Samstag, 29. Januar 2011

Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben – der Dienst der Kirche

Ich hatte gerade heute die schöne Möglichkeit, an einer Veranstaltung über die Gewissensfreiheit in der katholischen Akademie teilzunehmen, bei der der letzte Referent, P. Vincent Twomey SVD aus Dublin, auf die große Freiheit und Freude verwiesen hat, die für den einzelnen Gläubigen im Lehramt und Dienst der Kirche liegen kann.

Diese große Freiheit und Freude, von der hier die Rede war, findet sich auch in der Lossprechung bei der Beichte:
Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden.
So spreche ich dich los von deinen Sünden.
Nun schreibt Elsa einen tollen Beitrag über die Beichte. Einen Kapuziner mit Kapitänsmütze hatte ich zugegebenermaßen noch nicht, aber einen alten Franziskaner, der mich mit den Worten „Das passiert mir altem Esel auch noch!“ getröstet hat, weil ich beim Beten eingeschlafen war.

Als persönliche Anmerkung des Grauens zum Thema Beichte biete ich die Geschichte von dem Priester, der in Rom eine Pilgergruppe aus einer ländlichen Pfarrgemeinde durch die Kirche geführt hat. Eine der Teilnehmerinnen staunte dabei unverhohlen die Beichtstühle an und erkundigte sich schließlich, das seien also Beichtstühle? Während der Frage sah man den der Gruppe zugehörigen Pfarrer seitwärts retirieren. Die Dame fuhr fort, bei ihnen in der Gemeinde gebe es das gar nicht mehr, der Pfarrer habe sämtliche Beichtgelegenheiten entfernen lassen und gesagt, das Konzil habe die Beichte abgeschafft. Man kann sich ausrechnen, daß in der Gemeinde wahrscheinlich seit Jahrzehnten keiner oder kaum einer mehr gebeichtet hat – und für das Seelenheil dieser Menschen beten.

Beichten kann man übrigens tatsächlich fast an jedem Ort. Mir persönlich ist die klassische Situation (im Beichtstuhl, mit einem Gitter und einer Kniebank) allerdings eine große Hilfe, weshalb ich sie unbedingt bevorzuge: ich kann – und das ist mir wichtig – auch mit dem Leib ausdrücken, wie ich mich fühle. Natürlich ist es möglich, auch in einem Sprech- oder Beichtzimmer auf dem Boden niederzuknien. Trotzdem – vielleicht ist es auch ein wenig die Haltung des Beichtvaters, dem man praktisch ins Ohr, und damit in das Ohr Gottes selbst, spricht.

Meine letzte Beichte war übrigens so wunderbar (und gelacht worden ist dabei auch), daß ich denke, das wird mir immer bleiben, daß da jemand, ein Priester Gottes, so überaus gütig zu mir war.

Gebetsbitte



Liebe Freunde und Leser des Blogs, aus aktuellem Anlaß: bitte betet doch für unseren lieben Erzbischof Georg, der krank ist und zur Zeit immer noch im Krankenhaus liegt: daß Gott ihm beistehen möge.

Freitag, 28. Januar 2011

Preise, Zunge, das Geheimnis – hl. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

Die hl. Jungfrau mit den hll. Dominikus
und Thomas von Aquin
Ich betete, und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.  Keinen Edelstein stellte ich ihr gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.  Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. (Weish 7,7-10)

Der heilige Thomas ist einer der bedeutendsten katholischen Philosophen und Theologen. Vor allem hat er wunderbare Dinge über den Leib und das Blut des Herrn und die eucharistische Anbetung gesagt. Als das Fronleichnamsfest 1264 für die ganze Kirche eingeführt wurde, verfaßte der Heilige die liturgischen Texte. Diese umfaßten die wunderbare Sequenz Lauda Sion, den Vesperhymnus Pange lingua – aus dem das Tantum ergo stammt, das vor dem eucharistischen Segen gesungen wird –, und die Hymnen Sacis solemnis und Verbum supernum prodiens zur Matutin und den Laudes. Manchmal denke ich, das Tantum ergo kann wunderbarerweise ein jeder auswendig (während man für die deutsche Übertragung Sakrament der Liebe Gottes zum Gesangbuch greifen muß).

Die vierte Strophe des Pange lingua faßt den Kern der Lehre des hl. Thomas von der Transsubstantiation in schlichten Worten zusammen:

Verbum caro, panem verum
verbo carnem efficit:
fitque sanguis Christi merum,
et si sensus deficit,
ad firmandum cor sincerum
sola fides sufficit.

Wort ist wahres Fleisch geworden:
Brot kann wahres Fleisch nun sein.
In der Kraft desselben Wortes
wird zu Christi Blut der Wein.
Ist's den Sinnen auch verborgen,
stärkt uns doch der Glaub' allein.
(Übertragung von Liborius Olaf Lumma)

Auf diese Weise war der heilige Thomas nicht „nur“ Gelehrter für andere Gelehrte – oder solche, die es werden wollen –, sondern er schrieb für die einfachen Gläubigen aller Zeiten. Die Kirche gibt ihm darum den Beinamen Doctor angelicus engelsgleicher Lehrer.

1272 stellte der Heilige den zweiten Teil seines bedeutendsten Werkes, der Summa Theologica, fertig und begann mit dem dritten, in dem er auf das Wunder der Menschwerdung und die Sakramente eingeht. Seine letzte Disputation an der Universität von Paris hatte die Menschwerdung zum Thema.

Etwas später im selben Jahr begründete er ein Studienzentrum der Dominikaner bei Neapel, wo er in der Fastenzeit des Jahres 1273 eine Reihe von neunundfünfzig Homilien über die Nächstenliebe, die Gebote, das Glaubensbekenntnis und die christlichen Grundgebete hielt. Tausende kamen, um diese Predigten zu hören.

Die Auferstehung Christi mit der Gottesmutter
und dem hl. Thomas von Aquin
(beide Fresken von Beato Angelico)
Eines Nachts beobachtete der Küster der Dominikanerkirche den Heiligen beim Gebet und hörte, wie eine Stimme vom Kreuz herab zu diesem sprach: „Thomas, du hast gut über mich geschrieben. Was wünschst du dir als Belohnung?“ Der Heilige antwortete: „Nur dich allein!“ – Sein Wunsch sollte sich bald erfüllen.

Am 6. Dezember feierte der Heilige die Messe zum Fest des hl. Nikolaus in der Kapelle, in der Christi Stimme zu ihm gesprochen hatte. Nach dieser Heiligen Messe hörte Thomas auf, seine Gedanken niederzuschreiben. Zu seinem Sekretär sagte er: „Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir vor wie Stroh im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe.“ Die folgenden Wochen verbrachte er vorwiegend im Gebet. Am 7. März des Jahres 1274 starb Thomas von Aquin, auf dem Weg zu einem Konzil. Er war erst 49 Jahre alt, aber sein irdisches Werk war vollendet.

Der Heilige ist für seine überragende Liebe zur Wahrheit bekannt. Es wird von ihm die Anekdote berichtet, daß einmal im Kloster zwei Mitbrüder zum Fenster hinausgesehen und ihm zugerufen hätten: „Bruder Thomas, Bruder Thomas! Ein fliegender Ochse!“ Als Thomas ebenfalls zum Fenster hinaussah, dort aber keinen fliegenden Ochsen entdecken konnte, verspotteten sie ihn. Er antwortete, es wäre ihm lieber, zu glauben, daß ein Ochse fliegen könne, als daß einer seiner Mitbrüder absichtlich die Unwahrheit spreche. – Ob diese Überlieferung nun der Wahrheit entspricht, mag dahingestellt bleiben. Wir lernen jedoch etwas Überragendes aus dem Zeugnis und den Schriften des Heiligen: Glauben bedeutet, sich vom Licht der Wahrheit Gottes umfangen zu lassen, die unserem Leben die volle Bedeutung, den Wert und den Sinn verleiht.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Oh mei… (Was der Papst gesagt hat)

Was Papst Benedikt gesagt hat… –
und was manche Leute zu hören glaubten

The Charism of Virginity

Eine gut lesbare Abhandung zur Frage des Charismas der Jungfräulichkeit (The Charism of Virginity) hier bei der amerikanischen Mitschwester Sponsa Christi:
One frequently asked question about the vocation of consecrated virginity is whether or not a consecrated virgin must be a “real” virgin.

