Dienstag, 30. November 2010

Hl. Andreas, Apostel, Märtyrer

Die Kreuzigung des hl. Andreas, Ölbild von Carlo Braccesco


Ein Kreuz steht gleich am Beginn der Adventszeit, das charakteristische Kreuz des heiligen Andreas. Von diesem Apostel, dem Bruder des hl. Petrus, wissen wir, daß es ihm gegeben war, Menschen für Christus zu gewinnen – er führte seinen Bruder selbst zu Christus – und daß er schließlich das Martyrium auf dieselbe Weise wie der Herr erlitt.

Nach dem Tode Christi am Kreuz überliefert uns die Tradition, daß der Apostel in Byzantium, dessen ersten Bischof er einsetzte, in Griechenland und später sogar in Rußland und Schottland gepredigt habe. Der römische Statthalter Aegates (Aegas) befahl die Hinrichtung des Apostels am 30. November des Jahres 60 am Kreuz. Von diesem Kreuz herab predigte er noch zwei Tage.



Gegrüßet seist du, Kreuz, das durch den Leib des Herrn und von seinen Gliedern wie mit Perlen geschmückt ist. Ehe er an dir hing, warst du voller Grausamkeit; nun aber bist du voll göttlicher Liebe und mir willkommen. Darum komme ich sicher und fröhlich zu dir, denn ich bin ein Jünger dessen, der an dir hing. (hl. Andreas, der Apostel)

Montag, 29. November 2010

Christus, der wahre Morgenstern



In den letzten Wochen ist mir verschiedentlich das Exsultet in den Sinn gekommen – scheinbar liturgisch verquer, ist es das nicht. Endet das Lob der Osterkerze doch mit den Worten:
Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht; der mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
In dem schönen Adventslied Jochen Kleppers dichtet er, der sicherlich viele solcher Nächte gehabt haben mag:

Die Nacht ist vorgedrungen
Der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
Dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
Auch deine Angst und Pein.


Die wunderbare Antiphon O Oriens am 21. Dezember nimmt ganz kurz vor Weihnachten diese Sehnsucht wieder auf:

O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!


Eine eindringliche Predigt über die Sehnsucht des adventlichen Menschen hielt uns gestern unser Pfarrer: Der Advent ist die Zeit des aufgehenden Morgensterns, der die Kraft hat, die Dunkelheit zu zerstreuen.

Und noch ein neuer Blog: responsiones non disputae


Christus entgegengehen im Advent – zum Beginn des neuen Kirchenjahrs hat responsiones non disputatae seinen Blog begonnen. Mit dem denkbar kürzesten Profil: katholisch. Da das bekanntlich allumfassend ist, was soll man da große Worte machen… :P

Samstag, 27. November 2010

1. Adventssonntag – Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Seele


Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich.
Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren!
Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Der Introitus des ersten Adventssonntags ist zugleich charakteristisch für das Sehnen und Bestreben dieser ganzen Zeit, für den Beginn des neuen Kirchenjahres, aber auch Mitte und Erfüllung unseres Lebens: Zu dir, o Gott, erhebe ich meine Seele.

Alle Lesungen dieses ersten Adventssonntages sind voll von diesem Gedanken des Sichzuwendens, des neuen Aufbruchs: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs, heißt es beim Propheten Jesaja. Der 122. Psalm besingt die Pilgerschaft zur heiligen Stadt Jerusalem, und der Apostel mahnt uns, vom Schlaf aufzustehen und die Waffen des Lichts anzulegen, damit uns der Herr des Hauses, Christus, nicht schlafend vorfinde, wenn er wiederkommt. Diese Bewegung, Christus entgegen, nimmt auch das Tagesgebet auf: Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten. All sein Vertrauen auf diese Gnade und in der festen Zuversicht, daß er, der war, sicher kommen wird, kann der Beter zusammenfassen in der schönen Antiphon: Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn es nahet eure Erlösung.

Die ganze Liturgie des Advents wird von Dank, Bitte und Vertrauen bewegt. Dank für das unendliche Erbarmen, das Gott bei seiner Menschwerdung erwiesen hat und die Bitte, er möge uns seine Huld auch bei seiner Wiederkunft erweisen.

Um das unendliche Erbarmen Gottes, das in der Menschwerdung seines Sohnes liegt, zu besingen, findet der unbekannte Prediger in der Matutin wunderbare Worte:
Jetzt ist die Zeit, liebe Brüder, das Erbarmen und die Huld Gottes zu singen. Denn es ist Advent des Herrn, der war und der kommen wird, des Allmächtigen. Warum kommt er? Damit jene, die ihn nicht kannten, erkennen; die nicht glauben, glauben; die ohne Gottesfurcht waren, Gott fürchten; die nicht liebten, lieben. So kam er, der seinem göttlichen Wesen nach schon da war, nun mit seiner Huld, damit er als Mensch erkannt, als Gott geglaubt, als Mächtiger gefürchtet, als Gläubiger geliebt werde. In unserer Schwachheit erschien er als Mensch, in seinen Wundern als Gott: mächtig, wenn er die Dämonen beherrscht, gütig und barmherzig, wenn er die Sünder aufnimmt; menschlich war sein Hungern, göttlich die Vermehrung der Brote: menschlich sein Schlaf im Fischerboot, göttlich sein Befehl an das Meer. Menschlich war sein Sterben, göttlich war er, wenn er die Toten erweckte. In seiner Macht trieb er die Händler aus dem Tempel. In seiner Güte nahm er Zöllner und Sünder an. Mit seiner Allgewalt schreckte er die Dämonen, in seiner Güte sprach er die Ehebrecherin frei. Zuletzt stürzten vor seiner Erhabenheit die Häscher zu Boden, die ihn gefangennehmen wollen, und in seiner Liebe heilte er das Ohr des Knechtes. Dies alles gehört zu der Huld seines ersten Kommens. Da seine Güte bei deinem ersten Kommen so groß war, will ich dir singen, Herr. Erbarmen war es, daß du Mensch wurdest, unsere Schwäche auf dich nahmst. Alles entströmte dem Quell deiner Barmherzigkeit.

