt. Warum bietet man den Kindern ein Potpourri, das bis hin zum Besuch einer Synagoge mit Erstkommunikanten („Jesus war Jude!“) reichen kann, wenn die meisten von ihnen viel eher wissen wollen, ob man Hostien essen kann und wozu wir in der Heiligen Messe einen Kelch brauchen? Ganz einfache Fragen nach Leib und Blut Christi, der Eucharistie, Quell und Mitte unseres Lebens.

Diese Frage, ob man Hostien eigentlich essen könne, haben mir drei Kinder vor einiger Zeit nach der Meßfeier gestellt. Ob es klug war, ihnen daraufhin neben einer kurzen Erläuterung der hl. Kommunion auch jeweils eine unkonsekrierte Hostie anzubieten, darüber habe ich später noch nachgedacht. Anscheinend aber hat (auch) in diesem Fall den Kindern keiner erklärt, was beim Empfang der hl. Kommunion eigentlich vor sich geht. Christus und seine Kirche haben uns soviel zu sagen und zu bieten, warum wird mit diesem Pfund oft so wenig gewuchert?

Von einer Frau habe ich einmal gehört, daß ihr als Kind bei der Wandlung gesagt wurde: da vorne kommt jetzt Jesus. Und so ist es immer noch und wird es immer sein, bis zum Ende aller Tage: da vorne kommt jetzt Jesus. Ist es nicht möglich, das zum Gegenstand des Erstkommunionunterrichts zu machen? Denn das ist das Wesentliche. Nicht, ob wir uns irgendwo abgeholt oder irgendwohin begleitet fühlen, sondern, daß wir im Sakrament Jesus Christus wahrhaft begegnen, Gemeinschaft mit ihm haben, daß er uns heilt, heil macht und rettet.

Montag, 14. Februar 2011

Und noch eine Liebeserklärung…




Es gibt Menschen, deren schiere Schönheit einen immer wieder anrührt. Als Audrey Hepburn seinerzeit gestorben ist, habe ich geweint. Sie gehört zu den Schauspielern, denen ich wirklich schöne Stunden zu verdanken habe. Hier ein drolliges Bild von den Dreharbeiten zu Geschichte einer Nonne (siehe dazu auch hier). Bilder, die es seinerzeit nicht in den Film geschafft haben (unter anderem solche, die sie als Raucherin enttarnten – das ging natürlich gar nicht) schlummern noch auf der Festplatte meines abgerauchten Computers (was euch absolut nichts nutzt, ich stelle aber der nächstbesten Gelegenheit – das heißt, der erfolgreichen Reanimation der Daten – welche ins Netz.


Verpaßt habe ich leider gestern Artes Themenabend Zauberhafte Audrey, jedoch werden beide Beiträge wiederholt, heute etwa Infam (The children's hour).

Sonntag, 13. Februar 2011

Und noch ein Herzchen zum Valentinstag



Wenn alle mit Herzchen herumspielen, will ich auch – mein Kater, das Herzchen! Des Rätsels Lösung: dieses Tier heißt Valentin (Blumen- und Kranzspenden zum Namenstag werden ausdrücklich erbeten). Schenkt man mir einen Blumenstrauß oder trachte ich, einen solchen zu verschenken, ist es höchstwahrscheinlich, daß ich früher oder später – meist früher – nur noch die Strünke und Stiele in der Vase vorfinde.

Nicht Weisheit dieser Welt

Wir verkündigen Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt, denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.

– der hl. Paulus in der heutigen zweiten Lesung des 6. Sonntags an die Gemeinde in Korinth. Im Ruf vor dem Evangelium heißt es:

Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.


In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast – was für eine erstaunliches Lob Gottes, das sein Sohn da ausspricht! Die Weisheit Gottes und die Geheimnisse seines Reiches zu erkennen, braucht die Haltung des Unmündigen, des Kindlichen, der Schwachen. An anderer Stelle heißt es, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder… Bedenkt man den ganzen Vers, aus dem der Ruf vor dem Evangelium stammt, kommt heraus:
Gott hat die Geheimnisse des Reiches vor Weisen verborgen und sie Unmündigen geoffenbart.

Die Weisen zur Zeit Jesu waren die Pharisäer und Schriftgelehrten, doch sie haben Jesus verworfen oder nicht erkannt. Ganz einfache Menschen haben ihn als Messias erkannt und sind ihm gefolgt. Sie sind die Unmündigen.