That is, in order to receive the Rite of Consecration to a Life of Virginity, must one be a virgin in the literal sense of the term (i.e., one who has never freely and knowingly engaged in sexual relations), as opposed to simply feeling capable of adopting a “virginal” spirituality? Can a “second-chance virgin” or a “renewed virgin” become consecrated under canon 604? Or is the vocation of consecrated virginity really restricted to those who have never made even a single “bad decision?”

The short answer to this question is “yes,” an aspiring consecrated virgin should truly be virginal. However, since such a short, blunt statement can sometimes raise more problems than it solves, I’ll try to explain it in fuller and more nuanced way…

Mittwoch, 26. Januar 2011

Der kostbare Schatz

Kardinal Brandmüller hat in seinem offenen Brief ausgedrückt, was viele empfinden:
Es kommt Ihnen anscheinend nicht in den Sinn, daß Sie damit auch Jesus Christus, den Sohn Gottes, selbst beleidigen. Der ehelos lebende Priester tut als Jünger Jesu doch nichts anderes als die Lebensweise des Meisters sich zu eigen zu machen. …
Es sei darum die dringende Bitte ausgesprochen, diese Diskussion, die uns schon zum Überdruß belästigt und beleidigt und darüber hinaus die Verwirrung unter den Gläubigen vermehrt, zu beenden.
In der Tat hat mich ein gewisser Überdruß davon abgehalten, über die bisherigen gesammelten Werke (etwa hier, hier und hier) hinaus nun noch etwas zu schreiben.

Bei einer der allgegenwärtigen Diskussionen ist mir allerdings noch aufgefallen, daß eine der Schwierigkeiten darin liegt, daß viele den Zölibat als Abwesenheit von etwas oder Mangel an etwas sehen: keinen Partner, keine Kinder, kein eheliches Leben. Dies alles bringt eine zölibatäre Lebensweise natürlich auch mit sich – und zu gegebener Zeit setzt man sich damit auch auseinander – nun ist die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen jedoch vor allem Nachahmung der Lebensweise Christi.

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.
heißt es im Matthäusevangelium. Sie verkauften alles, was sie hatten, um das zu erwerben, was sie wahrhaft begehrten, wozu ihr Herz sie drängte. Die Freudigkeit dieses Ereignisses wird ausdrücklich betont. Diese Freude ist so groß, daß alles andere dahinter zurücktritt und in diese Freude eingeht, auch das, was man zurückläßt.

Wer seine Berufung vorwiegend aus einer Haltung des Mangels heraus empfindet oder lebt, wird sich unter Umständen wirklich schwertun. Man kann es aber auch anders sehen. Die Karmelitin Sr. Petra Hagenauer hat in einem Interview die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Lebens einmal schlicht mit den Worten „Weil es wahr ist“ beantwortet.

Die Fähigkeit zu einem solchen Leben in der Nachfolge Christi, das einen wirklich ganz erfüllen kann, ist tatsächlich ein Charisma, eine Gnadengabe. Du selbst hast dazu ihr Herz bewegt, heißt es im Weihegebet und: Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen. – Hier ist kein Mangel, hier ist die Fülle.

Dienstag, 25. Januar 2011

Die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi


Hananias, steh auf und geh zur sogenannten Geraden Straße, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade. Dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muß. (Apg 9, 11-12, 15)


Vom Fest der Bekehrung des Apostels Paulus nimmt man an, daß es ursprünglich auf den Tag der Übertragung seiner Gebeine fiel, von der im Martyrologium Hieronymianum berichtet wird. Das Fest der Bekehrung ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt. Papst Innozenz III. führte es als Fest für die ganze Kirche ein, und es wurde mit großer Feierlichkeit begangen. Die liturgische Farbe ist das Rot der Märtyrer.



Bemerkenswert ist, daß der Apostel nach der überwältigenden Erfahrung seiner wunderbaren Bekehrung sich nicht sogleich aufmacht, das Evangelium zu verkünden, sondern er zieht sich volle drei Jahre in die Einsamkeit zurück, bevor er wieder nach Jersualem hinaufgeht. Dann aber spricht und schreibt er aus der ganzen Fülle seines Herzens.

O Gott,
du hast die ganze Welt
durch die Predigt des heiligen Apostels Paulus belehrt.
Wir bitten dich, gib uns,
die wir heute seine Bekehrung feiern,
die Gnade, seinem Beispiel folgend,
dir entgegenzuschreiten.

heißt es im Kirchengebet des Missales von 1952. Der Apostel hat für mich in jeder Lebenslage das passende Wort und verweist doch stets auf Christus.
Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn (Röm 8,38)
Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2 Kor 4,6)
Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. (1 Kor 2,9)

Die Cantica des hl. Paulus hören wir oft im Stundengebet. Ich finde das wunderbar, denn es gibt mir die Gelegenheit, diese wunderbaren Lobsänge gleichsam „wiederzukäuen“ und aus ihnen Nahrung für das geistliche Leben zu ziehen, wie es die Kirchenlehrer empfehlen. Über das Geschenk des Glaubens und die Kirche, für deren Einheit wir in dieser Woche ja besonders beten, findet der Apostel wunderbare Worte:

Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
Er hat sie an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,  hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird. Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht. (Eph 1, 16-23)

Da erzählten auch sie, wie sie ihn erkannt hatten


Ich möchte jedenfalls die Christen dazu einladen, sich zuversichtlich und mit verantwortungsbewußter Kreativität im Netz der Beziehungen zusammenzufinden, das das digitale Zeitalter möglich gemacht hat. Nicht bloß um den Wunsch zu stillen, präsent zu sein, sondern weil dieses Netz wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens ist. Das Web trägt zur Entwicklung von neuen und komplexeren Formen intellektuellen und spirituellen Bewußtseins sowie eines allgemeinen Wissens bei. Auch in diesem Bereich sind wir aufgerufen, unseren Glauben zu verkünden, daß Christus Gott ist, der Erlöser des Menschen und der Geschichte, in dem alle Dinge ihre Erfüllung finden. Die Verkündung des Evangeliums verlangt eine respektvolle und unaufdringliche Form der Mitteilung, die das Herz anrührt und das Gewissen bewegt; eine Form, die an den Stil des auferstandenen Jesus erinnert, als er sich zum Weggefährten der Jünger von Emmaus machte, die er schrittweise zum Verständnis des Geheimnisses führte durch seine Nähe, durch sein Gespräch mit ihnen und dadurch, daß er feinfühlig sichtbar werden ließ, was in ihren Herzen war.
(aus der Botschaft des Heiligen Vaters zum 45. Welttag der Kommunikationsmittel, im gesamten hier nachzulesen. Schöner kann man es nicht sagen.)

Montag, 24. Januar 2011

Ein Licht, das die Heiden erleuchtet – Bekehrung des hl. Apostels Paulus


Gott und Vater aller Menschen,
erhelle unsere Herzen mit dem Licht des Glaubens
und erfülle sie in dieser Opferfeier
mit dem Heiligen Geist,
der den Apostel Paulus gedrängt hat,
deine Herrlichkeit
unter den Völkern zu verkünden. (Gabengebet)

Wenn der hl. Apostel Paulus seine Bekehrung erwähnte, tat er es stets voller Demut, Dankbarkeit und Lobpreis der göttlichen Gnade, die ihm, der sich selbst an einer Stelle als den Unerwarteten, die "Mißgeburt", bezeichnete, zuteil wurde.

Das morgige Fest der Bekehrung des Apostels Paulus ist ein Anlaß, Dank zu sagen für die eigene Bekehrung und das Geschenk des Glaubens. Die Heiden, an die sich Paulus vor allem wandte, sind wir. Wir sollen in Dankbarkeit dessen gedenken, daß wir zu den Völkern gehören, zu denen, wie es im Nunc dimittis heißt, das Licht, das die Heiden erleuchtet, gekommen ist.