Advent – Christus entgegengehen

Als Katholik antizyklisch leben – im Advent einmal mehr Thema. Schon vor Christkönig sichtete ich erste Weihnachtsbäume (vom ersten Schokoladenweihnachtsmann im Sommer will ich erst gar nicht anfangen, meines Erachtens ein neuer Rekord) und vereinzelte Weihnachtsbeleuchtungen, nur einen Tag später dann volle Illumination. Beim abendlichen Einkaufen trompetete man mir gestern von oben her „Noël, Noël“ auf den Kopf. All das wohlgemerkt, noch vor dem ersten Advent. Wenn die Glitzerorgien und Weihnachtslieder dann eigentlich angesagt wären, nämlich von Weihnachten bis zum 2. Februar, sind sie irrsinnigerweise schon wieder verschwunden. Der Herr Pfarrer erzählte im vorigen Jahr, daß sich zu seiner Zeit im Priesterseminar eines Advents eine Dame beschwert habe, es wäre ja gar nicht dekoriert. Räusper…

„Kathrein stellt den Tanz ein“, hieß es früher in Bezug darauf, daß der Advent eine sogenannte geschlossene Zeit ist, eine Zeit des Fastens und der inneren Erneuerung als Vorbereitung auf das Hochfest Christi Geburt. In der Liturgie verwenden wir violette Paramente wie in der Fastenzeit, wir verzichten auf das festliche Gloria, zuweilen auch auf den Weihrauch, und schränken den Blumenschmuck ein. Zugleich gehören die Adventssonntage mit den Fastensonntagen im Kirchenjahr zu den Tagen mit dem höchsten liturgischen Rang; sie können von keinem anderen Gedenktag oder Fest verdrängt werden.

Ich kann am kollektiven Weihnachtswahnsinn nichts ändern, ebensowenig wie ich die Nachbarin über den Hof dran hindern kann, die Bäume und Sträucher im Hof pünktlich zum Beginn der Passionszeit mit Plastikostereiern zu dekorieren (grusel). Eigentlich hätte ich der Stadt und dem Einzelhandel (Urbi et …?) den Vorschlag zu machen, die ganze Dekoriererei einfach auf die Zeit vom 24. Dezember bis zum Fest Taufe des Herrn zu verschieben, Lichtmeß wär noch besser, dann lohnt es sich richtig. Wäre genauso lang, liturgisch stimmig und das Wort Lichtmeß käme auch wieder in Mode. Jedoch kann man das wahrscheinlich wegen allgemeiner Sinnlosigkeit getrost vergessen.

Eines aber kann ich tun: ich kann mich dem kollektiven Weihnachtswahnsinn um mich herum so gut wie möglich entziehen, ich kann mich am Adventskranz und später an der Krippe freuen, ich kann mich durch Buße, Zuwendung und Fasten auf das Fest der Geburt unseres Erlösers vorbereiten und mich dem entgegenstrecken, was sicher kommen wird, dem Herrn, ihm, der war und der kommen wird.
Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten.

Donnerstag, 25. November 2010

Heilige Madl


Unter den vierzehn Nothelfern bilden drei heilige Jungfrauen und Märtyrinnen eine eigene Gruppe, die man sich gut so merken kann:
Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radl,
das sind die drei heiligen Madl.
Gar nicht so einfach, die drei nebeneinander zu erwischen… Wer im Bild übrigens den (Lind-)Wurm sucht, der kreucht natürlich irgendwo da unten herum. Paß mit dem Tierchen auf, Margareta!

Diesen drei Virgines capitales wird als vierte gelegentlich auch noch die heilige Dorothea zugeschlagen, die allerdings wiederum nicht zu den heiligen Nothelfern gehört.

Die Gruppe der Jungfrauen in Beato Angelicos Altarbild Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern. Da sich die Altartafel (wahrscheinlich aufgrund ihrer Breite) jedem Versuch widersetzt, sie in ausreichender Größe einzustellen, hier nochmal zum draufklicken.

Hl. Katharina von Alexandria – Jungfrau, Märtyrin

Altarflügel, heute im Tiroler Landesmuseum Ferdiandeum
Ich sehne mich, mein Fleisch und Blut dem Herrn darzubringen, da er sich selbst einst für mich geopfert hat. Denn er ist mein Gott, mein Geliebter, mein Hirt und mein einiger Bräutigam.


In Heiligengruppen ist die heilige Katharina im allgemeinen leicht herauszufinden („Katharina mit dem Radl“), etwa hier. Zwar hat sie das bekannteste Attribut ihres Martyriums, das Rad, nicht in der Hand, trägt aber einen Mantel mit Rädermuster und eine Krone. Die rechte Hand reicht sie dem Christuskind zur Vermählung und empfängt von ihm den Ring.

Die heilige Katharina war eine gebildete, vornehme Jungfrau aus Alexandria. Im Alter von etwa 17 Jahren bekehrte sie sich nach einem Traum von der Gottesmutter als Königin des Himmels zum Christentum. Nach ihrer Taufe hatte sie der Überlieferung der Legenda aurea zufolge einen weiteren Traum, in der Christus sie mit großer Freude im Himmel begrüßte und zur Braut nahm. Die Legenda aurea rühmt Katharina (die Reine) für ihre Weisheit, ihre Redekunst, ihre Standhaftigkeit, ihre reine Keuschheit und ihre Würde. Es ist von ihr überliefert, daß sie nicht nur die Kaiserin, die Frau des Kaisers Maxentius, bekehrte, sondern bei einer Disputation vor seinem Hofstaat die etwa fünfzig anwesenden Philosophen von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugte. Diese wollten sich sogleich taufen lassen und erlitten deswegen ebenfalls das Martyrium durch Verbrennen. Da sie darüber in Verzweiflung gerieten, daß sie zuvor die Taufe nicht mehr empfangen konnten, ermutigte sie Katharina mit den Worten: „Fürchtet euch nicht, denn euer Blut wird euch taufen und krönen.“

Der Kaiser, der wider Willen von ihrer Schönheit und Klugheit angetan gewesen sein soll, wollte sie zu seiner Geliebten machen, was ihm Katharina verweigerte: „Entscheide mit rechtem Urteil und Prüfung, wen ich mir erwählen soll – den Mächtigen, Ewigen, Glorreichen und Gezierten, oder den Schwachen, Sterblichen, Unedeln und Ungestalten?“ Solcherart zurückgewiesen, verurteilte sie der Kaiser zum Tod durch Rädern. Als das Rad wundersamerweise zerbrach, ließ er Katharina enthaupten. Einer Legende zufolge betete Katharina vor dem Martyrium darum, daß kein Mann ihren Leichnam ansehen oder berühren möge. Darum wurde ihr Leib von Engeln auf den Berg Sinai getragen. An der Stelle, an der man ihn bestattete, wurde das Katharinenkloster errichtet, sicherlich die bekannteste der mehr als 1200 Kirchen, die der heiligen Katharina geweiht sind. Wegen des berühmten Disputs mit den kaiserlichen Philosophen ist sie nicht nur Schutzpatronin der Jungfrauen, sondern auch die der Theologiestudenten und Philosophen, sicherlich auch derjenigen, die eine philosophische Doktorarbeit schreiben… :P

Mittwoch, 24. November 2010

Laßt uns anlegen die Waffen des Lichts – Gebetsvigil & Nightfever

Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. (aus der zweiten Lesung des ersten Adventssonntags)

Eine Möglichkeit, zugleich dem Wunsch des Heiligen Vaters nach einer Gebetsvigil für das ungeborene Leben zu entsprechen und in den ersten Adventssonntag hineinzuwachen, bietet auch Nightfever in Berlin, am kommenden Samstag, den 27. November ab 21 Uhr in St. Bonifatius in der Yorckstraße.

