Donnerstag, 30. Dezember 2010

Zum Ende des bürgerlichen Jahres


Bildner der Schöpfung,
der du die Zeiten der Jahre und der Welt
in der dir eigenen Vollkommenheit festgesetzt hast,
segne den Zeitenkranz in Deiner Güte!
Bewahre dein Volk und dein Land
auf die Fürbitten der Gottesgebärerin
und errette uns.
(Gebet der orthodoxen Kirche)

Das Wunder von Weihnachten


Wir sind ja noch in der Weihnachtsoktav und auch die Weihnachtszeit dauert noch eine Weile, daher paßt dieser Link zu weihnachtlichen Fotos rings um den Erdkreis gut, der mich per Mail erreicht hat: Christmas across the globe. Das Foto oben zeigt den Heiligen Vater an diesem Weihnachtsfest.

Bei mir zu Hause lasse ich die die Krippe bis Mariä Lichtmeß stehen, und auch Sterne und Kranz und an der Wohnungstür bleiben natürlich; an Dreikönig kommt noch der Segen hinzu.

Einen Christbaum gibt es bei mir nicht, schon weil Weihnachten mit Katzen dann eher so wird wie nebenstehend abgebildet. Auch nimmt Lauschaer Glasschmuck übel, wenn er mit den Pfoten durch die ganze Wohnung geprügelt wird. In vergangenen Weihnachten ist dem Schmuck allerdings die Ehre zuteil geworden, die Kirche zu zieren. Das ist natürlich die schönste Verwendung überhaupt.

Weiland habe ich in einer kalten Winternacht doch einmal einen heimatlosen Weihnachtsbaum aufgenommen – niemand wollte ihn, er war ganz allein auf dem Christbaummarkt übriggeblieben*. Da tat er mir so leid, daß ich ihn mitgenommen habe. Zum Dank nadelte er mir die Wohnung derart voll, so daß ich im Juli an entlegenen Stellen noch Nadeln fand. Über das Gerippe vor meiner Haustür lachten sich nach Dreikönig die Müllmänner scheckig.

Pro spe salutis hat vor Weihnachten über den Film Miracle on 34th Street geschrieben. Den darin enthaltenen Monolog Chris Kringles finde ich immer wieder klasse:
Ich bin ein Symbol – ein Symbol der menschlichen Fähigkeit, durch die es möglich wird, sich frei zu machen von Selbstsucht und haßerfüllten Neigungen, die den größten Teil unseres Lebens bestimmen. Wenn man nicht imstande ist zu glauben, und wenn man gar nichts allein durch Glauben anerkennen kann, dann ist man verurteilt zu einem Leben, das von Zweifeln beherrscht wird.
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* [flüster]: Er war nämlich nicht so wahnsinnig hübsch gewachsen… [/flüster]

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jahresschluß – das alte Jahr in Gottes Hände zurücklegen

„Zwischen den Jahren“ halte ich persönlich für einen wunderbaren Ausdruck, denn innerlich – wenn auch nicht liturgisch, das Kirchenjahr beginnt im Unterschied zum bürgerlichen Jahr am ersten Adventssonntag – ist diese Zeit tatsächlich eine Art „Zwischenzeit“. Oft muß man auch nicht arbeiten.

Eine schöne Art, den Jahreswechsel zu begehen, ist die Jahresschlußandacht. Liturgisch ist der Tag dem standhaften und stillen Papst Silvester († 335) gewidmet, der die Kirche aus der Zeit der Christenverfolgung in eine Zeit des Friedens führte. Aus dem Konzil von Nicea, das zu seinen Lebzeiten einberufen wurde, ging das Credo der Kirche hervor.

Neben dem Gedenktag dieses heiligen Papstes ermutigt die Kirche die Gläubigen ausdrücklich, auch an Andachten und Heiligen Messen zum Ende des bürgerlichen Jahres teilzunehmen:
Seine [des 31.12.] jährliche Wiederkehr veranlaßt die Gläubigen zum Nachdenken über das “Geheimnis der Zeit”, die schnell und unerbittlich abläuft. Dies verursacht in ihrer Seele ein zwiespältiges Empfinden: Reue und Bedauern über im vergangenen Jahr begangene Schuld und verlorene Gelegenheiten der Gnade und zugleich Dankbarkeit für die von Gott erhaltenen Wohltaten. Diese zweifache Haltung ist der Ursprung für zwei Andachtsübungen: eine verlängerte Aussetzung des Allerheiligsten, das den Ordensgemeinschaften und den Gläubigen Raum für das vornehmlich stille und private Gebet bietet, sowie den Gesang des Te Deum als Ausdruck des Lobes und Dankes der Gemeinde für die von Gott erhaltenen Wohltaten im vergangenen Jahr, dessen Ende kurz bevorsteht.
Daß es zum Jahresende bei uns kein Pontifikalamt gibt, finde ich immer wieder schade. So habe ich im letzten Jahr zwei Gottesdienste zum Jahresschluß besucht, zuerst die Jahresschlußandacht in der Kathedrale (mit sakramentaler Aussetzung und Segen). Später in der Nacht habe ich dann in St. Afra eine Heilige Messe in der außerordentlichen Form mitfeiern können. Danach wurde das Allerheiligste ausgesetzt und genau bei Anbruch des neuen Tages der sakramentale Segen gespendet. Was könnte es Schöneres geben, als das neue Jahr im Angesicht Christi zu beginnen? Oder, wie es Mary Francis Aschmann PCC so schön ausgedrückt hat: „Christus, der soeben in unsere Herzen gekommen ist, blickt zurück.“

Daß nach dem Blickwechsel mit dem Herrn noch die Möglichkeit bestand, auf den Kirchturm zu steigen, von wo man bei einem Glas alkoholfreien Sekt und Krapfen einen Blick über das verschneite Berlin und das Feuerwerk hatte, fand ich ebenfalls schön.

Also, wer noch keine Verabredung zu Silvester hat oder nach einer solchen sucht: eine Verabredung mit dem Herrn Jesus Christus selbst ist nicht zu toppen.

Jahresschlußandacht in der Hedwigskathedrale: 31.12., 18 Uhr
Hochamt zum Jahresschluß im Institut Philipp Neri: 31.12., 22:30 Uhr

Die Lehre von den letzten Dingen – das Fegefeuer

Auch wenn es von der Zeit im Kirchenjahr her vielleicht etwas ungewöhnlich erscheint; ein Kommentar zu meinem Beitrag über die Armen Seelen vom November bringt mich dazu. Jedoch sind die sogenannten letzten Dinge immer aktuell, bis zum Ende aller Tage. Ein Wandspruch, den ich aus meiner Kindheit habe:

Am Morgen erwache mit Gott und bedenke, daß dies dein letzter Tag sein mag.

Zunächst: Dies ist ein katholisches Blog. (Im Falle es jemand etwa noch nicht bemerkt hätte. In meinem Bekennerschreiben, das bei Sende-Zeit im Rahmen der missionarischen Initiative Glauben – Bekennen – Handeln demnächst erscheinen wird, bin ich, was die Kirche betrifft, ausführlicher darauf eingegangen).

Die Kirche, die Christus selbst gegründet hat, beruft sich neben dem, was uns in der heiligen Schrift überliefert ist, auch auf das, „was allenthalben, stets und von allen geglaubt worden ist“, das Lehramt und die Tradition der Kirche.

Zur Lehre von den letzten Dingen gehört das Fegefeuer. Diese Lehre besagt auch, daß nicht alle Menschen noch der Läuterung im Fegefeuer bedürfen. „Das Purgatorium ist der Zustand jener, die in der Freundschaft Gottes sterben, ihres ewigen Heils sicher sind, aber noch der Läuterung bedürfen, um in die himmlische Seligkeit eintreten zu können.“ (KKK 209).

