Freitag, 19. August 2011

Was zieh ich an? Ordenstrachten abseits vom Einheitsschwarz

Durch einen Kommentars U.s hier ist mir Bernsteins Zitat über Ordenstrachten wieder in den Sinn gekommen. An anderer Stelle desselben Buches kommen andere Stimmen zu Wort und auch sie haben recht: es gibt Ordenstrachten, die man bereits zu der Zeit, als sie erstmals getragen wurden, als eigenartig empfand. Für uns ist es leicht, das heutzutage als „kultig“ einzusortieren. Es gibt auch Ordensschwestern, bei denen das Tragen des Habits zu gesundheitlichen Problemen geführt hat. So berichtet eine Schwester, daß ihr der lastende Aufbau ihrer Kopfbedeckung täglich Kopfschmerzen verursacht hat.

Als der Heilige Stuhl die Orden 1965 in dem Dekret Perfectae caritatis aufforderte, falls erforderlich, ihre Tracht zu ändern [1], waren die Ergebnisse dann teils sehr zeitgeistig. Das rechts ist das definitiv seltsamste Beispiel, das mir aus dieser Zeit untergekommen ist. Räusper. Ich finde, man sollte einer gottgeweihten Frau, wenn sie sich hinsetzt, nicht unter den Rock schauen können (und sonst auch nicht).

Wie so oft, liegt das rechte Maß irgendwo in der Mitte. Witzigerweise waren die Ordenstrachten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung einfach die mehr oder minder schlichte Variante dessen, was man damals eben so trug – das kleine Bild zeigt den armen Habit des hl. Franziskus von Assisi, mittlerweile natürlich eine kostbare Reliquie. Durch die Verselbständigung als Ordenstracht wirken diese Gewänder aber in der Regel gerade sehr zeitlos – ein schlichtes geradegeschnittenes und bodenlanges Gewand, wie es die Tunika ist, steht jedem und ist im Unterhalt konkurrenzlos günstig. Ich kenne Nonnen, die überhaupt nur eine Tunika haben. Das kann man zwar auch als Kreuz ansehen, auch wird es interessant, wenn diesem Habit etwas zustößt, etwa, weil seine Bewohnerin beim Frühstück im Refektorium ein Schüsselchen Quark darübergekippt hat, aber ärmlich ist es in jedem Fall.


antiquarisches Blatt, das den Unterschied
zwischen Augustinerinnen, Dominikanerinnen,
Benediktinerinnen und anderen Nonnentrachten
erläutert
Birgittin
Wo die Orden ihre Tracht nicht gleich ganz ablegten (etwas, das der Heilige Stuhl mit dem Dekret sicherlich weder beabsicht hatte noch vorhersehen konnte), brachte deren Änderung oder Vereinfachung leider oftmals mit sich, daß eben das Charakteristikum ihres Habits verlorenging. Früher einmal gab es soviele Ordenstrachten wie Kongregationen, deren es wiederum soviele gab, daß, wie man witzelte, nur der Heilige Geist noch einen Überblick hatte. Wunderliche Schautafeln gab es, die solchen aus der Flora oder Fauna ähnelten. Das farbenprächtigste Beispiel, das mir in den Sinn kommt, sind die Redemptoristinnen: rote Tunika mit leuchtendblauem Skapulier und Chormantel und schwarzem Schleier mit weißem Unterschleier.

Erfreulicherweise kommen gerade die neueren Gemeinschaften wieder weg vom Einheitsschwarz mit halblangem Rock und Wollweste. Wunderschön, nur weiter so! Wer so durch die Straßen geht, legt sicherlich ein starkes Zeugnis für Christus und die Bindung an ihn ab. Einen rührenden und sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Habit und wie wichtig es sein kann, überhaupt einen zu tragen findet man hier: Dirty habits.



keine Ahnung, was das für Schwestern sind, aber sogar,
wenn sie nur die Straße überqueren, sehen sie einfach großartig aus
(Nachtrag: es sind die Franziskanerinnen von der Immakulata)
Petites Sœurs de la Consolation du Sacre Cœur
et de la Sainte Face
Servants of the Lord and the Virgin of Matara (eine
Ordensgemeinschaft, die um 1980 in Argentinien gegründet
wurde und rasant wächst.  Woran das wohl liegt?)
____
[1] Perfectae caritatis – über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens: „Das Ordensgewand als Zeichen der Weihe sei einfach und schlicht, arm und zugleich schicklich, dazu den gesundheitlichen Erfordernissen, den Umständen von Zeit und Ort sowie den Erfordernissen des Dienstes angepaßt. Ein Gewand, das diesen Richtlinien nicht entspricht, muß geändert werden. Das gilt sowohl für Männer wie für Frauen.“

[2] Das ganz oben links ist natürlich keine Ordensschwester, sondern die wohl bekannteste Filmnonne. Eine Szene, die es nicht in den Film Geschichte einer Nonne geschafft hat – vielleicht war der Vogel einfach zuviel.

Kommentare:

Radio Maria Schweiz hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes, die überquerenden Schwestern sind ziemlich sicher die (franziskanischen) Schwestern der Immacolata

auch das ein junger Orden der guten Nachwuchs hat.
An Bußtagen frühstücken sie beispielsweise auf Knien, sie sind birituell aber mit Tendenz zum traditionellen Ritus... ein hervorragender franziskanischer Orden

Johannes hat gesagt…

Wie Recht, wie Recht! Die Schwestern auf der Straße sehen königlich aus! Scheint wegen blauschimmerndem Skapulier (ist das eins) vielleicht eine benediktinische, marianische Kongregation zu sein, oder?

Teresa hat gesagt…

Das gilt auch für Talare/Soutanen. So konnte man die versch. Hochschulen und Seminare in Rom unterscheiden. Z. B. Germaniker (rot), Schotten (violett), Franzosen (schwarz), bzw. Zingulum bei Spaniern blau u. Polen grün. Die Farben hatten nat. auch eine spirituelle u. nationale Bedeutung.

Braut des Lammes hat gesagt…

Bei den Schwestern auf dem Zebrastreifen scheint es sich tatsächlich um die Franziskanerinnen von der Immaculata zu handeln (ich füge diese Information oben ein). In dem Fall ist das, ganz ähnlich wie bei den armen Klarissen, kein Skapulier und die Farbe des Schleiers ist hellblau, nicht weiß, wie man meinen könnte.

Silvia hat gesagt…

Hallo, ich habe diesen Post gerade erst entdeckt, im Sommer ist der irgendwie an mir vorbeigegangen - aber ich wollte zum Thema farbenfroh noch die Steyler Anbetungsschwestern erwähnen - auch Rosa Schwestern genannt ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, und solche Schwestern haben wir hier auch. Farbenfroh sind sie mit Sicherheit, wenngleich sie den rosa-weißen Habit nur in der Klausur tragen.

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