Dienstag, 23. November 2010

Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen…

Virgo inter virgines (unbekannter Künstler). Wer Spaß an Suchspielen hat,
versuche anhand der ikonographischen Heiligenattribute die einzelnen
 Jungfrauen zu erkennen. Irgendwo reitet auch hl. Georg durchs Bild.
Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen – nach heilige Maria, Mutter Gottes die erste Anrufung der Gottesmutter in der Liturgie der Jungfrauenweihe. –

Als ich vor einiger Zeit bei einer Veranstaltung zum Thema Berufung vor einem kleineren Kreis über meine Berufungsgeschichte und die Art dieser Berufung sprach, ging einer Teilnehmerin ein Licht auf. Die heiligen Jungfrauen waren ihr schon im Meßbuch begegnet.

In der Liturgie sind die heiligen Jungfrauen allerdings stark auf dem Rückzug. Man darf jedenfalls mit Fug und Recht darüber erstaunt sein, daß eines der vornehmsten Attribute, unter dem wir die Gottesmutter anrufen, Königin der Jungfrauen, auch im Zusammenhang mit ihr selbst immer seltener gebraucht wird. Manche Zelebranten lassen das Wort Jungfrau auch dann weg, wenn es im Meßbuch steht. Oder heben gleich auf etwas anderes ab. Einer hat sich so um die komplette hl. Maria Goretti herumgeschwurbelt (etwas, das man erst einmal fertigbringen muß).

In der Lesung des 34. Montags im Jahreskreis nun – die in diesem Jahr sehr passend auf das Fest einer Jungfrau und Märtyrin, der hl. Cäcilia, fiel – wird aus der Offenbarung des Johannes gelesen über jene, die, dem Lamm folgen, wohin immer es geht. Dabei läßt das Lektionar genau den Halbvers aus[1], in dem gesagt wird, daß die Jungfrauen (die jungfräulichen Menschen) die sind, die das neue Lied singen, das niemand sonst singen kann: die Erstlingsgabe für Gott und das Lamm.

Mosaik der hll. Jungfrauen
Im Meßbuch und im Stundenbuch gibt es ein eigenes Commune für die heiligen Jungfrauen. Jungfräuliche Märtyrinnen werden im Kanon des ersten Hochgebetes genannt: Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia. War eine Märtyrin auch Jungfrau, so sieht die Liturgie hierfür wiederum eigene Gebete vor – die ich jedoch sehr selten höre: jungfräuliche Märtyrinnen oder solche, die das Martyrium eben deswegen erlitten, weil sie die Jungfräulichkeit um Christi willen gelobt hatten und Christus die Treue bis in den Tod hielten – ein solches Glaubenszeugnis scheint nicht mehr en vogue oder sogar fast anstößig.

Dabei hat die Kirche zu allen Zeiten die Jungfräulichkeit hoch geschätzt. Aus den Quellen Tertullians, Cyprians, des Ambrosius und anderer geht die hohe Wertschätzung des Standes der Jungfrauen der frühen Kirche hervor, die gleich dem der Märtyrer folgte.

Zu allen Zeiten hat die Kirche darüber hinaus auch männliche Heilige für die Tugend der vollkommenen Keuschheit hochgeschätzt und verehrt: etwa den heiligen Josef, den heiligen Antonius, den heiligen Aloysius Gonzaga, P. Maximilian Kolbe und viele mehr. Papst Pius XII. hat über die gottgeweihte Jungfräulichkeit eine schlichte und sehr gut zu lesende Enzyklika geschrieben: Sacra Virginitas[2], über die heilige Jungfräulichkeit.

Falls jetzt jemand persönliche Betroffenheit vermutet: mir tut es leid um die heiligen Jungfrauen, obwohl sie selbst vermutlich weit darüber hinaus sind. Sie sind bei der Hochzeit des Lammes.

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[1] Offb 14,1-3.4b-5 [sic!]
[2] hier in der deutschen Übersetzung der Kathpedia

Asseln


Aus aktuellem Anlaß – ich hatte mit einer Frau Assel zu tun – kam mir dieses nette Gedicht von Bert Brecht wieder in den Sinn:

Es war einmal eine Kellerassel,
die geriet in ein Schlamassel.
Der Keller, in dem sie asselte,
brach eines schönen Tages ein,
sodaß das ganze Haus aus Stein
ihr auf das Köpfchen prasselte.
Sie soll religiös geworden sein.

Das Bild zeigt eine dreispitzige Meerassel. Soviel zum Zitat des hl. Albert: Auch die niedrigsten Tiere verdienen, daß man sie erforscht, muß man doch ihre Formenvielfalt studieren, um so den Künstler zu preisen, der sie erschaffen hat, weil sich nämlich in der Kunst des Schöpfers seine Art zu schaffen offenbart.

Das erinnert mich an eine laue Vollmondnacht, die ich ausschnittweise mit meinem Kater auf unserem Hinterhof genoß. Dieses traute Idyll ging so lange, bis hunderte von Asseln, offensichtlich auf dem Weg zu wichtigen Geschäften anderswo – etwa einem Asselkongreß oder einer Balznacht, was beißt mich – auftauchten. Anscheinend sind auch Asseln Romantiker. Mein Kommentar: „Iihh, Asseln!“ (es war aber insgesamt doch ganz faszinierend). Der Kommentar meines Katers: „Fiep!“

Montag, 22. November 2010

Auf dich Herr hab ich vertraut – hl. Cäcilia, Jungfrau und Märtyrin

Die hl. Cäcilia gehört zu den Jungfrauen, deren Namen im Kanon des ersten Hochgebets genannt werden und zu den ältesten, in der Kirche gefeierten Heiligen. Der Überlieferung zufolge bekehrte sie den hl. Valerian, der entweder vergebens um sie anhielt oder in einer Josefsehe mit ihr verheiratet war, und dessen Bruder Tiburtius zum Christentum. Mit ihnen wurde sie um ihres Glaubens willen enthauptet. Ihre Leib ruht nach der Übertragung aus der Calixtus-Katakobe in der ihr 545 geweihten Basilika Sta. Cäcilia.


Introitus
Loquebar testimonibus tuis in conspectu regnum et non confundebar, et meditabar in mandatis tuis quae dlexi nimis. Beati immaculati in via: qui ambulant in lege Domini.

Ich legte Zeugnis ab für dein Gesetz vor Königen und wurde nicht zuschanden. Ich überdachte dein Gebot, das ich gar innig liebe. Selig sind die Makellosen auf dem Lebenswege, die wandeln nach des Herrn Gesetz.