Hier ein längeres Zitat von P. Martin Ramm FSSP, das eine schlichte, eingängige Nahebringung der Lehre vom Fegefeuer und den Armen Seelen, die darin sind, darstellt:
Ein gesundes Auge liebt das Licht, ein krankes Auge aber haßt das Licht. Bei manchen Augenkrankheiten kann es sehr schmerzhaft sein, das Sonnenlicht ertragen zu müssen. Und wenn das Auge längere Zeit im Finstern war, bereitet ihm ein plötzliches helles Licht Schmerzen. Man kann dann das Licht nicht gleich ertragen, sondern muß sich erst langsam daran gewöhnen.

Ganz ähnlich ist es mit der Seele im Augenblick des Todes. Es gibt dann drei Möglichkeiten. Entweder ist sie ganz im Licht. Dann wird sie sofort in die himmlische Herrlichkeit eingehen. Oder sie haßt das Licht. Dann könnte für sie nichts schrecklicher sein, als den Anblick Gottes ertragen zu müssen, und sie wird sich selbst in die Finsternis der Hölle stürzen. Oder sie ist zwar nicht Feind des Lichtes, aber sie ist auch nicht ganz im Licht.

Dies ist der Zustand jener, die zwar in der Gnade Gottes gestorben, aber mit noch ungebüßten zeitlichen Sündenstrafen oder noch nicht getilgten läßlichen Sünden behaftet sind. Solange nur ein Schatten von Finsternis in ihnen ist, vermögen sie die Fülle des göttlichen Lichtes, an der sich die Heiligen im Himmel erfreuen, noch nicht zu ertragen. Sie werden Gott danken, daß es einen Ort gibt, um sich langsam an das Licht zu gewöhnen. Diesen Ort jenseitiger Läuterung nennt die Tradition der Kirche „Fegfeuer“ [vgl. KKK 1030].

Heimweh

Heimweh kann für ein Kind sehr schmerzlich sein. Jeder Augenblick erscheint ihm dann unendlich lang, und es vergeht förmlich in Sehnsucht nach der Heimat.

Ähnlich ergeht es den Seelen im Fegfeuer. Nachdem sie im Gericht einen Strahl des göttlichen Lichtes geschaut haben, erfaßt sie eine unbeschreiblich große Sehnsucht nach Gott. Doch selbst das intensivste menschliche Heimweh ist nur ein schwaches Bild für jene Sehnsucht, mit welcher sie sich nach der ewigen Heimat bei Gott sehnen. Jede Faser ihres Wesens drängt danach, sich mit Gott zu vereinen, von dem sie aus eigener Schuld noch getrennt sind. Dieses „Heimweh“ läßt ihnen jeden Augenblick wie eine Ewigkeit erscheinen.

Eine eindrückliche Erklärung über das Fegfeuer findet sich in den Schriften der hl. Katharina von Genua [1447-1510]. Sie schreibt, daß dort einerseits allergrößte Zufriedenheit herrscht, denn die Seelen sind im Willen ganz mit Gott geeint, und ihr einziges Verlangen ist es, geläutert zu werden.

Andererseits aber herrscht dort allergrößte Pein darüber, von Gott noch getrennt zu sein. Gott hat nämlich jede Seele mit einem sicheren beseligenden Drang auf sich hin erschaffen. Dieser Drang kann im Leben durch die Sünde zwar zugedeckt und die Seele wie durch „Rost“ gleichsam verkrustet werden. Auslöschen aber kann man ihn niemals.

Im Moment des Gerichtes wirft Gott dann einen „verbindenden Liebesblick“ auf die Seele und zieht sie mit unwiderstehlicher Macht an sich. In einem Augenblick erkennt sie mit letzter Klarheit, daß sie für Gott erschaffen und daß er allein ihr Glück und ihre Seligkeit ist. Sie erfaßt aber auch, was es um die Sünde ist, die sie noch von Gott trennt.

Die hl. Katharina beschreibt die göttliche Wesenheit als von solcher Reinheit und Lauterkeit, mehr, als ein Mensch sich vorstellen kann, „so daß die Seele, die eine so minimale Unvollkommenheit an sich hätte, als der kleinwinzigste Splitter groß ist, sich so schnell wie möglich in tausend Höllen stürzen würde, um ja nicht mit diesem ganz minimalen Makel in seiner Gegenwart zu erscheinen”. Weil die Seele also erkennt, daß das einzige Hindernis ihrer Verbindung mit Gott die Sünde ist und dass sie davon nicht anders als im Fegfeuer befreit werden kann, findet sie darin große Barmherzigkeit und stürzt sich sogleich freiwillig dort hinein.

In dieser Läuterung wird dann gleichsam der „Rost“ der Sünde getilgt, so dass die Sehnsucht nach Gott immer größer und größer wird.

Schließlich wird es nichts mehr geben, was geläutert werden könnte, und „selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe.”

Arme Seelen

Obgleich sie ihres ewigen Heiles sicher sind, nennt man sie doch „arme“ Seelen, weil sie in ihrem Zustand für sich selbst nichts mehr tun können. An die Stelle aktiver Genugtuung [satisfactio] tritt ein rein passives läuterndes Leiden [satispassio].

Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten, denn wenn sie auch für sich selbst nichts mehr tun können, so können doch wir dank der Gemeinschaft der Heiligen den armen Seelen durch Gebet und Almosen, durch das hl. Meßopfer und durch die Gewinnung von Ablässen helfen [vgl. KKK 1032].


Diese kurze Abhandlung ist übrigens Teil einer kleinen Schrift Die letzten Dinge, die nicht einmal etwas kostet. Hier findet man sie online.

Da, wie schon in meinem Beitrag beschrieben, der Weg der Seele vom Fegefeuer stets in den Himmel führt, ist der Gedanke daran auch keineswegs qualvoll, wie der Kommentator bemerkt. Wer im Purgatorium ist, weiß, daß er Gott schauen wird. Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit. Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat, heißt es im Buch der Weisheit über die Seelen der Gerechten. Das ist mir wichtig, daran glaube ich. Für den heimgegangenen Großvater bete ich: Herr, gib ihm die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm. Laß ihn ruhen in Frieden. Amen.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Fest der unschuldigen Kinder


Der Bethlehemitische Kindermord, Pieter Breughel d. Ä., um 1565

Vater im Himmel,
nicht mit Worten
haben die Unschuldigen Kinder dich gepriesen,
sie haben dich verherrlicht durch ihr Sterben.
Gib uns die Gnade,
daß wir in Worten und Taten
unseren Glauben an dich bekennen.
(Tagesgebet)

Seit dem sechsten Jahrhundert feiert die Kirche am 28. Dezember das Gedächtnis der Jesu wegen von der blinden Wut des Herodes getöteten Kinder (vgl. Mt 2,16-17). Die liturgische Tradition nennt sie die “Unschuldigen Kinder” und verehrt sie als Märtyrer. In all den Jahrhunderten entwickelten sich in Kunst, Dichtung und Volksfrömmigkeit Gefühle der Sympathie und Zärtlichkeit, die das Gedächtnis dieser “zarten Herde geopferter Lämmer” festgehalten hat. Solche Gefühle waren immer begleitet von der Empörung über die Gewalt, mit der sie den Armen ihrer Mütter entrissen und dem Tod überliefert wurden.
Auch in unseren Tagen erleiden Kinder unzählige Formen von Gewalt, die nach ihrem Leben, ihrer Würde, ihrer Moral und ihrem Recht auf Erziehung trachten. An jenem Tag soll man an die große Zahl der nicht geborenen und unter dem Schutz der Gesetze, welche Abtreibung erlauben, vorzeitig ermordeten Kinder denken, was ein verabscheuungswürdiges Verbrechen ist. (aus dem Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie)


Im alten Schott habe ich übrigens gelesen, daß die Kirche an diesem Tag früher Violett (anstelle des Rots der Märtyrer) als liturgische Farbe vorgeschrieben und auf das Gloria verzichtet hat.

