Samstag, 15. Oktober 2011

O doctrix optima – hl. Teresa von Avila

Die Darstellung Teresas bringt wie die
Antiphon zum Ausdruck, wieso jede Reform
nur in Übereinstimmung mit dem Glauben
und der Lehre der Kirche fruchtbar sein kann:
O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche
du hast Gottes Weisung geliebt. Auf dem
Ölbild trägt die herabkommende Taube
über dem Köpfchen den zarten Glorienschein
des Heiligen Geistes
O Lehrerin des Glaubens und Licht der Kirche, du hast Gottes Weisung geliebt. Heilige Theresia, bitte für uns bei Gottes Sohn.
(Antiphon zum Magnificat am Fest der hl. Teresa von Avila)

Teresa von Avila ist eine der drei Kirchenlehrerinnen, für die das Antiphonale eigens O Lehrer(in) des Glaubens vorgibt (ob man im Lateinischen O doctrix optima singt, entzieht sich meiner Kenntnis).

Teresa ist eine der bekanntesten und ausdrucksvollsten Heiligen der katholischen Kirche. Geboren 1515 in Avila als Teresa de Cepeda y Ahumada, wählte sie sich das schlichte Teresa von Jesus als Ordensnamen. In einer Überlieferung begegnete ihr auf ihren zahlreichen Reisen beim Verlassen des Klosters ein Kind, das sie fragte: „Wer bist du?“ – „Teresa von Jesus“. Das Kind erwiderte: „Und ich bin der Jesus von Teresa“.

Als ihre Mutter 1529 starb, bat Teresa die Jungfrau Maria, an ihr Mutterstelle zu vertreten. Mit achtzehn trat Teresa in den Karmel von der Menschwerdung ein und legte dort am 3. November 1537 im Alter von zweiundzwanzig Jahren ihre Profeß ab. Mehr als zwanzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie im Kloster von der Menschwerdung, zu dem sehr viele Schwestern gehörten, und in dem die Schwestern ein vergleichsweise einigermaßen „lockeres“ Leben führten (im Sprechzimmer war immer viel los) in Zwiespalt, Zerstreuung beim Gebet und innerer Zerrissenheit. 1554 schließlich berührte sie die Betrachtung des Bildnisses eines Schmerzensmannes so tief, daß sich ihr Leben völlig veränderte.


Aus der Erkenntnis, Wir sollen oft zu Gott sprechen, vertrauensvoll wie mit einem Freund, kam der hl. Teresa der Wunsch, andere diese Art des Betens zu lehren: Teresa war der Ansicht, daß viele Seelen bei ihrem Aufstieg zu Gott darin beschwert würden, daß sie Gott nicht recht kennen und durch verschiedene äußere Umstände an der völligen Hingabe ihrer selbst gehindert werden. Daher gründete Teresa von Jesus mit Erlaubnis ihrer Oberen und zunächst vier Schwestern eine kleine Gemeinschaft, den Karmel vom hl. Josef, in dem die Schwestern versuchen wollten, in der Klausur ein Leben zu führen, in dem möglichst wenig sie am Dienst des Gebetes hindern sollte.

In der Folge führte Teresa, in dem Bemühen, weiterzugeben, was sie selbst an Einsicht gewonnen hatte, ein Leben zwischen Betrachtung und großer Aktivität: sie gründete Klöster, lehrte, schrieb, reiste herum, um weitere Gründungen vorzunehmen. Dabei hatte Teresa durchaus bestimmte und teilweise für ihre Zeit sehr unkonventionelle Vorstellungen – Dinge, die die Kirche später als richtungsweisend erkannt und Teresa zur Kirchenlehrerin erhoben hat.

Dinge, die der hl. Teresa bei ihren Neugründungen hauptsächlich am Herzen lagen, waren die Übung des inneren Gebets, das Maßhalten und Klugheit bei den körperlichen Bußen (nicht jede Schwester braucht körperliche Abtötungen in gleichem Maße, nicht jede kann sie alle durchhalten. Es sollen daher für die Gemeinschaft als solche nur Bußübungen vorgeschrieben werden, die jede Schwester leicht erfüllen kann), die zweimalige Rekreation am Tag, den schwesterlichen und freundlichen Umgang miteinander in einer kleinen Gemeinschaft, das Leben unter einer Priorin und die freie Wahl eines Beichtvaters. Auch sollten sich Visitatoren nicht übermäßig in das Leben der Schwestern einmischen. Teresa fand, es genüge vollauf, wenn einmal im Jahr ein Visitator komme, um die Schwestern in Liebe zurechtzuweisen und ihre Fehler nach und nach zu verbessern.

Die Schwestern sollen in Gemeinschaften von nicht mehr als einundzwanzig Schwestern miteinander unter einer Priorin leben, die für die ganze Gemeinschaft die Mutter verkörpert. Die Priorin soll zugleich mütterlich und geistliche Lehrmeisterin sein, aber nicht hart oder übermäßig streng (Sie sorge dafür, daß man sie liebe, damit man ihr gehorche).

Für alle diese Neuerungen versicherte sich Teresa päpstlicher Hilfe (durch einen Brief); während ihrer Gründungstätigkeit gab es aber durchaus auch Widrigkeiten. So verboten ihr die Ordensoberen einmal volle zwei Jahre lang, den Konvent, in dem sie sich gerade aufhielt, wieder zu verlassen.

Teresa ist von bemerkenswerter Nüchternheit und Klarheit, sie hat nichts von Schwärmertum, wohl aber von der Glut der mystischen Erfahrung. In diesem kurzen Text scheint die gesamte Erkenntnis Teresas zusammengefaßt. Andere Darstellungen zeigen die Heilige neben der Taube auch mit einem Spruchband[1], das aus ihrem Munde kommt oder über ihr schwebt: Misericordias Domini in aeternum cantabo – das Erbarmen des Herrn will ich in Ewigkeit singen.
Obwohl er der Herr über allem ist und alle Freiheit hat, paßt er sich unserer Größe an, weil er uns liebt.
Einer kleinen Seele, die am Anfang steht, gibt er sich nicht gleich zu erkennen, damit sie nicht in Unruhe gerät, wenn sie sieht, welche Größe sie in sich beherbergen darf. Nach und nach weitet er sie, damit sie aufnehmen kann, was er in sie hineinlegen will.
___
[1] ein Vorläufer der Sprechblase. Das Bild mit dem Spruchband ist das einzige nach dem Leben gemalte Bild der Heiligen und stammt von dem Karmeliten Fr. Juan de la Miseria.
kleines Bild: Ableger der hl. Teresa heute – ein Konvent im Gebet vor der Statue unserer lieben Frau vom Berge Karmel

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Sagen wir mal:
O doctrix optima

Braut des Lammes hat gesagt…

Oh, danke, ich habs gleich oben ausgebessert. Bei "doctrix" hab ich die Kurve noch gekriegt.

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