Dienstag, 11. Oktober 2011

Il papa buono – sel. Johannes XXIII. (Angelo Roncalli)

Eine der nettesten Geschichten, die vom seligen Johannes XXIII. überliefert ist, ist die, wie er ein Waisenhaus besuchte und dort ein Kind nach seinem Namen fragte. „Angelo“, sagte der kleine Junge. Darauf der Papst: „Ich hieß auch einmal Angelo, aber dann haben sie mir diesen anderen Namen gegeben“.

Johannes XXIII. muß ein sehr einfacher und gütiger Mensch gewesen sein, womöglich hat ihn gerade das der Heiligkeit nahegebracht. Sieht man sich die Fotografien aus seiner Amtszeit an, fällt ins Auge, daß viele diese Bilder ihn in der unmittelbaren Begegnung mit Christus selbst zeigen: er hat die Gefangenen besucht, die Waisen, die Heimatlosen, die Kranken. Il papa buono – der gute Papst. Wie schön, wenn das nach seinem Tode von jemandem gesagt werden kann: der Gute. Diese glückliche Gabe drückt sich auch in seiner grundsätzlichen Haltung aus: Ich traue meinen Augen, ich lege alles gut aus und erfreue mich eher des Guten, als mich unnötig durch den Anblick des Schlechten zu zerstreuen, und schließlich schaue ich in die Zukunft.

Einer der bewegendsten Momente seines Lebens muß für ihn die Eröffnung des zweiten vatikanischen Konzils gewesen sein. Als ihm seine Berater seinerzeit entgegenhielten, das Konzil könne unmöglich 1963 eröffnet werden, entgegnete er schlicht: „Gut, dann werden wir es 1962 eröffnen!“






Auch der Tod selbst gehörte für ihn zum Guten und zur unmittelbaren Zukunft. Am 23. Mai verabschiedete sich Papst Johannes XIII., sichtbar gezeichnet von seiner Krankheit, die er mit viel Geduld ertragen hatte, von den Gläubigen in aller Welt – „Meine Koffer sind gepackt, ich kann jederzeit abfahren“ –, am 3. Juni 1963 gab er seine Seele Gott zurück. Heute ist sein Gedenktag, derselbe Tag, an dem vor 49 Jahren das von ihm einberufene Konzil eröffnet wurde. – Gütiger und seliger Johannes XXIII., bitte für uns.

Kommentare:

SyRes hat gesagt…

Ich mag ihn auch wirklich gern, den Guten Papst.
Aber im katholischen Kalender ist er trotzdem am 03. Juni, seinem Todestag.
Nur im franziskanischen Kalender heute, am 11. Oktober.
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johannes_XXIII.html

Nix für ungut!

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den Kommentar, aber ist es möglich, daß du dich irrst? Vergleiche etwa hier

http://www.erzdioezese-wien.at/content/artikel/a6193
oder hier
http://gloria.tv/?media=203234

Anonym hat gesagt…

"Il papa buono" - der Papst der Geschichtchen und der Papst, der endlich das "Konzil zur Beendigung aller Konzilien" eröffnet hat: Das ist das veröffentlichte Image. "Alt, aber gut".

Aber einer ihn gut gekannt hat, der hat ihn im Seligsprechungsprozeß als den stursten Konservativen, den man sich nur vorstellen könne, charakterisiert. Alle Johannes- und Konzils-Lobhudler verschweigen auch gerne die von ihm gehaltene Römische Diözesansynode von 1960, deren Akten einem sehr traditionellen Christen- und Priesterbild verpflichtet sind.

Daß Papst Roncalli gerade am 11. Oktober im Kalender stehen soll (oder auch nicht, was weiß ich?), ist auch schon wieder sinnfällig: Am 11. Okt. 1962 wurde das Vaticanum Secundum eröffnet. Damals stand an diesem Tag ein inzwischen abgeschafftes Marienfest im Kalender.

Sel. Papst Johannes XXIII., bitte für uns. Bitte besonders für die, die sich aus den falschen Gründen auf Dein Andenken berufen!

Pompous Ass

Braut des Lammes hat gesagt…

Also, über den Tonfall bin ich etwas verwundert, nichtsdestotrotz willkommen auf dem Blog.

Die Charakterisierung als "sturster Konservativer" war mir durchaus bekannt und auch das "sehr tradtionelle Priesterbild". Wenn man dann allerdings schaut, was diejenigen, die solche Etikettierungen vergeben, darunter verstehen, kann man sich ebenfalls wundern:
Die Geistlichen wurden zu ihrem Entsetzen verpflichtet, außer der Soutane noch den Priesterhut zu tragen, Frauen durften den Altarraum nicht betreten. Den Zölibat verteidigte Johannes mit einer Zähigkeit, als ginge es um eine Glaubensfrage. (die WELT, 2008).
Mei – gehts noch erschröcklicher? Johannes XXIII. war es wichtig, daß Priester in der Öffentlichkeit als solche erkennbar sind, und er hat den Zölibat verteidigt. Darüber hinaus hat er anscheinend den Aufenthalt an bestimmten Orten als für dem Priestertum nicht angemessen empfunden. Ob das letztere so ist oder nicht, darüber mag man diskutieren. Mittlerweile scheint sich die Ansicht über den Aufenthalt in Stadien vielleicht auch geändert zu haben, sonst hätten Päpste nach ihm nicht Gottesdienste im Olympiastadion feiern können. Ich nehme einfach mal an, Papst Johannes war die Vorstellung eines Priesters, der zum Pferderennen geht, ein Greuel.

Eher ist in diesem Zusammenhang doch aber zu fragen, wieso eigentlich Eigenschaftswörter wie "traditionell" oder auch "konservativ" so oft dazu benutzt werden, jemanden herabzusetzen?

Interessanterweise hört man von der Kirche beim Heiligengedenken nichts über "richtige" oder "falsche" Gründe – warum also von Dir?

Anonym hat gesagt…

Daß ich das mit den richtigen und den falschen Gründen hier angebracht habe, liegt wahrscheinlich daran, daß ich so oft den "guten Papst Johannes XXIII." verherrlicht gehört habe - oft in einem Zusammenhang der geradezu sagte: "Ja, wenn er nur länger gelebt hätte, dann wären wir mit der Kirchenreform schon viel weiter." Ad evitandum dubium halte ich fest: Das war nicht hier, nicht auf diesem Blog.

Die Leute, die so nostalgisch auf den Konzilspapst Roncalli zurückschauen (gelegentlich auch auf ihre eigene Jugend, damals in den wilden 60ern), wissen in der Regel sonst nicht viel von ihm. Ich habe den großen Nachteil, daß ich ein bißchen mehr von diesem Mann weiß (nicht viel, aber ein bißchen mehr).

Ich halte ihn für einen heiligmäßigen Priester, der sein Kreuz bis nach Rom getragen hat. Mir ist er über die Maßen sympathisch, weil er noch 1962 verordnet hat, im Verlaufe der Priesterausbildung dürfe Latein, die Sprache der Kirche, keinesfalls zu kurz kommen. Gewisse Kurse im Seminar sollten auf Latein gelesen werden. Was dann daraus geworden ist, wissen wir alle.

"Stur" ist also für mich durchaus positiv besetzt... Aus diesem Grund ist mir das "aus den falschen Gründen" in die Tastatur geflossen.

Pompous Ass

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke für die Klarstellung.

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