Montag, 17. Oktober 2011

Kyrie eleison – Trauermarsch mit den Kopten in Berlin am 16. Oktober

Hier einige Bilder vom gestrigen Trauermarsch für die ermordeten koptischen Christen in Kairo. Die Demonstration begann am Berliner Dom und zog in etwas mehr als zweieinhalb Stunden zum Brandenburger Tor, wo eine abschließende Kundgebung mit Ansprachen vor allem der Bischöfe stattfand.

Zu der Demonstration, für deren Organisation die koptische Gemeinde sich sehr eingesetzt hat, waren neben dem koptischen Bischof Damian auch unser Weihbischof Matthias Heinrich, Vertreter der syrischen Kirche und des ökumenischen Rates, und vor allem etwa 500 Menschen gekommen. Einerseits hat es mich sehr gefreut, daß es überhaupt 500 Leute waren, andererseits fragt man sich irgendwann doch unwillkürlich: wieso stehen in einer so großen Stadt eigentlich nur 500 Leute gegen das Unrecht und die Verfolgung, die man unseren Glaubensgeschwistern in Ägypten antut, auf? Und selbst wenn es sich nicht um Christen handelte, denen man sich im gemeinsamen Glauben verbunden fühlt: Unrecht bleibt Unrecht. Ich nehme selten an Demonstrationen teil, aber selten ist es mir auch so wichtig und sinnvoll erschienen. Es ist wichtig, das Augenmerk der Öffentlichkeit und der Politik immer wieder darauf zu lenken, daß überall auf der Welt unschuldige Christen, die nichts anderes wollen, als in Frieden leben und beten, nur wegen ihres Glaubens verfolgt und ermordet werden. Das Wort Kopte bedeutet übrigens einfach Ägypter und erinnert uns daran, daß Ägypten ungefähr 600 Jahre ein christliches Land war – eine lange Zeit. Die koptischen Christen gehören zu unseren ältesten Glaubensgeschwistern.





Warum tut ihr uns das an? Das kann man fragen, man wird aber keine rechte Antwort darauf finden. Vielleicht weil Kujonieren und Drangsalieren zum Bösen in der menschlichen Natur gehören, das es immer wieder zu überwinden gilt. Nichtsdestoweniger darf man es nicht einfach schweigend hinnehmen.

Der mit den Gewändern der koptischen und syrischen Priester und mit von orthodoxen Gläubigen in großer Zahl mitgebrachten koptischen und äthiopischen Kreuzen würdige und beeindruckende Zug erweckte bei den Vorübergehenden Unter den Linden und im Regierungsviertel durchaus Interesse (Tiberius, der dabei gedreht und Interviews aufgezeichnet hat, wird hierzu sicherlich noch berichten). Besonders berührend war, als während des Trauermarsches einer der Priester aus dem Korintherbrief vortrug:
Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.
Die beim Marsch zwischendurch angestimmten koptischen Gesänge konnten wir natürlich nicht mitsingen, aber einen doch, und selten ist mir die Kirche so universal und weltumspannend vorgekommen: Kyrie eleison.

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Sehr schön, daß aber immerhin 500 Leute da waren. Ich konnte leider nicht kommen, da ich um diese Zeit in Münster war.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja Phil, ich fand die es auch ermutigend, daß immerhin 500 gekommen sind. Zwischendurch ertappt man sich halt bei dem Gedanken: eigentlich müßten es 500.000 sein.

Anonym hat gesagt…

Nicht die Quantität entscheidet darüber ob Gebete erhört werden oder nicht. Ein Gerechter genügt, um die Welt zu erneuern. Jesus hat es vorgelebt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist natürlich richtig. Es ging hier jedoch gar nicht um die Quantität der Gebete, sondern um die Quantität der Leute, die sich mit ihren verfolgten Glaubensgeschwistern – oder auch mit den um ihres Glaubens willen Verfolgten einer anderen Religion – solidarisch erklären und ein Zeichen setzen wollten. Auch möchte Jesus ja gerade, daß wir seinem Beispiel nacheifern.

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