Die wunderbare Reise der kleinen Jungfrau mit dem Nachtbus

Gestern habe ich es absichtslos fertiggebracht, die letzte U-Bahn zu verpassen. Irgendwie dachte ich, die fahren länger, allerdings war ich schon ewig nicht mehr so spät unterwegs. Jedenfalls stand ich da nun JWD, mitten in Dahlem, in eisiger Kälte, außerdem gabs jede Menge Neuschnee, der sämtlich in der Zwischenzeit gefallen war, und nichts ging mehr. Was nun, wenn einem auf beiden Bahnsteigen ein „Out of service“ entgegenblinkt? Von Dahlem nach Rixdorf laufen ist indiskutabel, jedenfalls bei diesem Wetter. Ja, wenn es eine laue Sommernacht gewesen wäre! Außerdem ließ eines meiner Stiefelchen nach dem Durchwaten halbmeterhoher Schneewehen offenbar Wasser durch. (Ich habe übrigens beschlossen, jeden Winter etwas anderes zu inszenieren. Letztes Jahr war ich Rotkäppchen, dieses Jahr gebe ich eine Figur aus Anatevka: Kleid, Stiefelchen, Muff und Babuschka-Wolltuch.)

Taxen waren kaum unterwegs, auch hätte ich gar kein Geld für ein Taxi. An sich war überhaupt kaum jemand unterwegs, anscheinend hatte der Rest der Welt genug Verstand, bei dem Wetter zu Hause und im Bett zu bleiben. Glücklicherweise habe ich an der Bushaltestelle ein paar junge Leute stehen sehen, der Nachtbus wäre mir nämlich sonst überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Später habe ich mir ausgerechnet, daß ich, glaub ich, seit mindestens zwölf Jahren nicht mehr mit dem Nachtbus gefahren bin.

Der Bus kam sogar (wir befürchteten nämlich, er käme wegen des Wetters nicht) und sogar pünktlich. Chapeau – die BVG arbeitet wirklich unter widrigsten Bedingungen! Drinnen saßen zwei überaus fürsorgliche Busfahrer, die mir eine komplette Strategie für die Heimreise entworfen haben, mit Angabe, wo die nächste Haltestelle zu finden sei. Am ersten Umsteigepunkt war der Bus gerade weg, weshalb der Fahrer mich nicht aussteigen lassen wollte, sondern lieber zum Kuhdamm mitnahm. Das war gut gemeint, die darauffolgende Fahrt mit dem N29er über Stock und Stein kreuz und quer durch die Innenstadt erinnerte mich allerdings dann doch sehr an die Fahrten mit dem „Fahrenden Ritter“ aus Harry Potter, sowohl von den Einsteigenden als auch vom Fahrgefühl her. Nur schade, daß mich dieser Bus nicht mit einem Knall an den Zielort befördern konnte! Nun ja, don't be so choosy, und reisekrank wurde ich dankenswerterweise auch erst auf den letzten beiden Haltestellen.

Beim letzten Umstieg geriet ich dann leider an einen Busfahrer, der mich ums Haar bei circa -17° C an der Haltestelle hätte stehen lassen, weil ich mich angeblich nicht so ausgedrückt habe, daß er verstehen konnte, wohin ich genau wollte (er hielt lediglich an einer Haltestelle wenige Meter von meinem Ziel entfernt. Ja, das ist natürlich etwas komplett anderes!) Macht aber nichts, ich war nur noch zwanzig Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt, zur Not hätte ich also laufen können. Jedenfalls bin ich immer noch von aufrichtiger Bewunderung erfüllt, daß diese abenteuerliche Heimreise in Eis und Schnee möglich war, ohne Geld und in nur andertdreiviertel Stunden.

Unschuldige Kinder

Die Flucht nach Ägypten, Vittore Carpaccio, 1500

nicht
ägypten
ist
der
fluchtpunkt
der flucht.

das kind
wird gerettet
für härtere tage.

fluchtpunkt
der flucht
ist das kreuz. (Kurt Marti)
Das Evangelium des heutigen Festes der unschuldigen Kinder beginnt mit dem Traum des heiligen Josef und der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten. Wie fürsorglich erfüllt der stille Heilige seine große Aufgabe: den Schutz der heiligen Familie und die Sorge für die ihm Anvertrauten.

Zwei Schicksale von Kindern, die mir in letzter Zeit besonders nahe gegangen sind: die beiden kleinen Mädchen, die bei einem Ausflug ihrer Kindertagesstätte im Eis eingebrochen sind – eines ist inzwischen gestorben – und das Neugeborene, das gestern von seiner Mutter nach der Geburt aus dem Fenster in den Schnee geworfen wurde und gestorben ist. Unschuldige Kinder auch sie. Ich bitte um das Gebet für sie und auch für ihre Mütter. In der ersten Lesung zum Fest der unschuldigen Kinder aus dem ersten Johannesbrief hören wir: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Ich vertraue darauf, daß Gott für diese Kinder einen Platz bei sich schafft.

Montag, 27. Dezember 2010

Hmmm…

Jetzt ist es soweit – ich gehöre zu dem erlauchten Kreise derer, die es zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Ganz rührend, wirklich, und in bester Absicht. Aber: so früh im Leben habe ich noch nicht damit gerechnet. Und – was mache ich denn jetzt damit? Kann man Tee draus kochen, Umschläge damit machen, es in Keksen verbacken oder es bei Erkältung trinken?

Sonntag, 26. Dezember 2010

Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus dem Fleische nach – Weihnachten

Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit,
Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß,
und der Friede hat kein Ende. (Jes. 9, 5-6)



Von den wunderschönen heiligen Messen der letzten Tage bin ich noch ganz weg – manchmal steht oder kniet man einfach da und fühlt die reine, unverdiente Gnade an sich geschehen. So etwa bei unserer Christmette, als unser Pfarrer das Martyrologium von Christi Geburt sang; wir haben dazu ganz klösterlich Leuchter getragen. Im Martyrologium kommt bei der Zeitangabe der Geburt Christi das Wort Olympiade übrigens einmal in seiner tatsächlichen Bedeutung vor: in der hundertvierundneunzigsten Olympiade.

Im Kloster wirft sich nach den Worten Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus dem Fleische nach die ganze Gemeinschaft in Anbetung nieder, das heißt, außer der Hebdomadarin und den beiden Leuchterträgerinnen prosternieren sich alle und verharren schweigend. Das wäre in der Akademiekirche nun nicht gut möglich gewesen, zumal ich einen der Leuchter hatte, aber mir war wirklich danach zumute.


Elefantastisch



Pro spe salutis hat sich Fotos von unserem Krippenelefanten in der Akademie gewünscht. Hier ist er, allerdings in der Fassung von vor zwei Jahren, das heißt, die Krippe ist heuer ganz anders aufgebaut, das von mir gebastelte Seil ist nicht rot, sondern sieht tatsächlich ziemlich „seilig“ aus, und auf Fotos erscheint alles immer viel kleiner. – Wenn man zweimal auf die Fotos klickt, hat man aber trotzdem einen ganz guten Eindruck.