Heute sind die Weisen, vor deren Augen die Geheimnisse des Reiches verborgen ist, und jene, die Weisheit dieser Welt (oder der Machthaber dieser Welt) vertreten, vielleicht diejenigen, die behaupten, Jesus habe alles ganz anders oder wenigstens nicht so gemeint. Die Unmündigen sind die, die wissen, daß es eine andere Welt gibt, das Reich Gottes, das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

Samstag, 12. Februar 2011

Flipper, ein Christussymbol – Christussymbole (7)

Flipper – ein Christussymbol :)

Nach längerer Zeit geht es hier auf dem Blog wieder weiter mit den Christussymbolen.

Bereits in der Antike galten Delphine als heilige Tiere, und als Sinnbild des Durchzugs der Seelen vom Tod zum Leben. Oppian, der Grieche, schreibt dazu:
Schändlich ist es, Delphine zu jagen. Nie mehr vor die Götter treten darf der Mann, der mit Absicht ihren Tod herbeiführt. Seine Opfergaben bleiben ungeliebt. Seine Berührung vergiftet die Altäre und er besudelt alle, die unter seinem Dach leben. So sehr, wie sie das Morden von Menschen verdammen, hassen die Götter den, der Todesqual über die gütigen Herren der Tiefe bringt.



Neben Fußböden und Fresken versah man auch Sarkophage und Grabsteine mit Darstellungen des Delphins. Diese Delphine schwimmen auf einem Fries im Palast von Knossos (1600 v. Chr.) Tierforscher haben entdeckt, daß Delphine ein Wissen um sich selbst haben, sie sind in der Lage, sich und andere andere Delphine zu erkennen, auch haben sie eine Sprache. Meine Schafe hören auf meine Stimme, ich kenne sie, und sie folgen mir (Joh 10,27). – Christus als oberster Delphin? In seiner Schrift De baptismo (Über die Taufe) schreibt Tertullian:
Glückseliges Sakrament unseres Wassers, wodurch wir, nach Abwaschung der Fehltritte unserer vorigen Blindheit, für das ewige Leben in Freiheit gesetzt werden! … Uns aber, den Fischlein, gemäß unserm Ichthys[1], Jesus Christus, in welchem wir geboren werden, ist nur dann wohl, wenn wir im Wasser bleiben.


Auf dieser Deckenmalerei eines Gewölbes in der oberen Katakombe der Villa Torlonia sind neben religiösen Symbolen des Judentums (Menora, Schofar und Zitronen) auch Christussymbole wie die Weinrebe und Delphine zu sehen.

Der Delphin wurde vor allem wegen seiner Freundlichkeit, Liebe und Fürsorge zum Christussymbol, denn Delphine gelten von alters her als Retter von Schiffbrüchigen oder Ertrinkenden. Inmitten einer für den Menschen lebensfeindlichen Umgebung – der Tiefe des Meeres – wird Christus dem Menschen zum kraftvollen Retter. Er taucht hinab in die Tiefe des Meeres, des Todes, die Tiefe hält ihn aber nicht fest.

Delphinmosaik auf einem christlichen Grab in der römischen Provinz Africa

So ist der Delphin also ähnlich wie das Lamm sowohl Christussymbol als auch als Sinnbild der einzelnen Seele. Die paarweise um einen Anker verschlungenen Delphine sind ein Symbol für Christus, der die Seelen ins Paradies führt. Der Anker, ein Symbol der Hoffnung, steht dabei für das Kreuz. Schon in den römischen Katakomben gibt es die Darstellung eines Delphins mit einem geöffneten Herzen, meines Wissens dürfte es sich dabei um den frühesten Ausdruck der Herz-Jesu-Verehrung handeln.

Where the road runs out and the signposts end,
where we come to the edge of today,
be the God of Abraham for us,
send us out upon our way.

Lord, you were our beginning,
the faith that gave us birth.
We look to you, our ending,
our hope for heaven and earth.

When the coast is left and we journey on
to the rim of the sky and the sea,
be the sailor’s friend, be the dolphin Christ
lead us in to eternity.

When the clouds are low and the wind is strong,
when tomorrow’s storm draws near,
be the spirit bird hovering overhead
who will take away our fear. (Colin Gilson)


___
[1] ΙΧΘΥΣ (Fisch): Ιησούς Χριστός Θεού Υιός Σωτήρ – Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser

Freitag, 11. Februar 2011

Unsere Liebe Frau in Lourdes

Im Alter von 14 Jahren erschien einem armen Bauernmädchen, das an schwerem Asthma litt, in einer Grotte am Ufer des Flußes Gave eine wunderschöne Dame. Obwohl man Bernadette teils nicht glaubte, sie verachtete und sie von den Behörden schikanieren ließ, scharten sich die Menschen um sie, als sich die Nachricht verbreitete und Bernadette ihre Geschichte nicht widerrief.

