Mittwoch, 19. Oktober 2011

Die Wolke der Zeugen – Fest der hll. Märtyrer Nordamerikas

In der Predigt zum Gedenktag des hl. Ignatius von Antiochien fand der Predigende das Streben des Heiligen nach dem Martyrium, um Christus ähnlicher zu werden, unverständlich. (Ich wiederum finde diese Sehnsucht gar nicht schwer verständlich, was nur beweist, daß man es offenbar sehr verschieden sehen und wahrnehmen kann.)

Die jesuitischen Märtyrer, die wir heute feiern, haben das Martyrium sicherlich zumindest billigend in Kauf genommen: P. Isaak Jogues kehrte nach seinem ersten Aufenthalt in der Mission aus Frankreich wieder in die Mission zurück, obwohl er um die Gefahren wohl wußte, da er bereits Folter und Verstümmelung erlitten hatte. P. Noël Chabanell konnte die Sprache der Algonquin und der Huronen nicht erlernen und litt außer unter den körperlichen Entbehrungen – viel schlimmer noch – unter dem, was der hl. Johannes vom Kreuz die dunkle Nacht der Seele nennt. Trotzdem tat er das Gelübde, in der Mission zu leben und zu sterben. Johannes de Brébeuf gab man die Schuld an einem Pockenausbruch, er lebte unter ständiger Bedrohung, trotzdem blieb er.

„Welches Werk könnte Gott wohlgefälliger sein?“, fragt im Film der Darsteller des P. Isaak Jogues seinen Ministranten, der seinem Beispiel später folgt und nach der Priesterweihe ebenfalls in die Huronenmission aufbricht. Tragischerweise brachte die Bekehrung zum Christentum dem Stamm der Huronen zugleich den Niedergang – sie wurden von ihren Feinden, den Irokesen, vernichtend geschlagen. Zuvor wurden Katechumenen und Neugetaufte ermordet, um die Missionare in Angst und Schrecken zu versetzen: Märtyrer für Christus auch sie.

Welches Werk könnte Gott wohlgefälliger sein? – Das Werk war nicht nur, unter Entbehrungen zu leben, die uns heute kaum vorstellbar erscheinen und unter den denkbar entsetzlichsten Umständen Christus ähnlicher zu werden, sondern Menschen, die noch nichts von Christus wissen konnten, das Evangelium zu bringen und buchstäblich das Weizenkorn zu werden, das in die Erde fällt und stirbt und so reiche Frucht bringt. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr reiche Frucht bringt. Ich glaube, das gilt auch für das Martyrium, es zu erleiden kann eine Gnade sein.

Die Gedenkstätte der hl. Märtyrer Nordamerikas in Auriesville im Staat New York, wo auch die sel. Kateri Tekakwitha begraben ist. 1640 hieß dieser Ort Ossernenon und lag mitten im Stammesgebiet der Irokesen.

Der Schrein der Märtyrer, der unserer lieben Frau von den Märtyrern
geweiht ist, vom nahegelegenen Strom, dem Mohawk River, aus gesehen

Der Weg in den Wäldern, auf dem
der hl. Jean de Lalande  den hl. Isaak Jogues erschlagen auffand.
Bei dem Versuch, seinen Leichnam zu bestatten,
geriet auch de Lalande in Gefangenschaft
und erlitt am Tag darauf das Martyrium.

Der Wallfahrtsschrein mit den Kreuzen für die jesuitischen Märtyrer
Die Ufer des Mohawk –
heiliger Boden, da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt.

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Weitere Bilder: Statue des hl. Johannes de Brébeuf; Karte des Missionsgebiets. Der Maßstab verdeutlicht die ungeheure Ausdehnung des Gebiets, das sich an den Ufern des Mohawk und des Sankt-Lorenz-Stroms bis in die kanadische Provinz Quebec erstreckte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich erinnere mich, einen Spielfilm gesehen zu haben, der das Engagement von Missionaren/ dieser Missionare unter den Indianern Kanadas zeigte. Leider kann ich den Titel nicht finden, er ist mir aber SEHR im Gedächtnis geblieben. Ein Punkt war die offensichtliche Erlösungsbefürftigkeit der Indianer, der andere das scheinbar nahezu wirkungslose Wirken, was unter anderem dazu führt, das ein Stamm nach seiner Bekehrung abgemetzelt wird.

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielleicht meinst du Black Robe (am Fluß der Irokesen) nach einem Roman von Brian Moore (siehe dazu auch hier)? Der Film endet mit einer Betrachtung darüber, daß die Huronen mit der Übernahme der Wertvorstellungen des Christentums und der Nächstenliebe den Irokesen dreizehn Jahre später endgültig unterlag.

Anonym hat gesagt…

Ich hatte beim Recherchieren die Beschreibungen von Black Robe gelesen sowie Bilder angesehen, konnte aber den Inhalt nicht ganz mit meinen Erinnerungen zur Deckung bringen. Genu genommen habe ich den Film eineinhalb mal gesehen: Das erste mal war er mir zu grausam, beim zweiten Mal ging es dann.

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