Weil die Weihnachtszeit dieses Jahr so kurz ist, sind die Könige mitsamt dem Elefanten schon da und haben außer Gold, Weihrauch und Myrrhe auch noch Bienenwachs als Gabe mitgebracht. (Tropfet ihr Kerzen, von oben…). :)

Freitag, 24. Dezember 2010

Ein wunderbares Geheimnis tritt heute ans Licht – Christi Geburt

Die Geburt Christi, Geertgen tot Sint Jans, 1490

Ein wunderbares Geheimnis tritt heute ans Licht:
Gott wurde Mensch,
er blieb was er war und nahm an, was er nicht war,
ohne Vermischung und ohne Teilung.
So wurde Gottes Schöpfung neu.
(aus der Liturgie der Ostkirche)

Omnia parata est – alles ist bereit

Hodie Christus natus est nobis – heute wird uns Christus geboren

Hauptpunkte der To-do-List der letzten Tage:

• beichten

• Haare schneiden lassen (übrigens: du weißt, daß deine Haare wirklich lang sind, wenn dich deine Friseurin zum Nachschneiden auf einen extra Hocker plaziert und diesen dann ganz nach oben wirbelt)

• beim Krippenaufbau und dem Schmücken der Kirche helfen (der beste Punkt der ganzen Liste)

• daraus folgend:

a) Reisig heranschleppen

b) die zugezogene Verkühlung überwinden und daher erst am 23. nachmittags und abends noch letzte Besorgungen machen.

c) im Keller und in den Kammern nach einer Laterne für die Krippe fahnden – nein, in das vermutete Irrenhaus bei iKEA fahr ich jetzt nicht mehr und auch in kein anderes, ich bin ja schließlich nicht verrückt!

d) dem Treiber des Krippenelefanten ein Seil basteln, an dem er das liebe Tierchen führen kann. Die Pike, mit der er den Elefanten offenbar treiben soll, sieht viel zu martialisch aus, die kann er in der andren Hand tragen. Auf diesem Elefanten könnten übrigens kleine Kinder reiten (bitte nicht in der Christmette versuchen!)

Unser Pfarrer hat am Sonntag seine Predigt mit den Worten abgeschlossen:
Echte Freude, ein fröhliches Weihnachtsfest, kann man vielleicht aufwendig vorbereiten, jedoch niemals machen. Wir können nur schlicht einwilligen in das, was sich zeigt. Wenn wir aber diese adventliche Haltung der Empfänglichkeit eingenommen haben, so gut es geht, dann wird auch der, der niemals konstruiert werden kann, sondern immer nur in unserer Einfachheit und großer Armut empfangen werden kann, sich ganz sicher auch uns schenken. Amen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Mitbloggern und Lesern meines Blogs eine gesegnete Heilige Nacht und ein frohes Fest! Venite adoremus!

Vor dem Fest laßt uns die Lieder von Christi Geburt mit frohem Herzen anstimmen, denn er, der dem Vater wesensgleich ist und dem Heiligen Geist, erbarmt sich in Huld, nimmt einen Leib aus Erde an. Er soll in der Stadt Bethlehem geboren werden, Hirten und Engel werden seine wunderbare Geburt besingen.

Laßt uns zur Zimbel helle Lieder singen! Der Heroldsruf der Propheten verstummt, die Erscheinung Christi leuchtet herauf. Der, dessen Ankunft unter den Sterblichen sie verkünden, der wird in der heiligen Höhle geboren und liegt als Kind in der Krippe.

Bethlehem, rüste dich, Eden tu dich auf, Land Juda, schmücke dich! Die Himmel sollen sich freuen, jubeln die Menschen, denn das Leben selber liegt in der Krippe, der Reiche in der Grotte, er ist gekommen, durch die Fülle seines Erbarmens der Anmut Adonais wieder aufzuhelfen, ohne sich zu ändern oder zu vermischen.

Zu dir erwache ich in der Frühe: Aus Erbarmen hast du dich um des gefallenen Menschen willen entäußert und Knechtsgestalt angenommen aus der Jungfrau, Wort Gottes, gib mir den Frieden, du Freund der Menschen. …

Bethlehem, komm und bereite alles für die Geburt. Josef, geh und schreib dich ein mit Maria. Du verehrungswürdige Krippe, du Windeln, die ihr Gott tragt, in euch ist das Leben eingehüllt, das einmal die Bande des Todes sprengen wird; mit euch umhüllt der die Sterblichen mit der Unsterblichkeit, er, Christus unser Gott.
(zweite Lesung der Matutin vom 24. Dezember)

eine Mitternachtsmesse mitten in der Stadt


[da es heute so schön aktuell ist, habe ich diesen Beitrag vom 18. Dezember hierhergeschoben. Nachzutragen wäre bei den aktuellen Witterungsverhältnissen: die katholische Akademie ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: U-Bahnlinie 6 bis Oranienburger Tor oder S-Bahn Oranienburger Straße. Ich würde die U-Bahn nehmen, von dort ist es nur ein kurzer Fußweg, und die U-Bahn fährt die ganze Nacht. Und nochwas: in einer Mitternachtsmesse bekommt man am ehesten einen Sitzplatz, jauchzet, frohlocket!]

Die Christmette in der katholischen Akademie beginnt auch in diesem Jahr wieder um Mitternacht. Ich freue mich, daß ich sie wiederum mitfeiern darf, denn der Zelebrant feiert sehr würdig und singt auch das Martyrologium vor der Mette selbst (und schön!)

Im letzten Jahr saß übrigens „als Dreingabe“ ein unbekannter Weihnachtsmann im Volk, der ein Glöckchen oder eine Schelle hatte und ab und zu zart vor sich hinläutete. Ich hab mehrmals überlegt, ob er jetzt auch zur Elevation schellen wird? Da der einzige Ministrant (= ich) den Weihrauch hatte, wäre das gar nicht schlecht gewesen. :)

Chor gibt es keinen (wohl aber einen Organisten), aber wie der Pfarrer im letzten Jahr anmerkte: für manchen ist das auch eine Erlösung. Selber singen macht sowieso viel mehr Freude.

24 Uhr – Mitternachtsmesse der Akademie
Katholische Akademie in Berlin
Hannoversche Straße 5
10115 Berlin-Mitte

Donnerstag, 23. Dezember 2010

O Virgo Virginum (O Jungfrau über allen Jungfrauen)



Zusätzlich zu den sieben O-Antiphonen des römischen Stundenbuches gibt es nach mittelalterlichem englischen Brauch eine achte, die mit der Vorverlegung aller Antiphonen um einen Tag einhergeht. Wer mit dem Singen der O-Antiphonen zum Stundengebet schon am 16. Dezember begonnen hat, singt also als letzte Antiphon vor dem Fest der Geburt des Herrn die Antiphon O Virgo Virginum zur Vesper.



O Jungfrau über allen Jungfrauen,
wie kann das sein?
Denn weder vor dir noch nach dir war jemand wie du.
Töchter von Jerusalem, was staunt ihr über mich?
Heilig und geheimnisvoll ist, was ihr seht.*


Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß. (aus dem Hymnus Veni Redemptor Gentium)

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* Das ist meine Übertragung, und sie ist möglicherweise alles andere als vollkommen.

O Immanuel


O Immanuel,
unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!


Die Anrufung in der O-Antiphon des heutigen Tages O Immanuel – Gott mit uns – spricht mir vom Quell, der Hoffnung und der Mitte meines Lebens, Christus, den wir in der Eucharistie täglich empfangen dürfen und der im Tabernakel gegenwärtig ist. Im dritten Hochgebet beten wir: Bis ans Ende der Zeiten versammelst du dir ein Volk, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.