Bernadette selbst hat von dieser Erscheinung der Dame nie viel hergemacht. In einem Brief an einen Priester schreibt sie in dürren Worten:
Eines Tages ging ich mit zwei Mädchen an den Gavefluß zum Holzsammeln Da hörte ich ein Geräusch und schaute um nach der Wiese. aber die Bäume bewegten sich nicht. Da schaute ich zu der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz.

Als ich das sah, rieb ich mir die Augen, weil ich dachte: Du täuschst dich! Ich tat die Hände in den Busen meines Kleides, wo ich meinen Rosenkranz fand. Ich wollte mir auch das Kreuz auf die Stirn machen. Aber ich konnte die Hand nicht hochbringen, sondern sie fiel mir herunter. Als aber die Dame das Kreuzzeichen machte, da versuchte ich es auch mit zitternder Hand, und da konnte ich es. Zugleich begann ich den Rosenkranz zu beten, indessen auch die Dame die Perlen gleiten ließ, aber ohne die Lippen zu bewegen. Als ich mit dem Rosenkranz fertig war, verschwand die Erscheinung sofort.


Ich fragte die beiden Mädchen, ob sie etwas gesehen hätten. Das verneinten sie, fragten aber, was ich ihnen zu enthüllen hätte. Da teilte ich ihnen mit: ich hätte eine Dame in weißen Kleidern gesehen, wisse aber nicht, wer sie sei. Ich kam am Sonntag wieder, weil ich mich hingezogen fühlte …


Erst beim dritten Mal sprach die Dame zu mir und fragte mich, ob ich vierzehn Tage lang zu ihr kommen wolle. Ich sagte: Ja! Sie setzte hinzu, ich solle die Priester auffordern, dort eine Kapelle bauen zu lassen. Dann hieß sie mich, aus der Quelle zu trinken. Da ich keine Quelle sah, ging ich zum Gavefluß. Aber sie gab mir zu verstehen, sie spreche nicht von dem Fluß und zeigte mit dem Finger auf die Quelle. Als ich hinging, fand ich nur ein bißchen lehmiges Wasser. Ich hielt die Hand hin, konnte aber nichts fassen. Darum fing ich an zu scharren und konnte schließlich ein wenig schöpfen. Dreimal schüttelte ich es weg. Doch beim vierten Mal konnte ich es trinken. Darauf entfernte sich die Erscheinung, und ich ging weg.


Vierzehn Tage ging ich hin, und jeden Tag erschien die Dame, außer an einem Montag und Freitag. Jedesmal trug sie mir auf, die Priester an den Bau der Kapelle zu mahnen. Jedesmal forderte sie mich auf, mich in der Quelle zu waschen und um die Bekehrung der Sünder zu bitten. Öfters fragte ich sie, wer sie sei, aber sie lächelte nur. Zuletzt sagte sie mir, die Arme und die Augen zum Himmel erhoben: Ich bin die unbefleckte Empfängnis.

Obwohl ihr Worte nicht leicht zu Gebote standen, machte sich Bernadette auf, das auszuführen, was die Erscheinung ihr aufgetragen hatte. Sie ging zum Pfarrer, vor dem sie sich fürchtete, und richtete es ihm aus. Es wurde nicht nur der Wunsch der Gottesmutter nach einer Kapelle erfüllt – es entstand der Wallfahrtsort unserer Lieben Frau von Lourdes, ein Ort, an dem Gesunde und Kranke einem Licht der Hoffnung begegnen können, das die Kraft hat, ein Leben zu verändern. Im Tagesgebet betet die Kirche
Barmherziger Gott,
in unserer Schwachheit
suchen wir bei dir Hilfe und Schutz.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter Maria,
die du vor der Erbschuld bewahrt hast,
und heile uns von aller Krankheit
des Leibes und der Seele.
Der Erscheinung der Jungfrau Maria in der Grotte von Massabielle nachempfunden ist ein Typ von Mariendarstellung, auf den ich erst vor einiger Zeit gestoßen bin: die Bathtub-Madonna, offenbar vor allem in Polen und Amerika verbreitet. Meine Eltern kann ich für eine solche Idee nicht wirklich begeistern, obwohl wir sogar eine Badewanne (mit Tatzfüßen) im Garten haben. Aber wagerecht und mit Blumen drin findet der Schwabe eine Badewanne im Garten halt gemeinhin ordentlicher als senkrecht und mit Madonna drin.



Nachgebacken hat die Szenerie um die Grotte von Massabielle (unsere liebe Frau von Lourdes ist allerdings nicht eßbar) Catholic icing. Hihi!
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