Sonntag, 23. Januar 2011

Was nicht in meinem Plan lag, das hat in Gottes Plan gelegen

Die Lesungen, die wir seit dem Advent hören, berichten vom Licht, das dem Volk, das in der Finsternis lebt, erstrahlt und von dem wahren Morgenstern, der uns aufgegangen ist: Jesus Christus. Der Evangelist Matthäus greift dies heute noch einmal auf, indem er den Propheten Jesaja zitiert. Zugleich berichtet er über die Berufung der allerersten Jünger am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu.

In den letzten Tagen und auch im Zusammenhang mit diesem heutigen Evangelium mußte ich an die hl. Teresia Benedicta denken – was nicht in meinem Plan gelegen hat, das hat in Gottes Plan gelegen.

Dieses Wort, das sie 1936 in ihrem Werk Endliches und ewiges Sein niedergeschrieben hat, bezieht sich unmittelbar auf eines der Evangelien über Christus, das Licht. Im Prolog des Johannes-Evangeliums heißt es:
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh 1, 9-14)
Hierzu schreibt nun die heilige Teresia Benedicta:
Ich habe ein bestimmtes Studium vor und suche mir dafür eine Universität aus, die mir besonders Förderung in meinem Fach verspricht. Das ist ein sinnvoller und verständlicher Zusammenhang. Daß ich in jener Stadt einen Menschen kennenlerne, der „zufällig“ auch dort studiert, und eines Tages „zufällig“ mit ihm auf weltanschauliche Fragen zu sprechen komme, erscheint mir zunächst durchaus nicht als verständlicher Zusammenhang. Aber wenn ich nach Jahren mein Leben überdenke, dann wird mir klar, daß jenes Gespräch von entscheidendem Einfluß auf mich war, vielleicht „wesentlicher“ als mein ganzes Studium, und es kommt mir der Gedanke, daß ich vielleicht „eigens darum“ in jene Stadt „gehen mußte“. Was nicht in meinem Plan lag, das hat in Gottes Plan gelegen. Und je öfter mir so etwas begegnet, desto lebendiger wird in mir die Glaubensüberzeugung, daß es – von Gott her gesehen – keinen Zufall gibt, daß mein ganzes Leben bis in allen Einzelheiten im Plan der göttlichen Vorsehung vorgezeichnet und vor Gottes allsehendem Auge ein vollendeter Sinnzusammenhang ist. Dann beginne ich mich auf das Licht der Glorie zu freuen, in dem auch mir dieser Sinnzusammenhang entschleiert werden soll. Das gilt aber nicht nur für das einzelne Menschenleben, sondern auch für das Leben der ganzen Menschheit und darüber hinaus für die Gesamtheit alles Seienden.

Samstag, 22. Januar 2011

Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm


Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. (Mt 4, 18-22)
Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm – bei diesem Evangelium von der Berufung der allerersten Apostel fällt die Unmittelbarkeit der Antwort auf den Ruf Jesu auf. Der Kirchenvater Chrysostomus merkt dazu an: Er rief sie, als sie gerade mitten bei der Arbeit waren. Dadurch wird gezeigt, daß man seine Nachfolge allen anderen Beschäftigungen vorziehen muß. Das Bild von Pietro da Cortona bringt etwas von dieser Unmittelbarkeit zum Ausdruck: die Berufenen werden nicht bewegungslos dastehend gezeigt, sondern beeilen sich, dem Ruf Jesu Folge zu leisten. Siehe, ich komme, deinen Willen zu tun.

Wenn es auch bei einer Berufung nicht immer möglich ist, buchstäblich sofort alles stehen und liegen zu lassen, so kann man ihr doch im Herzen bedingungslos folgen. Diese Berufung der Jünger, einfacher Menschen, die bestimmt nicht damit gerechnet haben, mitten aus ihrer Arbeit heraus, lehrt uns auch, daß Christus uns zu etwas berufen kann, was zuerst außerhalb unserer selbst liegt. Es kann bedeuten, sich auf etwas einzulassen, woran man nicht im Traum gedacht hätte und was man sich zunächst vielleicht auch nicht zutraut. Was nicht in meinem Plan lag, das hat in Gottes Plan gelegen, schrieb die hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) über ihr Leben.
Petrus und Andreas hatten Christus noch kein einziges Wunder tun gesehen und sie hatten noch nichts vom seiner Verheißung eines ewigen Lohns gehört, und doch, auf eine einzige Weisung des Herrn hin, ließen sie das hinter sich, was sie zu besitzen schienen. … Daran aber sollen wir eher erkennen, wie stark ihr Wille war, als, wie groß ihr Besitz war, denn der, der nichts für sich zurückbehält, der läßt immer viel hinter sich, und viel verläßt auch der, der nicht nur seinem Besitz, sondern auch seinem Verlangen entsagt. … Denn das Reich Gottes hat keinen angebbaren Preis, sondern es kostet gerade so viel, als du besitzt. (aus einer Predigt Gregors des Großen)

Gegenseitige Bereicherung

Auf den Beitrag Mutual Enrichment and the Reform of the Reform: A Game Plan, der auf dem von Father Christopher Smith geführten Blog The chant café erschienen ist, hat Father Mark in seinem Blogbeitrag On the organic restauration of the sacred auf Vultus Christi hingewiesen. (Erfreulicherweise hat sich das mit der geringen Resonanz nun offenbar erledigt, es wird eifrig kommentiert.)

Beide Blogger werfen – meiner unmaßgeblichen Meinung nach nicht ganz zu unrecht – die Frage auf, inwieweit sich die beiden Meßformen der ordentlichen und der außerordentlichen Form, wie von Papst Benedikt gewünscht, gegenseitig bereichern sollen, wenn sie sich zugleich nicht vermischen sollen. Fr. Smith hat nun eine Reihe von Punkten zusammengestellt, wie seiner Ansicht nach die beiden Formen sich durch Einbringen des einen oder anderen Elements in die jeweils andere gegenseitig bereichern könnten.

Verwirrt hat mich in Fr. Smiths Beitrag der Punkt
"Catechesis from the pulpit about the Church’s preference for Holy Communion on the tongue [soweit, so gut] and under one species." [ist das so? Mir ist, als betonten mehrere kirchliche Dokumente die hohe Wertschätzung der Kommunion auch unter beiderlei Gestalt. Meines Wissens wird sie mehrfach ausdrücklich für bestimmte Messen empfohlen, etwa die Feier des letzten Abendmahls am Gründonnerstag oder die Feier der Osternacht. Letzteres habe ich leider noch nie erlebt.]

Vollends unklar ist mir, warum jemand zur Feier der Heiligen Woche nach den Rubriken von vor 1955 zurückmöchte – indes bin ich kein Liturgieexperte. Mir ist, als hätte die Neuordnung Papst Pius' XII. den alten Brauch wiederhergestellt, die Gottesdienste zu einer Zeit stattfinden zu lassen, die dem Leiden und Sterben des Herrn so weit wie möglich entsprechen, was unter anderem bedeutet, daß die Feier der Osternacht nicht mehr am Vormittag des Karsamstags begangen wird, sondern eben wirklich in der Osternacht. Dasselbe gilt für die Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag, die nun am Abend stattfindet. Indes, lest, urteilt oder kommentiert selbst.

Eine Möglichkeit, wie meiner Ansicht nach die ordentliche von der außerordentlichen Form wirklich profitieren kann und es oft auch tut, ist Ruhe und Stille, Innerlichkeit – man muß nicht dauernd etwas „machen“. Wenn das ein Zelebrant ausstrahlt, genieße ich es und erlebe oft auch, wie es auf die Gemeinde übergeht. – Ich will aber auch frei heraus schreiben, daß sich der Wunsch nach mehr Stille in meinem Fall nicht auf das Hochgebet erstreckt. Ich finde es wunderbar, wenn der Zelebrant das Hochgebet (das ganze Hochgebet und nichts als das Hochgebet) laut singt oder spricht. Tut er es nicht, wird die Messe für mich nicht etwa „mysteriöser“ , mir fehlt dann einfach etwas.

Oooch!