So ist Gott in der Gestalt seines Sohnes wirklich mit uns, alle Tage unseres Lebens, bis ans Ende der Welt.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

O Rex Gentium (O König aller Völker)



O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlußstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!



Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. (Jes 9, 1-6)

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Bild: Das erste Erscheinen vor Pilatus, Duccio di Buoninsegna

Dienstag, 21. Dezember 2010

O Oriens (O Morgenstern)


O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn. Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn. Damals sagte Salomo: Der Herr hat die Sonne an den Himmel gesetzt; er selbst wollte im Dunkel wohnen. (1. Kön 8, 10-12)

Seit ältester Zeit wandten sich die Christen zum Gebet nach Osten, der aufgehenden Sonne zu, die denen aufgeht, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes.

Christus selbst ist der wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht; der mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit, wie es im Exsultet heißt. Der heilige Paulus nennt Christus den Abglanz seiner Herrlichkeit und spricht von der Erkenntnis des Gottessohnes:

Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. (2. Kor 4,6)

Montag, 20. Dezember 2010

Jungfrauengeburt und Abendtäschchen


Gestern abend in der U-Bahn auf dem Weg in die Stadt las ich sozusagen druckfrisch noch einmal die Predigt unseres Herrn Pfarrers zur Jungfrauengeburt, die ich am Morgen bereits live gehört hatte.

Beim Warten aufs Umsteigen am Fehrbelliner Platz interessierte sich eine Dame dann auch für den Inhalt der Blätter, die ich mir als Blindfisch in angemessen großer Schrift[1] ausgedruckt hatte. Schließlich fragte sie mich, was das für ein schöner Text wäre, den hätte sie auch furchtbar gern! So habe ich ihn ihr „geschenkt“ (eigentlich war es ja nicht meine Predigt) und kurz erklärt, wer das wo gepredigt hat, und sie hat mir erzählt, sie wäre heute morgen auch schon beim Adventsgottesdienst gewesen, in der evangelischen Kirche.

Jetzt wüßte ich ja gern, welche Passage ihr Interesse geweckt hat: war es der nette Abstecher zu den Handtaschen als spielerisches Element[2]? Die Aussage, daß Luther und Calvin sich nicht an der Jungfrauengeburt gestört haben, oder die Hervorhebung der Jungfrauengeburt als Sternstunde der Emanzipation? Leider war die Zeit zur Klärung dieser Frage zu kurz. Sie zog jedenfalls hochbeglückt mit der Predigt von dannen :) Und: so durchsäkularisiert kann Berlin gar nicht sein, wenn solche Gespräche mal eben auf der U-Bahn möglich sind. Hier gehts zur ganzen Predigt: Frucht des Geistes – Ohnmacht des Mannes?

[1] Nein, nicht 36 pt, nur so 14…
[2] sollte ich an dieser Stelle erwähnen, daß ich ein paillettenbesetztes Abendtäschen in Form eines Christbaums und einen Hello-Kitty-Rucksack habe?

O Clavis David (O Schlüssel Davids)


O Schlüssel Davids,
und Zepter des Hauses Israel –
Du öffnest, und niemand kann schließen.
Du schließest, und keine Macht vermag wieder zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!

Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter. Wenn er öffnet, kann niemand schließen; wenn er schließt, kann niemand öffnen.
Ich schlage ihn an einer festen Stelle als Pflock ein; er wird in seinem Vaterhaus den Ehrenplatz einnehmen. (Jes 22, 22-23)

Wenn ich meine Lieblingsantiphon benennen sollte, so wäre es diese. Eine mir vertrautere deutsche Fassung als die im Stundenbuch ist diese

O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließest und niemand vermag wieder zu öffnen.
Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker die Gefangenen,
die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Das ist das wunderbarste an der Menschwerdung Gottes: die Gefangenen in Finsternis sind wir selbst, die ohne Christus dem ewigen Tod verfallen wären. Gott wird Mensch, und im Herzen dieses kleinen Kindes ist Platz genug für die ganze Welt.

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Bild: Conturbatio Iesu Christi legislatoris, Fresko von Perugino in der Sixtinischen Kapelle. Christus, der Schlüssel Davids, übergibt dem hl. Petrus und dessen Nachfolgern die Schlüssel zum Himmelreich zur Verwaltung.

Sonntag, 19. Dezember 2010

4. Adventssonntag – Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen


Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben. (Jes. 7,14)
Obgleich der Herr als Mensch erschien, war er doch nicht in allem den Gesetzen der menschlichen Natur unterworfen. Denn daß er geboren wurde von einer Frau, läßt die Demut des Menschgewordenen erkennen. Die Jungfräulichkeit der Geburt aber zeigt, wie sehr er über die Menschen hinausragte. ... Von dem Augenblick an, da er aus dem Schoß der Jungfrau in das sterbliche Leben eintrat, lichtete sich die Finsternis und das nächtliche Dunkel mußte dem hervorbrechenden Lichtstrahl weichen. Der Tod aus der Sünde hatte den Gipfel seiner Bosheit erreicht, nun fällt er zurück ins Nichts durch die Gegenwart des wahren Lichtes, das mit den Strahlen des Evangeliums den ganzen Erdkreis erleuchtet hat. (Gregor von Nyssa)
Die Ikone der Muttergottes vom Zeichen ist eine Darstellung der Gottesmutter bei der Verkündigung durch den Engel; der Augenblick, in dem sie spricht, Mir geschehe nach deinem Wort, und das Wort in ihr Fleisch anzunehmen beginnt.

Die Gottesmutter wird in der Ostkirche manchmal als Platytera (größer als der Himmel) bezeichnet, weil die Jungfrau den in ihrem Schoß geborgen hat, den der Himmel nicht fassen kann. Die drei Sterne auf dem Gewand symbolisieren die Jungfräulichkeit der Gottesmutter vor, bei und nach der Geburt Jesu Christi.

Christus erscheint in den rosenfarbenen, hohepriesterlichen Gewändern. Der Farbstoff, der im Altertum zum Färben dieser Gewänder benutzt wurde, war besonders kostbar, da er aus der Murexschnecke gewonnen wurde. Die Verwendung der Farben rot und blau verweist auf die zweifache Natur des Erlösers: wahrer Gott und wahrer Mensch. So hat Christus auch zugleich die Gestalt eines menschlichen Kindes – nicht eines Ungeborenen – und das Gesicht des göttlichen Lehrers.

Diese Darstellung der Muttergottes vom Zeichen erinnert uns daran, daß sich hier noch im Leib seiner jungfräulichen Mutter, eingeschlossen in die Entsagung dieser Welt und gekleidet in die Erbärmlichkeit und Einfachheit des menschlichen Fleisches, der Hohepriester des neuen Bundes verbirgt: Christus, der König der Könige und Herr der Herren, Immanuel, Gott mit uns.

Komm, du Heiland aller Welt;

Sohn der Jungfrau, mach dich kund.
Darob staune, was da lebt:
Also will Gott werden Mensch.

Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.

Wie die Sonne sich erhebt
und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.

Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.

Gott dem Vater Ehr und Preis
und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
jetzt und ewig, Amen.

(dt. Übertragung des Hymnus Veni redemptor gentium)

O Radix Jesse (O Sproß aus Isais Wurzel)


Mosaik in der Apsis von San Clemente in Rom


O Sproß aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker –
vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!


Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frißt Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Sproß aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. (Jes 11, 1-5)

Aus diesem Sproß aus der Wurzel Jesse, der dasteht als Zeichen für die Völker, wird einmal im Glanz das Kreuz hervorgehen, denn er ist der Baum des Kreuzes, der Baum des Lebens. 