Graduale
Höre, o Tochter, sieh her und neige dein Ohr; es sehnt sich der König nach deiner Schönheit.
In deiner Anmut, deiner Hoheit zieh hin, bring siegreich vor und herrsche. Alleluja, alleluja.

Die fünf klugen Jungfrauen nahmen mit den Lampen auch Öl in ihren Krügen mit. um Mitternacht aber erscholl der Ruf: Seht, der Bräutigam kommt! Auf Christus entgegen, dem Herrn!

Offertorium
Afferentur Regi Virgines post eam: proximae ejus afferentur tibi in laetitia et exultatione; adducentur in templum Regi Domino.

Jungfrauen führt man dem König vor als ihr Gefolge. Ihre Freundinnen führt man zu dir unter Jubel und Jauchzen. Man führt sie hinein in den Tempel, zum König, dem Herrn.


ursprüngliche Grabstätte der Heiligen in der Calixtus-Katakombe

Communio
Confundantur superbi, quia injuste iniquitatem fecerunt in me: ego autem in mandatis tuis exercebor, in tuis justificationibus, ut non confundar.

Schmach den Stolzen, die mich ungerecht bedrücken! Ich aber übe mich in deinen Lehren, in deinen Satzungen, damit ich nicht zuschanden werde.


Tagesgebet
Gott, du erfreuest uns alljährlich durch die Festfeier
deiner heiligen Jungfrau und Märtyrin Cäcilia;
laß uns dieser Heiligen, wie wir durch unseren Gottesdienst ehren,
auch durch einen vorbildlich frommen Lebenswandel nachfolgen.

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liturgische Texte aus dem Schott-Meßbuch von 1952

Samstag, 20. November 2010

Vom Holz herab als seinem Thron regiert Gott alle Nation – Christkönig


Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, daß ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen.
Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!


Pilatus hätte auch sagen können: Seht her, da ist euer König! Christus, dem wir in der Liturgie als König des Weltalls und König der Völker huldigen, ist ein König, der wie es der Hymnus Vexilla Regis des Venantius Fortunatus ausdrückt, vom Holz herab regiert. Dieses Holz ist das Holz des Kreuzes – der König des Weltalls ist nicht zu denken ohne sein Leiden, seine Krone ist die Dornenkrone, sein Zepter die Palme des Martyriums.



In der Matutin des Festes Christkönig hören wir vom heiligen Augustinus:
Was Pilatus zu Christus gesagt, und was dieser dem Pilatus geantwortet hat, soll in dieser Rede betrachtet und behandelt werden. Als nämlich den Juden gesagt worden war: „Nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetze", und diese geantwortet hatten: "Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten“, „ging Pilatus wieder in das Gerichtsgebäude hinein, rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Und Jesus antwortete: Sagst du das von dir selbst oder haben es dir andere von mir gesagt?" Ohne Zweifel wußte der Herr sowohl das, um was er selbst fragte, als auch das, was jener antworten würde, aber doch sollte es gesagt werden, nicht damit er es kennenlernen möchte, sondern damit aufgeschrieben würde, was wir wissen sollten. „Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet: was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden meine Diener kämpfen, damit ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier". Das ist es, was wir nach der Absicht des guten Meisters wissen sollten. …

Beim Propheten spricht der Vater: „Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg." Aber dieser Zion und dieser heilige Berg sind nicht von dieser Welt. Sein Reich sind die Glaubenden, zu denen er spricht: „Ihr seid nicht von dieser Welt, wie auch ich nicht von dieser Welt bin. Er wollte, daß sie in dieser Welt bleiben und betete zum Vater: „Ich bitte nicht, daß du sie aus dieser Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst." Darum sagt er auch hier nicht: Meine Königsherrschaft ist nicht in dieser Welt, sondern: Sie ist nicht von dieser Welt. Zum Beweis fügt er hinzu: „Wenn meine Königsherrschaft von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde." Dann fährt er fort: „Aber meine Königsherrschaft ist nicht von hier", wieder nicht: „Sie ist nicht hier". Hier ist nämlich sein Reich bis zum Ende der Welt, und es hat eingesätes Unkraut bis zur Ernte; die Ernte ist das Ende der Welt, wenn die Schnitter kommen, das heißt die Engel, und aus seinem Reich alle Ärgernisse sammeln. Es geschähe nicht, wenn seine Königsherrschaft nicht hier wäre. Aber sie ist doch nicht von hier, weil wir in dieser Welt nur auf dem Wege sind. Zu seinem Reich spricht der Herr: „Ihr seid nicht von dieser Welt, sondern ich habe euch aus dieser Welt erwählt."

Welcher Art ist nun das Reich, über das dieser König hier auf Erden vom Holz des Kreuzes herab regiert? Der Heilige Vater hat es jüngst so ausgedrückt:
Das Fruchtbringen und in der Verbundenheit mit Jesus Christus an der Erlösung der Menschen mitzuwirken, kann heißen: Jedes angenommene, noch so verborgene Leid, jedes stille Ertragen des Bösen, jede innere Überwindung, jeder Aufbruch der Liebe, jeder Verzicht und jede stille Zuwendung zu Gott – das alles wird wirksam im Ganzen: Nichts Gutes ist umsonst. Der Macht des Bösen, die wie mit Polypenarmen das ganze Gefüge unserer Gesellschaft zu umgreifen und in einer tödlichen Umarmung zu ersticken droht, tritt nun dieser stille Kreislauf des wahren Lebens entgegen als die befreiende Macht, in der das Reich Gottes ohne alles Aufheben, wie der Herr sagt, schon mitten unter uns ist. In diesem Kreislauf wird Gottes Reich, weil Gottes Wille geschieht auf Erden wie im Himmel.

O König aller Völker,
ihre Erwartung und Sehnsucht;
Schlußstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!
(Antiphon O Rex Gentium am 22. Dezember)

Schlaflos in Berlin

Erst jüngst ist mir aufgegangen, wozu eine Sitcom gut sein kann: man kann, auf dem Sofa sitzend, entweder dabei einschlafen oder auch irgendwann schlaftrunken ins Bett torkeln und bei nächster sich bietender Gelegenheit – wie etwa Vollmond – das Zuschauen an jeder beliebigen Stelle wieder aufnehmen, ohne etwas von der ohnehin offenbar kaum vorhandenen Handlung verpaßt zu haben. Außerdem finde ich Frans auftoupierte Haare phaszinierend. Die Nanny, derzeit bei Super RTL, unter der Woche ab 22.15 Uhr aufwärts.

Freitag, 19. November 2010

Dann wohnt der Wolf beim Lamm, Kuh und Bärin freunden sich an


Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frißt Stroh wie das Rind. (Jes 11, 6-7)

Eigentlich habe ich bei diesem ungewöhnlichen Paar immer gedacht, daß es anders herum geht: eines Tages kommt die Katze nicht mehr.

