Donnerstag, 27. Oktober 2011

Allerheiligen, Allerseelen (…und Halloween)

In jedem Jahr lese ich es wieder und in jedem Jahr tut es mir ein wenig leid um die Heiligen und eines der wunderbarsten Feste, die wir im Kirchenjahr haben: Allerheiligen. An Allerheiligen gedächten die Katholiken ihrer Toten, heißt es. Möööp! An Allerheiligen gedenken wir, wie der Name schon sagt, aller Heiligen, von denen wir glauben, daß sie sich in der ewigen Anschauung Gottes befinden. Derer, deren Namen wir kennen und der möglicherweise noch viel größeren Zahl derer, die wir nicht kennen.

Dieses Gedächtnis ist jedoch untrennbar mit dem Gedächtnis der uns vorangegangenen Gläubigen, aller Seelen, verbunden. Auch dieser Gedenktag ist eigentlich ein freudiger, denn wir glauben an die Auferstehung. Die Lesungen des Allerseelentages sind voll des gläubigen Vertrauens, daß Christus unser Erlöser ist und daß auch wir zu dieser Anschauung Gottes gelangen werden. Der Gedenktag Allerseelen hat trotz seiner schwarzen Paramente und seines würdevollen Ernstes im Grunde nichts Düsteres an sich: eigentlich ist er eine Verlängerung dessen, was wir im Hochgebet der hl. Messe erbitten: Gedenke auch deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorangegangen sind, bezeichnet mit dem Siegel des Glaubens, und die nun ruhen in Frieden.

Dieser Brauch, der uns verbundenen Dahingeschiedenen an einem eigenen Fest besonders zu gedenken, findet sich in der Kirche ebenfalls schon früh. So haben einige Ordensgemeinschaften sowohl ein eigenes Allerheiligen- als auch ein eigenes Allerseelenfest des Ordens. Ausgehend von diesem Brauch wurde das Allerseelenfest in der ganzen lateinischen Kirche eingeführt. Bereits in der Frühzeit der Kirche verlegte man das Fest Allerheiligen, das zuvor in der freudigen Osterzeit gefeiert wurde, in den Herbst. Dieser strahlende Beginn des Monats verleiht den meist etwas dunklen Tagen im November Licht, Leben und Festlichkeit.

Durch die enge Verbindung zwischen den beiden Festen Allerheiligen und Allerseelen (Allerseelen hat einen sehr hohen liturgischen Rang) ist der Vorabend von Allerheiligen eigentlich eine Vigil für beide Tage.

Halloween ist eine Verballhornung des Wortes All hallows eve (der Tag vor Allerheiligen, ähnlich Christmas eve, dem Tag vor Weihnachten). In einem lesenswerten Beitrag How Halloween can be redeemed verbindet die amerikanische Autorin Page McKean Zyromski Gedanken zur Entstehung der kirchlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen mit einigen Überlegungen zu dem Bestreben, die Feier des Vorabends wieder vor ihren eigentlich christlichen Hintergrund zu stellen. Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Liebe der Katholiken zu ihren Heiligen und der Gemeinschaft der Heiligen.

Allerheiligen, Allerseelen, Kürbisse, Verkleidungen und ähnliches halloween-typisches Zeugs sind jedenfalls nicht unvereinbar. Besonders gefallen hat mir der Bezug zu den christlichen Heiligen und der daraus abgeleiteten Anregung, beim Umzug eine Verkleidung als solcher zu wählen – kleine Mädchen gehen vielleicht gern als kleine hl. Therese und für die Gruselfans darfs vielleicht ein hl. Dionysius sein, der den Kopf unterm Arm trägt. Das Ganze hat auch etwas von der Vorstellung des hl. Augustinus, daß die Märtyrer die Male ihres Leidens noch im Himmel tragen werden, als eine Art Siegeszeichen.

Und auch Totenköpfe und Skelette sind eigentlich nichts als ein Hinweis darauf, daß wir alle einmal so aussehen werden (auch wenn ich davon ausgehe, daß mein Skelett nicht im Dunkeln leuchten wird).

Nur vor dem Kontext des jeweiligen christlichen Festes hat ein solcher Vorabend seinen Sinn, denken wir an den Heiligabend oder an die Vigil der Osternacht, ansonsten wäre der All hallows eve eher hollow als hallow zu nennen:
Halloween is like our Mardi Gras before a very serious Lent. We should be able to laugh at the dark side and dress up in costumes and have parties. Let's reclaim our heritage with all the story power, creativity and joyous good fun that we can. Let's use it to help us become the saints we are each called to be. Halloween is a victory celebration, after all!
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Bild: die karmelitanischen Heiligen in der Anschauung Gottes und das Purgatorium. Über den Heiligen Christus und unsere liebe Frau vom Berge Karmel, die sich für die armen Seelen verwendet. Im Fegefeuer selbst und nach links aufsteigend sieht man Engel, die Seelen in den Himmel tragen. (Hier herrscht mal wieder Spruchbandalarm: in denen, die ich entzifffern kann, werden Gebete und Anrufungen hinaufgesandt. In den gedrehten Bändern über den Heiligen des Karmels schwebt wohl der Hymnus Flos Carmeli.)

1 Kommentar:

Huppicke hat gesagt…

Das ist ein toller post, liebe Braut.
Ich denke gerne darüber nach, wie ich das Halloween wieder 'christlich' machen kann.

Im Gemälde finde ich bewegend, wie der Engel einen Menschen hält und ihn mitziehen möchte - so interpretiere ich das - und zu zeigen scheint 'nun komm schon, hier geht es lang'.
Mögen alle Engel eilends so helfen und mögen wir Lebenden sie mit unseren Gebeten dabei unterstützen.

Liebe Grüße
Huppicke

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