Das ist das kleinste Mädchen, das ich bisher als Marienkind gesehen habe und so schnuckelig, daß ich es hier einstelle (ein Zufallsfund, das Bild ist aus der Verkündigungskirche in Nazareth).

Freitag, 21. Januar 2011

Virgines caste – zum Fest der hl. Agnes




Schöne Fotos von der Segnung der Agneslämmer bietet der Herr Alipius via Orbis catholicus secundus, zwei davon mußte ich mir einfach ausborgen. Eines der Lämmer ist mit roten Blumen geschmückt – die Farbe des im Martyrium vergossenen Blutes – das andere mit weißen, als Sinnbild der Reinheit und Jungfräulichkeit. An sich ist natürlich das Lamm (Agnus) selbst schon ein solches Sinnbild, weshalb es ja das Attribut der Tagesheiligen ist.

Passend dazu für Liturgieliebhaber die Sequenz Virgines caste des Petrus Abelardus über die Jungfrauen, die dem Lamm folgen und das Lied singen, das kein anderer singen kann. Die Sequenz erscheint uns (jedenfalls mir) heutzutage stellenweise doch etwas blumig – in der Tat ist sie voller Blumen und Lämmer –, aber warum nicht?

Virgines caste
virginis summe
decus precinentes
Ceteras quoque
condignas laude
post hanc venerantes

Psalmis et hymnis
canticis dignis
sibi colloquentes

Solvant in istis
debite laudis
hostias sollempnes

Hec est a dextris
assistens regis
illa regina

Juncto latere
sola cum rege
precedit ipsa

Aurata veste
varietate
circum amicta

Tanquam dominam
sequitur ipsam
queque beata

Post eam adducte
virgines devote
regi sunt oblate
christo consecrate

Talis erat Tecla
Agnes et Lucia
Agathes et multa
virginum caterva

Filie Tiri
munera ferentes
Et in his regis
vultum deprecantes
Hostias habent
cunctis puriores
Corpore munde
corde sanctiores

Holocaustum Domino
offerunt ex integro
virgines carne
integre mente
inmortalem sponsum
eligentes christum

0 felices nuptie
quibus nulle macule
nulli dolores
partus sunt graves
nee pelex timenda
nec nutrix molesta

Lectulos harum
christo vacantes
angeli vallant
custodientes
ne quis incestus
temeret illos
ensibus strictis
arcent in mundos

Dormit in istis
christus cum illis
felix hic sompnus
requies dulcis
quo confovetur
virgo fidelis
inter amplexus
sponsi celestis

Dextera sponsi
sponsa complexa
capiti leva
dormit submissa
pervigil corde
corpore dormit
et sponsi grato
sinu quiescit

Aprobans sompnum
sponsus beatum
inquietari
prohibet illum
Ne suscitetis
inquit delictam
dum ipsa volet
ita quietam.

Hic ecclesiastici
flos est ille germinis
tam rosis quam liliis
multiplex innumeris
quorum est fragranciis
ager sponsi nobilis
naribus et oculis
eque delectabilis

Ornate tam bissina
veste quam purpurea
leva tenent lilia
rosas habent dextera
et corona gemina
redimite capita
agni sine macula
percurrunt itinera
Hic quoque floribus
semper recentibus
sanctorum intexta
capitum sunt serta
Hic agnus pascitur
atque reficitur
hi flores electa
sunt illius esca

Hie choro talium
vallatus agminum
hortorum amena
discurrit hac illac
Qui nunc comprehensus
ab his nunc elapsus
quasi quadam fuga
petulans exultat

Crebros saltus dat hic agnus
inter illas discurrendo
Et cum ipsis requiescit
fervore meridiano

In earum pectore
cubat in meridie
Inter mammas virginum
collocat cubiculum

Virgo quippe cum sit ipse
virgineque matre natus
Virginales super omnes
amat et querit recessus

Sompnus illi placidus
in castis est sinibus
Ne qua forte macula
sua redet vellera

Hoc attende canticum
devotarum virginum
insigne collegium

Quo nostra devocio
majore se studio
templum ornet domino

Keusche Jungfrauen,
die Lieder singen, würdig der
allerhöchsten Jungfrau!
Es singen auch andere
hehre Wesen ihr Lob,
erweisen ihr angemessene Verehrung

mit Psalmen und Hymnen
und Lobgesängen
die sie ihr singen.

Wie sich gebührt, bringen sie
in diesen Lobliedern
ihre feierlichen Dankopfer dar.

Sie hat ihren Platz
als Königin an der rechten
Seite des Königs eingenommen.

Voller Freude ihm zugesellt
schreitet sie allein
mit dem König voran

in Gold gekleidet,
verschleiert in den
Farben des Regenbogens,

so wie die heilige Magd
ihrer eigenen
Herrin folgt.

Nachdem man ihr die
heiligen Jungfrauen zugeführt hat,
werden sie dem König dargebracht
und Christus geweiht.

Solch eine war Thekla,
zusammen mit Agnes und Luzia,
Agathe und eine große Schar
von Jungfrauen.

Töchter aus Tyrus,
die Gaben tragend,
und vor diesem König
ihre Augen niederschlagend
bringen sie Opfer,
die reiner sind als alles andere,
und trotz ihrer irdischen Körper
sind ihre Herzen viel heiliger.

Vereint bringen sie
dem Herrn das Brandopfer dar.
Jungfrauen im Fleische
beständig im Geist,
versprechen sie sich Christus,
dem unsterblichen Bräutigam.

0 glückliche Hochzeit,
bei der kein Makel,
keine Traurigkeit
schreckliche Dinge hervorbringt
Auch braucht sie keine Konkubine,
keine lästige Schwiegermutter zu fürchten!

Schutzengel
umstehen ihre Betten,
damit nicht
gottlose Männer
sie schänden.
Mit gezogenem Schwert
schützen sie sie
vor der Welt.

Christus schläft
mit ihnen, glücklich
im Schlummer,
in süßer Ruhe,
und die treue Jungfrau
wärmt
in ihrer Umarmung
den himmlischen Bräutigam.

Vom Bräutigam umarmt,
schläft die Braut
an seiner rechten Seite
und ergibt sich sanft
ihrem Hirten.
obwohl ihr Herz wachsam ist,
schläft ihr Körper und findet Ruhe
in den wunderbaren Armen des Bräutigams.

Froh, sie schlafen zu sehen,
verhindert der Bräutigam
jegliche Störung
dieser heiligen Ruhe.
Weckt sie nicht auf, sagt er,
aus diesem schönen Schlaf,
bis zu der Zeit,
wo sie es selbst wünscht.

Diese Blume ist
die Saat der Kirche
eher wie Rosen denn wie Lilien
vermehrt sie sich ins Unendliche.
Von ihnen duftet das Feld
des edlen Bräutigams,
gleichermaßen köstlich
für Nase und Auge.

Geschmückt mit feinem Linnen
und königlichem Purpur,
tragen sie Lilien in ihrer linken Hand,
und in ihrer rechten halten sie Rosen.
Schmückt ihr Haupt mit einer mit
Juwelen besetzten Krone.
Lämmer in reinem Weiß
spielen auf ihrem Pfad.
Auch hier schmücken
aus den Blumen der Heiligen
geflochtene, ewig blühende
Kronen ihre Häupter.
Hier wird ein Lamm auf die Weide
geführt und umsorgt,
hier sind die erwählten
Blumen seine Weide.

Umgeben von einer solchen
Schar im Tanz,
rennt es hierhin und dorthin
zu den schönsten
Stellen des Gartens.
Eins, welches gerade eingefangen wurde,
ist ihnen nun entschlüpft und
freut sich fast lüstern auf die bevorstehende Hetzjagd.

Das Lamm springt wieder und wieder hoch,
läuft zwischen ihnen hin und her
und mit ihnen entflieht es
der brütenden Mittagshitze.

Auf ihren Busen zieht es sich
um die Mittagszeit zurück,
zwischen den Brüsten des Mädchens
legt es sich zum Schlafen nieder,

eine Jungfrau fürwahr, denn er selbst wird
von einer jungfräulichen Mutter geboren werden.
Er liebt sie mehr als alle jungfräulichen Heiligen
und sie fehlt ihm, wenn er fort ist.