Samstag, 18. Dezember 2010

O Adonai


O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist Du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Mose sagte zu Gott: Wenn ich nun zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt, und sie mich dann fragen: Wie ist sein Name? – was soll ich ihnen sagen?
Gott antwortete: „Ich bin da“ und er fügte hinzu:
Sag zum Volk Israel: Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt, der Herr!
Er ist der Gott eurer Vorfahren, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Denn Herr (Er-ist-da) ist mein Name für alle Zeiten.
Mit diesem Namen sollen mich auch die kommenden Generationen ansprechen, wenn sie zu mir beten. (Ex 3, 13-15)


Nicolas Froment, Triptychon vom brennendem Dornbusch, Mitteltafel, 1475-1476 in der Cathédrale St. Sauveur, Aix-en-Provence

Freitag, 17. Dezember 2010

Zuckerbrot




Über dieses schwer kitschverdächtige, aber ganz reizende weihnachtliche Backwerk bin ich zufällig hier bei Catholic icing gestolpert.

…und Friede auf Erden…!

Saumwanze (Coreus marginatus)
Als mir heute morgen ein solches Tierchen unterm Boiler in der Teeküche begegnet ist, mußte ich erstmal überlegen, ob es nicht doch eine Schabe sein könnte (das wäre zwar ein Novum, jedoch gab es in diesem Jahr schon eine versuchte Eroberung vom Planeten der Ameisen). Ich kam zu der Auffassung, nein, eher irgendein Käfer, und nahm ihn mit zu den Grünpflanzen in meinem Büro, wo es ihm so gut gefiel, daß er erst einmal fröhlich die Gegend erkundete. Prompt wurde er dabei von der Frau Kollegin erspäht, die darauf bestand, daß ich das Tierchen außen auf die Fensterbank tue – Insekten hielten sowas gut aus. Das mag ja sein, trotzdem hatte ich danach ein total schlechtes Gewissen, weshalb mich die Kollegin, glaub ich, außerordentlich albern fand.

Während sie zu irgendeiner internen Kochorgie – definitiv nicht mein Fall – anläßlich der betrieblichen Weihnachtsfeier entschwand, habe ich aufs Fensterbrett geguckt: da lag der Käfer und sah so tot aus, töter gings nimmer. Also wirklich, bei dem Wetter jagt man auch keinen Käfer vor die Tür! Ich hab ihn wieder hereingeholt, angehaucht, auf eine der Pflanzen gesetzt – nix. Jetzt, etwa eine halbe Stunde später, hat er sich doch wieder erholt, ich habe ihn im Wintergarten deponiert und er hat sich als eine Art einfarbige Blattwanze herausgestellt. Und Friede auf Erden…!

O Sapientia (O Weisheit)


O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten –
die Welt umspannst du von einem Ende zum anderen,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!

Die Weisheit lobt sich selbst, sie rühmt sich bei ihrem Volk.
Sie öffnet ihren Mund in der Versammlung Gottes und rühmt sich vor seinen Scharen:
Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor und wie Nebel umhüllte ich die Erde.
Ich wohnte in den Höhen, auf einer Wolkensäule stand mein Thron.
Den Kreis des Himmels umschritt ich allein, in der Tiefe des Abgrunds ging ich umher.
Über die Fluten des Meeres und über alles Land, über alle Völker und Nationen hatte ich Macht.
Bei ihnen allen suchte ich einen Ort der Ruhe, ein Volk, in dessen Land ich wohnen könnte.
Da gab der Schöpfer des Alls mir Befehl; er, der mich schuf, wußte für mein Zelt eine Ruhestätte. Er sprach: In Jakob sollst du wohnen, in Israel sollst du deinen Erbbesitz haben.
Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt und wurde dann auf dem Zion eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso liebt wie mich, fand ich Ruhe, Jerusalem wurde mein Machtbereich.
Ich faßte Wurzel bei einem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz.
Wie ein Weinstock trieb ich schöne Ranken, meine Blüten wurden zu prächtiger und reicher Frucht.
Kommt zu mir, die ihr mich begehrt, sättigt euch an meinen Früchten!
An mich zu denken ist süßer als Honig, mich zu besitzen ist besser als Wabenhonig. Mein Andenken reicht bis zu den fernsten Generationen.
Wer mich genießt, den hungert noch, wer mich trinkt, den dürstet noch.
Wer auf mich hört, wird nicht zuschanden, wer mir dient, fällt nicht in Sünde. Wer mich ans Licht hebt, hat ewiges Leben. (Sir 24, 1-12, 19-22)

O Weisheit, Bild von Sr. Ansgar Holmberg, CSJ

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sein und Haben

Szene aus Sein und Haben – der Lehrer George Lopez
unterrichtet den kleinen Jojo
Eine reichlich eigenartiges Erlebnis hatte ich neulich in der U-Bahn. Gegenüber und neben mir sitzt eine Familie, der Vater mit mehreren jüngeren Kindern gegenüber, neben mir wohl die Großmutter. Plötzlich kommt es streng und durchdringend von gegenüber: „So was will ich nie wieder aus deinem Munde hören!“ Alles horcht auf: kommt jetzt ein Stück Seife zum Auswaschen des Mundes? Die Großmutter entblödet sich nicht, gleich zweimal quer über den Gang laut nachzufragen, was der Sprößling denn gesagt habe? Erbarme dich, wenns etwas war, was man nie wieder hören will oder auch ein Familiengeheimnis, muß man es dann schallend laut wiederholen? Was war es nun Ungeheuerliches? – Der Vater: „Ich habe gefragt, was er mal werden will, und er hat gesagt: Lehrer!“

Herr schmeiß Hirn herunter! Wetten, der Kleine will nie wieder Lehrer werden? Ich weiß noch nicht mal, ob bei soviel Unverstand die übliche Beschwichtigung, es ginge einen schließlich nichts an, wie andere Leute ihre Kinder erziehen, irgendwie weiterhülfe. Die Nebensitzenden waren jedenfalls völlig perplex. Darob wird noch nachgelegt: es gäbe heute ja soviele arbeitslose Lehrer. Ah ja.

Was ist eigentlich aus der Wahrnehmung des Lehrberufes als schönes und erhabenes Ziel geworden? Mir fiel im Weggehen mein alter Grundschullehrer, der unvergleichliche Herr Trost, wieder ein, und auch der von Arte jüngst wiederholte Dokumentarfilm Sein und Haben, in dem man in wunderbar ruhiger Weise das Leben des französischen Lehrers George Lopez mit seinen Schülern an einer Zwergschule in der Auvergne miterleben kann – dieser Lehrer geht völlig im Lehren auf.

O veni! – die O-Antiphonen

Das Einhorn  legt seinen Kopf in den Schoß
der Jungfrau – Illumination in einem Antiphonale,
um 1290
Mit dem 16. oder 17. Dezember tritt die Kirche in die gesegnete Zeit des Advents ein, in der sie in den großen O-Antiphonen unter den uralten Anrufungen des Messias dessen Kommen ins Fleisch, in die Welt, erfleht. Von Tag zu Tag scheint die Bitte immer drängender zu werden – komm, Herr, zögere nicht länger! Im Evangelium des letzten Sonntags haben wir mit dem heiligen Johannes dem Täufer von der Erfüllung der Bitten dieser großen Antiphonen gehört: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

Die O-Antiphonen des römischen Stundenbuches beginnen mit der Vesper am 17. Dezember. Es sind:


Davon abweichend gibt es Eigenriten mancher Orden und auch Gegenden in denen der mittelalterliche englische Brauch beibehalten wurde, acht O-Antiphonen – also eine vorweihnachtliche Oktav – zu singen. Die achte O-Antiphon ist die Antiphon O Virgo Virginum (O Jungfrau über allen Jungfrauen). Wo dieser Brauch besteht, beginnt man mit dem Singen der O-Antiphonen zum Magnificat bereits am 16. Dezember.

