Mittwoch, 12. Oktober 2011

Dienstag im Jahreskreis – Votivmesse von den hll. Engeln


Das Fest der hll. Schutzengel ist in diesem Jahr vom Sonntag im Jahreskreis verdrängt worden. Gestern aber hat der Weihbischof em. die Abendmesse als Votivmesse der hll. Engel gefeiert und mit den Lesungen der Schutzengel – ein schöner Gedanke. Wir haben in dieser Messe auch besonders für die armen Kopten in Kairo gebetet.

Vielleicht dem regnerischen Wetter[1] geschuldet war die Messe sehr still und andächtig. Zwar ist des Herrn Weihbischofs Art, die Messe zu feiern, jederzeit geeignet, die Andacht zu fördern, indes sind die Hinein- und schon-wieder-weg-Besucher der Kathedrale manchmal ein rechtes Hindernis. Sehr schön war der Moment der Erhebung des Leibes Christi, der sehr lang dauerte, wie eine kleine Aussetzung des Allerheiligsten, was sie ja auch ist – mein Herr und mein Gott.

Von der kleinen hl. Therese ist überliefert, daß sie im Chor oft gegen die Versuchung ankämpfte, sich über die Schwester zu ärgern, die hinter ihr „mit den Perlen des Rosenkranzes klapperte“. Die Perlen des Rosenkranzes kamen über die Zensoren des Ordens da hinein, mittlerweile wissen wir: es war das Gebiß der Mitschwester, das Therese von der Andacht abzog. Was ersehen wir daraus? Auch Heilige können der Versuchung des Zorns erliegen, es kommt wahrscheinlich drauf an, was man im Umgang mit diesem Zorn unternimmt.

Das Evangelium der Messe von den Schutzengeln stellt uns – genau wie im übrigen das der kleinen hl. Therese – vor Augen:
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.
Das war eine gnadenvolle Fügung, denn der Gedanke, wieso die Kirche bzw. bemerkenswert viele ihrer Glieder mit solchen, die so klein sind wie dieses Kind, oft so ausgesprochen unschön, zuweilen geradezu gehässig – umgeht, beschäftigt mich in letzter Zeit. Manchmal werden wirklich gute Menschen – und damit meine ich nicht mich –, die sich aus naheliegenden Gründen (sie nehmen ihren Glauben ernst) dagegen nicht zu Wehr setzen wollen und die das wirklich nicht verdienen, von anderen geradezu genüßlich gedemütigt. Warum, und warum ist sowas gerade in manchen Kirchengemeinden so verbreitet? Man kann das auch nicht mit „es menschelt halt überall“ abtun. Ist es ein Weg zur Heiligung des einzelnen, wenn der- oder diejenige es in diesem Glauben annimmt? Oder ist es einfach ein Weg, unter Umständen einen psychischen Defekt davonzutragen? Die Antwort darauf kenne ich leider auch nicht.

Von Therese wissen wir, daß sie sich auch dann nicht verteidigte, als sie zu Unrecht beschuldigt wurde, eine Vase zerbrochen zu haben und die Konsequenz auf sich nahm. Ein anderer, der, dem wir nachfolgen, ist noch viel weiter gegangen: er hat es bis ans Kreuz getragen. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.

Der Antwortpsalm der hl. Messe von den Schutzengeln ist einer, den wir in der Komplet beten und wahrscheinlich ein Fingerzeig für solche Fragen:
Wer im Schutz des Höchsten wohnt
und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: Du bist für mich Zuflucht und Burg,
mein Gott, dem ich vertraue.
Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers
und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln,
unter seinen Schwingen findest du Zuflucht,
Schild und Schutz ist dir seine Treue.
Das Vertrauen darauf ist vielleicht das, was der Apostel Petrus mit seine Sache dem gerechten Richter überlassen meint. Wir wissen auch nicht, auf welche Weise wir aus der Schlinge des Jägers gerettet werden oder wie der Stein aussieht, über den uns die Engel tragen, damit wir unseren Fuß nicht daran stoßen. Es bleibt das Vertrauen darauf, daß uns Gott das widerfahren läßt, was uns widerfahren soll, zu unserem Besten.

____
[1] Wie die Polizei heute mitteilt, ist diesem für Berlin seltenen Dauerregen wahrscheinlich zu verdanken, daß die vielen Brandsätze an Berliner Bahnstrecken nicht gezündet haben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen wunderschönen Text!
Ich war gerade so frustiert, weil mein Computer den Empfang der Generalaudienz gerade dann unterbrochen hat, als der Papst das "Pater noster" betete und den Segen erteilte.
Und ich habe mir überlegt, was rettet mir heute diesen Tag?
Dieser Text hat ihn mir gerettet.
Vielen vielen Dank!

Cinderella01

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielen lieben Dank, dir auch.

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