Ruhigen Schlaf findet er
in der reinen Beuge ihres Arms,
wo kein Fleck die reine weiße
Wolle verschmutzen könnte.

Hört nun das Lied
von den geweihten Jungfrauen,
das Zeichen ihres Schwesternordens,

damit könnte unsere Hingabe
an den Herrn dessen Tempel
mit mindestens halb so viel Duft verschönern.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt – hl. Agnes, Jungfrau und Märtyrin

Laudibus mitem celebremus Agnum,
casta quem sponsum sibi legit Agnes,
astra qui caeli moderatur atque
cuncta gubernat.
Laßt uns lobpreisend feiern das Lamm,
dem die keusche Agnes sich als Braut verbindet.
Er, der die Sterne des Himmels regiert,
der Lenker aller Dinge.
(aus dem Hymnus zum Fest der hl. Agnes)

Die hl. Agnes war nur zwölf oder dreizehn Jahre alt, als man sie in der diokletianischen Christenverfolgung dazu zwingen wollte, den römischen Göttern zu opfern – sie dagegen erhob inmitten ihrer Ankläger die Hand zum Zeichen des lebensspendenden Kreuzes.

Agnes ist eine der jungfräulichen Märtyrinnen, die im Kanon des ersten Hochgebets genannt werden. Wir wissen von ihrem Leben und Sterben aus den Berichten der Kirchenväter Hieronymus und Ambrosius, aus den Predigten des hl. Augustinus. Sowohl Ambrosius als auch Prudentius haben die Heilige in Hymnen besungen. Sie erlitt das Martyrium im Jahr 303 oder 304, ihre Verehrung wird schon dem Jahr 354 schriftlich bezeugt.

Nach übereinstimmenden Martyrologien schreckte sie nicht vor der Folter zurück, man mußte sie nicht einmal binden. So wäre keine Vermählte ins Brautgemach geeilt, wie die Jungfrau freudigen Schrittes, eilenden Fußes zur Richtstätte voranschritt, nicht mit künstlichem Haarschmuck das Haupt geziert, sondern mit Christus, nicht mit Blumen bekränzt, sondern mit Tugenden. Alles weint, ihr kommt keine Träne ins Auge. So viele wundern sich, daß sie so leicht ihr Leben dahingibt, als hätte sie es schon durchgekostet, nachdem sie kaum noch daran genippt hatte, schreibt der hl. Ambrosius.

Als der Richter sah, daß die Aussicht auf Folter und Tod Agnes nicht schrecken konnten, wollte er der Qual die öffentliche Demütigung hinzufügen. Die Hinrichtung einer Jungfrau, und sei sie auch Christin, hätte die Gesetzgebung nicht gestattet. So befahl er, Agnes entkleiden und schänden zu lassen. Als sie nackt vor den Menschen dastand, geschah der Überlieferung zufolge ein Wunder. Den einzigen, der Agnes anzuschauen wagte, blendete ein Blitz und man trug ihn besinnungslos weg.



Auf der heutigen Piazza Navona sollte Agnes das Martyrium durch Verbrennen erleiden. Da die Flammen ihren Körper nicht verbrennen konnten, enthauptete man sie schließlich. Schon schaue ich, wonach ich mich sehnte, schon besitze ich, was ich erhoffte. Den ich auf Erden von Herzen geliebt, mit dem bin ich im Himmel vereint – dieses von ihr überlieferte Wort im Angesicht des Todes ist die Antiphon zum Benedictus und wird noch heute im Ritus der Jungfrauenweihe gesungen.

Über dem Grab der Heiligen auf einem Friedhof an der Villa Nomentana ließ Constantia, die Tochter Kaiser Konstantins im 4. Jahrhundert eine Kirche errichten, die Basilika St. Agnes vor den Mauern. Auch an der Piazza Navona, dem Ort ihres Martyriums, steht eine ihr geweihte Kirche, in der sich nun ihre Schädelreliquie befindet. Dieser Doppelzahl folgend, hatte die Heilige im Festkalender Roms früher zwei Feiertage, das Gedächtnis am 21. Januar hatte eine eigene Vigil.

In jedem Jahr segnet der Heilige Vater zwei Lämmer, die die Trappisten in Tre Fontane aufzogen haben. Zuvor werden die Lämmer bei der Heiligen Messe zum Patrozinium in der ihr geweihten Basilika St. Agnese fuori le mura in mit Bändern und roten und weißen Blumen (die Farben des Martyriums und der Jungfräulichkeit) verzierte Strohkörbe gelegt und in einer Prozession von jungen Mädchen in weißen Gewändern getragen. Die Nonnen der Abtei Sta. Cäcilia verwenden die Wolle dieser Lämmer, die am Gründonnerstag geschoren werden, für die Pallien der Erzbischöfe. Das Pallium wird dem Erzbischof als Symbol der Verbundenheit Christi, des guten Hirten, mit seiner Braut, der Kirche, übergeben. (Der geistliche Begleiter, der bei der Zeremonie einmal dabei war, berichtet allerdings, daß eines der Tierchen von der Aussicht, seine Wolle für ein Pallium zu geben, gar nicht angetan war. Es sprang kläglich mähend quer durch die Kirche, hinterher die Geistlichkeit).

Wer dieses schöne Bild vom Heiligen Vater mit den Agneslämmern sieht, muß, finde ich, einfach alle gern haben: den scheuen, aber sichtlich erfreuten Heiligen Vater, die weichen Lämmchen und – nicht zuletzt – die tapfere kleine Heilige, klein von Gestalt, aber groß und stark im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung.

Ewiger Gott,
du berufst, was schwach ist in dieser Welt,
um das, was stark ist, zu beschämen.
Höre auf die Fürsprache der heiligen Agnes.
Komm uns zu Hilfe,
damit auch wir unbeirrt den Glauben bekennen.
(Tagesgebet)


___
Bildlegende: Mosaik aus der Apsis in St. Agnese fuori le mura
Catacombe di St. Agnese
der hl. Vater segnet zwei Lämmer zum Fest der hl. Agnes

Dienstag, 18. Januar 2011

Attentio – über die Aufmerksamkeit beim Gebet


Ich bin sicherlich keine Expertin für die Summa theologica (und wahrscheinlich auch kein großes philosophisches Licht) aber ich finde den Aquinaten, dessen Fest wir ja demnächst feiern (ihm ist die Akademiekirche geweiht, im Altar eine seiner Reliquien) – überaus tröstlich.

Wenn es mir – beim besten vorhandenen Willen – einfach nicht gelingt, mich richtig zu sammeln, wenn es beim Beten schwierig wird, weil es im Kopf holterdipolter durcheinandergeht, dann richte ich mich damit wieder auf, was der Aquinate über die Aufmerksamkeit beim mündlichen Gebet zu sagen hat. Er unterscheidet dabei verschiedene Formen:

  • Der Beter richtet seine Aufmerksamkeit auf die genaue Wiedergabe der Texte. Wenn er sich vor dem bewußt gemacht hat, daß er sich im Gebet in der Gegenwart Gottes befindet, so ist diese Art der Aufmerksamkeit nach Ansicht des hl. Thomas absolut ausreichend.
  • Der Beter richtet seine Aufmerksamkeit auf die Gebete und erwägt sie im Herzen, um daraus Nahrung für sein geistliches Leben zu gewinnen. Diese Art der Attentio bezeichnet der Aquinate als sehr gut.
  • Der Beter spricht das Gebet und richtet alle Kräfte seines Geistes auf die Gegenwart Gottes. Dieses nennt der hl. Thomas die beste und höchste aller Formen der Attentio.

Montag, 17. Januar 2011

Montag der 2. Woche im Jahreskreis


Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron. So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde eines Hohenpriesters verliehen, sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt, wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.

Paulus an die Hebräer über die priesterliche Berufung.

Wenn du vollkommen sein willst…

Zwischen 356 und 362 schrieb der Bischof von Alexandria, Anthanasius, auf ausdrückliche Bitte das Leben des hl. Antonius nieder – er selbst nannte es allerdings „einen dürftigen Bericht aus der Erinnerung“.