Zehn Jahre – seit die Katze eines Tages bei der Bärin im Berliner Zoo auftauchte und dablieb – haben die beiden zusammengelebt, Futter und Schlafplatz geteilt, und jedem Versuch, sie zu trennen, erfolgreich widerstanden. Am Dienstag ist die 43 Jahre alte Kragenbärin nun gestorben. Ein kleines Stück Advent hier auf Erden ist damit zu Ende gegangen. Ich wette, die spielen und schmusen irgendwann im Paradies zusammen weiter.

Donnerstag, 18. November 2010

Eucharistischer Frühling


Zur Kurzkatechese des heiligen Vaters bei der gestrigen Generalaudienz über Juliana von Lüttich und den eucharistischen Frühling sind mir auch einige Anmerkungen Father Marks wieder eingefallen, auf die ich verlinken wollte. Father Mark führt schlicht aus, daß die sogenannte „Erosion des Glaubens“ von folgenden Veränderungen sogar noch gefördert wird:
  • die Darbringung des Meßopfers durch den Priester, der zur Gemeinde gewandt zelebriert
  • die Entfernung der Kommunionbänke und die Verdunklung des Altarraums als „heiliger Ort“
  • die Verbannung des Tabernakels an die Seite des Altarraums
  • der Empfang der heiligen Kommunion im Stehen und in die Hände
  • die Einführung von Kommunionhelfern
Alles in allem sandten diese Veränderungen eine erschreckende Botschaft an die Gläubigen (und sogar an verwirrte Kleriker): „Leute, das allerheiligste Altarssakrament ist gar nicht das, was wir glaubten, das es sei.“

Es sei nebenbei bemerkt, daß jede dieser Änderungen für orthodoxe Christen ein Skandalon darstellen, keine von ihnen aber von Mainstream-Protestanten für anstößig gehalten würde. Wenn der Gottesdienst protestantisiert wird, beginnt man allmählich zu glauben wie ein Protestant. (Im Ganzen nachzulesen hier, Wounded in the house of them that loved me.)
Was kann man tun, um diesen Frühling, für dessen Ausbreitung der Heilige Vater betet, zum Erblühen zu bringen? Den Herrn häufig im Sakrament und zur Anbetung aufsuchen, wie der Heilige Vater sagt. Darüber hinaus sollte man meines Erachtens beginnen, den Erstkommunikanten[1] wieder die Mundkommunion als die ordentliche Form der heiligen Kommunion nahebringen. Viele heute Erwachsene wissen gar nicht, wie die Mundkommunion „geht“ – sie würden schon, trauen sich aber oft lange nicht.

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[1] Daß ich hier als Schleierfan und Nostalgikerin Kinder im Sonntagstaat, vor allem die kleinen Mädchen mit Kommunionschleiern und -kränzchen viel schöner und angemessener gekleidet und als typisch katholisch empfinde, gehört irgendwie auch da hinein. Einheitsbetsäcke? Ein Graus! Kleider machen zwar nicht den Menschen, sie geben aber auch ein Gefühl für das Besondere und Heilige dieses Moments.

Mittwoch, 17. November 2010

Merhaba!

Eine christliche Frau hierzulande kann alles mögliche machen. Sie kann die absonderlichsten und potthäßlichsten Wollmützen tragen, die mich teils an Perry Rhodan, an Akte X oder auch an Donovan's Brain erinnern.

Nur ein Tuch zum Schutz vor Kälte oder Sonne darf sie nicht auf dem Kopf tragen, zumal kein schwarzes. „Ach, Frau BdL, guten Tag, ich hab gedacht, da steht 'ne Türkin in der Sakristei.“ Merhaba! Guten Morgen, du Elch! .oO(Notier: keine schwarzen Wolltücher mehr stricken!) Dabei sehe ich mit Kopftuch gut aus, jawohl. Außerdem hat man nachher keine Wollmützenfrisur.

Grade gestern habe ich von einem schweineteuren Modelabel ein Dreiecktuch gesehen, genau in der Art, wie ich es im Sommer gestrickt habe, völlig schlicht, für schlappe 99 Euronen. Wahrscheinlich wird sowas nur von Türkinnen gekauft werden. Und sie werden gut drin aussehen! Verdrehte Welt… – we are not amused!

Dienstag, 16. November 2010

In der Kunst des Schöpfers offenbart sich seine Art zu schaffen





Auch die niedrigsten Tiere verdienen, daß man sie erforscht, muß man doch ihre Formenvielfalt studieren, um so den Künstler zu preisen, der sie erschaffen hat, weil sich nämlich in der Kunst des Schöpfers seine Art zu schaffen offenbart. (Albert der Große)

Der gestrige Tagesheilige, Albertus der Große, hatte eine große Liebe zur Erforschung der Natur, denn in der Kunst des Schöpfers offenbart sich seine Art zu schaffen.

Zu meinen glücklichsten Gaben gehört eine ausgesprochene Freude an den kleinen Dingen – in der Kunst des Schöpfers gibt es da immer etwas: farbenprächtige Sonnenuntergänge, fliegende Stare über der Kathedrale, Rauhreif über einer Wiese, dichtverschneite Tannenwälder.

Das Canticum Daniels im Stundengebet faßt den Lobgesang der ganzen Schöpfung, die den Schöpfer preist, vollendet zusammen:
Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn; * lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
Preist den Herrn, ihr Himmel; * preist den Herrn, ihr Engel des Herrn!
All ihr Wasser über dem Himmel, preiset den Herrn; * all ihr Mächte des Herrn, preiset den Herrn!
Preist den Herrn, Sonne und Mond; * preist den Herrn, ihr Sterne am Himmel!
Preist den Herrn, aller Regen und Tau; *preist den Herrn, all ihr Winde!
Preist den Herrn, Feuer und Glut; * preist den Herrn, Frost und Hitze!
Preist den Herrn, Tau und Schnee; * preist den Herrn, Eis und Kälte!
Preist den Herrn, ihr Nächte und Tage; * preist den Herrn, Licht und Dunkel!
Preist den Herrn, Rauhreif und Schnee; * preist den Herrn, ihr Blitze und Wolken!
Die Erde preise den Herrn; * sie lobe und rühme ihn in Ewigkeit!
Preist den Herrn, ihr Berge und Hügel; * preist den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden!
Preist den Herrn, ihr Meere und Flüsse; * preist den Herrn, ihr Quellen!
Preist den Herrn, ihr Tiere des Meeres + und alles, was sich regt im Wasser; *
preist den Herrn, all ihr Vögel am Himmel!
Preist den Herrn, all ihr Tiere, wilde und zahme; * preist den Herrn, ihr Menschen!
Preist den Herrn, ihr Israeliten; * lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
Preist den Herrn, ihr seine Priester; * preist den Herrn, ihr seine Knechte!
Ihr Geister und Seelen der Gerechten, preiset den Herrn; * ihr Demütigen und Frommen, preiset den Herrn!
Preist den Herrn, Hananja, Asarja und Mischaël; * lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
Laßt uns preisen den Vater und den Sohn mit dem Heiligen Geist, * ihn loben und rühmen in Ewigkeit!