In der heiligen Messe kann man an den jeweiligen Tagen im Vers, den der Kantor beim Ruf vor dem Evangelium singt, auch einen kurzen Blick auf diesen wunderbaren Reichtum der Liturgie der Kirche erhaschen.

O Suppe…!


Das Fundstück der Woche – die Initale O aus dem anatomischen Werk De humani corporis fabrica (1543) des Andreas Vesalius, für dessen Illustrationen ich, wie ja schon geschrieben, schon länger eine Vorliebe habe; zuerst sind sie mir im Medizinstudium begegnet. Um dieses O herum betreiben – das dürfte auch den Herrn Alipius interessieren – Putten Resteverwertung, indem sie eine Suppe kochen, wahrscheinlich aus Knochen, wie man halt früher Suppe gekocht hat.

In der Schule, in die ich gegangen bin, gab es übrigens einen Eintopf namens R6 (das leitete sich ab von „der Rest von sechs Tagen“). Und im Karmel gibt es traditionell zu Beginn des Essens die sogenannte Karmelitensuppe, in der ebenfalls alles noch Verwertbare herumschwimmt – sie schmeckt aber ausgezeichnet.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

O höchste Liebesflamme – Johannes vom Kreuz



Etwas verspätet zum gestrigen Gedenktag des hl. Johannes vom Kreuz (1542-1591) eines seiner Gedichte, der Gesang der Seele in der innigsten Vereinigung mit Gott.

[Eine Anmerkung zu den Bildern: was auf diesen Spruchbändern, die das mystische Gebet versinnbildlichen sollen, steht, wüßte ich gar zu gerne. Es gibt dergleichen noch mehrere Bilder, etwa diese beiden, leider sind die Inschriften – auf dem unteren im Heiligenschein – für mich Blindfisch sämtlich nicht besser deutbar.]

Was vielleicht wenig im Bewußtsein ist: der heilige Johannes vom Kreuz, der auch Schutzpatron der Dichter ist, gehört zu den Kirchenlehrern. Manchmal, man korrigiere mich, falls ich mich irre, glaube ich, daß gerade aus dem Schweigen des Ordens unserer lieben Frau vom Berge Karmel besonders viele Mystiker, Dichter und Kirchenlehrer kommen.

In seiner Predigt gestern führte der Zelebrant nach einem Wort des Heiligen den Gedanken aus, daß Gott in der Seele eines Menschen keinen Raum leer lassen will; sogleich erfülle er ihn – doch muß er dazu eben leer sein.




O höchste Liebesflamme!
Wie dringst du bis zum Stamme
der Seele ein, sie lieblich zu verwunden!
Wie glühst du zart und leise!
Gib, daß der Vorhang reiße,
es sei, was mich von Dir noch fernt, verschwunden.

O Brandmal, süß zu fühlen!
O Wunden, die da kühlen,
der Seele tief von lichter Hand gegeben!
Gefühl aus Gottes Halle!
Die Schulden tilgst Du alle,
und tötend wandelst Du den Tod in Leben!

O Lampen, gluterfüllet!
Bei deren Blitz enthüllet
die Nacht entweichet aus der Sinne Talen!
Daß sie in selt’ner Würde,
mit lichtem Glanz und Zierde
vereint vor ihrem Hochgeliebten strahlen!

Wie wachest Du, o Treuer!
Wie sanft im Liebesfeuer,
in meiner Brust, wo Du verborgen weilest!
Wie flammst Du meine Triebe,
mit süßem Hauch zur Liebe,
voll Glorie und Huld, die Du erteilest!

Gift-wrapping as a martial art

Zwischendurch mal was anderes – eine einfache Anleitung zum Geschenkeverpacken mit einer Katze in nur neununddreißig Einzelschritten. Siehe zu diesem Thema auch Simon's cat.

  1. Räum alles vom Küchentisch, was du nicht benötigst.
  2. Geh ins Schlafzimmer, öffne den Kleiderschrank und hole die Tasche, die die Geschenke enthält. Schließ die Schranktür wieder.
  3. Öffne den Kleiderschrank erneut und nimm die Katze aus dem Schrank.
  4. Geh zur Abstellkammer, um die Geschenkpapierrollen zu holen.
  5. Geh noch einmal zurück und scheuche die Katze aus der Abstellkammer.
  6. Mach die Schublade des Küchenschranks auf, in der sich Tesafilm, Schere, Schleifen und all die anderen Materialien befinden.
  7. Leg die Verpackungsutensilien auf den Tisch und entwirf eine Strategie für die Verpackungsarbeit.
  8. Geh noch einmal zum Küchenschrank, um Schnur zu holen. Nimm die Katze, die sich seit dem erstmaligen Öffnen der Schublade dort aufhielt, und die Schnur heraus.
  9. Nimm eines der Geschenke aus der Plastiktüte.
  10. Nimm die Katze von der Plastiktüte.
  11. Öffne den Originalkarton und entferne das Styropor. Nimm die Katze vom Styropor und bring das Geschenk wieder in den ursprünglichen Zustand.
  12. Leg Geschenkpapier aus, um es auf das richtige Format zuzuschneiden.
  13. Schneide den Bogen passend zu und bemüh dich um gerade Kanten.
  14. Wirf das erste Stück weg, da die Katze die Schere gefangen und dabei das Papier zerrissen hat.
  15. Schneide ein zweites Stück Papier zu, während du die Katze in der Tasche mit den Geschenken festhältst.
  16. Leg das Geschenk mittig auf das zugeschnittene Geschenkpapier.
  17. Heb die Papierecken an, um sie über dem Geschenk zusammenzuführen. Da dies nicht gelingt, such nach der Katze, die sich irgendwo zwischen dem Geschenk und dem Papier aufhält. Hol die Katze herhaus und versuche es erneut.
  18. Halte die Papierecken mit einem Briefbeschwerer zusammen, während du mehrere Streifen Tesafilm zuschneidest.
  19. Nimm dir 20 Minuten Zeit, um die Tesafilmstreifen vorsichtig mit einer Nagelschere aus dem Katzenfell zu entfernen.
  20. Richte die Papierecken noch einmal genau aus, bevor du sie mit Tesafilm festklebst.
  21. Such nach der Rolle mit dem Schmuckband; jag die Katze durch die Wohnung und hol dir das Schmuckband zurück.
  22. Versuche, das Schmuckband zuerst quer und dann längs um das Geschenk zu binden.
  23. Roll das Schmuckband wieder auf und entferne das nunmehr zerrissene Papier, weil die Katze versucht hat, das Schmuckband zu fangen.
  24. Wiederhole die Schritte 12-22 bis zum letzten Bogen Geschenkpapier.
  25. Entscheide dich dann, die Schritte 12-16 auszulassen, um Zeit zu sparen und um nicht auch noch den letzten Bogen Geschenkpapier zu verlieren. Hol eine alte Pappschachtel, von der du weißt, daß sie die richtige Größe für den Bogen hat.
  26. Leg das Geschenk in die Pappschachtel und verschnüre die Schachtel.
  27. Entferne die Schnur, öffne die Schachtel und nimm die Katze heraus.
  28. Stopfe alle Verpackungsmaterialien in die Tasche mit den Geschenken und schau dich nach einem abschließbaren Raum um.
  29. Sobald du in diesem Raum bist, verschließ die Tür und leg die Verpackungsutensilien erneut aus.
  30. Nimm die Katze aus der Schachtel, schließ die Tür auf, wirf die Katze aus dem Raum, schließ die Tür wieder und verriegle sie.
  31. Leg den letzten Bogen Geschenkpapier aus (zugegebenermaßen nicht ganz einfach in der Enge des Badezimmers, aber versuche es!)
  32. Verschließ die Schachtel und packe sie in das Geschenkpapier. Bemüh dich, die Risse im Papier vorsichtig mit Tesafilm zu kaschieren. Wickle das Schmuckband um die Schachtel und deck die am schrecklichsten zugerichteten Stellen mit Schleifen und Rüschen ab.
  33. Befestige einen Geschenkanhänger. Verweile ein wenig vor deinem Werk und wisch dir verschämt die Tränen aus den Augen. Gratuliere dir zur Erfüllung der Mission unter erschwerten Bedingungen.
  34. Schließ die Tür auf und geh in die Küche, um die Katze zu füttern.
  35. Verwende die nächste Viertelstunde mit der Suche nach der Katze, bevor du auf die naheliegendste Schlußfolgerung kommst:
  36. Pack das Geschenk aus, öffne die Schachtel und nimm die Katze heraus.
  37. Sammle alle ausrangierten Geschenkpapierbogen wieder ein und zieh dich für einen letzten Versuch in das Badezimmer zurück, während die Katze mit Fressen beschäftigt ist. Vergewissere dich, daß du allein bist und die Tür abgeschlossen ist.
  38. Wenn du das Geschenk übergibst, setz ein zuckersüßes Lächeln auf. Versuch die Verachtung, die sich in den Gesichtszügen des Beschenkten für das Überreichen eines derart miserabel verpackten Geschenkes widerspiegelt, nicht persönlich zu nehmen.
  39. Schwör dir, daß du im nächsten Jahr die Katze in eine Katzenpension gibst.