In diesem Leben finden wir etwas völlig Zeitloses und immer wieder Packendes: jemand wird von Christus unmittelbar angesprochen und folgt diesem Ruf: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir.

Antonius dachte gerade über eine Stelle in der Apostelgeschichte nach, in der berichtet wurde, wie die wohlhabenderen Gläubigen ihren Besitz verkauften und das Geld zu Füßen der Apostel niederlegten, als er die Kirche betrat, in der eben diese Stelle aus dem Evangelium vorgetragen wurde. Sofort folgte er dem Ruf und verkaufte seinen Besitz – seine ganze Sehnsucht aber und seinen ganzen Eifer richtete er auf die Anspannung in der Askese. In der Folge lernte Antonius von Männern in der Umgebung, die sich durch Frömmigkeit und Tugend auszeichneten.

Von zahlreichen Versuchungen geplagt, die Athanasius einen gewaltigen Sturm von Gedanken in seinem Innern nennt, vermehrte Antonius noch seine Askese:
Er behauptete, die Spannkraft der Seele sei dann groß, wenn die Begierden des Körpers ohnmächtig seien. Er hielt auch folgenden, wirklich seltsamen Gedanken fest: er wollte den Weg zur Tugend und die Trennung vom Leben, die er sich um ihretwillen auferlegte, nicht durch ein zeitliches Maß messen, sondern durch seine Sehnsucht und seinen Vorsatz. Er wollte sich nicht erinnern an die Zeit, die schon verstrichen; nein, wie wenn er täglich die Askese aufs neue begänne, mühte er sich immer mehr ab um seine Vollendung, indem er beständig die Worte des Apostels Paulus wiederholte: Vergessend das, was da zurück liegt, strebend nach dem, was vorwärts liegt; er gedachte auch des Ausspruches des Propheten Elias, der sagt: Es lebt der Herr, vor dem ich heute stehe. Denn Antonius beachtete, daß Elias, da er von „heute“ sprach, die abgelaufene Zeit nicht maß; wie wenn er immer von neuem den Anfang machte, bemühte er sich, aus sich den zu machen, als der er vor Gott erscheinen sollte, reinen Herzens und bereit, seinem Willen zu gehorchen und keinem anderen.
Als er Gott flehentlich bat, ihm die Hilfe aufzuzeigen, die Gott jenen gewährt, die ein Leben wie das seine auf sich nehmen, sah er in einer Vision eine große, brennende Kerze und einen Mönch, umgeben von einer Vielzahl bewaffneter Engel. Und die Stimme des heiligen Geistes wies die Engel an: Weicht nicht von ihm, sein ganzes Leben lang!

Zunächst zog sich Antonius in ein Grab unweit der Stadt zurück und schließlich, im Alter von 35 Jahren, als Einsiedler in ein verlassenes Kastell, wo er fast zwanzig Jahre verbrachte. In dieser Zeit hatte sich sein Ruf soweit verbreitet, daß sich ihm viele andere anschlossen – mit Gewalt, so berichtet Athanasius, stießen sie seine Türe auf. Antonius zeichnete sich nicht nur durch seine Askese und Wunder aus, die er tat, sondern auch durch seine Güte und Freundlichkeit:
Er verlieh unserem Antonius auch die Freundlichkeit der Rede; und so tröstete er viele Trauernde, andere, die im Streite miteinander lagen, versöhnte er, so daß sie Freunde wurden; zu allen aber sagte er, sie sollten nichts von dem Irdischen der Liebe zu Christus vorziehen. In seiner Unterweisung gab er auch den Rat, sich der künftigen Güter zu erinnern und der Menschenfreundlichkeit, die Gott uns erwiesen, der seinen eigenen Sohn nicht schonte, sondern ihn hingab für uns alle. Dadurch überredete er viele, sich dem Einsiedlerleben zu widmen. So entstanden jetzt auch im Gebirge Klöster, und die Wüste bevölkerte sich mit Mönchen, die alles verließen, was sie besaßen, und sich einzeichneten für das Leben im Himmel.
Was können wir von Antonius lernen? Vieles: neben seiner tiefen Christusbeziehung seinen Eifer, vor allem aber die Bereitschaft, das zu vergessen, was – wie der Apostel sagt – hinter einem liegt und immer wieder neu zu beginnen: Jeden Tag sage ich mir, heute fange ich an.

___
Bild: Ikone von Isaac Fanous. (Die Hll. Antonius und Paulus von Theben. Der entige Schnabel der herabkommenden Taube Die mit der hl. Kommunion herabkommende Taube ist ein nettes Detail.)
Zitate:
Leben und Wandel unseres frommen Vaters Antonius, verfaßt und abgesandt an die Mönche in der Fremde von unserem heiligen Vater Athanasius, Bischof in Alexandria.

Sonntag, 16. Januar 2011

Seht, das Lamm Gottes



Am Tag darauf sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah. daß der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes. (Joh 1, 29-34)

Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, haben wir heute aus dem Johannesevangelium gehört. – Die Worte „am Tag darauf“ beziehen sich dabei auf den Tag nach der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Dieses und das Evangelium des letzten Sonntags gehören also unmittelbar zusammen. Im Ereignis der Taufe Jesu offenbart sich zugleich ein Abbild der heiligsten Dreifaltigkeit: die Stimme Gottes, des Vaters, der geliebte Sohn und der heilige Geist in Gestalt einer Taube.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
heißt es im Prolog dieses Evangeliums. Johannes nennt Christus das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.

Nun, nachdem dieses Licht das sterbliche Fleisch und die Gestalt eines Menschen angenommen hat und sich in aller Demut wie ein Mensch hat taufen lassen – zur Erfüllung der Gerechtigkeit, wie er selbst sagt –, verwendet Johannes ein weitereres kraftvolles Bild: das makellose und unschuldige Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Diese Worte sind uns sehr vertraut, denn der Priester spricht sie in jeder heiligen Messe, wenn er unmittelbar vor der heiligen Kommunion den Leib des Herrn ein weiteres Mal erhebt: Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.

Wenn wir in der heiligen Messe auf den gebrochenen Leib des Herrn blicken, wird offenbar, was einst am Kreuz offenbar wurde: hier hat einer, der selbst keine Sünde begangen hat, sein Leben hingegeben für die Sünde der Welt. Dieses Lamm ist unsere Hoffnung und Erlösung.

Gelebtes Evangelium

Diese Geschichte. auf die unser Pfarrer sich in der Predigt heute kurz bezog, hat mich sehr angerührt: Bei den Überschwemmungen in Australien hat ein Dreizehnjähriger die Retter darum gebeten, seinen kleinen Bruder zuerst aus den Fluten zu retten. Minuten später kamen Jordan Rice und seine Mutter ums Leben, als das Auto, in dem sie noch saßen, von den reißenden Fluten weggeschwemmt wurde. Jordan konnte nicht schwimmen und hatte Angst vor Wasser. Sein Bruder Blake konnte gerettet werden, wie Jordan es gewollt hatte.

Das ist mein Gebot, das ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde. (Joh 15, 12-13)

Freitag, 14. Januar 2011

Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!


Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen.
Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.
Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen:
Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen?
Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher?
Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten:
Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! (Mk 2, 3-11)

Nach einem wirklich schönen Erlebnis beim Empfang des Bußsakramentes habe ich mich gefragt, warum ich mich eigentlich in Bezug auf die Beichte vorher oft so anstelle, als müßte ich zum Zahnarzt? Eher schlimmer: es hat Jahre gegeben, in denen ich wesentlich öfter – und entspannter – beim Zahnarzt war als im Beichtstuhl.

Die Bilder der Tagesevangelien gestern und heute sind Abbilder der Wirkung des Bußsakraments. Da kniet man, und Christus selbst spricht zu einem: Ich will es, werde rein! Oder auch: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!

Ich bin froh, seid ihr es auch – Seligsprechung Johannes Pauls II.