Meilensteine der Wissenschaft

1876 – Edward Drinker Cope entdeckt den Tea Rex.

Montag, 15. November 2010

Gute Stimmung hier…


…dachte ich grade, angesichts dieses Bildes der heiligen Cäcilia von Peeter Sion. Man achte auf den angelischen Ringelreihen rechts in der Ecke.

Die heilige Cäcilia lebte im 3. Jahrhundert in Rom. Sie gelobte ewige Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen und bewahrte diese auch, als sie mit dem heidnischen Valerian von Trastevere verheiratet wurde. Der Überlieferung zufolge wachte ein Engel über ihre Tugend, und bei ihrer Hochzeit sang sie im Herzen ein Lied für Christus, ihren wahren Bräutigam. Einer anderen Überlieferung zufolge hörte sie am Abend ihres Hochzeitstages, als sie das Gelübde der Jungfräulichkeit erneuerte, himmlische Musik.

Cäcilia erlitt mit Valerian, der sich später taufen ließ, wegen ihres Glaubens das Martyrium. „Weißt du nicht, daß ich die Braut meines Herrn Jesus Christus bin?“ fragte sie den Präfekten, vor den man sie führte. Die Kirche feiert den Gedenktag dieser Jungfrau und Märtyrin am 22. November.

Sonntag, 14. November 2010

33. Sonntag im Jahreskreis

Die Belagerung und Zerstörung Jerusalems durch die Römer unter dem Kommando des Titus im Jahre 70, Ölbild von David Roberts, 1850


In jener Zeit, als einige darüber sprachen, daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:

Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.

In meiner Geduld will ich meine Seele besitzen

Der Baum des Lebens
mit den himmlischen Tugenden Gehorsam, Geduld, Demut und Liebe

Im Evangelium des 33. Sonntags im Jahreskreis wendet sich Jesus an seine Jünger:
Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so daß alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehaßt werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen. (Lk 21, 17-19
)

Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen – in der Vulgata heißt es an dieser Stelle Durch die Geduld werdet ihr eure Seele besitzen (in patientia vestra possidebitis animas vestras). Diese Stelle muß dem seligen Bernhard Lichtenberg viel bedeutet haben. Er schreibt darüber in der seinem Martyrium vorausgehenden Haft:

Samstag, 13. November 2010

Szenen aus dem Leben einer Heiligen

Bei dem Wer bin ich?-Spiel kam für mich Hildegard von Bingen heraus. Surprise! (Jedoch habe ich bei den Antwortmöglichkeiten mehrmals „nichts von alledem“ vermißt, und meine Vorliebe für ein warmes Bad in schwierigen Situationen läßt auch eher auf den heiligen Thomas von Aquin schließen, der war aber Italiener).

Da mich die Plakate zu dieser Sendereihe über „Die Deutschen“ nun auch in der U-Bahn grüßen, sei mir die Frage gestattet: Wer soll das oben links eigentlich sein? Wenn die heilige Hildegard, so sieht sie reichlich blödsinnig aus. Auch stelle ich mir vor, daß Hildegard sicherlich etwas anderes im Kopf hatte, als sich die Beine fachgerecht zu enthaaren[1]. Wahrscheinlich ist mit meinem Ironiedektor irgendetwas nicht in Ordnung.

Neben der heutigen Reminiszenz, in der sie leider allzuoft als spirituell beseeltes Kräuterweiblein daherkommt, erahnt man hier nichts von der reichen und vielfältigen Begabung Hildegards, die nicht nur den beiden Abteien Rupertsberg und Eibingen als Äbtissin[2] vorstand, sondern auch Mystikerin und daraus folgend Schriftstellerin, Komponistin (ihr verdanken wir etwa das wunderschöne Singspiel Ordo virtutum), Ratgeberin, Illustratorin und einiges mehr war. – Ich nehme mal an, das ZDF will sagen: wenn sie nach alldem abends nach der Komplet noch Zeit hatte, hat sie sich die Beine rasiert. Blöd. Auch das andere Bild, eine Szene aus dem Film Vision, kommt irgendwie leicht spinnert rüber. Nochmals Verwunderung: es gibt doch genügend (sogar zeitgenössische) Darstellungen Hildegards?! Wirkt sie darauf nicht durchgeknallt genug?

Miniatur aus dem Rupertsberger Codex des Liber Scivias

Darstellung im Beuroner Stil in der Abtei St. Hildegard

____
[1] Hätte sie dazu jetzt nicht wenigstens eine ihrer Kräuterpackungen nehmen können? Hihi.

[2]die Frage, wieso das ZDF eine Äbtissin „Managerin“ nennen muß, wage ich schon gar nicht mehr zu stellen. Unterstellt man, daß „die Deutschen“ heutzutage nicht mehr wissen, was eine Äbtissin ist, oder klingt Managerin einfach naßforscher?

Donnerstag, 11. November 2010

Leib Christi und Opfergabe, nicht heiliges Brot


Stanislaus schreibt über das Schlußgebet zum Gedenktag des Heiligen Martin, in der der Leib Christi als "heiliges Brot" bezeichnet wird. Also manchmal frage ich mich auch, zu was diese Umschreiberei von liturgischen Texten gut sein soll? Zum Vergleich, früher wurde gebetet:

O Gott, Du siehst, daß wir aus eigener Kraft nicht bestehen können;
so verleihe denn in deiner Huld,
daß die Fürsprache deines heiligen Bekenners und Bischofs Martinus
uns gegen alles Widrige schirme.
(Tagesgebet[1] im Schott von 1952)

Wir bitten dich, Herr unser Gott,
gib daß die Opfergaben, die zum Feste deiner Heiligen[2]
dir geweiht wurden,
auf deren Fürbitte uns Heil bringen.
(Schlußgebet, ebd.)

____
[1] Das Tagesgebet greift in schöner Weise das Bild des geteilten Mantels auf
[2] es wurde am 11.11. auch noch des Martyrers Mennas gedacht. Wo ist der eigentlich hingekommen?

Pfefferkuchenwahn

Die ersten Süßigkeiten für das nahende (es ist alles relativ) Weihnachtsfest habe ich in diesem Jahr Anfang August erspäht, also im Prinzip nicht lange nach Johanni, Das ist ein neuer Rekord – erbarme dich!

