Montag, 31. Oktober 2011

Was wir sein werden… – Allerheiligen


An Selig- und Heiligsprechungen der jüngeren Zeit, aber auch aus dem Faktum, daß das schöne Fest Allerheiligen auch den unabsehbar vielen gilt, die Gott geheiligt hat, ohne daß wir von ihnen namentlich wissen, wird unter anderem etwas sehr Wichtiges offenbar: wir alle haben die Möglichkeit, einem Seligen oder Heiligen zu begegnen, denn sie sind mitten unter uns. Ein Heiliger kann bereits zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit gestanden, er kann aber auch völlig unerkannt unter uns gelebt haben, ja auch verachtet, verspottet oder um seines Glaubens willen ermordet worden sein.

Mehr noch, wir haben die Möglichkeit, selbst danach zu trachten, heilig zu werden. Diese konnten es und jene, warum nicht auch ich?, stellt der hl. Augustinus den Gläubigen als ernsthafte Frage an jeden einzelnen vor Augen. Die erste Antwort auf die Frage, was man tun kann, um ein Heiliger zu werden, ist wohl, es wirklich zu wollen. Nicht als Leistungssport, sondern indem man sich ganz der Gnade Gottes und dem Wirken seines Geistes überläßt. Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden, heißt es in der zweiten Lesung des Festes, aber: wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.


Die Gemeinschaft der Heiligen ist nicht etwas Abstraktes, das irgendwie über uns schwebt, sie ist etwas, das in unsere Zeit, in unseren Alltag hineinragt, ein Ort, an dem Himmel und Erde eins sind. Sehr schön kommt dieser Gedanke in dem Lied der Benediktinerin Silja Walter zum Ausdruck:
Eine große Stadt ersteht,
die vom Himmel niedergeht
in die Erdenzeit.
Mond und Sonne braucht sie nicht,
Jesus Christus ist ihr Licht,
ihre Herrlichkeit.
Eigentlich sind die Feste der Heiligen alle auch Feste des Herrn, denn in seinen Heiligen wird Christus verherrlicht. Das Bild Fra Angelicos ist Teil einer Altarretabel des Jüngsten Gerichts, deren linke Seite den freudevollen Zug der Heiligen und ihren Eingang in den Himmel zeigt. Die Freude ist fast greifbar. Diese Freude ist der Ansporn für uns: dorthin will ich eines Tages auch.

Die Heiligen mögen uns auf dem Weg dorthin helfen: Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und schenke uns dein Erbarmen, betet die Kirche im Tagesgebet. Allerheiligen ist nicht nur das eigentliche Erntedankfest der Kirche, es ist auch ein Fest der ganzen Kirche, der irdischen wie der himmlischen.

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