Mittwoch, 5. Oktober 2011

Der hl. Bruno und die Kartäuser – eine Liebesgeschichte

André Frossard hat seinem immer wieder lesenswerten Büchlein Mönche und Jesuiten der Beschreibung der Eindrücke, die er gewonnen hat, eigene Zeichnungen beigegegeben – hier zwei, die er zur Erläuterung des Aufbaus einer Kartause gemacht hat. Über den heiligen Bruno und die Anlage einer Kartause schreibt Frossard:
Absichtslos wie immer stellt er auf Anhieb den vollkommenen Plan, das endgültige Modell für alle Kartäuserklöster aller Zeiten auf: eine Reihe einzelner Zellen, die durch einen gedeckten, zur Kirche führenden Gang miteinander verbunden sind. (Im Anfang werden es Hütten gewesen sein, die auf Kosten des guten Bischofs von Grenoble erstellt wurden). Eben dadurch ist das Einsiedlerleben der Wüstenväter mit dem Leben in der Gemeinschaft, wie es der hl. Benedikt in seiner Regel festgelegt hate, auf großartige Weise vereinigt. Nachdem er diese Dinge geordnet hatte, begab sich der hl. Bruno über die Alpen, um dort zu sterben, vorher aber schlug er nochmals ein Erzbistum aus, für eine Grotte in Kalabrien.




Der Kartause an der Stelle der „Grotte in Kalabrien“ wird übrigens wenige Tage nach dem Hochfest des hl. Bruno in diesem Jahr die Ehre zuteil, daß Papst Benedikt sie besucht. Ich kann mir vorstellen, daß sowohl die Mönche als auch Papst Benedikt selbst eine kindliche Freude an diesem Besuch haben.

Die Kartause – ein Abbild der Wüste. Obwohl es dort so still ist, daß man den Schlag der Glocke weithin hört, täuscht der Eindruck beständigen Schweigens. Es ist vielmehr ein Leben des Stehens vor Gott, zu dem man schreien, mit dem man hadern, den man lobpreisen, und vor dem man sich auch einsam und alleingelassen fühlen kann.

Vor einiger Zeit hat Paul Badde ein Interview mit dem Prior der deutschen Kartause Marienau geführt. Der Prior seinerzeit: Es ist aus, wenn der Dialog verkümmert und irgendwann aufhört. Eigentlich trifft diese elementare Aussage des Priors auf jeden zu, der Christus als Kleriker oder im geweihten Leben nachfolgt: Es ist aus, wenn wir anfangen, ihn anzuschweigen.

Am besten gefallen mir die Worte: Wir warten doch Tag und Nacht auf nichts anders als dies: eines Tages dem, der mich liebt, in die Augen zu sehen. Aus diesen schlichten Worten geht zugleich sehr deutlich hervor, was ein solches Leben schön macht – eine Liebesgeschichte halt.
„Die meisten gehen wieder. Der Orden bleibt. Einige verlassen uns nach Stunden, andere nach Tagen, manche erst nach 20 Jahren.“ So spät noch? Wie kommt es da noch zur Trennung? „Wie in einer Ehe“, sagt der Mönch, „wenn der Dialog verkümmert und irgendwann aufhört.“ Der Dialog mit den Männern dieses Schweigeordens? „Nein, nein, der Dialog mit Gott natürlich. Das Leben eines Kartäusers ergibt doch nur Sinn durch dieses ständige Gespräch mit ihm, selbst wenn wir hadern und streiten, selbst wenn wir ihn zur Not verzweifelt anschreien. Doch es ist aus, wenn wir anfangen, ihn anzuschweigen! Das ist das Ende. Wir leben doch eine Liebesgeschichte. Wie sonst ließen sich die Härten ertragen und die Einsamkeit? Wir warten doch Tag und Nacht auf nichts anders als dies: eines Tages dem, der mich liebt, in die Augen zu sehen.“

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Bilder: Kreuzgang der Kartause von Valsainte in der Schweiz, Zeichnungen von André Frossard, die Certosa di San Bruno in Kalabrien heute.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Vielen Dank für die kleine Atempause im Getriebe des Alltäglichen!!!

jos.m.betle hat gesagt…

Von Herzen DANK für diesen schönen Beitrag zum morgigen Fest des heiligen Bruno. Ja, A. Frossard hat das seinerzeit sehr schön beschrieben. Über Jahre habe ich diesen Text wieder und wieder gelesen, - bis ich das Büchlein nicht mehr zurückbekam nachdem ich es verliehen hatte ...
Ich freue mich auf den kommenden Sonntag. Und ich bin gespannt auf die Mönche von San Bruno und ihre Begegnung mit dem Heilige Vater. Gottes Segen weiterhin!

Braut des Lammes hat gesagt…

Sehr gern, über den hl. Bruno und die kartusianische Lebensweise zu bloggen macht Freude.

Das Büchlein von Frossard bekommt man noch gut antiquarisch, eine längere, ebenfalls sehr schön geschriebene Passage über die Kartäuser habe ich hier zitiert. Hl. Bruno der Kartäuser

MC hat gesagt…

Danke für diese schönen Worte.
Es sei noch auf den Beitrag des Kölner Kardinals Meißner aufmerksam gemacht:
http://www.kath.net/detail.php?id=3338
Des weiteren auf das Buch Henri Nouwens: Ich hörte auf die Stille.
Handelt zwar von einem Trappistenkloster, ist aber trotzdem sehr interessant und thematisch passend.

Braut des Lammes hat gesagt…

Nouwens' Buch habe ich seinerzeit gelesen, danke. Und auch Thomas Merton hat das Verlangen nach den Kartäusern ja nie ganz losgelassen, in Das Zeichen des Jona schreibt er noch darüber.

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