Allerdings – schlagt mich, teert mich, federt mich – habe ich in diesem Jahr die gewisse Schwierigkeit, dem Weihnachtskram im Advent zu widersagen, dadurch umschifft, daß ich die Pfeffernüsse mit Schokoladenrückseite einfach schon vorher esse. (Nicht sehr elegant, ich weiß, aber realitätsnah: Im Advent will ich nicht und hinterher gibt es keine mehr.) Leider beginnt man mir genau das womöglich demnächst anzusehen. Allerdings ist demnächst dann auch erst einmal Schluß damit. Soviel zum Thema „Pfefferkuchenwahn“

Mittwoch, 10. November 2010

Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt – der hl. Martin


Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25, 35-40)

Als bei den jährlich stattfindenden Umzügen zu Ehren des hl. Martin auch „ökumenisch gestaltete“ angekündigt wurden, hatte ich ein leichtes Fragezeichen im Gesicht. Wie geht denn ein ökumenischer Martinsumzug? Schon als ich noch klein war, ist der heilige Martin mit seinem Pferd immer für alle Kinder gekommen, in unserer pietistischen Gegend sowieso vor allem protestantische.

Der heilige Martin, 316 in Pannonien geboren, ist einer der bekanntesten Heiligen. einer der ersten, der als Bekenner heiliggesprochen wurde (das heißt, der nicht das Martyrium erlitten hat). Er war römischer Soldat und empfing junger Mann die Taufe. Am bekanntesten aus seinem Leben ist sicherlich die Begebenheit, in der er seinen Mantel mit einem armen Bettler teilt. In der Nacht darauf erschien ihm Christus selbst, in das Gewandstück gehüllt.




Traum, Tod und Begräbnis des heiligen Martin,
Freskenzyklus von Simone Martini

Wegen Gewissenskonflikten wollte er seinen Abschied aus dem römischen Heer nehmen, was ihm erst im Alter von 40 Jahren bewilligt wurde. Er lebte dann zunächst als Einsiedler, später gründete er mit einigen Anhängern in Gallien ein Kloster, schließlich wurde er (nicht ganz freiwillig) Bischof von Tours. Martinus zeichnete sich durch seine große Liebe zum Frieden und als Mann des Gebets aus, was uns von seinem Biographen Sulpicius Severus berichtet wird.

Einer Legende zufolge hatte Martinus eines Nachts wiederum eine Vision Christi in der Gestalt eines prächtigen Königs. Als Martinus ihn fragte, wer er sei, antwortete jener „Ich bin dein Heiland Jesus Christus“. Auf die Frage, wo dann seine Wunden seien, antwortete die Erscheinung, er käme jetzt „nicht vom Kreuz, sondern vom Himmel her in meiner Herrlichkeit!“ Martinus darauf: „Geh mir aus den Augen, du mußt der Teufel sein. Den Heiland, der ohne Wunden ist, den mag ich nicht sehen; den erkenne ich nicht, der das Zeichen seines Leidens nicht hat.“

Wundervoll, ganz wundervoll (3)



Dienstag, 9. November 2010

Mutter und Haupt aller Kirchen – Weihetag der Lateranbasilika



Die Wasser eines Stromes erquicken die Gottesstadt, 
des Höchsten heilige Wohnung. Gott ist in ihrer Mitte,
 darum wird sie niemals wanken. (Ps. 45, 5-6)


Die Kirche ist das Ackerfe!d oder der Acker Gottes. Auf jenem Acker wächst der alte Ölbaum, dessen heilige Wurzel die Patriarchen waren und in dem die Versöhnung von Juden und Heiden geschehen ist und geschehen wird. Sie wurde vom himmlischen Ackerherrn als auserlesener Weingarten gepflanzt. Der wahre Weinstock ist Christus, der den Rebzweigen Leben und Fruchtbarkeit gibt, uns nämlich, die wir durch die Kirche in ihm bleiben, und ohne den wir nichts tun können. (KKK 756)
Einen sehr schönen Beitrag zum Fest des Weihetages der Lateranbasilika, die die Kirche Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises nennt, hat der Benediktiner Mark Daniel Kirby auf seinem Blog Vultus Christi geschrieben: Haec est domus Domini.

Montag, 8. November 2010

Wo man etwas zu lachen hat

In den Abkündigungen des gestrigen Tages ein nettes Blitzlicht Pfr. Karlsons, gleich nach einem kleinen Exkurs über Allerseelen und den Volkstrauertag am nächsten Sonntag: „Kommen Sie doch zu unserer Veranstaltung am Sonntagvormittag, es wird bestimmt lustig!“*


*Davon ist übrigens wirklich auszugehen. Die Veranstaltung heißt Vom Strophenlied zum Kantatengottesdienst und gehört zu einer Reihe von drei Matineen Wie klingt Kirche? – Wer jetzt nicht versteht, was daran lustig sein könnte, muß die Gabe dieser Referenten, kurzweilig vorzutragen, in seine Erwägungen einbeziehen.

Ihr Freunde Gottes allzugleich


Natürlich gibt es im Leben wichtigeres, aber in Bezug auf die Anwendung des Liedes Nr. 608 (Ihr Freunde Gottes allzugleich) schwanke ich an manchen Tagen zwischen Seufzen und einem unwilligen Knurren. Nicht, daß mir von Spees Lied nicht gefiele, allerdings sei mir der Hinweis gestattet: es gäbe für Heiligenfeste schon auch noch etwas anderes, gell. – Vollends wahnsinnig macht mich aber die unheilige Allianz von Lethargikern vor Ort, die das Lied als Eingangslied ansetzt und dann, immer, wirklich immer, egal welchen Heiligen wir feiern, sei er Apostel, Märtyrer, Jungfrau oder Bekenner, die Strophen eins und zwei absingen läßt. Liebe Güte! Als wenn es keine roten Zahlen für die Magnettafel gäbe (wenn man denn durchaus nur zwei Strophen singen will, kann man doch genausogut eine zum Fest passende nehmen). Ich fürchte schon, heute abend fallen die heiligen Märtyrer wieder hinten runter.

An Allerheiligen sang man übrigens von 608 die Strophen eins bis drei. Das hätte mir wirklich beinahe das Wasser in die Augen getrieben. Kann man nicht ein einziges Mal im Jahr, zu Allerheiligen, an alle Heiligen denken?

Einen schönen Gedanken über die Heiligen hat Pfarrer Karlson in seiner Predigt in der Akademiekirche zu Allerheiligen formuliert:
Ich bin froh, daß das Christentum das Licht der Offenbarung in einer gigantischen Fensterrosette, gebrochen in Tausenden von Farbtönen, widerspiegeln darf und hoffe, daß die mangelnde Uniformität der Heiligen nicht als mangelnde Einheit, sondern als wunderbare Vielfalt von Ähnlichkeiten erfahren werden kann.
Der Druck, Verschiedenheiten, Widerständigkeiten gegen das Einerlei unserer Zeit aufzugeben, ist heute sicher groß, wir sollten ihm nicht vorschnell nachgeben. Derjenige, der Christus nachfolgt, muß unverwechselbar sein, und zugleich eine immer größere Ähnlichkeit mit Christus erkennen lassen.
Das Paradox des Allerheiligenfestes ist, daß die Gemeinschaft der vielen verschiedenen Heiligen genau auf diese eine Gegenwart Christi verweist, den Eidos, das Urbild, dem sie ähnlich geworden sind, und dennoch unverwechselbar, dem die Vielen nachfolgen, weil er sie zuerst geliebt hat.