Montag, 13. Dezember 2010

Ich fand ihn, den meine Seele liebt – hl. Lucia, Jungfrau und Märtyrin

Meister der Lucialegende


Jungfrauen führt man dem König vor als ihr Gefolge; ihre Freundinnen führt man zu dir unter Jubel und Jauchzen; man führt sie hinein in den Tempel: zum König, dem Herrn. (Offertorium zum Fest der hl. Lucia)


Herr, unser Gott,
wir feiern den Gedenktag
der heiligen Jungfrau und Märtyrin Lucia,
die du uns als Fürsprecherin gegeben hast.
Gib, daß wir nach ihrem Beispiel
als Kinder des Lichtes leben
und einst in der Gemeinschaft der Heiligen
den Glanz deiner Herrlichkeit schauen.

Daß der Sonntag Gaudete in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Gedenktag der hl. Lucia (286-304) steht, bringt eine schöne innere Verbundenheit der Haltung des adventlichen Menschen und der gottgeweihten Jungfrauen, die Abbild der Kirche sind, zum Ausdruck. Schon das Tagesgebet des Freitags der zweiten Adventswoche weist auf diese innere Verbindung hin:
Allmächtiger Gott,
gib, daß wir die Ankunft deines Sohnes
mit großer Wachsamkeit erwarten
und unserem Erlöser und Heiland Jesus Christus
mit brennenden Lampen entgegengehen.
Im Kanon des ersten Hochgebets werden viele jungfräuliche Märtyrinnen genannt, deren Gedenktage die Kirche im Winter begeht: Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia.

„Du hast dem Herrn Jesus durch das Gelübde der Jungfräulichkeit eine bräutliche Wohnung in deinem Herzen bereitet“, läßt die heilige Agatha Lucia in einem Traum am ihrem Grabe wissen. Hier führt Father Mark aus, daß die heilige Lucia, von heiliger Leidenschaft ergriffen, sogar als gewaltsamer bezeichnet werden kann, als ihre Verfolger:
And Saint Lucy? She could have saved her life in this world, had she not insisted on being altogether more violent than the torturers who took her life by violence. More violent? Yes. More violent, because Saint Lucy applied all the strength of her virginal love swiftly, intensely, and forcefully to bearing away the Kingdom of Heaven.
Das Martyrium der hl. Lucia,
unbekannter niederländischer Meister
All die Stärke ihres Herzens und ihrer jungfräulichen Liebe hat die Heilige auf dieses eine Ziel gerichtet, ihren Bräutigam Christus zu gewinnen und die Krone des ewigen Lebens.

Dem einfachen Volk gehörst du an; aber vor allem: du bist eine aus den Jungfrauen, welche die Anmut des Leibes mit dem Glanz des Geistes erleuchtet: fast bist du mit der Kirche zu vergleichen. Nächtlicherweise sinne in der Kammer über Christus nach und erhoffe jeden Augenblick seine Ankunft!

So wollte dich Christus, als er nach dir verlangte; so wollte er dich, als er dich erwählte. Er hat versprochen, zu dir zu kommen, er enttäuscht dich nicht. Durch die offene Tür kommt er herein. Umarme ihn also, den du gesucht hast. "Tritt hin zu ihm, und du wirst erstrahlen." Halte ihn fest, bitte ihn, daß er nicht schnell wieder geht, beschwöre ihn, daß er bleibt. Denn das Wort Gottes eilt. Wer hochmütig ist, faßt es nicht; wer gleichgültig, hält es nicht fest. Deine Seele gehe seinem Wort entgegen, hefte dich an die Spur seiner himmlischen Rede; denn er eilt schnell vorüber!

Denn was sagt jene (Braut)? Ich suchte ich, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortet nicht. Denk nicht, daß du ihm mißfällst, weil du gerufen, gebeten und aufgemacht hast, er aber so schnell wieder wegging. Oft läßt er Prüfung über uns kommen. Was sagte er schließlich, als das Volk ihn bat, nicht wegzugehen? Ich muß auch den anderen Städten das Wort Gottes verkünden: denn dazu bin ich gesandt worden. Wenn es dir auch scheint, er sei weggegangen, geh hinaus und suche wieder nach ihm.

Wer darf dich lehren, Christus festzuhalten, als die Kirche allein? Ja, sie hat es dich schon gelehrt, wenn du verstehst, was du bist: Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich faßte ihn und ließ ihn nicht mehr los.
Womit wird Christus also festgehalten? Nicht mit Schlingen des Unrechts, nicht mit Seilen und Stricken, sondern mit Fesseln der Liebe, mit Zügeln des Geistes läßt er sich binden und festhalten durch die Zuneigung des Herzens.

Wenn auch du Christus festhalten willst, such ihn und fürchte keine Pein. Denn häufig läßt er sich besser finden, wenn der Leib gezüchtigt wird, den Verfolgern in die Hände gefallen ist. Kaum war ich an ihnen vorüber, sagt sie. Denn eine kleine Weile, einen kurzen Augenblick, nachdem du den Verfolgern entronnen bist, ohne den Mächten der Welt unterlegen zu sein, da kommt dir Christus entgegen und läßt nicht länger zu, daß du auf die Probe gestellt wirst.

Die Christus so sucht und findet, kann sagen: Ich faßte ihn, ich ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich geboren hat. Was ist das Haus deiner Mutter und ihre Kammer, wenn nicht der innerste und verborgenste Winkel deines Wesens?

Auf dieses Haus habe acht und reinige sein Innerstes. Wenn es makellos ist, dann wird es sich als geistliches Haus erheben für ein heiliges Priestertum, vom Schlußstein zusammengehalten, und der Heilige Geist wird in ihm wohnen.

Die Christus so sucht, die ihn so beschwört, die verläßt er nicht, ja er besucht sie oft. Denn er ist bei uns bis ans Ende der Welt. 
(aus dem Buch über die Jungfräulichkeit des hl. Ambrosius)
Hier ein schöner Beitrag bei Josef Bordat.
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