Wie Giovanni hier en passant erwähnt, sind diejenigen, die Johannes Paul II. einmal die Hand geben konnten, jetzt wohl als sogenannte Berührungsreliquien anzusehen. Das hatte ich mir zwar so noch nicht überlegt, in der Tat ist mir aber, als seinerzeit die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses bekanntgegeben wurde, durch den Sinn gegangen, daß ich dann tatsächlich einmal einem Seligen die Hand geben durfte (bei einer Generalaudienz Anfang der 90er Jahre).


Papst Benedikt wird Johannes Paul II. am 1. Mai in Rom seligsprechen. Josef, der Arbeiter, ist, wie ich finde ein sehr passendes Datum für einen so unermüdlichen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Das Bild, als bei seiner Beisetzung ein starker Wind die Seiten des Evangeliars auf seinem Sarg noch einmal durchblätterte, hat sich vielen wohl tief eingeprägt.

Wie man einem Kardinal gratuliert

(also ich frage mich ja wirklich, ob es dafür eine Backform gibt…)
die Titularkirche St. Agatha dei Goti (in urbe) –
passenderweise ist die Kirche einer der
großen frühchristlichen Jungfrauen geweiht…
…wo der neu erhobene Kardinal am 22. November
zum Fest der hl. Cäcilia eine Dankesmesse gefeiert hat
und dabei eine ausführliche Predigt gehalten hat.

eine Gruppe von 17 Mitschwestern ist eigens angereist
(hier im Petersdom vor der Eröffnung des Konsistoriums)
In diesem Falle Raymond Leo Kardinal Burke, der im November in Rom zum Kardinal erhoben wurde.

Bildquelle: The Lamp, herausgegeben von der United States Assoc. of Consecrated virgins

Donnerstag, 13. Januar 2011

Ich will es – werde rein!


Geht es euch auch so? Manchmal bekomme ich beim Hören des Tagesevangeliums eine Gänsehaut. So etwa heute:
In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde.
Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! (Mk 1, 41-42)

Zur Zeit hören wir Evangelien, in denen der Herr schlichte und doch unendlich bedeutsame Dinge tut, die zeigen, daß er unser Heiland und Retter ist, daß er uns heilen und das Heil erfahren lassen kann, wenn wir es wollen und zulassen: Ich will es, werde rein.

Erneut…

Papst Benedikt bei der Christmette 2010
Gestern, aus den Nachrichten ein- und desselben Medienkonzerns, diese beiden Schlagzeilen:
Papst verärgert Muslime erneut
viel weiter hinten dann:
Erneut Anschlag gegen Christen in Kairo
Wirklich, manchmal kann man gar nicht soviel Headbangen, wie man möchte. Die krude Botschaft (und die Einstellung, die dahintersteht) dessen ist doch: Was immer du tust, heiliger Vater [Anm.: wie etwa dich die für die verfolgten Christen – die dir als Hirten anvertrauten Schafe – einzusetzen, gegen das Unrecht in der Welt einzutreten, ja, für das Leben jedes einzelnen Menschen in Würde und Freiheit aufzustehen], seis drum, es interessiert uns nicht, denn: du hast die Muslime verärgert – erneut, wohlgemerkt!

Leute, zum Mitmeißeln: der heilige Vater hat das getan, was sein Amt ist:
Eure Ältesten ermahne ich, da ich ein Ältester bin wie sie und ein Zeuge der Leiden Christi und auch an der Herrlichkeit teilhaben soll, die sich offenbaren wird: Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde! Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen. (1 Petr 5, 1-4)
Das zu erkennen oder wenigstens ansatzweise zu bedenken, wenn ihr solche Schlagzeilen und Artikel unter die Leute bringt, ist von euch wahrscheinlich wirklich zuviel verlangt.

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (3)


Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, daß Beten nicht bloß Schweigen ist,
sondern Hören.
So ist es:
Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.
Beten heißt:
Still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.
(Sören Kierkegaard)

Mittwoch, 12. Januar 2011

Der überaus feine Goldfaden

Da hier weiterhin angeregt über das Purgatorium diskutiert wird – der heilige Vater hat in seiner heutigen Katechese die heilige Mystikerin Katharina von Genua (1447- 1510) zum Gegenstand seiner Katechese gemacht, zu deren Werken die Schrift Trattato del Purgatorio gehört. Mehr über die Katechese hier bei Kath.net oder hier bei Zenit.

Eigentlich schreibt die hl. Katharina über die Liebe Gottes zu den Menschen. In ihrem Werk Geistliches Zwiegespräch über die göttliche Liebe fragt die Seele Gott um die Ursache seiner so großen Liebe zu den Menschen, der sich ihm doch so sehr widersetzt. Ferner, was denn eigentlich der Mensch ist,
für den er so große Sorge trägt
:
Die Liebe macht aus Tieren Menschen, aus Menschen Engel, aus Engeln sozusagen durch Teilnahme Götter. Du siehst, wie durch sie die Menschen sich in allem verändern, aus irdischen Wesen werden sie zu himmlischen und üben sich mit Leib und Seele in geistlichen Dingen. Du siehst sie ihre Worte und ihr Leben ändern und das Gegenteil von dem tun, was sie zu tun und zu sagen gewohnt waren. Jeder wundert sich über diese Veränderung, und sie scheint ihm gar köstlich, ja man beneidet die, denen solches widerfährt, trotzdem niemand das Werk versteht, der es nicht selbst in sich erprobt.

Diese innige, eindringliche, süße Liebe, die der Mensch in seinem Herzen empfindet, läßt sich nicht erkennen, schildern, begreifen, sie kann nur gefühlsmäßig wahrgenommen werden. Der Mensch fühlt sich von etwas eingenommen, gebunden, umgewandelt, glücklich, friedlich und in sich geordnet, seine körperlichen Triebe empören sich nicht, er besitzt nichts, wünscht sich aber auch nichts, sondern bleibt ruhig und zufrieden im Innersten seines Herzens und weiß von nichts anderem mehr. Ein ganz zarter Faden hält ihn fest gebunden, der in der Hand Gottes ruht.

Ich neige mich zum Menschen herab mit einem überaus feinen Goldfaden, das ist nämlich meine verborgene Liebe zu ihm. An diesem Faden ist eine Angel befestigt, die sich in das Herz des Menschen hakt. Dadurch fühlt er sich verwundet, weiß aber nicht durch wen; er bleibt gebunden und festgehalten, kann sich nicht mehr bewegen noch sich zu bewegen verlangen, denn jenes Herz wird von mir gezogen, zu mir, dem Gegenstand und Ziel seiner selbst. Er aber begreift es nicht. Doch ich, der ich den Faden in Händen halte, ziehe ihn immer mehr an mich durch eine so zarte und eindringliche Liebe, daß der Mensch, überwunden und besiegt, ganz außer sich gerät.

Gleichwie ein Gehängter, der mit seinen Füßen die Erde nicht berührt, in der Luft an dem Seil hängt, das ihn dem Tod überliefert, so hängt jene Seele an dem Faden dieser zarten Liebe, durch die all die verborgenen, unscheinbaren, unerkannten Unvollkommenheiten des Menschen sterben, und alles, was diese Seele nachher liebt, liebt sie mit der Liebe jenes Fadens, durch die sie ihr Herz gebunden fühlt. So wird auch alles übrige, was der Mensch vollbringt, mit dieser Liebe vollbracht. Denn Gott ist es, der wirkt mit seiner reinen Liebe, ohne daß der Mensch sich hineinmengt.

Was kaum einer weiß…

Aus der Reihe Entlegene Fakten oder Dinge, die wirklich keiner wissen will (etwa: Warum die Temperatur in der Hölle nicht über 444,6 °C liegt) heute:

Was die Stadtreinigung und iKEA mit dem Kirchenjahr zu tun haben

Gern würden wir in der Akademiekirche altem Brauch folgend den Christbaum bis Mariä Lichtmeß stehen lassen, zumal er wirklich wunderschön ist. Geht aber nicht, denn die BSR hat genau zwei Termine für die Abholung der Christbäume – wenn ich mich recht erinnere, der 11. und der 18. Januar. Einen extra Abholtermin könnten wir uns keinesfalls leisten (wir konnten uns schon kaum den Baum leisten). Könnte man den zweiten Termin nicht auf den 4. Februar (für Spätentschlossene wie uns) legen?