Sonntag, 7. November 2010

Ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit – Gedenktag aller Märtyrer des Erzbistums

Das Bild zeigt den Kalvarienberg, zugleich das
Martyrium des hl. Dionysius auf dem Montmartre,
dem Berg der Märtyrer.

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual kann sie berühren. In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden. In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit. Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer. Beim Endgericht werden sie aufleuchten wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen. (Weisheit 3,1-7)


Zu allen Zeiten hat Christus mit solcher Liebe Menschen an sich gezogen, daß sie ihm in den Tod nachfolgten und so die Ähnlichkeit mit ihm, dem sie im Leben gleichförmig geworden waren, vollkommen machten. Der heilige Augustinus gibt in seinem Gottesstaat der Überzeugung Ausdruck, daß, wie der Leib des auferstandenen Christus noch die heiligen Wunden trug, auch die Märtyrer die empfangenen Wunden noch im Jenseits tragen werden – als eine Art Siegeszeichen: Vielleicht schauen wir in jenem Königreich am Leibe der Märtyrer die Spuren der Wunden, die sie für Christi Namen getragen haben, denn dies wird keine Verunstaltung sein, sondern eine innewohnende Würde; und eine besondere Schönheit wird in ihnen erstrahlen, im Fleische, nicht vom Fleische.

Am 8. November feiern wir den Gedenktag aller Märtyrer des Erzbistums. Der Kommunionvers aus dem Johannesevangelium "… ich habe euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt" verweist darauf, was die bleibende Frucht des Blutes der Märtyrer zu allen Zeit war, die Gemeinschaft der Heiligen, der Samen der Kirche.

All ihr heiligen Märtyrer, bittet für uns!

Samstag, 6. November 2010

Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt

Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.

Gott hat uns die Hoffnung gegeben, daß er uns wieder auferweckt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben. (2 Makk 7, 9, 14)

Diese Worte aus der ersten Lesung zum 32. Sonntag im Jahreskreis könnten auch Worte der im Irak ermordeten Christen zu ihren Verfolgern sein. Gern warten wir auf die Auferstehung unseres Leibes, oder wie Hiob in der Lesung der zweiten Messe vom Allerseelentag sagt: Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen.

Ein Kollege, ein Christ aus dem Irak, hat mir gestern abend erzählt, daß sieben Bekannte unter den Opfern des Anschlages auf eine Kirche in Bagdad sind. Er sagte mir auch, daß viele von seinen Verwandten eigentlich soweit sind, den Muslimen zu sagen: "Gut, wir gehen, macht euer muslimisches Land, aber laßt uns in Frieden leben" – jedoch werden diese Leute von den europäischen Staaten nicht als Flüchtlinge aufgenommen. Habe ich das richtig verstanden: der Staat nimmt Muslime auf, die in ihrer Heimat von Folter und Tod bedroht sind, aber nicht die verfolgten Christen aus dem Irak?

Kirche in Not schreibt, was wir einstweilig für die verfolgten Christen im Irak und überall tun können:
  • Beten Sie für die verfolgten Glaubensgeschwister
  • Helfen Sie mit Ihrer Spende
  • Unterstützen Sie die Priester mit Ihren Meßstipendien
Mir fiele noch "schreiben Sie an Ihren Kongreßabgeordneten" (oder dessen Äquivalent) ein. Und nochmals: betet, betet!

Weihetag der Kathedrale


die Hedwigskathedrale, wie sie einmal war,
mit der früheren Kuppel und Dachlaterne
… und was von ihr nach den Bombenangriffen des zweiten Weltkrieges noch übrig war

Bein Blick auf die beiden Kuppeln heute
(das Turmkreuz sieht man aus dieser Perspektive leider nicht)

Im Jahre 1746 überließ der König von Preußen der katholischen Gemeinde zu Berlin den Bauplatz für eine Kirche. Nach großen Schwierigkeiten und mit Hilfe von Spenden aus vielen Teilen Europas, dem Wohlwollen des Papstes Klemens XIV. sowie des Bischofs von Brescia, Kardinal Ouerini, konnte der Bau fertiggestellt werden und der Bischof von Ermland, Ignacy Krasicki, die St.-Hedwigs-Kirche am 1. November 1773 konsekrieren. Seit 1821 wurde sie zum Mittelpunkt des katholischen Lebens in der damals gegründeten Fürstbischöflichen Delegatur für die Mark Brandenburg und Pommern, da der Propst von St. Hedwig auch als Delegat amtierte. 1923 wird sie in den Rang einer Basilica minor erhoben, 1930 Kathedrale des neuerrichteten Bistums Berlin. Am 1. März 1943 brannte sie bei einem Bombenangriff aus und wurde nach dem Kriege wieder aufgebaut. Am 1. November 1963 konsekrierte Erzbischof Alfred Bengsch den neuen Hochaltar. (aus dem Schott-Meßbuch für die Eigenfeiern)



Hier eine kleine Bildersammlung zum heutigen Weihetag der St.-Hedwigs-Kathedrale – eigentlich ist sie ja am Hochfest Allerheiligen geweiht, der Weihetag tritt liturgisch jedoch hinter diesem Fest zurück und wird daher am 6. November nachgeholt.

Über Aussagekraft und Schönheit der heutigen Ausgestaltung der ursprünglich barocken und innen viel dunkleren Kathedrale – ohne die Altarsäule, „das Loch“ und die Treppe zur Krypta in der Mitte – kann man sehr unterschiedener Meinung sein. Für mich tritt all das eigentlich immer völlig hinter dem zurück, daß die Kathedrale für mich einfach der Ort ist, an den ich täglich komme, um zu beten und Christus in den Sakramenten zu begegnen, und ich mich daher dort völlig vertraut fühle. In der Krypta ist der selige Bernhard Lichtenberg begraben, zugleich ist sie die Grablege der Berliner Bischöfe, hier wurde ich geweiht. Der Boden, über den wir beim Einzug zur Heiligen Messe schreiten, ist die Stelle vor dem Altar, an der ich mich bei der Allerheiligenlitanei niederwerfen durfte, und die Krypta ein wirklicher Ort des Gebets. Aus diesem Grund ist mir die Kathedrale sehr teuer.
Erhabener Gott,
du erbaust dir aus lebendigen
und erlesenen Steinen ein ewiges Haus.
Mache die Kirche reich an Früchten des Geistes,
den du ihr geschenkt hast,
und laß alle Gläubigen in der Gnade wachsen,
bis das Volk, das dir gehört,
im himmlischen Jerusalem vollendet wird.
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