Samstag, 1. Oktober 2011

Stundengebet – die Zeit


Tagzeiten bloggt über das, was mir am Herzen liegt und auch aufgetragen ist – das Stundengebet der Kirche – und daher zu manchem, zu dem ich mir umständehalber auch Gedanken gemacht habe, hier etwa über die richtige Zeit. Der Rat zu einer gewissen Entspanntheit im Umgang mit dem Stundengebet ist sicher ein guter für jeden, der es „in der Welt“, das heißt außerhalb der festgelegten Zeiten des Chorgebets, verrichtet (was nicht heißt, daß man sich nicht einigermaßen festgelegte Zeiten schaffen könnte). Indes ist das Stundengebet auch für die, die die Kirche damit beauftragt, kein Pensum, das ich abarbeiten sollte oder müßte, sondern etwas, das mich nährt und stützt, und das ich (meist) gern tue.

Um einmal meinen eigenen Rhythmus zu skizzieren: ich bete morgens die Matutin und die Laudes, mitten am Tag eine der kleinen Horen – meist die Non oder die Sext, je nach dem, woran ich zeitlich dichter „dran“ bin, die Vesper und abends natürlich noch die Komplet.

Die Vesper bete ich meist am späten Nachmittag, sie ist für mich eine schöne Bereitung zur Heiligen Messe. Spät abends noch zu „vespern“ ist meist ein unglückliches Vorhaben, und auf der Bettkante schon gleich gar nicht. Die Komplet wiederum bete ich nicht im Liegen, schon weil mir einmal dabei das Stundenbuch aufs Gesicht gefallen ist, als ich eingeschlafen bin. Den Beichtvater mit der länglichen Aufzählung von Ich-bin-beim-Gebet-eingeschlafen-Begebenheiten anzuöden, wenn das Ergebnis von vornherein absehbar ist, muß auch nicht sein.

Die Matutin am frühen Morgen zu beten, ist ein alter klösterlicher Brauch und mir auch am liebsten: den Tag mit der relativ langen Gebetseinheit aus Invitatorium, Matutin und Laudes zu beginnen und damit die erste Stunde des Tages mit dem Lob Gottes zu verbringen, ist der denkbar beste Tagesanfang. Die Matutin des folgenden Tages am Vorabend zu antizipieren (das heißt, „vorzuholen“) ist für mich keine gute Lösung: abends baue ich relativ schnell ab, und das hat diese schöne Tagzeit mit ihren langen Lesungen einfach nicht verdient. In einem Kloster, das ich kenne, und in denen die Matutin als Vigilien nach der Komplet gehalten werden, hab ich mich vom liturgischen Gefühl her da auch eher schwergetan; man betet die Komplet: im Frieden leg ich mich nieder und schlafe ein, und dann ist der Tag mit der Komplet eben nicht „komplett“, und ich lege mich nicht nieder und schlafe (hoffentlich) nicht ein, sondern bitte gleich darauf darum, daß der Herr meine Lippen öffnen möge, weil gerade ein neuer liturgischer Tag beginnt. Je nachdem, wie müde man um diese Zeit schon ist, kommt man dann unter Umständen in Versuchung, sich über Apostelfeste zu freuen – die haben ganz kurze Psalmen.

Hier muß aber jeder seinen eigenen Ansatz finden. Es gibt sicher Menschen, für die das Gebet der Lesehore zu einer ruhigen Zeit des Tages – etwa vor oder nach der Vesper – das richtige ist, und die Einführung ins Stundenbuch läßt ja in dieser Beziehung auch viel Freiraum.

Ein Grund, warum ich mich mit dem Antizipieren oder Nachholen eines ganzen Schwunges gesammelter Gebetszeiten nicht wohl fühle, ist der Gedanke, den die Kirche im Hinblick auf das Stundengebet hat: das ganze Werk des Tages soll gleichsam durchzogen sein vom Gebet. Durchzogen sein kann es aber nur, wenn ich immer wieder einmal Freiraum dafür schaffe und auf diese Weise Gott an die erste Stelle setze, auf sein Wort höre.

Ein zweites, das mir wichtig ist, ist, ich möchte die Tagzeiten möglichst so beten, daß mir ihre Liturgie inhaltlich sinnvoll erscheint, zumal ich die Hymnen und möglichst viele anderes, wenn irgend möglich, singe. Nun, da der Sonnenball versinkt, geh du in unsrem Herzen auf kann ich einfach nicht mehr um Mitternacht singen. Schon klar, daß man das Singen der Hymnen nicht zeitgleich zum Sonnenauf- oder Untergang terminieren kann, aber um Mitternacht ist der Sonnenball nun wirklich woanders und mittags um zwei ist er schon so lange aufgegangen, daß man da auch den entsprechenden Hymnus nicht mehr über die Lippen brächte. Dich preist am Morgen unser Lied, dich rufen wir am Abend an, zu dir erhebt sich unser Herz an jedem Tag, den du uns schenkst, heißt es im selben Vesperhymnus. Diese Texte haben eine tiefe inhaltliche Bedeutung, sie umranden den Tag wie ein Kranz, ähnlich wie der Kranz der Feste des Jahres das ganze Kirchenjahr umrandet.

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