Sonntag, 9. Oktober 2011

28. Sonntag im Jahreskreis – die Einladung

Wenn ich das Evangelium des heutigen Sonntags höre, berührt mich eine Stelle besonders: Sie aber wollten nicht kommen. – Die Einladung Gottes, schweigend oder durch seine Boten, galt den Menschen aller Zeiten, sie gilt auch uns. Wie oft lädt Gott uns ein, und wie oft mag es passieren, daß wir nicht kommen wollen, anderen Dingen den Vorzug geben – da sind der Acker und der Laden… Ein irdischer Gastgeber wäre verärgert gewesen oder enttäuscht oder hätte resigniert. Ungewöhnlich drängend und zugleich langmütig dagegen wiederholt Gott seine Einladung: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

Die Kirchenväter deuten die Boten und die Gäste, an die die Einladung erging, als die Propheten und die Apostel und deren Nachfolger, die als Diener schließlich zu uns gesandt sind: Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Der hl. Gregor merkt an:
Er sagt das, weil in dieser Kirche weder die Schlechten ohne die Guten, noch die Guten ohne die Schlechten sein können. Und wer sich weigert, die Schlechten zu ertragen, der kann selbst nicht gut sein.
Als sich der Saal gefüllt hat, schließlich die – ungewöhnlich anmutende – Kleiderfrage: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Wird hier etwa denjenigen das Wort geredet, die finden, man müßte zu jeder Heiligen Messe im Sonntagsstaat kommen, auch wenn man deshalb extra nochmal nach Hause muß (was einen unter Umständen um den Sinn dieses Opfers betrügen würde, weil die Messe um deretwillen man sich umziehen wollte, bis dahin vorbei wäre?) Auch zur „Gewandfrage“ weiß der hl. Gregor Erleuchtendes zu sagen:
Was sollen wir anderes unter dem Hochzeitsgewand verstehen als die Liebe? Denn sie hatte der Herr an, als er kam, um sich mit der Kirche zu vermählen. Wer also ohne Hochzeitsgewand zur Hochzeit kommt, ist derjenige in der Kirche, der zwar Glauben, aber keine Liebe hat.
Der Apostel nennt die drei Güter, die wir brauchen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Keine von ihnen kann oder sollte auch nur in der Kirche und vor allem in unserem Leben ohne die beiden anderen sein. Ohne die Liebe geht allerdings gar nichts, ist der Glaube tot und leer und die Hoffnung stirbt.

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