Das Kuriosum, wieso man manchen weggeworfenen Baum schon am 26. Dezember auf der Straße liegend vorfindet, muß man mir auch erst noch erklären. Mich erinnern solcherart achtlos weggeworfene Bäume immer an Hans Christian Andersens herzzerreißendes Märchen vom Tannenbaum; auch bin ich immer mal wieder in Versuchung, so einen Baum, dem man nicht einmal bis Dreikönig – dem traditionellen Abschmücktermin bei uns zu Haus – seinen Platz gegönnt hat, mit zu mir zu nehmen (ja ja, ich weiß schon, Konvertiten und Bekloppte…). Jedoch finde ich solche Bäume immer in Gegenden, die dafür nun wirklich zu weit von meiner Wohnung weg liegen. Und außerdem, wo soll das hinführen? Binnen kürzestem hätte ich ein Rudel heimatloser, zu kurz gekommener Christbäume bei mir zu Haus. (Möglicherweise fänden die Katzen das aber gut).

Liebe Leute, es ist nicht, daß ich keine anderen Sorgen hätte, es fiel mir nur grad so ein. Wer sich angesichts der Knut-Werbung von iKEA immer mal wieder gefragt hatte, wer zum Geier ist eigentlich Knut? – Es ist der Märtyrer Knut IV. von Dänemark, der mit den heiligen Königen Erich und Olaf (noch drei Könige!) einen Gedenktag hat. Der Überlieferung ordnete er seinerzeit an, die Weihnachtszeit um zehn Tage zu verlängern.

Dienstag, 11. Januar 2011

mein Bekennerschreiben bei Sende-Zeit


Bei Sende-Zeit ist im Rahmen der Initiative Glauben – Bekennen – Handeln nun auch mein Bekennerschreiben nachzulesen.

Ich finde die Initiative immer noch klasse, auch daß sich Dr. Kebekus soviel Arbeit damit macht.

Montag, 10. Januar 2011

Es grünt so grün…

Da nun endgültig und erstmals in diesem Kirchenjahr Grün – vergleiche dazu auch hier oder hier – angesagt ist, hier noch die feierliche Festankündigung des Kirchenjahres, die in Kathedralkirchen traditionell am Hochfest der Erscheinung und im Ton des Exsultet gesungen wird. Sowas heißt man übrigens einen Cisiojanus.
Liebe Brüder und Schwestern, die Herrlichkeit Christi ist heute erschienen; immerfort leuchtet sie unter uns auf, bis der Menschensohn wiederkommt.

Nach dem Fest seiner Geburt und seiner Erscheinung schauen wir aus nach den Drei Österlichen Tagen: den Feiern seiner Kreuzigung, seiner Ruhe im Grabe und seiner Auferstehung von den Toten.

So kündigen wir euch als erstes das Fest aller Feste an, den Ostersonntag, am vierundzwanzigsten April dieses Jahres. Jubelnd feiern wir den Tag, den Gott gemacht, und rühmen die Auferstehung unseres Erlösers.

Damit auch wir mit ihm auferstehn, begehen wir vierzig Tage hindurch die österliche Bußzeit. Sie beginnt am neunten März dieses Jahres mit der Feier des Aschermittwochs.

Danach schenkt uns der Herr die fünfzig Tage der Osterzeit: Am zweiten Juni das Fest seiner Himmelfahrt und am zwölften Juni das Hohe Pfingstfest, an dem der Heilige Geist herabkam auf seine Jünger.

Am dreiundzwanzigsten Juni feiern wir Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Die Kirche bereitet sich vor auf das Kommen ihres Herrn und beginnt den Advent am siebenundzwanzigsten November.

Voll Hoffnung erwartet sie am Ende der Zeiten die Wiederkunft unseres Retters Jesus Christus. Ihm gebührt alle Ehre und Herrlichkeit, jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

So schön wie oben können grüne Gewänder immerhin auch sein – haben wir aber nicht. Noch etwas grüner ist dieses Bild von New liturgical movementich frage mich, was hier wohl dargestellt ist? * Vor dem Prager Jesulein ganz in Grün schrecke ich zugegebenermaßen zurück.


Übrigens mag ich das grüne Brevier. Ich stimme zwar Ecce zu, ich liebe die geprägten Zeiten ebenfalls, aber der Jahreskreis ist nach all dem Weiß wie ein Stück Schwarzbrot mit Käse nach einem opulenten Mahl. Um unser wunderschönes weißgoldenes Kelchvelum in der Akademie tut es mir allerdings doch ein wenig leid, aber halt, das sehe ich zum Patrozinium des hl. Thomas ja schon wieder. :)

______
[Anm. OK, ich habs. Es ist die Pfingstliturgie – was ich wegen der fallenden Blütenblätter auch zuerst vermutet hatte. Dann dachte ich "Pfingsten in Grün, sei doch nicht albern!" Im byzantinischen Ritus feiert man Pfingsten aber offenbar in grünen Paramenten (und auch sonst mit viel Grünzeug), was zu gegebener Zeit einen Beitrag darüber wert sein wird.]

Grad erst gefunden – Brunonis


Grade heute erst gesehen, gibt es aber auch erst seit Mitte Dezember – Brunonis, ein Blog mit vielen Bildern und Filmen von Kartäusermönchen und -nonnen und deren Klöstern. Das Bild oben stammt von dort und zeigt den Kreuzgang der aufgelassenen deutschen Kartause Maria Hain – die Mönche haben die Kartause in den 60er Jahren seinerzeit wegen des Flughafenneubaus aufgegeben und sich in der Marienau in Bad Wurzach angesiedelt.

Für die Kartäuser habe ich eine besondere Vorliebe. Eine interessante Eigenart (daher kommt aber nicht die Vorliebe) findet sich im Eigenritus der Ordens. Bei den Kartäuserinnen können die Professen die Jungfrauenweihe empfangen, wenn sie es wünschen. Bei der Weihe wird der Consecranda außer den Insignien der geweihten Jungfrau – Schleier, Ring und Stundenbuch – auch die Stola übergeben.

Kartäuserinnenklöster sind womöglich noch seltener als die der Mönche. In Deutschland haben wir gar keines, in Frankreich und Italien sind jeweils zwei, in Spanien eines. Sowohl in Frankreich als auch Italien sind einige Konvente dazu übergegangen, den Chornonnen – analog zum Leben der Mönche – das Leben in Zellenhäuschen zu ermöglichen.

Sie folgten dem Stern

Der schönste hiesige Versprecher in der Weihnachtszeit: „Und die Hirten kamen eilends zum Grab!“ (Mist, wo kriege ich jetzt dazu das passende Bild her?!)

Zum Beitrag über die heiligen drei Könige wollte ich wie andere Mitblogger auch erst dieses Bild von Gentile da Fabriano nehmen, weil das Jesuskind dem einen König da so nett auf die Glatze patscht. Dann ist es doch Botticelli geworden, obwohl man den meiner Ansicht eigentlich nur wirklich würdigen kann, wenn man direkt davorsteht, einfach, weil man dann noch viel mehr sieht, was auf den Wiedergaben verlorengeht, winzige Blumen im Gras zum Beispiel).

Bei der Betrachtung der Darstellungen dieser Anbetungsszene fällt außer den mitgebrachten Gaben natürlich auch die Körperhaltung der Weisen auf: mindestens zwei, wenn nicht alle, knien immer. Zum Thema „dem Stern folgen und huldigen“ hat unser Pfarrer in der Frühe des Hochfests der Erscheinung etwas sehr schönes gesagt:

Es gibt eben Momente, in denen wir ganz instinktiv das Bedürfnis haben, niederzuknien. Die Magier sind diesem ihren Bedürfnis einfach so gefolgt. Es wird nicht kommentiert durch den Evangelisten, sondern als selbstverständlich hingenommen. Sie sind die Heiden, die etwas unbeschreiblich Großes erleben. Und sie erscheinen irgendwie sehr selbstsicher in ihrem Auftreten und bleiben es auch dann, wenn andere ihnen darin nicht folgen. Das läßt sie groß werden durch das Geheimnis, dessen sie teilhaftig werden.


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